
Zimt ersetzt keine Diabetestherapie und senkt den Blutzucker nicht zuverlässig genug, um Medikamente, Ernährung oder Bewegung zu ersetzen. Als Gewürz im Essen ist er für die meisten Menschen unbedenklich; als Kapsel zur Zuckersteuerung raten aktuelle Leitlinien ausdrücklich ab.
Die American Diabetes Association schreibt in den Standards of Care 2026, Mikronährstoffe sowie Kräuter und Gewürze, namentlich Zimt und Aloe, sollen nicht zur Verbesserung der Glykämie empfohlen werden. Das US-amerikanische National Center for Complementary and Integrative Health kommt im November 2024 zum gleichen Kern: Die Studienlage stützt Zimt für keine Gesundheitsanzeige klar. Wer den süßen Geschmack ohne Zucker sucht, kann das Pulver auf Haferflocken oder Joghurt streuen. Wer Tabletten oder Insulin weglässt, weil eine Packung „natürlich senkt“ verspricht, handelt gegen diese Linie.
Senkt Zimt den Blutzucker wirklich?
Zimt kann den Nüchternzucker bei Typ-2-Diabetes in manchen Studien leicht senken. Der Langzeitwert HbA1c bleibt uneinheitlich, und die Streuung zwischen den Versuchen ist so groß, dass sich daraus keine Therapie ableiten lässt.
Eine Metaanalyse in Nutrition Reviews vom Februar 2025 fasste 28 randomisierte Studien mit 3054 Erwachsenen und einer Laufzeit von 30 bis 120 Tagen zusammen. Gegenüber Kontrolle fiel der Nüchternzucker im Mittel um 15,26 mg/dl (etwa 0,85 mmol/l). Der postprandiale Wert und der Insulinresistenz-Index HOMA-IR gingen ebenfalls zurück. Die Autoren selbst markieren eine sehr hohe Heterogenität: Beim Nüchternzucker lag I² bei 88 Prozent, beim HbA1c bei 94 Prozent. Solche Zahlen bedeuten, dass einzelne Studien stark nach oben oder unten ziehen und der Mittelwert die eigene Messung schlecht vorhersagt.
Ältere Zusammenfassungen passen zu diesem Bild, nicht zu einem Durchbruch. Allen und Kollegen fanden 2013 in zehn Studien mit 543 Teilnehmenden einen Rückgang des Nüchternzuckers um 24,59 mg/dl, der HbA1c änderte sich mit minus 0,16 Prozentpunkten nicht signifikant. Deyno und Kollegen kamen 2019 in 16 Studien zu einem niedrigeren Nüchternzucker und HOMA-IR, ohne belastbaren HbA1c-Effekt. Die Cochrane-Gruppe prüfte 2012 zehn Studien mit 577 Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes: Zimt war bei HbA1c, Insulin und postprandialem Zucker der Kontrolle nicht überlegen, der Nüchterneffekt blieb unschlüssig. Mayo Clinic formuliert 2023 deshalb knapp, trotz vieler Arbeiten sei unklar, ob Zimt den Zucker senkt.
Viele ältere Ratgeber stützten sich auf Khan und Kollegen aus Diabetes Care 2003. Dort sollten 1, 3 oder 6 g über 40 Tage Nüchternzucker und Blutfette senken. Im August 2025 hat dieselbe Zeitschrift eine Expression of Concern veröffentlicht. Unabhängige Statistiker bemängelten unter anderem Gruppenunterschiede schon zu Beginn, unklare Randomisierung, mögliche Verwechslung von Streuungsmaßen und eine ungewöhnlich lückenlose Teilnahme. Die Autorinnen und Autoren waren für die Redaktion nicht erreichbar. Die oft zitierten Senkungen aus dieser Arbeit gehören deshalb nicht mehr in die Beratung.

Was sagen Leitlinien zu Zimtkapseln?
Leitlinien und unabhängige Institute empfehlen Zimt nicht als Mittel zur Blutzuckersenkung. Als Küchengewürz statt Salz bleibt er in der Ernährungstherapie ausdrücklich erlaubt.
Empfehlung 5.16 der Standards of Care 2026 verlangt, dass Fachkräfte nach Nahrungsergänzung fragen und beraten. Die Ergänzung mit Vitaminen, Mineralstoffen oder mit Kräutern und Gewürzen, ausdrücklich Zimt und Aloe, wird für glykämische Vorteile nicht empfohlen, Evidenzgrad C. Dieselbe Sektion nennt Zimt in einer anderen Liste als Gewürz, mit dem sich Speisen würzen lassen, wenn weniger Salz auf den Teller soll. Der Widerspruch ist keiner: Streuen ist Ernährung, Kapseln sind ein ungeregeltes Präparat mit Heilversprechen.
