
Ein Atem, der nach Aceton, Nagellackentferner oder reifen Früchten riecht, entsteht fast immer durch ausgeatmete Ketonkörper, nicht durch Zahnbelag. Aceton ist flüchtig und verlässt den Körper über die Lunge, sobald die Leber Fett in größerer Menge zu Ketonen abbaut.
Dieser Geruch allein beweist keine Erkrankung. Er kann bei ketogener Ernährung oder nach längerem Fasten harmlos bleiben. Zusammen mit Durst, Erbrechen, tiefer Atmung oder Verwirrtheit wird er zum Warnzeichen einer Ketoazidose, vor allem bei Diabetes. Dann zählen Minuten, nicht Tage. Die aktuelle Diagnose stützt sich auf Blutzucker, Blutketone und den Säure-Basen-Haushalt, nicht auf die Nase.
Warum der Atem nach Aceton riechen kann
Der Körper bildet drei Ketonkörper, wenn Insulin knapp ist oder Kohlenhydrate fehlen: Acetessigsäure, Beta-Hydroxybutyrat und Aceton. Aceton entsteht, wenn Acetessigsäure spontan Kohlendioxid abspaltet. Weil Aceton leicht verdampft, erscheint es in der Ausatemluft und erzeugt den süß-fruchtigen Geruch, den viele mit Lösungsmittel vergleichen.
Die Leber startet diesen Weg, sobald Muskel- und Fettzellen Glukose nicht mehr zuverlässig nutzen. Freie Fettsäuren strömen dann in die Leberzellen und werden zu Acetyl-CoA oxidiert. Übersteigt das Angebot die Kapazität des Citratzyklus, fließt Acetyl-CoA in die Ketonbildung. Der ADA/EASD-Konsens zu hyperglykämischen Krisen (August 2024) beschreibt denselben Mechanismus für die diabetische Ketoazidose: Insulinmangel plus Gegenregulationshormone treiben Lipolyse und Ketonämie.
Nicht jeder Ketonatem ist gefährlich. Bei ausreichendem Insulin bleiben die Spiegel niedrig, das Blut bleibt nicht sauer, und das Gehirn kann Ketone sogar als Treibstoff nutzen. Steigen die Säuren ungebremst, ändert sich die Atmung. Tiefe, rasche Züge, die Kussmaul-Atmung, sollen Kohlendioxid auswaschen und den pH anheben. Genau dann wird der Acetongeruch oft so deutlich, dass Angehörige ihn bemerken, bevor Laborwerte vorliegen.
Mundgeruch aus Zahnfleischentzündung, Tonsillensteinen oder Reflux riecht in der Regel faulig oder säuerlich, nicht nach Aceton. Wer nur einen unangenehmen Atem hat, ohne fruchtige Note und ohne Stoffwechselsymptome, sucht zuerst die Zahnmedizin auf. Der Lösungsmittelgeruch gehört in die Stoffwechselabklärung.

Ketose und Ketoazidose sind nicht dasselbe
Ketose heißt, dass messbare Ketone im Blut oder Urin stehen. Ketoazidose heißt, dass dieselben Säuren den pH des Blutes nach unten ziehen. Der Übergang hängt von Insulin, Flüssigkeit und der Geschwindigkeit der Ketonbildung ab, nicht vom Geruch allein.
Physiologische Ketose entsteht bei kohlenhydratarmer Kost, nach Sport oder nach einer Nacht ohne Essen. StatPearls (Aktualisierung 2023) nennt eine milde Hungerketose bereits nach 12 bis 14 Stunden Fasten. Nach zwei bis drei Tagen ohne Kohlenhydratzufuhr werden Fettsäuren zum Hauptbrennstoff. Der Atem kann dann leicht nach Aceton riechen, der Kreislauf bleibt aber meist stabil, und der Blutzucker liegt eher niedrig als hoch.
Die diabetische Ketoazidose (DKA) entsteht, wenn Insulin fehlt oder nicht wirkt und Gegenhormone gleichzeitig hoch sind. Endotext (Aktualisierung Januar 2026), das die Kriterien des Konsenses 2024 übernimmt, verlangt drei Bausteine:
- Der Blutzucker liegt bei mindestens 200 mg/dl (11,1 mmol/l), oder Diabetes ist bereits bekannt, unabhängig vom aktuellen Zuckerwert.
