Gehirntraining-Apps trainieren selten den Alltag

Gehirntraining-Apps trainieren selten den Alltag

Gehirntraining-Apps können die Punkte in den geübten Minispielen heben, übertragen diesen Gewinn aber selten auf untrainierte Denkaufgaben oder den Alltag. Das US-National Institute on Aging (NIA) schreibt klar: Für kommerzielle Computer- und Online-Spiele fehlt der Beleg, dass sie denselben Effekt haben wie das strukturierte Training aus großen klinischen Studien.

Ältere Bestenlisten aus den 2010er-Jahren stellten fünf bunte Programme oft so dar, als schützten zehn Sitzungen vor Demenz. Seither haben die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2026, Cochrane-Übersichten und die Lancet-Kommission 2024 die Gewichte verschoben. Geistige Anregung bleibt sinnvoll. Bewegung, behandelter Blutdruck, Schlaf, soziale Kontakte und korrigierte Sinnesverluste tragen nach heutiger Lage die größere Last.

Das Gehirn bleibt lernfähig, weil sich Verbindungen zwischen Nervenzellen an neue Aufgaben anpassen können. Genau darauf setzt die Werbung. Der Sprung von „besser im Spiel“ zu „besser im Beruf, im Straßenverkehr oder gegen Alzheimer“ ist der Punkt, an dem die Evidenz dünn wird. Wer eine App nutzt, sollte sie als Denksport behandeln, nicht als Medizin.

Was Gehirntraining-Apps wirklich können

Sie können üben, was sie zeigen: Tempo, Merkspannen, Suchaufgaben oder Rechenketten in einem festen Format. Ein Gewinn in der App bedeutet nicht automatisch ein schärferes Gedächtnis beim Einkaufen, Telefonieren oder Autofahren.

Computerisiertes kognitives Training wiederholt standardisierte Aufgaben, oft mit steigendem Schwierigkeitsgrad. Cochrane wertete 2020 acht randomisierte Studien mit 1183 kognitiv gesunden Menschen ab 65 Jahren aus, die mindestens zwölf Wochen übten. Gegenüber aktiven Kontrollen, etwa Lehrfilmen, lag die globale Kognition am Ende der zwölf Wochen geringfügig besser (standardisierte Mittelwertdifferenz −0,31). Zwölf Monate nach dem Ende fehlte ein klarer anhaltender Effekt. Die Evidenzqualität war niedrig oder sehr niedrig. Alltagsfähigkeit und Lebensqualität wurden in diesen Studien kaum gemessen.

Bei bereits bestehender Demenz sieht ein anderes Cochrane-Review von 2019 ein etwas freundlicheres Bild, bleibt aber vorsichtig. Gegenüber üblicher Behandlung oder unspezifischer Beschäftigung fand sich ein kleiner bis mittlerer Effekt auf die Gesamtkognition (0,42) und auf die Wortflüssigkeit. Gegenüber anderen aktiven Verfahren war kein Vorsprung mehr zu sehen. Direkte Schäden durch das Üben sind unwahrscheinlich. Zeit und Geld für Abos können trotzdem eine Last sein, schrieb dieselbe Gruppe in der Schwesterarbeit zum leichten kognitiven Defizit.

Wer also nach fünf „besten“ Apps sucht, bekommt höchstens fünf verschiedene Übungsformen. Keine ersetzt eine Abklärung, wenn das Denken im Alltag bröckelt. Die sinnvollere Frage lautet, ob das gewählte Programm ehrlich bleibt und neben Bewegung, Schlaf und sozialen Kontakten Platz hat, statt sie zu verdrängen.

[Eine Illustration eines Gehirns und Technologie]

Warum der Sprung in den Alltag so oft ausbleibt

Der Gewinn bleibt meist an der geübten Aufgabe kleben. Psychologen nennen das Nahübertragung, wenn ein ähnlicher Test ebenfalls besser wird, und Fernübertragung, wenn völlig andere Fähigkeiten oder der Alltag mitwachsen. Für die zweite Stufe fehlt in den großen Zusammenfassungen der überzeugende Beleg.

