Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Symptome und Risiken

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Symptome und Risiken

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Störungen von Herz, Arterien, Venen oder mehreren dieser Teile zugleich. Dazu gehören die koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Herzschwäche, Rhythmusstörungen, Klappenfehler und Durchblutungsstörungen der Beine. Im Jahr 2022 starben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation rund 19,8 Millionen Menschen daran, etwa 32 Prozent aller Todesfälle weltweit. Fünfundachtzig Prozent dieser Sterbefälle gingen auf Herzinfarkt oder Schlaganfall zurück.

Viele Gefäßveränderungen bleiben jahrelang still. Der erste Hinweis kann ein Infarkt, eine Lähmung oder eine plötzliche Luftnot sein. Gleichzeitig lassen sich die meisten Formen beeinflussen, wenn Tabak, Salz, Zucker, gesättigte Fette, Bewegungsmangel, schädlicher Alkoholkonsum und Luftverschmutzung angegangen werden, so die WHO. Bluthochdruck, erhöhte Blutfette und Diabetes brauchen zusätzlich Medikamente, sobald Lebensstil allein nicht reicht. Die folgenden Abschnitte trennen, was dazugehört, welche Zeichen ernst sind und was sich seit 2018 in den Leitlinien verschoben hat.

Welche Krankheiten gehören dazu?

Der Sammelbegriff umfasst das Herz und die Gefäße, nicht nur den Brustschmerz. Die WHO zählt die koronare Herzkrankheit, Hirngefäßerkrankungen, periphere arterielle Verschlusskrankheit, rheumatische Herzkrankheit, angeborene Herzfehler sowie tiefe Venenthrombose mit Lungenembolie dazu. Die Cleveland Clinic (Aktualisierung September 2022) ergänzt Rhythmusstörungen, Klappenleiden, Herzschwäche, Aortenerkrankungen und Erkrankungen des Herzbeutels. Ein Mensch kann mehrere dieser Bilder gleichzeitig haben.

Die koronare Herzkrankheit entsteht meist durch Plaque in den Herzkranzgefäßen. Fett, Cholesterin und Entzündungszellen lagern sich in der Gefäßwand ab; die Arterie wird enger, der Herzmuskel erhält weniger Sauerstoff. MedlinePlus nennt diese Form die häufigste Herzkrankheit. Folgen können Angina, Infarkt, Herzschwäche oder eine Rhythmusstörung sein. Ein Schlaganfall entsteht, wenn ein Hirngefäß verstopft oder reißt. Periphere arterielle Verschlusskrankheit zeigt sich oft als Wadenschmerz beim Gehen.

Rheumatische Herzkrankheit folgt auf eine fehlgeleitete Reaktion nach einer Streptokokkeninfektion, häufig nach Halsentzündung im Kindesalter. Global entfallen laut WHO etwa zwei Prozent der Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf dieses Bild; es trifft vor allem Kinder in Ländern mit knapper medizinischer Versorgung. Angeborene Herzfehler sind Fehlbildungen, mit denen ein Kind geboren wird. Sie lassen sich nicht durch Ernährung verhindern, brauchen aber oft lebenslange Kontrolle.

Rhythmusstörungen entstehen, wenn das elektrische System zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig taktet. Klappen können undicht sein oder sich verengen. Herzschwäche bedeutet, dass das Herz nicht genug Blut fördert oder sich nicht richtig füllt; Flüssigkeit staut sich in Lunge und Beinen. Tiefe Venenthrombosen können wandern und die Lunge verlegen. All das gehört in dieselbe Familie, auch wenn die Therapie jeweils anders aussieht.

Mann, der Schmerz erfährt und seine Brust hält.

Welche Beschwerden sind typisch?

Die Zeichen hängen von der betroffenen Struktur ab und können bei Frauen sowie älteren Menschen blasser ausfallen. Brustdruck, Enge oder ein Gefühl, als liege ein Gewicht auf dem Brustkorb, weisen auf eine mögliche Durchblutungsstörung des Herzmuskels hin. Luftnot, Schwindel, Ohnmacht und rasche Erschöpfung kommen häufig dazu. Die Cleveland Clinic betont, dass subtile Beschwerden trotzdem ernst bleiben können.

