
Smartphone-Programme können Symptome von Depression und Angst leicht senken, ersetzen aber weder Diagnostik noch Psychotherapie. Große Auswertungen von 2024 und 2025 finden kleine, statistisch belastbare Effekte; bei Schlafproblemen fallen sie oft deutlicher aus, bei Suizidgedanken, Selbstverletzung oder Alkoholmissbrauch als alleiniges Angebot praktisch nicht.
Ältere Ranglisten aus den späten 2010er-Jahren verkauften einzelne Titel als Lösung für Wohlbefinden. Das US-Institut NIMH schreibt, es gebe Tausende solcher Programme und kaum Branchenregeln zur Wirksamkeit. Die britische Leitlinienbehörde NICE lässt digitale kognitive Verhaltenstherapie nur mit begleitender Fachkraft und nach Risikoabschätzung zu. Wer leichte Anspannung unter zwei Wochen hat, kann Achtsamkeit, Bewegung und Schlaf zuerst selbst versuchen. Dauern Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit oder der Verlust alltäglicher Aufgaben länger, gehört die App höchstens daneben, nicht an die Stelle der Sprechstunde.
Was Apps für die geistige Gesundheit wirklich leisten
Sie können bei vielen Erwachsenen mit erhöhten Depressions- oder Angstwerten die Beschwerden etwas mindern, im Mittel aber nur in kleinem Umfang. Linardon und Kollegen werteten 2024 in World Psychiatry 176 randomisierte Studien aus. Gegenüber Kontrollgruppen lag die Effektstärke bei depressiven Symptomen bei 0,28 (rund 33.600 Teilnehmende) und bei generalisierter Angst bei 0,26 (rund 22.400). Damit eine Person zusätzlich profitiert, mussten im Mittel etwa zwölf Teilnehmende ein solches Programm nutzen. Die Effekte hielten in Nachbeobachtungen und blieben sichtbar, nachdem kleine und verzerrungsanfällige Studien herausgenommen wurden.
Eine aktualisierte Metaanalyse in The Lancet Digital Health (Kulke und Mitautorinnen, November 2025) prüfte 72 Studien mit 21.702 Erwachsenen, die eine App ohne zusätzliche Therapie gegen Warteliste, Infomaterial oder Scheinprogramm nutzten. Gegen inaktive Kontrolle lag der Effekt bei Depression bei 0,45 und bei Angst bei 0,35. Weil viele Arbeiten Ergebnisse zu günstig darstellen, schrumpften beide Werte nach Korrektur auf 0,18. Schlafprobleme zeigten mit 0,71 den klarsten Nutzen. Posttraumatische Belastung lag bei 0,15, Essstörungen bei 0,50, körperdysmorphe Störung bei 0,86, jeweils auf schmalerer Datenbasis. Für Rauchen, Selbstverletzung, Suizidgedanken und Alkoholmissbrauch fand sich kein signifikanter gepoolter Nutzen.
Die Autorinnen raten deshalb zur Vorsicht. Heterogenität und mittlere Studienqualität bedeuten, dass nicht jedes Produkt denselben Effekt hat. Standalone-Programme kämen vor allem infrage, wenn eine evidenzbasierte Erstlinie fehlt, etwa auf einer Warteliste oder in unterversorgten Regionen. Wer Zugang zu Psychotherapie, ärztlicher Behandlung oder einem geprüften Online-Programm mit Begleitung hat, sollte das vorrangig nutzen.
Kleine Effekte sind keine Null. Für Menschen, die nachts wachliegen oder sich vor dem ersten Termin beschäftigen wollen, kann ein strukturiertes Übungspaket den Alltag tragen. Es bleibt ein niedrigschwelliges Extra, kein Ersatz für ein Gespräch, in dem jemand Risiko, Diagnose und Medikamente prüft.

Welche Arten von Apps gibt es?
Das NIMH unterscheidet mehrere Familien, die im Store oft unter demselben Etikett „Wohlbefinden“ landen. Selbstmanagement nimmt Eingaben entgegen und gibt Rückmeldung: Medikamentenerinnerung, Atemübung, Schlafprotokoll. Trainingsprogramme üben neue Denk- oder Bewältigungsschritte, manchmal in spielerischer Form. Krankheitsmanagement verbindet die Nutzerin mit einer Fachkraft oder mit Peer-Unterstützung. Passive Tracker lesen Bewegung, Anrufe oder Stimme aus, um Muster zu erkennen; das ist Forschung, keine fertige Diagnostik.
