
Frauen können keinen klassischen Prostatakrebs bekommen, weil sie keine Prostata besitzen. Sehr selten entsteht stattdessen ein Adenokarzinom der Skene-Drüsen, der paraurethralen Drüsen neben der weiblichen Harnröhre, die denselben embryonalen Ursprung haben wie die männliche Vorsteherdrüse.
Die American Cancer Society hält die Prostata ausdrücklich für eine Drüse nur bei Männern. Mayo Clinic formuliert dasselbe und beschränkt Prostatakrebs auf Körper mit männlichen Fortpflanzungsorganen. Was umgangssprachlich als „weiblicher Prostatakrebs“ kursiert, ist deshalb kein Pendant zur zweithäufigsten Krebsart des Mannes, sondern ein kasuistisch dokumentierter Tumor der Skene-Drüsen. Die Cleveland Clinic nannte 2022 rund 20 veröffentlichte Fälle. Eine Fallserie aus Johns Hopkins (2018) und ein Literaturüberblick von 2026 haben das Bild geschärft. Viele dieser Tumoren ähneln unter dem Mikroskop einem hochgradigen Prostatakarzinom und färben Marker wie PSA und NKX3.1 an.
Blut im Urin, Brennen beim Wasserlassen oder ein Knoten neben der Harnröhrenmündung sind trotzdem fast immer etwas anderes, nämlich eine Zyste, eine Infektion, ein Harnröhrendivertikel oder ein häufiger Harnwegsinfekt. Die folgende Darstellung trennt Anatomie, Häufigkeit, Warnzeichen, Diagnose und Therapie und sagt, wann eine urologische oder gynäkologische Untersuchung nicht warten sollte.
Haben Frauen eine Prostata?
Frauen haben keine Prostata im Sinne der männlichen Vorsteherdrüse unter der Blase. Sie besitzen Skene-Drüsen, auch paraurethrale oder periurethrale Drüsen genannt, die StatPearls 2025 als Homolog der Prostata beschreibt. Beide entstehen aus dem Sinus urogenitalis.
Alexander Skene beschrieb die Drüsen 1880 genauer; der Name blieb. Die Cleveland Clinic lokalisiert sie links und rechts der äußeren Harnröhrenöffnung im Scheidenvorhof. Die Größe schwankt, grob vergleichbar mit einer kleinen Heidelbeere, und die Ausführungsgänge sind mit bloßem Auge kaum zu sehen. Merck nennt dieselben Mündungen neben dem Meatus und unterstreicht die Homologie zur Prostata.
Im Embryo entscheidet das hormonelle Milieu, ob aus denselben Anlagen Prostata und Cowper-Drüsen oder Skene- und Bartholin-Drüsen werden. Fehlt das Y-chromosomale Signal, entsteht das weibliche äußere Genitale. Deshalb teilen Skene-Drüsen und Prostata Drüsenaufbau und manche Sekretproteine, ohne dass daraus ein zweites, gleich großes Organ würde. Die Terminologia Histologica ließ 2002 den Zusatz „female prostate“ zu; das ändert die klinische Anatomie nicht. Wer nach einer Prostata sucht, findet bei Frauen ein feines Drüsennetz um das distale Drittel der etwa vier Zentimeter langen Harnröhre, die laut National Cancer Institute in der vorderen Scheidenwand verläuft.
Variabilität ist die Regel. Nicht jede Frau hat gleich ausgeprägte Drüsenpakete, und viele merken lebenslang nichts von ihnen. Sichtbar oder tastbar werden sie erst, wenn ein Gang verstopft, sich entzündet oder, extrem selten, entartet.

Wozu dienen die Skene-Drüsen?
Die Drüsen sondern ein klares Sekret ab, das die Harnröhrenöffnung schmiert und Bakterien den Aufstieg erschweren kann. Die Cleveland Clinic sieht darin einen Beitrag zur Harnwegs- und Sexualgesundheit; die genaue Physiologie bleibt unvollständig belegt.
Bei sexueller Erregung schwillt das umgebende Gewebe an. Das Sekret kann zur Lubrikation beitragen. Manche Frauen stoßen beim Orgasmus eine milchige Flüssigkeit aus; Forscher halten die Skene-Drüsen für eine mögliche Quelle, ohne dass der Mechanismus für alle gilt. In diesem Sekret fanden sich Prostata-spezifisches Antigen (PSA) und saure Prostata-Phosphatase, also Proteine, die man zuerst aus dem männlichen Ejakulat kennt.