Bei Gefäßengstellen außerhalb des Herzens treten andere Muster auf. Wadenschmerzen beim Gehen, kühle oder gerötete Haut, nicht heilende Wunden und Beinschwellung können auf periphere Arterienleiden oder Venenthrombosen deuten. Taubheit in Gesicht oder Gliedmaße, oft nur auf einer Seite, sowie Probleme beim Sprechen, Sehen oder Gehen gehören zum Hirngefäßbereich. Wer solche Zeichen neu bemerkt, sollte sie nicht als Alter oder Verspannung abtun.

Rhythmusstörungen können sich als Stolpern, rasendes oder auffällig langsames Schlagen, Schwindel oder kurze Bewusstlosigkeit zeigen. Herzschwäche macht oft Luftnot bei Belastung, nächtliches Aufwachen mit Atemnot und geschwollene Knöchel. Klappenleiden mischen Brustschmerz, Luftnot, unregelmäßigen Puls und Müdigkeit. Angeborene Fehler fallen bei Säuglingen durch schlechte Trinkleistung und bläuliche Haut auf; Erwachsene merken vor allem Leistungsabfall und Schwellung.

Frauen haben laut WHO häufiger Luftnot, Übelkeit, Erbrechen sowie Schmerz im Rücken oder Kiefer als den klassischen Brustschmerz. Das CDC (Oktober 2024) bestätigt ungewöhnliche Müdigkeit und Übelkeit als weitere Infarktzeichen, die bei Frauen öfter vorkommen. Deshalb zählt nicht das Lehrbuchbild, sondern die Kombination und die Plötzlichkeit. Ein stiller Infarkt bleibt möglich: In den USA ist nach CDC-Angaben etwa jeder fünfte Herzinfarkt unbemerkt, der Schaden entsteht trotzdem.

Wann zum Arzt, wann Notruf 112?

Plötzlicher Brustschmerz, neue schwere Luftnot oder Ohnmacht sind Notfälle, kein Termin in zwei Wochen. Das CDC fordert, bei Infarktzeichen sofort den Rettungsdienst zu rufen, weil jede Minute ohne Durchblutung Herzmuskel kostet. Die Mayo Clinic nennt Brustschmerz, Luftnot und Ohnmacht als Gründe für sofortige Hilfe. In Deutschland heißt die Nummer 112; selbst fahren ist ungünstig, weil unterwegs ein Kreislaufstillstand eintreten kann.

Ein Schlaganfall verlangt dieselbe Eile. Die WHO nennt plötzliche Schwäche von Gesicht, Arm oder Bein, meist einseitig, dazu Verwirrtheit, Sprachstörung, Sehstörung, Gangunsicherheit und einen heftigen Kopfschmerz ohne erkennbare Ursache. Das CDC ergänzt, dass die wirksamsten Therapien oft nur greifen, wenn die Diagnose binnen etwa drei Stunden nach dem ersten Zeichen steht. Auch wenn die Ausfälle nach Minuten vergehen, kann eine transitorische ischämische Attacke dahinterstecken; sie braucht noch am selben Tag ärztliche Klärung.

Die Cleveland Clinic nennt zusätzlich reißenden Rückenschmerz, plötzliche Taubheit in Arm oder Bein und fortschreitende Luftnot als Gründe, nicht zu warten. Für den Hausarzt bleiben die stillen Risiken: Bluthochdruck ohne Beschwerden, erhöhte Blutfette, Diabetes, familiäre Frühinfarkte, Wadenschmerz beim Gehen oder eine Schwangerschaft mit Präeklampsie. Ein Jahrescheck kann solche Werte finden, bevor ein Ereignis sie sichtbar macht.

Zeichen Mögliche Bedeutung Handeln
Druck oder Schmerz in der Brust, der Minuten anhält oder wiederkommt möglicher Herzinfarkt, laut CDC sofort 112, nicht selbst fahren
plötzliche Schwäche in Gesicht, Arm oder Bein, oft einseitig möglicher Schlaganfall, laut WHO sofort 112, Uhrzeit merken
reißender Rückenschmerz, Ohnmacht, neue schwere Luftnot mögliche Aortennot oder akute Herznot Notaufnahme, nicht abwarten
Wadenschmerz beim Gehen, Wunde am Bein, die nicht heilt mögliche Durchblutungsstörung der Beine zeitnah Hausarzt oder Gefäßsprechstunde
hoher Blutdruck ohne Beschwerden, frühe Infarkte in der Familie stilles Risiko ohne akutes Ereignis Termin für Messung und Blutwerte

Was treibt das Risiko nach oben?

