
Vulvitis ist eine Entzündung der äußeren Geschlechtshaut, also von großen und kleinen Schamlippen sowie Klitoris. Sie entsteht meist durch Reizstoffe, eine Infektion, Östrogenmangel oder eine chronische Hautkrankheit und ist selbst keine sexuell übertragbare Infektion.
Die Cleveland Clinic (Aktualisierung Februar 2026) nennt Juckreiz, Brennen, Rötung und veränderten Ausfluss als häufige Zeichen. Jede Person mit Vulva kann betroffen sein; vor der Pubertät und nach der Menopause ist die Haut dünner und reizbarer. Eine frei verkäufliche Pilzcreme ohne Untersuchung ist oft der falsche erste Schritt, weil bakterielle Vaginose, Trichomonaden, Kontaktekzem und Lichen sclerosus ähnlich beginnen. Ziel der Abklärung ist die Ursache, nicht nur die Linderung für ein paar Tage.
Was Vulvitis ist und wie sie sich von Vaginitis unterscheidet
Vulvitis betrifft die äußere Haut um den Scheideneingang, Vaginitis die Scheide selbst. Treffen beide zu, sprechen Ärztinnen und Ärzte von Vulvovaginitis.
MedlinePlus (Prüfung April 2024) fasst beides oft unter demselben Eintrag, weil Feuchtigkeit, Reibung und Keime die Grenze verwischen. Trotzdem steuert die Unterscheidung die Therapie. Ein Kontaktekzem sitzt außen und braucht Weglassen des Auslösers plus eine milde Steroidsalbe. Ein Scheidenpilz braucht ein Azol, eine bakterielle Vaginose ein anderes Arzneimittel. Wer nur die Vulva eincremt, während Candida in der Scheide wächst, bleibt unnötig lange gereizt.
Anatomisch gehören zur Vulva die äußeren und inneren Schamlippen, die Klitoris und der Scheidenvorhof. Die Barriere dort ist schwächer als an Unterarm oder Rücken. Schweiß, Urin, Menstruationsblut und enge Stoffe halten Feuchtigkeit. Genau diese milde Dauerfeuchte erklärt, warum Seifen, Duftstoffe und nasse Badekleidung so rasch Entzündung auslösen. Die Cleveland Clinic betont, dass Vulvitis keine Geschlechtskrankheit ist. Herpes, Trichomonaden oder eine begleitende Scheideninfektion können sie aber mitverursachen.
Nach den Wechseljahren verdünnt fehlendes Östrogen Vulva und Scheide zugleich. Fachgesellschaften nennen das Bild genitourinäres Syndrom der Menopause, älter atrophe Vaginitis. MedlinePlus verwendet den neuen Namen bereits. Die äußere Haut juckt dann, obwohl kein Keim wächst. Eine Behandlung, die nur den Pilz meint, ändert daran wenig.

Welche Ursachen hinter der Entzündung stehen
Hinter einer Vulvitis stehen meist Reizstoffe oder Allergene, Infektionen, Östrogenmangel oder eine eigene Hauterkrankung. Das MSD Manual (Fachfassung, letzte inhaltliche Prüfung April 2025) schätzt den nichtinfektiösen Anteil auf bis zu einem Drittel der Vulvovaginitiden.
Reizendes Kontaktekzem entsteht sofort oder nach wiederholtem Kontakt, ohne dass das Immunsystem erst sensibilisiert werden muss. Die europäische Leitlinie zu Vulvaerkrankungen (van der Meijden und Kollegen, 2021, erschienen 2022) nennt es die häufigste Ekzemform an der Vulva. Auslöser sind duftende Seifen, Intimsprays, feuchte Tücher, Gleitmittel, Chlorwasser, synthetische Slips, lange nasse Sportkleidung, Reibung beim Radfahren oder Reiten sowie Urin bei Inkontinenz. Allergisches Kontaktekzem ist eine verzögerte Typ-IV-Reaktion. Es kann ein bis zwei Tage brauchen und auf Konservierungsstoffe, Duftstoffe, Spermizide, Nickel, Farbstoffe oder sogar auf Antimykotika und Steroidcremes zielen.