Das NCCIH schreibt in seinem Patientenblatt zu Diabetes und Nahrungsergänzung (Stand November 2023), für einige Stoffe gebe es schwache Hinweise, darunter Zimt, Chrom und Berberin. Die Studien seien klein, unterschieden sich in Dosis, Dauer, Sorte und Teilnehmenden, und klare Schlüsse fehlten. Cleveland Clinic hält 2020 fest, die Evidenz reiche nicht für einen medizinischen Einsatz; die Fachgesellschaft rate nicht dazu, sich auf Zimt zu verlassen, und die Klinik schließe sich an. Mayo Clinic erinnert 2023, kein einzelnes Präparat behandle Diabetes allein. Dazu gehören Essen, Bewegung, Messung und, wenn verordnet, Arzneimittel oder Insulin.
Schon Allen und Kollegen schrieben 2013, die hohe Streuung mache Dosis und Dauer für die Praxis unklar. Das NCCIH wiederholt 2023, Formulierungen und Teilnehmende unterschieden sich zu stark für eine klare Empfehlung. Die Leitlinie ist seither nicht lockerer geworden: Zimt steht jetzt namentlich in der Zeile, die von einer Ergänzung zur Glykämiesenkung abrät.
Wie könnte Zimt im Stoffwechsel wirken?
Im Labor werden Inhaltsstoffe des Barks mit einer etwas besseren Insulinwirkung an der Zelle in Verbindung gebracht. Ob das im Alltag in alltagstauglicher Menge denselben Weg nimmt, ist offen.
Mayo Clinic nennt 2023 als mögliche Erklärung, Zimt könne dem Körper helfen, Insulin effizienter zu nutzen. Allen und Kollegen fassen ältere Arbeiten so zusammen: Zimtaldehyd und verwandte Polyphenole wurden in Zell- und Tierversuchen mit Insulinausschüttung, Insulinrezeptor-Signalen und mit Transkriptionsfaktoren des Fett- und Zuckerstoffwechsels in Verbindung gebracht. Wasserige Extrakte steigerten in Tieren die Expression von PPAR-Rezeptoren, die Insulinresistenz und Fettaufbau mitsteuern. Das ist Mechanismusforschung, keine Dosisanleitung für die Küche.
Zwischen Cassia, Ceylon, Rinde, Blatt und Wurzel liegen chemisch Welten. Das NCCIH betont 2024, viele Studien sagten nicht zuverlässig, welche Art und welcher Pflanzenteil geprüft wurden. Ohne diese Angabe lässt sich ein Effekt nicht wiederholen und ein Risiko nicht zuordnen. Kapseln unterliegen in den USA nicht der Arzneimittelzulassung der Food and Drug Administration; Hersteller müssen Sicherheit und Kennzeichnung selbst bewerten. Wer „standardisierten Extrakt“ liest, hat deshalb noch keinen Beleg, dass der Inhalt der nächsten Dose gleicht.
Der mögliche Nutzen sitzt, wenn er überhaupt eintritt, neben der etablierten Therapie, nicht an ihrer Stelle. de Moura und Kollegen sahen 2025 stärkere Laborwerte, wenn Zimt in Kapseln gegeben wurde, und in einer Untergruppe bei Mengen bis 2 g pro Tag auch Bewegungen bei HbA1c, HOMA-IR und Body-Mass-Index. Das ist ein Signal aus gepoolten Daten mit hoher Streuung, kein Grund, Metformin oder Insulin zu streichen.
Ceylon oder Cassia welcher Zimt ist sicherer?
Für den täglichen Löffel im Essen ist Ceylon-Zimt die ruhigere Wahl, weil er kaum Cumarin enthält. Cassia, der in Nordamerika und oft in Kapseln übliche Typ, kann in größeren Mengen die Leber belasten.
Ceylon (Cinnamomum verum, auch C. zeylanicum) wächst vor allem in Sri Lanka und gilt als „echter“ Zimt. Cassia (Cinnamomum cassia bzw. C. aromaticum) stammt aus Südostasien und dominiert den Handel. Das NCCIH stellt 2024 fest: Cassia enthält Cumarin in schwankender Menge, Ceylon nur Spuren. In üblichen Speisemengen reiche der Cumarinanteil selten für ein Problem. Manche Cassia-Produkte liegen jedoch hoch; längerer Gebrauch kann für empfindliche Menschen, etwa mit Lebererkrankung, relevant werden.
