
Einzelne Lebensmittel können mit einem etwas späteren oder früheren Beginn der natürlichen Menopause zusammenhängen. Daraus folgt kein zuverlässiger Weg, die Wechseljahre gezielt hinauszuzögern. Die auffälligsten Zahlen stammen aus einer britischen Beobachtungsstudie von 2018; eine systematische Übersicht von 2022 hält den Gesamtbefund für widersprüchlich.
Die letzte Periode kommt in westlichen Populationen meist um das 51. oder 52. Lebensjahr. Ein früher Schnitt, vor dem 45. Geburtstag, verlängert die Zeit ohne körpereigenes Östrogen und hängt mit höherem Risiko für Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammen. Ein sehr später Schnitt kann das Risiko für Brust-, Eierstock- und Gebärmutterkörperkrebs erhöhen. Wer den Teller als Hebel versteht, braucht also beides: die konkreten Kohortenzahlen und die klare Grenze, was Beobachtung nicht beweist.
Kann Ernährung den Beginn der Wechseljahre verschieben?
Ein Speiseplan kann den Zeitpunkt der letzten Periode höchstens mitverschieben, er steuert ihn nicht. Gene, Rauchen, Operationen, Chemotherapie und das natürliche Aufbrauchen der Eibläschen wiegen schwerer. Grisotto und Kollegen werteten 2022 fünfzehn prospektive Arbeiten mit 91 554 Frauen aus, die während der Nachbeobachtung eine natürliche Menopause erreichten. Manche Lebensmittelgruppen zeigten eine Richtung, die meisten Befunde ließen sich in anderen Kohorten nicht wiederholen.
Beobachtungsstudien messen, was Menschen essen und wann die Blutung dauerhaft ausbleibt. Sie können nicht belegen, dass eine Extra-Portion Lachs die Follikelreserve schont. Frauen, die viel Fettfisch essen, unterscheiden sich oft gleichzeitig in Einkommen, Bewegung, Rauchstatus und Kinderzahl. Selbst sorgfältige Anpassung lässt Restverzerrung. Die britische Arbeitsgruppe um Dunneram schrieb 2018 ausdrücklich, ihre Kostdaten stammten aus Fragebögen und die Stichprobe sei gesundheitsbewusster und wohlhabender als die Allgemeinbevölkerung.
Wer eine Diät sucht, „um die Menopause zu stoppen“, findet sie nicht. Was bleibt, ist ein schwaches Signal: fettarme Milchprodukte und pflanzliches Eiweiß hingen in US-Kohorten mit weniger früher Menopause zusammen, vegetarische Kost in britischen Daten eher mit einem früheren Schnitt. Das rechtfertigt keinen Supplement-Kauf und keine Angst vor Nudeln. Es spricht dafür, den Teller als Teil der allgemeinen Vorsorge zu sehen, nicht als Schalter für das Eierstockalter.

Was die britische Kohorte 2018 wirklich gefunden hat
In der UK Women’s Cohort Study erlebten 914 Frauen zwischen Baseline und der ersten Nachbefragung eine natürliche Menopause, definiert als mindestens zwölf Monate ohne Periode. Das mittlere Alter lag bei 50,5 Jahren, der Median bei 51. Nach Anpassung an Bewegung, Alkohol, Rauchen und soziale Schicht war jede zusätzliche tägliche Portion Fettfisch mit 3,3 Jahren späterem Beginn verknüpft (99-Prozent-Konfidenzintervall 0,8 bis 5,8). Frische Hülsenfrüchte, etwa Erbsen und Bohnen, lagen bei plus 0,9 Jahren pro Portion und Tag.
Raffinierte Pasta und Reis zeigten die Gegenrichtung: minus 1,5 Jahre pro tägliche Portion. Höhere Aufnahme von Vitamin B6 (0,6 Jahre pro Milligramm) und Zink (0,3 Jahre pro Milligramm) ging mit späterem Beginn einher. Vegetarierinnen erreichten die Menopause im Mittel 0,8 Jahre früher als Nichtvegetarierinnen. Bei Frauen ohne Kinder hingen Trauben und Geflügel mit späterem Beginn zusammen; das sind Untergruppen mit weiten Intervallen.