Ältere Texte behaupteten oft eine klar umrissene „Funktion der weiblichen Prostata“. Neuere Klinikseiten bleiben vorsichtiger und nennen Schmierung, mögliche Keimabwehr und eine mögliche Beteiligung an der sogenannten weiblichen Ejakulation. Eine Steuerungsrolle im gesamten weiblichen Hormonsystem ist nicht nachgewiesen. Bartholin-Drüsen und transsudierte Scheidenflüssigkeit leisten den größeren Teil der Lubrikation; die Skene-Drüsen sind ein kleiner, lokal begrenzter Akteur.
Praktisch betrifft das meist den Harnröhrenausgang und den vorderen Scheideneingang, nicht die Gebärmutter oder die Eierstöcke. Das erklärt, warum dieselben Symptome eine Blasenentzündung, eine sexuell übertragene Infektion oder eine Zyste nachahmen können.
Können Frauen klassischen Prostatakrebs bekommen?
Klassischen Prostatakrebs können Frauen nicht bekommen, weil das Ausgangsorgan fehlt. Möglich ist ein Karzinom der Skene-Drüsen, das Pathologen oft als prostatoides Adenokarzinom der paraurethralen Drüsen beschreiben.
Die American Cancer Society schreibt 2023 unmissverständlich, dass die Prostata nur bei Männern vorkommt und Prostatakrebs in deren Drüsenzellen beginnt. Mayo Clinic ergänzt, die Erkrankung betreffe per Definition Körper mit männlichem Genitaltrakt. Wer also im Laborbericht „PSA-positiv“ oder „NKX3.1-positiv“ bei einer Frau liest, sieht keinen Beweis für eine Prostata, sondern einen Tumor, der Marker der Prostatalinie trägt, weil das Gewebe derselben Embryonalstraße entstammt.
Tregnago und Epstein werteten 2018 vier Konsultationsfälle der Johns Hopkins University aus. Drei Tumoren glichen einem azinären Prostatakarzinom mit kribriformen und schlecht geformten Drüsen, analog einem Gleason-Muster 4+4=8, und färbten PSA, P501S, NKX3.1 und AMACR an. Der vierte Fall zeigte ein anderes, eher serös anmutendes Muster ohne prostatische Marker. Die Autoren warnten ausdrücklich, dass eine Übertragung der Gleason-Regeln auf Skene-Tumoren bei so wenigen Fällen unbekannt bleibt.
Wang und Zhou betonten 2026 dieselbe Vielfalt. Manche Läsionen bleiben PSA-negativ und zeigen Darmmarker wie CK20 oder CDX2. Dann muss die Pathologie ein Darmmetastase und ein urotheliales Karzinom ausschließen, bevor die Diagnose „Skene“ steht. Der umgangssprachliche Satz „Frauen können Prostatakrebs haben“ ist also höchstens eine grobe Metapher, keine ICD-Diagnose.
Wie selten ist ein Karzinom der Skene-Drüsen?
Ein Adenokarzinom der Skene-Drüsen ist kasuistisch selten, nicht eine unterschätzte Volkskrankheit. Die Cleveland Clinic nannte 2022 etwa 20 publizierte Fälle; Gao und Kollegen zählten im selben Jahr ebenfalls rund 20 Berichte und ergänzten den ersten adenosquamösen Fall.
Die oft zitierte Zahl 0,003 Prozent gehört nicht pauschal zum „weiblichen Prostatakrebs“. Gao und Mitautoren bezogen 2022 etwa 0,02 Prozent aller weiblichen Krebserkrankungen und rund 0,003 Prozent der bösartigen Tumoren der weiblichen Harn- und Geschlechtsorgane auf Harnröhrenkrebs insgesamt. Adenokarzinome machen dort nur einen Bruchteil aus, laut derselben Arbeit etwa 8 bis 10 Prozent der primären Harnröhrenkarzinome der Frau. Das Skene-Adenokarzinom ist wiederum eine Untergruppe davon. Ältere Ratgeber vermischten diese Ebenen.