Eine Übersicht in Foods 2020 wiederholt den Richtwert der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit: 0,1 mg Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Für eine Person mit 60 kg sind das 6 mg am Tag, lebenslang gedacht. EFSA hatte den Wert 2004 abgeleitet und 2008 bestätigt; er stützt sich auf Leberbefunde in Langzeitversuchen und auf menschliche Daten zur Arzneiform Cumarin. Schon wenige Gramm Cassia-Pulver können diesen Korridor füllen, wenn der Gehalt im oberen Bereich liegt. Ceylon bleibt bei gleicher Löffelmenge weit darunter.
NCCIH und Mayo Clinic nennen bei höheren Mengen über längere Zeit vor allem Magen-Darm-Beschwerden und allergische Reaktionen. Hautöle und Pulver können Kontaktallergien auslösen. In der Schwangerschaft gelten übliche Speisemengen nach bisherigen Daten als vertretbar; größere Mengen Ceylon stuft das NCCIH als unsicher ein. Zur Stillzeit fehlen belastbare Daten für Hochdosen. Den „Cinnamon Challenge“, bei dem trockenes Pulver auf einmal geschluckt oder eingeatmet wird, lehnt das NCCIH klar ab: ernste Lungenschäden sind möglich.
Welche Menge steht in Studien?
Studien nutzten meist 120 mg bis 6 g pro Tag über wenige Wochen, nicht eine zugelassene Dosis. Eine Menge, die Leitlinien zur Zuckersteuerung empfehlen, gibt es nicht.
Allen und Kollegen umrissen 2013 das Fenster 120 mg bis 6 g über 4 bis 18 Wochen. Cochrane nannte 2012 im Mittel etwa 2 g täglich über 4 bis 16 Wochen, überwiegend Cassia. de Moura und Kollegen sahen 2025 Nüchtern- und postprandiale Senkungen bei Mengen bis 2 g und darüber; nur die niedrigere Gruppe zeigte in ihrer Auswertung zusätzlich HbA1c, HOMA-IR und Body-Mass-Index. Das ist ein statistisches Muster, kein Rezept. Die Präparate waren Pulver, Extrakt oder Kapsel, die Arten oft unbenannt.
Cleveland Clinic schlägt vor, wer würzen möchte, etwa einen halben bis einen Teelöffel am Tag ins Essen zu geben, statt Tabletten zu schlucken. Das NCCIH hält Mengen unter 6 g pro Tag für die meisten Menschen ohne klares Gesundheitsrisiko; häufigste unerwünschte Effekte in höheren Bereichen seien Hautreaktionen und Verdauungsprobleme. Diese Sicherheitsgrenze ist keine Wirksamkeitsdosis. 6 g Cassia können den Cumarin-Richtwert der EFSA je nach Charge überschreiten, besonders bei geringem Körpergewicht oder zusätzlichem Cumarin aus Gebäck und Kosmetik.
Ein Teelöffel gemahlenes Pulver liegt grob bei 2 bis 3 g, je nach Stopfdichte. Wer Kapseln kauft, sieht oft 500 mg bis 1 g pro Stück und die Sorte nicht. Ohne Angabe „Ceylon“ oder C. verum ist Cassia wahrscheinlich. Kinder, Schwangere in Hochdosis und Menschen mit bekannter Lebererkrankung gehören nicht in dieses Experiment. Das Behandlungsteam sollte jede regelmäßige Menge kennen, die über das Würzen hinausgeht.

Welche Wechselwirkungen sind bekannt?
Zimt kann die Wirkung von Diabetesmitteln verstärken und so eine Unterzuckerung begünstigen. Bei Lebermitteln und Gerinnungshemmern fehlt belastbare Interaktionsforschung, ein Gespräch vor der ersten Kapsel bleibt trotzdem nötig.
Das NCCIH nennt 2023 ausdrücklich, pflanzliche Präparate wie Zimt, Johanniskraut oder Aloe zusammen mit üblichen Diabetesarzneimitteln könnten unerwünschte Effekte auslösen. Wer Insulin, Sulfonylharnstoffe oder Glinide nimmt, hat schon ohne Zimt ein relevantes Unterzuckerungsrisiko. Das NIDDK setzt für viele Menschen mit Diabetes die Schwelle bei unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) an; die persönliche Grenze legt das Team fest. Typische Frühzeichen sind Zittern, Schwitzen, Hunger, Reizbarkeit, Verwirrtheit und Herzrasen. Bei schwerem Verlauf drohen Bewusstlosigkeit und Krampfanfall.
