
Sowohl ein niedriger als auch ein hoher Magnesiumspiegel im Blut kann mit einem höheren Demenzrisiko einhergehen. Eine systematische Übersicht mit Metaanalyse von 2024 fand das niedrigste Risiko bei etwa 0,85 mmol/l; Werte unter 0,75 mmol/l lagen um 43 Prozent, Werte über 0,95 mmol/l um 30 Prozent höher als dieser Mittelwert.
Das ist eine Beobachtung, kein Beweis, dass Magnesium Demenz auslöst oder verhindert. Die erste große Kohorte dazu kam 2017 aus Rotterdam; spätere Arbeiten in Dänemark und den USA haben die U-förmige Kurve im Wesentlichen bestätigt. Präparate gegen Demenz sind in randomisierten Studien nicht belegt. Die Lancet-Kommission 2024 listet 14 beeinflussbare Faktoren und nennt Magnesium nicht. Wer Krämpfe, Verwirrtheit oder Herzstolpern hat, braucht eine ärztliche Messung, keinen eigenmächtigen Hochdosisversuch.
Was der Blutwert über das Demenzrisiko sagt
Der Serumwert erfasst weniger als ein Prozent des Körperbestands, bleibt aber der übliche klinische Maßstab. In der Rotterdamer Bevölkerungsstudie von Kieboom und Kollegen lag das Risiko für eine Demenz an beiden Rändern der normalen Spanne höher als in der Mitte.
Die Arbeitsgruppe bestimmte das Serummagnesium bei 9569 Teilnehmenden ohne Demenz, im Mittel 64,9 Jahre alt, davon 56,6 Prozent Frauen. Die Blutentnahme fiel zwischen 1997 und 2008. Bis Januar 2015, nach einer medianen Beobachtung von 7,8 Jahren, erhielten 823 Personen die Diagnose einer Demenz nach DSM-III-R, darunter 662 mit Alzheimer-Krankheit. Als niedrig galt ein Wert von 0,79 mmol/l oder darunter, als hoch 0,90 mmol/l oder darüber. Die dritte Fünftelgruppe diente als Vergleich.
Nach Anpassung an Alter, Geschlecht, Bildung, Herz-Kreislauf-Risiken, Nierenfunktion, Begleiterkrankungen, andere Elektrolyte und Diuretika lag die Hazard Ratio bei 1,32 für den unteren Rand (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,02–1,69) und bei 1,30 für den oberen Rand (1,02–1,67). Die Autoren selbst schrieben, die Ergebnisse müssten in anderen Bevölkerungen wiederholt werden. Eine einzelne Messung, eine rein beobachtende Anlage und Werte, die meist noch im laborüblichen Korridor lagen, begrenzen die Aussage. Wer die ersten vier Jahre nach der Blutentnahme ausklammerte, sah ein ähnliches Muster; das mindert die Sorge, eine schon beginnende Demenz habe den Wert nur mitgeschleppt.
Das NIH Office of Dietary Supplements nennt als üblichen Laborrahmen 0,75 bis 0,95 mmol/l. Merck definiert eine klinische Hypomagnesiämie strenger, nämlich unter 0,70 mmol/l beziehungsweise 1,8 mg/dl. Beide Schwellen beschreiben verschiedene Fragen: den epidemiologischen Rand und den klinischen Mangel. Eine Zahl im Mittelfeld beruhigt nicht, wenn Krämpfe, refraktärer Kalium- oder Kalziummangel oder schwere Durchfälle vorliegen, schreibt Merck; der Speicher in Knochen und Zellen kann dann schon geleert sein.

Hat sich die U-Kurve nach 2017 bestätigt?
Ja, für den Serumwert, mit mittlerer Sicherheit laut Chen und Kollegen. Ihre Übersicht in Advances in Nutrition vom Juli 2024 bündelte drei randomisierte Studien und zwölf Kohorten; die Suche reichte bis zum 3. Mai 2024.
Die quadratische Meta-Regression für zirkulierendes Magnesium und Demenz oder kognitive Schwäche war nichtlinear (Pquadratic = 0,003). Unterhalb von 0,75 mmol/l lag die gepoolte Hazard Ratio gegenüber 0,85 mmol/l bei 1,43 (1,05–1,93), oberhalb von 0,95 mmol/l bei 1,30 (1,03–1,64). Selbst innerhalb des Referenzintervalls tendierten die Nachbarzonen zu etwas höheren Schätzern. Als günstigsten Punkt nannten die Autorinnen rund 0,85 mmol/l.
