
Brustkrebs war 2024 mit rund 2,4 Millionen neuen Fällen die zweithäufigste Krebsdiagnose der Welt und bei Frauen die führende Krebsart; etwa 694 000 Menschen starben daran. Die GLOBOCAN-Schätzung der Internationalen Agentur für Krebsforschung zählt die Erkrankung auf 11,8 Prozent aller Krebsfälle und 7,1 Prozent aller Krebstodesfälle. In 164 von 186 erfassten Ländern steht sie bei Frauen an der Spitze der Diagnosen, in 122 Ländern an der Spitze der Krebstodesursachen.
Das Bild hängt stark vom Wohlstand ab. In Ländern mit sehr hohem Index der menschlichen Entwicklung erhält etwa jede zwölfte Frau im Leben die Diagnose, stirbt aber nur etwa jede Einundsiebzigste daran. In Ländern mit niedrigem Index ist die Diagnose seltener (etwa 1 von 27), der Tod aber wahrscheinlicher (etwa 1 von 48). Rund 80 Prozent der Fälle entstehen bei Frauen ohne besondere Risikofaktoren außer Geschlecht und Alter über 40 Jahren. Ältere Übersichten zitierten oft 1,7 Millionen Neuerkrankungen für 2012; die aktuelle Last liegt deutlich höher, und die US-amerikanische Task Force hat 2024 den empfohlenen Beginn der Mammographie für Frauen mit durchschnittlichem Risiko auf 40 Jahre vorgezogen.
Wie viele Menschen erkranken und sterben weltweit?
Im Jahr 2024 schätzt GLOBOCAN 2 434 087 neue Brustkrebsfälle bei Frauen und 693 660 Todesfälle. Die altersstandardisierte Inzidenz liegt bei 47,8 je 100 000 Frauen, die Sterblichkeit bei 12,9. Unter allen Krebsarten der Weltbevölkerung ist Brustkrebs damit die zweithäufigste Diagnose nach Lungenkrebs und die vierthäufigste Todesursache. Bei Frauen führt er sowohl die Neuerkrankungen als auch die krebsbedingten Todesfälle an.
Die WHO-Factsheet-Seite rundet dieselben Schätzungen auf 2,4 Millionen Diagnosen und 694 000 Tode. Die Erkrankung kann nach der Pubertät in jedem Land auftreten; das Risiko steigt mit dem Alter. Ende 2024 lebten nach Angaben des Global Health Observatory etwa 8,2 Millionen Frauen mit der Diagnose. Etwa 0,5 bis 1 Prozent der Fälle betreffen Männer. Die Diagnose bei einem Mann ist selten, aber sie existiert und braucht dieselbe medizinische Abklärung wie bei einer Frau.
Zwei Maßstäbe darf man nicht vermischen. Absolute Fallzahlen folgen der Bevölkerungsgröße: Asien trägt den größten Teil der Weltbevölkerung und damit einen großen Teil der Fälle, auch wenn die Rate je 100 000 dort oft niedriger liegt als in Europa oder Nordamerika. Altersstandardisierte Raten vergleichen Länder mit unterschiedlicher Altersstruktur. Wer nur Rohzahlen liest, überschätzt bevölkerungsreiche Regionen und unterschätzt Länder mit alternder Bevölkerung und dichtem Mammographieangebot.
Hochrechnungen bis 2050 gehen von einem weiter wachsenden Krebsgeschehen aus, vor allem weil mehr Menschen älter werden. GLOBOCAN rechnet für alle Krebsarten mit etwa 34,4 Millionen neuen Fällen im Jahr 2050, ein Plus von 67 Prozent gegenüber 2024, falls die Raten gleich bleiben. Brustkrebs folgt dieser demografischen Welle besonders in Ländern, in denen Geburtenraten sinken, das Körpergewicht steigt und westliche Lebensmuster sich ausbreiten, ohne dass Diagnose und Therapie mithalten.

Warum klaffen Inzidenz und Sterblichkeit auseinander?