Theoretisch addiert sich ein zuckersenkender Pflanzeffekt zu Tabletten und Insulin. Ob das in der Küchendosis messbar wird, ist unklar; in Kapseldosis über Wochen ist die Frage berechtigt. Deshalb gilt: Therapieplan nicht selbst kürzen, häufiger messen, wenn jemand dennoch ein Präparat startet, und jede ungewöhnliche Schwankung dokumentieren.
Cassia bringt Cumarin mit, einen Stoff, der in der Arzneigeschichte mit Leberschäden bei Empfindlichen verknüpft ist. Wer bereits leberschädigende Medikamente nimmt oder eine Lebererkrankung hat, sollte Hochdosen meiden und eher auf Ceylon in Speisemengen ausweichen. Zu Gerinnungshemmern wie Warfarin oder direkten oralen Antikoagulanzien gibt es keine großen Interaktionsstudien. Einzelfälle und pharmakologische Überlegungen (Cumarin, P-Glykoprotein) tauchen in Übersichten auf, reichen aber nicht für eine Dosisregel. Praktisch heißt das: Das gerinnungsführende Team informieren, bevor Kapseln dazukommen, und INR oder Blutungszeichen nicht allein interpretieren.
Wie lässt sich Zimt im Alltag sinnvoll nutzen?
Wer den Geschmack mag, nutzt Zimt als Gewürz auf zuckerarmen Speisen und lässt Heilversprechen auf Dosen links liegen. Das Pulver auf einer Zimtschnecke ändert nichts an Mehl, Zucker und Fett.
Sinnvolle Schritte, bevor jemand ein Präparat kauft, sind überschaubar.
- Das Behandlungsteam erfährt von jeder Kapsel, jedem Extrakt und jeder Teemischung, die täglich getrunken werden soll, weil nur so Wechselwirkungen und Laborkontrollen geplant werden können.
- Verordnete Diabetesmittel, Messplan und Ernährungstherapie bleiben unverändert, bis das Team etwas anderes festlegt, denn Zimt ist kein Ersatz für diese Bausteine.
- Auf der Packung sollte die Art stehen, möglichst Ceylon oder Cinnamomum verum, weil unbenannte Ware meist Cassia mit höherem Cumarinanteil ist.
- Ein Ernährungs- oder Blutzuckertagebuch über zwei bis vier Wochen zeigt, ob sich Nüchternwerte oder Unterzuckerungen überhaupt ändern, statt einem Gefühl zu folgen.
- Gebäck mit Zimt, Glasur und Weißmehl zählt als zuckerreiches Lebensmittel, nicht als Therapie, auch wenn der Geruch nach Weihnachten duftet.
Cleveland Clinic rät 2020, das Gewürz in ganzer Form ins Essen zu geben statt als Tablette. Haferflocken, ungesüßter Joghurt, Quark, ein Apfelstück oder ein Pfannengericht mit Kichererbsen tragen den Geschmack, ohne gleich eine Extra-Kohlenhydratladung zu liefern. Wer den Geschmack nicht mag, braucht keinen Ersatz in Kapselform. Das NCCIH warnt vor illegal beworbenen Produkten, die Diabetes „heilen“ oder Arzneimittel ersetzen sollen: Solche Mittel können schädliche Beimengungen enthalten, und der größere Schaden entsteht, wenn die wirksame Therapie wegfällt.
Wann zum Arzt bei Zimt und Diabetes?
Vor der ersten Kapsel gehört das Gespräch in die Sprechstunde, nicht erst nach der ersten Unterzuckerung. Rote Flaggen sind Unterzucker unter der persönlichen Schwelle, schwere Hypoglykämie und Leberzeichen unter Cassia.
