
Ein multiples Myelom entsteht, wenn entartete Plasmazellen im Knochenmark wachsen, die normale Blutbildung verdrängen und ein einförmiges Eiweiß bilden, das M-Protein. Die Erkrankung gilt als behandelbar, aber in der Regel nicht als heilbar; aktuelle Kombinationen können das Wachstum oft über Jahre bremsen und Komplikationen wie Knochenbrüche oder Nierenschäden verringern.
In den USA erwartet die American Cancer Society für 2026 rund 36 000 Neuerkrankungen und 10 850 Todesfälle. Das Lebenszeitrisiko liegt unter einem Prozent, bei Männern etwa 1 zu 108, bei Frauen 1 zu 133. Das SEER-Programm des National Cancer Institute nennt für 2016 bis 2022 ein relatives Fünfjahresüberleben von 63,7 Prozent; ältere Übersichten lagen noch bei etwa der Hälfte. Wer neu auftretende Knochenschmerzen, ungeklärte Blutarmut oder wiederholte Infekte bemerkt, sollte das in der Hausarztpraxis abklären lassen, statt Monate zuzuwarten.
Was ist ein multiples Myelom?
Plasmazellen sind ausgereifte B-Lymphozyten, die Antikörper gegen Infekte herstellen. Beim multiplen Myelom vermehrt sich ein einziger entarteter Klon im Knochenmark, verdrängt gesunde Vorläufer und schüttet ein nutzloses monoklonales Immunglobulin aus. Rajkumar ordnet die Krankheit 2024 etwa zehn Prozent der Blutkrebsarten zu; die europäische Leitlinie von EHA und EMN (Juli 2025) nennt in Europa 4,5 bis 6,0 Neuerkrankungen je 100 000 Einwohner und ein medianes Erkrankungsalter von 65 bis 70 Jahren.
Das Merck Manual (Aktualisierung April 2026) beschreibt die Eiweißverteilung so: etwa 50 bis 55 Prozent der Fälle bilden IgG, rund 20 Prozent IgA, 15 bis 20 Prozent nur Leichtketten (Bence-Jones-Protein). Selten fehlt das M-Protein im Blut fast ganz; dann helfen freie Leichtketten im Serum weiter. Die Zellen lockern Knochen, weil sie Osteoklasten anregen und Osteoblasten hemmen. Typisch sind multiple osteolytische Herde in Wirbelsäule, Becken, Rippen und Schädel, nicht eine einzelne Metastase wie bei vielen Organ-Karzinomen.
Verwandte Bilder gehören zur gleichen Familie, sind aber nicht dasselbe. Ein solitäres Plasmozytom sitzt an einer Stelle. Die monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) und das schwelende Myelom tragen denselben Klon, erfüllen aber noch keine Myelom-definierenden Ereignisse. Amyloidose durch Leichtketten betrifft laut Merck etwa jeden zehnten Myelompatienten und kann Herz, Niere und Nerven steif machen. Die Mayo Clinic betont, dass Leukämien und Lymphome andere Startzellen haben; das Myelom bleibt ein Plasmazellkrebs.

Welche Symptome und CRAB-Zeichen sind typisch?
Viele Betroffene spüren anfangs nichts; die Erkrankung fällt dann bei einer Blut- oder Urinuntersuchung auf. Treten Beschwerden auf, stehen Knochenschmerzen, Infekte, Erschöpfung und die vier CRAB-Merkmale im Vordergrund: Hyperkalzämie, Nierenschaden, Anämie und Knochendestruktion.
Die American Cancer Society (Stand 28. Februar 2025) nennt Schmerzen vor allem in Rücken, Hüfte oder Schädel, Knochen, die schon bei geringer Belastung brechen, und eine generalisierte Osteoporose. Blutarmut erzeugt Schwäche, Kurzatmigkeit und Schwindel. Zu wenige weiße Zellen begünstigen Lungenentzündungen, die oft schlecht ansprechen. Ein Mangel an Blutplättchen kann zu Nasenbluten, Zahnfleischbluten oder blauen Flecken nach Bagatellverletzungen führen. Calcium, das aus dem Knochen ins Blut schwemmt, macht starken Durst, häufiges Wasserlassen, Verstopfung, Appetitverlust, Übelkeit und Verwirrung. Nierenschäden bleiben lange still und zeigen sich zuerst im Labor; später kommen Juckreiz, Beinödeme und Luftnot hinzu.
