
Eine Smartphone-App kann kein Melanom feststellen und auch nicht zuverlässig ausschließen. Die American Academy of Dermatology (AAD) schreibt, Stand Juli 2023, dass Verbraucherprogramme zur Hautdiagnose in den USA nicht von der Food and Drug Administration (FDA) zugelassen sind; in Tests verfehlten Anwendungen, die ein Melanom erkennen sollten, 41 Prozent der Fälle. Eine grüne Ampel auf dem Display ersetzt weder Blickdiagnose noch Dermatoskopie noch Gewebeprobe.
Das ändert nichts daran, dass frühe Entdeckung zählt. In der BMJ-Übersicht von Freeman und Kollegen (2020) liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei rechtzeitig erkanntem Melanom bei 91 bis 95 Prozent; zugleich trägt dieser Tumor trotz geringerer Häufigkeit bis zu 75 Prozent der Hautkrebs-Todesfälle. Wer einen neuen oder veränderten Fleck sieht, braucht einen Termin, nicht eine Beruhigung durch Software. Erinnerungen an Lichtschutz und Selbstkontrolle können helfen. Die Entscheidung, ob eine Stelle verdächtig ist, bleibt ärztlich.
Können Apps Hautkrebs wirklich erkennen?
Nein. Kein frei herunterladbares Kameraprogramm ersetzt die Untersuchung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Die AAD unterscheidet klar zwischen Erinnerungshelfern und Programmen, die nach einem Foto eine Diagnose oder eine Liste möglicher Krankheiten ausgeben. Die zweite Gruppe hält sie für riskant, weil Laien dann selbst sortieren müssen, welche Treffer stimmen.
Zwei technische Wege vermischen sich im App-Store oft in einem Versprechen. Automatische Verfahren bewerten ein Handyfoto mit einem fest verdrahteten Algorithmus und nennen Risiko, Ampelfarbe oder eine Verdachtsliste. Beim Speichern-und-Weiterleiten geht dasselbe Bild an einen Menschen, meist an eine Dermatologin. Cochrane fand 2018 für den zweiten Weg in einer kleinen Studie eine Sensitivität von 98 Prozent, allerdings bei einer Spezifität von nur 30 Prozent: Fast jedes eingesandte Bild wirkte auffällig genug für weitere Abklärung. Der Automat lag deutlich tiefer.
Werbeclaims aus den Jahren um 2018 klangen oft so, als liefere das Telefon innerhalb eines Tages eine „professionelle Ferndiagnose“. Freeman und Team halten fest, dass die US-Handelskommission die Anbieter von MelApp und Mole Detective wegen irreführender Melanom-Risikoaussagen bußgeldte. Beide Titel verschwanden später vom Markt. Ein CE-Zeichen oder eine Beta-Phase in einem anderen Land beweist nicht, dass das Programm in Ihrer Wohnung, mit Ihrer Kamera und Ihrer Haut dasselbe leistet wie in der Zulassungsbroschüre.
Die AAD nennt den Kernschaden beim Namen: Eine falsche Entwarnung kann den Arztbesuch hinauszögern. Beim Melanom bedeutet Zeit oft dickeren Tumor und schwerere Therapie. Umgekehrt erzeugt eine Kette falsch-positiver Alarme Angst und unnötige Exzisionen. Beides ist kein Randproblem der Technik, sondern die typische Fehlerbilanz dieser Werkzeuge.
Wie genau sind die Algorithmen in Studien?
Unabhängige Übersichten zeigen eine große Streuung und oft schlechte Studienqualität, nicht eine zuverlässige Früherkennung in der Hosentasche. Cochrane wertete 2018 zwei Untersuchungen mit 332 verdächtigen Stellen und 86 Melanomen aus. Vier automatische Anwendungen lagen bei der Sensitivität zwischen 7 und 73 Prozent, bei der Spezifität zwischen 37 und 94 Prozent. Zwischen 27 und 93 Prozent der invasiven Melanome oder atypischen intraepidermalen Varianten wären demnach nicht als abklärungsbedürftig markiert worden.