Für primären Harnröhrenkrebs insgesamt nennt das National Cancer Institute in der Fachfassung eine SEER-Inzidenz von 1,5 Fällen pro Million Frauen und Jahr (Daten 1973–2002), mit fallender Tendenz über drei Jahrzehnte. Bei Männern lag der Wert bei 4,3 pro Million. Afroamerikanische Personen waren etwa doppelt so häufig betroffen wie weiße. Die Europäische Gesellschaft für Urologie bezifferte 2020 primäre Harnröhrenkarzinome auf unter ein Prozent aller urogenitalen Malignome.
Wang und Zhou listeten 2026 in einer Tabelle etwa 17 vergleichbare Skene-Fälle plus den eigenen. Das mediane Alter lag um 67 Jahre, die Spanne bei 46 bis 88, die mittlere Größe knapp über zwei Zentimetern. Gao nannte für die bis 2022 gesammelten Fälle ein Durchschnittsalter von 70,35 Jahren. Erstsymptome waren periurethrale Knoten, Blut im Urin, erschwertes Wasserlassen und gelegentlich Inkontinenz. Metastasen waren in der älteren Kasuistik die Ausnahme, kamen aber vor, vor allem in Leisten- und Beckenlymphknoten. Die adenosquamöse Variante von 2022 verlief deutlich aggressiver als die reinen Adenokarzinome der Serie.
Welche Beschwerden können auftreten?
Die Beschwerden ähneln häufigen Harnwegs- und Scheidenleiden und entlarven sich nicht selbst als Krebs. Häufig genannt werden Blut im Urin, Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, Schmerzen beim Sex und ein tastbarer Knoten neben der Harnröhre.
Wang und Zhou fassten 2026 die Erstsymptome der veröffentlichten Skene-Fälle als periurethrale oder urethrale Läsion, schmerzlose Makrohämaturie, Dysurie und Inkontinenz zusammen. Gao zählte unter 20 Fällen sieben periurethrale Läsionen, fünf Hämaturien, drei Dysurien und zwei Inkontinenzen. Die Cleveland Clinic fordert bei schmerzhaftem Wasserlassen, Beckenschmerzen, Schmerzen beim Sex, blutigem oder trübem Urin, unwillkürlichem Urinverlust und übel riechendem Ausfluss den Arztkontakt, ohne diese Liste als krebsspezifisch zu verkaufen.
Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit oder Blutarmut durch chronische Blutung kommen bei fortgeschrittenen Becken- und Harnröhrentumoren vor, sind aber unspezifisch. Sie begründen eine onkologische Abklärung, ersetzen sie aber nicht durch die Diagnose „weiblicher Prostatakrebs“. NCI knüpft die Prognose des Harnröhrenkrebses bei Frauen vor allem an Lage, Größe und Eindringtiefe. Distale, oberflächliche Tumoren sind besser heilbar als tief invasive proximale.
| Befund | Häufigere Erklärung | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Brennen und häufiger Harndrang | Harnwegsinfekt, Skenitis | Urintest, ggf. Abstrich, zeitnahe Praxis |
| Knoten neben der Harnröhre | Skene-Zyste, Divertikel | Tastbefund, Ultraschall oder Zystoskopie |
| Schmerzen beim Sex | Zyste, Entzündung, andere Beckenursache | Gynäkologische und urologische Untersuchung |
| Sichtbares Blut im Urin | Stein, Infekt, Tumor der Harnwege | Dieselbe Woche zur Abklärung, nicht abwarten |
| Rötung, starke Schwellung, Druckdolenz | Abszess der Skene-Drüse | Rasch Arzt; Antibiotikum plus Entlastung laut Merck |
| Knoten plus Gewichtsverlust | Selten fortgeschrittener Tumor | Bildgebung und Biopsie in der Klinik |
Ein einzelner Symptomtag ohne Fieber und ohne Blut reicht selten für eine Notfallaufnahme. Wiederkehrende „Blasenentzündungen“ ohne Keimnachweis oder ein wachsender Knoten gehören in die Sprechstunde, bevor jemand Monate zuwartet.
Wann zum Arzt, wann in die Klinik?
