
Ein oder zwei Züge Cannabis können das Gefühl gedrückter Stimmung für Minuten bis Stunden dämpfen. Eine Behandlung der Depression im Sinne von Leitlinien ist das nicht. Die oft zitierte App-Auswertung von Cuttler, Spradlin und McLaughlin aus dem Jahr 2018 erfasste wahrgenommene Kurzzeitänderungen, nicht Heilung, und die Ausgangswerte der Depression stiegen über wiederholte Sitzungen. Randomisierte Studien zur Depression fehlen laut einer Metaanalyse von Wilson und Kollegen in The Lancet Psychiatry (16. März 2026) weiterhin.
Die Vorgängerversion dieser Seite stützte sich vor allem auf jene App-Daten und den Eindruck, schon ein Hauch hoher Cannabidiol- und niedriger Tetrahydrocannabinol-Anteile (CBD, THC) könne Depressionen lindern. Seither haben Fachgesellschaften den Konsum bei unipolarer Depression ausdrücklich als ungünstig bewertet. Wer Stimmung, Antrieb und Schlaf über Wochen verloren hat, braucht eine ärztliche Abklärung, keine Dosisexperimente mit Blüten, Ölen oder Verdampfern.
Hilft schon ein Zug gegen depressive Symptome?
Zwei Züge inhalativen Cannabis reichten in der Cuttler-Auswertung, damit Nutzerinnen und Nutzer Depression und Angst auf einer Skala von 1 bis 10 niedriger einstuften. Ein einzelner Zug als gesicherte „Mindestdosis“ steht in der Fachpublikation nicht. Die Gruppe wertete 11 953 Sitzungen der kanadischen App Strainprint: 3151 zu Depression, 5085 zu Angst, 3717 zu Stress. Etwa zwanzig Minuten nach dem Inhalieren stieg die Symptomschwere im Mittel um rund die Hälfte bei Depression und um 58 Prozent bei Angst und Stress nach unten.
Hohe CBD-Anteile über 9,5 Prozent bei THC unter 5,5 Prozent hingen mit den größten Depressionsänderungen zusammen. Für Stress lagen die stärksten Rückgänge bei mindestens zehn Zügen und zugleich hohen CBD- und THC-Werten (über 11 bzw. 26,5 Prozent). Die Autorinnen selbst warnten: Die Stichprobe wählte sich selbst, Erwartungseffekte ließen sich nicht trennen, und die Ausgangsdepression schien sich über die Zeit zu verschlechtern. Wer diese Zahlen als Behandlungsplan liest, verwechselt eine Momentaufnahme mit einer geprüften Therapie.
Laborstudien vor 2018 prüften meist THC-Kapseln unter künstlichen Bedingungen. Cuttler schloss genau diese Lücke, indem sie zu Hause inhaliertes Material erfasste. Ökologische Nähe ersetzt kein Placebo. Ohne Blindvergleich bleibt unklar, wie viel der gemeldeten Erleichterung vom Ritual, vom Rausch oder vom Wunsch kommt, dass „es diesmal hilft“.

Was sagen Leitlinien und große Übersichten?
Fachliche Empfehlungen raten nicht dazu, Cannabis oder CBD gegen eine depressive Episode einzusetzen. Die britische Leitlinie NICE NG144 zu cannabishaltigen Arzneimitteln (letzte Prüfung 20. Mai 2025) gilt für schwer stillbare Übelkeit, ausgewählte Schmerzen, Spastik und therapieresistente Epilepsie. Depression steht dort nicht. Der National Health Service schreibt (Stand 27. Mai 2022), ein britisches Fachrezept sei nur für sehr wenige Menschen und nur nach Versagen anderer Mittel bei seltenen Epilepsien, Chemotherapie-Übelkeit oder MS-Spastik realistisch.
Die kanadische Taskforce CANMAT (Tourjman, Buck und Mitautorinnen, Veröffentlichung 16. Juni 2022) formulierte nach GRADE eine qualifizierte Empfehlung: Menschen mit unipolarer Depression sollen Cannabis meiden. Bei bipolarer Störung fiel der Rat stärker aus, weil der Verlauf dort konsistenter ungünstig mit Konsum verknüpft war. Depressive, manische und psychotische Symptome, Suizidalität und Funktionsverlust kamen in beiden Diagnosen häufiger vor, sobald Cannabis im Spiel war.