Wer wochenlang dieselbe Merkspanne tippt, wird in dieser Merkspanne schneller. Das Gehirn nutzt Abkürzungen, Tastenwege und den Rhythmus der App. Ein Einkaufszettel, ein Gespräch mit mehreren Sprechern oder das Planen einer Reise verlangt andere Reize, andere Störungen und andere Motive. Genau dort brechen viele Studien ab oder finden keinen Unterschied zur aktiven Kontrolle.

Die WHO-Leitlinie von 2026, zweite Auflage, fasst das nüchtern. Kognitives Training bei gesunden Älteren oder bei leichtem kognitivem Defizit kann die Denkleistung klein verbessern (Effektstärke etwa 0,25). Auf die Demenzinzidenz nach fünf Jahren Nachbeobachtung zeigte sich praktisch kein Effekt (Risikoschätzer 1,00). Die Autoren schreiben offen, dass Art, Häufigkeit und Dauer des optimalen Trainings unbekannt bleiben. Computer und Mobilgeräte gelten dort als mögliche Lieferwege, nicht als bewiesene Medizinprodukte.

Eine zweite Unterscheidung hilft beim Lesen von Werbetexten. Kognitives Training meint wiederholte, zielgenaue Übungen für einzelne Funktionen. Kognitive Stimulation meint strukturierte oder alltagsnahe Anregung, etwa Lesen, Erzählen, Gesellschaftsspiele. Die WHO 2026 hat Stimulation neu als bedingte Empfehlung aufgenommen, gerade weil sie kulturell anpassbar und oft günstiger ist als ein Abo. Wer Kreuzworträtsel mit Nachbarn löst, trainiert damit nicht „schlechter“ als jemand, der drei Minispiele vor dem Einschlafen durchklickt.

Was ACTIVE zeigte und was Apps daraus nicht erben

Die große US-Studie ACTIVE zeigte, dass gezieltes Training die geübte Fähigkeit verbessern kann, manchmal über Jahre. Sie ist kein Freibrief für beliebige App-Abos. Das NIA betont den Abstand zwischen Studienprotokoll und Shop-Angebot ausdrücklich.

ACTIVE rekrutierte gesunde Ältere und verteilte sie auf Gedächtnis-, Denk- oder Tempotraining sowie eine Kontrollgruppe. Laut NIA (Stand Juni 2024) blieben Gewinne in Denken und Verarbeitungstempo bis zu zehn Jahre messbar, während die Gedächtnisgruppe und die Kontrolle stärker nachließen. Ob das längere Selbstständigkeit sichert, bleibt offen. Das Institut finanziert Anschlussarbeiten, die prüfen, ob Tempotraining die Häufigkeit von kognitivem Defizit und Demenz senkt.

Genau diese Feinheiten verschluckten ältere Ratgeber. Eine Konferenzpräsentation von 2016 wurde oft als „zehn Stunden, 48 Prozent weniger Demenz in zehn Jahren“ weitererzählt und auf bunte Apps umgelegt. Die später veröffentlichten Analysen und die aktuelle Behördenlage tragen das so nicht. Das NIA schreibt 2023 und 2024 dieselbe Warnung: Es gibt derzeit nicht genug Evidenz, dass kommerzielle Gehirnspiele denselben Einfluss haben wie das ACTIVE-Training.

Zwei praktische Konsequenzen folgen daraus. Erstens taugt ACTIVE als Beleg dafür, dass strukturiertes Üben nicht sinnlos ist. Zweitens taugt sie nicht als Gütesiegel für jedes Produkt, das „von Neurowissenschaftlern entwickelt“ auf die Packung druckt. Wer eine App kauft, kauft selten das Studienprotokoll mit festen Sitzungen, geschulten Leitungen und unabhängiger Endpunkterhebung.