Nerven leiden auf mehreren Wegen. Leichtketten können periphere Nerven reizen und Kribbeln oder Taubheit auslösen. Bricht ein Wirbel ein oder wächst ein Herd in den Spinalkanal, droht eine Rückenmarkkompression mit plötzlichem Rückenschmerz, Beinschwäche und Sensibilitätsverlust. Sehr hohe M-Protein-Spiegel verdicken das Blut (Hyperviskosität) und können Verwirrung, Schwindel oder Schlaganfallzeichen erzeugen. Beide Bilder gelten als Notfall. Fieber ohne klaren Fokus, Gürtelrose unter Proteasom-Hemmern und schleichender Gewichtsverlust gehören ebenfalls zum Spektrum, ohne allein beweisend zu sein.
Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme?
Anhaltende Knochenschmerzen in Ruhe, eine ungeklärte Blutarmut oder Infekte, die trotz Antibiotika nicht abklingen, gehören in die Hausarztpraxis innerhalb weniger Tage. Die Mayo Clinic rät, bei diesen Mustern oder bei Verwirrung mit starkem Durst einen Termin zu vereinbaren, statt auf „Altersrheuma“ zu warten.
Stunden zählen, wenn neurologische Ausfälle oder eine schwere Stoffwechselentgleisung drohen. Die American Cancer Society stuft eine Rückenmarkkompression und eine Hyperviskosität als medizinische Notfälle ein. In Deutschland ist der Notruf 112 der richtige Weg, wenn eines der folgenden Bilder neu und heftig auftritt. Nach einer gesicherten Diagnose bleiben dieselben Schwellen gültig: jede neue Beinschwäche, jeder unstillbare Nachtschmerz der Wirbelsäule und jedes Fieber unter laufender Immuntherapie braucht sofort Kontakt zum behandelnden Team oder zur Notaufnahme.
| Lage | Eher Praxis in den nächsten Tagen | Eher Notaufnahme oder 112 |
|---|---|---|
| Knochen | Dumpfer Rückenschmerz seit Wochen, belastungsabhängig | Plötzlicher stärkster Rückenschmerz plus Beinschwäche oder Taubheit |
| Nerven | Kribbeln in Füßen unter bekannter Therapie | Blasen- oder Darmverlust, Reithosenanästhesie, Gehunfähigkeit |
| Stoffwechsel | Leichte Müdigkeit, erhöhter Calciumwert im Kontrolllabor | Verwirrung, unstillbarer Durst, Erbrechen, drohende Bewusstlosigkeit |
| Niere | Kreatinin steigt langsam in der Verlaufskontrolle | Wenig Urin, schwere Ödeme, Luftnot, Kaliumentgleisung |
| Infekt und Blut | Wiederholte Nasennebenhöhlenentzündung, leichtes Nasenbluten | Fieber mit Schüttelfrost, Pneumonie, Schlaganfallzeichen, dicke Zunge |
Ein Angehöriger sollte mitgehen. Myelompatienten unterschätzen neurologische Veränderungen oft, und fremde Beobachtungen zum Gang oder zur Verwirrung helfen mehr als ein einzelnes Laborblatt. Wer bereits MGUS oder ein schwelendes Myelom hat, braucht keinen täglichen Alarm, aber eine klare Ansage, welche neuen Symptome die geplante Kontrolle vorziehen.
Ursachen, Risiken und Vorstufen
Die genaue Ursache bleibt unbekannt. Die Mayo Clinic beschreibt eine Kette erworbener Genveränderungen in Plasmazellen und im Knochenmark-Milieu, nicht ein einziges vererbtes Gen. Fast immer liegt eine MGUS voraus, die selbst keine Organschäden macht; die meisten Menschen mit MGUS entwickeln nie ein Myelom.
Alter bleibt der stärkste Faktor. Die American Cancer Society nennt ein medianes Diagnosealter von 69 Jahren; unter 35 Jahren liegt weniger als ein Prozent der Fälle. Männer erkranken etwas häufiger. In den USA ist die Rate bei Schwarzen mehr als doppelt so hoch wie bei Weißen, ohne dass der Mechanismus geklärt wäre. Ein Elternteil oder Geschwister mit Myelom erhöht das persönliche Risiko, erklärt aber nur einen kleinen Teil der Fälle. Übergewicht, eine bekannte MGUS oder ein solitäres Plasmozytom zählen zu den gesicherten Begleitern. Strahlung und einzelne Chemikalien, darunter bestimmte Herbizide, werden diskutiert; eine gesunde Ernährung oder Sport verhindert die Erkrankung nach heutigem Stand nicht.