Jede neu aufgetretene Hämaturie, jeder tastbare periurethrale Knoten und jeder Harnverhalt brauchen eine ärztliche Untersuchung, auch wenn Krebs unwahrscheinlich bleibt. Die Cleveland Clinic listet schmerzhaftes Wasserlassen, Beckenschmerz, Dyspareunie, blutigen oder trüben Urin, Inkontinenz und übel riechenden Ausfluss als Anlässe für den Kontakt.
Noch am selben Tag sollte jemand eine Notaufnahme oder einen urologischen Bereitschaftsdienst aufsuchen, wenn der Urin nicht mehr abgeht, Blutkoagel die Harnröhre verlegen oder Fieber mit starker Schwellung am Scheideneingang zusammenkommt. Merck beschreibt Skene-Abszesse als schmerzhaft, gerötet und druckempfindlich, meist ohne Fieber; Fieber plus systemisches Kranksein spricht für eine ausgedehntere Infektion und duldet keinen Hausmittelversuch.
Wiederholte Antibiotikakuren ohne Urinkultur verschleppen die Diagnose eines Divertikels oder einer Zyste. Dasselbe gilt für die Annahme, Blut im Urin sei „nur die Periode“ oder „nur eine Zystitis“, wenn der Teststreifen außerhalb der Blutung positiv bleibt. Frauen nach der Menopause, in der Altersgruppe der veröffentlichten Skene-Fälle, verdienen bei Hämaturie dieselbe uroonkologische Sorgfalt wie jüngere Patientinnen mit Infektzeichen.
Eine Krebsangst ist kein Ersatz für die Untersuchung. Die allermeisten Befunde an dieser Stelle sind gutartig. Unterlassen der Abklärung ist trotzdem der häufigere Fehler als eine „übertriebene“ Zystoskopie.

Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Diagnose eines Skene-Karzinoms steht erst nach Gewebe und Immunfärbung, nicht nach einem Blutwert. Gakis und Kollegen beschrieben 2020 für das primäre Harnröhrenkarzinom Urethrozystoskopie mit Biopsie und Urinzytologie, lokales Staging per Magnetresonanztomographie sowie die Suche nach Fernmetastasen per Computertomographie von Thorax, Bauch und Becken.
Bei einem Knoten neben der distalen Harnröhre beginnt die Praxis mit dem Blick und dem Tastbefund. Merck weist darauf hin, dass eine Skene-Zyste und ein distales Harnröhrendivertikel klinisch ununterscheidbar sein können; dann helfen Ultraschall oder Spiegelung. Ein solider, unscharf begrenzter oder wachsender Knoten braucht Histologie. NCI nennt Endoskopie, Urethrographie und MRT als Mittel, die lokale Ausdehnung zu bestimmen.
Im Labor kann Serum-PSA bei Frauen messbar sein, wenn der Tumor prostatische Marker trägt. Tregnago berichtete einzelne Werte zwischen 0,8 und 4,9 Nanogramm pro Milliliter; in älteren Fallberichten lagen Spiegel deutlich höher. Wang und Zhou halten den Verlauf des PSA nach Therapie für nützlich, analog zum Prostatakarzinom. Ein Abfall kann auf Ansprechen deuten, ein Wiederanstieg auf ein Rezidiv, bevor der Knoten tastbar wird. Das ersetzt weder Bildgebung noch Tastuntersuchung.
Unter dem Mikroskop sucht die Pathologie nach Herkunft. Prostatische Marker (PSA, NKX3.1, AMACR, Androgenrezeptor) stützen eine Skene-Linie. Negatives GATA3 und negatives p63 sprechen gegen ein typisches Urothelkarzinom. Darmmarker zwingen zum Ausschluss eines kolorektalen Primärtumors. Tregnago zeigte mit einem PIN4-Cocktail in drei Fällen den Ursprung in vorbestehenden paraurethralen Drüsen. Ohne diesen Kontext wird aus einem „prostatoiden“ Muster leicht eine Verwechslung mit einer Metastase.
Welche Behandlung kommt infrage?
Eine eigene Leitlinie nur für das Skene-Adenokarzinom gibt es nicht. Behandelt wird individuell, oft nach den Regeln des weiblichen Harnröhrenkarzinoms und, wenn Marker und Morphologie passen, mit Werkzeugen aus der Prostatakrebsmedizin.