Zwei methodische Haken gehören in denselben Absatz wie die Schlagzeile. Nach Aufteilung in Frauen bis 50 und über 50 Jahre zu Studienbeginn wurden die Zusammenhänge schwächer, die Intervalle breiter. Grisotto stufte die Leeds-Arbeit später als hohes Verzerrungsrisiko ein. Die Autoren selbst vermuteten Antioxidantien in Hülsenfrüchten und Omega-3-Fettsäuren im Fettfisch gegen reaktive Sauerstoffspezies, die Follikel schädigen können; raffinierte Kohlenhydrate sollten über Insulinresistenz und höhere Östrogenspiegel mehr Zyklen und schnelleren Follikelverbrauch begünstigen. Das bleibt Mechanismus-Spekulation, kein Beweis.
Warum spätere Übersichten die Ergebnisse relativieren
Seit 2018 ist der Leeds-Effekt nicht zum Lehrsatz geworden. Die Übersicht in Maturitas (Suche bis Januar 2021, Publikation 2022) fand 89 untersuchte Lebensmittelgruppen, 38 Nährstoffe und sechs Kostmuster. Grünes und gelbes Gemüse hing mit früherem Beginn zusammen, einzelne Milchprodukte und eher geringer Alkoholkonsum mit späterem. Makronährstoffe und Mikronährstoffe zeigten kein konsistentes Muster. Eine vegetarische Kost war in mehr als einer Kohorte mit früherem Beginn verknüpft, andere Muster nicht.
Nur Alkohol ließ sich sinnvoll poolen. Konsumentinnen gegenüber Nichtkonsumentinnen hatten eine Hazard Ratio von 0,94 für den Eintritt der natürlichen Menopause, also eine leichte Verschiebung nach hinten. Die Heterogenität war mittel, die klinische Größe klein, und Alkohol bleibt wegen Brustkrebs und anderer Schäden kein Mittel der Wahl. Elf der fünfzehn Arbeiten lagen im mittleren Verzerrungsbereich, zwei im hohen.
Genau hier widersprechen sich Kohorten. Boutot und Kollegen berichteten 2018 in einer großen US-Schwesternkohorte, dass Pasta, dunkles Brot und Frühstückscerealien mit einem niedrigeren Risiko für Menopause vor 45 verknüpft waren. Das trifft die Leeds-Botschaft zu raffinierten Kohlenhydraten frontal. Wer 2018 nur die britische Pressemeldung las, hörte eine klare Speisekarte. Wer 2022 die gebündelte Evidenz liest, hört: einzelne Signale, wenig Replikation, Beobachtung statt Versuch.
Milchprodukte, pflanzliches Eiweiß und Vitamin D
Fettarme Milchprodukte sind der nachvollziehbarste Kandidat neben dem Leeds-Fisch, weil sie in einer großen US-Kohorte mit weniger früher Menopause verknüpft waren. Purdue-Smithe und Kollegen verfolgten premenopausale Teilnehmerinnen dieser US-Langzeitkohorte von 1991 bis 2011. Wer zu Beginn mindestens vier Milchportionen pro Tag aß, hatte gegenüber weniger als vier Portionen pro Woche eine Hazard Ratio von 0,77 für natürliche Menopause vor 45. Der Trend beschränkte sich auf fettarme Varianten; fettreiche Milchprodukte zeigten keinen Zusammenhang.
Dieselbe Gruppe hatte 2017 Vitamin D und Kalzium geprüft. Frauen in der höchsten Quintile der Vitamin-D-Aufnahme aus Lebensmitteln (Median 528 Internationale Einheiten pro Tag) hatten gegenüber der niedrigsten Quintile (Median 148) eine Hazard Ratio von 0,83. Kalzium aus der Nahrung lag grenzwertig darunter. Hoch dosierte Supplemente senkten das Risiko nicht. Das spricht gegen die Vorstellung, eine Tablette ersetze den Teller, und gegen erfundene Dosierempfehlungen aus der Kohorte.