Werben Programme mit Demenzschutz, was Behörden verlangen

Werbeversprechen zu Alzheimer, Schulnoten oder Berufserfolg brauchen belastbare Studien. Die US-Handelskommission (FTC) hat das 2016 am Beispiel Lumosity durchgesetzt und 2 Millionen Dollar Entschädigung angeordnet.

Laut FTC-Beschwerde behauptete das Unternehmen unter anderem, das Programm verbessere Alltag, Schule, Beruf und Sport, verzögere den altersbedingten Abbau und schütze vor leichtem kognitivem Defizit, Demenz und Alzheimer. Zusätzlich sollten Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, posttraumatische Belastung, ADHS und Chemotherapie-Folgen milder werden, belegt durch „Studien“. Die Behörde nannte das unbelegt. Künftig dürfen solche Aussagen nur noch mit kompetenter, zuverlässiger wissenschaftlicher Evidenz stehen.

Das NIA formuliert denselben Vorbehalt in Patientensprache. Vorsicht bei Behauptungen, bestimmte Computer- und Online-Spiele verbesserten Gedächtnis und Denken. Kommerzielle Angebote haben den Sprung aus den Kliniken nicht nachgewiesen. Nahrungsergänzungsmittel mit Demenzversprechen gehören in dieselbe Skepsis.

Für Leser in Deutschland gilt das US-Urteil nicht als deutsches Werberecht, aber als Maßstab für die Wissenschaft. Ein deutscher Store-Text, der „Demenzrisiko senken“ oder „wie ein Medikament“ schreibt, verdient dieselbe Frage: Welche unabhängige Studie mit Alltagsendpunkt trägt das? Fehlt die Antwort, ist das Programm Unterhaltung mit Punktestand, nicht Prävention.

Fünf App-Familien und woran man sie erkennt

Eine belastbare Rangliste „die fünf besten Apps“ gibt es nach der aktuellen Evidenz nicht. Sinnvoller ist eine Typenkarte, weil der Markt weiter dieselben fünf Versprechen recycelt, die ältere Tests schon sortierten.

Die erste Familie sind breite Minispiel-Pakete. Sie mischen Tempo, Merkspannen, Aufmerksamkeit, Wechseln zwischen Regeln und kleine Knobelaufgaben, oft mit Tagespensum und Vergleich zur Altersgruppe. Genau diese Form stand 2016 im Zentrum der FTC-Kritik, weil die Werbung den Sprung in Beruf, Schule und Demenzschutz behauptete. Als Denksport können solche Pakete unterhalten. Als Beleg für Alltagskompetenz reichen interne „Fit-Tests“ nicht, weil sie denselben Aufgabentyp messen, den die App selbst trainiert.

Die zweite Familie zielt auf Sprache, Lesen, Hören und Rechnen im Büroton. Texte sollen Fehler finden, Wörter tauschen, Zahlenketten lösen. Das fühlt sich erwachsener an als bunte Figuren. Der Transfer bleibt dieselbe offene Frage: Wer in der App weniger Verwechslungen anklickt, schreibt deshalb nicht automatisch klarere E-Mails.

Die dritte Familie verkauft flexible Pläne, Erinnerungen an festgelegten Tagen und Grafiken zu fünf kognitiven Achsen. Manche Anbieter nennen Universitäten als Mitentwickler. Eine randomisierte Studie von 2025 an gesunden Älteren mit einem solchen kommerziellen Programm fand klare Übungseffekte auf die trainierten Aufgaben und keinen Transfer auf die unabhängige Testbatterie gegenüber der aktiven Kontrolle. Der Marktname ändert an diesem Muster wenig.

Die vierte Familie hängt sozial-emotionale Miniaufgaben an klassische Denkspiele, etwa Gesichter, Perspektiven oder Impulskontrolle. Emotionale Intelligenz ist ein breites Konstrukt. Kurze Tippspiele ersetzen keine Psychotherapie, kein Sozialtraining und keinen Gesprächskreis. Beobachten Sie, ob das Produkt Krankheit verspricht oder nur Übung.

