
Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen ersetzen keine Hormontherapie und dämpfen Hitzewallungen in kontrollierten Studien meist nicht stärker als ein Scheinpräparat. Die North American Menopause Society stuft Kräuter- und Vitaminpräparate in ihrer Stellungnahme von 2023 für vasomotorische Beschwerden ausdrücklich als nicht empfohlen ein.
Nach dem letzten Östrogenabfall verlieren Knochen rascher Mineral. Eine ausreichende Zufuhr von Vitamin D und Calcium bleibt deshalb sinnvoll, vorzugsweise über die Kost und nicht als hochdosierte Selbstmedikation. Tabletten heilen die Wechseljahre nicht. Sie können Nierensteine, Blutungen oder eine Nervenschädigung auslösen, wenn die Dosis weit über dem Bedarf liegt. Wer Schlaf, Stimmung oder Wallungen kaum noch erträgt, braucht eine ärztliche Abwägung zwischen Hormontherapie, zugelassenen Nicht-Hormonen und Alltagshilfen.
Helfen Vitamine gegen Hitzewallungen?
Nein, Vitamine sind keine wirksame Therapie gegen Hitzewallungen oder Nachtschweiß. Placebo-Raten in Studien zu Wechseljahresbeschwerden liegen oft zwischen 20 und 66 Prozent, und genau in diesem Bereich landen die meisten Vitamin- und Kräuterversuche.
Die NAMS-Stellungnahme 2023 wertet Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Mittel für Wallungen als nicht empfohlen. Das MSD Manual schließt sich dieser Linie an und schreibt, kein Supplement habe eine belegte Wirkung auf vasomotorische Symptome. Ältere Werbeversprechen zu Vitamin E, Multivitaminen oder Antioxidantien als „Hormonausgleich“ halten dieser Prüfung nicht stand.
NICE bleibt in der Leitlinie NG23 vorsichtiger bei Isoflavonen und Traubensilberkerze. Dort heißt es, es gebe einige Hinweise auf weniger Wallungen, zugleich sei Reinheit und Zusammensetzung unregulierter Präparate unbekannt. Das ist kein Freibrief für die Hausapotheke. Unterschiedliche Chargen enthalten unterschiedliche Mengen, und Wechselwirkungen mit Gerinnungshemmern oder Tamoxifen sind möglich.
Wer Wallungen zählt, merkt oft schon in der Placebowoche eine Besserung. Genau deshalb täuschen offene Selbstversuche. Eine Tablette, die nach zwei Wochen „endlich wirkt“, kann denselben Verlauf haben wie das Abklingen einer schlechten Phase. Bleiben häufige schwere Wallungen oder zerlegt Nachtschweiß den Schlaf über Monate, gehört das in die Sprechstunde. Dort stehen Mittel mit messbarem Abstand zum Scheinpräparat zur Verfügung, keine hochdosierten Antioxidantien.

Wozu Vitamin D nach der Menopause?
Vitamin D hilft dem Darm, Calcium aufzunehmen, und stützt Mineralisierung und Umbau der Knochen. Es ist kein Mittel gegen Hitzewallungen, Schlafstörungen oder depressive Verstimmungen in den Wechseljahren.
Das NIH-Merkblatt zu Vitamin D nennt als empfohlene Tagesmenge 15 Mikrogramm (600 Internationale Einheiten) bis zum 70. Lebensjahr und 20 Mikrogramm (800 IE) danach. Die Obergrenze für Erwachsene liegt bei 100 Mikrogramm (4000 IE) aus allen Quellen zusammen. Sehr hohe Blutspiegel über 125 Nanomol pro Liter können Übelkeit, Verwirrung, vermehrten Durst und Nierensteine auslösen. Solche Werte entstehen fast nur durch Tabletten, nicht durch Sonne.
Die Endocrine Society hat 2024 ihre Linie von 2011 korrigiert. Gesunde Erwachsene zwischen 50 und 74 Jahren sollen keine empirische Extra-Dosis über die empfohlene Tagesmenge hinaus nehmen und auch keinen routinemäßigen 25-Hydroxy-Vitamin-D-Test. Empirische Gabe kommt eher ab 75 Jahren in Betracht, weil manche Studien dort eine etwas niedrigere Sterblichkeit sahen, außerdem in der Schwangerschaft und bei hohem Risiko für Typ-2-Diabetes. Tägliche, eher niedrige Mengen gelten als günstiger als seltene Stoßdosen.