MGUS bedeutet Serum-M-Protein unter 3 g/dl, weniger als 10 Prozent klonale Plasmazellen und fehlende CRAB-Schäden. Die Progressionsrate liegt langfristig bei etwa einem Prozent pro Jahr und erlischt auch nach Jahrzehnten nicht. Das schwelende Myelom (SMM) hat höhere Last (M-Protein ≥3 g/dl und/oder ≥10 Prozent Knochenmarksplasmazellen), aber noch kein Myelom-definierendes Ereignis. Hier liegt das Risiko in den ersten fünf Jahren bei etwa 10 Prozent pro Jahr, danach niedriger. Die Mayo-Kriterien 2/20/20 (M-Protein über 2 g/dl, Plasmazellen über 20 Prozent, Leichtketten-Ratio über 20) sortieren SMM in niedriges, mittleres und hohes Risiko. Niedrig- und mittleres Risiko wird beobachtet; für Hochrisiko-SMM hat die Phase-III-Studie AQUILA Daratumumab über drei Jahre gegen aktive Überwachung getestet und nach fünf Jahren ein progressionsfreies Überleben von 63,1 gegen 40,8 Prozent sowie ein Gesamtüberleben von 93,0 gegen 86,9 Prozent gezeigt. Die EHA-EMN-Leitlinie 2025 hält die Monotherapie für erwägenswert, auch wenn die Zulassung zum Zeitpunkt der Publikation noch ausstand.
Welche Untersuchungen sichern die Diagnose?
Die Diagnose stützt sich auf Blut, Urin, Knochenmark und Bildgebung, nicht auf ein einzelnes Röntgenbild. Die Mayo Clinic beschreibt den Weg oft so: ein zufällig erhöhtes Eiweiß führt zu Elektrophorese, Immunfixation und freien Leichtketten; erst danach folgen Staging und Biopsie.
Im Blut werden Blutbild, Calcium, Kreatinin, Albumin, Laktatdehydrogenase, Beta-2-Mikroglobulin und Immunglobuline gemessen. Die Serumelektrophorese findet das M-Protein bei den meisten Patienten; fehlt die Bande, sucht man Leichtketten im Serum und im 24-Stunden-Urin. Das Knochenmark aus dem Beckenkamm liefert den Anteil klonaler Plasmazellen und die Chromosomenanalyse per Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH). Gesucht werden unter anderem del(17p), t(4;14), t(14;16), Gewinn von 1q und Verlust von 1p. Für die Knochenbeurteilung gelten Ganzkörper-Niedrigdosis-CT, PET-CT oder MRT als empfindlicher als die klassische Skelettaufnahme; Röntgen allein übersieht frühe Osteolysen.
Aktives Myelom liegt vor, wenn mindestens 10 Prozent klonale Knochenmarksplasmazellen oder ein bioptisch gesichertes Plasmozytom plus mindestens ein Myelom-definierendes Ereignis vorliegen. Zu den klassischen CRAB-Schwellen der International Myeloma Working Group, wie Rajkumar sie 2024 zusammenfasst, gehören Calcium über 2,75 mmol/l (11 mg/dl) oder mehr als 1 mg/dl über der oberen Norm, Kreatinin-Clearance unter 40 ml/min oder Serumkreatinin über 2 mg/dl, Hämoglobin unter 10 g/dl oder mehr als 2 g/dl unter der unteren Norm, und mindestens eine osteolytische Läsion. Seit 2014 gelten drei Biomarker gleichwertig (SLiM): klonale Plasmazellen ≥60 Prozent, Ratio beteiligter zu unbeteiligter freier Leichtketten ≥100 bei beteiligter Kette ≥100 mg/l, und mehr als ein fokaler MRT-Herd. Jeder dieser Marker war in unabhängigen Studien mit etwa 80 Prozent Risiko verbunden, binnen zwei Jahren Organschäden zu entwickeln. Ältere Texte, die Therapie erst nach sichtbarer Organzerstörung starteten, sind damit überholt.
Wie werden Stadium und Risiko bestimmt?