Die fünfte Familie spricht Praxen, Studien und Kliniken an. Testmodule sollen viele Einzelfähigkeiten kartieren, von Kurzzeitgedächtnis bis visuelles Suchen. Computerisierte Kurztests können in der Versorgung nützlich sein, wenn sie validiert sind. Sie sind dann Diagnostikhilfen, nicht Training. Ein Verbraucher-Abo mit ähnlicher Optik erbt diese Validierung nicht automatisch.

Typ Typische Übung Was die Evidenz hergibt
Breites Minispiel-Paket Tempo, Merkspanne, Aufmerksamkeit Übungseffekt wahrscheinlich; Alltag und Demenz unbewiesen
Sprach- und Rechenpaket Texte, Zahlen, Hörverständnis Fertigkeit in der App möglich; Berufstransfer offen
Plan- und Erinnerungs-App Tagespensum, Verlaufskurven Motivation ja; unabhängige Tests oft ohne Gewinn
Sozial-emotionale Miniaufgaben Gesichter, Regeln, Impuls Kein Ersatz für Therapie oder echte Begegnung
Test- und Forschungsplattform Viele Einzelfähigkeiten Screening und Studie sind nicht dasselbe wie ein Abo

Kein Typ ist „der Sieger“. Entscheidend bleibt, ob das Produkt den Abstand zwischen Spielpunkt und Lebenspunkt ehrlich benennt.

Was Leitlinien statt Bestenlisten empfehlen

Leitlinien empfehlen geistige Anregung als eine Säule unter mehreren, nicht als App-Kaufpflicht. Die WHO 2026 hält kognitives Training für Ältere mit normaler Kognition oder leichtem Defizit bedingt aufrecht und hat alltagsnahe Stimulation neu dazugenommen.

Gegenüber 2019 hat sich die Gewissheit für Training von „sehr niedrig bis niedrig“ etwas gehoben, die Empfehlung bleibt bedingt. Das bedeutet: Viele würden das Angebot annehmen, andere wählen etwas anderes, und die Entscheidung braucht ein Gespräch über Nutzen, Aufwand und Alternativen. Zugleich räumt die Leitlinie ein, dass randomisierte Belege für weniger Demenzfälle nach Training fehlen. Multimodale Pakete aus Bewegung, Ernährung und Denkaufgaben hatten in der WHO-Auswertung 2026 kaum Einfluss auf neue Demenzdiagnosen und nur sehr kleine Effekte auf Einzeltests.

Die Lancet-Kommission 2024 verschiebt den Blick vom Minispiel auf den Lebenslauf. Vierzehn veränderbare Faktoren erklären theoretisch knapp die Hälfte der Demenzen weltweit. Neu gegenüber 2020 sind unbehandelter Sehverlust und hohes LDL-Cholesterin. Die Kommission rät, geistig, körperlich und sozial aktiv zu bleiben, und zwar schon in der Lebensmitte, auch bei kurzer Schulbildung. Hörgeräte, Blutdruck, Rauchstopp, wenig riskanter Alkoholkonsum, Kopfschutz, soziale Teilhabe und Luftqualität stehen auf derselben Liste. Ein App-Icon kommt dort nicht als eigener Faktor vor.

Das NIA und die National Academies hatten 2017 drei Felder als „ermutigend, aber nicht schlüssig“ sortiert: Blutdruckbehandlung, mehr Bewegung, kognitives Training. Diese Dreiergruppe ist seitdem nicht durch eine App-Zulassung ersetzt worden. Wer Prävention sucht, arbeitet an mehreren Schrauben. Wer nur eine Schraube dreht und sie „Gehirnfitness“ nennt, folgt der Werbung, nicht der Leitlinie.

[Lumosity iOS Bild]

Stärkere Hebel als das Smartphone

Für die Hirngesundheit zählen Blutfluss, Schlaf, Sinne und soziale Einbindung oft mehr als ein weiteres Minispiel. Die Mayo Clinic und das NIA nennen dieselben Alltagshebel, unabhängig vom App-Markt.

