
Eine Hysteroskopie macht die Innenwand der Gebärmutter sichtbar. Ein dünnes Rohr mit Licht und Kamera gleitet durch Scheide und Gebärmutterhals in die Höhle, ohne Bauchschnitt.
Der NHS (geprüft Januar 2024) nennt den Test für alle Menschen mit Gebärmutter, sofern keine Schwangerschaft besteht. Typische Anlässe sind sehr starke Perioden, Blutungen dazwischen, Blut nach den Wechseljahren, Polypen oder Myome, unerfüllter Kinderwunsch, wiederholte Fehlgeburten und eine Spirale, deren Fäden nicht mehr zu sehen sind. Diagnose und kleine Therapie können in einer Sitzung stattfinden. Schmerz gehört zum Thema, nicht zur Nebensache: britische und US-Fachgesellschaften verlangen seit 2024 und 2025, dass Betäubung und Abbruch jederzeit möglich bleiben.
Wann eine Hysteroskopie sinnvoll ist
Der Blick in die Höhle lohnt, wenn Blutungsbild, Ultraschall oder Kinderwunsch eine Ursache in der Gebärmutter selbst nahelegen. NICE (Leitlinie NG88, Empfehlungen von 2018, Seite geprüft 2026) setzt die ambulante Hysteroskopie an erste Stelle, sobald anhaltende Zwischenblutung, Risikofaktoren für eine Endometriumveränderung oder der Verdacht auf Polypen und submuköse Myome vorliegen.
Reine starke Regelblutung ohne Zusatzzeichen darf NICE zuerst medikamentös angehen, oft ohne Spiegelung. Kommen Druck, Schmerz oder unregelmäßige Zusätze dazu, ändert sich die Reihenfolge. Die Cleveland Clinic (Stand September 2022) zählt Polypen, Myome, Verwachsungen (Asherman-Syndrom), eine angeborene Scheidewand und Plazentareste nach Geburt zu den Befunden, die sich so finden und oft gleich entfernen lassen. MedlinePlus (Labortest-Seite, Stand 2024) ergänzt die Suche nach Ursachen für Unfruchtbarkeit nach mindestens einem Jahr Versuch und nach mehr als zwei Fehlgeburten hintereinander.
Wer eine Spirale nicht mehr tastet, braucht selten eine Bauch-Operation. Die Kamera findet das Kunststoffteil und holt es unter Sicht. StatPearls (Aktualisierung April 2025) nennt zusätzlich verdickte Schleimhaut, angeborene Müller-Fehlbildungen und Fremdkörper. Beckeninfekt, florider Genitalherpes und bestätigter Gebärmutterhals- oder Gebärmutterkörperkrebs gelten dort als klare Gegenanzeigen. Schwangerschaft ist ebenfalls eine Gegenanzeige, außer in engen Ausnahmen wie einer verbliebenen Spirale.
Ultraschall bleibt nützlich, ersetzt den Blick in die Höhle aber nicht. NICE warnt ausdrücklich, dass eine alleinige Becken-Sonografie Hohlraumbefunde schlechter trifft. Als Erstlinie bei starker Regelblutung lehnt dieselbe Leitlinie die Kochsalz-Kontrastsonografie, die Kernspintomografie und die alleinige Ausschabung ab.

Diagnostisch oder operativ, oft in einem Termin
Die diagnostische Variante schaut und dokumentiert. Die operative Variante entfernt Gewebe, löst Narben oder holt Fremdkörper. Beides kann nacheinander in derselben Sitzung laufen, wenn Gerät, Zeit und Einwilligung das tragen.
Die Cleveland Clinic beschreibt genau dieses Modell. Ein auffälliger Polyp muss nicht auf einen zweiten Operationstermin warten, wenn die Ausrüstung in der Praxis steht. NICE verlangt, Dienste so zu bauen, dass der Übergang zur Therapie in derselben Umgebung möglich ist. StatPearls nennt das „Sehen und Behandeln“ und bezeichnet die Polypektomie als häufigsten solchen Eingriff weltweit.