Die Zahlen gelten kaum für den Alltag. Beide Studien fotografierten Stellen, die ohnehin zur Entfernung anstanden. Die Bilder machten Ärztinnen und Ärzte, nicht Laien mit dem eigenen Telefon. Der Melanomanteil lag bei 18 und 35 Prozent, weit über dem, was in einer Hausarztpraxis oder zu Hause vorkommt. Zwischen 2 und 18 Prozent der Aufnahmen erzeugten gar keine Bewertung; in drei von vier Automat-Tests steckte mindestens ein Melanom in diesem Ausschuss.
Freeman, Dinnes und Kollegen aktualisierten die Lage bis April 2019 und veröffentlichten 2020 im BMJ. Neun Studien prüften sechs benennbare Programme. Sechs Arbeiten nutzten Histologie oder Nachbeobachtung (725 Läsionen), drei nur Expertenempfehlungen (407 Läsionen). SkinVision, eine der wenigen damals mit CE-Kennzeichnung erhältlichen Anwendungen, erreichte in drei Studien mit 267 Stellen und 66 bösartigen oder prämalignen Befunden eine Sensitivität von 80 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 63 bis 92) und eine Spezifität von 78 Prozent (67 bis 87). Gegen den Rat von Fachleuten schnitt dasselbe Programm schlecht ab. Die Autorinnen und Autoren schlossen: Auf algorithmische Handyprogramme darf man sich nicht verlassen, alle Melanome oder andere Hautkrebse zu finden. In der Zielgruppe und in der Hand der Nutzerinnen und Nutzer falle die Leistung voraussichtlich noch schwächer aus als in den Papieren.
Die AAD zitiert daneben Symptomchecker, die Hautausschläge in 69 Prozent der Fälle falsch einordneten; über mehrere Krankheitsbilder lag die Trefferquote in Übersichten nur zwischen 19 und 38 Prozent. Seltene Tumoren und Hauttöne, die im Trainingsmaterial fehlen, drücken die Werte zusätzlich. Eine hohe Laborzahl auf der Herstellerseite bedeutet deshalb wenig, solange unabhängige, prospektive Tests mit Laienfotos und histologischer Kontrolle fehlen.
| Werkzeug | Wer bewertet | Typische Schwäche in Studien | Sinnvolle Rolle |
|---|---|---|---|
| Automatische Foto-App | festgelegter Algorithmus | Sensitivität oft niedrig; viele Bilder ohne Ergebnis | kein Ersatz für den Arztbesuch |
| Fotoversand an die Hautarztpraxis | Dermatologin oder Dermatologe | hohe Sensitivität, oft sehr viele Auffälligkeiten | kann den Weg zum Termin verkürzen |
| Praxisgerät für Nicht-Dermatologen | Arzt plus Spektroskopie-Software | niedrige Spezifität, mehr Überweisungen | Zusatzinfo nach dem klinischen Blick |
| Selbstuntersuchung mit ABCDE | Patientin oder Patient plus Praxis | Melanome können schmerzlos und kleiner als 6 mm sein | Grundlage; bei Zweifel Termin machen |
Was hat sich seit 2018 bei der Regulierung geändert?
Für Verbraucher-Kamera-Apps bleibt die Lage im Kern wie in älteren Warnungen: Eine Diagnosebehauptung ohne belastbare Prüfung ist unsicher, und ein europäisches CE-Zeichen reicht als Schutz nicht. Freeman und Kollegen schrieben 2020 ausdrücklich, das damalige Verfahren zur CE-Kennzeichnung algorithmischer Programme schütze die Öffentlichkeit nicht ausreichend. Die AAD hält 2023 fest, Entwickler umgingen die FDA oft, indem sie ihr Produkt als Information oder Unterhaltung einstuften. Dann müssen sie weder Genauigkeit noch Sicherheit belegen.
Neu ist ein anderes Gerät, das Laien häufig mit einer Handy-App verwechseln. Am 12. Januar 2024 gewährte die FDA der Firma DermaSensor den De-Novo-Bescheid DEN230008. Venkatesh, Kadakia und Gilbert beschrieben das im Juni 2024 in npj Digital Medicine. DermaSensor ist ein handgehaltenes Praxiswerkzeug mit elastischer Streuspektroskopie und maschinellem Lernen. Es richtet sich an Ärztinnen und Ärzte, die keine Dermatologen sind, bei Patientinnen und Patienten ab 40 Jahren und bei Verdacht auf Melanom, Basalzellkarzinom oder Plattenepithelkarzinom. Es ist verschreibungspflichtig, nicht als alleiniges Diagnosegerät gedacht und ersetzt weder Biopsie noch klinische Entscheidung.