Black, Stockings und Degenhardt werteten 2019 83 Arbeiten aus, darunter 42 zu Depression. Pharmazeutisches THC mit oder ohne CBD besserte depressive Störungen nicht belastbar und erhöhte Unerwünschte Ereignisse (Chancenverhältnis 1,99) sowie Studienabbrüche wegen Nebenwirkungen (2,78). Wilson und Kollegen aktualisierten das Bild 2026 mit 54 randomisierten Studien und 2477 Teilnehmenden: Für die Behandlung der Depression fehlten randomisierte Wirksamkeitsstudien ganz. Der Routineeinsatz von Cannabinoiden bei psychischen Störungen und Suchterkrankungen sei derzeit selten gerechtfertigt. Die Gewissheit der meisten Endpunkte blieb niedrig, 44 Prozent der Studien trugen ein hohes Verzerrungsrisiko.
| Frage | Kurz nach dem Konsum | Über Wochen und Jahre |
|---|---|---|
| Depressive Symptome | Viele Nutzer berichten eine rasche, selbst eingeschätzte Linderung. | Längsschnitte zeigen höheres Risiko einer späteren Depression. |
| Angst und Anspannung | Ähnlich häufig gemeldete kurze Entlastung, oft nach wenigen Zügen. | Randomisierte Studien finden keinen belastbaren Dauergewinn. |
| Leitlinienlage | Keine Dosisempfehlung für eine depressive Episode. | CANMAT rät zum Meiden; NICE listet Cannabis nicht als Depressionsmittel. |
| Psychosegefahr | Hohe THC-Dosen können Wahn und Halluzinationen auslösen. | Früher, häufiger Konsum hängt stärker mit Schizophrenie zusammen. |
Wie wirken THC und CBD auf die Stimmung?
THC dockt vor allem an Cannabinoidrezeptoren im Gehirn an und erzeugt den Rausch. CBD tut das in dieser Form nicht und gilt deshalb oft als „sanfte“ Alternative. Cleveland Clinic (Aktualisierung 29. Juli 2026) erinnert, dass beide Stoffe das körpereigene Endocannabinoid-System überaktivieren können, das Stimmung, Gedächtnis und Appetit mitsteuert. Dieselbe Person kann an zwei Abenden ganz verschiedene Reaktionen erleben.
Die Cuttler-Daten widersprechen der Alltagsregel „mehr THC ist besser gegen tiefe Stimmung“. Die größten Depressionsänderungen lagen beim chemischen Profil mit viel CBD und wenig THC. Stress sprach eher auf hohe Anteile beider Stoffe plus viele Züge an. Das bleibt eine Korrelation in App-Protokollen, keine Dosisfindung. Nicht geprüfte Straßenware und viele im Netz angebotene Öle tragen keine verlässliche Angabe; Mayo Clinic zitiert eine Untersuchung von 84 im Netz gekauften CBD-Produkten, von denen mehr als ein Viertel weniger CBD enthielt als deklariert und 18 zusätzlich THC.
MedlinePlus und NIDA beschreiben kurze Effekte von THC: veränderte Zeitwahrnehmung, gelockerte oder gereizte Stimmung, langsamere Reaktion, Heißhunger, Konzentrationslücken. In hoher Dosis können Angst, Panik, Wahn und Halluzinationen folgen. CBD allein berauscht nicht, kann aber müde machen, den Appetit senken und den Darm reizen. Wer beides mischt, trägt beide Profile, plus die Unsicherheit, was wirklich in der Packung steckt.
Kann reines CBD eine Depression behandeln?
Reines CBD ist kein zugelassenes Mittel gegen Depression. Die US-Arzneimittelbehörde hat laut Mayo Clinic (6. Dezember 2022) bislang nur ein verschreibungspflichtiges CBD-Öl (Epidiolex) für seltene Epilepsieformen freigegeben. Dronabinol und Nabilon, synthetische THC-Verwandte, gelten für Chemotherapie-Übelkeit und, bei Dronabinol, für Appetitverlust bei HIV. Keines dieser Präparate trägt die Indikation unipolare Depression.