Die Grenzen liegen in Größe, Lage und Tiefe. ACOG (Committee Opinion 800, März 2020) will in der Praxis nur behandeln, wenn die Läsion verstanden ist, die Patientin das Setting mitträgt und das Team Erfahrung plus Gerät hat. Große, tief in die Muskulatur reichende Myome (Typ II) brauchen oft den Operationssaal oder zwei Sitzungen. Ein mechanisches Schneid- und Absaugsystem kann Polypen und flache Myome vom Typ 0 oder I schneller und vollständiger entfernen als die klassische Schlinge; bei Typ-II-Knoten bleibt die Schlinge oft überlegen.
Ältere blinde Verfahren fallen zurück. NICE untersagt die blinde Endometriumbiopsie bei starker Regelblutung. Gewebe soll unter Sicht gewonnen werden. ACOG zieht die gezielte Entfernung der blinden Kürettage vor, weil blinde Griffe Befunde verfehlen und unvollständig lassen. Eine Ausschabung allein gilt bei NICE weder als Diagnose- noch als Therapieoption gegen starke Perioden.
Wie Sie sich vorbereiten
Schwangerschaft muss vor dem Eingriff möglichst ausgeschlossen sein. Der NHS rät zu Verhütung oder Verzicht auf Sex zwischen letzter Periode und Termin; am Untersuchungstag kann ein Urintest folgen.
Das Royal College of Obstetricians and Gynaecologists (Green-top Guideline 59, August 2024) macht denselben Punkt zur guten Praxis. ACOG legt den besten Zeitpunkt bei regelmäßigem Zyklus in die Follikelphase nach der Blutung. In der zweiten Zyklushälfte wirkt die Schleimhaut oft polypähnlich und täuscht. Starke aktuelle Blutung stört die Sicht; unregelmäßige Zyklen lassen sich trotzdem planen, nur eben nicht im Maximum des Blutens. Nach den Wechseljahren spielt der Kalender kaum eine Rolle.
Schmerzmittel gehören in die Vorbereitung, nicht erst in den Aufwachraum. RCOG empfiehlt eine übliche Dosis eines entzündungshemmenden Schmerzmittels (NSAR) eine Stunde vor dem Termin, sofern keine Gegenanzeige wie Magengeschwür, schwere Nierenkrankheit oder bestimmtes Asthma besteht. Der NHS nennt Ibuprofen oder Paracetamol in demselben Zeitfenster. Wer sehr schmerzhafte Perioden hat, bei Abstrichen ohnmächtig wird oder sexuelle Gewalt erlebt hat, soll das vorher sagen. Dann lässt sich Vollnarkose, Sedierung oder ein anderer Ort besprechen, statt die Untersuchung „einfach durchzuziehen“.
Routinemäßiges Aufdehnen des Muttermunds mit Misoprostol ist laut ACOG 2020 nicht belegt genug, um es jeder Patientin zu geben. Bei Engstelle oder erwarteter schmerzhafter Dehnung kann es erwogen werden; 400 Mikrogramm vaginal mindestens vier Stunden vorher senkten in Studien Schmerz und Dilatationsbedarf, lösten aber häufig Krämpfe, Blutung und Fiebergefühl aus. ACOG 2025 bestätigt den schmerzlindernden Effekt und die hohe Rate solcher Vorwirkungen. Antibiotika zur Vorbeugung sind bei üblicher Hysteroskopie nicht indiziert. Blutverdünner, einschließlich mancher rezeptfreier Mittel, setzt das Team oft vorübergehend ab; niemand soll das allein tun.
So läuft die Untersuchung ab
Sie liegen auf dem Rücken, die Beine in Stützen. Ein dünnes Hysteroskop fährt durch die Scheide und den Gebärmutterhals in die Höhle. Kochsalzlösung weitet den Raum, spült Blut und Schleim und liefert das Bild auf den Monitor.
Der NHS beschreibt genau diesen Weg und nennt 10 bis 15 Minuten für den reinen Blick, länger wenn Gewebe entnommen oder ein Polyp entfernt wird. Die Cleveland Clinic spannt die Dauer von fünf Minuten bis über eine Stunde, je nachdem ob nur geschaut oder operiert wird und ob eine Bauchspiegelung dazukommt. Healthdirect (Februar 2024) setzt 10 bis 30 Minuten an.