- Beta-Hydroxybutyrat im Blut erreicht mindestens 3,0 mmol/l, oder der Urintest zeigt mindestens zwei Plus.
- Der pH liegt unter 7,3 oder das Bikarbonat unter 18 mmol/l.
Ältere ADA-Empfehlungen von 2009 setzten die Glukosegrenze noch bei 250 mg/dl an. Der Konsens 2024 senkte sie bewusst, weil ein Teil der gefährlichen Episoden, vor allem unter SGLT2-Hemmern, darunter bleibt. Blut-Beta-Hydroxybutyrat gilt jetzt als bevorzugter Test. Der Urinstreifen erfasst vor allem Acetessigsäure und Aceton, nicht das vorherrschende Beta-Hydroxybutyrat, und kann die Lage zu Beginn unterschätzen oder später überschätzen.
| Merkmal | Physiologische Ketose | Diabetische Ketoazidose | Alkoholische Ketoazidose |
|---|---|---|---|
| Blutzucker | oft normal oder niedrig | meist ≥200 mg/dl, kann darunter liegen | oft niedrig oder normal |
| Blutketone | unter der DKA-Schwelle | ≥3,0 mmol/l Beta-Hydroxybutyrat | erhöht, oft Beta-Hydroxybutyrat-lastig |
| Blut-pH | in der Regel unauffällig | unter 7,3 | azidotisch |
| Atem | leicht fruchtig möglich | häufig deutlich nach Aceton | Keton- oder Acetongeruch häufig |
Die Tabelle bündelt Schwellen aus dem Konsens 2024, Endotext 2026 und den StatPearls-Texten zu Ketoazidose. Einzelwerte ersetzt sie nicht. Wer Diabetes hat und unsicher ist, misst Zucker und Ketone statt den Geruch zu deuten.
Wann Acetongeruch bei Diabetes ein Notfall ist
Bei bekanntem Diabetes, besonders Typ 1, ist ein plötzlicher Acetongeruch ein Alarm, bis Messwerte das Gegenteil zeigen. Die Zellen verhungern trotz hohem Zucker im Blut, weil Insulin fehlt. Die Leber verbrennt Fett, Ketone steigen, das Blut wird sauer.
Die Mayo Clinic (Juli 2025) schreibt, dass DKA-Beschwerden oft innerhalb von 24 Stunden kommen. Manchmal ist die Episode das erste sichtbare Zeichen eines noch unbekannten Diabetes. Die Cleveland Clinic (November 2025) schätzt, dass 20 bis 40 Prozent der DKA-Fälle einen bisher unerkannten Typ-1-Diabetes aufdecken. Kinder und Jugendliche sind besonders betroffen, Erwachsene aber keineswegs ausgenommen.
Frühe Hinweise sind starker Durst und häufiges Wasserlassen. Danach folgen Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerz, Schwäche und Kurzatmigkeit. Der ADA/EASD-Konsens nennt Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerz bei mehr als der Hälfte der DKA-Aufnahmen, während sie beim hyperosmolaren Syndrom selten bleiben. Tiefe Atmung und ein fruchtiger Atem gehören zur Kompensation der Azidose. Verwirrtheit, Schläfrigkeit oder Bewusstlosigkeit markieren schwere Verläufe.
Auslöser sind Infekte, ausgelassene Insulindosen, eine verstopfte Insulinpumpe, Herzinfarkt, Schlaganfall, Pankreatitis, Schwangerschaft, Alkohol oder bestimmte Arzneimittel wie Glukokortikoide und einige Diuretika. Die CDC (Mai 2024) nennt Krankheit und fehlendes Insulin als die zwei häufigsten Ursachen. Wer erbricht und nichts behält, soll nicht warten, bis der Zucker „von allein“ fällt.
Ohne Behandlung drohen Bewusstlosigkeit und Tod. Mit rascher Kliniktherapie liegt die Sterblichkeit der DKA in Ländern mit guter Versorgung unter einem Prozent, so der Konsens 2024. Das entlastet niemanden, der zu Hause Symptome hat. Der Geruch ist dann ein Grund zu handeln, kein Grund zu beruhigen.
SGLT2-Hemmer und euglykämische Ketoazidose
Natrium-Glukose-Kotransporter-2-Hemmer (SGLT2-Hemmer) wie Empagliflozin, Dapagliflozin oder Canagliflozin können eine Ketoazidose auslösen, obwohl der Blutzucker nur mäßig erhöht oder sogar unauffällig wirkt. Diese Form heißt euglykämische DKA. Der Acetongeruch kann trotzdem auftreten, weil Aceton unabhängig von der Höhe des Zuckers ausgeatmet wird.