Frakturdaten bei selbstständig lebenden Frauen ohne Osteoporose sind ernüchternd. Die US-Präventionsbehörde riet 2018 von täglichen Gaben bis 10 Mikrogramm Vitamin D plus 1000 Milligramm Calcium zur Vorbeugung von Brüchen ab. In der VITAL-Zusatzauswertung von 2022 senkten 50 Mikrogramm Vitamin D3 täglich bei überwiegend bereits ausreichend versorgten Erwachsenen weder Hüft- noch Gesamtfrakturen. Kleine Zuwächse der Knochendichte kommen vor, ein verlässlicher Schutz vor Sturz und Bruch in der eigenen Wohnung ist das nicht.
| Nährstoff | Zielmenge NIH (Frauen) | Was die Daten zur Menopause zeigen | Obergrenze Erwachsene |
|---|---|---|---|
| Vitamin D | 15 µg (600 IE) bis 70 Jahre, danach 20 µg | Knochenstoffwechsel; Wallungen nicht belegt | 100 µg (4000 IE) |
| Calcium | 1200 mg ab 51 Jahren | Kost bevorzugt; Tabletten können Nierensteine fördern | 2000 mg |
| Vitamin E | 15 mg α-Tocopherol | Wallungen kaum weniger als Placebo | 1000 mg |
| Vitamin A (Retinol) | 700 µg RAE | hohe Retinolzufuhr in älteren Kohorten diskutiert | 3000 µg vorgeformt |
| Vitamin B12 | 2,4 µg | Aufnahme aus Speisen im Alter oft schlechter | keine feste Obergrenze |
| Vitamin B6 | 1,5 mg ab 51 Jahren | Mangel kann Verwirrung und Niedergeschlagenheit begleiten | 100 mg (USA), 12 mg (EFSA 2023) |
Wie viel Calcium brauchen Knochen jetzt?
Frauen über 50 Jahre brauchen laut NIH 1200 Milligramm Calcium am Tag, jüngere Erwachsene 1000 Milligramm. Der höhere Wert soll den beschleunigten Knochenabbau nach dem Östrogenverlust abmildern, nicht die Osteoporose allein aufhalten.
Im Schnitt verliert der Knochen nach der Menopause etwa ein Prozent der Dichte pro Jahr. Rund 30 Prozent der postmenopausalen Frauen in den USA und Europa haben eine Osteoporose, und mindestens 40 Prozent von ihnen erleiden irgendwann einen Fragilitätsbruch. Milchprodukte, angereicherte Pflanzendrinks, kleine Fischgräten, Tofu mit Calciumsalz und grünes Blatt decken den Bedarf oft, wenn jemand die Mengen kennt. Ohne diese Rechnung bleibt die Lücke unsichtbar, weil der Calciumspiegel im Blut den Speicher der Knochen nicht anzeigt.
Tabletten schließen die Lücke, wenn die Kost knappt. Sie sind kein Freibrief für 2000 Milligramm extra. Die tolerable Obergrenze für Erwachsene ab 51 Jahren beträgt 2000 Milligramm aus Speisen und Präparaten. Höhere Zufuhr aus Supplementen hängt mit Nierensteinen zusammen; die US-Präventionsbehörde wertete diesen Schaden als ausreichend belegt. Ob Calciumtabletten Herzinfarkte fördern, bleibt umstritten. Ein US-Gremium zu Osteoporose und Kardiologie hielt Mengen bis zur Obergrenze aus kardiovaskulärer Sicht für vertretbar. Das NIH-Merkblatt zu Calcium gibt diese Einschätzung wieder.
Wer bereits Osteoporose, eine Wirbel- oder Hüftfraktur oder eine Therapie mit Bisphosphonaten hat, bekommt Calcium und Vitamin D oft als Begleitung zur eigentlichen Knochenmedizin. Das ist eine andere Situation als die gesunde 52-Jährige mit zwei Wallungen am Tag, die vorbeugend drei Brausetabletten schluckt.
Was bringt Vitamin E bei Wallungen?
Vitamin E senkt Hitzewallungen in der Zusammenschau der Studien nicht zuverlässig stärker als Placebo. Ein möglicher Gewinn bleibt klein, der Preis bei hohen Dosen ist ein höheres Blutungsrisiko.