NCI sieht die Operation als Rückgrat der Harnröhrenkrebstherapie, bei niedriger Evidenz aus Fallserien. Distale, oberflächliche Tumoren können durch lokale Exzision, elektrochirurgische Abtragung oder Laser zerstört werden; bei T1- und T2-Läsionen kommen Brachytherapie oder kombinierte Bestrahlung als Alternative zur Resektion des distalen Harnröhrendrittels infrage. T3-Tumoren oder Rezidive nach lokaler Therapie können eine vordere Exenteration mit Harnableitung erfordern. Tastbare Leistenlymphknoten werden nach Schnellschnitt und Bestätigung der Metastasierung ipsilateral ausgeräumt; ohne tastbare Knoten bleibt die prophylaktische Leistenausräumung umstritten.
Die vier Patientinnen von Tregnago erhielten begrenzte Resektionen mit tumorfreien Rändern. Tumoren maßen ein bis zwei Zentimeter. Nach im Mittel 40,7 Monaten Nachsorge lebten alle ohne Rezidiv oder Metastase. Das ist ermutigend, aber keine Garantie für jeden Fall. Wang und Zhou schilderten 2026 eine 71-jährige Frau mit pT3aN1 nach roboterassistierter Zystektomie und Ileumconduit; nach 48 Monaten ohne Zusatzbestrahlung oder Chemotherapie ging es der Patientin gut. Gao beschrieb dagegen ein adenosquamöses Karzinom mit Lymphknoten- und Vulvametastasen, das trotz neoadjuvanter Chemotherapie und ausgedehnter Operation rasch fortschritt.
Gakis und die EAU-Aktualisierung von 2020 empfehlen für lokalisierte distale Tumoren (bis T2N0M0) eine organerhaltende Harnröhrenoperation, sofern intraoperativ tumorfreie Ränder gelingen. Lokal fortgeschrittene Stadien (≥T3 oder Lymphknotenbefall) gehören in eine multidisziplinäre Konferenz. Cisplatinhaltige Chemotherapie vor radikaler Chirurgie kommt bei proximalen ≥T2-Tumoren infrage. Kaufman und Terris zeigten 2021 in einem Einzelfall, dass multiparametrische MRT, eine PET-Untersuchung nach Prostata-Protokoll und Androgendeprivation den PSA-Verlauf beeinflussen können, obwohl der Testosteronspiegel einer postmenopausalen Frau im Normbereich lag. Das ist ein Therapieversuch, kein Standard.
Bestrahlung als alleinige oder kombinierte Therapie bleibt eine Option, besonders wenn Organerhalt gewünscht oder die Operation nicht tragbar ist. NCI nennt typische Tumordosen im Bereich von 60 bis 70 Gray und schwerwiegende Komplikationen bei etwa 16 bis 20 Prozent, darunter Fisteln bei großen, in Scheide, Blase oder Enddarm einwachsenden Tumoren. Eine Heilungszusage gibt es bei keinem Verfahren.
Welche gutartigen Ursachen täuschen Krebs vor?
Zysten, Abszesse und Entzündungen der Skene-Drüsen sind weit häufiger als jedes Karzinom. Merck (Stand Oktober 2025) beschreibt Zysten nach Gangverschluss, vor allem bei Erwachsenen. Die meisten messen unter einem Zentimeter und bleiben stumm; größere können Schmerzen beim Sex auslösen, den Harnstrahl behindern oder sich infizieren.
Ein Abszess ist gerötet, geschwollen und stark druckschmerzhaft. Merck empfiehlt zuerst ein orales Breitspektrumantibiotikum, etwa Cephalexin 500 Milligramm alle sechs Stunden über sieben bis zehn Tage, und danach Exzision oder Marsupialisation, also das Einnähen der Zystenränder nach außen. Symptomfreie Mini-Zysten beobachtet man. Symptomfreie große Zysten oder Rezidive werden operativ versorgt. Die Dosisangabe gilt nur nach ärztlicher Anordnung; Allergien, Nierenfunktion und lokale Resistenzlage können ein anderes Präparat verlangen.
