
Cannabis kann bei wenigen, klar umrissenen Beschwerden helfen, vor allem bei hartnäckiger Übelkeit unter Chemotherapie und bei seltenen kindlichen Epilepsien mit einem zugelassenen CBD-Präparat. Der Nutzen bei alltäglichem Schmerz bleibt klein, während häufiges oder hochdosiertes Tetrahydrocannabinol (THC) das Risiko für Psychose, Herz-Kreislauf-Ereignisse, Fahruntüchtigkeit und Abhängigkeit anheben kann.
Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat die Pflanze selbst für keine Krankheit zugelassen. Isolierte oder synthetische Cannabinoide sind dagegen als Rezeptarzneimittel geprüft: Cannabidiol (Epidiolex) gegen bestimmte Anfallsleiden, Dronabinol und Nabilon gegen Chemotherapie-Übelkeit, Dronabinol zusätzlich gegen Appetitverlust bei AIDS. Der Bericht der US-National Academies von 2017 wertete mehr als 10.000 Arbeiten aus und galt lange als Referenz. Cochrane-Reviews, die Leitlinie der American Society of Clinical Oncology von 2024 und aktuelle CDC-Seiten haben das Bild seither verschoben: weniger Optimismus beim Schmerz, schärfere Warnungen zu Herz, Gehirn, Schwangerschaft und hochkonzentriertem THC.
Was bewirkt Cannabis im Körper?
THC dockt an körpereigene Cannabinoidrezeptoren an und verändert Stimmung, Zeitgefühl, Aufmerksamkeit und Bewegungskoordination. Cannabidiol (CBD) erzeugt diesen Rausch nicht, kann aber Müdigkeit, Durchfall und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln auslösen.
Die Pflanze Cannabis sativa enthält mehr als hundert Cannabinoide. THC ist der berauschende Hauptstoff, CBD der am besten untersuchte nicht berauschende. Beide greifen ins Endocannabinoidsystem ein, das Schmerz, Appetit, Übelkeit und Immunantworten mitsteuert. Wie stark jemand reagiert, hängt von der THC-Menge, der Aufnahmeform, dem Alter, der Vorerfahrung und davon ab, ob Alkohol oder Tabak gleichzeitig wirken, so das National Institute on Drug Abuse (NIDA).
Rauchen oder Verdampfen wirkt innerhalb von Minuten. Geschluckte Lebensmittel brauchen oft 30 bis 120 Minuten; wer nachlegt, weil „nichts passiert“, überdosiert leicht. Tropfen unter der Zunge und Hautgele liegen dazwischen. Konzentrate, die als Wachs oder Shatter inhaliert werden, liefern sehr hohe THC-Dosen auf einmal. Mayo Clinic (Aktualisierung 15. August 2025) betont, dass sich die THC-Gehalte zwischen Sorten und Produkten stark unterscheiden und deshalb eine verlässliche Alltagsdosis kaum bestimmbar ist.
Kurzfristig treten trockener Mund, gerötete Augen, Schwindel, erhöhter Appetit und ein schnellerer Puls auf. Manche erleben Angst, Misstrauen oder Halluzinationen, besonders bei wenig Erfahrung oder starkem THC. Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Reaktionszeit sind in den Stunden nach dem Konsum eingeschränkt. Die CDC rät deshalb, in diesem Fenster weder zu fahren noch Maschinen zu bedienen.
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Welche medizinischen Nutzen sind wirklich belegt?
Geprüfte Nutzen beschränken sich auf wenige Indikationen und auf standardisierte Präparate, nicht auf selbst dosierte Blüten oder Öle vom Markt. Die FDA hat bis heute keine Marketingzulassung für die ganze Pflanze erteilt, wohl aber für einzelne Cannabinoid-Arzneimittel.
Epidiolex enthält hochgereinigtes pflanzliches CBD und ist in den USA gegen Anfälle beim Lennox-Gastaut-Syndrom, beim Dravet-Syndrom und bei tuberöser Sklerose zugelassen. Das ist ein relevanter Fortschritt gegenüber dem Stand von 2017, als der National-Academies-Bericht diese Zulassung noch nicht abbilden konnte. Für häufige Epilepsieformen fehlt ein vergleichbarer Nachweis. Dronabinol (Marinol, Syndros) und Nabilon (Cesamet) sind synthetische THC-Analoga. Sie dürfen bei Chemotherapie-Übelkeit eingesetzt werden, wenn übliche Mittel versagen; Dronabinol zusätzlich bei Appetitverlust mit Gewichtsverlust bei AIDS.