Eine Metaanalyse von 2022 (zehn Arbeiten, 1100 Teilnehmerinnen) fand für Vitamin E allein keinen signifikanten Unterschied in der Häufigkeit der Wallungen gegenüber Scheinpräparat. Die standardisierte Mittelwertdifferenz lag bei −0,21 und schloss die Null ein. Nur die Kombination mit Omega-3-Fettsäuren minderte in zwei Studien die Intensität geringfügig. Die Cochrane-Übersicht bei Frauen mit Brustkrebs in der Vorgeschichte kam zum selben Kern. Eine geprüfte Vitamin-E-Studie zeigte keinen Nutzen für Zahl oder Stärke der Wallungen, während Clonidin, bestimmte Antidepressiva und Gabapentin die Beschwerden minderten.
Einzelne kleinere Arbeiten mit 400 IE täglich berichteten weniger Wallungen, manchmal im Bereich einer Attacke weniger pro Tag. Gegenüber einer Hormontherapie bleibt das schwach. Estrogen senkt Wallungen in Leitlinien um Größenordnungen stärker.
Die empfohlene Menge α-Tocopherol liegt laut NIH bei 15 Milligramm am Tag. Nüsse, Samen, Pflanzenöle und Blattgemüse decken das. Reine Vitamin-E-Kapseln enthalten oft 67 Milligramm oder mehr, also ein Vielfaches. Zwei Studien verknüpften höhere Dosen mit hämorrhagischem Schlaganfall. Zusammen mit Warfarin oder anderen Gerinnungshemmern kann Vitamin E die Blutstillung stören, vermutlich vor allem oberhalb von etwa 400 IE. Wer schon Acetylsalicylsäure nimmt, sollte keine Extra-Kapsel „für die Wechseljahre“ dazulegen.
Erhöht Vitamin A das Hüftbruchrisiko?
Eine Extra-Tablette Vitamin A ist in den Wechseljahren nicht nötig und bei hoher Retinolzufuhr möglicherweise ungünstig für den Knochen. Beta-Carotin aus Gemüse trägt dieses Signal nicht.
Frauen brauchen laut NIH 700 Mikrogramm Retinoläquivalente am Tag. Leber, Eier, angereicherte Milch und buntes Gemüse reichen bei gemischter Kost. Die Obergrenze gilt nur für vorgeformtes Retinol aus tierischen Quellen und Präparaten und liegt bei 3000 Mikrogramm. Beta-Carotin hat keine solche Deckelung, weil der Körper die Umwandlung drosselt.
Eine große US-Krankenschwestern-Kohorte von 2002 berichtete mehr Hüftbrüche bei sehr hoher Retinolzufuhr. Frauen im obersten Zufuhrfünftel hatten gegenüber dem untersten ein relatives Risiko von 1,48. Der Zusammenhang betraf vor allem Retinol, nicht Beta-Carotin, und schwächte sich unter Östrogengabe ab. Genau diesen Satz übernahmen ältere Ratgeber oft als festen 40-Prozent-Zuschlag durch Vitamin-A-Tabletten. Die Angabe zur Tablette selbst war damals nicht signifikant.
Spätere große Beobachtungen haben das Bild entschärft. Die Beobachtungsstudie der Women’s Health Initiative mit 75 747 postmenopausalen Frauen fand 2009 keinen Zusammenhang zwischen Vitamin-A- oder Retinolzufuhr und Hüft- oder Gesamtfrakturen. Nur bei gleichzeitig niedriger Vitamin-D-Zufuhr (höchstens 11 Mikrogramm am Tag) zeigte das oberste Zufuhrfünftel ein schwach erhöhtes Risiko für Brüche insgesamt. Eine weitere US-Kohorte aus Iowa sah ebenfalls kaum einen Dosis-Effekt. Wer Lebertran, Multivitamin und angereicherte Lebensmittel stapelt, kann die Obergrenze trotzdem knacken, ohne es zu merken.
Brauchen Wechseljahre extra B12 und B6?
Ein gezielter B-Vitamin-Kurs gegen Schlaflosigkeit oder Stimmungsschwankungen der Perimenopause ist nicht belegt. Ein echter Mangel an B12 oder B6 kann Müdigkeit, Verwirrung und Niedergeschlagenheit verursachen und verdient dann eine Diagnose, keine stillschweigende Selbstmedikation.
Vitamin B12 bleibt bei 2,4 Mikrogramm am Tag für Erwachsene. Mit dem Alter produziert der Magen oft weniger Säure und Intrinsic Factor. Zwischen 3 und 43 Prozent der zu Hause lebenden Älteren haben je nach Grenzwert zu niedrige Spiegel, besonders bei atrophischer Gastritis. Gebundenes B12 aus Fleisch und Milch braucht diesen Magenschritt. Freies B12 aus angereicherten Cerealien oder Tabletten umgeht ihn teilweise. Metformin und Protonenpumpenhemmer können die Lage zusätzlich verschlechtern. Kribbeln in Händen und Füßen, eine glatte Zunge oder eine makrozytäre Anämie gehören abgeklärt, bevor jemand „etwas für die Nerven“ kauft.
