Mirena und Brustkrebs: kleines Risiko, klare Grenzen

Mirena und Brustkrebs: kleines Risiko, klare Grenzen

Die Hormonspirale Mirena kann das Risiko für Brustkrebs in Beobachtungsstudien leicht erhöhen; der absolute Zuwachs bleibt bei jüngeren Frauen klein. Aktiven oder vermuteten Brustkrebs schließt die US-Fachinformation aus, weil ein Teil der Tumoren auf Gestagene anspricht. Ältere Texte aus der Zeit um 2018 nannten den Zusammenhang oft uneindeutig und die Liegedauer fünf Jahre. Seither liegen größere Registerarbeiten vor, und die US-Zulassung für die Schwangerschaftsverhütung reicht bei Mirena bis acht Jahre.

Kein Beleg ersetzt das Gespräch mit der behandelnden Ärztin. Die folgenden Abschnitte trennen, was die Zahlen wirklich tragen, für wen die Spirale tabu bleibt und welche hormonfreie Alternative die US-Kriterien zur medizinischen Eignung an erster Stelle nennen.

Wie wirkt Mirena und wie lange bleibt sie liegen?

Mirena gibt das Gestagen Levonorgestrel vor allem in die Gebärmutterhöhle ab und verhindert so zuverlässig eine Schwangerschaft. Laut US-Fachinformation (Stand August 2022) enthält das T-förmige System 52 Milligramm Wirkstoff. Nach 24 Tagen liegen etwa 21 Mikrogramm pro Tag frei, nach fünf Jahren rund 11 Mikrogramm, nach acht Jahren etwa 7 Mikrogramm. Der Zervixschleim wird zäher, die Gebärmutterschleimhaut dünner; bei einem Teil der Nutzerinnen bleibt der Eisprung aus. MedlinePlus nennt denselben Mechanismus für Mirena, Liletta, Kyleena und Skyla.

Die Zulassungsdauer hängt von Land und Indikation ab. In den Vereinigten Staaten darf Mirena zur Verhütung acht Jahre liegen; gegen starke Monatsblutung gilt die Zulassung fünf Jahre, danach soll das System gewechselt werden, wenn die Blutung weiter behandelt werden soll. Kyleena bleibt nach MedlinePlus (Stand August 2023) fünf Jahre, Skyla drei Jahre. Cleveland Clinic listete Liletta 2022 noch mit sechs Jahren; MedlinePlus nennt für Liletta bereits acht Jahre Verhütung. Wer in Deutschland oder einem anderen Land behandelt wird, hält sich an die dort gültige Packungsbeilage, nicht an die US-Zahl allein.

Die Schwangerschaftsrate in den Zulassungsstudien lag im ersten Jahr bei höchstens 0,2 je 100 Frauen, über fünf Jahre bei etwa 0,7 je 100. In der Verlängerungsstudie für das sechste bis achte Jahr blieb der Pearl-Index niedrig. Mayo Clinic (Stand April 2024) rechnet mit weniger als einer Schwangerschaft auf 100 Nutzerinnen im typischen Anwendungsjahr. Sexuell übertragbare Infektionen verhindert das System nicht. Nach einem Jahr bleibt die Periode bei rund 20 Prozent der Mirena-Nutzerinnen aus; viele erleben zuerst unregelmäßiges Spotting.

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Erhöht die Hormonspirale das Brustkrebsrisiko?

Mehrere große Auswertungen seit 2023 finden bei aktueller oder kürzlicher Nutzung ein erhöhtes relatives Risiko in der Größenordnung von etwa 20 bis 40 Prozent. Das ist kein Beweis für eine sichere Ursache-Wirkung, aber auch kein Freibrief nach dem Muster „kein Zusammenhang“. Levonorgestrel wirkt lokal stark und erreicht dennoch messbare Blutspiegel. Ein Teil der Brusttumoren trägt Hormonrezeptoren; deshalb gilt jede Gestagenquelle als potenziell relevant, selbst wenn die Dosis unter der einer kombinierten Pille liegt.

Die Fachinformation von 2022 bleibt hinter diesem Stand zurück. Sie erwähnt Spontanmeldungen und schreibt, Beobachtungsstudien lieferten keinen schlüssigen Nachweis eines erhöhten Risikos. Genau diese Lücke füllen neuere Arbeiten: Sie vergleichen Nutzerinnen mit Frauen ohne hormonelle Verhütung und finden ein wiederkehrendes, eher kleines Signal. Eine Metaanalyse in Heliyon vom Frühjahr 2023 sah dagegen keinen signifikanten Anstieg. Solche Widersprüche entstehen, wenn Studien unterschiedliche Vergleichsgruppen, Altersbänder und Indikationen mischen. Für die Beratung wiegt das jüngere, besser adjustierte Material schwerer als der Satz aus dem Label.