Höher entwickelte Länder zählen deutlich mehr Diagnosen, aber weniger Todesfälle je 100 000 Frauen. GLOBOCAN 2024 beziffert die Inzidenz in Ländern mit hohem oder sehr hohem Entwicklungsindex auf 54,1 gegenüber 33,6 in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Index, ein Abstand von etwa 60 Prozent. Die Sterblichkeit kehrt das Verhältnis um: 14,7 in der niedrigeren Gruppe gegen 11,7 in der höheren, rund 26 Prozent mehr Tode trotz seltenerer Diagnose.
Diese Schere entsteht nicht, weil der Tumor in ärmeren Ländern biologisch aggressiver wäre. Sie entsteht, weil viele Tumoren dort später entdeckt werden und Operation, Bestrahlung, Hormontherapie, Chemotherapie und zielgerichtete Mittel nicht zuverlässig erreichbar sind. Mammographie findet Vorstufen und kleine invasive Herde, die in der Statistik als Fälle erscheinen, ohne dass sie sofort tödlich wären. Wo diese Untersuchung fehlt, bleibt die gemessene Inzidenz niedriger, während fortgeschrittene Stadien die Sterblichkeit nach oben ziehen.
Die WHO beschreibt denselben Widerspruch über das Lebenszeitrisiko. Eine Frau in einem Land mit sehr hohem Entwicklungsindex trägt ein höheres Risiko, die Diagnose zu hören, und ein niedrigeres Risiko, daran zu sterben. In einem Land mit niedrigem Index ist die Diagnose seltener, der tödliche Verlauf aber wahrscheinlicher. Etwa 70 Prozent der weltweiten Brustkrebstodesfälle entfielen 2024 auf Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen.
Zwischen den 1980er-Jahren und 2020 sank die altersstandardisierte Sterblichkeit in Einkommensstarken Ländern um etwa 40 Prozent. Staaten, die das geschafft haben, senkten die Rate meist um 2 bis 4 Prozent pro Jahr. Die 2021 gegründete Global Breast Cancer Initiative der WHO zielt auf 2,5 Prozent weniger vorzeitige Todesfälle pro Jahr, damit bis 2040 rund 2,5 Millionen Tode vermieden werden. Die drei Säulen sind frühe Entdeckung, Diagnose binnen 60 Tagen und eine vollständige, mehrgliedrige Behandlung bei mindestens 80 Prozent der dafür geeigneten Patientinnen; mindestens 60 Prozent der invasiven Fälle sollen in Stadium I oder II ankommen.
Welche Regionen haben die höchsten und niedrigsten Raten?
Die höchsten altersstandardisierten Inzidenzen 2024 liegen in Australien und Neuseeland, in Nordamerika und in Nordeuropa, grob 90 bis 102 Fälle je 100 000 Frauen. Ostafrika, Südzentralasien und Mittelafrika liegen bei etwa 29 bis 33, rund einem Drittel dieses Niveaus. Die Sterblichkeit ist in Melanesien, Mikronesien/Polynesien und Westafrika mit 20 bis 25 je 100 000 am höchsten, in Ostasien und Zentralamerika mit 6 bis 10 am niedrigsten.
Ranglisten einzelner Staaten aus älteren ACS-Broschüren, etwa Belgien mit über 110 Fällen je 100 000 im Jahr 2012, taugen nicht mehr als aktuelle Weltkarte. GLOBOCAN 2024 arbeitet mit Regionen und dem Entwicklungsindex, weil nationale Register unterschiedlich vollständig sind. Wo Register lückenhaft sind, sind die Schätzungen unsicherer. Das ändert nichts an der groben Geografie: Inzidenz folgt Wohlstand, Screening und reproduktiven Mustern; Mortalität folgt dem Zugang zur Behandlung.