Zwei Zugangswege existieren. Die klassische Variante nutzt Spekulum, manchmal eine Kugelzange am Muttermund und eine mechanische Dehnung. Die Vaginoskopie verzichtet auf Spekulum und Zange: das Gerät sucht den äußeren Muttermund unter Flüssigkeitsfüllung der Scheide und gleitet weiter. RCOG 2024 macht diese „No-touch“-Technik zum Standard, solange kein Spekulum für örtliche Betäubung oder Dilatation nötig ist. Diagnostische Optiken sollen höchstens 3,5 Millimeter Außendurchmesser haben. NICE formuliert dasselbe Maß.
Die Flüssigkeit wird bilanziert. StatPearls, gestützt auf die europäisch-britische Distensionsleitlinie, nennt bei gesunden Frauen eine Obergrenze des Defizits von 1000 Millilitern für hypotone Lösungen und 2500 Millilitern für isotone. Bei Herz-, Nieren- oder Lungenkrankheit sinken die Schwellen auf 750 beziehungsweise 1500 Milliliter. Kochsalz passt zu bipolaren Instrumenten und vermeidet die schwere Natriumarmut, die Glycin oder Sorbitol erzeugen können. Kohlendioxid bleibt der reinen Diagnostik vorbehalten, weil Blut die Sicht sofort nimmt.
Übelkeit, Hitze und Schwarzwerden vor den Augen kommen vor. Der NHS nennt das ausdrücklich. Wer den Eingriff nicht aushält, darf jederzeit stoppen. RCOG verpflichtet das Team, selbst zu unterbrechen, wenn die Patientin vor Schmerz oder Kreislaufreaktion nicht mehr sprechen kann.
Schmerz, Betäubung und das Recht zu stoppen
Eine Hysteroskopie kann sich wie starke Periodenkrämpfe anfühlen. Bei einem Teil der Untersuchten ist der Schmerz heftig. Das ist kein Versagen der Patientin, sondern ein bekanntes Risiko der Methode.
Der NHS schreibt beides: Ibuprofen oder Paracetamol eine Stunde vorher können helfen, und dennoch kann die Untersuchung sehr wehtun. ACOG hat im Mai 2025 einen klinischen Konsens zur Schmerzbehandlung in der Praxis veröffentlicht. Ärztinnen und Ärzte unterschätzen Schmerz bei solchen Eingriffen oft. Optionen sollen allen angeboten werden, unter Berücksichtigung von Alter, Angst, früherem Trauma und Vorerfahrungen. Für diagnostische und operative Hysteroskopie sowie für die Endometriumablation gilt dort ausreichend gute Evidenz für eine gespritzte örtliche Betäubung (para- oder intrazervikal).
RCOG 2024 zieht bei Vaginoskopie die routinemäßige Lokalspritze nicht nach. Sie soll dazukommen, wenn ein Spekulum geplant ist, der Muttermund eng wirkt oder Geräte ab 5 Millimeter Außendurchmesser genutzt werden. Bewusste Sedierung gehört in der Ambulanz nicht zur Regel. Lachgas (je zur Hälfte Distickstoffmonoxid und Sauerstoff) kann angeboten werden. Musik oder Virtual-Reality-Brillen senken in einzelnen Studien Angst oder Schmerz, ersetzen aber keine Einwilligung und keine Abbruchmöglichkeit.
Vollnarkose oder regionale Betäubung bleiben echte Alternativen, nicht das Eingeständnis eines Scheiterns. NICE verlangt, wer die ambulante Variante ablehnt, eine Untersuchung in Narkose oder Regionalanästhesie zu bekommen. Nach Vollnarkose oder intravenöser Beruhigung holt eine Begleitperson ab; selbst fahren fällt aus. Manche Kliniken behalten nach Narkose über Nacht. Wer nüchtern bleiben muss, erfährt das vorher, nicht an der Tür.