Infektiös kommen Candida-Arten, die bakterielle Vaginose, Trichomonas vaginalis und Herpes-simplex-Viren infrage. MedlinePlus nennt Candida als eine der häufigsten Ursachen bei Erwachsenen. Unkontrollierter Diabetes, Antibiotika, Schwangerschaft und Kortison erhöhen das Risiko einer Hefeüberwucherung. Bei Mädchen vor der Pubertät überwiegt oft eine unspezifische Vulvovaginitis. Darmkeime gelangen dorthin, wenn nach dem Stuhlgang von hinten nach vorn gewischt wird. Wiederholte, ungewöhnliche Infekte in diesem Alter sollen an sexuellen Missbrauch denken lassen, so MedlinePlus, ohne dass jeder Schub automatisch diesen Verdacht bedeutet.
Chronische Dermatosen sitzen darunter oder daneben. Ekzem, Schuppenflechte, Lichen simplex chronicus, Lichen sclerosus und Lichen planus jucken ähnlich. Raef und Elmariah schrieben 2021 in Frontiers in Medicine, dass atopisches Ekzem sowie irritatives und allergisches Kontaktekzem zu den häufigsten Gründen für Vulvajucken zählen. In einer Serie mit 144 Frauen hatten 66 Prozent ein ekzematöses Bild in der Histologie. Nach der Menopause kommt das genitourinäre Syndrom hinzu. Das MSD Manual nennt außerdem chemische Vulvitis durch Urin oder Stuhl bei Bettlägerigkeit.
Welche Symptome typisch sind
Leitsymptome sind Juckreiz, Brennen, Rötung und Schwellung der Schamlippen. Dazu können Risse, Bläschen, schuppende weiße Stellen und veränderter Ausfluss kommen.
Die Cleveland Clinic listet kleine Hautsprünge, Blasen, die nässen und verkrusten, sowie verdickte, weißliche, schuppige Areale. Manche spüren Brennen beim Wasserlassen, weil Urin über wunde Haut läuft, ohne dass die Blase selbst entzündet ist. Schmerz beim Sex oder beim Einführen eines Tampons gehört zum Bild, sobald der Vorhof mitzieht. Die Dermatitis-Seite derselben Klinik (ebenfalls Stand Februar 2026) beschreibt, dass die Beschwerden nachts, in der Periode, bei Hitze und beim Verkehr zunehmen können. Nässen entsteht, wenn die Barriere aufbricht und Gewebsflüssigkeit austritt.
Ausfluss allein beweist keine Vulvitis und schließt sie nicht aus. Krümelig-weißer, geruchsarmer Ausfluss spricht eher für Candida. Dünner grauer Ausfluss mit fischigem Geruch passt zur bakteriellen Vaginose. Gelbgrün und schaumig legt Trichomonaden nahe, so die Mayo Clinic (Dezember 2021). Klarer oder spärlich blassgelber Ausfluss nach den Wechseljahren kann Atrophie sein. Physiologischer Ausfluss bleibt weiß oder klar, geruchlos und ohne Brennen.
Überwaschen verschlechtert fast jedes Muster. Heißes Wasser, Waschlappen und parfümierte Seife tragen die Schutzschicht weiter ab. Dann juckt es stärker, die Person wäscht erneut, und der Kreis schließt sich. Lichen simplex chronicus ist genau dieser Kratzyklus mit verdickter, lederartiger Haut. Raef und Elmariah rechnen ihn in Spezialsprechstunden zu den häufigen Vorstellungsgründen.
Wann zur Praxis und welche Warnzeichen zählen
Zur Praxis gehört jede neue, unklare oder anhaltende Reizung der Vulva, besonders beim ersten Schub, nach einem neuen Sexualpartner, bei Fieber oder wenn eine gekaufte Pilzcreme nicht greift. Warten lohnt sich nicht, wenn Ausfluss stinkt, Unterbauchschmerz dazukommt oder nach der Menopause Blut erscheint.