Cleveland Clinic rät bei bestehendem Brustkrebs und bei sehr hohem individuellem Risiko von der hormonellen Spirale ab. Die US-Kriterien zur medizinischen Eignung sind differenzierter: Eine alleinige Familienanamnese ohne eigene Erkrankung bleibt Kategorie 1, also ohne Einschränkung. Unklarer Tastbefund ist Kategorie 2 und soll zuerst abgeklärt werden. Gutartige Brustveränderungen ändern die Einstufung nicht.

Was zeigen die großen Studien seit 2023?

Die britische Fall-Kontroll-Arbeit von Fitzpatrick und Kolleginnen in PLOS Medicine (März 2023) wertete Rezepte von 9498 Frauen unter 50 Jahren mit invasivem Brustkrebs und 18 171 Kontrollen aus. War die letzte hormonelle Verhütung eine Gestagen-Spirale, lag das Odds Ratio bei 1,32. Kombinierte Pille, Minipille und Spritze lagen in derselben Größenordnung. Die angeschlossene Metaanalyse zu Gestagen-Spiralen ergab ein relatives Risiko von 1,21. Kupfer-Spiralen zeigten mit 1,10 keinen signifikanten Anstieg.

Dänemark lieferte 2024 die bislang schärfste Kohorte zur Dauer. Mørch und Kolleginnen verglichen im JAMA 78 595 Erstanwenderinnen einer Levonorgestrel-Spirale (52, 19,5 oder 13,5 Milligramm) mit ebenso vielen Frauen ohne hormonelle Verhütung. Das mittlere Alter lag bei 38 Jahren, die mittlere Beobachtung bei 6,8 Jahren. Die Hazard Ratio für Brustkrebs betrug 1,4. Für null bis fünf Jahre Nutzung nannten die Autorinnen 14 zusätzliche Diagnosen je 10 000 Nutzerinnen; der Trend über längere Liegezeiten war statistisch nicht signifikant. Unbeobachtete Störgrößen wie Rauchen oder Gewicht bleiben möglich.

Australien ergänzte 2025 die Krebsbilanz. Tuesley und Kolleginnen fanden im Journal of the National Cancer Institute für das Levonorgestrel-System ein Odds Ratio von 1,26 für Brustkrebs. Nach mindestens einem Jahr Nutzung sanken gleichzeitig die Schätzungen für Endometrium-, Eierstock- und Gebärmutterhalskrebs. Yuk und Kolleginnen berichteten 2025 aus Korea bei Frauen zwischen 30 und 49 Jahren mit starker Blutung, Endometriose oder Myomen eine Hazard Ratio von 1,38. Diese Gruppe nutzt die Spirale oft als Therapie, nicht nur als Verhütung; das erschwert den Vergleich mit gesunden Anwenderinnen.

Wie groß ist das Risiko in absoluten Zahlen?

Relativ 20 bis 40 Prozent mehr klingt dramatisch, solange die Ausgangszahl klein ist. Fitzpatrick schätzte für fünf Jahre orale Gestagen- oder Kombinationsverhütung einen 15-Jahres-Exzess von 8 zusätzlichen Fällen je 100 000 Nutzerinnen im Alter von 16 bis 20 Jahren und von 265 je 100 000 im Alter von 35 bis 39 Jahren. Die US-Society of Family Planning nannte 2025 grob eine Extra-Diagnose je 7690 Anwenderinnen und Jahr. Febrasgo fasste 2026 den Absolutzuwachs mit 1 bis 14 Extrafällen je 10 000 Nutzerinnen zusammen.

Mørchs 14 Extrafälle je 10 000 in den ersten fünf Jahren gelten für eine dänische Kohorte im mittleren Alter um 38 Jahre. Unter 30 Jahren liegt die Hintergrundinzidenz deutlich niedriger. Die CDC zitiert für US-Frauen unter 50 Jahren im Jahr 2020 etwa 45,9 Neuerkrankungen je 100 000. Deshalb ändert dieselbe relative Erhöhung die absolute Zahl bei einer 22-Jährigen kaum, bei einer 42-Jährigen spürbarer. Screening-Programme und familiäre Belastung verschieben die Rechnung zusätzlich.