Vitamin B6 (Pyridoxin) liegt für Frauen ab 51 Jahren bei 1,5 Milligramm am Tag. Es steckt in Hülsenfrüchten, Geflügel, Fisch, Bananen und Vollkorn. Ein Mangel kann mit Verwirrung, Reizbarkeit, Hautveränderungen und einer mikrozytären Anämie einhergehen. Eine Cochrane-Auswertung fand keinen Beleg, dass kurze B6-Gaben Stimmung oder Denken bei Gesunden verbessern. Die US-Obergrenze beträgt 100 Milligramm. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit senkte 2023 den Wert auf 12 Milligramm, weil schon niedrigere Dauerdosen eine sensible Polyneuropathie auslösen können. Hochdosierte B-Komplexe aus dem Sportregal liegen oft darüber.
Schlafprobleme in den Wechseljahren hängen häufiger an Nachtschweiß, Angst und einer verschobenen inneren Uhr als an einem isolierten B12-Defizit. Wer dennoch substituiert, sollte den Grund im Labor sehen, nicht im Werbetext.

Was wirkt statt Vitaminpräparaten?
Hormontherapie bleibt laut Mayo Clinic die wirksamste Option gegen Wallungen und bremst zugleich den Knochenabbau. Für viele Gesunde unter 60 Jahren und innerhalb von zehn Jahren nach der letzten Periode überwiegt der Nutzen die Risiken, wenn Dosis und Dauer individuell bleiben.
Ohne Hormone nennt die NAMS 2023 kognitiv-behaviorale Therapie, klinische Hypnose, bestimmte Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, Fezolinetant, Gabapentin und Oxybutynin als empfohlene Wege. Fezolinetant und Elinzanetant blockieren Temperaturwege im Gehirn und sind in den USA für Wallungen zugelassen. Leberwerte müssen vor und nach dem Start geprüft werden. Paroxetin in niedriger Dosis ist ebenfalls zugelassen. Gabapentin hilft manchen Frauen mit nächtlichen Attacken, macht aber müde.
NICE hat 2024 die kognitive Verhaltenstherapie ausdrücklich als Gesprächsoption bei Wallungen verankert, auch für Frauen, die keine Hormone wollen. Kühlere Schlafumgebung, Gewichtsabnahme bei Adipositas und das Weglassen von Nikotin können die Last senken, auch wenn einzelne „Triggerregeln“ zu Schärfe, Kaffee und Alkohol in Studien schwach bleiben. Sport schützt Herz und Knochen, ersetzt aber keine Wallungstherapie.
Scheidentrockenheit braucht Gleitmittel oder lokales Estrogen, kein orales Multivitamin. Knochenbruchrisiko jenseits der Ernährung klären DXA-Messung und, wenn die Dichte oder die Vorgeschichte es verlangen, zugelassene Osteoporose-Medikamente. Vitamine sind in diesem Stufenplan höchstens eine Lückenfüllung der Kost, nicht die erste Stufe.
Wann zum Arzt und welche Tests?
Wechseljahresbeschwerden, die den Alltag zerlegen, gehören in die hausärztliche oder gynäkologische Sprechstunde, nicht erst nach einem Jahr Selbstversuch mit Kapseln. NICE erlaubt bei sonst gesunden Frauen ab 45 Jahren die Diagnose Perimenopause oder Menopause aus Klinik und Zyklus, ohne FSH-Bluttest.
Laborwerte helfen, wenn das Bild nicht passt. Ein TSH schließt eine Schilddrüsenüberfunktion aus, die Wallungen und Herzrasen nachahmen kann. FSH schwankt in der Übergangszeit und täuscht. Die Endocrine Society rät 2024 bei Gesunden zwischen 50 und 74 Jahren von einem routinemäßigen Vitamin-D-Spiegel ab. Sinnvoll wird die Bestimmung bei Osteoporose, Malabsorption, nach bariatrischen OPs oder bei Hypocalcämie. B12 und Methylmalonsäure lohnen sich bei neurologischen Zeichen oder makrozytärer Anämie, nicht als Menopause-Screening.