Die Cleveland Clinic nennt Skenitis als häufigste Störung der Drüsen. Sie kann von derselben Erregergruppe ausgehen wie eine Gonorrhö und wird leicht für eine unkomplizierte Blasenentzündung gehalten. Symptome sind geschwollene, schmerzende Drüsen, Dysurie, Harndrang, Schmerzen beim Sex und vaginaler Schmerz. Antibiotika stehen im Vordergrund; ein lang bestehender Infekt kann einen Abszess hinterlassen, der chirurgisch entlastet werden muss. Trichomonaden und andere sexuell übertragene Erreger können benachbartes Gewebe einbeziehen.
Das Harnröhrendivertikel täuscht dieselbe Beule vor, kommuniziert aber mit dem Harnröhrenlumen. Die Unterscheidung braucht Bildgebung, oft MRT oder kontrastierten Ultraschall, weil die Operation anders geplant wird. Ein Adenofibrom der Drüse ist in der neueren Primärliteratur kein etabliertes Leitthema; tastbare solide Knoten gehören biopsiert, nicht mit einem historischen Label beruhigt.
Polyzystisches Ovarialsyndrom vergrößert nicht belegbar routinemäßig die Skene-Drüsen. Erhöhte Androgene können in Studien den Serum-PSA-Spiegel von Frauen anheben; das ist ein Forschungsbefund, kein Diagnosekriterium für PCOS und kein Krebszeichen.
Was bedeutet ein PSA-Wert bei Frauen?
PSA ist bei Frauen kein Screeningtest auf „Prostatakrebs“ und kein Ersatz für Tastbefund plus Bildgebung. Das Protein entsteht in prostatischem und in hormonempfindlichem Gewebe außerhalb der Prostata, unter anderem in Brustdrüse und Endometrium.
Bei einem gesicherten, PSA-positiven Skene-Adenokarzinom kann der Serumwert den Verlauf begleiten. Wang und Zhou sehen darin ein Instrument, das ein Rezidiv früher anzeigen kann als die Klinik. Kaufman dokumentierte 2021, dass Androgendeprivation die PSA-Kinetik veränderte. Fehlt der Marker im Tumor, nützt der Bluttest wenig.
Ältere Arbeiten prüften PSA in Brustzystenflüssigkeit, Muttermilch und Serum als möglichen Hinweis auf Brusttumoren oder Androgenüberschuss. Das hat sich nicht zur Routine in der Mammadiagnostik oder in der PCOS-Abklärung entwickelt. Leitlinien zur Brustkrebsnachsorge stützen sich auf Klinik, Bildgebung und etablierte Marker, nicht auf PSA. Einen Schwellenwert analog zu „vier Nanogramm pro Milliliter beim Mann“ gibt es für Frauen nicht.
Wer als Frau einen zufällig mitbestellten PSA-Wert erhält, braucht also Kontext. Ein messbarer Spiegel allein begründet keine Prostata und keinen Tumor. Ein steigender Wert nach Resektion eines PSA-positiven periurethralen Karzinoms gehört in dieselbe Nachsorge wie Bildgebung und Spiegelung.
Häufige Fragen
Können Frauen Prostatakrebs bekommen?
Klassischen Prostatakrebs nicht, weil die Prostata fehlt. Sehr selten kann ein Adenokarzinom der Skene-Drüsen entstehen, das unter dem Mikroskop einem Prostatakarzinom ähneln kann. Die Cleveland Clinic und Fallübersichten seit 2018 sprechen von einer handvoll bis etwa 20 publizierten Fällen, nicht von einer häufigen Frauenkrankheit.
Was ist die weibliche Prostata?
Der Begriff meint die Skene- oder paraurethralen Drüsen neben der Harnröhrenmündung. Sie entstehen aus demselben Sinus urogenitalis wie die männliche Prostata und können PSA enthalten. Klinisch bleiben sie ein kleines Drüsenpaar, kein zweites, gleichwertiges Organ.
Wie erkennt man Krebs der Skene-Drüsen?
Erst Gewebe und Immunfärbung sichern die Diagnose. Typisch sind ein periurethraler Knoten, Blut im Urin oder Dysurie plus MRT und Zystoskopie. PSA im Blut kann bei markerpositiven Tumoren den Verlauf begleiten, ersetzt die Biopsie aber nicht.
Ist der Tumor heilbar?