Beobachtung ist keine Randomisierung. Frauen, die eine Hormonspirale wählen, unterscheiden sich oft in Parität, Blutungsstärke, Vorverhütung und Arztkontakt. Tuesley konnte nicht alle Lebensstilfaktoren vollständig justieren; Sensitivitätsanalysen änderten die Richtung jedoch wenig. Wer die Zahl „14 auf 10 000“ zitiert, sollte zugleich sagen: Es handelt sich um eine Assoziation, nicht um eine zugesicherte Schadensquote für die einzelne Person.

Wer sollte Mirena nicht verwenden?

Bekannter oder vermuteter Brustkrebs sowie andere gestagensensible Tumoren sind laut DailyMed eine Kontraindikation. Die US-Kriterien 2024 setzen aktuellen Brustkrebs für die Levonorgestrel-Spirale auf Kategorie 4: unakzeptables Gesundheitsrisiko, Methode nicht einsetzen. Denselben Wert erhalten Implantat, Gestagenspritze, Minipille und kombinierte Hormone. Die Kupfer-Spirale bleibt Kategorie 1.

Weitere Ausschlüsse der Fachinformation betreffen Schwangerschaft, eine die Höhle verformende Gebärmutter, akute Unterleibsentzündung, Infekt nach Geburt oder Fehlgeburt in den letzten drei Monaten, bekannte Gebärmutter- oder Gebärmutterhalskrebserkrankung, ungeklärte Blutung, unbehandelte Scheiden- oder Gebärmutterhalsentzündung, akute Lebererkrankung oder Lebertumor, erhöhte Infektneigung, eine noch liegende andere Spirale und Allergie gegen Bestandteile. Mayo Clinic nennt zusätzlich Leberleiden und eine Form der Gebärmutter, die das Einsetzen unsicher macht.

Familienanamnese allein sperrt die Methode nach CDC nicht. Cleveland Clinic formuliert strenger und rät bei sehr hohem individuellem Brustkrebsrisiko zur Vorsicht. Wer eine pathogene Variante in BRCA1 oder BRCA2 trägt, braucht eine individuelle Abwägung: Kombinierte Pillen können das Eierstockkrebsrisiko senken, während jede Hormonquelle die Brustfrage neu aufwirft. Die CDC setzt für familiäres Risiko ohne eigene Erkrankung keine Beschränkung.

Situation Kupfer-Spirale (CDC 2024) Levonorgestrel-Spirale (CDC 2024)
Aktueller Brustkrebs Kategorie 1, Methode möglich Kategorie 4, nicht verwenden
Abgeheilt, 5 Jahre ohne Nachweis Kategorie 1 Kategorie 3, Risiko überwiegt meist
Nur Familienanamnese Kategorie 1 Kategorie 1
Gutartige Brusterkrankung Kategorie 1 Kategorie 1
Unklarer Tastbefund Kategorie 1 Kategorie 2, zuerst abklären

Kategorie 1 heißt uneingeschränkt nutzbar, Kategorie 2 theoretisches oder geringes Risiko, Kategorie 3 Nutzen selten größer als das Risiko, Kategorie 4 inakzeptabel. Die Tabelle gilt für die Beratung, nicht als Selbstdiagnose.

Was gilt nach überstandenem Brustkrebs?

Nach überstandenem Brustkrebs ohne Hinweis auf aktive Erkrankung seit fünf Jahren bleibt die Levonorgestrel-Spirale Kategorie 3. Das bedeutet: Die theoretischen oder belegten Risiken überwiegen in der Regel den Nutzen; eine Einlage kommt nur in engen Ausnahmen und nach onkologischer Abstimmung infrage. Die Kupfer-Spirale bleibt Kategorie 1 und ist damit die langfristig reversible Methode, die die CDC in dieser Lage nicht einschränkt.

Die Society of Family Planning und die Society of Gynecologic Oncology empfahlen 2025 hormonfreie Verhütung als erste Wahl nach Brustkrebs. Bei hormonrezeptorpositivem Tumor soll die Hormonexposition gemieden oder minimiert werden. Bei rezeptornegativem Tumor, wenn die Patientin trotzdem Hormone wünscht, soll die Entscheidung gemeinsam mit der Onkologie fallen. Prospektive Studien zur Sicherheit hormoneller Verhütung bei Überlebenden fehlen. Ein retrospektiver Vergleich fand keine Unterschiede bei Gesamtsterblichkeit oder Rezidiv; das ersetzt keine Leitlinie.