Was nach der Untersuchung normal ist
Periodenähnliche Krämpfe für ein bis zwei Tage und Schmierblutung bis etwa eine Woche sind üblich. Binden statt Tampons, kein Sex und kein Sport, solange Schmerz und Blutung anhalten.
So fasst der NHS die Nachsorge. Paracetamol, Ibuprofen oder das vertraute Periodenmittel dürfen, sofern sie sonst verträglich sind. Healthdirect rät, sieben Tage auf Geschlechtsverkehr zu verzichten, 24 Stunden nicht zu fahren oder schwere Maschinen zu bedienen, und Tampons bis zur nächsten Periode wegzulassen. MedlinePlus (Labortest-Seite) nennt oft zwei Wochen ohne Sex, Tampons, Spülungen, Baden und Schwimmen. Die Cleveland Clinic wiederholt diese Zwei-Wochen-Spanne vor allem nach operativen Anteilen. Die Spannweite erklärt sich aus Eingriffstiefe und Klinikroutine. Die konkrete Ansage des behandelnden Teams gilt.
Essen und Trinken sind nach einer Untersuchung ohne Narkose sofort möglich. Viele gehen am selben Tag in den Alltag zurück. Nach Vollnarkose braucht der Kopf einen oder zwei Ruhetage. MedlinePlus (Enzyklopädie, geprüft Oktober 2024) beschreibt zusätzlich wässrigen Ausfluss über mehrere Wochen und die Rückkehr zu Alltagsaktivitäten binnen ein bis zwei Tagen. Befunde der Kamera können oft noch vor dem Nachhauseweg erklärt werden. Gewebeproben brauchen laut derselben Enzyklopädie meist ein bis zwei Wochen; britische Kliniken nennen gelegentlich längere Wege bis zur schriftlichen Mitteilung.
Ein Folgetermin lohnt, wenn Histologie aussteht oder ein zweizeitiges Myom geplant ist. Wer eine Ablation der Schleimhaut hatte, braucht zuverlässige Verhütung. NICE macht das zur Pflichtinformation, weil eine spätere Schwangerschaft nach verödeter Schleimhaut riskant wäre.

Welche Komplikationen vorkommen
Schwere Zwischenfälle sind selten. Die Cleveland Clinic beziffert Komplikationen auf unter 1 Prozent. Dazu zählen Infekt, starke Blutung, neue Verwachsungen, Narkosereaktion, Verletzung von Hals, Höhle, Darm oder Blase und eine Reaktion auf das Distensionsmittel.
Die häufigste chirurgische Komplikation ist die Perforation der Gebärmutterwand. StatPearls nennt sie in rund 1 Prozent der Fälle, häufiger bei Resektion in die Muskulatur hinein. Der NHS spricht vor allem von einem kleinen Loch beim Entfernen eines Polypen. Oft heilt es unter Beobachtung, manchmal über Nacht in der Klinik. Blutungs- oder Organverdacht führt in die Bauchspiegelung oder offene Revision. Blutung ohne Loch entsteht, wenn ein Gefäß in der Muskulatur getroffen wird; Elektrokoagulation, wehenfördernde Mittel oder ein Ballonkatheter zur Tamponade können helfen.
Flüssigkeitsüberladung (manchmal als OHIA-Syndrom bezeichnet) entsteht, wenn Distensionslösung in Venen gedrückt wird. Hypotone Medien können Natrium stürzen lassen und Hirnödem erzeugen. Isotone Kochsalzlösung ist sicherer, überlastet aber Herz und Lunge, wenn Liter verschwinden. Kopfschmerz, Luftnot, Erbrechen oder Verwirrtheit während oder kurz nach dem Eingriff gehören deshalb gemeldet, nicht ausgesessen. Luft- oder Kohlendioxidembolie ist selten, aber gefährlich; vorgefüllte Schläuche und Flüssigkeit statt Gas senken das Risiko.