Die Zulassungsstudien zeigen den Nutzen und den Preis. In DERM-SUCCESS (1579 Stellen, 1005 Personen, 22 hausärztliche Zentren) lag die Sensitivität des Geräts bei 95,5 Prozent gegenüber 83 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte, der negative Vorhersagewert bei 96,6 Prozent, die Spezifität aber nur bei 20,7 Prozent. Eine Nutzenstudie mit 108 Hausärzten und mehr als 10 000 Stellen hob die Management-Sensitivität von 82,0 auf 91,4 Prozent und halbierte falsch-negative Überweisungen (von 18 auf 8,6 Prozent). Gleichzeitig fiel die Spezifität der Überweisungen von 44,2 auf 32,4 Prozent. Mehr Treffer bedeuten hier mehr Wege zur Fachpraxis, nicht weniger Unsicherheit.
Zwei ältere FDA-Produkte für Dermatologen machen dasselbe Muster sichtbar. MelaFind (Zulassung 2017) kam mit rund 10 Prozent Spezifität auf den Markt und verschwand wieder. Nevisense (ebenfalls 2017) blieb mit 96 Prozent Sensitivität und 34 Prozent Spezifität erhältlich. Hohe Empfindlichkeit bei niedriger Treffsicherheit für harmlose Male ist also kein Betriebsunfall einer einzelnen Firma, sondern ein wiederkehrendes Profil dieser Klasse.
ABCDE und hässliches Entlein ohne App
Die ABCDE-Regel und das „hässliche Entlein“ bleiben die Werkzeuge, die Fachgesellschaften Laien empfehlen, nicht die Ampel einer Anwendung. Die AAD und die Cleveland Clinic (Stand August 2025) nutzen dieselben fünf Buchstaben. A steht für Asymmetrie: Eine Hälfte des Flecks gleicht der anderen nicht. B meint den Rand, der unregelmäßig, gebuchtet oder verwaschen wirkt. C beschreibt Farbe, die in einem Fleck zwischen Braun, Schwarz, Weiß, Rot oder Blau wechselt. D betrifft den Durchmesser; viele Melanome sind bei der Diagnose größer als etwa 6 Millimeter, sie können aber kleiner sein. E heißt Veränderung: Größe, Form oder Farbe ändern sich, oder der Fleck wirkt anders als alle übrigen.
Die American Cancer Society (ACS, überarbeitet im August 2026) nennt als wichtigstes Warnzeichen einen neuen oder in Größe, Form oder Farbe wechselnden Fleck. Das zweite Kernzeichen ist genau das hässliche Entlein: eine Stelle, die aus der Schar der übrigen Male herausfällt. Zusätzlich warnt die ACS vor einer Wunde, die nicht heilt, vor Pigment, das in die Umgebung läuft, vor Rötung oder Schwellung jenseits des Randes, vor Juckreiz, Druckschmerz und vor einer Oberfläche, die schuppt, nässt, blutet oder einen Knoten bildet.
Melanome tun oft nicht weh. Die AAD betont, dass Unwohlsein fehlen kann; manchmal ist der einzige Hinweis ein ABCDE-Fleck oder ein Streifen unter dem Nagel. An Handflächen, Fußsohlen und unter Nägeln sitzen akral-lentiginöse Melanome, die ein Kameraprogramm oft gar nicht erst bewertet, weil Haare, Wölbung oder Lage die Aufnahme stören. In dunklerer Haut entstehen Melanome relativ häufiger genau dort, nicht auf der sonnengebräunten Schulter.
Die Cleveland Clinic rät zu einer monatlichen Selbstuntersuchung, am besten nach dem Baden, mit Ganzkörperspiegel und Handspiegel. Fotos und eine grobe Karte der Male helfen, echte Veränderung von Erinnerungslücken zu trennen. Das ist der sinnvolle Kern älterer „Mole-Tracking“-Ideen, ohne dass ein Algorithmus die Stelle für harmlos erklären darf.