Einzelne Kohorten tragen das Bild. In der Copenhagen General Population Study mit 102 648 Erwachsenen, im Mittel 58 Jahre, und 9,5 Jahren Nachbeobachtung war die U-Form für vaskuläre Demenz kräftiger als für Alzheimer: das unterste Fünftel (Median 0,72 mmol/l) hatte gegenüber 0,85 mmol/l eine Hazard Ratio von 1,49 für vaskuläre Demenz, das oberste Fünftel (Median 0,90 mmol/l) von 1,32. In der US-Kohorte Atherosclerosis Risk in Communities mit 12 040 Personen und 24,2 Jahren Nachbeobachtung lag das Risiko im untersten Fünftel um 24 Prozent höher als im obersten. Die REGARDS-Stichprobe verknüpfte Werte unter 0,75 mmol/l mit späterer kognitiver Beeinträchtigung im Sechs-Fragen-Screening.
Ursache ist das nicht. Ein niedriger Spiegel kann Marker einer schlechten Ernährung, von Diuretika, Diabetes oder Nierenerkrankung sein. Ein hoher Spiegel kann eine eingeschränkte Ausscheidung anzeigen. Chen stuft die Evidenz für den Serumwert als mittel, für die Zufuhr mit der Kost als schwach ein, weil die Kohorten sich widersprechen.
Warum Magnesium das Gehirn betreffen kann
Magnesium passiert die Blut-Hirn-Schranke und hemmt übermäßig aktive NMDA-Rezeptoren, sodass weniger Kalzium ungebremst in Nervenzellen strömt. Fehlt dieser Puffer, gilt eine erregende Schädigung als plausible Spur; das ist Mechanismusforschung, keine Therapieanleitung.
Weitere Wege, die Chen aus Tier- und Zellarbeiten zusammenfasst, betreffen oxidativen Stress und Entzündung an der Blut-Hirn-Schranke, den Erhalt von Markscheiden und den Gefäßtonus. Ein Magnesiummangel ist mit höherem Blutdruck verknüpft; das könnte erklären, warum Thomassen die U-Kurve bei vaskulärer Demenz deutlicher sah als bei Alzheimer. Schlaganfall ist eine bekannte Ursache vaskulärer Demenz. Ob ein hoher Serumwert über Bradykardie, Druckabfall und Reizleitungsstörung denselben Weg nimmt, bleibt spekulativ.
Bildgebung liefert eine zweite Spur. Alateeq, Walsh und Cherbuin werteten 2023 Magnetresonanztomografien von 6001 Erwachsenen der UK Biobank im Alter von 40 bis 73 Jahren aus. Höhere Magnesiumzufuhr in der 24-Stunden-Erinnerung hing mit größerem Grau, größerem linken und rechten Hippocampus zusammen; die Koeffizienten lagen bei 0,001 Prozent, 0,0013 Prozent und 0,0023 Prozent pro Milligramm und Tag. Bei Frauen war eine steigende Zufuhr aus niedrigem Niveau mit kleineren Volumina und mehr Marklagerläsionen verbunden, eine hohe, später sinkende Zufuhr mit größeren Volumina. Der Blutdruck erklärte den Zusammenhang kaum. Das bleibt Querschnitt plus Verlauf der Ernährung, kein Beleg, dass eine Tablette Hirngewebe erhält.
Umgekehrt kann eine schon kranke Gefäßlage den Serumwert verschieben. Deshalb taugt der Laborzettel nicht als Demenztest und nicht als Freibrief für Hochdosispräparate.
Hilft die Ernährung, oder braucht es Präparate?
Eine magnesiumreiche Kost ist sinnvoll, weil viele Menschen die empfohlene Menge verfehlen; ein Präparat gegen Demenz ist nicht belegt. Chen fand in vier Kohorten keine klare lineare Beziehung zwischen Zufuhr und Demenz (Hazard Ratio 0,98 pro 100 mg, Konfidenzintervall 0,80–1,21).
Die Kurven gehen auseinander. In der Hisayama-Studie aus Japan lag das niedrigste Risiko um etwa 180 mg pro Tag, also im mittleren Viertel einer insgesamt knappen Kost. In der Shanghai Aging Study war das oberste Drittel (über 268 mg) mit einer Hazard Ratio von 2,26 verknüpft, allerdings vor allem bei einem Kalzium-Magnesium-Verhältnis von 1,69 oder darunter. Die UK Biobank mit 161 376 Personen und die Women’s Health Initiative Memory Study fanden keinen klaren Trend zur Demenz; in der WHIMS sank das Risiko für eine leichte kognitive Störung nur, wenn Kost und Präparate zusammengezählt wurden. Cherbuin hatte 2014 in einer australischen Kohorte noch eine starke lineare Senkung der leichten kognitiven Störung pro 100 mg berichtet. Chen warnt vor dem Vergleich über so verschiedene Mengen und vor einer einmaligen Ernährungsabfrage.