Eine Cochrane-Auswertung von 23 randomisierten Studien fand weniger Übelkeit und Erbrechen unter Cannabinoiden als unter Scheinpräparat. Gegen ältere Antiemetika wie Prochlorperazin lag die Wirkung in einer ähnlichen Größenordnung. Schwindel, Sedierung, Dysphorie und das Gefühl, berauscht zu sein, traten häufiger auf, und mehr Teilnehmende brachen wegen Nebenwirkungen ab. Die Studien liefen zwischen 1975 und 1991, spiegeln also weder heutige Chemotherapie noch moderne Mittel wie Ondansetron. Die Autorinnen und Autoren halten Cannabinoide daher für eine Option bei refraktärer Übelkeit, nicht für die erste Wahl.
Die Krebsleitlinie der ASCO von 2024 rät ausdrücklich davon ab, Cannabis oder Cannabinoide als krebsgerichtete Therapie außerhalb von Studien zu empfehlen. Für Übelkeit, die trotz leitlinienkonformer Antiemetika bestehen bleibt, spricht sie sich schwach dafür aus, geprüfte THC-Präparate zu erwägen. Große Studien, die belegen, dass Cannabis Tumore schrumpft, gibt es nicht. Tierversuche bleiben ein Hinweis, kein Behandlungsauftrag.
Bei Multipler Sklerose kann ein standardisiertes THC-CBD-Spray (Nabiximols, außerhalb der USA als Sativex bekannt) das subjektive Gefühl der Spastik etwas lindern. Objektive Messungen der Muskelsteifheit verbessern sich oft nicht. Für Glaukom senkt Cannabis den Augendruck nur für wenige Stunden und schlechter als etablierte Tropfen; NCCIH sieht darin keinen praktikablen Nutzen. Appetitsteigerung bei HIV ist für Dronabinol zugelassen, die Evidenz für Blüten bleibt dünn.
Hilft Cannabis gegen chronische Schmerzen?
Ältere Empfehlungen, darunter der National-Academies-Bericht 2017, nannten substanzielle Evidenz für eine wirksame Behandlung chronischer Schmerzen bei Erwachsenen. Neuere systematische Auswertungen beschreiben denselben Effekt als klein und klinisch oft kaum spürbar.
Das US-Zentrum für komplementäre Medizin (NCCIH) fasst eine Übersicht von 2018 mit 47 Studien und 4743 Personen zusammen: 29 Prozent der Cannabinoid-Gruppe erreichten eine Schmerzlinderung um mindestens 30 Prozent, unter Scheinpräparat 26 Prozent. Der Abstand kann für den Einzelnen unerheblich bleiben, Nebenwirkungen waren häufiger. Für neuropathischen Schmerz, etwa bei HIV oder Diabetes, deuten einzelne Arbeiten auf eine gewisse Linderung brennender oder einschießender Schmerzen hin. Die Studien sind klein, kurz und oft mit standardisierten Sprays statt gerauchter Blüte gemacht.
Für Krebsschmerz, der trotz Opioiden stark bleibt, fällt das Urteil härter aus. Der Cochrane-Review von Häuser und Kollegen (Suche bis Januar 2023) wertete 14 Studien mit 1823 Erwachsenen aus. Nabiximols oder THC als Zusatz zur Opioidtherapie unterschieden sich in der mittleren Schmerzstärke kaum vom Scheinpräparat. 32 von 100 Personen berichteten eine deutliche Besserung unter dem Spray, 23 von 100 unter Placebo. Frühe Abbrüche wegen Nebenwirkungen lagen bei 19 gegenüber 16 von 100. Die Autorinnen und Autoren stufen Nabiximols und THC bei opioidrefraktärem Krebsschmerz als unwirksam ein. Studien mit gerauchtem medizinischen Cannabis fehlten.
Die Hoffnung, Cannabis ersetze Opioide, hat sich in hochwertigen Versuchen nicht bestätigt. NCCIH zitiert drei gut kontrollierte Studien, in denen Cannabinoide den Opioidbedarf nicht senkten. Frühe US-Beobachtungen zu weniger Überdosierungen in Bundesstaaten mit medizinischem Cannabis kehrten sich um, sobald die Datenreihe bis 2017 verlängert wurde. Wer Schmerzen behandeln will, braucht deshalb ein Gespräch über zugelassene Analgetika, Physiotherapie und, falls Cannabinoide erwogen werden, über Präparat, Dosis und Wechselwirkungen, nicht über unkontrollierte Ladenprodukte.