Pflanzliches Eiweiß lieferte Boutot 2018 ein ähnliches Bild. Frauen mit im Mittel 6,5 Prozent der Kalorien aus pflanzlichem Protein hatten gegenüber 3,9 Prozent ein um 16 Prozent niedrigeres Risiko für frühe Menopause. Tierisches Protein blieb ohne Zusammenhang. Drei bis vier Portionen eiweißreicher pflanzlicher Lebensmittel pro Tag beschrieben die Autorinnen als grobe Alltagsentsprechung, nicht als Rezept. Bohnen, Linsen, Erbsen und Vollkorn tragen dazu bei, ohne dass daraus ein „Menopause-Pulver“ folgt.
| Lebensmittel oder Muster | Beobachtete Richtung | Quelle und Jahr | Was die Zahl nicht sagt |
|---|---|---|---|
| Fettfisch | späterer Beginn, plus 3,3 Jahre pro Portion und Tag | Dunneram, 2018 | eine Kohorte, nach Altersaufteilung abgeschwächt |
| Frische Hülsenfrüchte | plus 0,9 Jahre pro Portion und Tag | Dunneram, 2018 | frische Erbsen und Bohnen, nicht jede Hülsenfrucht |
| Raffinierte Pasta und Reis | minus 1,5 Jahre pro Portion und Tag | Dunneram, 2018 | Boutot 2018 fand bei Pasta eher weniger frühe Menopause |
| Fettarme Milchprodukte | weniger frühe Menopause, Hazard Ratio 0,77 bei mindestens vier Portionen täglich | Purdue-Smithe, 2019 | Beobachtung, kein Beleg für Kausalität |
| Pflanzliches Eiweiß | 16 Prozent niedrigeres Risiko früher Menopause, höchste gegen niedrigste Quintile | Boutot, 2018 | Anteil an den Kalorien, kein Isolat oder Pulver |
| Vegetarische Kost | etwa 0,8 Jahre früherer Beginn | Dunneram, 2018; Grisotto, 2022 | Selbstangabe, Störfaktoren möglich |
| Soja gegen Hitzewallungen | von der Fachgesellschaft nicht empfohlen | NAMS, 2023 | anderes Ziel als der Zeitpunkt der letzten Periode |
Warum das Alter der letzten Periode zählt
Frühe Menopause, vor dem 45. Geburtstag, betrifft nach Purdue-Smithe und Boutot grob 5 bis 10 Prozent westlicher Frauen. Das Office on Women’s Health (Stand März 2025) nennt für die natürliche frühe Menopause etwa 5 Prozent und setzt die vorzeitige Form vor 40 an. Je länger das Leben ohne Östrogen dauert, desto höher liegt das Risiko für Knochenbrüche und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mayo Clinic (Juli 2026) zählt nach der Menopause außerdem Harninkontinenz, trockene Scheide, Libidoverlust und Gewichtszunahme zu den häufigen Folgen des Hormonabfalls.
Die Gegenrichtung darf nicht unter den Tisch. Dunneram und Grisotto nennen übereinstimmend ein höheres Risiko für Brust-, Eierstock- und Gebärmutterkörperkrebs bei späterem Beginn. Ein späterer Schnitt ist also kein reiner Gewinn. Die alte Idee, spätere Menopause schütze das Denken im Alter, taucht in manchen Einzelarbeiten auf; sie ersetzt keine Krebsvorsorge und keine individuelle Abwägung.
NICE betont in der Leitlinie NG23 (Aktualisierung 2024, zuletzt geprüft April 2026) Knochen- und Muskelgesundheit unabhängig vom Teller-Mythos. Wer in den Wechseljahren ist, soll Beratung zur Knochengesundheit bekommen und hören, dass Kraft und Muskelmasse Bewegung brauchen. Hormonersatztherapie senkt während der Einnahme das Risiko für Fragilitätsfrakturen; der Schutz lässt nach dem Absetzen nach. Zur Vorbeugung von Herzkrankheit oder Demenz soll HRT laut NICE 2024 nicht angeboten werden.
Frühe Menopause und vorzeitige Ovarialinsuffizienz
Vor dem 40. Geburtstag spricht man nicht einfach von „früher Wechseljahre“, sondern prüft eine vorzeitige Ovarialinsuffizienz. Die Eierstöcke arbeiten unzureichend, die Follikel sind aber nicht immer vollständig erschöpft. Cleveland Clinic (November 2022) und Merck unterscheiden das von der klassischen Menopause: bei POI kann der Zyklus zeitweise zurückkehren. Etwa 5 bis 10 Prozent der Betroffenen werden ohne Fruchtbarkeitsbehandlung schwanger. Deshalb ist der ältere Name „vorzeitiges Ovarialversagen“ irreführend.