Praktisch begegnen den meisten vier Angebote.
- Achtsamkeits- und Meditationsprogramme führen durch Atem, Körperscan oder geführte Bilder und dauern oft nur wenige Minuten.
- Übungsprogramme nach kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) lassen Gedanken, Gefühle und Verhalten aufschreiben und umformulieren.
- Stimmungstagebücher und Kurzfragebögen zeichnen den Verlauf und können ein Gespräch mit der Praxis vorbereiten.
- Videotherapie, Chat mit einer approbierten Person oder automatisierte Dialoge ersetzen die Sprechstunde nicht, können Wartezeit aber überbrücken.
Eine fünfte Gruppe wirbt mit Hypnose, Glückspunkten oder Community-Zuhörern. Dafür fehlen belastbare Metaanalysen auf dem Niveau der KVT- und Achtsamkeitsarbeiten. Das NIMH warnt ausdrücklich vor überzogenen Versprechen, die Menschen von wirksameren Wegen abhalten. Bevor jemand ein Abo abschließt, lohnt die Frage, ob das Produkt eine geprüfte Methode liefert oder nur eine ruhige Stimme und ein Dashboard.
Helfen Meditations-Apps bei Angst und Depression?
Sie können Symptome akut etwas senken, erreichen in direkten Vergleichen aber nicht automatisch das Niveau einer aktiven Therapie. Linardon, Messer, Goldberg und Fuller-Tyszkiewicz fassten 45 randomisierte Studien zusammen (Clinical Psychology Review, 2024). Gegen Kontrollen lag der Effekt bei Depression bei 0,24 (5852 Personen) und bei Angst bei 0,28 (6082). Der Nutzen verschwand nicht, wenn man nur größere oder weniger verzerrte Arbeiten betrachtete. Gegen aktive therapeutische Vergleiche war der Unterschied nicht mehr signifikant; die Zahl solcher Studien war klein.
Die Mayo Clinic (Stand 14. Dezember 2023) beschreibt Meditation als ergänzende Körper-Geist-Technik. Schon wenige Minuten können Anspannung senken, die Aufmerksamkeit auf den Atem oder einen Satz lenken und den Gedankenstrom entlasten. Genannte mögliche Wirkungen reichen von besserem Schlaf und niedrigerer Ruheherzfrequenz bis zur besseren Steuerung von Angst, Depression oder Spannungskopfschmerz. Dieselbe Seite hält fest, dass die Studienlage nicht für jede Diagnose gleich fest ist und Meditation bei manchen psychischen Erkrankungen Symptome verstärken kann. Sie ersetzt keine medizinische Behandlung, kann sie aber begleiten.
Wer neu ist, braucht kein langes Ritual. Ein stiller Ort, gleichmäßige Bauchatmung und die Erlaubnis, abschweifende Gedanken ohne Wertung zurückzuholen, genügen als Einstieg. Geführte Sitzungen in einer App sind eine von mehreren Formen neben Gehmeditation, Gebet oder Yoga. Bleibt nach zwei Wochen täglicher Nutzung die innere Unruhe gleich oder wächst sie, ist das kein persönliches Versagen der Übung, sondern ein Signal, die Lage mit einer Fachkraft zu besprechen statt die Session nur zu verlängern.
Was taugen digitale KVT-Programme?
Programme, die kognitive Verhaltenstherapie abbilden, gehören zu den am besten geprüften digitalen Angeboten und wirken in Metaanalysen oft etwas kräftiger als Apps ohne diese Bausteine. Linardon 2024 fand größere Effekte bei Depression, wenn KVT-Elemente oder dialogbasierte Technik enthalten waren. Bei Angst wuchsen die Effekte, wenn generalisierte Angst das Hauptziel war und die App KVT oder Stimmungsprotokolle nutzte. Soziale Angst und Zwangssymptome zeigten mittlere Effekte, Panik sogar einen nicht signifikanten negativen Wert; diese Teilanalysen beruhen auf wenigen, oft verzerrungsanfälligen Studien.