Die Mayo Clinic nennt genau diese Schwellen. Wer noch nie eine Scheideninfektion hatte, soll die Ursache einmal feststellen lassen, statt Muster zu raten. Mehrere Partner oder ein neuer Partner erhöhen die Chance auf eine sexuell übertragbare Infektion, die wie ein Hefepilz beginnen kann. Bleiben Symptome nach einem vollständigen Azolzyklus, braucht es Untersuchung und Labor, nicht die nächste Tube aus dem Regal. Fieber, Schüttelfrost oder Unterbauchschmerz können auf eine aufsteigende Entzündung deuten.
Das MSD Manual markiert drei rote Flaggen. Fieber oder Beckenschmerz wecken den Verdacht auf eine Beckenentzündung. Blutiger Ausfluss nach der Menopause verlangt Abklärung auf Gebärmutterschleimhautkrebs; Atrophie kann bluten, sie ist aber keine Diagnose vom Hörensagen. Stuhl aus der Scheide spricht für eine Fistel nach Geburt, Operation oder entzündlicher Darmerkrankung. Die Cleveland Clinic rät zum Termin schon bei sichtbarer Rötung und Juckreiz, weil unbehandelte Entzündung sekundär infizieren und in die Scheide übergreifen kann.
Mädchen mit wiederholter, ungewöhnlicher Vulvovaginitis gehören in kinderärztliche oder kindergynäkologische Hände. MedlinePlus nennt sexuellen Missbrauch als Differenzialdiagnose, nicht als Automatismus. Erwachsene mit schlecht eingestelltem Diabetes, HIV oder dauerhafter Immunsuppression sollen früher kommen, weil kurze Standardkuren dort häufiger versagen.
Wie die Diagnose heute läuft
Die Diagnose stützt sich auf Gespräch, Blickdiagnose und gezielte Tests des Scheidensekrets, nicht auf einen einzelnen Abstrich ohne Klinik. Ein Pap-Test taugt nicht als Beweis für oder gegen eine Vulvitis.
Zuerst zählen Dauer, Auslöser, Zyklusbezug, neue Pflegeprodukte, Antibiotika, Diabetes, Inkontinenz und Sexualanamnese. Die Untersuchung umfasst Leiste, Damm, After und Vulva auf Rötung, Ödem, Risse, Plaques, Architekturverlust und Geschwüre. Mit einem nur wasserbenetzten Spekulum lassen sich Scheidenwände und Gebärmutterhals beurteilen. Das MSD Manual verlangt bei Ausfluss pH-Messung, Nativpräparat in Kochsalz und Kalilauge sowie in der Regel Tests auf Gonorrhö, Chlamydien und Trichomonaden, sofern nicht offensichtlich ein Fremdkörper oder eine Allergie vorliegt.
Ein pH unter 4,5 passt zu Candida, ein Wert über 4,5 zu bakterieller Vaginose oder Trichomonaden, so die CDC-Leitlinie zu sexuell übertragbaren Infektionen von 2021. Allein der pH entscheidet nicht; die Mayo Clinic schreibt dasselbe. Unter dem Mikroskop sucht man Sprosszellen und Hyphen, Schlüsselzellen, bewegliche Trichomonaden und nach Kalilauge den Amingeruch. Fehlt der Nachweis trotz typischem Bild, kann eine Pilzkultur folgen. Nukleinsäureamplifikationstests erkennen Trichomonaden zuverlässiger als das Nativpräparat und stehen für die bakterielle Vaginose bei Symptomen zur Verfügung. Die CDC warnt, die meisten Hefe-PCR-Tests seien in den USA nicht zugelassen; die Kultur bleibt Referenz.
Die europäische Leitlinie hält eine Biopsie beim einfachen Ekzem selten für nötig, verlangt sie aber bei atypischem Bild oder ausbleibendem Ansprechen. Beim Lichen sclerosus darf in typischen Fällen klinisch diagnostiziert werden; unsichere Fälle, Verdacht auf Dysplasie und Therapieversagen brauchen Gewebe. Ein Epikutantest hilft, wenn ein allergisches Kontaktekzem wahrscheinlich ist, und soll Medikamente, Konservierer sowie die eigenen Vulvaprodukte einschließen. Selbstdiagnose rät das MSD Manual ab, weil die Symptome zu unspezifisch sind.