Atherosklerose und Bluthochdruck bleiben die zentralen Treiber, aber sie stehen selten allein. Die WHO nennt ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Tabak und schädlichen Alkoholkonsum als wichtigste Verhaltensfaktoren; unter den Umweltfaktoren wiegt Luftverschmutzung schwer. Diese Einflüsse erscheinen dann als erhöhter Blutdruck, erhöhter Blutzucker, erhöhte Blutfette und Übergewicht. Armut, Stress, Verstädterung und familiäre Veranlagung liegen darunter und erklären, warum nicht jeder mit gleichem Lebensstil gleich erkrankt.

Die Cleveland Clinic listet zusätzlich Familienanamnese, fehlende Bewegung, Übergewicht, viel Salz, Zucker und Fett, übermäßigen Alkohol, Missbrauch von Medikamenten oder Drogen, Präeklampsie, Schwangerschaftsdiabetes, chronische Entzündungs- oder Autoimmunerkrankungen und Nierenkrankheit. Tabak schließt Dampfen ein. MedlinePlus nennt Alter, Geschlecht, ethnische Unterschiede und genetische Anlagen als nicht veränderbare Faktoren. Mit dem Alter steigt das Risiko; nach den Wechseljahren holen Frauen oft auf.

Mehrere Faktoren häufen sich. Wer Übergewicht hat, trägt häufiger hohen Blutdruck, ungünstige Blutfette und Typ-2-Diabetes. Das CDC schreibt, dass Bluthochdruck, hohes Cholesterin und Rauchen zu den Schlüsselrisiken zählen. Chronische Nierenerkrankung und Herz teilen sich Gefäße, Blutdruck und Stoffwechsel; wer die Nierenwerte ignoriert, unterschätzt das Herz. Entzündliche Krankheiten wie rheumatoide Arthritis erhöhen ebenfalls die Gefäßlast, auch wenn der Gelenkschmerz im Vordergrund steht.

Nicht jede Form ist vermeidbar. Angeborene Fehler entstehen vor der Geburt. Manche Klappenleiden folgen auf Infekte oder Alterung. Trotzdem bleibt der größte Teil der Last an Faktoren hängen, die messbar und behandelbar sind. Die WHO hält fest, dass mehr als drei Viertel der Todesfälle in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen geschehen, wo Früherkennung oft später greift. In reichen Ländern sterben Menschen später, aber die Krankheit bleibt die führende Todesursache.

Wie wird das persönliche Risiko berechnet?

Der Hausarzt rechnet nicht mit einem einzelnen Cholesterinwert, sondern mit einem Zehn-Jahres-Risiko. In Europa nutzt man dafür SCORE2 und für Menschen ab etwa 70 Jahren SCORE2-OP. Diese Modelle schätzen tödliche und nicht tödliche Ereignisse, also Infarkt und Schlaganfall, nicht nur den Tod. Das ältere SCORE-Modell zählte vor allem Sterbefälle und unterschätzte damit die Last bei Jüngeren. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie hat SCORE2 in den Präventionsleitlinien fest verankert.

In den USA lösten die PREVENT-Gleichungen der American Heart Association 2023 die älteren Pooled Cohort Equations ab. Khan und Kollegen validierten sie an mehr als 6,6 Millionen Erwachsenen zwischen 30 und 79 Jahren ohne bekannte Erkrankung. Neu ist, dass Herzschwäche mitgezählt wird, die Nierenleistung (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) fest im Modell steht und optionale Werte wie Albumin im Urin, HbA1c und ein sozialer Benachteiligungsindex die Schätzung schärfen können. Für Patientinnen und Patienten in Deutschland bleibt SCORE2 der Alltag; PREVENT zeigt, wohin die internationale Risikorechnung geht.