NICE hat digitale Therapien für Erwachsene mit Depression 2025 als Early-Value-Bewertung neu gefasst (HTG675). Space from Depression darf in den britischen Talking-Therapies-Diensten eingesetzt werden, solange weitere Daten entstehen, und nur mit Unterstützung einer geschulten Fachkraft. Voraussetzung sind die Digital-Technology-Assessment-Kriterien und eine NHS-Prüfung. Iona Mind, Minddistrict und Wysa sollen außerhalb genehmigter Studien nicht als Routine dienen. Das Pendant für Angststörungen (HTG676) nennt fünf begleitete Programme, darunter Space from Anxiety sowie internetgestützte KVT bei sozialer Angst und posttraumatischer Belastung. Niedrigintensive Module begleitet eine psychologische Fachkraft, hochintensive ein entsprechend ausgebildeter Therapeut.
Der Unterschied zur Store-App ist der Rahmen, nicht das Display. Zuerst steht eine klinische Einschätzung samt Sicherheit. Jemand schaut, ob Symptome zunehmen, und kann die Stufe wechseln. NICE nennt Vorteile für Menschen, die flexible Zeiten brauchen oder Bildschirmarbeit einer Praxis vorziehen. Wer kein Gerät, kein Netz oder wenig digitale Übung hat, soll eine andere Form wählen dürfen. In Deutschland entspricht das eher einer geprüften digitalen Gesundheitsanwendung oder einer von der Praxis empfohlenen Online-KVT als einem frei heruntergeladenen Wohlfühlprogramm.
Die Mayo Clinic erwähnt Computerprogramme, Videositzungen und Arbeitshefte als mögliche Formate, geleitet oder teilweise selbstständig. Vor der Wahl soll die behandelnde Person prüfen, ob das Format passt und wer dahintersteht. Nicht jedes Angebot ist erstattet, nicht jede Online-Beratung ist approbiert.
Was leisten Stimmungstagebuch, Screening und Online-Therapie?
Ein Tagebuch kann Muster sichtbar machen und das Gespräch in der Sprechstunde vorbereiten, stellt aber keine Diagnose. Linardon 2024 knüpfte bei Angst größere Effekte an Stimmungsprotokolle. Das NIMH sieht in solchen Tools einen Einstieg für Menschen, die lange gezögert haben, und eine Ergänzung zwischen Sitzungen. Fragebögen in einer App ähneln oft etablierten Skalen zu Depressivität oder Angst. Sie sortieren Schwere, ersetzen aber nicht die Einordnung durch eine Ärztin oder einen Psychotherapeuten, die Medikamente, Schilddrüse, Schlaf und Lebensereignisse mitliest.
Zweiwöchige Selbsttests, die am Ende ein PDF für die Praxis erzeugen, sind als Gesprächsgrundlage nützlich. Sie werden gefährlich, wenn die Anzeige „schwere Depression“ ohne nächsten Schritt stehen bleibt. Dann braucht es einen Termin, nicht eine weitere Runde Fragen. Die Mayo Clinic schreibt klar: Smartphone-Angebote mit allgemeiner Information und Unterstützung ersetzen weder Arzt noch Therapeut.
Online-Therapie mit einer lizenzierten Person ist eine andere Kategorie als ein Selbsthilfe-Abo. Sie kann Ort und Wartezeit senken und eignet sich, wenn die Chemie stimmt und die Qualifikation prüfbar ist. Automatisierte Dialoge ohne menschliche Aufsicht fallen darunter nicht. Das NIMH rät, vorab festzulegen, ob man ein vollständig automatisches Programm will oder Kontakt zu einer ausgebildeten Fachkraft. Bei akuter Krise, Psychose oder akuter Selbstgefährdung bleibt der sichere Ort die Notaufnahme oder der ärztliche Bereitschaftsdienst, nicht der Chatverlauf.

Wie wähle ich eine sichere App aus?
Zuerst Datenschutz und Krisenweg prüfen, dann erst Versprechen zur Wirkung. Die American Psychiatric Association hat dafür ein Stufenmodell gebaut, das bewusst keine Note von eins bis zehn vergibt. Eine App kann wenige Stufen erfüllen und trotzdem zur Person passen; eine andere erfüllt alle Kriterien und wird trotzdem nicht genutzt. Die Pyramide zwingt nur dazu, Lücken zu sehen, bevor jemand Tagebuch, Standort oder Mikrofon freigibt.