Asien stellt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung und damit einen großen Teil der absoluten Fälle und Tode, obwohl die Rate je 100 000 oft unter der westeuropäischen liegt. Afrika trägt einen kleineren Anteil der Diagnosen, aber einen unverhältnismäßig hohen Anteil der Todesfälle. Nordamerika und Europa erscheinen in den Inzidenzkarten dunkel, in den Sterbekarten heller. Wer nur die Fallzahl eines Kontinents zitiert, ohne Rate und Stadium zu nennen, zeichnet ein schiefes Bild.
Steigende Kurven in Teilen Südamerikas, Afrikas und Asiens, auch in Japan und Südkorea, hängen mit späterer Erstgeburt, weniger Geburten, weniger langem Stillen, mehr Übergewicht, Alkohol und besserer Erfassung zusammen. In Nordamerika, Ozeanien und Europa stieg die Inzidenz seit den 1980ern zunächst rasch, flachte um 2000 ab, als kombinierte Menopausentherapien zurückgingen und die Teilnahme an der Mammographie ein Plateau erreichte, und zieht seit etwa 2007 in mehreren Ländern wieder an, bei Frauen vor und nach den Wechseljahren.
Wie groß ist der Überlebensunterschied nach Einkommen?
Das mediane altersstandardisierte Fünfjahres-Nettoüberleben lag bei Diagnosen der Jahre 2017 bis 2021 weltweit bei 77,8 Prozent. In Ländern mit hohem Einkommen überlebten 87,3 Prozent der Frauen mindestens fünf Jahre, in Ländern mit niedrigem Einkommen 41,9 Prozent, also weniger als jede Zweite. Die WHO veröffentlichte diese Schätzung 2026 erstmals für alle 194 Mitgliedstaaten; sie füllt die Lücke, die ältere CONCORD-Runden in vielen Ländern ohne Register gelassen hatten.
Zwischen den WHO-Regionen klafft ein ähnlicher Graben. Das mediane Fünfjahresüberleben reicht von 39,1 Prozent in der afrikanischen Region bis 88,5 Prozent in der Region der Amerikas. Europa und der Westpazifik liegen bei 84,0 Prozent, Südostasien bei 66,3 Prozent, die östliche Mittelmeerregion bei 61,0 Prozent. Nettoüberleben rechnet Sterbefälle durch andere Ursachen heraus; die Zahlen beschreiben also den Anteil, der dem Brustkrebs selbst zuzurechnen ist, nicht die gesamte Sterblichkeit einer Altersgruppe.
| Einkommensgruppe (Weltbank) | Medianes 5-Jahres-Nettoüberleben 2017–2021 |
|---|---|
| Niedriges Einkommen | 41,9 Prozent |
| Unteres mittleres Einkommen | 60,1 Prozent |
| Oberes mittleres Einkommen | 78,7 Prozent |
| Hohes Einkommen | 87,3 Prozent |
Das Stadium bei der Diagnose erklärt einen großen Teil dieser Spreizung. Wo viele Tumoren erst mit Hautdurchbruch, großen Knoten oder Fernmetastasen auffallen, sinkt die Fünfjahreskurve unabhängig vom Zelltyp. Registerdaten lagen nur in 67 von 194 Staaten vor; in 36 fragilen oder konfliktbetroffenen Staaten hatten nur zwei beobachtete Überlebenszahlen. Modellierte Werte ersetzen dort fehlende Zählungen und tragen Unsicherheit, die die Tabelle nicht ausweist.
Frühere Seiten nannten für Industrieländer oft 80 bis 90 Prozent Überleben bei früher Diagnose und 24 Prozent bei später Entdeckung, ohne Jahr und Definition. Die neuen WHO-Zahlen ersetzen diese Faustformel durch eine einheitliche, altersstandardisierte Nettogröße. Sie bleiben Gruppenwerte. Ein einzelner Verlauf hängt von Subtyp, Stadium, Begleiterkrankungen und davon ab, ob die vorgesehene Therapie zu Ende geführt wird.
Was zeigen die aktuellen Zahlen in den USA?