Wie gefährlich ist Cannabis für Psyche und Gehirn?
Häufiger Konsum, besonders in der Jugend und mit hohem THC-Gehalt, kann das Risiko für Psychose und Schizophrenie erhöhen. Die CDC hält fest, dass der Zusammenhang stärker ist, wenn der Konsum früh beginnt und oft stattfindet.
THC kann vorübergehend Angst, Paranoia und das Gefühl auslösen, die Wirklichkeit zu verlieren. Bei Menschen mit bestehender Schizophrenie oder bipolarer Störung können Symptome aufflammen. Mayo Clinic rät bei aktiven psychischen Erkrankungen und bei früherer Suchterkrankung vom Konsum ab. Bipolare Verläufe können in Richtung Manie kippen. Depression und soziale Angst treten in Beobachtungsstudien häufiger auf; ob Cannabis Ursache oder Begleitphänomen ist, bleibt teilweise offen. Suizidgedanken und -versuche sind laut CDC mit Konsum assoziiert.
Das Gehirn reift etwa bis zum 25. Lebensjahr. Jugendliche, die vor 18 Jahren regelmäßig konsumieren, können nach CDC-Angaben schlechter Verbindungen für Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Lernen aufbauen. Die Effekte können lange anhalten; ob sie dauerhaft bleiben, ist noch nicht sicher. NIDA verknüpft häufigen Konsum mit früherem Psychosebeginn bei genetischer Vorbelastung und sieht den Zusammenhang besonders bei jungen Männern. Ein einmaliger Rausch beweist keine spätere Schizophrenie, wiederholtes hochpotentes THC bei familiärer Belastung ist jedoch ein klarer Risikofaktor.
CBD gilt manchen als Gegenmittel gegen THC. Bei Menschen mit Schizophrenie und gleichzeitigem Cannabisgebrauch hat eine kontrollierte Studie 2025 diese Schutzwirkung nicht bestätigt; das vorab gegebene CBD dämpfte weder Gedächtnisprobleme noch psychotische Symptome nach THC. Freiverkäufliche Öle ersetzen diese Forschung nicht. NCCIH warnt, dass solche Produkte oft weniger oder mehr CBD enthalten als deklariert und mit THC verunreinigt sein können. Tagesmengen über 300 Milligramm CBD können laut Mayo Clinic Übelkeit, Durchfall und Leberveränderungen auslösen.
Schädigt Cannabis Lunge, Herz und das Krebsrisiko?
Gerauchtes Cannabis reizt die Atemwege und kann Husten, Schleim und Bronchitis auslösen, unabhängig davon, ob Joint, Bong oder Stummel verwendet wird. Ein klarer Beleg für Lungenkrebs oder COPD fehlt nach Tabakbereinigung weiterhin.
Cannabisrauch enthält viele der gleichen Gift- und Reizstoffe wie Tabakrauch. Die CDC (Stand 15. Februar 2024) beschreibt Narbenbildung im Lungengewebe und Schäden an kleinen Gefäßen. Symptome bessern sich oft, wenn der Rauch gestoppt wird. Ob Emphysem oder COPD entstehen, ist nicht abschließend geklärt, weil viele Konsumierende gleichzeitig rauchen. Verdampfen vermeidet Verbrennungsprodukte, war aber in den USA mit schweren Lungenschäden durch bestimmte THC-Liquids verknüpft. Die FDA hat vor solchen Dampfprodukten gewarnt.
Unmittelbar nach dem Konsum steigen Puls und Blutdruck. Die CDC sieht ein mögliches Mehr an Schlaganfall, Herzkrankheit und Gefäßleiden. Die meisten Studien betreffen gerauchtes Cannabis, sodass Rauchgifte und THC schwer zu trennen sind. Ob die Sterblichkeit steigt, bleibt offen. Mayo Clinic listet Herzinfarkt und Schlaganfall als mögliche Nebenwirkungen und rät Menschen mit aktiver Herzkrankheit vom Konsum ab. Brustschmerz, plötzliche Schwäche einer Körperseite oder Sprachstörung gehören in die Notaufnahme, nicht in die Selbstbeobachtung.