StatPearls (Januar 2023) definiert euglykämische DKA über Glukose unter 250 mg/dl plus pH unter 7,3, Bikarbonat unter 18 mmol/l und Ketone. Rund 2,6 bis 3,2 Prozent der DKA-Aufnahmen erfüllen dieses Bild. Der Konsens 2024 berichtet, dass in einer Serie 35 Prozent der SGLT2-assoziierten DKA-Fälle unter 200 mg/dl lagen, in einer anderen 71 Prozent bei höchstens 250 mg/dl. Wer nur den Zucker anschaut, verpasst die Azidose.
Die Wirkstoffe spülen Glukose über die Niere aus. Das senkt den Zucker, erzeugt aber einen relativen Kohlenhydratmangel, hebt das Verhältnis von Glukagon zu Insulin und fördert die Ketonbildung. Auslöser sind Operation, Infekt, Fasten, sehr kohlenhydratarmer Plan, Erbrechen, Flüssigkeitsmangel oder eine reduzierte Insulindosis. Die US-Zulassungsbehörde rät von SGLT2-Hemmern bei Typ 1 ab; StatPearls nennt dort ein Ketonrisiko bis etwa 9 Prozent. Bei Typ 2 bleibt die Episode selten, laut Konsens in Beobachtungen etwa 0,6 bis 4,9 Ereignisse pro 1000 Patientenjahre, das relative Risiko gegenüber Vergleichstherapie lag in Metaanalysen aber klar erhöht.
Übelkeit, Atemnot, Bauchschmerz oder Acetongeruch unter einem SGLT2-Hemmer gehören in die Notaufnahme, auch wenn das Messgerät 140 mg/dl anzeigt. Das Präparat wird in der akuten Lage abgesetzt. Ob und wann es später zurückkommt, entscheidet das behandelnde Team nach Stabilisierung, nicht der Patient allein.
Ketogene Ernährung, Fasten und Hungerketose
Eine sehr kohlenhydratarme, fettreiche Ernährung kann den Körper in eine ernährungsbedingte Ketose schieben. Der Atem darf dann nach Aceton riechen, weil Aceton über die Lunge entweicht. Solange Insulin wirkt, der Kreislauf stabil bleibt und keine Azidose entsteht, ist das ein Stoffwechseleffekt, kein Beweis für DKA.
Der Geruch allein sagt nichts über den Erfolg einer Diät. Er ersetzt keine Blutmessung. Wer Diabetes hat, besonders unter Insulin oder SGLT2-Hemmern, soll eine ketogene Kost nicht auf eigene Faust beginnen. Der Konsens 2024 listet sehr kohlenhydratarme Pläne und langes Fasten ausdrücklich als Risikofaktoren für SGLT2-assoziierte DKA. Eine Fallserie in der Fachliteratur beschreibt DKA nach Keto-Kost bei zuvor nicht erkanntem Diabetes. Das ist selten, aber der Geruch plus Unwohlsein darf dort nicht als „normale Keto-Nebenwirkung“ abgehakt werden.
Hungerketose folgt demselben biochemischen Pfad. Nach 12 bis 14 Stunden ohne Nahrung steigen Ketone leicht. Nach zwei bis drei Tagen Fasten werden Fettsäuren zum Hauptfuel, so StatPearls. Extremes Hungern, Schluckstörung nach Operation, Kachexie bei Tumorleiden oder Essstörungen können die milde Ketose in eine Hungerketoazidose überführen. Der Blutzucker bleibt dabei oft niedrig. Der Atem kann fruchtig werden, dazu kommen Schwäche, niedriger Blutdruck und Zeichen des Untergewichts.
Grippeähnliche Mattigkeit, Krämpfe oder veränderter Stuhl nach dem Start einer Keto-Kost sind häufige Anpassungsbeschwerden, ersetzen aber keine Abklärung, wenn Erbrechen, Verwirrtheit oder tiefe Atmung dazukommen. Schwangere und Stillende tragen ein Extra-Risiko für ausgeprägte Hungerketose, weil der Stoffwechsel schneller in den Fettabbau kippt. Solche Pläne gehören in ärztliche Begleitung, nicht in Forenrat.