Blutungen nach zwölf Monaten ohne Periode sind kein Vitaminproblem. Sie brauchen eine gynäkologische Abklärung, oft noch in derselben Woche, weil ein Endometriumkarzinom hinter dem Fleck stecken kann. Frühe Menopause vor 45 und ein Ausbleiben vor 40 Jahren (prämature Ovarialinsuffizienz) sind eigene Diagnosen mit höherem Knochen- und Herzrisiko. Hier ersetzen Tabletten aus der Drogerie keine Hormonberatung.
- Häufige schwere Wallungen oder ein Schlaf, der über Wochen zerbricht, rechtfertigen eine Therapieentscheidung in der Praxis.
- Neue Blutungen nach einem Jahr ohne Periode gehören zeitnah zur Gynäkologin oder zum Gynäkologen, nicht in die Selbstmedikation.
- Kribbeln, Gangunsicherheit oder eine glatte Zunge sprechen für eine B12-Diagnostik vor jeder Kapselkur.
- Plötzlicher Rückenschmerz, Größenverlust oder ein Bruch nach Bagatellsturz verlangen eine Knochendiagnostik, nicht nur Calciumbrause.
- Übelkeit, starker Durst und Verwirrung unter hochdosiertem Vitamin D können eine Hypercalcämie anzeigen und gehören in die Notaufnahme.
Wie sicher sind hochdosierte Tabletten?
Hochdosierte Vitaminpräparate sind in den Wechseljahren selten nötig und häufiger die Quelle von Schäden als von Symptomfreiheit. Die US-Arzneimittelbehörde prüft Nahrungsergänzungsmittel nicht vor dem Verkauf auf Wirksamkeit. Hersteller müssen Sicherheit und Kennzeichnung selbst verantworten. Die Behörde kann erst eingreifen, wenn ein Mittel bereits im Handel ist.
Fettlösliche Vitamine A, D und E lagern sich. Wer ein Multivitamin, Lebertran, angereicherten Saft und eine Extra-Kapsel stapelt, überschreitet Obergrenzen, ohne eine Packung zu sprengen. Wasserlösliches B6 gilt als „harmlos“, bis die Füße kribbeln. Dann kann die Neuropathie Monate brauchen, um sich zurückzubilden. Wechselwirkungen sind konkret. Orlistat senkt die Aufnahme von Vitamin D. Thiaziddiuretika plus Vitamin D können Calcium im Blut nach oben treiben. Statine und sehr hohe Vitamin-D-Dosen können sich in der Wirkung stören. Gerinnungshemmer plus Vitamin E erhöhen die Blutungsneigung.
Ein sinnvoller Start ist die Kostliste einer Woche, nicht die teuerste Dose. Fehlen Milch, Fisch und Sonne im Winter, schließt ein Präparat in Höhe der empfohlenen Tagesmenge die Lücke. Dosen im Bereich von 4000 IE Vitamin D oder 400 IE Vitamin E „für den Stress“ gehören nicht in die Hausapotheke. Vor dem ersten Schluck sollten alle Präparate, auch Tee und Pulver, auf dem Zettel für die Praxis stehen.
Häufige Fragen
Helfen Multivitamine gegen Wechseljahresbeschwerden?
Nein, ein Multivitamin dämpft Hitzewallungen, Scheidentrockenheit oder Stimmungseinbrüche nicht zuverlässig. Es kann Lücken schließen, wenn die Kost einseitig ist oder die Aufnahme von B12 im Alter nachlässt. Gegen vasomotorische Beschwerden stuft die NAMS 2023 solche Mittel als nicht empfohlen ein.
Soll ich meinen Vitamin-D-Spiegel routinemäßig messen lassen?
Bei sonst gesunden Frauen zwischen 50 und 74 Jahren rät die Endocrine Society seit 2024 von einem Routine-Test ab. Sinnvoll bleibt die Bestimmung bei Osteoporose, nach Darmoperationen, bei Fettmalabsorption oder niedrigem Calcium im Blut. Ein einzelner Winterwert ohne Klinik führt oft nur zu einer unnötigen Hochdosis.
Reicht Sonnenlicht für den Vitamin-D-Bedarf?
Die Haut bildet Vitamin D, sobald UV-B auf unbedeckte Haut trifft. Fenster, dunkler Teint, Alter und konsequenter Lichtschutz drosseln diese Bildung. Das NIH hat die Tagesmengen deshalb so berechnet, als gäbe es kaum Sonne. Im Winter nördlich der Alpen deckt Licht allein den Bedarf oft nicht. Fetter Fisch, angereicherte Lebensmittel oder 15 bis 20 Mikrogramm als Tablette schließen die Lücke, ohne Sonnenbrand als Strategie zu brauchen.