Wann zum Arzt, auch wenn die App beruhigt
Ein beruhigendes App-Ergebnis ändert die Schwelle zum Termin nicht. Die AAD sagt klar: Wer eines der ABCDE-Merkmale findet, soll eine fachärztliche Hautuntersuchung vereinbaren. Die Cleveland Clinic nennt dieselben Anlässe und ergänzt Juckreiz, Blutung und Wunden, die nicht zuheilen. Die ACS rät, jede Stelle zu zeigen, die unsicher wirkt, weil selbst Geübte Melanom und gewöhnliches Muttermal oft nicht trennen können.
Das gilt erst recht, wenn die Software „nicht bewertbar“ oder „bitte neues Foto“ meldet. Cochrane zählte solche Ausfälle zu den Schwachstellen der Studien; mindestens ein Melanom landete in mehreren Tests in genau diesem Korb. Wer dann aufgibt, statt die Stelle einer Praxis zu zeigen, wiederholt den Studienschaden im Wohnzimmer.
- Ein neues Muttermal im Erwachsenenalter oder ein Fleck, der wächst, die Farbe wechselt oder höckerig wird, gehört in die Sprechstunde, unabhängig vom Ampelergebnis.
- Ein Male, das juckt, blutet, nässt oder schmerzt, braucht zeitnah eine ärztliche Bewertung, auch wenn es kleiner als ein Radiergummi ist.
- Ein dunkler Längsstreifen unter Finger- oder Zehennagel, der nicht durch ein Trauma erklärbar ist, soll untersucht werden, weil Kameras diese Zone oft auslassen.
- Eine Wunde, die nicht heilt oder nach kurzer Besserung zurückkehrt, ist ein klassisches Warnzeichen und kein Fall für eine zweite Foto-Runde.
- Ein Fleck, der anders aussieht als alle übrigen Male am Körper, ist das hässliche Entlein und rechtfertigt einen Termin, selbst wenn die App „niedriges Risiko“ schreibt.
Hausärztinnen und Hausärzte können die erste Sichtung machen und überweisen. DermaSensor und ähnliche Hilfen dürfen dort höchstens den klinischen Eindruck ergänzen. Die Diagnose bleibt an Blick, Dermatoskop und, wenn nötig, an der Histologie hängen. Eine App, die 24 Stunden später „unauffällig“ schreibt, verkürzt diesen Weg nicht.
Wer besonders genau hinsehen sollte
Jeder Mensch kann Hautkrebs bekommen; einige Merkmale heben das Risiko. Die US-Seuchenschutzbehörde CDC listet Stand Juni 2026 hellere natürliche Hautfarbe, Haut, die rasch verbrennt, sommersprossig wird oder schmerzt, blaue oder grüne Augen, blondes oder rotes Haar, bestimmte Muttermaltypen und eine große Zahl von Malen, Sonnenbrände oder Bräunung, Hautkrebs in der Familie oder bei einem selbst sowie höheres Alter. Das ist eine Gruppenbeschreibung, kein individuelles Schicksal.
UV-Strahlung bleibt der größte veränderbare Faktor. Die CDC rät, die Haut das ganze Jahr zu schützen, nicht nur im Hochsommer, weil Strahlen auch bei Bewölkung und nach Reflexion an Wasser, Beton, Sand oder Schnee ankommen. Liegt der UV-Index bei 3 oder höher, helfen Schatten, bedeckende Kleidung, ein Hut mit breiter Krempe, eng anliegende Sonnenbrillen mit UVA- und UVB-Filter und eine Breitbandcreme mit Lichtschutzfaktor 15 oder höher. Solarien zählen die Behörde als intensive UV-Quelle und als Krebsursache; eine „Grundbräune“ schützt nicht vor Sonnenbrand, jede Farbänderung nach UV gilt als Verletzung.
Jüngere Erwachsene sind nicht automatisch sicher. Freeman erinnert daran, dass Melanome metastasieren können und deshalb den Großteil der Hautkrebs-Sterblichkeit tragen. Wer in der Jugend häufig verbrannt ist, Solarien genutzt hat oder sehr viele Male trägt, sollte die Selbstkontrolle nicht auf den Sommerurlaub beschränken. Umgekehrt entbindet dunklere Haut nicht von der Suche an Handflächen, Fußsohlen, Nägeln und Schleimhäuten, weil genau dort Melanome übersehen werden.
Eine App ändert dieses Risikoprofil nicht. Sie sieht weder die Familienanamnese noch die Zahl der Sonnenbrände noch die Male am Rücken, die die Nutzerin selbst nicht fotografiert. Wer mehrere CDC-Merkmale erfüllt, braucht eher einen festen Rhythmus in der Hautarztpraxis als ein neues Abonnement.