Das Durie-Salmon-System mit Calcium, Blutarmut, M-Protein und Knochenzahl steuert die Therapieplanung nicht mehr. An seine Stelle trat das Revised International Staging System (R-ISS), das die American Cancer Society (Stand Februar 2025) so beschreibt: Stadium I braucht Beta-2-Mikroglobulin unter 3,5 mg/l, Albumin mindestens 3,5 g/dl, normale LDH und keine Hochrisiko-Zytogenetik. Stadium III verbindet Beta-2-Mikroglobulin von 5,5 mg/l oder mehr mit Hochrisiko-FISH (del(17p), t(4;14) oder t(14;16)) oder hoher LDH. Stadium II füllt die Mitte.
Die European Myeloma Network hat 2022 im HARMONY-Projekt eine zweite Revision (R2-ISS) vorgeschlagen, weil rund 60 Prozent der Patienten im R-ISS als intermediär landeten und ein 1q-Gewinn unberücksichtigt blieb. D’Agostino und Mitautoren verteilten Punkte: ISS III 1,5, ISS II 1,0, del(17p) 1,0, hohe LDH 1,0, t(4;14) 1,0, 1q-Plus 0,5. Vier Gruppen entstanden. Im Trainingsdatensatz (median 75 Monate Nachbeobachtung) war das Gesamtüberleben nicht erreicht, 109,2, 68,5 und 37,9 Monate; das progressionsfreie Überleben lag bei 68, 45,5, 30,2 und 19,9 Monaten. Die EHA-EMN-Leitlinie 2025 nutzt R2-ISS zunehmend in der Routine. Ein IMS-IMWG-Konsens von 2025 schärft die genomische Hochrisiko-Definition zusätzlich über TP53, kombinierte IgH-Translokationen mit 1q/1p und Beta-2-Mikroglobulin bei normalem Kreatinin.
| System | Eingangswerte | Aussage |
|---|---|---|
| R-ISS I | β2M <3,5 mg/l, Albumin ≥3,5 g/dl, normale LDH, Standard-FISH | langsameres Risiko, bessere Ausgangslage |
| R-ISS II | weder I noch III | große, gemischte Mittelgruppe |
| R-ISS III | β2M ≥5,5 mg/l plus Hochrisiko-FISH oder hohe LDH | höheres Risiko unter älteren Schemata |
| R2-ISS I–IV | additive Punkte inkl. 1q-Plus | vier Stufen, trennt die frühere Mitte |
Stadium ist Prognose, nicht Schicksal. Nierenfunktion, Alter, Gebrechlichkeit und Ansprechen auf die erste Linie verschieben den Verlauf stärker als eine einzelne Zahl. Die Cleveland Clinic erinnert, dass zwei Menschen mit demselben Stadium sehr unterschiedlich leben können.

Wie wird das aktive Myelom zuerst behandelt?
Aktives Myelom braucht in der Regel eine medikamentöse Kombination; schwelendes Myelom ohne Hochrisiko wird beobachtet. Die erste Frage der Hämatologie lautet nicht „Chemotherapie oder nicht“, sondern ob eine autologe Stammzelltransplantation infrage kommt. Die Mayo Clinic macht die Eignung an Fitness, Begleiterkrankungen, Niere und Therapieziel fest, nicht am Geburtsjahr allein.
Für transplantationsfähige Patienten empfehlen EHA und EMN 2025 als neue Standards Daratumumab oder Isatuximab plus Bortezomib, Lenalidomid und Dexamethason (Dara-VRd oder Isa-VRd), vier bis sechs Induktionszyklen, dann Hochdosis-Melphalan 200 mg/m² und Rückgabe der eigenen Stammzellen. In der PERSEUS-Studie lag das geschätzte Vierjahres-progressionsfreie Überleben nach Dara-VRd plus Erhaltung bei 84,3 Prozent gegen 67,7 Prozent nach VRd ohne CD38-Antikörper. Stammzellen sollen nach drei oder vier Zyklen gesammelt werden, weil die Ausbeute dann zuverlässiger ist. Als Konditionierung bleibt Melphalan 200 mg/m² der Standard. Die Erhaltung nach Transplantation war lange Lenalidomid allein; nach PERSEUS gilt die Kombination mit Daratumumab als neuer Standard, sofern verfügbar. Eine zweite Transplantation kann bei genetisch definiertem Hochrisiko erwogen werden.