Beide Welten teilen eine Idee. Alter, Blutdruck, Lipide, Diabetes, Rauchen und oft das Geschlecht fließen ein. Ein hoher Wert heißt nicht, dass der Infarkt feststeht, ein niedriger Wert heißt nicht, dass niemand erkranken kann. Der Rechner steuert die Intensität: Wer sehr hoch liegt, braucht rascher Medikamente und engere Ziele. Wer niedrig liegt, beginnt bei Lebensstil und Kontrolle. Familiäre Frühinfarkte, Lipoprotein(a), Schlafapnoe oder eine Präeklampsie in der Vorgeschichte können das rechnerische Risiko nach oben ziehen, auch wenn sie nicht in jeder Formel stehen.

Selbsttests im Netz ersetzen das Gespräch nicht. Falsche Blutdruckwerte, ein altes Labor oder eine vergessene Statintherapie verzerren das Ergebnis. Die Cleveland Clinic rät, solche Schätzungen mit der Praxis zu teilen und daraus konkrete Schritte abzuleiten. Sinnvoll ist, Blutdruck, Lipide, Blutzucker, Gewicht und Nierenwerte in einer Akte zu haben, bevor jemand über Statine, Blutdrucksenker oder weitere Mittel entscheidet.

Welche Behandlungen gibt es heute?

Die Therapie folgt der jeweiligen Krankheit, zielt aber immer auf weniger Symptome, weniger Folgeschäden und weniger erneute Ereignisse. Die Mayo Clinic (August 2024) nennt vier Säulen: Lebensstil, Medikamente, Katheter- oder Operationseingriffe und Herzrehabilitation. Die Cleveland Clinic fügt die aktive Beobachtung hinzu, wenn ein Befund stabil ist und noch kein Eingriff nötig wird. Heilung im Sinne eines endgültigen Verschwindens versprechen diese Wege nicht; sie können Verlauf und Alltag aber deutlich verändern.

Zu den klassischen Mitteln gehören Blutdrucksenker, Statine, Betablocker, ACE-Hemmer oder Sartane, Gerinnungshemmer nach Infarkt oder bei Vorhofflimmern und Diuretika bei Stauung. Die WHO hält Aspirin, Betablocker, Kalziumantagonisten, ACE-Hemmer, Diuretika und Statine für die Grundausstattung der Versorgung. Neu hinzugekommen sind Wirkstoffe, die 2018 in Alltagsartikeln kaum vorkamen. Die ESC-Leitlinie zu Herz und Diabetes von 2023 empfiehlt SGLT2-Hemmer und GLP-1-Rezeptoragonisten bei Diabetes plus atherosklerotischer Erkrankung, unabhängig vom Ausgangs-HbA1c und zusätzlich zur übrigen Standardtherapie.

SGLT2-Hemmer senken in großen Endpunktstudien die Klinikeinweisungen wegen Herzschwäche, auch unabhängig von der Pumpfunktion. GLP-1-Rezeptoragonisten mit belegtem kardiovaskulärem Nutzen sollen laut ESC das Ereignisrisiko bei Diabetes und Gefäßerkrankung mindern. Bei Diabetes und chronischer Nierenerkrankung nennt dieselbe Leitlinie SGLT2-Hemmer und zusätzlich Finerenon. Welche Kombination passt, entscheidet die behandelnde Praxis nach Begleiterkrankungen, nicht der Beipackzettel allein.

Eingriffe bleiben nötig, wenn Medikamente nicht reichen oder ein akuter Verschluss vorliegt. Ballondilatation mit Stent, Bypassoperation, Klappenreparatur oder -ersatz, Schrittmacher, Defibrillator und in seltenen Fällen Transplantation listet die WHO. Nach Infarkt, Operation oder Herzschwäche gehört eine überwachte Rehabilitation dazu: dosiertes Training, Hilfe beim Rauchstopp, Ernährung und Gespräche zur Belastung. Wer Tabletten unregelmäßig nimmt, verschenkt einen großen Teil des Nutzens, den Studien gemessen haben.

Frau, die rauchende Zigarette sitzt

Schützt Aspirin noch vor dem ersten Infarkt?