Automat-App, Teledermatologie und Fotoarchiv
Drei Dinge, die im Store oft unter demselben Icon liegen, haben medizinisch wenig miteinander zu tun. Der Automat bewertet Pixel und gibt sofort eine Klasse aus. Die Teledermatologie schickt dasselbe Pixelpaket an eine Fachperson. Das Fotoarchiv speichert nur Vergleichsaufnahmen, damit Veränderung sichtbar wird. Nur die letzten beiden Schritte haben in den Übersichten eine nachvollziehbare Rolle; der erste bleibt die Schwachstelle.
Cochrane formulierte 2018 vorsichtig, Speichern-und-Weiterleiten könne Menschen mit verdächtigen Stellen früher zur ärztlichen Einschätzung bringen, belaste aber Praxen und erzeuge viele weitere Abklärungen. Die Sensitivität von 98 Prozent in der einen ausgewerteten Anwendung lag nahe an dem, was man von einer Fachärztin erwartet. Die Spezifität von 30 Prozent bedeutet zugleich, dass ein großer Teil harmloser Male als problematisch durchgereicht wird. Das ist kein Versagen der Dermatologin, sondern die Folge schlechter Fotos, fehlender Tastbefunde und einer vorsichtigen Schwelle.
Eine reine Ampelmeldung ohne benannte Fachärztin erfüllt das nicht. Ein Dienst, der das Foto an eine Hautärztin schickt und bei Unsicherheit den Termin in der Praxis anbietet, liegt näher an dem Weg, den Cochrane überhaupt geprüft hat.
Das Fotoarchiv ist das unspektakulärste und zugleich ehrlichste Angebot. Die AAD stellt Laien eine Körperkarte zur Verfügung, die Cleveland Clinic empfiehlt eigene Aufnahmen, um Größe und Farbe über Monate zu vergleichen. Dafür braucht es keine Risiko-KI. Es braucht Licht, einen Maßstab (eine Münze neben dem Fleck reicht) und die Disziplin, dieselbe Stelle unter ähnlichen Bedingungen erneut festzuhalten. Ändert sich etwas, zählt der Kalender, nicht die App-Note.
Hautton, Bildqualität und blinde Stellen
Algorithmen lernen das, was in ihren Bildern steckt. Fehlen dunklere Hauttöne, seltene Läsionen oder Aufnahmen von Laien, sinkt die Leistung genau dort, wo Nutzerinnen und Nutzer sie am ehesten brauchen. Die AAD verlangt deshalb, Diagnoseprogramme erst nach strengen Tests an Menschen aller Hauttöne freizugeben, und sie verlangt Datenschutz. Bei DermaSensor lag der Anteil weißer Teilnehmender in der entscheidenden Studie bei 97,1 Prozent, nur 13 Prozent hatten Fitzpatrick-Typen V oder VI. Die FDA knüpfte die Zulassung an Nachbeobachtung in unterrepräsentierten Gruppen. Für frei verkäufliche Kameraprogramme gibt es oft nicht einmal diese Mindestauflage.
Bildqualität ist der zweite blinde Fleck. Cochrane und Freeman beschreiben, dass Studienfotos von Klinikerinnen entstanden, während echte Nutzerinnen das Telefon selbst halten, zittern, zu nah herangehen oder bei Mischlicht fotografieren. AAD und ACS erinnern daran, dass Melanome auch unter Nägeln, an Handflächen, Fußsohlen und an Schleimhäuten sitzen können. Genau diese Zonen fotografieren Laien schlecht, und viele Automat-Programme liefern dort gar keine Bewertung.
Geräteunterschiede kommen hinzu. Derselbe Algorithmus kann auf zwei Telefonmodellen verschiedene Kanten und Farben sehen. Cochrane zählte uneinheitliche, nicht bewertbare Bilder als Qualitätsmangel. Wer „einfach ein anderes Handy“ ausprobiert, bis eine grüne Ampel erscheint, wählt das gefälligste Ergebnis, nicht das sicherste.