Das NIDDK beschreibt milde bis mittelschwere Unterzuckerung mit Zittern, Hunger, Müdigkeit, Schwindel, Verwirrtheit, unregelmäßigem Herzschlag, Kopfschmerz oder undeutlichem Sehen und Sprechen. Die Sofortmaßnahme sind 15 bis 20 g Glukose oder Kohlenhydrate, zum Beispiel vier Traubenzuckertabletten oder 100 ml Fruchtsaft, dann 15 Minuten warten und erneut messen. Bleibt der Wert niedrig, denselben Schritt wiederholen. Liegt die nächste Mahlzeit mehr als eine Stunde entfernt, folgt ein kleiner Imbiss. Schwere Unterzuckerung mit Bewusstlosigkeit oder Krampfanfall braucht Glucagon (Spritze oder Nasenspray) und sofortige Hilfe durch andere; nach Glucagon soll der Notruf folgen, wenn das so mit dem Team vereinbart ist.
| Befund | Schwelle oder Hinweis | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Zittern, Schwitzen, Verwirrtheit | oft unter 70 mg/dl bzw. persönliche Grenze | 15–20 g Kohlenhydrate, Team informieren |
| Bewusstlosigkeit oder Krampfanfall | schwere Unterzuckerung | Glucagon, Notruf, danach Plan prüfen |
| Gelbsucht, dunkler Urin, rechter Oberbauch | möglicher Leberschaden unter Cassia | Präparat stoppen, ärztlich klären |
| Dose verspricht Heilung oder Medikamentenersatz | unzulässige Werbung laut FDA-Linie im NCCIH-Blatt | nicht kaufen, Therapie behalten |
| Neue Kapsel neben Insulin oder Sulfonylharnstoff | additives Risiko möglich | vor dem Start das Team fragen |
Leberzeichen unter hochdosierter Cassia sind selten, aber der Grund, warum Menschen mit bekannter Lebererkrankung Hochdosen meiden sollen. Gelbfärbung der Haut oder Augen, farbloser Stuhl, dunkler Urin, Juckreiz und Druck im rechten Oberbauch gehören in dieselbe Woche zum Arzt, nicht in eine weitere Woche Selbstversuch. Gleiches gilt, wenn der Nüchternzucker nach dem Start eines Präparats unerwartet sinkt oder nach dem Absetzen verordneter Mittel steigt. Das NCCIH erinnert, Diabetes hat keine Heilung durch ein Nahrungsergänzungsmittel; unbehandelte Krankheit erhöht das Risiko für Herz, Nerven, Augen und Nieren.
Häufige Fragen
Hilft Zimt bei Typ-1-Diabetes?
Belastbare Belege für Typ-1-Diabetes fehlen. Die Cochrane-Übersicht 2012 mischte Typ 1 und Typ 2 und fand trotzdem keinen Vorteil beim HbA1c. Fast alle neueren Metaanalysen schließen nur Typ 2 ein. Insulin, Kohlenhydratabschätzung und Unterzuckerungsschutz bleiben die Säulen, ein Gewürz ändert daran nichts.
Kann ich Tabletten weglassen, wenn ich Zimt nehme?
Nein. Die ADA rät 2026 ausdrücklich davon ab, Zimt zur Glykämiesenkung zu empfehlen, und das NCCIH warnt vor Produkten, die Arzneimittel ersetzen sollen. Wer Metformin, andere Tabletten oder Insulin eigenmächtig streicht, riskiert Entgleisungen. Ein Präparat, das in Studien den Nüchternzucker um etwa 15 mg/dl verschiebt, ersetzt keine zugelassene Therapie.
Ist Ceylon-Zimt besser als Cassia?
Für die regelmäßige Menge ist Ceylon die sicherere Wahl, weil der Cumarinanteil nur in Spuren liegt. Cassia steckt in den meisten günstigen Pulvern und vielen Kapseln und kann den EFSA-Richtwert von 0,1 mg Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht schon in wenigen Gramm erreichen. Geschmacklich ist Ceylon milder, der mögliche Zucker-Effekt in Studien hing nicht klar an einer Sorte.
Wie viel Zimt darf ich am Tag essen?
Eine amtliche Wirksamkeitsdosis gibt es nicht. Cleveland Clinic nennt etwa einen halben bis einen Teelöffel im Essen. Das NCCIH sieht unter 6 g pro Tag kein klares Risiko für die meisten Menschen, warnt aber vor Cumarin in Cassia und vor Hochdosen bei Lebererkrankung. Wer mehr als würzt, sollte Art, Menge und Medikamente mit dem Team klären.
Senkt Zimt auch Cholesterin?