Für Menschen ohne bekannte Erkrankung ist niedrig dosierte Acetylsalicylsäure kein Routinepräparat mehr. Die US-Präventionskommission USPSTF kehrte 2022 von der älteren, breiteren Empfehlung ab. Erwachsene ab 60 Jahren sollen Aspirin nicht neu beginnen, um einem ersten Infarkt oder Schlaganfall vorzubeugen. Zwischen 40 und 59 Jahren und einem geschätzten Zehn-Jahres-Risiko von mindestens 10 Prozent bleibt die Entscheidung individuell; der Nutzen ist klein, das Blutungsrisiko steigt. Als praktikable Dosis nennt die Kommission 81 Milligramm täglich, falls man sich nach Abwägung dafür entscheidet.

Dieser Schnitt folgt den großen Studien ARRIVE, ASCEND und ASPREE aus dem Jahr 2018. Sie zeigten weniger Ereignisschutz als ältere Arbeiten und mehr schwere Blutungen, vor allem im Magen-Darm-Trakt und im Schädel. Die ACC/AHA-Leitlinie zur Primärprävention von 2019 hatte bereits festgehalten, niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (75 bis 100 Milligramm täglich) könne bei ausgewählten 40- bis 70-Jährigen mit hohem Risiko und ohne erhöhtes Blutungsrisiko erwogen werden; routinemäßig und jenseits von 70 Jahren riet sie davon ab. Wer bereits einen Infarkt, Stent oder ischämischen Schlaganfall hatte, steht in der Sekundärprävention und folgt einem anderen Pfad; dort bleibt Thrombozytenhemmung oft Pflicht.

Selbstmedikation aus dem Supermarktregal ist deshalb die falsche Antwort auf Angst. Magengeschwür, frühere Blutung, Gerinnungshemmer, unkontrollierter Blutdruck oder hohes Alter verschieben die Waage rasch zur Harm. Die USPSTF schreibt ausdrücklich, dass Nutzen und Blutungsrisiko mit dem Alter steigen und der Nettonutzen schrumpft. Wer Aspirin schon lange nimmt, soll es nicht allein absetzen, sondern die Indikation in der Sprechstunde prüfen lassen. Nach einem frischen Ereignis entscheidet das Klinikteam über Dauer und Kombination, nicht der Beipackzettel aus der Hausapotheke.

Was senkt das Risiko im Alltag?

Rauchstopp, weniger Salz, mehr Gemüse und Bewegung sowie der Verzicht auf schädlichen Alkohol bleiben die Maßnahmen mit der breitesten Beleglage. Die WHO nennt genau diese Hebel und ergänzt saubere Luft. Die Mayo Clinic konkretisiert: nicht rauchen; viel Obst, Gemüse und Vollkorn, wenig Zucker, Salz und gesättigte Fette; Blutdruck mindestens alle zwei Jahre messen, ab 40 oder bei Risiko häufiger; Cholesterin ab den Zwanzigern, dann alle vier bis sechs Jahre, bei auffälligen Werten dichter. Diabetes braucht eine eigene Zuckerführung, weil hohe Glukose die Gefäße mitzerstört.

Bewegung muss kein Wettkampf sein. Die Mayo Clinic empfiehlt mindestens 30 Minuten an den meisten Tagen; die Cleveland Clinic nennt 30 bis 60 Minuten. Wer lange krank war oder Brustschmerz kennt, klärt Art und Dosis vorher ab. Schlaf gehört seit den letzten Jahren fest zur Herzgesundheit: Erwachsene sollen 7 bis 9 Stunden anstreben, möglichst zur gleichen Zeit. Schlafapnoe, Schnarchen und Tagesmüdigkeit verdienen eine Abklärung, weil Atemaussetzer Blutdruck und Rhythmus belasten.

Gewicht, Stress und Alkohol wirken zusammen. Übergewicht hebt Blutdruck, Blutfette und Insulinresistenz. Stress allein erklärt keinen Infarkt, hängt in Beobachtungen aber mit Ereignissen und Rhythmusstörungen zusammen. Alkohol in hohen Mengen kann Herzschwäche und Vorhofflimmern bahnen; die Cleveland Clinic formuliert inzwischen, weniger sei besser, statt eine sichere Menge zu versprechen. Nahrungsergänzungen ersetzen keine Statintherapie und keine Blutdrucksenker.

