Elektrostimulationspflaster bei Migräne: Nutzen und Grenzen

Elektrostimulationspflaster bei Migräne: Nutzen und Grenzen

Ein Elektrostimulationspflaster am Oberarm kann den Schmerz einer Migräneattacke bei einem Teil der Betroffenen innerhalb von zwei Stunden lindern. Es ersetzt weder die ärztliche Diagnose noch die etablierten Akutmittel, und es heilt die Erkrankung nicht.

Die ältere Berichterstattung stützte sich auf eine kleine Prüfung mit 71 Personen. Seither liegt eine größere Zufallsstudie vor, die US-Arzneimittelbehörde hat ein verschreibungspflichtiges Armband freigegeben, und Fachgesellschaften haben die Geräte in ihre Texte aufgenommen. Wer häufige oder schwere Attacken hat, braucht trotzdem einen Plan aus Auslösern, Akutmittel und oft Vorbeugung. Das Pflaster ist ein Werkzeug in diesem Plan, kein Ersatz für ihn.

Was leistet das Pflaster in einer Attacke?

In der entscheidenden Prüfung von 2019 erreichten 66,7 Prozent der Teilnehmenden mit echter Stimulation nach zwei Stunden eine Schmerzlinderung, gegenüber 38,8 Prozent mit Scheinreizung. Linderung bedeutete dort den Sprung von starkem oder mittlerem Schmerz auf leicht oder keinen Schmerz, oder von leichtem Schmerz auf keinen.

Die gleiche Arbeit von Yarnitsky und Kollegen im Journal Headache randomisierte 252 Erwachsene mit zwei bis acht Migränetagen im Monat. Das drahtlose Armband lag innerhalb der ersten Stunde nach Beginn der Attacke am Oberarm, die Sitzung dauerte 30 bis 45 Minuten, die Intensität blieb spürbar, aber nicht schmerzhaft. Schmerzfreiheit nach zwei Stunden lag bei 37,4 Prozent gegen 18,4 Prozent. Das belästigendste Begleitsymptom – oft Übelkeit, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit – ließ bei 46,3 Prozent nach, in der Scheingruppe bei 22,2 Prozent. Der Vorsprung blieb in den Messungen nach 48 Stunden erkennbar.

Gerätbezogene unerwünschte Ereignisse waren selten und in beiden Armen ähnlich: 4,8 Prozent gegen 2,4 Prozent. Ein älterer Satz, das Verfahren habe „keine Nebenwirkungen“, hält dieser Zahl nicht stand. Die Metaanalyse von Moisset und Kollegen aus dem Jahr 2020 wertete die entfernte elektrische Neuromodulation als wirksam für die Akutbehandlung; die gepoolte relative Chance, nach zwei Stunden schmerzfrei zu sein, lag bei 2,14, die Zahl der zu Behandelnden bei etwa 3,6 bis 5. Die Autoren stuften die Evidenzlage für Neuromodulation insgesamt als schwach ein, weil viele Einzelstudien klein oder methodisch angreifbar sind.

Wer das Gerät ausprobiert, sollte die erste Sitzung nicht als Beweis für ein Leben ohne Tabletten lesen. Ein Drittel der aktiv Behandelten blieb in der 2019er Prüfung ohne die definierte Linderung. Die Scheinrate von knapp 39 Prozent erinnert daran, dass Migräneschmerz auch ohne Strom nachlässt oder sich durch Erwartung ändert.

[Eine Frau mit Migräne]

Wie kommt der Strom vom Arm zur Schmerzhemmung?

Die Reizung sitzt absichtlich weit weg vom Kopf. Periphere Nerven unter der Haut des Oberarms sollen eine körpereigene Hemmung anstoßen, die Fachleute konditionierte Schmerzmodulation nennen: Ein erträglicher Reiz an einer Stelle dämpft Schmerz an einer anderen.