Alkoholische Ketoazidose
Nach schwerem Trinken, wiederholtem Erbrechen und ein bis drei Tagen fast ohne Essen kann sich eine alkoholische Ketoazidose entwickeln. Die Leber hat dann wenig Glykogen, Insulin fällt, Fettsäuren werden zu Ketonen. MedlinePlus (Review Mai 2025) nennt die Lage eine akute metabolische Azidose und einen Notfall.
Der Blutzucker ist dabei oft niedrig oder nur mäßig hoch, selten über 250 mg/dl, im Gegensatz zur klassischen DKA. StatPearls beschreibt typische Betroffene als Menschen mit langem Alkoholkonsum, die nach einem Gelage nichts mehr bei sich behalten. Der Atem kann nach Ketonen riechen, die Atmung wird tief und rasch, Bauchschmerz, Unruhe und Verwirrtheit kommen hinzu. Entzugszeichen wie hoher Puls und Bluthochdruck können das Bild überlagern.
Die Klinik muss andere Ursachen einer Säuerung ausschließen, darunter Methanol, Ethylenglykol, Pankreatitis und eine gleichzeitig vorliegende DKA. Die Behandlung besteht aus Infusionen mit Salz und Zucker, Vitaminen gegen Mangel und Überwachung, oft auf der Intensivstation. Alkoholentzug wird medikamentös abgefangen, weil ein Krampfanfall die Lage verschlechtern kann. Wer nach einem Trinkexzess erbricht, nicht isst und fruchtig riecht, braucht denselben Weg in die Notaufnahme wie bei Verdacht auf DKA.

Ketone messen: Blut, Urin, Nase
Die Nase ist ein Hinweis, kein Messgerät. Manche Menschen riechen Aceton sehr fein, andere gar nicht. Parfüm, Kaffee und Mundgeruch überdecken den Ton. Klinische Entscheidungen stützen sich auf Zahlen.
Der NHS (Review Juni 2023) gibt für Kapillar-Blutketone folgende Orientierung, mit dem Hinweis, dass individuelle Zielwerte vom Diabetes-Team abweichen können:
| Blutketone (Beta-Hydroxybutyrat) | Bedeutung laut NHS | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| unter 0,6 mmol/l | im üblichen Bereich | beobachten, Plan einhalten |
| 0,6 bis 1,5 mmol/l | leicht erhöht | in zwei Stunden erneut messen |
| 1,6 bis 3,0 mmol/l | DKA-Risiko | Diabetes-Team sofort anrufen |
| über 3,0 mmol/l | DKA möglich | Notruf oder Notaufnahme |
Urinteststreifen mit mindestens zwei Plus wertet der NHS ebenfalls als hoch und notfallwürdig. Endotext rät, Urinketone nur zu nutzen, wenn Blutketone fehlen. Sulfhydryl-haltige Arzneimittel und Valproat können den Nitroprussid-Urintest falsch positiv färben. Umgekehrt bleibt der Streifen blass, solange vor allem Beta-Hydroxybutyrat vorliegt und Acetessigsäure noch nachhinkt.
Geräte, die Aceton in der Atemluft anzeigen, kursieren vor allem in der Keto-Szene. Für die Diagnose oder Steuerung einer DKA sind sie kein Ersatz für Blutketone. Der Konsens 2024 und Endotext nennen die direkte Bestimmung von Beta-Hydroxybutyrat den bevorzugten Weg. Wer krank ist oder dessen Zucker über 250 mg/dl steigt, soll nach CDC-Rat Ketone prüfen, alle vier bis sechs Stunden den Zucker kontrollieren und bei steigenden Werten Hilfe holen.
Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme
Acetongeruch plus Warnsymptome ist ein Notfall, auch ohne Diabetesdiagnose. Der NHS schickt in die Notaufnahme, wenn Blutketone über 3 mmol/l liegen, der Urin mindestens zwei Plus zeigt oder der Atem fruchtig riecht und gleichzeitig Durst, häufiges Wasserlassen, Schläfrigkeit oder Verwirrtheit bestehen. Dasselbe gilt, wenn diese Zeichen bei einem Menschen ohne bekannte Zuckerkrankheit auftreten.