Die unteren Stufen fragen nach Eigentümer, Finanzierung, Zweck, Kosten, letzter Aktualisierung (sinnvoll innerhalb von 180 Tagen) und nach Plattform, Sprache, Offline-Betrieb und Barrierefreiheit. Fehlt eine verständliche Datenschutzerklärung, rät die APA, keine besonders sensiblen Gesundheitsdaten einzugeben. Klinische Grundlage heißt: Ist der Inhalt fachlich aktuell, gibt es Studien oder wenigstens nachvollziehbare Methoden, wurden vorgesehene Nutzergruppen einbezogen? Viele Produkte haben keine randomisierte Studie. Dann bleibt die Probe auf Plausibilität: Tut die App, was sie behauptet, und schadet der Inhalt erkennbar nicht?
Das NIMH ergänzt handfeste Filter, weil es keine nationale Prüfstelle gibt.
- Eine vertraute Praxis oder Beratungsstelle nach einem konkreten Titel fragen, statt Sterne im Store als Beleg zu lesen.
- Nachlesen, was die App empfiehlt, wenn sich Symptome verschlechtern oder eine psychiatrische Notlage entsteht.
- Entwickler, Qualifikation und mögliche Interessenkonflikte prüfen; das NIMH-Logo auf einem Produkt ist kein Gütesiegel, die Behörde entwickelt und empfiehlt keine eigene App.
- In Fachdatenbanken nachsehen, ob wenigstens die Methode (etwa internetgestützte KVT) geprüft ist, falls das konkrete Produkt keine Studie hat.
- Drei bis vier Tage testen: Wer die Oberfläche nicht versteht oder nach zwei Abenden aufgibt, wird keinen Effekt messen, egal wie elegant die Studie klingt.
Eine App, die Heilung in wenigen Tagen verspricht oder Diagnosen ohne Fachkraft stellt, scheidet aus. Nützlich ist ein Export der eigenen Einträge, den man zur Sprechstunde mitnehmen kann. Unnütz ist ein Abo, das sich nur über Angst vor Rückfall finanziert.
Wohin wandern meine Daten?
Häufig an Werbe- und Analysefirmen, oft ohne dass die Datenschutzerklärung das klar sagt. Huckvale, Torous und Larsen prüften 2019 in JAMA Network Open 36 damals hoch platzierte Programme zu Depression und Rauchstopp. Dreiunddreißig übermittelten Daten an Dritte, 29 an Dienste von Google oder Facebook. Nur ein Teil nannte das in der Richtlinie korrekt. Fünfundzwanzig Apps hatten überhaupt eine Richtlinie; sekundäre Nutzungen standen noch seltener. Die Autoren folgerten, dass bloße Texte auf der Website nicht reichen, weil sich das technische Verhalten rasch ändert.
Das ist eine Beobachtung von 2018/2019, kein aktueller Store-Scan. Die Richtung bleibt gültig: Wer Stimmung, Schlaf, Suizidgedanken oder den Namen der genutzten App mitsendet, erzeugt ein Profil, das sich mit Werbekennungen verknüpfen lässt. Die APA fragt deshalb, wo Daten liegen, welche Dritten sie sehen, ob Löschung und Widerspruch möglich sind, ob Anmeldung mit starkem Passwort oder zweitem Faktor geht und wie der Anbieter auf Sicherheitslücken reagiert. Nutzt das Produkt künstliche Intelligenz, soll es sagen, wofür, und wie es Verzerrungen überwacht.
Praktisch heißt das: so wenig Freitext wie nötig, keine Foto- oder Mikrofonrechte ohne erkennbaren Nutzen, kein Login über ein soziales Netzwerk. Inhalte, die man einer Therapeutin anvertrauen würde, gehören nicht in ein Programm ohne nachvollziehbare Speicherung in der Europäischen Union und ohne Löschweg. Kostenlose Angebote finanzieren sich irgendwo; wenn nicht über ein Abo oder eine Krankenkasse, dann oft über Daten.
Wann zum Arzt, und wann ist Notfall?