Was Infektionen von Pilz bis Trichomonaden unterscheidet
Pilz, bakterielle Vaginose und Trichomonaden erzeugen überlappendes Jucken, brauchen aber verschiedene Arzneimittel. Die falsche Tube verschiebt die Diagnose und kann die Haut zusätzlich reizen.
Die CDC schätzt, dass etwa 75 Prozent der Frauen mindestens einmal eine vulvovaginale Candidose durchmachen und 40 bis 45 Prozent zwei oder mehr Episoden. Zehn bis 20 Prozent verlaufen kompliziert. Typisch sind äußerliche Dysurie, Juckreiz, Schwellung, Rötung, Risse und krümeliger Ausfluss. Der pH bleibt meist unter 4,5. Unkomplizierte Fälle sind selten, mild bis mittelschwer, betreffen immunkompetente Frauen und meist Candida albicans. Kompliziert sind Rezidive, schwerer Befall, Nicht-Albicans-Arten sowie Diabetes, HIV oder Immunsuppression. Azole führen bei abgeschlossener Therapie in 80 bis 90 Prozent zu Symptomfreiheit und negativer Kultur. Probiotika und homöopathische Mittel stützt die CDC nicht. Partnerbehandlung ist bei unkomplizierter Candidose nicht vorgesehen; eine Balanitis des Partners kann lokal mitbehandelt werden.
Bakterielle Vaginose ist weltweit die häufigste Ursache für pathologischen Ausfluss, bleibt aber oft symptomlos. Die CDC behandelt nur symptomatische Frauen. Empfohlen sind Metronidazol 500 Milligramm oral zweimal täglich über sieben Tage, Metronidazol-Gel 0,75 Prozent einmal täglich fünf Tage oder Clindamycin-Creme 2 Prozent über sieben Nächte. Alkoholverzicht während Metronidazol gilt in dieser Fassung nicht mehr als nötig, weil belastbare Belege für eine Disulfiram-ähnliche Reaktion fehlen. Partnerroutinebehandlung senkte in älteren Studien die Rückfallrate nicht. Alle Betroffenen sollen auf HIV und weitere sexuell übertragbare Infektionen getestet werden.
Trichomoniasis braucht ein orales Nitroimidazol, meist Metronidazol oder Tinidazol, und die Mitbehandlung der Sexualpartner. Die Mayo Clinic nennt Tabletten, keine Creme. Unbehandelt steigen das Risiko weiterer Infektionen und in der Schwangerschaft Komplikationen, so MedlinePlus.
| Ursache | Typische Hinweise | pH und Test | Therapie-Richtung |
|---|---|---|---|
| Candida | Krümeliger weißer Ausfluss, starker Juckreiz, Rötung | pH oft unter 4,5, Sprosszellen im Nativpräparat | Azol lokal oder Fluconazol 150 mg einmal, laut CDC 2021 |
| Bakterielle Vaginose | Dünner grauer Ausfluss, fischiger Geruch | pH über 4,5, Schlüsselzellen, Amin-Test | Metronidazol oder Clindamycin nach CDC-Schema |
| Trichomoniasis | Gelbgrüner schaumiger Ausfluss, Brennen | Nukleinsäuretest bevorzugt | Orales Nitroimidazol, Partner mitbehandeln |
| Reiz- oder Kontaktekzem | Brennen nach neuem Produkt, wenig Ausfluss | Infekttests leer, ggf. Epikutantest | Auslöser meiden, Hydrocortison-Salbe nach Leitlinie |
| Östrogenmangel | Trockenheit, dünne Schleimhaut, blassgelber Ausfluss | pH oft hoch, atrophes Bild | Lokales Östrogen nach Ausschluss anderer Ursachen |
Herpes beginnt oft mit Brennen und Bläschen, dann schmerzhaften Geschwüren und Leistendrüsen. Das MSD Manual beschreibt den Erstausbruch so. Eine Steroidsalbe allein ist dann die falsche Antwort.