In den Vereinigten Staaten bleibt Brustkrebs nach einigen Hautkrebsformen die häufigste Krebsdiagnose der Frau und die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache nach Lungenkrebs. Die American Cancer Society schätzte für 2024 etwa 310 720 invasive neue Fälle, 56 500 Fälle eines duktalen Carcinoma in situ und 42 250 Todesfälle bei Frauen sowie 2790 Diagnosen und 530 Tode bei Männern. Die SEER-Datenbank des National Cancer Institute projiziert für 2026 rund 321 910 neue Fälle und 42 140 Tode; das relative Fünfjahresüberleben der Kohorte 2016–2022 lag bei 91,9 Prozent.
Die Inzidenz stieg 2012–2021 um etwa 1 Prozent pro Jahr, steiler unter 50 Jahren (1,4 Prozent) als ab 50 (0,7 Prozent). Das Plus betraf vor allem lokalisierte und hormonrezeptorpositive Tumoren. Asiatische und pazifische Frauen zeigten den schnellsten Anstieg, 2,5 bis 2,7 Prozent pro Jahr je nach Altersgruppe. Bei Frauen unter 50 Jahren lag ihre Rate 2021 mit 86,3 je 100 000 fast gleichauf mit weißen Frauen (86,4) und über der Rate schwarzer Frauen (81,5).
Die Sterblichkeit fiel 1989–2022 um 44 Prozent, rund 517 900 vermiedene Tode. SEER nennt für 2019–2023 eine Inzidenz von 132,5 je 100 000 Frauen und für 2020–2024 eine Sterblichkeit von 18,9. Etwa 13 Prozent der Frauen erhalten im Leben die Diagnose, das entspricht ungefähr 1 von 8. 64 Prozent der Fälle werden lokalisiert entdeckt; das relative Fünfjahresüberleben liegt dort bei 100 Prozent, bei regionaler Ausbreitung bei 87,5 Prozent und bei Fernmetastasen bei 33,8 Prozent.
Das Lebenszeitrisiko von 1 zu 8 ist ein Mittelwert, kein individuelles Schicksal. Es gilt für die US-Bevölkerung nach den jüngsten Registern und berücksichtigt weder Familiengeschichte noch Genveränderung, Brustdichte oder Lebensstil. Rechner des National Cancer Institute können das persönliche Risiko grob einordnen; sie ersetzen das Gespräch in der Sprechstunde nicht.
Warum sterben schwarze Frauen häufiger?
Schwarze Frauen in den USA haben laut ACS-Bericht 2024 eine um 5 Prozent niedrigere Inzidenz als weiße Frauen, aber eine um 38 Prozent höhere Sterblichkeit. Die Todesrate reicht von 11,9 je 100 000 bei asiatischen und pazifischen Frauen bis 26,8 bei schwarzen Frauen. Weiße Frauen tragen die höchste Diagnosehäufigkeit, schwarze Frauen die höchste Sterberate. Dieser Abstand ist bei Frauen unter 50 Jahren am größten.
Zwei Mechanismen greifen ineinander. Schwarze Frauen werden seltener im lokalisierten Stadium entdeckt (58 gegenüber 68 Prozent bei weißen Frauen) und häufiger mit Fernmetastasen oder ohne Stadium. Dreifachnegativer Brustkrebs, der Hormone und HER2 nicht nutzt und oft rascher wächst, macht bei ihnen etwa 19 Prozent der Fälle aus gegenüber 9 bis 11 Prozent in anderen Gruppen. Zugleich liegt ihr Überleben in jedem bekannten Stadium und fast jedem Subtyp niedriger, ein Hinweis auf verspäteten Therapiebeginn und ungleichen Zugang zu leitliniengerechter Behandlung.
Indianerinnen und Alaska-Ureinwohnerinnen haben eine um 10 Prozent niedrigere Inzidenz als weiße Frauen, aber eine um 6 Prozent höhere Sterblichkeit; ihre Mammographiequote lag bei 51 Prozent in den vergangenen zwei Jahren gegenüber 68 Prozent bei weißen Frauen. Seit 1990 sank die Sterblichkeit in fast allen Gruppen, bei diesen Frauen blieb sie weitgehend stehen. Hispanic-Frauen haben die niedrigste Inzidenz (ACS: etwa 104 je 100 000), asiatische und pazifische Frauen die niedrigste Sterblichkeit.