Infekte der Gebärmutter äußern sich mit Fieber, übel riechendem Ausfluss und starker Blutung. Sie werden in der Regel mit Antibiotika behandelt. StatPearls gibt für vasovagale Reaktionen in der Praxis 0,21 bis 1,85 Prozent an. Blässe, Schweiß, Übelkeit und kurze Ohnmacht enden meist, sobald das Gerät draußen ist und die Beine hochliegen. Eine ältere europäische Mehrzentrenbeobachtung (Jansen, 2000, in der Cochrane-Darstellung 2018) fand 0,28 Prozent Komplikationen bei 13 600 Eingriffen, 0,13 Prozent bei diagnostischen und 0,95 Prozent bei operativen; die Perforation führte die Liste. Das ist eine Langzeitbeobachtung, keine heutige Garantie, passt aber zur Größenordnung aktueller Lehrtexte.
Wann Sie die Klinik anrufen oder in die Notaufnahme gehen
Leichte Krämpfe und wenig Blut sind erwartet. Zunehmender Unterbauchschmerz, der Tabletten nicht weicht, anhaltende oder stärker werdende Blutung, Fieber und stinkender Ausfluss sind es nicht.
Der NHS verlangt in genau diesen vier Lagen den raschen Kontakt zur Klinik, die den Eingriff gemacht hat, oder den Weg über den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Healthdirect setzt die Fieberschwelle bei über 38 °C an und nennt zusätzlich Brennen beim Wasserlassen oder ständigen Harndrang als möglichen Harnwegsinfekt. Schwere Unterbauchschmerzen, sehr starke Blutung und Schwindel mit Luftnot gehören in die Notaufnahme, nicht in das Warten auf den nächsten Werktag.
| Beobachtung | Typische Deutung | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Krämpfe wie Periode, wenig Blut auf der Binde | erwarteter Verlauf | Schmerzmittel, Binden, Alltag nach Kraft |
| Blutung bis etwa eine Woche, ohne Schwindel | häufig nach Diagnostik | abwarten, Tampons und Sex pausieren |
| Fieber über 38 °C oder fauliger Ausfluss | Infektverdacht | Klinik oder Praxis am selben Tag |
| Schmerz, der trotz Tabletten zunimmt | Perforation oder Infekt möglich | Klinik sofort anrufen |
| Durchtränkte Binden, große Gerinnsel, Schwindel | relevante Blutung | Notaufnahme |
| Luftnot, Verwirrtheit, starkes Erbrechen | Flüssigkeitskomplikation | Notaufnahme ohne Umweg |
RCOG will schriftliche und mündliche Hinweise, wann die Einheit in den nächsten zwei Wochen erreichbar ist. Bauchschmerz, der einfache Mittel übersteigt, Blutung stärker als eine Periode und Zeichen einer Genitalinfektion (Fieber, Schüttelfrost, übler Geruch) stehen dort auf der Liste. Wer unsicher ist, soll nicht „tapfer“ bleiben. Ein kurzer Anruf klärt mehr als eine Nacht mit steigendem Fieber.
Kinderwunsch, Polypen und Myome
Eine Höhle ohne Polyp, Narbe oder submuköses Myom ist für die Einnistung günstiger. Ob jede Entfernung die Lebendgeburtenrate hebt, ist weniger klar, als viele Wünsche nahelegen.
Cochrane (Review, Dezember 2018) fand wenig belastbare Zufallsstudien. Das Entfernen von Polypen vor einer Insemination mit Partner-Samen kann die klinische Schwangerschaftsrate steigern. Die Autorinnen und Autoren rechnen grob: würden 28 von 100 ohne Entfernung schwanger, wären es nach Polypektomie etwa 63 von 100. Lebendgeburten, Fehlgeburten und Komplikationen fehlten in dieser Studie als Endpunkte. Beim submukösen Myom und Kinderwunsch ohne weitere Maßnahme blieb unklar, ob die Myomektomie mehr klinische Schwangerschaften bringt; die Zahlen waren klein, die Evidenz sehr unsicher. Zu Scheidewand und Verwachsungen fehlten passende Zufallsstudien.