Drei randomisierte Studien reichen nicht. Magnesium-L-Threonat über zwölf Wochen verbesserte nach Brustkrebsoperationen den Telefon-Kognitionstest nicht. Magnesiumglycinat mit Anpassung des Kalzium-Magnesium-Verhältnisses hob den MoCA-Wert bei über 65-Jährigen, schwach bei Jüngeren. Magnesiumoxid bei kompensierter Leberzirrhose verbesserte einen Gedächtnisscore, die Studie war klein und methodisch angreifbar. Chen schließt daraus: für Präparate fehlt die Grundlage.
MedlinePlus schreibt ausdrücklich, eine Ergänzung sei derzeit nicht allgemein anzuraten. Das NIH betont, der Bedarf soll zuerst über Lebensmittel gedeckt werden. Wer einen nachgewiesenen Mangel, schwere Durchfälle, eine Resorptionsstörung oder einen langjährigen Protonenpumpenhemmer hat, bespricht Dosis und Salzform mit der Praxis, nicht mit der Nachbarin.
Welche Menge gilt, und wo steckt Magnesium?
Erwachsene Männer brauchen laut Food and Nutrition Board 400 mg täglich zwischen 19 und 30 Jahren und 420 mg ab 31 Jahren; Frauen 310 bzw. 320 mg. Die obere Grenze von 350 mg gilt nur für Präparate und Arzneimittel, nicht für die natürliche Kost.
Diese Unterscheidung verhindert Verwirrung. Die empfohlene Menge zählt Essen, Getränke, Tabletten und magnesiumhaltige Medikamente zusammen. Der UL zählt nur Tabletten und Arzneien, weil unabsorbierte Salze osmotisch den Darm treiben. Gesunde Nieren scheiden überschüssiges Nahrungs-Magnesium mit dem Urin aus. Das NIH nennt Durchfall, Übelkeit und Bauchkrämpfe als typische Folgen hoher Präparatdosen, besonders bei Carbonat, Chlorid, Gluconat und Oxid. Citrat, Aspartat, Lactat und Chlorid werden besser aufgenommen als Oxid und Sulfat.
Aus der Kost stammen gute Mengen in Kürbiskernen (156 mg pro 28 g), Chiasamen (111 mg), Mandeln (80 mg), gekochtem Spinat (78 mg pro halber Tasse), Cashews, Erdnüssen, schwarzen Bohnen, Edamame, Vollkorn und manchen Mineralwässern. Etwa 30 bis 40 Prozent des Nahrungs-Magnesiums werden aufgenommen. Fein gemahlenes Getreide ohne Keim und Kleie verliert einen großen Teil. NHANES 2013–2016 zeigte, dass 48 Prozent der Menschen in den USA die geschätzte durchschnittliche Bedarfsschwelle mit Essen und Trinken verfehlen; ältere Männer und Jugendliche stehen schlecht da.
Die folgende Einordnung verbindet Laborrahmen und Demenzbeobachtung. Die mmol/l-Zahlen stammen aus NIH, Merck und der Metaanalyse 2024, nicht aus einer neuen Leitlinie zum Hirn.
| Magnesienspanne | Serumwert | Klinische Einordnung |
|---|---|---|
| Klinischer Mangel nach Merck | unter 0,70 mmol/l | Ersatz prüfen, oft zusammen mit Kalium- und Kalziummangel |
| Unterhalb NIH-Referenz | unter 0,75 mmol/l | Metaanalyse 2024: Hazard Ratio 1,43 gegenüber 0,85 mmol/l |
| Mittelfeld Rotterdam | 0,80–0,89 mmol/l | niedrigstes beobachtetes Demenzrisiko in dieser Kohorte |
| Oberhalb NIH-Referenz | über 0,95 mmol/l | Metaanalyse 2024: Hazard Ratio 1,30 gegenüber 0,85 mmol/l |
| Klinischer Überschuss nach Merck | über 1,05 mmol/l | meist Nierenversagen plus magnesiumhaltige Mittel |
Ein Wert von 0,85 mmol/l ist kein Therapieziel, das die Hausarztpraxis ansteuern muss. Er markiert in Kohorten den Boden der U-Kurve. Merck behandelt, wenn Symptome bestehen oder der Spiegel dauerhaft unter 0,50 mmol/l liegt; schwere Krampfanfälle gehören in die Klinik mit intravenösem Magnesiumsulfat, nicht in die Hausapotheke.