Was bei Reizstoffen, Ekzem und Lichen sclerosus gilt
Irritatives Kontaktekzem heilt, wenn der Auslöser fällt und die Barriere Ruhe bekommt. Lichen sclerosus ist eine eigene, oft lebenslang zu begleitende Entzündung und braucht potente Steroide, nicht nur milde Pflege.
Die europäische Leitlinie rät, Seife, Shampoo und Schaumbad von der Vulva fernzuhalten und eine einfache Fettgrundlage als Waschersatz zu nutzen. Salben enthalten weniger Konservierer als Cremes und brennen seltener. Bei Inkontinenz sollen Barrieremittel Urin und Blut abhalten; die Kontinenz selbst gehört mitbehandelt. Für milde Fälle nennt die Leitlinie Hydrocortison-Salbe 1 Prozent einmal täglich über sieben bis zehn Tage, danach bei Bedarf. Stärkere Entzündung kann Mometasonfuroat oder Betamethasonvalerat 0,025 Prozent bekommen. Begleitinfekte werden mit Kombinationspräparaten aus Steroid plus Antimykotikum oder Antibiotikum mitbehandelt. Calcineurininhibitoren bleiben Zweitlinie und können beim Auftragen brennen.
Lichen sclerosus juckt, schmerzt und kann die Anatomie dauerhaft verändern. Unbehandelt steigt das Risiko eines Plattenepithelkarzinoms. Raef und Elmariah zitieren ältere Schätzungen von 3 bis 5 Prozent und eine niederländische Registerarbeit mit 3,3 Prozent nach zehn sowie 6,7 Prozent nach zwanzig Jahren. Die europäische Leitlinie setzt hochpotente oder potente topische Kortikoide wie Clobetasolpropionat 0,05 Prozent oder Mometasonfuroat als Erstlinie (Empfehlungsgrad 1, A). Dreißig Gramm einer ultrahochpotenten Salbe sollen mindestens drei Monate reichen. Zur Erhaltung empfiehlt sie zweimal wöchentlich dasselbe Präparat; das kann Remission halten und möglicherweise entartungsrelevanten Verlauf dämpfen. Chi und Kollegen werteten 2012 in einer Cochrane-Methodik sieben randomisierte Studien mit 249 Personen aus. Clobetasol 0,05 Prozent war Placebo überlegen (Risikoverhältnis 2,85 für vom Patienten bewertete Besserung). Androgene und Progesteroncreme zeigten keinen Nutzen. Pimecrolimus linderte Jucken ähnlich, verbesserte das Erscheinungsbild aber schwächer als Clobetasol.
Weiße Plaques, Verklebung der kleinen Schamlippen, verdeckter Kitzler oder ein neues hartes Knötchen gehören nicht in die Selbstbehandlung mit Hydrocortison aus der Drogerie. Hier entscheidet die Fachpraxis über Biopsie, Stärke der Salbe und Nachsorge.
Welche Behandlung zur Ursache passt
Die Therapie folgt der Ursache. Reiz stoppen, Keim gezielt behandeln, bei Atrophie lokal Östrogen erwägen, bei Lichen sclerosus potente Steroide einsetzen.
Bei gesichertem unkompliziertem Scheidenpilz nennt die CDC kurze Azolschemata. Frei verkäuflich sind unter anderem Clotrimazol-Creme 1 Prozent über sieben bis 14 Tage, Clotrimazol 2 Prozent über drei Tage, Miconazol in mehreren Stärken und Tioconazol 6,5 Prozent einmal. Verschrieben werden Butoconazol, Terconazol oder Fluconazol 150 Milligramm oral als Einzeldosis. Ölhaltige Cremes und Zäpfchen können Latexkondome und Diaphragmen schwächen. Schwere Candidose mit ausgedehnter Rötung, Ödem, Kratzwunden und Rissen braucht sieben bis 14 Tage Azol lokal oder Fluconazol 150 Milligramm in zwei Gaben im Abstand von 72 Stunden. Rezidive (drei oder mehr symptomatische Episoden in unter einem Jahr) behandelt man zunächst länger, danach oft mit wöchentlichem Fluconazol über sechs Monate. Das unterdrückt, heilt aber selten dauerhaft. Nicht-Albicans-Arten können nach Versagen eines Nicht-Fluconazol-Azols vaginal Borsäure 600 Milligramm täglich über drei Wochen bekommen; die CDC nennt Eradikationsraten um 70 Prozent. In der Schwangerschaft sind nur lokale Azole über sieben Tage vorgesehen. Eine einzelne Fluconazol-Dosis von 150 Milligramm steht mit Fehlgeburt und Fehlbildungen in Verbindung und soll entfallen.