Yarnitsky und Kollegen beschreiben diesen Weg als absteigende Hemmung im Hirnstamm. Die Impulse bleiben unterhalb der Schmerzschwelle. Die FDA-Zusammenfassung zu Nerivio nennt biphasische, rechteckige Pulse, eine maximale Stromstärke von 40 Milliampere und eine automatische Abschaltung nach 45 Minuten. Die Patientin oder der Patient stellt die Stärke über eine Anwendung auf dem Mobiltelefon so hoch ein, wie sie gerade noch ohne Schmerz erträglich ist. Das Armband enthält Elektroden, Schaltung und Batterie; die Steuerung läuft per Funk.

Diese Lage unterscheidet das Verfahren von Stirnreifen, die den Nervus supraorbitalis treffen, und von Halsgeräten am Vagusnerv. Mayo Clinic zählt 2025 mehrere nichtinvasive Verfahren auf, darunter die distale transkutane Elektrostimulation an Rumpf oder Gliedmaße. Der Vorteil der Armposition ist praktisch: Das Gerät stört Brille, Frisur und Arbeitsplatz weniger als ein Stimulator an Stirn oder Nacken.

Ob jede Person diese Hemmung gleich stark auslöst, ist offen. Manche Menschen haben eine schwache konditionierte Schmerzmodulation; bei ihnen kann dasselbe Protokoll weniger bewirken. Deshalb bleibt ein Therapieversuch mit klaren Zielen sinnvoller als die Erwartung, jedes Pflaster müsse bei jedem Anfall greifen.

Was änderte sich zwischen der kleinen Studie und der großen Prüfung?

Die Seite von 2018 stützte sich auf eine Überkreuzprüfung in Neurology mit 71 auswertbaren Patienten und 20 Minuten Reizung. Damals erreichten 64 Prozent mit den besten Pulsbreiten eine Halbierung des Schmerzes, gegenüber 26 Prozent mit Schein. Wer innerhalb von 20 Minuten nach Attackenbeginn startete, schnitt besser ab als später Beginnende. Die American Academy of Neurology stufte das als Klasse-III-Evidenz ein.

Die multizentrische Arbeit von 2019 war größer, prüfte fest 30 bis 45 Minuten und definierte Endpunkte nach den Regeln der International Headache Society für Akutstudien. Genau diese Daten trugen die Freigabe. Im Mai 2019 erhielt das Vorgängermodell Nerivio Migra in den USA eine De-novo-Klassifikation für die Akutbehandlung Erwachsener ohne chronische Migräne. Im Oktober 2020 strich die FDA mit dem Bescheid K201824 die Einschränkung auf nichtchronische Verläufe. Das Gerät blieb verschreibungspflichtig, für zu Hause, einzusetzen bei Beginn von Kopfschmerz oder Aura, vorgesehen für Personen ab 18 Jahren.

Offene Studien, die die Behörde 2020 zitierte, prüften chronische Migräne ohne Scheinarm. In einer Kohorte mit 91 auswertbaren Testattacken lag die Linderung nach zwei Stunden bei 59,3 Prozent, Schmerzfreiheit bei 20,9 Prozent. Solche Zahlen dürfen die placebokontrollierte Rate nicht ersetzen; sie erklären nur, warum die Behörde die Diagnosegrenze verschob.

Der frühe Vergleich mit Triptanen aus der Pilotphase bleibt eine Interpretation, keine Kopf-an-Kopf-Studie. Wer Tabletten nicht verträgt oder zu oft braucht, kann ein Gerät als Ergänzung erwägen. Wer gut auf Sumatriptan oder ein Gepant anspricht, hat keinen Zwang, umzustellen.

Hilft das Gerät auch vorbeugend?

Jeden zweiten Tag angewendet, senkte die Stimulation in einer Prüfung von 2023 die Zahl der Migränetage stärker als eine Scheinreizung. Tepper und Kollegen randomisierten 248 Personen, 179 gingen in die angepasste Auswertung nach Behandlungsabsicht. Die aktive Gruppe verlor im Mittel 4,0 Migränetage pro Monat gegenüber der Vorbeobachtung, die Scheingruppe 1,3; der Unterschied betrug 2,7 Tage.