Wer verliert Magnesium, welche Mittel stören?
Verlust über Darm oder Niere und eine knappe Zufuhr erklären die meisten klinischen Mängel, nicht ein einzelnes versäumtes Gemüsegericht. Symptomatischer Mangel durch Kost allein ist laut NIH bei sonst Gesunden ungewöhnlich, weil die Niere die Ausscheidung drosselt.
Die Cleveland Clinic schätzt den Anteil in der US-Allgemeinbevölkerung auf etwa 2 Prozent, im Krankenhaus auf 10 bis 20 Prozent, auf Intensivstationen auf 50 bis 60 Prozent. Bei Alkoholkrankheit werden 30 bis 80 Prozent genannt, bei schlecht eingestelltem Diabetes etwa 25 Prozent. Merck listet chronische Durchfälle, Fettstuhl, Dünndarmbypass, Schwangerschaft im letzten Drittel, Stillzeit, Schleifendiuretika, Thiazide, langjährige Protonenpumpenhemmer, Amphotericin B, Cisplatin, Ciclosporin und Aminoglykoside. Das NIH ergänzt Morbus Crohn, Zöliakie, Typ-2-Diabetes mit glucosuriebedingtem Mehrverlust und das höhere Alter: die Aufnahme im Darm sinkt, die Ausscheidung steigt, und es kommen mehr Dauerarzneien hinzu.
Drei Wechselwirkungen muss, wer Tabletten nimmt, der Praxis oder der Apotheke nennen.
- Orale Bisphosphonate wie Alendronat werden schlechter aufgenommen, wenn magnesiumreiche Mittel zu nah liegen; das NIH rät zu mindestens zwei Stunden Abstand.
- Tetracycline und Chinolone bilden unlösliche Komplexe; sie sollen mindestens zwei Stunden vor oder vier bis sechs Stunden nach einem Magnesiumpräparat stehen.
- Schleifen- und Thiaziddiuretika erhöhen den Urinverlust, kaliumsparende Mittel wie Amilorid und Spironolacton schonen den Bestand eher.
Protonenpumpenhemmer über typischerweise mehr als ein Jahr können eine Hypomagnesiämie auslösen. In den von der FDA geprüften Fällen hob eine Ergänzung den Spiegel oft, in einem Viertel der Fälle nicht; dann musste das Säuremittel enden. Das NIH gibt die FDA-Empfehlung weiter, vor einer geplanten Langzeittherapie und danach in Abständen zu messen, besonders zusammen mit Digoxin oder Diuretika.
Ein Überschuss entsteht fast nur, wenn die Niere versagt und gleichzeitig Antazida oder Abführmittel mit Magnesium laufen. Merck nennt als Schwelle 1,05 mmol/l. Ab etwa 2,5 bis 5 mmol/l verbreitert sich der QRS-Komplex, Eigenreflexe erlöschen gegen 5 mmol/l, ein Herzstillstand droht oberhalb von 6,0 bis 7,5 mmol/l. Das NIH beschreibt tödliche Fälle nach sehr hohen Laxansdosen, oft über 5000 mg pro Tag.
Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme?
Muskelkrämpfe, Kribbeln, ungeklärte Schwäche oder Herzstolpern gehören in die Sprechstunde, ein Krampfanfall oder eine Rhythmusstörung in die Notaufnahme. Die Cleveland Clinic rät bei schweren Zeichen zum Notruf, in Deutschland die 112.
Frühe Mangelzeichen nach NIH und MedlinePlus sind Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und Schwäche. Später kommen Taubheit, Muskelzuckungen, Persönlichkeitsänderung, Krampfanfälle und Herzrhythmusstörungen hinzu. Schwerer Mangel kann Kalzium und Kalium mitreißen; dann bleibt die Kaliumtablette wirkungslos, bis Magnesium ersetzt ist. Merck beschreibt Tetanie mit Trousseau- oder Chvostek-Zeichen, Tremor und Faszikulationen. Manche Menschen bleiben beschwerdefrei.