Tamoxifen verdickt die Gebärmutterschleimhaut und fördert Polypen. Die 52-Milligramm-Spirale kann Polypen seltener machen. Ob sie bei jüngeren Tamoxifen-Nutzerinnen Gebärmutterkörperkrebs senkt, ist nicht belegt. Dieser mögliche gynäkologische Nutzen hebt die CDC-Kategorie 3 oder 4 nicht auf. Schwangerschaftsschutz bleibt nach Diagnose oft mindestens zehn Monate, besser zwei Jahre, medizinisch erwünscht; die Kupfer-Spirale erfüllt das ohne Gestagen.

 Image credit: Sarahmirk, (2016, 8. Dezember). </ Br>

Kupfer-Spirale oder andere Alternativen?

Wer Hormone an der Brust meiden will, hat in der Kupfer-Spirale die wirksamste reversible Option ohne Gestagen. Fitzpatrick fand für Kupfer keinen signifikanten Zusammenhang mit Brustkrebs. CDC stuft Kupfer bei aktuellem und früherem Brustkrebs als Kategorie 1 ein. Cleveland Clinic nennt für das Kupfer-System in den USA zehn Jahre Schutz; es wirkt sofort und eignet sich auch als Notfallverhütung, wenn es innerhalb von fünf Tagen nach ungeschütztem Verkehr eingelegt wird. Häufiger Preis sind stärkere und längere Perioden, besonders in den ersten Monaten.

Sterilisation der Frau oder des Partners bleibt dauerhaft und hormonfrei, ist aber irreversibel geplant. Barrieremethoden schützen zusätzlich vor Infektionen, sind im Alltag weniger zuverlässig. Kombinierte Pillen, Pflaster und Ringe tragen nach Fitzpatrick ein ähnliches relatives Brustkrebsplus wie Gestagen-allein-Methoden und bringen Östrogen dazu; nach Brustkrebs fallen sie ebenfalls in Kategorie 4. Niedrig dosierte Spiralen (19,5 oder 13,5 Milligramm) sind für die Brust nicht ausreichend getrennt untersucht; die Society of Family Planning nennt die Datenlage dazu unzureichend.

Die Wahl hängt von Blutung, Kinderwunsch, Thromboserisiko und der Bereitschaft zu einer Einlage ab. Mirena ist in den USA zusätzlich gegen starke Periode zugelassen und kann Krämpfe, Endometriosebeschwerden und Eisenmangel lindern, schreibt Mayo Clinic. Wer genau diesen Nutzen sucht und die Brustfrage im Blick hat, braucht eine ehrliche Nutzen-Risiko-Rechnung statt einer pauschalen Absage an alle Spiralen.

Schützt die Hormonspirale vor anderen Krebsarten?

Für Gebärmutterkörper und Eierstock zeigen mehrere Arbeiten ein niedrigeres Risiko unter Levonorgestrel-Spirale, sobald kurzzeitige Fehlzuordnungen abgezogen sind. Tuesley berichtete nach mindestens einem Jahr Nutzung Odds Ratios von 0,80 für Endometriumkrebs, 0,71 für epithelialen Eierstockkrebs und 0,62 für Gebärmutterhalskrebs. Sehr kurze Nutzung vor einer Krebsdiagnose verzerrt die Statistik nach oben, weil Blutungsstörungen oft erst zur Einlage führen und sich dann als Tumor entpuppen.

Mayo Clinic nennt ein geringeres Risiko für Endometriumkarzinom als einen der Gründe, warum Ärztinnen Mirena bei Hyperplasie, Adenomyose oder starken Blutungen einsetzen. Cleveland Clinic verweist auf ältere finnische Registerdaten und Metaanalysen, die bei Intrauterinpessaren auch weniger Zervix- und Ovarialkarzinome andeuteten. Der Schutz gilt als epidemiologische Assoziation, nicht als zugelassene Krebsvorsorge. Niemand legt eine Hormonspirale, um Brustkrebs „auszugleichen“.

Die Gesamtbilanz ähnelt der klassischen Pille: etwas mehr Brustkrebsdiagnosen in der Nutzungszeit, weniger Gebärmutterkörper- und Eierstockkrebs. Tuesley formuliert genau diesen Vergleich. Für die einzelne Frau zählt, welches Organ in ihrer Familie oder Vorgeschichte lastet, wie alt sie ist und ob sie die Blutungstherapie braucht. Eine Zahl, die alle Krebsarten in einen Topf wirft, führt in die Irre.

Wann zur Ärztin und welche Warnzeichen zählen?