Der Effekt zeigte sich getrennt bei episodischer und chronischer Migräne: minus 3,2 gegen minus 1,0 Tage beziehungsweise minus 4,7 gegen minus 1,6. Mittelschwere oder schwere Kopfschmerztage sanken um 3,8 gegen 2,2. Eine Halbierung dieser Tage erreichten 51,6 Prozent gegen 35,7 Prozent. Tage mit Akutmittel gingen um 3,5 gegen 1,4 zurück. Schwere gerätebezogene Ereignisse wurden nicht berichtet. Die Interventionsphase dauerte acht Wochen nach vier Wochen Beobachtung.

Der Konsens der American Headache Society von 2021 nannte entfernte elektrische Neuromodulation noch als neues Akutverfahren, nicht als Vorbeugung. Drei andere Geräteklassen – elektrische Trigeminusreizung, nichtinvasive Vagusreizung und Einzelpuls-Magnetstimulation – galten damals schon für beides. Die Leitlinie der International Headache Society vom Oktober 2025 spricht für Nerivio eine schwache Empfehlung sowohl für die Attacke als auch für die Vorbeugung aus. Die Qualität der Belege reichte von sehr niedrig bis mittel. Schwache Empfehlung heißt: Der Nutzen kann die Last überwiegen, Unsicherheit bleibt, die Entscheidung gehört in das Gespräch mit der behandelnden Praxis.

Acht Wochen sind kurz für eine Dauertherapie. Die International Headache Society erinnert in ihren Texten zur Vorbeugung daran, dass sich ein vorbeugendes Verfahren oft erst nach Monaten beurteilen lässt. Wer nach wenigen Sitzungen nichts spürt, sollte das Gerät nicht vorschnell als gescheitert abhaken, aber auch nicht endlos ohne Nutzen fortsetzen.

Welche anderen Stimulationsgeräte gibt es?

Neben dem Armband stehen Stirnreifen, Halsstimulatoren und ein Magnetgerät am Hinterkopf. Mayo Clinic fasst 2025 transkutane supraorbitale Reizung, äußere Vagusreizung, distale Elektrostimulation und Einzelpuls-Magnetstimulation als nichtinvasive Optionen zusammen. Die IHS-Leitlinie 2025 gibt schwache Empfehlungen für mehrere CE- oder FDA-gekennzeichnete Produkte, nicht für jedes Gerät auf dem Markt.

Verfahren Ort der Reizung Rolle in den Texten 2021–2025 Belegstand
Entfernte elektrische Neuromodulation Oberarm Akut fest; Vorbeugung seit 2023/2025 schwach empfohlen Eine große Akutstudie, eine Vorbeugungsstudie
Supraorbitaler TENS Stirn Akut und Vorbeugung, IHS schwach Kleine bis mittlere Effekte, gemischte 2-Stunden-Freiheit
Nichtinvasive Vagusreizung Hals Vorbeugung IHS schwach; Akutdaten uneinheitlich Eine große Akutstudie ohne Vorteil bei Schmerzfreiheit
Einzelpuls-Magnetstimulation Hinterkopf Akut und Vorbeugung in älteren Freigaben Weniger große Zufallsprüfungen als beim Armband

Moisset und Kollegen fanden 2020 für die Vorbeugung Hinweise zugunsten invasiver Okzipitalnervenstimulation, supraorbitalem TENS, perkutaner Elektrostimulation und hochfrequenter Magnetstimulation über dem motorischen Kortex. Vagusreizung, präfrontale Magnetstimulation und kathodale Gleichstromreizung über M1 zeigten in ihrer Zusammenfassung keinen klaren Effekt, bei hoher Streuung. Invasive Stimulation bleibt Spezialzentren vorbehalten und ist kein Alltagsersatz für ein Armband.

Verfügbarkeit und Erstattung unterscheiden sich stark nach Land und Kasse. Die FDA-Freigabe gilt für die Vereinigten Staaten. In Europa prüft die behandelnde Ärztin oder der Arzt, ob ein gekennzeichnetes Gerät überhaupt erhältlich ist. Ein Online-Kauf ohne Diagnose umgeht genau die Auswahl, die AHS und IHS verlangen: gesicherte Migräne, klares Ziel, Kontrolle nach Wochen.