Wer keine Transplantation verträgt, erhält ebenfalls CD38-haltige Kombinationen. Isa-VRd und Dara-VRd gelten bei Gebrechlichkeits-Score unter 2 und Alter unter 80 Jahren als neue Optionen. Dara-Rd bleibt wertvoll für gebrechlichere Patienten; eine dexamethasonarme Variante (Dara-R nach zwei Steroidzyklen) senkte in IFM2017-03 das Progressionsrisiko gegenüber Rd. Fehlen diese Regime, bleiben Dara-VMP oder VRd tragfähig. Klassische Schemata mit Vincristin plus Doxorubicin und eine Interferon-Erhaltung, wie sie ältere Ratgeber nannten, gehören nicht mehr zur ersten Linie. Chemotherapie im engen Sinn dient vor allem der Hochdosis vor Transplantation. Zielgerichtete Mittel, Immunmodulatoren und Antikörper tragen die Last.
Was gilt bei Rückfall und Resistenz?
Ein Rückfall bedeutet, dass die Krankheit nach einer Ruhephase wieder messbar wächst; refraktär heißt, sie spricht nicht an oder bricht unter oder kurz nach der Therapie aus. Die nächste Linie hängt davon ab, welche Wirkstoffklassen bereits versagt haben, wie lange die letzte Remission hielt und welche Begleiterkrankungen vorliegen. Ein früher wirksames Schema kann zurückkehren, wenn die Pause lang war und keine Resistenz besteht.
Seit 2021 haben Immuntherapien die spätere Linie verschoben. CAR-T-Zellen gegen BCMA (Ciltacabtagen-Autoleucel, Idecabtagen-Vicleucel) werden aus eigenen T-Zellen hergestellt, im Labor umgebaut und zurückgegeben. Die Mayo Clinic nennt als häufige Nebenwirkungen das Zytokinfreisetzungssyndrom mit Fieber, niedrigem Blutdruck und Sauerstoffmangel sowie neurologische Veränderungen. Bispezifische Antikörper (Teclistamab, Elranatamab gegen BCMA; Talquetamab gegen GPRC5D) koppeln eine T-Zelle direkt an die Myelomzelle und werden subkutan gegeben; Infekte und ein Abfall der eigenen Antikörper sind häufig, weshalb Impfstatus und Immunglobulingabe thematisiert werden. Belantamab-Mafodotin, ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, zeigte in DREAMM-7 und DREAMM-8 längere progressionsfreie Zeiten, geht aber mit Augenveränderungen einher, die Dosisanpassungen erzwingen.
Cilta-cel ist in Europa für Lenalidomid-refraktäre Patienten nach mindestens einer Vortherapie mit Immunmodulator und Proteasom-Hemmer zugelassen; Ide-cel rückte nach KarMMa-3 in frühere Linien. Die EHA-EMN-Leitlinie 2025 stellt Tripletts aus CD38-Antikörper plus Carfilzomib oder Kombinationen mit Belantamab und Pomalidomid je nach Vorbehandlung voran. Eine zweite autologe Transplantation kommt nur infrage, wenn die erste Remission sehr lang war, oft jenseits von drei Jahren. Die Reihenfolge der T-Zell-Therapien beeinflusst spätere Optionen; deshalb sollte die Planung früh, nicht erst nach vielen gescheiterten Linien, ein CAR-T-Zentrum einbeziehen.
Knochen, Nieren, Infekte: was den Alltag trägt
Begleitbehandlung entscheidet mit über Lebensqualität, auch wenn die Myelomzellen schon schrumpfen. Knochen brauchen Mittel, die den Abbau bremsen (Bisphosphonate oder Denosumab), Schmerztherapie, gelegentlich Bestrahlung eines einzelnen schmerzhaften Herdes und bei Wirbeleinbrüchen eine unfallchirurgische Mitbeurteilung. Die Mayo Clinic nennt Knochen-modifizierende Arzneimittel ausdrücklich als Teil des Plans gegen Frakturen.
Nieren brauchen rasche Flüssigkeitszufuhr, das Absetzen nierenschädlicher Schmerzmittel und die Behandlung einer Hyperkalzämie; schwere Insuffizienz kann vorübergehend eine Dialyse erzwingen, schließt eine Transplantation aber nicht automatisch aus. Infekte bleiben die häufigste Gefahr im Verlauf. Influenza- und Pneumokokken-Impfungen gehören zum Basispaket; unter Proteasom-Hemmern und CD38-Antikörpern steigt das Risiko für Herpes zoster, weshalb viele Teams eine Vorbeugung verordnen. Fieber unter Neutropenie ist ein Notfall, kein „abwarten bis montags“.