Ein Termin lohnt sich auch ohne Dramatik, wenn mehrere der folgenden Lagen zusammenkommen: langjähriger Protonenpumpenhemmer, Schleifendiuretikum, schlecht eingestellter Diabetes, chronische Durchfälle, Zöliakie oder Morbus Crohn, hohe Alkoholmenge, höheres Alter mit einseitiger Kost. Die Cleveland Clinic nennt als Laborrahmen oft 1,46 bis 2,68 mg/dl und ergänzt Kalium, Kalzium, Stoffwechselprofil, Urinmagnesium und bei Bedarf ein EKG.
Sofortige Hilfe verlangen generalisierte Anfälle, Delir, Brustschmerz mit unregelmäßigem Puls, Atemnot nach magnesiumhaltigen Abführmitteln und bekannter Niereninsuffizienz. Merck behandelt den toxischen Überschuss mit Calciumgluconat intravenös, bei erhaltener Niere mit forcierter Diurese, sonst mit Hämodialyse. Das ist Klinikstandard, kein Hausrezept.
Eine Demenzabklärung nach NICE NG97 umfasst körperliche Untersuchung sowie passende Blut- und Urintests, um umkehrbare Ursachen auszuschließen. Magnesium steht in dieser britischen Leitlinie nicht namentlich; der Serumwert gehört trotzdem auf den Zettel, wenn Elektrolytstörungen, Diuretika oder Protonenpumpenhemmer im Spiel sind.
Was Leitlinien zur Demenzvorbeugung wirklich raten
Kein aktuelles Regelwerk empfiehlt Magnesiumtabletten, um Demenz zu verhindern. Die Lancet-Kommission vom 31. Juli 2024 modelliert 14 Faktoren und schätzt, dass rund 45 Prozent der Fälle theoretisch beeinflussbar wären, wenn alle vollständig beseitigt würden.
Auf der Liste stehen geringe Bildung, Hörverlust, Bluthochdruck, Rauchen, Adipositas, Depression, Bewegungsmangel, Diabetes, zu viel Alkohol, Schädelhirntrauma, Luftverschmutzung, soziale Isolation, unbehandelter Sehverlust und hohes LDL-Cholesterin. Die beiden letzten kamen 2024 neu hinzu. Magnesium fehlt. NICE NG16 zur Vorbeugung in der Lebensmitte nennt Rauchstopp, mehr Bewegung, weniger Alkohol, bessere Kost und Gewicht, ebenfalls ohne Mineralstoffziel.
NICE NG97 zur Diagnose und Behandlung wurde am 24. Oktober 2025 geprüft und nicht geändert. Die Leitlinie rät, Ginseng, Vitamin-E-Präparate und pflanzliche Mischungen nicht zur Demenzbehandlung anzubieten. Magnesium steht dort weder als Therapie noch als Screening der Gesunden. Wer Vorbeugung will, hat handfeste Hebel: Hörgerät, Blutdruck, Bewegung, Rauchstopp, Sehkorrektur, LDL-Senkung. Eine Handvoll Nüsse und Blattgemüse fügt sich in diese Kost, ersetzt aber keinen dieser Punkte.
Ältere Kurzberichte von 2017 klangen so, als könne ein Magnesiumtest bald die Gefährdeten herausfischen. Das ist nicht eingetreten. Die U-Kurve hat sich in weiteren Kohorten wiederholt, die klinische Konsequenz bleibt nüchtern. Mangel behandeln, Überschuss bei Nierenkranken vermeiden, das Demenzrisiko über die belegten Faktoren senken.
Häufige Fragen
Erhöht zu viel Magnesium wirklich das Demenzrisiko?
Hohe Serumwerte ab etwa 0,90 bis 0,95 mmol/l waren in Kohorten und in der Metaanalyse 2024 mit mehr Demenz verknüpft, ähnlich wie niedrige Werte. Das belegt keine Schädigung durch Nüsse oder Vollkorn. Klinisch gefährlich wird ein Überschuss vor allem bei Nierenversagen plus magnesiumhaltigen Abführmitteln oder Antazida.
Soll ich Magnesiumpräparate nehmen, um Demenz vorzubeugen?
Nein, nicht zum Zweck der Demenzvorbeugung. Drei randomisierte Studien reichen nicht, und weder Lancet 2024 noch NICE NG97 nennen ein solches Präparat. Sinnvoll ist eine Ergänzung bei nachgewiesenem Mangel oder bei Verlust über Darm, Niere oder bestimmte Arzneien, nach Rücksprache und unterhalb von 350 mg elementarem Magnesium aus Tabletten und Medikamenten, sofern die Niere gesund ist.