Praktisch hilft eine kurze Liste für die nächsten Wochen:

  • Blutdruck zu Hause oder in der Praxis messen und die Zahlen aufschreiben, nicht nur „war schon immer so“ sagen.
  • Ein aktuelles Lipidprofil und, falls fällig, Blutzucker sowie Nierenwerte mit der Hausärztin oder dem Hausarzt besprechen.
  • Tabak und Dampfen beenden; wer allein nicht schafft, braucht ein Programm oder Nikotinersatz, nicht nur den Vorsatz.
  • Salz in Fertigwaren senken und an den meisten Tagen eine halbe Stunde zügiges Gehen einplanen.
  • Aspirin nicht auf eigene Faust beginnen, auch wenn Nachbarn es „für das Herz“ nehmen.

Welche Untersuchungen klären die Diagnose?

Zuerst kommen Gespräch, Körperuntersuchung und Basisblutwerte, nicht sofort der Herzkatheter. Die Praxis fragt nach Beschwerden, Familie, Rauchen, Schwangerschaftskomplikationen und Medikamenten. Bluttests messen Lipide, Zucker, Nierenwerte und bei Verdacht auf Infarkt herzspezifische Eiweiße. Ein hochsensitives C-reaktives Protein kann Entzündung anzeigen, ersetzt aber keine Gefäßdarstellung. Die Mayo Clinic nennt außerdem Röntgenaufnahme des Brustkorbs, wenn die Herzgröße oder die Lunge unklar ist.

Das Elektrokardiogramm zeichnet den elektrischen Takt und findet Infarktzeichen, zu schnellen oder zu langsamen Puls. Ein Holter-Gerät oder ein anderer Langzeitschreiber fängt Störungen ein, die in der Minute in der Praxis fehlen. Der Ultraschall des Herzens zeigt Kammern, Klappen und Pumpfunktion. Belastungstests prüfen, wie das Herz auf Gehen oder Medikamente reagiert. Bei Verdacht auf periphere Arterienleiden vergleicht der Knöchel-Arm-Index die Drücke an Fuß und Arm.

Bildgebung und Katheter kommen, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Verengung hoch ist oder ein akutes Ereignis geklärt werden muss. Herz-CT und Herz-MRT liefern dreidimensionale Bilder ohne oder mit Kontrast. Die Herzkatheteruntersuchung misst Drücke und macht Engstellen mit Farbstoff sichtbar; über denselben Zugang kann ein Stent folgen. Die Cleveland Clinic nennt zusätzlich Gefäßultraschall an Beinen und Hals sowie CT- oder MR-Angiografie. Welche Stufe nötig ist, hängt von Beschwerde, Risiko und Dringlichkeit ab, nicht von der Vollständigkeit einer Checkliste.

Häufige Fragen

Was zählt zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Es sind alle Störungen von Herz und Gefäßen, von der koronaren Herzkrankheit über Schlaganfall und Herzschwäche bis zu Rhythmus-, Klappen- und Beinarterienleiden. Die WHO zählt auch rheumatische Schäden, angeborene Fehler und Venenthrombosen mit Lungenembolie dazu. Mehrere Formen können gleichzeitig bestehen. Der Sammelbegriff ist deshalb weiter als „Herzinfarkt allein“.

Kann man den meisten Formen vorbeugen?

Den größten Teil der Last kann man senken, eine Garantie gibt es nicht. Tabakstopp, weniger Salz, Zucker und gesättigte Fette, Bewegung, weniger schädlicher Alkohol und saubere Luft nennt die WHO als wirksame Hebel. Bluthochdruck, Blutfette und Diabetes brauchen oft zusätzlich Medikamente. Angeborene Fehler und manche Klappenleiden lassen sich so nicht verhindern.

Soll ich vorbeugend Aspirin nehmen?

Ohne bekannte Erkrankung sollen Menschen ab 60 Jahren laut USPSTF 2022 kein Aspirin neu beginnen. Zwischen 40 und 59 Jahren und einem Zehn-Jahres-Risiko von mindestens 10 Prozent bleibt die Entscheidung individuell, weil der Nutzen klein und die Blutung real ist. Nach Infarkt, Stent oder ischämischem Schlaganfall gilt ein anderes Schema. Selbstmedikation aus der Drogerie ersetzt diese Abwägung nicht.

Welche Blutdruckwerte gelten als zu hoch?