Bewegung erhöht die Durchblutung, auch im Gehirn. Für die meisten Erwachsenen empfiehlt das US-Gesundheitsministerium mindestens 150 Minuten moderate Ausdauer pro Woche, etwa zügiges Gehen, oder 75 Minuten intensive Ausdauer, verteilt über mehrere Tage. Die WHO bewertet körperliche Aktivität bei kognitiv Gesunden als starke Empfehlung gegen kognitiven Abbau. Die Mayo Clinic schreibt 2026, regelmäßige Aktivität könne das Alzheimer-Risiko senken; ein Garantieschein ist das nicht.

Schlaf ist die Nachtarbeit des Gedächtnisses. Erwachsene sollen regelmäßig sieben bis neun Stunden schlafen, so Mayo. Schnarchen, das den Partner weckt oder den Schlaf zerhackt, gehört abgeklärt, weil eine Apnoe das Denken trüben kann. Das NIA nennt sieben bis acht Stunden als groben Korridor und warnt vor Schlafmitteln, die selbst verwirren.

Soziale Kontakte dämpfen Einsamkeit und depressive Last, beides Faktoren, die Erinnern und Planen schwächen können. Die Lancet-Kommission führt seltenen sozialen Kontakt als eigenen Risikofaktor. Ein Anruf, ein Verein, ein gemeinsames Spiel am Tisch leistet etwas, das eine Solo-App selten ersetzt: echte Unterbrechung, Sprache, Verantwortung.

Blutdruck, Zucker, Gewicht und Cholesterin gehören auf den Hausarzt-Tisch, nicht in ein Spielemenü. Das NIA verweist auf SPRINT-MIND: Bei Älteren mit hohem Herzrisiko senkte ein systolischer Zielwert unter 120 mmHg gegenüber unter 140 mmHg das Risiko für ein leichtes kognitives Defizit. Die Lancet-Kommission 2024 rät, ab dem 40. Lebensjahr einen systolischen Wert von 130 mmHg oder darunter anzustreben. Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Kontexten; die gemeinsame Botschaft lautet, Blutdruck ernst zu nehmen. Seh- und Hörhilfen, so Lancet und NIA, sind Hirnschutz im wörtlichen Sinn, weil sie Reize und Teilhabe zurückbringen.

Wann Gedächtnislücken zum Arzt gehören

Eine App ist der falsche erste Schritt, wenn das Vergessen den Alltag stört, sich verschlechtert oder Angehörige unruhig werden. Dann gehört die Abklärung in die Praxis, nicht in den Store.

Gelegentlich den Schlüssel suchen oder einen Namen nicht sofort finden ist in jedem Alter üblich. Das NIA grenzt das von ernsthaften Problemen ab, die Autofahren, Telefonieren oder den Heimweg gefährden. Alarmzeichen sind wiederholte gleiche Fragen, Verlaufen in bekannten Gegenden, scheiternde Rezepte oder Anleitungen, wachsende Verwirrung zu Zeit, Personen und Orten sowie nachlassende Selbstsorge, etwa bei Essen, Körperpflege oder Sicherheit.

Die Mayo Clinic setzt denselben Schwellenwert. Wer sich Sorgen macht, soll einen Termin machen. Besonders wichtig wird das, wenn alltägliche Aufgaben leiden, das Gedächtnis erkennbar nachlässt oder eine nahestehende Person den Verlust anspricht. Die Untersuchung umfasst körperlichen Status, Gedächtnis- und Problemlösetests und bei Bedarf weitere Diagnostik. Die Ursache kann behandelbar sein: Medikamenteneffekte, Depression, Schilddrüse, Vitamin-B12-Mangel, Schlafapnoe, Infekt oder ein Blutgerinnsel.