NICE bleibt in der Fertilitätsabklärung zurückhaltend. Eine Hysteroskopie allein gehört nicht zur ersten Untersuchungsreihe, solange kein klinischer Hinweis auf einen Hohlraumbefund besteht. ACOG 2020 nennt Unfruchtbarkeit und wiederholte Fehlgeburten dennoch als Gründe, Polypen und submuköse Myome unter Sicht zu entfernen. StatPearls sieht in der Methode ein validiertes Werkzeug der Sterilitätsabklärung, nicht den Beweis, dass jede unauffällige Höhle operiert werden muss. Wer nach mehreren erfolglosen Transferzyklen steht, braucht eine individuelle Abwägung, keine Standard-Spiegelung „für alle“.
Was sich seit 2018 geändert hat
Drei Leitlinien haben die Praxis verschoben. NICE hat 2018 die ambulante Hysteroskopie bei Verdacht auf Hohlraumbefund zur Erstlinie gemacht und die blinde Biopsie gestrichen. RCOG hat 2024 die Green-top-Leitlinie 59 neu aufgelegt (Vorgänger 2011) und Vaginoskopie, Mini-Optiken, NSAR und das sofortige Stoppen bei unerträglichem Schmerz festgeschrieben. ACOG hat 2020 die Praxis-Hysteroskopie gestärkt und 2025 den Schmerz in den Mittelpunkt gestellt.
Bipolare Instrumente plus Kochsalz haben hypotone Medien und monopolare Schlingen aus dem Alltag gedrängt. Mechanische Gewebeentfernungssysteme sind bei Polypen der Mini-Elektrode vorzuziehen, schreibt RCOG mit hoher Empfehlungsstärke. Die Idee, in derselben Sitzung zu sehen und zu behandeln, ist aus der Ausnahme der Standard geworden, sofern Auswahl und Gerät passen.
Ein Kapitel der alten Patientenratgeber ist geschlossen. Die hysteroskopische Sterilisation mit Metallspiralen in den Eileitern (Essure) wird in den USA seit dem 31. Dezember 2018 nicht mehr verkauft. Die FDA verlangt, dass ungenutzte Sets bis Ende 2019 an den Hersteller zurückgingen. Wer das Implantat trägt, braucht es nicht prophylaktisch entfernen zu lassen; Nachbeobachtung läuft weiter. Neue Sterilisationen laufen über Bauchspiegelung oder andere Verfahren, nicht mehr über diesen hysteroskopischen Weg.
Schmerz kleinreden ist nicht mehr akzeptable Routine. RCOG und NHS verlangen schriftliche Information vorab, inklusive Alternativen in Narkose. Wer früher hörte, der Eingriff sei „nur unangenehm“, darf heute nach konkreten Optionen fragen und den Abbruch verlangen, ohne sich rechtfertigen zu müssen.
Häufige Fragen
Tut eine Hysteroskopie weh?
Ja, sie kann wehtun, von leichtem Ziehen bis zu starken Krämpfen. Der NHS und ACOG 2025 nehmen das ernst und wollen vorher NSAR oder Paracetamol plus, je nach Technik, eine Spritze am Muttermund. Sie dürfen jederzeit stoppen; eine Wiederholung in Narkose bleibt möglich.
Kann ich am selben Tag arbeiten?
Nach einer ambulanten Untersuchung ohne Narkose oft ja, wenn Krämpfe erträglich bleiben. Nach Vollnarkose oder Sedierung fallen Autofahren und Arbeit für mindestens diesen Tag aus. RCOG zitiert Studien mit rascherer Mobilisierung in der Ambulanz als nach Narkose im Tages-OP.
Ist Sex nach der Hysteroskopie erlaubt?
Erst wenn Blutung und Schmerz vorbei sind, oft etwa eine Woche, mancherorts bis zu zwei Wochen. Der NHS und Healthdirect begründen die Pause mit Infektvermeidung. Tampons und Scheidenspülungen gehören in dieselbe Sperrzeit.
Wird die Untersuchung während der Periode gemacht?
Möglichst nicht im stärksten Blutfluss, weil die Sicht leidet. ACOG bevorzugt die Tage nach der Blutung. Eine unerwartete Periode soll der Praxis gemeldet werden; der Termin kann rutschen. Nach den Wechseljahren entfällt dieser Kalender.