Wann bleiben Tabletten und Spritzen nötig?

Medikamente bleiben der Kern der Attackenbehandlung, sobald der Schmerz häufig, heftig oder mit Erbrechen verbunden ist. Mayo Clinic unterscheidet 2025 Mittel, die eine laufende Attacke stoppen sollen, von Mitteln, die Attacken seltener oder milder machen. Zu den Akutstoffen zählen Ibuprofen und Acetylsalicylsäure, Triptane wie Sumatriptan und Rizatriptan, Dihydroergotamin als Nasenspray, Lasmiditan sowie die Gepante Ubrogepant, Rimegepant und Zavegepant. Gegen Übelkeit kommen Metoclopramid oder Prochlorperazin dazu.

Triptane und Ergotamine sind bei erhöhtem Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall oft ungeeignet. Lasmiditan macht schläfrig; Autofahren ist danach stundenlang tabu. Gepante dürfen nicht mit starken CYP3A4-Hemmern kombiniert werden. Opioide und Barbiturate nennt Mayo nur als letzte Wahl, weil Abhängigkeit und Übergebrauch drohen. Schwangere sollen keines dieser Mittel ohne Rücksprache nehmen.

Vorbeugend stehen Betablocker, bestimmte Antidepressiva, Topiramat und Valproat, Onabotulinumtoxin A bei chronischer Migräne sowie Antikörper und Tabletten gegen CGRP bereit. Die American Headache Society hat 2024 CGRP-gerichtete Stoffe als Erstlinie der Vorbeugung benannt; Mayo Clinic zitiert diese Lage in der Fassung vom Juli 2025. Geräte ersetzen diese Stoffe nicht, wenn die Attackenfrequenz hoch bleibt.

Die Gesellschaft von 2021 sieht Neuromodulation als Zusatz, wenn ein migränespezifisches Akutmittel unzureichend wirkt oder wenn häufige Einnahme einen Übergebrauchskopfschmerz androht. Wer Medikamente meiden will oder Triptane nicht verträgt, kann ein Gerät allein versuchen. Das ist eine Option, kein Automatismus.

MedlinePlus und das National Institute of Neurological Disorders and Stroke stellen klar: Es gibt keine Heilung. Ziel ist, Symptome zu dämpfen und weitere Attacken zu verhindern. Ein Pflaster, das bei zwei von drei Personen lindert und bei einer von drei nichts Definiertes erreicht, fügt sich in genau dieses bescheidene Ziel.

Für wen ist elektrische Reizung ungeeignet?

Elektrische Impulse am Arm sind bei implantierten Herzschrittmachern, Defibrillatoren und ähnlichen aktiven Implantaten in der Regel ausgeschlossen. Metall im behandelten Arm, offene Haut, entzündete Stellen und die unmittelbare Nähe zu einer bekannten Krebsstelle sind weitere typische Stoppschilder der Geräteklasse. Die verbindliche Liste steht in der Gebrauchsanweisung des konkreten Modells, nicht in einem allgemeinen Ratgeber.

Schwere Herzschwäche, ausgeprägte Gefäßkrankheit und sehr junges Alter waren in den frühen Zulassungsstudien nicht geprüft. Die FDA-Angabe von 2020 nannte Erwachsene ab 18 Jahren. Spätere Erweiterungen und der AHS-Text von 2021 erwähnen Jugendliche ab 12 Jahren für einzelne Neuromodulatoren, darunter entfernte elektrische Neuromodulation. Ob ein Kind oder eine schwangere Person ein solches Gerät nutzen darf, entscheidet die behandelnde Praxis nach Diagnose, Begleiterkrankungen und lokaler Kennzeichnung.

Unkontrollierte Epilepsie und gestörtes Hautgefühl am Arm machen die Dosisfindung unsicher. Wer die Reizung als stechend oder brennend erlebt, soll abbrechen statt die Stärke hochzudrehen. Mehrere Sitzungen am selben Tag ohne Pause und ohne Seitenwechsel sind in den Herstellertexten nicht als sinnvoll beschrieben; mehr als eine Handvoll Anwendungen täglich bringt in der Regel keinen zusätzlichen Gewinn.