Wenn schwere Symptome zwei Wochen oder länger den Alltag brechen, braucht es professionelle Hilfe; bei Suizidgedanken oder dem Impuls, sich zu verletzen, sofort. Das NIMH teilt die Lage in drei Stufen. Leichte Traurigkeit, Anspannung oder Schlaflücken unter zwei Wochen, bei denen Versorgung von sich und anderen noch gelingt, können Bewegung, 7 bis 9 Stunden Schlaf, Kontakt zu Nahestehenden, Atemübungen und ruhige Tätigkeiten zuerst auffangen. Hilft das nicht oder nimmt die Last zu, folgt die Sprechstunde.
Schwere Zeichen über mindestens zwei Wochen sind anhaltende Traurigkeit oder Hoffnungslosigkeit, Reizbarkeit, Wertlosigkeit, Erschöpfung, Interessenverlust, Konzentrationsbruch, unerledigte Aufgaben sowie Änderungen von Appetit, Gewicht, Schlaf oder Sexualität. Dann nennt das NIMH Psychotherapie und Medikamente als übliche Wege. Die US-Behörde SAMHSA (Stand 24. April 2023) setzt dieselbe Zwei-Wochen-Marke, sobald Denken, Stimmung oder Körper Arbeit, Schule, Haushalt oder Beziehungen stören. Zusätzliche Warnzeichen sind starke Stimmungsschwankungen, das Gefühl, die Dinge seien unwirklich, zunehmender Alkohol- oder Drogenkonsum, Vernachlässigung der Körperpflege und Rückzug von Freunden.
| Lage | App als Ergänzung denkbar | Zuerst Fachkraft oder Notfall |
|---|---|---|
| Alltagsstress, leichte Symptome unter 2 Wochen | Ja, plus Schlaf, Bewegung, soziale Kontakte | Wenn sich nichts bessert oder die Last wächst |
| Depression oder Angst mit Alltagsbruch ≥2 Wochen | Höchstens begleitend zur Behandlung | Ja, Diagnostik und Therapie planen |
| Schlafprobleme ohne schwere Begleiterkrankung | Möglich, Effekte in Studien oft größer | Bei anhaltender Insomnie ärztlich abklären |
| Suizidgedanken, Selbstverletzung, akute Panik | Nein als alleinige Hilfe | Sofort 112 oder Telefonseelsorge |
| Alkohol, Rauchen, Psychose, schwere Essstörung | Nicht als alleiniges Angebot | Spezialisierte Behandlung aufsuchen |
In Deutschland erreicht man den Notruf unter 112, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Die Telefonseelsorge ist unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 rund um die Uhr erreichbar. In den USA nennt das NIMH die Leitung 988; das ist der Beleg aus der Quelle, nicht die Nummer für Leserinnen hier. Lebensbedrohliche Lagen gehören in die Notaufnahme, nicht in eine App mit Aufwachfunktion am Ende der Session.
Die Mayo Clinic rät, bei depressiver Stimmung zeitnah einen Termin zu vereinbaren, statt auf Besserung zu warten. Wer zögert, kann zuerst eine Vertrauensperson oder eine Hausärztin einschalten. Schwere Depression kann einen stationären Aufenthalt nötig machen, wenn Selbstversorgung oder Sicherheit kippen. Eine App, die dann nur Erinnerungen schickt, ändert die Gefahrenlage nicht.
Häufige Fragen
Helfen Apps bei Depression wirklich?
Sie können Symptome leicht senken, heilen die Erkrankung aber nicht. Die Auswertung von 176 Studien (Linardon, 2024) fand einen kleinen, stabilen Effekt gegenüber Kontrollen. Stärker wird der Nutzen oft, wenn das Programm KVT-Übungen enthält. Wer mittelgradig oder schwer betroffen ist, braucht zusätzlich Therapie, manchmal Medikamente, und eine ärztliche Abklärung körperlicher Ursachen.
Kann ich eine App statt einer Therapie nutzen?
Nur als Übergang oder Extra, nicht als Ersatz für eine indizierte Behandlung. Kulke und Kollegen sehen Standalone-Apps vor allem dort, wo eine evidenzbasierte Erstlinie fehlt. NICE lässt digitale KVT im britischen System nur mit begleitender Fachkraft zu. Die Mayo Clinic stellt Mobilangebote ausdrücklich unter den Vorbehalt der Sprechstunde.
Welche App ist die beste?