Kleine, distal gelegene Läsionen nach vollständiger lokaler Entfernung blieben in der Johns-Hopkins-Serie ohne Rezidiv. Fortgeschrittene oder adenosquamöse Tumoren können metastasieren und brauchen multimodale Therapie. Kein Verfahren verspricht Heilung für jede Patientin.
Soll jede Frau ihren PSA-Wert messen lassen?
Nein. PSA-Messung bei Frauen ist kein Früherkennungstest. Sinnvoll kann sie sein, wenn ein PSA-positives periurethrales Karzinom nachgewiesen ist und der Verlauf überwacht werden soll.
Wann muss ich mit Blut im Urin zum Arzt?
Sichtbares Blut im Urin gehört in dieselbe Woche abgeklärt, unabhängig vom Alter. Koagel, Harnverhalt oder Fieber mit Beckenschwellung rechtfertigen denselben Tag eine Klinik. Die Ursache ist meist ein Infekt oder Stein, selten ein Tumor.
Fazit
Wer die Frage „Können Frauen Prostatakrebs bekommen?“ stellt, verdient eine klare Trennung. Die Prostata ist ein männliches Organ, klassischer Prostatakrebs entsteht dort nicht. Die Skene-Drüsen sind das embryologische Gegenstück und können in extrem seltenen, in der Literatur nach Dutzenden Fällen gezählten Situationen ein prostatoides Adenokarzinom bilden. Seit der Serie von Tregnago 2018 wissen Pathologen besser, welche Marker (NKX3.1, PSA) die Herkunft stützen und dass eine Gleason-Übertragung ungesichert bleibt.
Für den Alltag zählen andere Wahrscheinlichkeiten. Ein Knoten, Brennen oder Blut am Harnröhrenausgang ist zuerst Zyste, Infekt oder Divertikel. Merck und Cleveland Clinic geben dafür konkrete Wege. Urin untersuchen, Abszess antibiotisch und chirurgisch behandeln, solide oder wachsende Befunde biopsieren. Erst wenn Histologie und Bildgebung ein Karzinom zeigen, greifen die Stufen des Harnröhrenkrebses aus NCI-PDQ und EAU-Update. Distal bleibt Organerhalt bei freien Rändern möglich, fortgeschrittene Stadien brauchen eine multimodale Konferenz, der PSA-Verlauf und in Einzelfällen Androgendeprivation sind geliehene Werkzeuge der Prostatamedizin.
Morgen sinnvoll ist nicht ein PSA-Selbsttest, sondern die Abklärung von Blut im Urin und von Knoten, die nicht verschwinden. Die Diagnose bleibt selten. Die Untersuchung der Harnwege ist es nicht.
Quellen
- Cleveland Clinic: Skene’s Gland: Function, Location, Secretion & Conditions. Cleveland Clinic, 2. September 2022.
- Kilpatrick C: Skene Gland Cyst. Merck Manual Professional Edition, Stand: Oktober 2025.
- National Cancer Institute: Urethral Cancer Treatment (PDQ®)–Health Professional Version. National Cancer Institute, Stand: 2025.
- Tregnago AC, Epstein JI: Skene’s Glands Adenocarcinoma: A Series of 4 Cases. American Journal of Surgical Pathology, November 2018.
- Wang J, Zhou J: Skene’s gland adenocarcinoma: a case report and review of the literature. Discover Oncology, 16. März 2026.
- Gakis G, Bruins HM et al.: European Association of Urology Guidelines on Primary Urethral Carcinoma-2020 Update. European Urology Oncology, 27. Juni 2020.
- American Cancer Society: What Is Prostate Cancer?. American Cancer Society, 22. November 2023.
- Gao Q, Liu X et al.: Adenosquamous Carcinoma of Skene’s Gland: A Case Report and Literature Review. Frontiers in Oncology, 9. August 2022.
- Kaufman ME, Miller DT et al.: Skene’s Gland Adenocarcinoma: Borrowing From Prostate Cancer Experience for the Evaluation and Management of a Rare Malignancy. Urology, Mai 2021.
- Nguyen JD, Fakoya AO, Duong H: Anatomy, Abdomen and Pelvis: Female External Genitalia. StatPearls, 15. Februar 2025.