Scheinreizung bleibt in dieser Geräteklasse methodisch heikel. In der Pilotstudie brachen manche Teilnehmende der Scheingruppe vor Ablauf der Sitzung ab, vermutlich weil sie merkten, dass wenig passierte. Die große Studie von 2019 hielt die Verblindung besser, beseitigt den Zweifel aber nicht vollständig. Wer ein Gerät bewertet, sollte deshalb Tagebuch führen: Schmerzstärke vor und zwei Stunden nach der Sitzung, Begleitsymptome, Bedarf an Reserve-Tablette.

Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme?

Regelmäßige pochende Kopfschmerzen mit Lichtscheu, Übelkeit oder Einschränkung der Arbeit gehören in die Sprechstunde, nicht ins Abwarten. Mayo Clinic rät, Attacken und bisherige Mittel zu notieren und den Termin zu nutzen, sobald das Muster den Alltag stört. Ändert sich ein bekanntes Muster plötzlich, ist ebenfalls eine Vorstellung fällig.

Einige Zeichen erlauben kein Zuwarten. Mayo Clinic und der britische Gesundheitsdienst NHS nennen übereinstimmend den Donnerschlagkopfschmerz – ein Schmerz, der in Sekunden die schlimmste Stärke erreicht. Dazu kommen Fieber mit Nackensteifigkeit, Verwirrtheit, Krampfanfall, Doppelbilder, Taubheit oder Schwäche einer Körperseite, Kopfschmerz nach Verletzung, Schmerz der sich beim Husten oder Pressen verschärft, und ein neuer Kopfschmerz nach dem 50. Lebensjahr. NHS fordert bei plötzlichem Extremschmerz, Sprachstörung, Sehverlust, Benommenheit, Krampfanfall, Meningitiszeichen oder einseitiger Lähmung den Notruf.

Zeichen Nächster Schritt
Donnerschlag oder „schlimmster Kopfschmerz meines Lebens“ Sofort Notaufnahme oder 112
Fieber, steifer Nacken, Verwirrtheit, Krampfanfall Sofort Notaufnahme oder 112
Neue Schwäche, Sprach- oder Sehstörung Sofort Notaufnahme oder 112
Kopfschmerz nach Schlag auf den Kopf Sofort Notaufnahme oder 112
Attacke länger als 72 Stunden oder Aura länger als eine Stunde Am selben Tag ärztliche Hilfe, in Großbritannien über 111
Mehr als eine Attacke pro Woche, Mittel versagen, Alltag bricht ein Zeitnah Hausarzt oder Neurologie

Cleveland Clinic ergänzt 2024: neue neurologische Ausfälle, die vorher nie auftraten, sind ein Notfall, auch wenn jemand schon lange Migräne hat. Eine Aura, die sich über Minuten aufbaut und unter einer Stunde bleibt, gehört zum Krankheitsbild; eine schlagartig einsetzende halbseitige Lähmung nicht.

Bildgebung diagnostiziert Migräne nicht. Mayo Clinic erklärt, die Krankheit sei gestörte Funktion bei oft normaler Struktur. MRT oder CT dienen dem Ausschluss anderer Ursachen, wenn der Verlauf untypisch oder bedrohlich wirkt. Wer nur ein Pflaster sucht, ohne jemals eine Diagnose erhalten zu haben, überspringt genau diesen Schritt.

Was können Sie selbst tun, während Sie warten?

In der Attacke helfen Dunkelheit, Stille, Flüssigkeit und ein kühler Lappen auf der Stirn oft schon, bevor ein Mittel greift. NINDS und NHS nennen genau diese einfachen Schritte. Kleine Mengen Koffein können am Anfang mancher Attacken nützen; zu viel Kaffee gehört umgekehrt zu den Auslösern.