NICE diagnostiziert POI unter 40 anhand menopausaler Beschwerden einschließlich seltener oder fehlender Perioden plus zweier erhöhter FSH-Werte im Abstand von vier bis sechs Wochen. Ein einzelner Blutwert reicht nicht. Anti-Müller-Hormon soll nicht routinemäßig zur Diagnose dienen. Bei Unsicherheit folgt Überweisung an eine Praxis mit Erfahrung in Menopause oder Reproduktionsmedizin. Zwischen 40 und 44 Jahren liegt die frühe Menopause; NICE empfiehlt seit 2024 psychologische Unterstützung, wenn die Diagnose oder ihre Folgen belasten.
Ursachen bleiben oft offen. Familiäre Häufung, Rauchen, Chemotherapie, Beckenbestrahlung, Entfernung beider Eierstöcke, Autoimmunerkrankungen, Turner-Syndrom und Fragile-X-Prämutation gehören zu den bekannten Spuren. Cleveland Clinic nennt idiopathische Fälle als Mehrheit und schätzt die Häufigkeit auf etwa 1 Prozent der Frauen zwischen 15 und 44 Jahren. Die Zahl schwankt je nach Definition und Erfassung.
Therapie zielt auf Symptome und Folgeschäden, nicht auf Heilung. Hormone, oft Östrogen plus Gestagen, können Hitzewallungen mindern und Knochen schützen. Cleveland Clinic und ACOG-nahe Quellen raten, die Substitution in der Regel bis zum mittleren natürlichen Menopausalter um 51 oder 52 Jahre fortzusetzen, sofern keine Gegenanzeige vorliegt. Kalzium und Vitamin D über die Ernährung, Krafttraining und Gewicht im gesunden Bereich stützen die Knochen. Umkehren lässt sich POI nicht.
Wann unregelmäßige Perioden abgeklärt gehören
Drei Monate ohne Periode sind ein Grund für einen Arztbesuch, nicht für Selbstversuche mit Phytoöstrogenen. Cleveland Clinic nennt Schwangerschaft, Stress und Hormonschwankungen als häufige Alternativen; die Abklärung trennt das. Das National Institute on Aging (Oktober 2024) listet zusätzlich Warnzeichen, die nicht als „normale Wechseljahre“ durchgehen: Perioden in sehr kurzem Abstand, sehr starke Blutung, Blutung nach dem Sex oder zwischen den Perioden, Blutung länger als eine Woche, und jede neue Blutung nach mehr als zwölf Monaten Pause.
Nach der Menopause gilt vaginale Blutung als Alarm, nicht als Bagatelle. Mayo Clinic fordert, sie rasch vorzustellen. Ab 45 Jahren mit klassischen Beschwerden und Zyklusänderung stellt NICE Perimenopause und Menopause in der Regel ohne Labor fest. FSH-Tests sind für Gesunde in diesem Alter unnötig und bei kombinierter hormoneller Verhütung ohnehin nicht verwertbar. Zwischen 40 und 45 sowie unter 40, wenn Menopause vermutet wird, kann FSH die Diagnose stützen.
Wer Kinderwunsch hat und Perioden ausbleiben, braucht rascher eine reproduktionsmedizinische Einschätzung als jemand, der die Familienplanung abgeschlossen hat. Umgekehrt gilt: In der Übergangszeit ist eine Schwangerschaft noch möglich. NIA rät, Verhütung mindestens zwölf Monate nach der letzten Periode fortzusetzen, wenn keine Empfängnis gewollt ist. Das ist unabhängig davon, ob der Teller Fisch oder Hülsenfrüchte enthält.
Was der Teller bei Hitzewallungen leisten kann
Koständerung ist kein belegtes Mittel gegen Hitzewallungen. Die North American Menopause Society stellte 2023 fest, dass die Studienlage zu Diät und vasomotorischen Beschwerden dünn bleibt, und empfahl diätetische Umstellung auf Evidenzstufe III nicht. Sojaprodukte, Sojaextrakte und der Metabolit Equol fielen ebenfalls unter „nicht empfohlen“. Kräuter und Nahrungsergänzungen, darunter Traubensilberkerze, Nachtkerzenöl und Omega-3-Kapseln, bekamen dasselbe Urteil: begrenzter oder fehlender Nutzen.