Manche Metaanalysen, darunter Allen 2013 und die Kapsel-Untergruppe bei de Moura 2025, berichten niedrigere Werte für Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und Triglyceride. Deyno 2019 fand keinen signifikanten Lipid-Effekt, und Jamali 2020 (vom NCCIH zitiert) sah schwächere Effekte in westlichen und qualitativ besseren Studien. Statine und Ernährungstherapie bleiben die belastbare Schiene.
Bringt eine Zimtschnecke etwas für den Blutzucker?
Nein. Der Zucker, das Fett und das Mehl in Gebäck heben den Blutzucker, das Gewürz hebt ihn nicht auf. Wer Zimt nutzen will, streut ihn auf Speisen ohne Glasur. Die Fachgesellschaft nennt Gewürze als Salzersatz, nicht als Freibrief für süßes Gebäck.
Wann merke ich, ob Zimt wirkt?
Einen spürbaren Soforteffekt gibt es in der Regel nicht. Der Nüchternzucker kann sich in Studien über Wochen bewegen, der HbA1c braucht etwa drei Monate Erythrozytenumlauf. Ohne Messreihe und ohne Gespräch mit dem Team bleibt jede Veränderung Zufall, Krankheit, Essen oder Dosisänderung.
Fazit
Zimt darf in der Küche bleiben, in der Hausapotheke als Diabetesmittel nicht einziehen. Die Standards of Care 2026 nennen ihn namentlich unter den Stoffen, die zur Glykämiesenkung nicht empfohlen werden. Neuere Metaanalysen zeigen höchstens einen mäßigen Rückgang des Nüchternzuckers bei sehr uneinheitlichen Studien; der HbA1c, an dem Komplikationen hängen, bleibt unzuverlässig. Die Arbeit von 2003, auf der viele ältere Texte fußten, steht seit August 2025 unter einem redaktionellen Warnhinweis.
Wer würzen möchte, nimmt eher Ceylon, bleibt im Bereich eines Teelöffels auf zuckerarmen Speisen und lässt Kapseln mit Heilversprechen stehen. Cassia in Gramm-Mengen kann den Cumarin-Richtwert der EFSA füllen. Insulin, Sulfonylharnstoffe und Glinide plus ein ungeregeltes Präparat erhöhen die Chance auf Werte unter 70 mg/dl.
Morgen reicht ein konkreter Schritt: Packung und Teelöffel beim nächsten Termin auf den Tisch legen, den Plan nicht selbst kürzen, und bei Zittern, Verwirrtheit oder Leberzeichen sofort messen und handeln statt nachdosieren.
Quellen
- American Diabetes Association: 5. Facilitating Positive Health Behaviors and Well-being to Improve Health Outcomes: Standards of Care in Diabetes—2026. Diabetes Care, Stand: 2026.
- National Center for Complementary and Integrative Health: Cinnamon: Usefulness and Safety. National Center for Complementary and Integrative Health, Stand: November 2024.
- National Center for Complementary and Integrative Health: Diabetes and Dietary Supplements: What You Need To Know. National Center for Complementary and Integrative Health, Stand: November 2023.
- Mayo Clinic Staff: Diabetes treatment: Can cinnamon lower blood sugar?. Mayo Clinic, 4. April 2023.
- Cleveland Clinic: Can Taking Cinnamon Supplements Lower Your Blood Sugar?. Cleveland Clinic, 23. Dezember 2020.
- Leach MJ, Kumar S: Cinnamon for diabetes mellitus. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2012.
- de Moura SL, Gomes BGR et al.: Effects of cinnamon supplementation on metabolic biomarkers in individuals with type 2 diabetes: a systematic review and meta-analysis. Nutrition Reviews, 1. Februar 2025.
- Allen RW, Schwartzman E et al.: Cinnamon Use in Type 2 Diabetes: An Updated Systematic Review and Meta-Analysis. Annals of Family Medicine, September 2013.
- American Diabetes Association: Expression of Concern. Alam Khan, Mahpara Safdar, Mohammad Muzaffar Ali Khan, Khan Nawaz Khattak, and Richard A. Anderson. Cinnamon Improves Glucose and Lipids of People With Type 2 Diabetes. Diabetes Care, 20. August 2025.
- National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Low Blood Glucose (Hypoglycemia). National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, Stand: Juli 2021.
- Deyno S, Eneyew K et al.: Efficacy and safety of cinnamon in type 2 diabetes mellitus and pre-diabetes patients: A meta-analysis and meta-regression. Diabetes Research and Clinical Practice, 16. August 2019.
- Lončar M, Jakovljević M et al.: Coumarins in Food and Methods of Their Determination. Foods, 2020.