Zum Krebsrisiko bleibt das Bild uneinheitlich. Das National Cancer Institute zitiert den National-Academies-Bericht mit mäßiger Evidenz gegen einen statistischen Zusammenhang zwischen Cannabisrauchen und Lungenkrebs, nachdem Tabak berücksichtigt wurde. Kopf-Hals-Tumoren zeigen in gepoolten Studien mal höhere, mal niedrigere Risiken. Für Hodentumoren berichten mehrere Fall-Kontroll-Arbeiten eine Assoziation, vor allem mit nichtseminomatösen oder gemischten Keimzelltumoren; eine schwedische Langzeitkohorte fand den Zusammenhang nur bei sehr häufigem Konsum. Das ist kein Beweis, dass Cannabis Krebs heilt oder zuverlässig auslöst. Als Krebsbehandlung taugt die Pflanze nach ASCO und NCI nicht.
Was gilt in Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern?
In Schwangerschaft und Stillzeit raten CDC, die US-Frauenärztegesellschaft und die American Academy of Pediatrics vom Cannabis ab, in jeder Form. THC passiert die Plazenta und geht in die Muttermilch über; eine sichere Menge ist nicht bekannt.
Die CDC (Stand 31. Januar 2025) betont, dass Rauchen, Verdampfen, Essen, Trinken und Hautcremes gleichermaßen gemeint sind. Manche Schwangere nutzen Cannabis gegen Übelkeit oder Angst. Dafür gibt es keinen Beleg für Unbedenklichkeit, wohl aber Hinweise auf niedrigeres Geburtsgewicht und abweichende neurologische Entwicklung beim Neugeborenen. Beobachtungsstudien verknüpfen den vorgeburtlichen Konsum mit späteren Problemen bei Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Problemlösen und Verhalten. CBD in der Schwangerschaft ist kaum untersucht; fehlende Daten bedeuten keine Freigabe.
THC lagert sich im Fettgewebe ein und wird langsam freigesetzt. Ein Kind kann also noch exponiert sein, nachdem die stillende Person aufgehört hat. Deshalb lautet die Empfehlung, in der Stillzeit komplett zu verzichten. Passivrauch enthält krebserzeugende Stoffe und kann THC auf Säuglinge übertragen.
Lebensmittel mit THC, die wie Süßigkeiten aussehen, sind für Kinder besonders gefährlich. Die CDC berichtet über schwere Vergiftungen nach versehentlichem Essen. NIDA beschreibt Klinikaufenthalte nach solchen Unfällen, auch bei Delta-8-THC-Produkten, die oft als legaler Hanf verkauft werden. Aufbewahrung gehört ins abgeschlossene Behältnis, außer Sicht und Reichweite. Bei Verdacht auf versehentliche Aufnahme: Giftnotruf oder Notarzt, nicht abwarten, bis das Kind „ausschläft“.
Wann wird aus Konsum eine Abhängigkeit?
Etwa drei von zehn Menschen, die Cannabis nutzen, erfüllen Kriterien einer Cannabisgebrauchsstörung. Das Risiko steigt, wenn der Konsum in der Jugend beginnt, fast täglich stattfindet oder Produkte mit sehr hohem THC-Anteil verwendet werden.
Die CDC stützt die Zahl auf US-Erhebungen und nennt eine Wahrscheinlichkeit von rund 30 Prozent, abhängig zu werden. NIDA grenzt 22 bis 30 Prozent ein. Jugendliche entwickeln die Störung laut NCCIH vier- bis siebenmal häufiger als Erwachsene. Zeichen sind der Wunsch, weniger zu nehmen, ohne es zu schaffen; viel Zeit für Beschaffung und Rausch; fortgesetzter Konsum trotz Streit, schlechter Schul- oder Arbeitsleistung; Nutzung in riskanten Lagen wie am Steuer; steigende Mengen für denselben Effekt; Entzug mit Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Appetitverlust, Schwitzen oder Bauchschmerz.
Der THC-Gehalt ist stark gestiegen. In Forschungsmustern verdoppelte er sich von 9 Prozent (2008) auf 17 Prozent (2017). NIDA nennt für beschlagnahmte Ware einen Anstieg von 3,96 Prozent (1995) auf 16,14 Prozent (2022). In Online-Abgabestellen dreier US-Staaten lag der Mittelwert bei 22 Prozent, die Spanne reichte bis 45 Prozent. Konzentrate können noch höher liegen. Mäßige Evidenz verknüpft solches hochpotentes THC bei Jugendlichen mit weiterem Konsum und späteren psychischen Symptomen.
Nach langem, intensivem Konsum kann das Cannabinoid-Hyperemesissyndrom auftreten: wiederkehrendes schweres Erbrechen und Bauchschmerz. Manche Betroffenen duschen heiß, weil das kurz lindert. NIDA hält fest, dass die Beschwerden nur enden, wenn der Konsum vollständig stoppt. Wer das Erbrechen als „Magen-Darm-Infekt“ behandelt und weiter nimmt, dreht die Spirale weiter.