Die Mayo Clinic nennt zusätzlich einen Blutzucker über 300 mg/dl (16,7 mmol/l) bei mehr als einer Messung sowie Ketone, wenn niemand aus dem Behandlungsteam erreichbar ist. Die CDC ergänzt anhaltende Werte ab 300 mg/dl, Erbrechen ohne Flüssigkeitsaufnahme und Atemnot. MedlinePlus listet vermindertes Bewusstsein, fruchtigen Atem, Übelkeit und Atemprobleme als Gründe für den Notruf.
Den Diabetes-Dienst oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst soll anrufen, wer Diabetes hat und dessen Zucker trotz Insulin nicht sinkt, wer sich bei Ketonen zwischen 0,6 und 1,5 mmol/l krank fühlt oder wer Werte von 1,6 bis 3,0 mmol/l misst, auch ohne schweres Unwohlsein. Kinder mit tiefem Atmen, Erbrechen und Bauchschmerz brauchen eine Glukose- und Ketonmessung, bevor jemand „Magen-Darm-Infekt“ festlegt. Eine DKA kann sich in wenigen Stunden aufbauen.
Wer SGLT2-Hemmer nimmt, senkt die Schwelle noch weiter. Normaler Zucker entkräftet den Verdacht nicht. Schwangere mit Diabetes und Acetongeruch gehören ebenfalls rasch in klinische Hand, weil Schwangerschaft selbst ein Auslöser für euglykämische Verläufe sein kann.
Was zu Hause sinnvoll ist und was nicht
Hausmittel gegen den Geruch, etwa Kaugummi, Petersilie oder Mundspülung, ändern die Ketonlage nicht. Sie können höchstens die Nase täuschen. Sinnvoll ist, was die Leitlinien zur DKA-Vermeidung nennen: Insulinplan einhalten, Zucker häufiger messen, bei Krankheit Ketone prüfen, Flüssigkeit trinken und das Team früh rufen.
Die NHS-Regel lautet klar: Insulin nicht absetzen, auch wenn gerade nichts gegessen wird. Eine ausgelassene Dosis ist ein klassischer Weg in die DKA. Die Pumpe braucht bei hohem Zucker einen Blick auf Schlauch, Kanüle und Reservoir. Abgelaufenes oder hitze- oder kältegeschädigtes Insulin wirkt schwach. Die Cleveland Clinic rät in der Erholungsphase von Sport ab, weil Anstrengung Zucker und Ketone weiter treiben kann.
Bei leicht erhöhten Ketonen ohne Erbrechen folgt oft der individuelle Sick-Day-Plan: mehr Insulin nach Absprache, zuckerfreie Flüssigkeit, stündliche Kontrollen. Diesen Plan schreibt das Diabetes-Team, nicht ein allgemeiner Text. Wer erbricht, verwirrt wirkt, tief atmet oder Ketone über 3 mmol/l misst, fährt nicht selbst. Der NHS bittet ausdrücklich darum, fahren zu lassen und den Rettungsdienst zu rufen.
Nach einer überstandenen DKA zählt die Ursachensuche. Infekt, Pumpendefekt, weggelassenes Insulin, neues Medikament oder SGLT2-Start müssen benannt werden, sonst wiederholt sich die Episode. Der Konsens 2024 erinnert, dass ein relevanter Anteil der Aufnahmen Rückfälle sind. Strukturierte Schulung, Ketonteststreifen im Haus und ein schriftlicher Notfallplan senken dieses Risiko stärker als jeder Versuch, den Atem zu parfümieren.
Häufige Fragen
Ist ein Atem nach Aceton immer gefährlich?
Nein, der Geruch kann bei ketogener Kost oder nach längerem Fasten ohne Azidose auftreten. Gefährlich wird er, wenn Übelkeit, Erbrechen, tiefe Atmung, Verwirrtheit oder hoher Zucker dazukommen. Dann muss eine Ketoazidose ausgeschlossen werden, bevor jemand den Befund als Diät-Effekt abtut.
Kann eine Keto-Diät den Atem nach Aceton riechen lassen?
Ja, ernährungsbedingte Ketose setzt Aceton frei, das über die Lunge entweicht. Bei Menschen ohne Diabetes und ohne schwere Begleiterkrankung bleibt das oft ungefährlich. Wer Insulin oder SGLT2-Hemmer nimmt oder ungeklärten Gewichtsverlust hat, braucht vor solchen Plänen ärztlichen Rat, weil dieselbe Biochemie in eine DKA kippen kann.
Was tun, wenn ich Diabetes habe und Aceton rieche?