Bakterielle Vaginose folgt den oben genannten CDC-Regimen. Tinidazol und Secnidazol sind Alternativen; Secnidazol kostet mehr und hat weniger Langzeitdaten. Scheidenspülungen erhöhen das Rückfallrisiko und behandeln nicht. Bei Trichomonaden gehören Partner ins Schema, sonst kehrt der Parasit zurück.
Nichtinfektiöse Reizung braucht zuerst Identifikation des Produkts. Die Mayo Clinic nennt neue Seife, Waschmittel, Binden oder Tampons. Das MSD Manual erlaubt bei mäßigem Jucken ohne klare Infektion Hydrocortison 1 Prozent zweimal täglich nach Bedarf auf die Vulva, nicht in die Scheide. Sitzbäder und kühle Umschläge können Brennen lindern, ersetzen aber kein Rezept, wenn Atrophie oder Lichen dahinterstecken. Nach den Wechseljahren ist niedrig dosiertes vaginales Östrogen laut MSD die bevorzugte Therapie des genitourinären Syndroms, sobald andere Ursachen ausgeschlossen sind. Die Cleveland Clinic erwähnt topisches Östrogen auch gegen Juckreiz und Trockenheit der Vulva.
Bleibt alles unverändert, erweitern Ärztinnen und Ärzte die Suche. Dann kommen Biopsie, Epikutantest, Kultur auf Nicht-Albicans-Hefen und die Frage nach Vulvodynie ohne sichtbares Korrelat. Die europäische Leitlinie warnt davor, jedes rote Jucken pauschal Ekzem zu nennen.
Was zu Hause hilft und was zusätzlich reizt
Zu Hause zählt milde Pflege. Warm abspülen, trocken tupfen, Reizstoffe streichen und lockere Baumwolle tragen hilft vielen, heilt aber keine behandlungsbedürftige Infektion und keinen Lichen sclerosus.
MedlinePlus rät bei akuter Vulvovaginitis, Seife wegzulassen und nur mit Wasser zu reinigen. Ein warmes, nicht heißes Bad kann lindern, danach gründlich trocknen. Scheidenspülungen sollen entfallen, weil sie schützende Laktobazillen auswaschen. Duftsprays, Puder und parfümierte Einlagen gehören weg. Bei Infekt sind Binden oft schonender als Tampons. Baumwollslips oder ein Baumwollschritt lassen Feuchte verdunsten; nachts kann Unterwäsche entfallen. Enge Synthetik und Strumpfhosen halten Hitze. Nach dem Schwimmen oder Sport rasch in Trockenes wechseln.
Die Cleveland-Dermatitis-Seite konkretisiert die Technik. Höchstens einmal täglich waschen, mit der Hand statt mit Lappen, trocken tupfen statt reiben, milde duftfreie Waschmittel für die Wäsche. Teebaumöl taucht dort als möglicher Auslöser auf, nicht als Hausmittel. Die europäische Leitlinie bevorzugt Fettgrundlagen als Seifenersatz und warnt vor häufigem Wasserkontakt. Kühle Kompressen oder Sitzbäder nennt das MSD Manual zur Linderung von Schmerz und Juckreiz.
Schädlich sind heiße Whirlpools, duftende Badezusätze, Intimdeos, wiederholtes Rasieren mit reizenden Gelen und das eigenmächtige Wechseln zwischen mehreren Antimykotika. Die CDC hält fest, dass selbst Frauen mit früherer ärztlicher Pilzdiagnose sich oft falsch selbst behandeln. Unnötige Azole verzögern die richtige Diagnose. Antihistaminika können laut europäischer Leitlinie den Schlaf sichern, wenn Jucken nachts weckt; sie behandeln die Hautursache nicht. Kratzen offenlegt die Barriere und bahnt Bakterien den Weg, deshalb kratzen durch Druck oder Kühlen ersetzen, solange die Entzündung abklingt.