Black fand 2019 kaum randomisierte Arbeiten zu pharmazeutischem CBD oder pflanzlichem Cannabis bei psychischen Störungen. Wilson 2026 konnte Angst, Psychose und posttraumatische Belastung meta-analytisch prüfen und fand dort keine signifikanten Effekte; für Depression reichten die Daten nicht einmal zur Zusammenfassung. Offene Beobachtungen und Forenberichte ersetzen diese Lücke nicht. Ein laufendes Prüfprogramm zu CBD-Öl bei therapieresistenter Depression ändert die heutige Versorgung nicht, solange Ergebnisse fehlen.
Nebenwirkungen bleiben auch ohne Rausch relevant. Mayo nennt Mundtrockenheit, Durchfall, verminderten Appetit, Schläfrigkeit und Erschöpfung. CBD kann den Abbau anderer Arzneistoffe verändern, ausdrücklich genannt werden Gerinnungshemmer. Der NHS ergänzt, CBD und THC könnten die Leber belasten; unter Fertigarzneimitteln seien Kontrollen üblich. Wer bereits ein Antidepressivum, ein Schlafmittel oder einen Blutverdünner nimmt, sollte ein frei verkäufliches Öl nicht still dazu mischen.
Verschlechtert regelmäßiger Konsum die Depression?
Wiederholter Konsum kann die Grundstimmung eher belasten als heben, auch wenn der einzelne Zug kurz entlastet. Cuttler beobachtete genau dieses Auseinanderlaufen: Die wahrgenommene Wirkung blieb über die Sitzungen ähnlich, die Ausgangsstimmung der Depression kletterte. Churchill, Chubb und Mitautorinnen aktualisierten 2025 die klassische Lev-Ran-Übersicht. 22 Längsschnittstudien, die Depression zu Beginn mitberücksichtigten, ergaben ein Chancenverhältnis von 1,29 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,13–1,46) für eine spätere Depression bei Cannabiskonsum gegenüber Nichtkonsum.
Gobbi und Kollegen (JAMA Psychiatry, 1. April 2019) blickten auf Konsum vor dem 18. Lebensjahr und Folgen im jungen Erwachsenenalter. Aus 11 Studien mit 23 317 Personen lag das Chancenverhältnis für Depression bei 1,37 (1,16–1,62), für Suizidgedanken bei 1,50 (1,11–2,03) und für Suizidversuche bei 3,46 (1,53–7,84). Die Angstschätzung blieb unsicher. Die Autorinnen betonten: Das individuelle Risiko ist mäßig, die öffentliche Last trotzdem groß, weil viele Jugendliche konsumieren.
Kuhns und Cousijn beschrieben 2021 in einer narrativen Übersicht eine mögliche wechselseitige Beziehung: Manche Menschen greifen zur Selbstmedikation, der Konsum kann die Erkrankung aber mitformen. Gemeinsame Gene und Lebensumstände erklären einen Teil. CANMAT wertete 56 Arbeiten und mehr als zwei Millionen Datensätze; Cannabis hing mit schwererem Verlauf und schlechterer Funktion bei Depression und bipolarer Störung zusammen. Eine gezielte Therapie der komorbiden Gebrauchsstörung plus Depression zeigte in der einzigen gefundenen Studie keinen klaren Gewinn.
Psychose, Suizidgedanken und andere Warnzeichen
Cannabis kann die Wahrnehmung verzerren und in manchen Fällen eine Psychose anstoßen. Die CDC-Seite zu Cannabis und psychischer Gesundheit (15. Februar 2024) nennt Desorientierung, unangenehme Gedanken, Angst und Paranoia als akute Reaktionen. Konsumierende entwickeln häufiger Psychosen und länger anhaltende Erkrankungen einschließlich Schizophrenie; der Zusammenhang ist stärker, wenn der Konsum früh beginnt und häufig bleibt. Dieselbe Seite verknüpft Cannabis mit Depression, sozialer Angst sowie Suizidgedanken, -versuchen und Suizid.
Cleveland Clinic beschreibt bei hohen Dosen Wahn, Halluzinationen und Psychose. Der NHS warnt vor Psychose und Abhängigkeit, besonders bei THC-reichen Produkten; Straßenware ohne bekannte Stärke gilt als riskanteste Form. Wilson fand 2026 keine Zunahme schwerer Unerwünschter Ereignisse in den eingeschlossenen Zufallsstudien, wohl aber häufiger beliebige Nebenwirkungen (Chancenverhältnis 1,75; etwa eine von sieben Personen betroffen). Studienpopulationen sind jünger, männlicher und stärker ausgewählt als die Hausarztpraxis.