Neue Knoten, Hauteinziehung, Orangenhaut, blutige Sekretion aus der Brustwarze oder eine einseitig geschwollene Achsel gehören in die Sprechstunde, unabhängig von der Spirale. CDC hält eine klinische Brustuntersuchung vor dem Einlegen bei symptomfreien Frauen im gebärfähigen Alter nicht für nötig, weil die Inzidenz dort niedrig ist. Symptome ändern die Lage sofort.

Nach der Einlage nennt Mayo Clinic Anlässe für einen unverzüglichen Kontakt: Verdacht auf Schwangerschaft, anhaltend stärkere Blutung als gewohnt, Unterleibsschmerz oder Schmerz beim Verkehr, Fieber, übel riechender Ausfluss, sehr starke Kopfschmerzen, Gelbfärbung von Haut oder Augen, nicht mehr tastbare oder plötzlich längere Fäden, fühlbarer Kunststoff statt nur Fäden. MedlinePlus ergänzt schwere Schmerzen in den ersten Stunden als möglichen Infekt und Zeichen einer ektope Schwangerschaft: ungewöhnliche Blutung plus Unterbauchschmerz.

DailyMed beziffert ektope Schwangerschaften in den Studien mit etwa 0,1 Prozent pro Jahr; tritt trotzdem eine Schwangerschaft ein, ist rund die Hälfte ektop. Das ist ein Notfall. Perforation ist selten, das Risiko steigt stillend und kurz nach der Geburt. Expulsion lag in den Fünfjahresstudien bei 4,5 Prozent. Cleveland Clinic nennt als Warnbilder für Thrombose oder Schlaganfall plötzliche Schwäche, Sprachstörung, Brustschmerz und einseitig geschwollenes Bein; solche Ereignisse sind bei einer Gestagen-Spirale ungewöhnlich, gehören aber nicht in die Selbstbeobachtung über Nacht.

Praktische Punkte für den nächsten Termin lassen sich in wenige Sätze fassen.

  • Nennen Sie der Ärztin jede eigene Brustkrebserkrankung, jeden unklaren Tastbefund und jede laufende onkologische Therapie, bevor eine Hormonspirale geplant wird.
  • Bringen Sie den Befund der letzten Bildgebung mit, wenn in den vergangenen Monaten ein Knoten abgeklärt wurde oder eine Biopsie lief.
  • Fragen Sie nach der in Ihrem Land zugelassenen Liegedauer und danach, ob die Spirale gegen Blutung oder nur zur Verhütung liegt.
  • Lassen Sie Fäden und Lage kontrollieren, wenn die Periode nach langer Ruhe plötzlich wieder stark einsetzt oder die Fäden fehlen.
  • Wechseln Sie nicht auf eigene Faust zur Kupfer-Spirale, ohne Blutungsneigung, Anämie und Kinderwunsch zu besprechen.

Häufige Fragen

Kann ich Mirena behalten, wenn in der Familie Brustkrebs vorkommt?

Ja, eine alleinige Familienanamnese ist nach den US-Kriterien 2024 kein Grund, die Levonorgestrel-Spirale zu verbieten. Kategorie 1 gilt für Kupfer und für hormonelle Systeme gleichermaßen. Bei nachgewiesener erblicher Belastung sollte die Onkologie oder Humangenetik in die Wahl einbezogen werden, weil der Nutzen gegen Eierstockkrebs und die Frage der Brust unterschiedlich gewichtet werden.

Ist die Kupfer-Spirale für die Brust sicherer?

Die verfügbaren Zahlen sprechen dafür. Fitzpatrick fand für Kupfer keinen signifikanten Risikoanstieg, und die CDC setzt Kupfer bei Brustkrebs auf Kategorie 1. Der Preis sind oft stärkere Perioden. Wer bereits eine Anämie hat, braucht vor dem Wechsel eine ehrliche Abwägung.

Verschwindet das erhöhte Risiko nach dem Entfernen?

Für kombinierte Pillen fällt das Plus in älteren Metaanalysen über etwa zehn Jahre nach dem Absetzen. Für Gestagen-Spiralen ist das Ende der Risikoerhöhung weniger scharf vermessen. Tuesley sah bei früheren Nutzerinnen noch ein erhöhtes Odds Ratio; Mørch prüfte die Frage nach dem Entfernen nicht. Wer die Spirale herausnehmen lässt, sollte nicht erwarten, dass die Statistik am nächsten Tag auf null springt.