Wie sich Rückfälle vermeiden lassen
Rückfälle sinken, wenn Feuchte, Duftstoffe und unbehandelte Grunderkrankungen entfallen. Ein einziges Ritual ersetzt weder Diabeteskontrolle noch die Erhaltungssalbe bei Lichen sclerosus.
MedlinePlus nennt trockene, saubere Haut, Verzicht auf Spülungen und Sprays, lockere Kleidung, Baumwolle und Kondome zum Schutz vor übertragbaren Infektionen. Zuckerstoffwechsel in einem vereinbarten Zielkorridor senkt die Chance auf Candida-Schübe. Von vorn nach hinten abwischen hält Darmkeime von der Vulva fern, besonders bei Kindern. Die Mayo Clinic ergänzt, Whirlpools und heiße Wannen zu meiden, Seife vollständig abzuspülen und keine desinfizierenden oder parfümierten Seifen zu nutzen. Kondome senken das Risiko von Trichomonaden und anderen Erregern. Manche Gleitmittel und Latex selbst reizen empfindliche Haut; dann bleibt ein ärztliches Gespräch über Alternativen sinnvoller als ungeschützter Verkehr.
Nach bakterieller Vaginose sollen Frauen bei neuen Symptomen wiederkommen. Die CDC hält fest, dass wiederholte Episoden häufig sind. Ein anderes empfohlenes Schema oder dasselbe Schema sind beide akzeptabel; bei vielen Rezidiven gibt es Erhaltungsoptionen mit Metronidazol-Gel, die in der Praxis verordnet werden, nicht als Selbstversuch. Candida-Rezidive brauchen Kultur, bevor monatelang Fluconazol läuft. Bei Lichen sclerosus gehört die zweimal wöchentliche Steroidsalbe zur Vorbeugung von Narben und möglicherweise von Entartung, nicht das bloße Weglassen aller Cremes.
Inkontinenz, ein vergessener Tampon oder ein Pessar erzeugen chemische oder fremdkörperbedingte Entzündung. Das MSD Manual nennt beides. Wer nach Operation, Bestrahlung oder unter Aromatasehemmern trockene, wunde Haut hat, hat oft eher ein Hormonproblem als einen Keim. Dann schützt Pflege allein selten; lokal dosiertes Östrogen kann die Barriere wieder tragfähig machen, sobald Kontraindikationen geprüft sind.
Häufige Fragen
Ist Vulvitis ansteckend?
Vulvitis selbst ist keine sexuell übertragbare Infektion. Ansteckend können begleitende Ursachen sein, etwa Trichomonaden oder Herpes. Reizstoffe, Ekzem und Östrogenmangel gehen nicht auf den Partner über. Kondome senken das Risiko übertragbarer Erreger, können die gereizte Haut aber durch Latex oder Gleitmittel selbst reizen.
Darf ich selbst eine Pilzcreme kaufen?
Nur wenn eine frühere ärztliche Diagnose dasselbe Bild bestätigt hat und die Symptome identisch sind. Die Mayo Clinic hält das für vertretbar, die CDC warnt trotzdem, dass Selbstzuordnung oft falsch liegt. Bleibt der Juckreiz nach einer Woche oder kehrt er unter zwei Monaten zurück, gehört die nächste Episode in die Sprechstunde.
Wie lange dauert eine Vulvitis?
Viele Reizungen bessern sich innerhalb weniger Wochen, sobald Auslöser und passende Therapie zusammenkommen, so die Cleveland Clinic. Ein Kontaktekzem kann nach Wegnahme des Produkts zwei bis vier Wochen brauchen. Lichen sclerosus und das genitourinäre Syndrom bleiben begleitungsbedürftig, auch wenn der Juckreiz nachlässt.
Hilft Hydrocortison aus der Apotheke?