Zucker und, wenn vorhanden, Blutketone sofort messen und den Notfallplan des Teams nutzen. Liegen Ketone über 3 mmol/l oder kommen Erbrechen, Atemnot oder Verwirrtheit hinzu, ist die Notaufnahme der richtige Ort. Insulin nicht weglassen, nur weil gerade Appetit fehlt.
Reicht ein Urinteststreifen aus?
Ein Streifen mit zwei Plus ist laut NHS ein Alarm und ersetzt den Notruf nicht. Für die Feinsteuerung und die Verlaufskontrolle ist Beta-Hydroxybutyrat im Blut genauer, weil der Urin nachhinkt. Fehlt das Blutgerät, gilt der Urinwert trotzdem, statt zu warten.
Können SGLT2-Hemmer Acetongeruch bei normalem Zucker machen?
Ja, diese Wirkstoffe können eine euglykämische Ketoazidose auslösen. Der Zucker täuscht dann, der Atem und die Beschwerden nicht. Übelkeit, Bauchschmerz oder fruchtiger Geruch unter Empagliflozin, Dapagliflozin oder Canagliflozin gehören in die Klinik, nicht in die nächste Routinekontrolle.
Riecht Zahnfleischentzündung nach Aceton?
In der Regel nicht. Entzündetes Zahnfleisch erzeugt fauligen Mundgeruch durch Bakterien, nicht den Lösungsmittelton von Aceton. Fruchtiger Atem plus Durst, Erbrechen oder tiefe Atmung bleibt ein Stoffwechselproblem, auch wenn parallel Zahnstein besteht.
Wie schnell kann eine diabetische Ketoazidose entstehen?
Oft innerhalb von Stunden bis zu einem, höchstens wenigen Tagen. Die Mayo Clinic nennt häufig weniger als 24 Stunden. Bei Erbrechen kann der Verlauf noch steiler sein. Warten auf den nächsten Werktag ist dann die falsche Strategie.

Fazit
Acetongeruch ist ausgeatmetes Keton, meist Aceton aus dem Fettstoffwechsel. Die Nase trennt harmlose Ketose und Ketoazidose nicht zuverlässig. Entscheidend sind Begleitzeichen, die eigene Vorgeschichte und gemessene Ketone, bevorzugt Beta-Hydroxybutyrat im Blut.
Seit dem Konsens von ADA, EASD und Partnergesellschaften 2024 gilt eine DKA schon ab 200 mg/dl Glukose oder bei bekanntem Diabetes, sobald Ketone und Azidose zusammenkommen. SGLT2-Hemmer haben die euglykämische Variante aus der Randnotiz in den Alltag geholt. Wer nach Aceton riecht und sich krank fühlt, handelt wie bei Verdacht auf DKA, statt auf einen hohen Zucker zu warten.
Für den nächsten Tag heißt das: Teststreifen oder Blutketonmesser bereithalten, Insulinplan schriftlich liegen haben, SGLT2-Wirkstoff auf dem Medikamentenzettel markieren. Bei fruchtigem Atem plus Erbrechen, tiefer Atmung oder Verwirrtheit zählt der Rettungsweg, nicht der Versuch, den Geruch zu überdecken.
Quellen
- Mayo Clinic Staff: Diabetic ketoacidosis – Symptoms & causes. Mayo Clinic, 25. Juli 2025.
- Centers for Disease Control and Prevention: Diabetic Ketoacidosis. Centers for Disease Control and Prevention, 15. Mai 2024.
- National Health Service: Diabetic ketoacidosis. National Health Service, 8. Juni 2023.
- Cleveland Clinic: Diabetes-Related Ketoacidosis (DKA). Cleveland Clinic, 21. November 2025.
- MedlinePlus: Diabetic ketoacidosis. MedlinePlus, 10. Januar 2025.
- MedlinePlus: Alcoholic ketoacidosis. MedlinePlus, 19. Mai 2025.
- Feingold KR, Dhatariya K: Diabetic Ketoacidosis. Endotext, 31. Januar 2026.
- Plewa MC, Bryant M, King-Thiele R: Euglycemic Diabetic Ketoacidosis. StatPearls, 29. Januar 2023.
- Umpierrez GE, Davis GM et al.: Hyperglycemic Crises in Adults With Diabetes: A Consensus Report. Diabetes Care, 1. August 2024.
- Ghimire P, Dhamoon AS: Ketoacidosis – StatPearls – NCBI Bookshelf. StatPearls, 8. August 2023.