Ist Vitamin E bei Brustkrebs in der Vorgeschichte sinnvoll?
Als Wallungstherapie nein. Die Cochrane-Übersicht bei Frauen mit Brustkrebsgeschichte fand keinen Nutzen von Vitamin E für Zahl oder Stärke der Wallungen. Zugelassene Nicht-Hormone und Verhaltenstherapie haben dort die bessere Datenlage. Hochdosiertes Vitamin E kann Blutungen fördern und mit Tamoxifen oder Gerinnungshemmern kollidieren.
Wann ist eine Hormontherapie die bessere Wahl als Vitamine?
Sobald Wallungen, Schlafmangel oder Knochenschutz den Alltag bestimmen und keine Kontraindikation vorliegt, ist Estrogen mit oder ohne Gestagen wirksamer als jede Vitaminkapsel. Mayo Clinic sieht den günstigsten Nutzen-Risiko-Korridor unter 60 Jahren und innerhalb von zehn Jahren nach der Menopause. Vitamine bleiben Kostlückenfüller, nicht die Alternative zur Hormonentscheidung.
Welche Blutungen muss ich abklären lassen, bevor ich Vitamine nehme?
Jede Blutung nach zwölf Monaten ohne Periode braucht eine gynäkologische Abklärung, unabhängig von Tabletten. Sehr starke oder plötzlich ganz unregelmäßige Blutungen in der Perimenopause ebenfalls, wenn sie den Eisenhaushalt reißen oder Gewebeabgänge bringen. Vitamine ändern diese Schwelle nicht. Eisenmangel nach Dauerblutung ist ein Laborbefund, kein Grund für ein Multivitamin ohne Ursachensuche.

Fazit
Vitamine heilen die Wechseljahre nicht. Gegen Hitzewallungen haben Leitlinien seit 2023 klare Worte. Kräuter- und Vitaminpräparate gehören nicht zur empfohlenen Therapie, während Hormontherapie, Fezolinetant, bestimmte Antidepressiva, Gabapentin und kognitive Verhaltenstherapie messbare Wege bieten.
Für Knochen bleiben 15 bis 20 Mikrogramm Vitamin D und 1200 Milligramm Calcium über die Kost der nüchterne Rahmen. Extra-Dosen und Routine-Bluttests bei Gesunden zwischen 50 und 74 Jahren haben die Endocrine Society 2024 zurückgenommen. Hochdosiertes Vitamin E, gestapeltes Retinol und B6-Megadosen tragen Risiken, die der mögliche Gewinn nicht rechtfertigt.
Sinnvoller als eine neue Dose ist morgen eine Woche ehrlicher Kost, die Liste aller Präparate für die Praxis und ein Termin, wenn Wallungen, Blutungen oder Stimmung den Tag regieren. Dort lässt sich entscheiden, ob Hormone, ein zugelassenes Nicht-Hormon oder nur eine Lücke in der Ernährung die richtige Antwort ist.
Quellen
- The North American Menopause Society: The 2023 nonhormone therapy position statement of The North American Menopause Society. Menopause, Juni 2023.
- National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements: Vitamin D – Health Professional Fact Sheet. National Institutes of Health, 27. Juni 2025.
- National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements: Vitamin E – Health Professional Fact Sheet. National Institutes of Health, 26. März 2021.
- National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements: Calcium – Health Professional Fact Sheet. National Institutes of Health, 22. Juni 2026.
- National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements: Vitamin A – Health Professional Fact Sheet. National Institutes of Health, 10. März 2025.
- National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements: Vitamin B12 – Health Professional Fact Sheet. National Institutes of Health, 2. Juli 2025.
- National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements: Vitamin B6 – Health Professional Fact Sheet. National Institutes of Health, 16. Juni 2023.
- Mayo Clinic Staff: Menopause – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 9. Juli 2026.
- National Institute for Health and Care Excellence: Menopause: identification and management. National Institute for Health and Care Excellence, Stand: 2024.
- Rada G, Capurro D et al.: Non-hormonal interventions for reducing hot flushes in women with a history of breast cancer. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2021.
- Demay MB, Pittas AG et al.: Vitamin D for the Prevention of Disease: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 3. Juni 2024.
- Caire-Juvera G, Ritenbaugh C et al.: Vitamin A and retinol intakes and the risk of fractures among participants of the Women’s Health Initiative Observational Study. American Journal of Clinical Nutrition, 2009.