Eine einprozentige Hydrocortison-Salbe kann mildes Ekzem über sieben bis zehn Tage beruhigen, so die europäische Leitlinie. Sie gehört auf die Vulva, nicht in die Scheide, und ersetzt keine Infektbehandlung. Weiße narbige Plaques, Geschwüre oder fehlendes Ansprechen brauchen stärkere, verordnete Präparate und oft eine Biopsie.
Ist Lichen sclerosus dasselbe wie Vulvitis?
Nein. Lichen sclerosus ist eine eigene chronische Entzündung, die Vulvitis-ähnlichen Juckreiz macht und Narben sowie ein kleines Krebsrisiko tragen kann. Die Erstlinie sind potente topische Kortikoide, nicht nur Hautruhe. Wer immer wieder „Pilz“ behandelt und weiße, brüchige Haut behält, soll gezielt danach fragen.
Was gilt nach den Wechseljahren?
Dünne, trockene, leicht blutende Haut spricht oft für das genitourinäre Syndrom, früher atrophe Vaginitis. Lokales Östrogen ist laut MSD Manual die bevorzugte Therapie, nachdem Infekt und Dermatose ausgeschlossen sind. Jede neue Blutung nach der letzten Periode bleibt abklärungspflichtig, auch wenn Atrophie mitblutet.

Fazit
Vulvitis ist ein Entzündungsmuster, kein einheitliches Leiden. Reizstoffe, Candida, bakterielle Vaginose, Trichomonaden, Östrogenmangel und Dermatosen wie Lichen sclerosus können dasselbe Brennen erzeugen. Seit den Leitlinienjahren 2021 und 2022 zählt die genaue Diagnose mehr als die nächste Tube aus dem Regal. pH, Mikroskopie und bei Bedarf Nukleinsäuretests ersetzen den Pap als vermeintlichen Vaginitisbeweis. Selbst gekaufte Azole bleiben dem bekannten, identischen Pilzbild vorbehalten.
Wer morgen etwas ändern will, kann Duftstoffe, Spülungen und nasse Synthetik streichen, mit Wasser und einer Fettgrundlage waschen und Baumwolle tragen. Das ist Pflege, keine Therapie. Anhaltender Juckreiz, stinkender oder blutiger Ausfluss, Fieber, ein neuer Partner oder der erste Schub gehören in die gynäkologische Untersuchung. Dort entscheidet sich, ob Hydrocortison, ein Azol, Metronidazol, lokales Östrogen oder eine potente Steroidsalbe mit Nachsorge die passende Antwort ist.
Quellen
- Cleveland Clinic: Vulvitis (Vulvar Itching): Causes, Symptoms & Treatment. Cleveland Clinic, Stand: 13. Februar 2026.
- Cleveland Clinic: Vulvar Dermatitis: Causes, Symptoms & Treatment. Cleveland Clinic, Stand: 13. Februar 2026.
- MedlinePlus: Vulvovaginitis: MedlinePlus Medical Encyclopedia. MedlinePlus Medical Encyclopedia, 16. April 2024.
- Mayo Clinic: Vaginitis – Symptoms & causes. Mayo Clinic, 22. Dezember 2021.
- Mayo Clinic: Vaginitis – Diagnosis & treatment. Mayo Clinic, 22. Dezember 2021.
- CDC: Vulvovaginal Candidiasis – STI Treatment Guidelines. Centers for Disease Control and Prevention, 22. Juli 2021.
- CDC: Bacterial Vaginosis – STI Treatment Guidelines. Centers for Disease Control and Prevention, 22. Juli 2021.
- Kesavan S: Vulvovaginal Pruritus or Vaginal Discharge. MSD Manual Professional Edition, Stand: April 2025.
- van der Meijden WI, Boffa MJ et al.: 2021 European guideline for the management of vulval conditions. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 12. April 2022.
- Chi CC, Kirtschig G et al.: Systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials on topical interventions for genital lichen sclerosus. Journal of the American Academy of Dermatology, 6. April 2012.
- Raef HS, Elmariah SB: Vulvar Pruritus: A Review of Clinical Associations, Pathophysiology and Therapeutic Management. Frontiers in Medicine, 7. April 2021.