Jugendliche Gehirne tragen ein extra Risiko. Die CDC-Seite zur Gebrauchsstörung (5. Dezember 2024) verweist auf mittlere Evidenz, dass hochpotentes THC bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit fortgesetztem Konsum und späteren psychischen Symptomen zusammenhängt. Gobbis Suizidversuchs-Schätzung betrifft genau diese Altersspanne. Wer in der Familie Schizophrenie oder bipolare Störung kennt, sollte THC nicht als Stimmungsregler testen.
Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme?
Gedrückte Stimmung über mindestens zwei Wochen, Freudlosigkeit, Schlafstörung, Schuldgefühle oder Gedanken, besser tot zu sein, gehören in die Hausarztpraxis oder zur Psychiatrie, nicht in die Selbstmedikation. NICE NG222 zur Depression bei Erwachsenen (Prüfung 30. Januar 2026) nennt als erste Wege Gespräche, strukturierte Psychotherapie und, bei schwereren Episoden, Antidepressiva; Cannabis kommt in dieser Liste nicht vor. Ein ehrliches Gespräch über Konsum, Menge, THC-Stärke und Entzugszeichen hilft der Behandelnden, Wechselwirkungen und Rückfallrisiko einzuschätzen.
Sofort den Notruf 112 wählen, wenn Suizidpläne konkret werden, Stimmen auftreten, die zur Selbst- oder Fremdverletzung drängen, oder die Realität kippt. Halluzinationen, Verfolgungswahn und plötzliche schwere Verwirrtheit nach einem Joint, einem Verdampfer oder einem essbaren Produkt sind ein Notfall, auch wenn „es nur Cannabis war“. Die Telefonseelsorge und örtliche Krisendienste sind rund um die Uhr erreichbar, falls die Gefahr weniger akut, die Enge aber unerträglich ist.
Diese Zeichen rechtfertigen eine zeitnahe Vorstellung, auch ohne Notarzt:
- Der Konsum steuert den Tag, obwohl Stimmung oder Arbeit darunter leiden.
- Entzug bringt Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Appetitverlust und starkes Verlangen.
- Nach dem Absetzen kehrt die Depression stärker zurück als zuvor.
- Familie oder Freunde berichten von Persönlichkeitsänderung, Rückzug oder Paranoia.
- Schwangerschaft, Stillzeit oder ein Alter unter 18 Jahren: THC und CBD sind hier besonders ungünstig.
Abhängigkeit, Entzug und hochdosiertes THC
Cannabis kann abhängig machen, auch wenn viele das Gegenteil annehmen. Die CDC schätzt, dass etwa 3 von 10 Konsumierenden eine Cannabisgebrauchsstörung entwickeln; das Risiko steigt bei Beginn in der Jugend und bei häufigem Gebrauch. Zeichen sind unter anderem mehr zu nehmen als geplant, erfolglose Aufhörversuche, Craving, fortgesetzter Konsum trotz Schäden in Familie oder Beruf und das Aufgeben anderer Tätigkeiten. Manche brauchen steigende Mengen oder höhere THC-Konzentrationen für denselben Rausch.
Die mittlere THC-Konzentration in Untersuchungsproben stieg laut CDC von 9 Prozent im Jahr 2008 auf 17 Prozent 2017. Online-Angebote in drei US-Bundesstaaten mit legalem Erwachsenenkonsum lagen im Mittel bei 22 Prozent, die Spanne reichte bis 45 Prozent. Hochkonzentrierte Extrakte zum Verdampfen können noch höher dosieren. Cuttlers „zehn Züge gegen Stress“ stammen aus einer Zeit und einer App-Gruppe, die solche Extrakte nur teilweise abbildet. Wer heute denselben Zugzähler anwendet, trifft oft ein deutlich potenteres Produkt.