Reproduktive Muster, Körpergewicht und frühere Menopausentherapie erklären nur einen Teil der Diagnoseunterschiede. Sie erklären nicht, warum dieselbe Stadiumsstufe bei schwarzen Frauen schlechter ausgehen kann. Der ACS-Bericht 2024 nennt den Zugang zu hochwertiger Abklärung nach auffälliger Mammographie und zu vollständiger Therapie als den Hebel, der die Sterbelücke schließen kann. Ohne Nachsorge nach dem Screening bleibt der Nutzen der Aufnahme auf dem Papier.

Welche Faktoren treiben die weltweite Zunahme?
Geschlecht und steigendes Alter bleiben die stärksten Risikofaktoren. Das National Cancer Institute nennt daneben eine längere natürliche Östrogenwirkung: frühe erste Periode, späte Wechseljahre, erstes Kind nach 30 oder keine ausgetragene Schwangerschaft, fehlendes Stillen. Dichtes Brustgewebe erschwert die Mammographie und erhöht zugleich das Risiko. Schädliche Veränderungen in BRCA1, BRCA2, PALB2 oder PTEN können das Lebenszeitrisiko auf 60 von 100 oder mehr heben; die meisten Erkrankten tragen jedoch keine bekannte Hochrisikovariante.
Veränderbare Faktoren wirken über Hormone, Insulin und Entzündung. Nach den Wechseljahren entsteht ein großer Teil des Östrogens im Fettgewebe; Übergewicht in dieser Lebensphase kann das Risiko hormonrezeptorpositiver Tumoren erhöhen. Alkohol steigert das Risiko dosisabhängig; die American Cancer Society hält fest, dass zwei Getränke täglich stärker belasten als eines, und nennt keine sichere Menge. Bewegung kann das Risiko senken; die Gesellschaft empfiehlt 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensive Aktivität pro Woche.
Kombinierte Östrogen-Gestagen-Therapie in den Wechseljahren kann das Risiko erhöhen, solange sie läuft; nach dem Absetzen sinkt es wieder, schreibt die Mayo Clinic. Die CDC rät, Nutzen und Risiken von Hormontherapie und hormoneller Verhütung mit der behandelnden Praxis zu klären. Studien zur Pille sind nicht einheitlich: manche zeigen einen leichten Anstieg während der Einnahme, der nach dem Absetzen binnen weniger Jahre zurückgeht, andere finden keinen klaren Effekt. Stillen kann das Risiko etwas senken, besonders wenn es länger andauert.
- Ein gesundes Körpergewicht nach den Wechseljahren kann die hormonelle Last im Fettgewebe begrenzen.
- Alkohol wegzulassen oder streng zu begrenzen senkt ein dosisabhängiges, belegtes Risiko.
- Regelmäßige Bewegung kann Entzündung und Hormonspiegel günstig beeinflussen.
- Kombinierte Menopausentherapie gehört nur in eine begründete, zeitlich begrenzte Abwägung.
- Familiäre Häufung oder bekannte Genveränderung rechtfertigt eine genetische Beratung, keine Selbstdiagnose.
Keine dieser Maßnahmen schützt vollständig. Die WHO betont, dass die Mehrzahl der Fälle bei Frauen ohne spezielles Risikoprofil entsteht. Zucker- oder Fettanteile der Ernährung allein sind als direkte Ursache nicht belegt; sie wirken vor allem über Gewicht und Stoffwechsel. Wer einzelne Lebensmittel als Auslöser oder Schutzschild verkauft, überschreitet die Datenlage.
Was hat sich an der Mammographie-Empfehlung geändert?