Welcher Magnesiumwert im Blut ist günstig?
In den Kohorten lag das niedrigste Demenzrisiko um 0,85 mmol/l, im Korridor von etwa 0,80 bis 0,89 mmol/l. Das NIH nennt 0,75 bis 0,95 mmol/l als laborüblichen Rahmen. Ein einzelner Wert ohne Klinik entscheidet nicht über Demenz; Merck behandelt den Mangel nach Symptomen und nach Werten unter 0,50 mmol/l.
Reicht die Ernährung aus, oder brauche ich immer Tabletten?
Für die meisten Gesunden reicht eine Kost mit Kernen, Nüssen, Hülsenfrüchten, Blattgemüse und Vollkorn. NHANES zeigt trotzdem, dass viele die Schwelle verfehlen. Tabletten werden nötig, wenn Aufnahme oder Verlust das Gleichgewicht kippen, nicht weil eine Demenzdrohung im Raum steht.
Wann sollte ich meinen Magnesiumspiegel messen lassen?
Bei Krämpfen, Kribbeln, ungeklärter Schwäche, Herzstolpern, hartnäckig niedrigem Kalium oder Kalzium, langem Protonenpumpenhemmer, Diuretika, Diabetes mit schlechter Einstellung, chronischen Durchfällen oder hoher Alkoholmenge. Gesunde ohne diese Lagen brauchen keinen Reihen-Check wegen Demenzangst.
Welche Lebensmittel enthalten besonders viel Magnesium?
Kürbiskerne, Chiasamen, Mandeln, Spinat, Cashews, schwarze Bohnen und Vollkorn stehen oben auf der NIH-Liste. Eine Unze gerösteter Kürbiskerne liefert 156 mg, eine halbe Tasse gekochter Spinat 78 mg. Mineralwasser schwankt je nach Quelle zwischen 1 und mehr als 120 mg pro Liter.
Fazit
Die Idee von 2017, wonach Extreme des Serummagnesiums mit mehr Demenz einhergehen, hat sich verdichtet. Chen bestätigt 2024 die U-Kurve mit einem Tiefpunkt um 0,85 mmol/l; unter 0,75 und über 0,95 mmol/l liegen die gepoolten Schätzer um 43 und 30 Prozent höher. Das bleibt Epidemiologie. Randomisierte Belege, dass eine Tablette Demenz verhindert, fehlen, und die großen Vorsorgeleitlinien von 2024 und 2025 setzen andere Hebel.
Praktisch zählt morgen die Kost mit Kernen, Hülsenfrüchten und Grünzeug, die Prüfung von Diuretika und Protonenpumpenhemmern und der Verzicht auf hochdosierte Laxanzien bei kranker Niere. Wer Krämpfe, Anfälle oder Herzstolpern bemerkt, lässt messen und behandeln. Wer sein Demenzrisiko senken will, kümmert sich um Gehör, Blutdruck, Bewegung, Rauchen, Sehen und LDL; Magnesium gehört in den Teller, nicht in die Wunderliste.
Quellen
- Kieboom BCT, Licher S et al.: Serum magnesium is associated with the risk of dementia. Neurology, 17. Oktober 2017.
- Chen F, Wang J et al.: Magnesium and Cognitive Health in Adults: A Systematic Review and Meta-Analysis. Advances in Nutrition, 13. Juli 2024.
- National Institutes of Health Office of Dietary Supplements: Magnesium – Health Professional Fact Sheet. National Institutes of Health, Stand: 6. Januar 2026.
- MedlinePlus: Magnesium in diet. MedlinePlus, 21. Januar 2025.
- Cleveland Clinic: Hypomagnesemia: What It Is, Causes, Symptoms and Treatment. Cleveland Clinic, 14. Juni 2022.
- Lewis JL: Hypomagnesemia – Electrolyte Disorders. Merck Manual Professional Edition, Stand: Juni 2025.
- Lewis JL: Hypermagnesemia – Electrolyte Disorders. Merck Manual Professional Edition, Stand: Dezember 2025.
- National Institute for Health and Care Excellence: Dementia: assessment, management and support for people living with dementia and their carers. National Institute for Health and Care Excellence, Stand: 24. Oktober 2025.
- Livingston G, Huntley J et al.: Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. The Lancet, 31. Juli 2024.
- Alateeq K, Walsh EI, Cherbuin N: Dietary magnesium intake is related to larger brain volumes and lower white matter lesions with notable sex differences. European Journal of Nutrition, 10. März 2023.