Entzug ist unangenehm, selten lebensbedrohlich. MedlinePlus nennt Reizbarkeit, Schlafstörung, Appetitverlust, Angst und Verlangen. Genau diese Mischung kann eine bestehende Depression nachahmen oder verstärken. Deshalb wirkt „nur noch abends ein Zug, damit ich schlafe“ oft wie eine Falle: Der kurze Schlafgewinn nährt den nächsten Abend. Wilson fand 2026 Hinweise, dass eine CBD-THC-Kombination Entzugssymptome und die wöchentliche Menge bei Gebrauchsstörung etwas senken kann; die Evidenzqualität war niedrig, und das ist eine ärztlich geplante Indikation, kein Freibrief für Selbstversuche.
Was statt Selbstmedikation helfen kann
Wirksame Wege gegen eine depressive Episode sind bekannt und in Leitlinien beschrieben. NICE NG222 stellt für leichtere Episoden strukturierte Selbsthilfe, Verhaltenstherapie und andere gesprächsbasierte Verfahren vor, für schwerere Episoden Psychotherapie plus Antidepressivum, bei Bedarf weitere Linien bis zur Stimulationsbehandlung. Keiner dieser Pfade verlangt, zuerst Cannabis zu testen. Wer bereits konsumiert, kann mit der Ärztin ein Reduktionsziel festlegen; manchen hilft ein suchtmedizinisches Angebot parallel zur Depressionsbehandlung.
Schlaf, Bewegung und Alkohol verdienen denselben nüchternen Blick wie der Joint. THC kann die Einschlafzeit verkürzen und die Schlafarchitektur stören; Wilson sah in Insomnie-Studien etwas mehr Schlafzeit unter Cannabinoiden, bei niedriger Gewissheit. Wer morgens bleiern aufwacht, sollte den Abendkonsum als möglichen Mitspieler nennen. Alkohol plus Cannabis verstärkt Sedierung und Urteilslücken. Autofahren unter THC bleibt riskant: langsamere Reaktion und schlechtere Spurhaltung sind dokumentiert.
Frei verkäufliche CBD-Tropfen aus dem Reformhaus ersetzen weder Diagnostik noch Rezeptarznei. Der NHS betont, Menge und Reinheit solcher Produkte seien oft unklar, der CBD-Gehalt häufig gering. Mayo rät, vor dem Start die Ärztin zu fragen. Das ist keine Formalität: Wechselwirkungen und falsche Etiketten sind der Grund, nicht Bevormundung.
Häufige Fragen
Hilft ein einziger Zug Cannabis gegen Depression?
Ein einzelner Zug ist in der Cuttler-Arbeit von 2018 keine belegte Mindestdosis. Zwei Züge reichten dort, damit App-Nutzer Depression und Angst niedriger einstuften, jeweils ohne Placebokontrolle. Die Linderung betraf den Moment, nicht die Erkrankung über Wochen. Leitlinien und die Wilson-Metaanalyse 2026 sehen darin keine Therapie.
Ist CBD besser als THC bei gedrückter Stimmung?
Hohes CBD bei niedrigem THC hing in den App-Daten mit den größten Depressionsänderungen zusammen. Das beweist nicht, dass CBD eine Depression behandelt. Mayo Clinic stellt klar, dass außerhalb seltener Epilepsien der Nutzen unzureichend belegt ist. THC-reiche Produkte tragen zusätzlich das höhere Risiko für Rausch, Angst und Psychose.
Kann Cannabis eine Depression dauerhaft verschlechtern?
Ja, das ist nach Längsschnitten plausibel, auch wenn Ursache und Wirkung nicht bei jeder Person feststehen. Cuttler sah steigende Ausgangswerte trotz gleichbleibend empfundener Kurzzeitwirkung. Churchill 2025 fand ein Chancenverhältnis von 1,29 für spätere Depression. CANMAT verknüpft Konsum mit ungünstigerem Verlauf und mehr Suizidalität.
Empfehlen Ärztinnen Cannabis gegen eine Depression?
Nein, nicht als Standard. NICE NG144 listet andere Indikationen, der NHS hält Rezepte für sehr wenige Patientinnen vor. CANMAT rät bei unipolarer Depression zum Meiden, bei bipolarer Störung noch bestimmter. Wilson 2026 nennt den Routineeinsatz bei psychischen Störungen selten gerechtfertigt.
Wann ist Cannabis bei Depression gefährlich?