Alltagshilfen ersetzen keine Tumortherapie, können aber die Belastung senken. Die Mayo Clinic rät zu Pausen, wenn die Kraft fehlt, zu nährstoffreicher Kost, soweit Appetit und Übelkeit das zulassen, und zu Bewegung im mit dem Team abgesprochenen Rahmen. Rohmilch, unzureichend erhitztes Fleisch und schlechte Küchenhygiene sind während tiefer Immunsuppression riskanter als in gesunden Jahren. Crash-Diäten haben in dieser Lage keinen Platz. Meditation, leichte Aktivität oder eine Gesprächsgruppe ändern die Biologie nicht, können aber Angst und Erschöpfung milder machen. Rauchen aufzugeben bleibt sinnvoll, weil jede zusätzliche Lungenbelastung Infekte und Narkosen erschwert.
Welche Überlebenschancen gibt es heute?
Das relative Fünfjahresüberleben aller Myelomfälle liegt in den SEER-Daten 2016 bis 2022 bei 63,7 Prozent. Lokal begrenzte Plasmozytome erreichen 82,1 Prozent, die ferne, also typische Myelomform 63,0 Prozent; 96 Prozent der Diagnosen fallen in diese ferne Gruppe. Die American Cancer Society rechnet für 2015 bis 2021 mit 62 Prozent über alle Stadien und erinnert, dass heutige Erstlinien die älteren Kohorten noch nicht voll abbilden.
In Studien mit Transplantation und moderner Erhaltung berichten einzelne Zentren mediane Überlebenszeiten von über zehn Jahren. Die EHA-EMN-Leitlinie zitiert, dass in Trial-Kohorten fast 60 Prozent der transplantationsfähigen Patienten zehn Jahre nach dem Eingriff noch lebten, während in der Gesamtbevölkerung nur 10 bis 15 Prozent die Lebenserwartung Gleichaltriger ohne Myelom erreichen. Jüngeres Alter, erhaltene Niere, Standardrisiko-FISH und tiefe, anhaltende Negativität der messbaren Resterkrankung (MRD) verbessern die Chance. Hochrisiko-Zytogenetik, extramedulläre Herde und frühe Resistenz gegen Proteasom-Hemmer plus Immunmodulator plus CD38-Antikörper verschlechtern sie. Zahlen beschreiben Gruppen, nicht den einzelnen Verlauf.
Heilung im strengen Sinn, also dauerhaftes Verschwinden ohne weitere Therapie, bleibt die Ausnahme. Die Cleveland Clinic formuliert das klar: Ärztinnen und Ärzte können das Myelom nicht heilend entfernen, aber Symptome behandeln und das Fortschreiten oft lange aufhalten. MRD-Negativität über zwölf Monate hängt eng mit längerem progressionsfreiem Überleben zusammen; ob man die Erhaltung danach sicher beenden darf, prüfen Studien noch, vor allem bei Standardrisiko.
Häufige Fragen
Ist das multiple Myelom heilbar?
In der Regel nicht. Behandlung kann die Last senken, Knochen und Nieren schützen und das Leben um Jahre verlängern, tilgt den Klon aber selten dauerhaft. Einzelne Menschen mit anhaltender MRD-Negativität leben sehr lange ohne messbare Krankheit; das ersetzt keine Heilungszusage.
Was bedeutet CRAB beim Myelom?
CRAB bündelt vier Organschäden: zu hohes Calcium, Nierenschwäche, Blutarmut und Knochenlöcher. Schon eines dieser Merkmale plus klonale Plasmazellen kann ein aktives Myelom belegen. Seit 2014 gelten zusätzlich SLiM-Biomarker, damit die Therapie vor dem Organbruch starten kann.
Muss jedes Myelom sofort behandelt werden?
Nein. MGUS und niedrig- oder intermediär-riskantes schwelendes Myelom werden überwacht. Aktives Myelom mit CRAB- oder SLiM-Zeichen braucht eine Kombination. Hochrisiko-SMM kann nach AQUILA eine zeitlich begrenzte Daratumumab-Gabe erwägen, sobald Zulassung und Leitlinie das vor Ort tragen.