Mayo Clinic bündelt Alltagshebel unter dem Kürzel SEEDS: fester Schlaf, Bewegung, regelmäßige Mahlzeiten und Flüssigkeit, Tagebuch, Stressarbeit. Fünf Minuten Gehen pro Woche sind ein Anfang, plötzlicher Hochleistungssport kann selbst eine Attacke auslösen. Biofeedback, kognitive Verhaltenstherapie und Entspannungsübungen haben in klinischen Übersichten einen Platz, den auch NINDS und MedlinePlus nennen.

Auslöser sind individuell. Häufig genannt werden Hormonschwankungen, Alkohol, Schlafmangel oder zu viel Schlaf, grelles Licht, Wetterumschwung, ausgelassene Mahlzeiten und manche Zusatzstoffe. Ein Elternteil mit Migräne hebt das Risiko für die Kinder; Mayo Clinic nennt grob eine Chance von 50 Prozent, wenn ein Elternteil betroffen ist. Frauen sind etwa dreimal so oft betroffen wie Männer. MedlinePlus schätzt den Anteil in den Vereinigten Staaten auf rund 12 Prozent. Cleveland Clinic spricht von durchschnittlich zwei bis vier Attacken im Monat, mit großer Streuung.

Schmerzmittel an mehr als zwei Tagen pro Woche können nach NHS den Kreis aus Schmerz und Nachdosieren verstärken. Mayo Clinic setzt die Schwelle für Acetylsalicylsäure und Ibuprofen bei mehr als 14 Tagen im Monat, für Triptane bei mehr als neun Tagen. Wer so oft greift, braucht eher eine Vorbeugung als ein weiteres Akutwerkzeug. Das Armband kann in genau dieser Lage die Zahl der Tablettentage senken, wie die Vorbeugungsstudie 2023 andeutete. Es entbindet nicht von der Regel, den Verbrauch zu zählen.

Nahrungsergänzungen wie Riboflavin, Magnesium oder Coenzym Q10 erwähnt Mayo mit gemischter Evidenz. Pestwurz rät dieselbe Quelle wegen Sicherheitsbedenken ab. Kein Kraut ersetzt die Abklärung, ob wirklich Migräne vorliegt.

Häufige Fragen

Hilft ein Elektrostimulationspflaster wirklich gegen Migräne?

Bei einem Teil der Erwachsenen ja, gemessen als Linderung nach zwei Stunden. Die große Zufallsstudie von 2019 zeigte 66,7 Prozent gegen 38,8 Prozent mit Scheinreizung. Etwa jede dritte aktiv behandelte Person erreichte den festgelegten Endpunkt nicht. Die IHS-Leitlinie 2025 stuft die Empfehlung deshalb als schwach ein.

Kann ich Tabletten weglassen, wenn ich das Pflaster nutze?

Nur nach Absprache und nur, wenn Attacken selten bleiben und das Gerät zuverlässig greift. AHS 2021 erlaubt einen alleinigen Versuch, wenn Medikamente unerwünscht oder kontraindiziert sind. Bei häufigen Anfällen, Erbrechen oder Versagen der Stimulation bleibt ein migränespezifisches Akutmittel nötig. Den Verbrauch von Schmerzmitteln sollten Sie weiter zählen.

Wie lange bleibt das Gerät am Arm, und wann soll ich starten?

In der Zulassungsbeschreibung dauert eine Sitzung 45 Minuten, in der Studie 2019 30 bis 45 Minuten. Der Start gehört in die erste Stunde nach Beginn von Schmerz oder Aura, besser möglichst früh. Die Intensität soll spürbar, aber nicht schmerzhaft sein. Nach dem Abschalten wertet man den Schmerz nach zwei Stunden, nicht nach zwei Minuten.

Darf ich das Pflaster bei Aura oder bei chronischer Migräne verwenden?

Die FDA-Angabe von 2020 umfasst Attacken mit und ohne Aura und ließ die frühere Grenze „keine chronische Migräne“ fallen. Die Vorbeugungsstudie 2023 schloss beide Verlaufsformen ein. Aura, die länger als eine Stunde bleibt oder mit neuen Ausfällen einhergeht, ist trotzdem ein Grund für sofortige Hilfe, unabhängig vom Gerät.