Die ESC hält 2024 an Hypertonie ab 140/90 mmHg fest, führt aber eine neue Zone „erhöhter Blutdruck“ von 120–139/70–89 mmHg ein. Für die meisten Menschen unter Therapie liegt das Ziel für den oberen Wert bei 120 bis 129 mmHg, sofern sie das vertragen. Ältere europäische Texte rieten zuerst unter 140/90 und erst danach enger. Die eigene Zielmarke setzt die behandelnde Praxis, nicht die Hausmessung allein.

Wann muss ich den Notruf 112 wählen?

Bei anhaltendem oder wiederkehrendem Brustdruck, neuer schwerer Luftnot, Ohnmacht oder plötzlicher einseitiger Schwäche von Gesicht, Arm oder Bein. Das CDC und die Mayo Clinic behandeln solche Bilder als Notfall, weil Minuten Herzmuskel oder Hirngewebe retten. Auch wenn die Zeichen nachlassen, kann eine Warnattacke dahinterstecken. Selbst fahren ist ungünstig.

Warum wirken Infarkte bei Frauen oft anders?

Frauen haben laut WHO häufiger Luftnot, Übelkeit, Erbrechen und Schmerz in Rücken oder Kiefer statt eines klaren Brustschmerzes. Das CDC nennt ungewöhnliche Müdigkeit als weiteres Zeichen, das bei Frauen öfter vorkommt. Deshalb darf fehlender „typischer“ Schmerz nicht beruhigen. Jede plötzliche, ungewöhnliche Kombination aus Druck, Luftnot und vegetativen Zeichen gehört in die Notaufnahme.

Fazit

Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben die häufigste Todesursache, aber sie sind kein Schicksal aus einem Laborwert. 19,8 Millionen Tote im Jahr 2022, neue Blutdruckziele, andere Aspirinregeln und Medikamente, die Herz und Niere schützen, haben das Bild seit 2018 verschoben. Wer Blutdruck, Lipide, Zucker und Nierenwerte kennt und die Notfallzeichen ernst nimmt, steht besser da als jemand, der auf Brustschmerz wartet.

Für die nächsten Tage reicht ein knapper Plan. Blutdruck messen, Labor nachholen, Tabak lassen, Salz und Fertigwaren kürzen, an den meisten Tagen eine halbe Stunde gehen. Aspirin nicht auf Verdacht schlucken. Bei Brustdruck, plötzlicher Luftnot, Ohnmacht oder einseitiger Schwäche 112 wählen.

Die Sprechstunde kann daraus ein SCORE2-Gespräch und, falls nötig, Statine, Blutdrucksenker oder neuere Mittel machen. Kein Text im Netz ersetzt diese Entscheidung. Er kann nur klären, welche Fragen sich lohnen und welche Zeichen keine Zeit haben.

Quellen

  1. World Health Organization: Cardiovascular diseases (CVDs). World Health Organization, Stand: 2025.
  2. Mayo Clinic Staff: Heart disease – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 13. August 2024.
  3. Mayo Clinic Staff: Heart disease – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 13. August 2024.
  4. Cleveland Clinic: Cardiovascular Disease: Types, Causes & Symptoms. Cleveland Clinic, 1. September 2022.
  5. Centers for Disease Control and Prevention: About Heart Attack Symptoms, Risk, and Recovery. Centers for Disease Control and Prevention, 24. Oktober 2024.
  6. Centers for Disease Control and Prevention: Heart Disease Facts. Centers for Disease Control and Prevention, 24. Oktober 2024.
  7. National Library of Medicine: Heart Diseases (MedlinePlus topic page). MedlinePlus, Stand: 2025.
  8. McEvoy JW, McCarthy C, Bruno RM et al.: 2024 ESC Guidelines for the Management of Elevated Blood Pressure and Hypertension. European Society of Cardiology, 30. August 2024.
  9. Marx N, Federici M, Schütt K et al.: 2023 ESC Guidelines for the management of cardiovascular disease in patients with diabetes. European Heart Journal, 14. Oktober 2023.
  10. US Preventive Services Task Force, Davidson KW, Barry MJ et al.: Aspirin Use to Prevent Cardiovascular Disease: US Preventive Services Task Force Recommendation Statement. JAMA, 26. April 2022.
  11. Khan SS, Matsushita K, Sang Y et al.: Development and Validation of the American Heart Association’s PREVENT Equations. Circulation, 10. November 2023.
DeMedBook