Die US Preventive Services Task Force empfiehlt seit April 2024 eine Mammographie alle zwei Jahre für Frauen von 40 bis 74 Jahren mit durchschnittlichem Risiko (Empfehlungsgrad B). Die Vorgängerfassung von 2016 hatte den festen Start bei 50 Jahren belassen und die Entscheidung zwischen 40 und 49 der einzelnen Frau überlassen. Der Wechsel folgt der steigenden Inzidenz in den Vierzigerjahren und dem Ziel, die Sterbelücke zwischen Bevölkerungsgruppen zu verkleinern. Digitale Mammographie und digitale Brusttomosynthese gelten beide als taugliche Verfahren.
Für Frauen ab 75 Jahren und für zusätzliche Ultraschall- oder MRT-Untersuchungen bei dichtem Drüsenkörper nach unauffälliger Mammographie reicht die Evidenz der Task Force nicht für eine klare Ja-oder-Nein-Empfehlung. Die Entscheidung bleibt dann klinisch, abhängig von Gesundheitszustand, Vorerkrankungen und persönlichen Prioritäten. Ein auffälliger Tastbefund wartet nicht auf den nächsten Screeningtermin; die Mayo Clinic rät, jede neue Veränderung zeitnah abklären zu lassen, auch nach kürzlich unauffälliger Aufnahme.
Die American Cancer Society bleibt etwas enger getaktet. Frauen mit durchschnittlichem Risiko können zwischen 40 und 44 jährlich beginnen, sollen von 45 bis 54 jährlich gehen und dürfen ab 55 auf einen Zweijahresrhythmus wechseln oder jährlich bleiben, solange die Lebenserwartung mindestens zehn Jahre beträgt. Bei hohem Risiko, etwa BRCA-Veränderung, starker Familienlast oder Brustkorb-Bestrahlung vor dem 30. Lebensjahr, empfiehlt sie ab etwa 30 Jahren Mammographie plus MRT. Klinische Tastuntersuchung und Selbstuntersuchung ersetzen das Röntgen nicht; sie können aber Veränderungen im Alltag sichtbar machen.
Die WHO beschreibt Mammographie-Programme weiterhin vor allem für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, weil viele Gesundheitssysteme die Kette aus Einladung, Abklärung und Therapie nur in diesem Fenster zuverlässig tragen. In Ländern ohne diese Kette zählt zuerst die frühe klinische Diagnose: Frauen und Fachkräfte erkennen Knoten, Haut- und Brustwarzveränderungen und finden binnen Wochen den Weg zur Biopsie. Ältere Ratgeber, die pauschal „ab 50“ schrieben, spiegeln die USPSTF-Lage von 2016, nicht mehr die von 2024; lokale Programme in Deutschland und anderswo folgen eigenen Altersgrenzen und Intervallregeln.
Nachteile der Reihenuntersuchung gehören ins Gespräch. Falsch-positive Befunde lösen Zusatzaufnahmen, Biopsien und Angst aus. Manche langsam wachsenden Herde wären ohne Aufnahme nie klinisch aufgefallen. Ein kleiner Teil der Tumoren bleibt auf der Aufnahme unsichtbar, besonders in sehr dichtem Gewebe. Der Nutzen entsteht nur, wenn auffällige Befunde weiter untersucht und behandelte Tumoren zu Ende therapiert werden.
Wann gehören Brustveränderungen in die Praxis?
Ein neuer Knoten, eine Verdickung oder eine Formveränderung der Brust gehört in die Sprechstunde, auch wenn sie nicht schmerzt. Die WHO nennt zusätzlich Hautveränderungen wie Dellen, Rötung oder Orangenschalenmuster, eine eingezogene oder anders aussehende Brustwarze und blutige oder sonst ungewöhnliche Absonderung. Die Mayo Clinic ergänzt Farbwechsel der Haut, der je nach Hautton rosa, rot, dunkler oder violett erscheinen kann, sowie schuppende oder krustige Haut an Warze oder Vorhof.