Wann zum Arzt oder in die Notaufnahme?
Brustschmerz, Zeichen eines Schlaganfalls, eine akute Psychose, Suizidgedanken, unstillbares Erbrechen oder ein Kind nach THC-Lebensmittel gehören in die Notfallversorgung. Alltagsfragen zu Entzug, Wechselwirkungen oder Kinderwunsch gehören zum Haus- oder Facharzt, bevor der nächste Joint oder das nächste Öl folgt.
Mayo Clinic rät, Cannabis mindestens zwei Wochen vor einer Narkose zu pausieren, weil mehr Anästhetikum nötig sein kann und Herzrasen häufiger wird. Wechselwirkungen sind beschrieben mit Warfarin und anderen gerinnungshemmenden Mitteln, mit Arzneimitteln, die das zentrale Nervensystem dämpfen, mit Proteasehemmern und mit Antiepileptika. CBD und THC können Leberenzyme belegen; dann wirken andere Stoffe stärker oder schwächer. Ein Medikationsplan auf den Tisch gehört vor jedes neue Präparat, auch vor vermeintlich „natürliches“ Öl.
Wer regelmäßig konsumiert und aufhören will, braucht keine Scham, wohl aber ehrliche Angaben zur Menge und zur Form. Entzug ist selten lebensbedrohlich, kann aber Schlaf und Stimmung so sehr stören, dass Rückfall droht. Bei Psychose in der Familie, bei Herzkrankheit, bei Schwangerschaftswunsch und bei Arbeit, die Konzentration verlangt, ist der Nutzen fast immer kleiner als der Schaden.
| Warnzeichen | Was dahinterstecken kann | Was zu tun ist |
|---|---|---|
| Brustschmerz, Atemnot, plötzliche Schwäche einer Seite | möglicher Herzinfarkt oder Schlaganfall | Notarzt rufen, nicht selbst fahren |
| Stimmenhören, Wahn, akute Todesangst, Suizidgedanken | drohende oder bestehende Psychose | psychiatrische Notaufnahme aufsuchen |
| Unstillbares Erbrechen nach langem Hochdosis-Konsum | Cannabinoid-Hyperemesissyndrom | Arzt, Konsum vollständig stoppen |
| Kind hat THC-Süßigkeit oder Öl geschluckt | akute Vergiftung | Giftnotruf oder Notarzt, Restprodukt mitnehmen |
| Schwangerschaft, Kinderwunsch oder Stillzeit | THC erreicht den Fötus oder das Kind | sofort mit Frauenarzt oder Kinderarzt sprechen |
| Entzug, Kontrollverlust, Konsum trotz Schäden | Cannabisgebrauchsstörung | Hausarzt oder Suchtberatung, nicht allein steigern |
Zusätzlich gilt:
- Nach dem Konsum nicht fahren, auch wenn sich die Person „fit“ fühlt, weil Reaktion und Abstandsschätzung getrübt bleiben.
- Cannabis und Alkohol nicht kombinieren, weil die CDC eine stärkere Beeinträchtigung beider Fähigkeiten beschreibt.
- Neue oder unbekannte Konzentrate meiden, wenn bereits Angst, Herzrasen oder Panik aufgetreten sind.
Häufige Fragen
Ist Cannabis eine wirksame Krebsbehandlung?
Nein. Die ASCO-Leitlinie 2024 empfiehlt, Cannabis und Cannabinoide nicht als krebsgerichtete Therapie außerhalb von Studien zu nutzen. Geprüfte Präparate können bei refraktärer Chemotherapie-Übelkeit erwogen werden. Große klinische Belege für eine Tumorverkleinerung durch Blüten oder Öle fehlen.
Ist CBD ohne THC ungefährlich?
CBD berauscht nicht, ist aber nicht wirkungslos. Freiverkäufliche Öle können falsch deklariert oder mit THC verunreinigt sein. Dosen über 300 Milligramm pro Tag können laut Mayo Clinic die Leber belasten. In Schwangerschaft und Stillzeit rät die CDC auch von CBD-Produkten ab, weil Daten fehlen.
Darf ich nach Cannabis Auto fahren?
Nein. Cannabis verlangsamt die Reaktion, stört Koordination und verzerrt die Wahrnehmung, ähnlich wie Alkohol in dieser Hinsicht. Die CDC verknüpft den Konsum mit Unfällen, auch wenn die genaue THC-Schwelle im Blut unscharf bleibt. Zusammen mit Alkohol wird die Beeinträchtigung größer.