Das NIA listet Wirkstoffgruppen, die bei Älteren Verwirrung fördern können, darunter Allergiemittel, Schlafmittel, Neuroleptika, Muskelrelaxanzien, Mittel gegen Harninkontinenz und krampflösende Magen-Darm-Präparate. Absetzen geschieht nur mit der behandelnden Person. Eine App, die trotz solcher Ursachen „Hirnfitness“ verspricht, verschleppt die eigentliche Hilfe.

Leichtes kognitives Defizit bedeutet mehr Probleme als Gleichaltrige, bei erhaltener Alltagsautonomie. Nicht jede dieser Personen entwickelt Alzheimer. Trotzdem ist das kein Moment für Selbstversuche mit Werbung, sondern für Verlaufskontrollen, Risikoarbeit und, wo passend, strukturierte Angebote unter fachlicher Begleitung.

So wählen Sie eine App ohne falsche Versprechen

Wenn Sie trotzdem üben wollen, wählen Sie nach Ehrlichkeit und Passung, nicht nach Medaillen im Store. Ein gutes Produkt erklärt den Unterschied zwischen Spielpunkt und Lebenspunkt und macht das Kündigen leicht.

Prüfen Sie den Text auf der Verkaufsseite wie einen Beipackzettel.

  • Fehlt jeder Satz zu Alzheimer, Schulnoten, Gehalt oder Schlaganfall, sinkt das Risiko, Werbung mit Evidenz zu verwechseln.
  • Ein Anbieter, der unabhängige Studien mit Alltagsendpunkten nennt statt nur interne Punktelisten, ist eher ernst zu nehmen.
  • Erinnerungen an drei festen Tagen können helfen, wenn sie nicht den Abendspaziergang oder das Telefonat mit Freunden verdrängen.
  • Kostenlose Basisversionen reichen oft, um zu testen, ob die Übungen Freude machen statt Druck.
  • Ein Abo, das sich im Hintergrund verlängert, verdient denselben Argwohn, den die FTC 2016 bei automatischer Verlängerung anmahnte.

Nutzen Sie die App als eines von mehreren geistigen Angeboten. Ein Instrument lernen, fotografieren, quilten oder eine Sprache üben, so das NIA, kann Gedächtnis stärker fordern als eine Wiederholung derselben Bildschirmkette, weil das Neue motorisch, sozial und emotional andockt. Kreuzworträtsel, Lesen, Ehrenamt und Gesellschaftsspiele bleiben in der Mayo-Liste, ohne dass dort ein einzelnes Produkt gewinnt.

Kinder und Jugendliche brauchen keine „Hirnfitness-Lizenz“. Schule, Sport, Schlaf und Spiel sind bereits Training. Eine bunte App kann unterhalten. Sie ersetzt weder Lernschwierigkeiten-Abklärung noch Bewegung an der frischen Luft. Bei plötzlichem Leistungsabfall, Kopfschmerz nach Trauma oder Wesensänderung gilt derselbe Arztweg wie bei Erwachsenen.

Häufige Fragen

Helfen Gehirntraining-Apps gegen Demenz?

Nein, dafür fehlt der belastbare Beleg. Das NIA warnt, kommerzielle Spiele hätten nicht denselben nachgewiesenen Effekt wie Studienprogramme. Die WHO 2026 fand für kognitives Training nach fünf Jahren praktisch keine Änderung der Demenzinzidenz.

Sind Kreuzworträtsel besser als eine App?

Nicht automatisch, aber sie sind ehrlicher als viele Werbetexte. Beobachtungsstudien und die WHO 2026 stützen alltagsnahe geistige Anregung, etwa Lesen, Erzählen und Spiele. Der Vorteil liegt oft im sozialen Rahmen und in der Vielfalt, nicht in einem geheimen Rätselmechanismus.

Wie oft sollte ich kognitiv trainieren?