Als wirksam nannte das Statement unter anderem kognitive Verhaltenstherapie, klinische Hypnose, bestimmte Antidepressiva, Gabapentin, Fezolinetant und, mit etwas schwächerer Evidenz, Gewichtsverlust. Hormontherapie bleibt laut NAMS die wirksamste Option gegen Hitzewallungen, vor allem innerhalb von zehn Jahren nach der letzten Periode und ohne Gegenanzeige. MedlinePlus und NIA beschreiben Alltagsmaßnahmen, die manche Frauen als entlastend erleben: Schichtenkleidung, Verzicht auf Alkohol, scharfe Speisen und Koffein, Rauchstopp, regelmäßige Bewegung, kühles Schlafzimmer. Das lindert Beschwerden bei einem Teil der Betroffenen, verschiebt aber nicht den Kalender der Eierstöcke.
Zwei Ziele darf man nicht vermischen. Der Leeds-Text von 2018 ging um das Alter der letzten Blutung. Das NAMS-Statement von 2023 geht um Hitzewallungen und Nachtschweiß. Fettfisch kann in einer Kohorte mit späterem Beginn zusammenhängen und trotzdem keine Wallung stoppen. Soja kann in manchen Kulturen zum Alltag gehören und trotzdem als Therapie gegen vasomotorische Symptome durchfallen. Wer beides will, Knochenschutz und erträgliche Nächte, braucht ein Gespräch über HRT, Bewegung und Rauchstopp, nicht nur eine Einkaufsliste.
Rauchen und andere Faktoren mit größerem Gewicht
Rauchen verschiebt den Beginn spürbarer als jede umstrittene Lebensmittelgruppe. Das Office on Women’s Health schreibt, Raucherinnen könnten die Menopause bis zu zwei Jahre früher erreichen und stärkere Beschwerden haben. NIA verknüpft Rauchen außerdem mit früherem Beginn und heftigeren Symptomen. Wer Zigaretten weglässt, ändert ein Risiko, das in Leitlinien klar benannt ist, statt ein Kohortensignal zu jagen.
Chirurgische Entfernung beider Eierstöcke erzeugt einen sofortigen Hormonabfall. Chemotherapie und Beckenbestrahlung können die Reserve dauerhaft oder vorübergehend zerstören; jüngeres Alter zum Zeitpunkt der Therapie senkt laut OWH die Wahrscheinlichkeit eines dauerhaften Stopps. Eine Gebärmutterentfernung ohne Eierstöcke beendet die Blutung, nicht automatisch die Hormonproduktion; die natürliche Menopause kann dennoch ein bis zwei Jahre früher eintreten. Familiäre Häufung und bestimmte ethnische Hintergründe erwähnt NICE 2024 ausdrücklich: Manche Gruppen und Menschen mit lebenslangen Erkrankungen erleben die Menopause jünger.
Gewicht und Bewegung wirken auf Beschwerden und Langzeitrisiko stärker als auf den Kalendertag der letzten Periode. NAMS sieht Gewichtsverlust als mögliche Hilfe gegen Hitzewallungen. NICE fordert Aktivität zum Erhalt von Muskelmasse. Nach der Menopause steigen laut Mayo Clinic Herzrisiko und Knochenverlust. Ein Teller mit Hülsenfrüchten, Fisch, fettarmen Milchprodukten und wenig stark verarbeiteten Snacks bleibt vernünftig, weil er Herz und Knochen dient, nicht weil er drei Extra-Jahre Östrogen garantiert.
Häufige Fragen
Kann ich mit Fisch und Bohnen die Wechseljahre um Jahre verschieben?
Nein, das ist nicht belegt. In der britischen Kohorte von 2018 hingen Fettfisch und frische Hülsenfrüchte mit späterem Beginn zusammen, die Übersicht von 2022 fand aber keine stabile Wiederholung. Eine Extra-Portion pro Tag in einer Gleichung ist kein Speiseplan, den Sie zu Hause „nachkochen“ können.
Ziehen Nudeln und Reis die Menopause vor?
In Leeds waren raffinierte Pasta und Reis mit früherem Beginn verknüpft, bei Boutot 2018 hingen Pasta und Getreide eher mit weniger früher Menopause zusammen. Beide Befunde sind Beobachtung. Vollkorn statt Weißmehl bleibt aus anderen Gründen sinnvoll, nicht als Anti-Menopause-Taktik.
Helfen Vitamin-D-Tabletten gegen eine frühe Menopause?