Gefährlich wird es vor allem bei Suizidgedanken, Psychosezeichen, bipolarer Störung, sehr jungem Alter und hochpotenten THC-Produkten. Die CDC verknüpft Konsum mit Suizidgedanken und -versuchen. Familiäre Schizophrenie erhöht das Psychoserisiko. Schwangerschaft und Stillzeit sind laut Fachgesellschaften und FDA ungünstige Zeiten für THC und CBD.
Was tun statt Cannabis bei depressiver Stimmung?
Zuerst die Ärztin oder einen psychiatrischen Dienst aufsuchen und die Symptome benennen, einschließlich des Konsums. Leitlinien setzen auf Psychotherapie und, wenn nötig, Antidepressiva. Wer nicht mehr aufhören kann, braucht parallel ein Angebot für die Gebrauchsstörung. Bei konkreter Suizidgefahr zählt der Notruf 112, nicht der nächste Zug.
Fazit
Der kurze Trost nach ein oder zwei Zügen erklärt, warum so viele Menschen Cannabis gegen tiefe Stimmung ausprobieren. Dieselbe Datenlage, die diesen Trost beschreibt, zeigt zugleich, dass die Grundstimmung über die Zeit eher sinkt und dass randomisierte Belege für eine Depressionsbehandlung fehlen. Seit 2018 haben CANMAT, NICE und zwei große Lancet-Psychiatry-Übersichten die Richtung verschärft: nicht empfehlen, bei Stimmungsstörungen eher abraten.
Wer schon konsumiert, muss sich nicht schämen und sollte den Konsum trotzdem zur Sprache bringen. Menge, THC-Anteil, Uhrzeit und das, was nach dem Absetzen passiert, gehören in dieselbe Akte wie Schlaf und Suizidgedanken. Ein Reduktionsplan mit medizinischer Begleitung ist oft der sicherere nächste Schritt als ein neues chemisches Profil aus dem Laden.
Neue Halluzinationen, Verfolgungsideen oder ein konkreter Sterbewunsch sind Notfälle. Dafür gibt es den Notruf und Krisendienste, unabhängig davon, ob zuletzt ein Joint, ein Öl oder gar nichts im Spiel war. Die Depression selbst bleibt behandelbar, nur eben nicht mit einem Hauch Cannabis als Ersatz für geprüfte Hilfe.
Quellen
- Cuttler C, Spradlin A, McLaughlin RJ: A naturalistic examination of the perceived effects of cannabis on negative affect. Journal of Affective Disorders, 6. April 2018.
- Black N, Stockings E et al.: Cannabinoids for the treatment of mental disorders and symptoms of mental disorders: a systematic review and meta-analysis. The Lancet Psychiatry, 28. Oktober 2019.
- Wilson J, Dobson O et al.: The efficacy and safety of cannabinoids for the treatment of mental disorders and substance use disorders: a systematic review and meta-analysis. The Lancet Psychiatry, 16. März 2026.
- Churchill V, Chubb CS et al.: The association between cannabis and depression: an updated Systematic Review and Meta-analysis. Psychological Medicine, 12. Februar 2025.
- Gobbi G, Atkin T et al.: Association of Cannabis Use in Adolescence and Risk of Depression, Anxiety, and Suicidality in Young Adulthood: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Psychiatry, 1. April 2019.
- Tourjman SV, Buck G et al.: Canadian Network for Mood and Anxiety Treatments (CANMAT) Task Force Report: A Systematic Review and Recommendations of Cannabis use in Bipolar Disorder and Major Depressive Disorder. The Canadian Journal of Psychiatry, 16. Juni 2022.
- National Institute for Health and Care Excellence: Cannabis-based medicinal products. National Institute for Health and Care Excellence, 20. Mai 2025.
- National Health Service: Medical cannabis (cannabis oil). National Health Service, 27. Mai 2022.
- Centers for Disease Control and Prevention: Cannabis and Mental Health. Centers for Disease Control and Prevention, 15. Februar 2024.
- Centers for Disease Control and Prevention: Understanding Your Risk for Cannabis Use Disorder. Centers for Disease Control and Prevention, 5. Dezember 2024.
- Mayo Clinic: CBD: Safe and effective?. Mayo Clinic, 6. Dezember 2022.
- Cleveland Clinic: Cannabis (Marijuana, Weed): What It Is, Uses & Side Effects. Cleveland Clinic, 29. Juli 2026.