Ein festes, allgemein gültiges Pensum für Apps gibt es nicht. Die WHO schreibt, optimale Art, Häufigkeit und Dauer seien unbekannt. Cochrane prüfte Programme ab zwölf Wochen und fand höchstens kleine, oft kurzlebige Testgewinne. Lieber eine tragbare Gewohnheit als ein tägliches Pflichtabo, das Schlaf oder Bewegung frisst.

Kann eine App eine leichte kognitive Störung behandeln?

Nein. Sie kann höchstens als ergänzende Übung dienen, nachdem die Diagnose steht. Cochrane fand 2019 keine belastbare Antwort, ob Computertraining bei diesem Defizit Demenz verhindert. Bewegung, Risikofaktoren und ärztliche Begleitung bleiben die tragenden Teile.

Wann muss ich wegen des Gedächtnisses zum Arzt?

Wenn das Vergessen den Alltag stört, sich verschlechtert oder Angehörige es ansprechen. Das NIA nennt Wiederholfragen, Verlaufen, scheiternde Anleitungen, Zeitverwirrung und nachlassende Selbstsorge als Schwellen. Plötzliche Verwirrung, Sprachverlust oder Lähmung gehören in die Notaufnahme.

Lohnt sich ein teures Jahresabo?

Nur wenn Sie die Übungen mögen und keine Heilversprechen kaufen. Cochrane nannte Zeit und Geld ausdrücklich als mögliche Last ohne gesicherten Alltagsgewinn. Eine kostenlose Variante oder ein analoges Hobby erfüllt denselben Zweck oft besser.

[App erhöhen]

Fazit

Gehirntraining-Apps sind Denksport mit Punktestand. Sie können einzelne Aufgaben schärfen und manchen Menschen Freude machen. Den Sprung in Beruf, Straße und Demenzschutz haben unabhängige Übersichten und Behörden ihnen nicht zuerkannt. Die alte Idee, fünf bunte Programme gegen den Abbau zu ranken, hält der Lage nach 2018 nicht stand.

Wer morgen etwas tun will, setzt zuerst die Hebel, die Leitlinien wirklich tragen. 150 Minuten Bewegung in der Woche, sieben bis neun Stunden Schlaf, Blutdruck- und Stoffwechselwerte, Hör- und Sehhilfen, soziale Termine und geistige Kost, die neu und etwas schwierig ist. Eine App darf dazukommen, wenn sie ehrlich wirbt und nichts Wichtigeres verdrängt.

Bei Alltagslücken, rascher Verschlechterung oder Sorge der Familie ist der nächste Schritt der Arzttermin, nicht ein weiteres Abo. Dort lässt sich klären, ob Medikamente, Stimmung, Schlaf oder eine neurodegenerative Erkrankung dahinterstecken. Das Smartphone bleibt dann Werkzeug, nicht Therapeut.

Quellen

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  3. National Institute on Aging: Memory Problems, Forgetfulness, and Aging. National Institute on Aging, Stand: 22. November 2023.
  4. World Health Organization: Risk reduction of cognitive decline and dementia: WHO guidelines, second edition. World Health Organization, 2026.
  5. Gates NJ, Rutjes AWS et al.: Computerised cognitive training for maintaining cognitive function in cognitively healthy people in late life. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2020.
  6. Bahar-Fuchs A, Martyr A et al.: Cognitive training for people with mild to moderate dementia. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2019.
  7. Mayo Clinic: Memory loss: 7 tips to improve your memory. Mayo Clinic, 21. Januar 2026.
  8. Federal Trade Commission: Lumosity to Pay $2 Million to Settle FTC Deceptive Advertising Charges for Its “Brain Training” Program. Federal Trade Commission, 5. Januar 2016.
  9. Livingston G, Huntley J et al.: Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. The Lancet, 31. Juli 2024.
  10. Mayo Clinic: 8 tips for better brain health. Mayo Clinic, 14. Juli 2026.
  11. Sutton E, Catling J et al.: Practice makes perfect, but to what end? Computerised brain training has limited cognitive benefits in healthy ageing. Psychological Research, 24. März 2025.
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