Fairness ist hier keine Nebensache. Dunklere Haut gilt fälschlich als fast melanomfrei. Tatsächlich verschieben sich die Orte: Handfläche, Fußsohle, Nagelwall. Genau diese Orte fotografieren Automat-Programme schlecht oder gar nicht. Eine Technik, die vor allem an hellen, glatten, gut beleuchteten Rückenmalen trainiert wurde, kann dort weder beruhigen noch alarmieren.
Was Apps sinnvoll können
Erinnerungs- und Organisationsprogramme können die Hautgesundheit stützen, ohne eine Diagnose vorzutäuschen. Die AAD bewertet Anwendungen positiv, die an die verordnete Creme, an das erneute Auftragen von Sonnenschutz oder an den monatlichen Blick in den Spiegel erinnern. Versicherungs-Apps, die Rezepte und Zuzahlungen sortieren, gehören in dieselbe nützliche Schublade. Vor der Nutzung soll die Privatsphäre geprüft werden, weil Fotos von Malen Gesundheitsdaten sind.
Ein Fotoarchiv ohne Risikoklasse ist der zweite sinnvolle Einsatz. Es macht das „E“ der ABCDE-Regel sichtbar: Evolution, also Veränderung über Wochen. Dafür reicht die Kamera, die sowieso in der Tasche steckt, plus eine Notiz zu Datum und Körperstelle. Die AAD-Körperkarte oder eine schlichte Galerie mit immer derselben Belichtung leistet das, ohne eine Ampel zu erfinden.
Was nicht sinnvoll ist, bleibt die Selbstzuweisung. Die AAD schreibt, Bequemlichkeit könne die Gesundheit gefährden, wenn Diagnose oder Therapieplan aus einer ungeprüften Anwendung kommen. Freeman und Cochrane ziehen denselben Schluss für Melanom-Risiko-Software. Wer ein Programm trotzdem nutzt, sollte jede Unsicherheit, jede Änderung und jedes „nicht bewertet“ wie ein Warnsignal behandeln und den nächsten Schritt in der Praxis machen, nicht in den Einstellungen der Software.
Lichtschutz ersetzt keine Früherkennung, senkt aber die Last neuer Schäden. Die CDC nennt Schatten, Kleidung, Hut, Brille und Creme plus den Verzicht auf Solarien. Das sind Maßnahmen für den nächsten sonnigen Weg zur Arbeit, nicht für die nächste App-Aktualisierung. Zusammen mit monatlicher Selbstkontrolle und einem niedrigen Schwellenwert für den Hautarzttermin bilden sie den Rahmen, den die Quellen seit Jahren tragen, während die Versprechen der Automat-Programme wechseln.
Häufige Fragen
Kann eine App ein Melanom ausschließen?
Nein. Freeman und Kollegen schrieben 2020, auf algorithmische Programme könne man sich nicht verlassen, alle Melanome zu finden. Cochrane hatte 2018 bei Automat-Anwendungen Sensitivitäten bis hinunter auf 7 Prozent beschrieben. Ein „unauffällig“ auf dem Display ist keine Diagnose und kein Freibrief, einen veränderten Fleck zu ignorieren.
Reicht ein CE-Zeichen als Sicherheitsbeweis?
Nein. Dieselbe BMJ-Übersicht hält fest, dass das damalige CE-Verfahren für algorithmische Apps die Öffentlichkeit nicht ausreichend schützt. Die AAD ergänzt, viele Angebote liefen als Information oder Unterhaltung und umgingen damit eine echte Prüfung. Ein Siegel sagt, dass ein Hersteller einen regulatorischen Weg gewählt hat, nicht dass Ihr Foto richtig klassifiziert wird.
Soll ich ein unauffälliges Ergebnis ignorieren, wenn der Fleck sich ändert?
Nein. Änderung ist das E der ABCDE-Regel und für AAD, Cleveland Clinic und ACS ein Grund, die Praxis aufzusuchen. Die App sieht nur ein Standbild, nicht Ihre Vorgeschichte und nicht die übrigen Male. Bei Wachstum, Farbwechsel, Juckreiz oder Blutung zählt der Kalender, nicht die Ampel.
Wie oft soll ich die Haut selbst ansehen?
Etwa einmal im Monat, so die Cleveland Clinic, idealerweise nach dem Baden bei gutem Licht. Spiegeln Sie Vorder- und Rückseite, Achseln, Gesäß, Genitalhaut, Kopfhaut, Fußsohlen, Zehenzwischenräume und Nägel. Notieren oder fotografieren Sie Stellen, die neu sind oder sich von den übrigen unterscheiden.