Hilft Cannabis bei Angst oder Depression?
Für Angststörungen und Depression ist der Nutzen nicht belegt. Manche fühlen sich kurz entspannter, andere kippen in Panik. Regelmäßiger Konsum ist mit Depression, sozialer Angst und Suizidgedanken assoziiert. Wer Stimmungsschwankungen behandelt, braucht eine diagnostische Abklärung, kein hochpotentes THC.
Wie hoch ist das Suchtrisiko?
Die CDC schätzt, dass etwa drei von zehn Konsumierenden eine Cannabisgebrauchsstörung entwickeln. Früher Beginn, täglicher Gebrauch und starkes THC erhöhen die Wahrscheinlichkeit. Entzug äußert sich als Reizbarkeit, Schlaflosigkeit und Appetitverlust, nicht als lebensbedrohliche Krämpfe.
Ist Dampfen sicherer als Rauchen?
Verdampfen vermeidet manche Verbrennungsstoffe, liefert aber oft sehr hohe THC-Mengen. In den USA waren bestimmte THC-Liquids mit schweren Lungenschäden verknüpft. Für Herz, Psyche, Fahrtüchtigkeit und Schwangerschaft bleibt der Stoff derselbe, unabhängig vom Gerät.
Fazit
Wer Cannabis erwägt, sollte zuerst fragen, ob ein zugelassenes Cannabinoid-Arzneimittel die eigene Diagnose überhaupt trifft. Für die große Mehrheit der Alltagsbeschwerden, von Rückenschmerz bis Einschlafproblem, bleibt der belegte Nutzen klein, während Psychose-, Herz- und Unfallrisiko mit Dosis und Häufigkeit wachsen. Der Bericht von 2017 war ein Startpunkt; die Zulassung von gereinigtem CBD, die ernüchternden Cochrane-Daten zum Krebsschmerz und die schärferen CDC-Warnungen zu Schwangerschaft und hochkonzentriertem THC haben die Gewichte verschoben.
Praktisch heißt das: In Schwangerschaft, Stillzeit und Jugend ist Verzicht die belegte Schutzmaßnahme. Wer trotz Krankheit Cannabinoide nutzen will, spricht mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt über geprüfte Präparate, Wechselwirkungen und eine Pause vor Operationen. Brustschmerz, Wahn, Suizidgedanken, unstillbares Erbrechen oder ein vergiftetes Kind sind Notfälle. Alles andere lässt sich nüchtern planen, ohne Ladenprodukt und ohne die Erwartung, die Pflanze ersetze eine leitliniengerechte Behandlung.
Quellen
- Centers for Disease Control and Prevention: Cannabis Health Effects. Centers for Disease Control and Prevention, 16. Februar 2024.
- Centers for Disease Control and Prevention: Cannabis and Pregnancy. Centers for Disease Control and Prevention, 31. Januar 2025.
- Centers for Disease Control and Prevention: Understanding Your Risk for Cannabis Use Disorder. Centers for Disease Control and Prevention, 5. Dezember 2024.
- Centers for Disease Control and Prevention: Cannabis and Heart Health. Centers for Disease Control and Prevention, 15. Februar 2024.
- Centers for Disease Control and Prevention: Cannabis and Mental Health. Centers for Disease Control and Prevention, 15. Februar 2024.
- U.S. Food and Drug Administration: FDA and Cannabis: Research and Drug Approval Process. U.S. Food and Drug Administration, Stand: 2024.
- Mayo Clinic Staff: Marijuana – Mayo Clinic. Mayo Clinic, 15. August 2025.
- National Cancer Institute: Cannabis and Cannabinoids (PDQ®)–Health Professional Version. National Cancer Institute, 22. Oktober 2024.
- Smith LA, Azariah F et al.: Cannabis-based medicine for nausea and vomiting in people treated with chemotherapy for cancer. Cochrane Database of Systematic Reviews, November 2015.
- Häuser W, Welsch P et al.: Cannabis-based medicines for cancer pain. Cochrane Database of Systematic Reviews, Juni 2023.
- National Center for Complementary and Integrative Health: Cannabis (Marijuana) and Cannabinoids: What You Need To Know. National Center for Complementary and Integrative Health, Stand: 2024.
- National Institute on Drug Abuse: Cannabis (Marijuana). National Institute on Drug Abuse, Stand: 2025.