Wie unterscheidet sich MGUS vom multiplen Myelom?
MGUS hat wenig M-Protein, unter 10 Prozent Plasmazellen und keine Organschäden; das Progressionsrisiko liegt bei etwa einem Prozent pro Jahr. Das Myelom erfüllt SLiM-CRAB und braucht Therapie. Dazwischen liegt das schwelende Myelom mit höherer Last, aber noch ohne definierendes Ereignis.
Welche Rolle spielt die Stammzelltransplantation heute?
Bei fitten Patienten bleibt die autologe Transplantation nach Vierfachinduktion Standard, weil sie die Remission vertieft. Gebrechliche Menschen erhalten durchgehende Medikamentenkombinationen ohne Hochdosis. Eine zweite Transplantation ist die Ausnahme nach sehr langer erster Pause.
Kann man einem multiplen Myelom vorbeugen?
Eine gesicherte Vorbeugung gibt es nicht. Die Mayo Clinic schreibt, kein Lebensstil sei als Schutz nachgewiesen. Übergewicht zu vermeiden und bekannte MGUS regelmäßig kontrollieren zu lassen, ist sinnvoll, ersetzt aber kein Screening der ganzen Bevölkerung.

Fazit
Wer dumpfen Knochenschmerz, ungeklärte Blutarmut oder hartnäckige Infekte hat, braucht zuerst Blutbild, Eiweißelektrophorese und eine ärztliche Einordnung, nicht eine Selbstdiagnose im Internet. Bestätigt sich ein Plasmazellklon, trennen SLiM-CRAB und moderne Bildgebung Beobachtung von Therapie; das alte Warten auf sichtbare Knochenlöcher gilt nicht mehr.
Die Mittel von 2018 mit Vincristin, Interferon und Durie-Salmon-Stadien sind ersetzt. Vierfachkombinationen, Transplantation bei Geeigneten, Lenalidomid-Erhaltung mit oder ohne Daratumumab und, im Rückfall, CAR-T-Zellen oder bispezifische Antikörper bestimmen den Plan. Notfälle bleiben dieselben wie zuvor: neue Beinschwäche, Blasenstörung, schwere Verwirrung mit Durst oder Fieber unter Immuntherapie gehören an denselben Tag in die Klinik.
Für den nächsten Schritt reicht oft ein Termin in der hausärztlichen Praxis mit der Bitte um Elektrophorese und Überweisung zur Hämatologie. Dort lassen sich Stadium, Fitness und das konkrete Schema festlegen. Heilung darf niemand versprechen; Kontrolle, Infektvorbeugung und ein klarer Alarmplan für neurologische Zeichen sind erreichbare Ziele.
Quellen
- Mayo Clinic: Multiple myeloma – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 22. August 2026.
- Mayo Clinic: Multiple myeloma – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 22. August 2026.
- National Cancer Institute: Cancer Stat Facts: Myeloma. Surveillance, Epidemiology, and End Results Program, Stand: 2026.
- American Cancer Society: Key Statistics About Multiple Myeloma. American Cancer Society, Stand: 2026.
- American Cancer Society: Multiple Myeloma Stages. American Cancer Society, 28. Februar 2025.
- American Cancer Society: Signs and Symptoms of Multiple Myeloma. American Cancer Society, 28. Februar 2025.
- Rajkumar SV: Multiple myeloma: 2024 update on diagnosis, risk-stratification, and management. American Journal of Hematology, 28. Juni 2024.
- Dimopoulos MA, Terpos E et al.: EHA–EMN Evidence-Based Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up of patients with multiple myeloma. Nature Reviews Clinical Oncology, 7. Juli 2025.
- National Cancer Institute: Plasma Cell Neoplasms (Including Multiple Myeloma) Treatment (PDQ®)–Patient Version. National Cancer Institute, Stand: 2025.
- Cleveland Clinic: Multiple Myeloma: Symptoms, Causes & Treatment. Cleveland Clinic, 18. August 2025.
- D’Agostino M, Cairns DA et al.: Second Revision of the International Staging System (R2-ISS) for Overall Survival in Multiple Myeloma: A European Myeloma Network (EMN) Report Within the HARMONY Project. Journal of Clinical Oncology, 2022.
- Berenson JR: Multiple Myeloma. Merck Manual Professional Edition, April 2026.