In jener US-Ernährungskohorte war nur Vitamin D aus Lebensmitteln mit etwas weniger früher Menopause verknüpft, Supplemente nicht. Dosierungen aus dieser Kohorte sind keine Einnahmeempfehlung. Bedarf, Mangel und Knochenschutz gehören in die Sprechstunde, nicht in eine Selbstmedikation nach Schlagzeile.
Ab wann gelten Wechseljahre als zu früh?
Vor dem 45. Geburtstag spricht man von früher Menopause, vor dem 40. von vorzeitiger Form oder vorzeitiger Ovarialinsuffizienz. Das mittlere Alter liegt in den USA bei 51 bis 52 Jahren, in der britischen Leeds-Stichprobe bei etwa 51. Drei Monate ohne Periode oder typische Beschwerden unter 45 gehören abgeklärt.
Soll ich Soja essen, um Hitzewallungen zu stoppen?
Als gezielte Therapie gegen Hitzewallungen empfiehlt die NAMS Soja seit 2023 nicht. Ein mäßiger Anteil Soja in einer üblichen Kost ist damit nicht verboten. Wer Wallungen belasten, sollte wirksame Optionen besprechen, von Verhaltenstherapie bis Hormontherapie, statt Extrakte ohne belastbaren Nutzen.
Brauche ich einen FSH-Test, wenn ich 48 bin und die Periode aussetzt?
Bei sonst gesunden Frauen ab 45 mit typischen Beschwerden stellt NICE Perimenopause und Menopause in der Regel ohne Labor fest. FSH hilft vor allem zwischen 40 und 45 oder unter 40, wenn eine vorzeitige Insuffizienz im Raum steht. Kombinierte Pille oder hoch dosiertes Gestagen machen den Wert unlesbar.
Fazit
Der Teller kann mit dem Alter der letzten Periode zusammenhängen, er ersetzt weder Gene noch medizinische Ursachen. Fettfisch, frische Hülsenfrüchte, fettarme Milchprodukte und pflanzliches Eiweiß sind die Lebensmittel, die in großen Kohorten am ehesten mit späterem Beginn oder weniger früher Menopause auftauchen. Die Übersicht von 2022 und der direkte Widerspruch bei Pasta zeigen, wie dünn der Boden für Ratschläge bleibt.
Praktisch zählt etwas anderes als die Jagd nach drei Extra-Jahren. Wer raucht, sollte aufhören. Wer vor 45 die Periode verliert oder drei Monate lang keine Blutung hat, braucht Abklärung, bei Verdacht auf POI zwei FSH-Werte und ein Gespräch über Hormone bis zum mittleren Menopausalter. Hitzewallungen behandelt man nach NAMS und NICE mit belegten Verfahren, nicht mit Soja-Kapseln.
Ein alltagstauglicher Speiseplan mit Hülsenfrüchten, Fisch, fettarmen Milchprodukten, Gemüse und wenig stark verarbeiteten Snacks bleibt sinnvoll, weil er Herz, Knochen und Stoffwechsel stützt. Als Versprechen, die Wechseljahre zu verschieben, trägt er die Daten nicht.
Quellen
- Dunneram Y, Greenwood DC et al.: Dietary intake and age at natural menopause: results from the UK Women’s Cohort Study. Journal of Epidemiology and Community Health, 30. April 2018.
- Grisotto G, Farago JS et al.: Dietary factors and onset of natural menopause: A systematic review and meta-analysis. Maturitas, Mai 2022.
- NICE: Menopause: identification and management. National Institute for Health and Care Excellence, Stand: 15. April 2026.
- Mayo Clinic Staff: Menopause – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 9. Juli 2026.
- Office on Women’s Health: Early or premature menopause. U.S. Department of Health and Human Services, 11. März 2025.
- National Institute on Aging: What Is Menopause?. National Institute on Aging, 16. Oktober 2024.
- Cleveland Clinic: Primary Ovarian Insufficiency (POI). Cleveland Clinic, 7. November 2022.
- Purdue-Smithe AC, Whitcomb BW et al.: A Prospective Study of Dairy-Food Intake and Early Menopause. American Journal of Epidemiology, 1. Januar 2019.
- Boutot ME, Purdue-Smithe A et al.: Dietary Protein Intake and Early Menopause in the Nurses‘ Health Study II. American Journal of Epidemiology, 1. Februar 2018.
- The North American Menopause Society: The 2023 nonhormone therapy position statement of The North American Menopause Society. Menopause, 1. Juni 2023.