Es gibt keine allgemeingültige Bestenliste, weil Nutzen, Sprache, Kosten und Datenschutz individuell sind. Die APA vergibt bewusst keine Punktzahl. Sinnvoll ist ein Produkt mit klarer Methode, aktueller Pflege, Krisenhinweis und nachvollziehbarer Datenpolitik. Sterne im Store messen Beliebtheit, nicht klinische Qualität.
Sind meine Einträge in der App vertraulich?
Oft nicht im Sinne einer therapeutischen Schweigepflicht. Die Untersuchung von 36 Depressions- und Rauchstopp-Programmen (Huckvale, 2019) fand sehr häufig Übermittlung an Dritte, darunter Werbedienste, bei lückenhafter Aufklärung. Vor dem ersten Tagebucheintrag die Richtlinie lesen, Löschrechte prüfen und soziale Logins meiden.
Was tun, wenn in der App Suizidgedanken auftauchen?
Die App schließen und sofort menschliche Hilfe holen, nicht auf eine automatische Antwort warten. In Deutschland 112 oder die Telefonseelsorge wählen. Kulke 2025 fand für Suizidgedanken und Selbstverletzung keinen gepoolten Nutzen von Standalone-Programmen. Eine Übung gegen Grübeln ist kein Krisenplan.
Wie lange soll ich eine App ausprobieren?
Ein paar Tage reichen, um Bedienbarkeit zu prüfen; zwei Wochen, um zu merken, ob Schlaf, Anspannung oder Stimmung überhaupt kippen. Das NIMH empfiehlt einen kurzen Praxistest und den Abbruch, wenn das Programm nicht hält. Bleiben schwere Zeichen über diese Spanne, ist der nächste Schritt ein Termin, nicht ein teureres Abo.

Fazit
Eine App kann morgen früh eine kurze Atemübung, ein Stimmungsprotokoll oder ein KVT-Arbeitsblatt liefern. Das ist ein realistischer Nutzen, belegt in großen Studien mit kleinen Effekten bei Depression und Angst und oft klareren bei Schlaf. Sie ändert nichts an der Reihenfolge: bei zwei Wochen Alltagsbruch zur Haus- oder Facharztpraxis, bei Suizidgedanken zum Notruf oder zur Telefonseelsorge.
Vor dem Download lohnt ein Blick auf Eigentümer, Datenschutzerklärung, letzte Aktualisierung und den Weg, den das Produkt bei Verschlechterung vorschlägt. Fehlt dieser Weg oder wirbt der Text mit Heilung, ist das Programm das falsche Werkzeug. Wer bereits in Behandlung ist, kann der Therapeutin den Titel nennen und Einträge mitbringen; so wird aus einem privaten Dashboard ein gemeinsames Protokoll statt eines Ersatzes für das Gespräch.
Quellen
- National Institute of Mental Health: Technology and the Future of Mental Health Treatment. National Institute of Mental Health, Stand: August 2024.
- National Institute of Mental Health: My Mental Health: Do I Need Help?. National Institute of Mental Health, Stand: 2025.
- American Psychiatric Association: The App Evaluation Model. American Psychiatric Association, Stand: 2025.
- National Institute for Health and Care Excellence: Digitally enabled therapies for adults with depression: early value assessment. National Institute for Health and Care Excellence, 14. Januar 2025.
- Linardon J, Torous J et al.: Current evidence on the efficacy of mental health smartphone apps for symptoms of depression and anxiety. A meta-analysis of 176 randomized controlled trials. World Psychiatry, Februar 2024.
- Kulke JK, Fuhrmann LM et al.: Efficacy of standalone smartphone apps for mental health: an updated systematic review and meta-analysis. The Lancet Digital Health, 24. November 2025.
- Mayo Clinic Staff: Meditation: A simple, fast way to reduce stress. Mayo Clinic, 14. Dezember 2023.
- Mayo Clinic Staff: Depression (major depressive disorder) – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, Stand: 2024.
- Substance Abuse and Mental Health Services Administration: Mental Health, Drug and Alcohol: Signs You Need To Seek Help. Substance Abuse and Mental Health Services Administration, 24. April 2023.
- Huckvale K, Torous J, Larsen ME: Assessment of the Data Sharing and Privacy Practices of Smartphone Apps for Depression and Smoking Cessation. JAMA Network Open, 19. April 2019.