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Lokales Kribbeln, Hautreizung und selten Kopfmissempfindungen kamen in den Studien vor. In der Akutprüfung 2019 lagen gerätebezogene Ereignisse bei 4,8 Prozent, ohne schweres Signal. Offene Kohorten zur chronischen Migräne berichteten Einzelfälle wie Armschmerz oder Sehstörung, die wieder abklangen. Jede neue Brustenge, Ohnmacht oder anhaltende Sehstörung gehört nicht zum erwarteten Profil und braucht ärztliche Klärung.

Wann ist ein Kopfschmerz ein Notfall?

Wenn er blitzartig und extrem einsetzt, nach einem Trauma kommt oder mit Fieber, steifem Nacken, Verwirrtheit, Krampfanfall, Doppelbildern, Sprachstörung oder einseitiger Schwäche einhergeht. Mayo Clinic und NHS listen diese Zeichen als Anlass für die Notaufnahme. Ein bekanntes, langsam aufgebautes Migränemuster ohne neue Ausfälle ist das nicht.

Fazit

Das Armband mit Stromimpulsen ist aus einem kleinen, hoffnungsvollen Versuch von 2017 ein geprüftes Akutverfahren geworden. Die Zahlen von 2019 und 2023 rechtfertigen einen kontrollierten Versuch bei gesicherter Migräne, vor allem wenn Tabletten nicht passen oder zu oft gebraucht werden. Sie rechtfertigen keine Werbung vom Typ „endlich ohne Medikamente“.

Wer morgen etwas ändern will, notiert die nächsten Attacken, prüft den Verbrauch von Schmerzmitteln und spricht in der Sprechstunde drei Punkte an: Diagnose, Akutmittel, Vorbeugung. Ein Gerät kommt dazu, wenn es erhältlich ist und nach Wochen im Tagebuch einen erkennbaren Vorteil zeigt. Donnerschlag, neue Lähmung oder Fieber mit Nackensteifigkeit gehören nicht in diese Planung, sondern an den Notruf.

Heilung verspricht keines der Verfahren. Die IHS-Leitlinie 2025 bleibt bei schwachen Empfehlungen, weil die Studienlage dünner ist als bei vielen Arzneimitteln. Genau diese Ehrlichkeit schützt vor enttäuschten Käufen und vor dem nächsten Übergebrauch, wenn das Pflaster einmal nicht reicht.

Quellen

  1. Yarnitsky D, Dodick DW et al.: Remote Electrical Neuromodulation (REN) Relieves Acute Migraine: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled, Multicenter Trial. Headache, 9. Mai 2019.
  2. Tepper SJ, Rabany L et al.: Remote electrical neuromodulation for migraine prevention: A double-blind, randomized, placebo-controlled clinical trial. Headache, 27. Januar 2023.
  3. Ailani J, Burch RC et al.: The American Headache Society Consensus Statement: Update on integrating new migraine treatments into clinical practice. Headache, 23. Juni 2021.
  4. Yuan H, Orr SL et al.: International Headache society evidence-based guidelines on the use of non-invasive neuromodulation devices for the acute and preventive treatment of migraine. Cephalalgia, 21. Oktober 2025.
  5. Moisset X, Pereira B et al.: Neuromodulation techniques for acute and preventive migraine treatment: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. The Journal of Headache and Pain, 10. Dezember 2020.
  6. U.S. Food and Drug Administration: 510(k) Premarket Notification. U.S. Food and Drug Administration, 23. Oktober 2020.
  7. Mayo Clinic: Migraine – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 8. Juli 2025.
  8. Mayo Clinic: Migraine – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 8. Juli 2025.
  9. National Institute of Neurological Disorders and Stroke: Migraine | National Institute of Neurological Disorders and Stroke. National Institute of Neurological Disorders and Stroke, Stand: 2025.
  10. MedlinePlus: Migraine – MedlinePlus. MedlinePlus, National Library of Medicine, Stand: 2024.
  11. Cleveland Clinic: Migraine: What It Is, Types, Causes, Symptoms & Treatments. Cleveland Clinic, 23. Januar 2024.
  12. National Health Service: Migraine – NHS. National Health Service, 10. März 2026.
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