Die meisten Knoten sind kein Krebs. Trotzdem gilt: Wer wartet, bis der nächste Mammographietermin kommt, verschenkt Zeit, in der ein bösartiger Herd noch klein und besser behandelbar wäre. Schmerz allein ist kein zuverlässiges Leitmerkmal. Entzündlicher Brustkrebs zeigt sich oft als warme, rote, geschwollene Brust ohne klassischen Knoten; auch das braucht rasche Abklärung. Offene, nicht heilende Hautstellen an der Brust gehören biopsiert.
Fernmetastasen können Knochen, Leber, Lunge oder Gehirn erreichen und dann Knochenschmerz, Kopfschmerz oder Atemnot verursachen. Solche Symptome haben viele Ursachen. Neu, anhaltend und ohne klare Erklärung sind sie ein Grund für eine zeitnahe Vorstellung, besonders nach bekannter Brustkrebserkrankung. Notfallversorgung ist angezeigt bei starken neurologischen Ausfällen, unstillbarer Blutung oder rasch zunehmender Atemnot; das ist selten der erste Auftritt eines noch unbekannten Tumors.
- Ein neuer Knoten in Brust oder Achselhöhle sollte zeitnah klinisch untersucht werden.
- Haut- oder Brustwarzveränderungen rechtfertigen denselben Weg, auch ohne tastbaren Tumor.
- Blutige Absonderung aus einer Warze gehört zur Abklärung, nicht zur Beobachtung über Monate.
- Nach auffälliger Mammographie zählt die vollständige Diagnostik inklusive Biopsie, nicht nur die Wiederholungsaufnahme.
- Familiäre Häufung oder bekannte Genveränderung verschiebt den Beginn der Früherkennung, ersetzt aber nicht die Reaktion auf neue Symptome.
Häufige Fragen
Wie häufig ist Brustkrebs weltweit?
Im Jahr 2024 gab es nach WHO und GLOBOCAN rund 2,4 Millionen neue Fälle und etwa 694 000 Todesfälle. Bei Frauen ist es die häufigste Krebsdiagnose und die häufigste krebsbedingte Todesursache. Die Rate je 100 000 liegt in wohlhabenden Regionen etwa dreimal so hoch wie in Teilen Afrikas und Südzentralasiens, die Sterblichkeit dort aber oft höher.
Warum sterben in ärmeren Ländern mehr Frauen daran?
Die Diagnose kommt dort häufiger erst in einem fortgeschrittenen Stadium, und Operation, Bestrahlung sowie wirksame Medikamente sind ungleichmäßiger verfügbar. Deshalb liegt die Sterblichkeit trotz niedrigerer Inzidenz höher. Das Fünfjahres-Nettoüberleben 2017–2021 betrug in Ländern mit niedrigem Einkommen 41,9 Prozent, in Ländern mit hohem Einkommen 87,3 Prozent.
Ab welchem Alter ist eine Mammographie sinnvoll?
Die USPSTF empfiehlt seit 2024 für Frauen mit durchschnittlichem Risiko alle zwei Jahre zwischen 40 und 74 Jahren. Die American Cancer Society erlaubt den jährlichen Start ab 40 und rät fest dazu ab 45. Nationale Programme können andere Grenzen setzen; die WHO hält Reihenuntersuchungen in vielen Ländern weiter bei 50 bis 69 Jahren, wenn die gesamte Versorgungskette trägt. Individuelles Risiko, etwa durch BRCA-Veränderung, kann den Beginn nach vorn ziehen.
Welche Faktoren lassen sich beeinflussen?
Gewicht, Bewegung, Alkohol und die Dauer einer kombinierten Menopausentherapie sind beeinflussbare Größen. Stillen kann das Risiko etwas senken. Alter, Geschlecht, dichte Brust, frühe Periode, späte Wechseljahre und erbliche Genveränderungen bleiben unveränderlich. Die Mehrzahl der Erkrankten hat außer Geschlecht und Alter kein auffälliges Profil.
Bekommen auch Männer Brustkrebs?