Helfen Erinnerungs-Apps überhaupt?
Ja, als Gewohnheitshelfer. Die AAD befürwortet Programme, die an Sonnenschutz, Medikamente oder die Selbstuntersuchung erinnern. Sie ersetzen keine Diagnose. Vor dem Speichern von Körperfotos sollten Sie klären, wohin die Bilder gehen und wer sie sieht.
Gibt es eine von der FDA zugelassene Smartphone-Diagnose für Verbraucher?
Für die Verbraucher-Kamera lautet die AAD-Antwort Stand 2023 nein. DermaSensor erhielt 2024 eine FDA-De-Novo-Zulassung, ist aber ein Praxisgerät für Nicht-Dermatologen, nicht zum Selbsttesten zu Hause gedacht und laut Kennzeichnung kein alleiniges Diagnosegerät. Eine grüne App-Ampel ist damit nicht gemeint.
Fazit
Die Kernfrage der Seite von 2018 ist beantwortet, nur nüchterner als die damaligen Werbetexte: Ein Smartphone kann Hautkrebs nicht „erkennen“ im Sinn einer Diagnose. Automatische Foto-Programme verfehlen in unabhängigen Übersichten einen relevanten Anteil der Melanome, scheitern an vielen Bildern ganz und wurden in den USA teilweise wegen irreführender Claims belangt. Das CE-Zeichen hat daran nach der BMJ-Bewertung von 2020 wenig geändert. Was sich geändert hat, ist die Trennung der Werkzeuge. Erinnerungen und Fotoarchive können die Selbstkontrolle stützen. Teledermatologie mit menschlicher Bewertung kann den Weg zur Praxis verkürzen, erzeugt aber viele weitere Abklärungen. Das erste FDA-zugelassene KI-Hilfsmittel von 2024 gehört in die Sprechstunde, nicht in den App-Store der Patientin.
Für den nächsten Monat reicht ein kurzer Plan. Schützen Sie die Haut nach CDC-Maßstab vor UV-Licht und meiden Sie Solarien. Sehen Sie den Körper einmal im Monat nach ABCDE und nach dem hässlichen Entlein durch, einschließlich Nägel, Fußsohlen und Kopfhaut. Jede neue, veränderte, juckende, blutende oder aus der Reihe fallende Stelle gehört zur Ärztin oder zum Arzt, auch wenn eine Anwendung sie für harmlos hält.
Frühe Entdeckung bleibt der Hebel, den Freeman mit den Überlebenszahlen von 91 bis 95 Prozent beschreibt. Diesen Hebel betätigt nicht die neueste Version eines Algorithmus, sondern der Entschluss, einen Fleck ernst zu nehmen und untersuchen zu lassen.
Quellen
- American Academy of Dermatology: Health and wellness apps that dermatologists do and don’t recommend. American Academy of Dermatology, 17. Juli 2023.
- American Academy of Dermatology: Skin cancer types: Melanoma Signs and symptoms. American Academy of Dermatology, Stand: 2024.
- Chuchu N, Takwoingi Y et al.: How accurate are smartphone applications (‚apps‘) for detecting melanoma in adults?. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2018.
- Freeman K, Dinnes J et al.: Algorithm based smartphone apps to assess risk of skin cancer in adults: systematic review of diagnostic accuracy studies. British Medical Journal, 10. Februar 2020.
- Venkatesh KP, Kadakia KT et al.: Learnings from the first AI-enabled skin cancer device for primary care authorized by FDA. npj Digital Medicine, 15. Juni 2024.
- U.S. Food and Drug Administration: Device Classification Under Section 513(f)(2)(De Novo). U.S. Food and Drug Administration, 12. Januar 2024.
- Centers for Disease Control and Prevention: Skin Cancer Risk Factors. Centers for Disease Control and Prevention, 17. Juni 2026.
- Centers for Disease Control and Prevention: Reducing Risk for Skin Cancer. Centers for Disease Control and Prevention, 17. Juni 2026.
- Cleveland Clinic: ABCDEs of Melanoma: Warning Signs of Skin Cancer. Cleveland Clinic, 26. August 2025.
- American Cancer Society: Signs and Symptoms of Melanoma Skin Cancer. American Cancer Society, 12. August 2026.