Hilft das Entfernen von Polypen beim Schwangerwerden?
Vor einer geplanten Insemination kann es die Chance auf eine klinische Schwangerschaft erhöhen, sagt Cochrane 2018. Für Lebendgeburten und für Frauen ohne weitere Maßnahme fehlen belastbare Zufallsstudien. Eine Garantie auf Schwangerschaft gibt der Eingriff nicht.
Brauche ich nach dem Eingriff Antibiotika?
Nicht als Routine. ACOG 2020 und StatPearls raten von vorbeugenden Antibiotika bei üblicher Hysteroskopie ab. Bekommen Fieber, Gestank oder starke Blutung, kann ein kurzer antibiotischer Kurs nötig werden, das entscheidet die Untersuchung, nicht der Kalender.

Fazit
Die Hysteroskopie ist heute weniger ein seltener OP-Termin und mehr ein gezielter Blick, oft ambulant, oft mit Therapie in derselben Stunde. NICE, RCOG und ACOG ziehen den sichtbaren Weg der blinden Ausschabung vor, verlangen Mini-Optiken und Vaginoskopie wo möglich und behandeln Schmerz als planbare Größe, nicht als Charaktertest.
Vor dem Termin klären Sie Schwangerschaft, Medikamente und Ihre Schmerzgrenze. Nehmen Sie das vereinbarte Schmerzmittel rechtzeitig, bringen Sie eine Begleitung mit, wenn Narkose oder Sedierung geplant sind, und lesen Sie die schriftliche Aufklärung, inklusive des Rechts zu stoppen. Nach Hause gehören Binden, Ruhe nach Bedarf und die Telefonnummer der Klinik.
Rufen Sie an oder gehen Sie in die Notaufnahme, wenn Fieber steigt, der Ausfluss stinkt, der Schmerz Tabletten überholt oder die Blutung den Alltag kippt. Polypen und submuköse Myome können Blutungen und, in ausgewählten Lagen, die Chance auf eine Schwangerschaft verbessern. Sie heilen Unfruchtbarkeit nicht und ersetzen keine übrige Abklärung. Essure als hysteroskopische Sterilisation gehört der Vergangenheit an; der Rest der Methode ist aktueller denn je, wenn sie unter Sicht, mit Flüssigkeitsbilanz und mit Ihrer Einwilligung läuft.
Quellen
- NHS: Hysteroscopy – NHS. National Health Service, 18. Januar 2024.
- Cleveland Clinic: Hysteroscopy: Purpose, Procedure, Risks & Recovery. Cleveland Clinic, 12. September 2022.
- MedlinePlus: Hysteroscopy: MedlinePlus Medical Test. MedlinePlus, Stand: 2024.
- MedlinePlus: Hysteroscopy: MedlinePlus Medical Encyclopedia. MedlinePlus, 15. Oktober 2024.
- American College of Obstetricians and Gynecologists: The Use of Hysteroscopy for the Diagnosis and Treatment of Intrauterine Pathology. Obstetrics & Gynecology, März 2020.
- American College of Obstetricians and Gynecologists: Pain Management for In-Office Uterine and Cervical Procedures. Obstetrics & Gynecology, 15. Mai 2025.
- DeSilva PM, Smith PP, Cooper NAM et al.: Outpatient Hysteroscopy (Green-top Guideline no. 59). BJOG: An International Journal of Obstetrics & Gynaecology, 19. August 2024.
- Moore JF, Carugno J: Hysteroscopy – StatPearls – NCBI Bookshelf. StatPearls, 6. April 2025.
- NICE: Heavy menstrual bleeding: assessment and management. National Institute for Health and Care Excellence, Stand: 2026.
- Bosteels J, van Wessel S, Weyers S et al.: Hysteroscopy for treating subfertility associated with suspected major uterine cavity abnormalities. Cochrane Database of Systematic Reviews, 5. Dezember 2018.
- FDA: FDA Activities Related to Essure. U.S. Food and Drug Administration, Stand: 2025.
- Healthdirect Australia: Hysteroscopy | healthdirect. healthdirect, Februar 2024.