Darf ich Mirena nach überstandenem Brustkrebs wieder einsetzen lassen?

In der Regel nein, zumindest nicht als Standard. Fünf Jahre ohne Nachweis aktiver Erkrankung bleiben Kategorie 3; aktueller Krebs ist Kategorie 4. Die Fachgesellschaften setzen hormonfreie Methoden an die erste Stelle. Ausnahmen, etwa unter Tamoxifen bei nicht tolerierbarer Blutung, gehören in ein onkologisch-gynäkologisches Konsil.

Unterscheidet sich Kyleena beim Brustkrebsrisiko von Mirena?

Belastbare Vergleiche nach Dosis fehlen. Mørch schloss 52-, 19,5- und 13,5-Milligramm-Systeme ein, ohne sie in der Hauptanalyse sauber zu trennen. Die Society of Family Planning schreibt 2025, zur Brustsicherheit der niedriger dosierten Spiralen reiche die Evidenz nicht. Wer die Dosis senken will, tauscht damit nicht automatisch das Brustthema gegen null.

Soll ich die Spirale wechseln, nur weil ich Angst vor Brustkrebs habe?

Angst allein ist kein medizinischer Entnahmegrund, ein informiertes Nein aber ein ausreichender. Lassen Sie sich die absolute Zahl für Ihr Alter nennen und stellen Sie Nutzen (Verhütung, Blutung, Endometrium) dagegen. Wer wechselt, braucht vom ersten Tag ohne Spirale einen anderen Schutz, sonst entsteht genau die Schwangerschaft, die vermieden werden sollte.

Fazit

Die Lage ist klarer als 2018 und zugleich nüchterner als manche Schlagzeile. Aktueller oder vermuteter Brustkrebs bleibt ein Ausschluss für Mirena. Für gesunde Nutzerinnen zeigen die großen Arbeiten seit 2023 ein kleines relatives Plus, das in jungen Jahren kaum extra Fälle erzeugt und mit dem Alter spürbarer wird. Kupfer bleibt die hormonfreie Langzeitoption, wenn die Brust die Leitplanke sein soll.

Wer Mirena bereits trägt und keine Brustbeschwerden hat, muss das System nicht über Nacht ziehen. Sinnvoll ist ein Termin, der Liegedauer, Blutungstherapie, familiäres Risiko und das Datum der nächsten Kontrolle klärt. Neue Knoten, einseitige Hautveränderungen oder ektopieverdächtige Unterbauchschmerzen warten nicht auf den nächsten Vorsorgetermin.

Die Entscheidung bleibt persönlich. Eine zuverlässige Verhütung, eine ruhigere Periode und ein möglicher Schutz der Gebärmutterschleimhaut stehen einem begrenzten, nicht vollständig kausal bewiesenen Brustkrebsplus gegenüber. Diese Rechnung gehört auf den Tisch, nicht in eine Werbezeile und nicht in eine Paniknotiz.

Quellen

  1. U.S. Food and Drug Administration: MIRENA- levonorgestrel intrauterine device. DailyMed, National Library of Medicine, Stand: August 2022.
  2. Centers for Disease Control and Prevention: U.S. Medical Eligibility Criteria for Contraceptive Use, 2024. Morbidity and Mortality Weekly Report, Stand: 2024.
  3. Fitzpatrick D, Pirie K, Reeves G et al.: Combined and progestagen-only hormonal contraceptives and breast cancer risk: A UK nested case-control study and meta-analysis. PLOS Medicine, 21. März 2023.
  4. Mørch LS, Meaidi A, Corn G et al.: Breast Cancer in Users of Levonorgestrel-Releasing Intrauterine Systems. JAMA, 12. November 2024.
  5. Tuesley KM, Spilsbury K, Pearson S et al.: Long-acting, progestin-based contraceptives and risk of breast, gynecological, and other cancers. Journal of the National Cancer Institute, 14. Januar 2025.
  6. Yuk JS, Kim MH, Yoon SH et al.: Association Between Levonorgestrel-Releasing Intrauterine System Exposure Duration and Breast Cancer Incidence. Obstetrics & Gynecology, 1. Mai 2025.
  7. Mayo Clinic: Hormonal IUD (Mirena). Mayo Clinic, 11. April 2024.
  8. MedlinePlus: Levonorgestrel Intrauterine System. MedlinePlus, National Library of Medicine, 15. August 2023.
  9. Cleveland Clinic: Intrauterine Device (IUD): Birth Control, Use & Side Effects. Cleveland Clinic, 13. November 2022.
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