Ja, etwa 0,5 bis 1 Prozent der Fälle weltweit betreffen Männer. In den USA rechnete die American Cancer Society für 2024 mit 2790 Diagnosen und 530 Todesfällen. Ein Knoten oder eine Hautveränderung an der männlichen Brust braucht dieselbe Abklärung wie bei einer Frau.
Wann muss ich mit einer Brustveränderung zum Arzt?
Sobald ein neuer Knoten, eine Form- oder Hautveränderung, eine eingezogene Warze oder eine blutige Absonderung auffällt, auch wenn kein Schmerz besteht. Die Mayo Clinic rät, dafür nicht den nächsten Screeningtermin abzuwarten. Die meisten Befunde sind gutartig; der Nutzen liegt darin, die bösartigen früh zu finden.

Fazit
Die Weltkarte des Brustkrebses hat sich seit den 2012er-Zahlen verschoben: mehr Diagnosen, vor allem in Ländern mit westlichem Risikoprofil und besserer Erfassung, und eine Sterblichkeit, die in reichen Systemen weiter sinkt, in armen aber überproportional hoch bleibt. GLOBOCAN 2024 und die WHO-Überlebensschätzung 2017–2021 machen diesen Abstand messbar. 2,4 Millionen neue Fälle und 694 000 Tode in einem Jahr sind keine abstrakte Statistik; sie beschreiben, wie ungleich Früherkennung und Therapie verteilt sind.
Für die einzelne Frau zählt weniger die globale Rate als das eigene Risiko und der Zugang zur Abklärung. Gewicht halten, Alkohol begrenzen, sich bewegen und eine kombinierte Hormontherapie nur begründet nutzen kann das Risiko senken, verhindert die Erkrankung aber nicht zuverlässig. Wer zur Gruppe mit erhöhtem Risiko gehört, spricht in der Praxis über früheren Beginn, kürzere Intervalle oder ergänzende Verfahren.
Konkret heißt das: neue Brustveränderungen zeitnah vorstellen, das in der Region geltende Mammographieangebot kennen und nach einer auffälligen Aufnahme die Abklärung zu Ende führen. Die 2024er-Empfehlung, in den USA bereits ab 40 Jahren alle zwei Jahre zu röntgen, gilt für durchschnittliches Risiko; hohe genetische Last braucht einen eigenen Plan. Heilung verspricht keine Zahl. Frühes Stadium und vollständige Therapie verschieben die Chancen so weit, wie die Daten heute reichen.
Quellen
- World Health Organization: Breast cancer fact sheet. World Health Organization, Stand: 2026.
- Sung H, Filho AM et al.: Global cancer statistics 2024: GLOBOCAN estimates of incidence and mortality worldwide for 34 cancers in 186 countries. CA: A Cancer Journal for Clinicians, Juli 2026.
- World Health Organization: Global breast cancer survival estimates. World Health Organization, Stand: 2026.
- World Health Organization: First global breast cancer survival estimates show wide regional and income disparities. World Health Organization, 8. Juli 2026.
- US Preventive Services Task Force: Screening for Breast Cancer: US Preventive Services Task Force Recommendation Statement. Journal of the American Medical Association, 30. April 2024.
- Giaquinto AN, Sung H et al.: Breast cancer statistics 2024. CA: A Cancer Journal for Clinicians, 1. Oktober 2024.
- National Cancer Institute: Cancer Stat Facts: Female Breast Cancer. Surveillance, Epidemiology, and End Results Program, Stand: 2026.
- National Cancer Institute: Breast Cancer Causes and Risk Factors. National Cancer Institute, Stand: 2026.
- Centers for Disease Control and Prevention: Reducing Risk for Breast Cancer. Centers for Disease Control and Prevention, 11. September 2024.
- Mayo Clinic Staff: Breast cancer – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 26. Juli 2025.
- American Cancer Society: American Cancer Society Recommendations for the Early Detection of Breast Cancer. American Cancer Society, 23. Juli 2026.
