Isotretinoin Cholesterin: wie stark steigen die Werte?

Isotretinoin Cholesterin: wie stark steigen die Werte?

Isotretinoin kann die Blutfette anheben, besonders die Triglyceride, weniger oft das Gesamtcholesterin. In der Kaiser-Kohorte von Zane und Kollegen (2006) entwickelten Patientinnen und Patienten mit zuvor normalen Werten zu 44 Prozent neue Triglycerid-Abweichungen, zu 31 Prozent ein höheres Gesamtcholesterin und zu 11 Prozent erhöhte Leberenzyme. Die US-Fachinformation nennt markante Triglyceridanstiege bei etwa 25 Prozent, einen HDL-Abfall bei 15 Prozent und einen Cholesterinanstieg bei 7 Prozent.

Die meisten Abweichungen bleiben milde und gehen nach dem Absetzen zurück. Die Leitlinie der American Academy of Dermatology von 2024 hält Leber- und Lipidkontrollen für sinnvoll, verzichtet bei Gesunden aber auf das monatliche Blutbild. Ein Laborplus ist kein Herzinfarkt. Starker Bauchschmerz, Erbrechen oder Gelbsucht brauchen trotzdem sofort ärztliche Klärung, weil Pankreatitis und Hepatitis selten, aber ernst sind.

Wie stark hebt Isotretinoin die Blutfette?

Isotretinoin verschiebt das Lipidprofil nach oben, vor allem bei den Triglyceriden. Wie groß der Sprung ausfällt, hängt von der Definition der Studie ab. Zane wertete 13 772 Versicherte zwischen 13 und 50 Jahren aus, die von 1995 bis 2002 oral behandelt wurden. Neu auffällige Werte entstanden bei 44 Prozent (Triglyceride), 31 Prozent (Gesamtcholesterin) und 11 Prozent (Transaminasen). Schwere Triglyceridspitzen waren selten. Unter fast 10 000 Menschen mit zuvor normalen Triglyceriden betraf das nur zwei Personen.

Jüngere Kohorten, die die AAD-Leitlinie 2024 zusammenfasst, liegen niedriger, weil sie andere Schwellen nutzen. Dort reichen auffällige Triglyceride von 7,1 bis 39,0 Prozent und auffälliges Cholesterin von 6,8 bis 27,2 Prozent. Das US-Label, das DailyMed für die Kapseln führt, spricht von markanten Triglyceridanstiegen bei 25 Prozent, einem Absinken des HDL-Cholesterins bei 15 Prozent und einem Cholesterinanstieg bei 7 Prozent. Eine systematische Übersicht von 2025 (Annals of Medicine and Surgery) beschreibt dasselbe Muster. Gesamtcholesterin, LDL und Triglyceride steigen, HDL sinkt, die Verschiebung bleibt meist nicht fortschreitend.

Der Wirkstoff schrumpft Talgdrüsen und drosselt die Talgproduktion. Gleichzeitig greift er in den Fettstoffwechsel der Leber ein. Genau dieser zweite Effekt erklärt, warum nüchterne Lipide und Leberenzyme zur Überwachung gehören, auch wenn die Haut sich bessert. Cheilitis (trockene, rissige Lippen) trifft laut StatPearls rund 90 Prozent und gilt als dosisabhängig; Hypertriglyceridämie gehört ebenfalls zu den sehr häufigen Laborbefunden.

Der Markenname Accutane ist in den USA nicht mehr im Handel. Präparate wie Absorica, Amnesteem, Claravis, Myorisan oder Zenatane enthalten denselben Wirkstoff. Die AAD betont, dass Bestellungen ohne Rezept im Netz die Sicherheit untergraben, weil Schwangerschaftstest, Labors und Aufklärung dann fehlen.

Normalisieren sich die Werte nach dem Absetzen?

Bei den meisten Menschen fallen die Lipide nach dem Ende der Kur wieder. Die Fachinformation schreibt ausdrücklich, dass die Lipidänderungen nach dem Absetzen reversibel waren. In der Zane-Kohorte kehrten von denen, die nach der Therapie erneut Blut abgaben, 92 Prozent mit zuvor hohen Transaminasen, 80 Prozent mit hohen Triglyceriden und 79 Prozent mit hohem Gesamtcholesterin in den Normalbereich oder knapp darüber zurück.

Das ist der entscheidende Unterschied zu einer lebenslangen Fettstoffwechselstörung. Eine Aknekur dauert laut AAD meist vier bis fünf Monate, im US-Label 15 bis 20 Wochen. In diesem Fenster können Werte steigen und danach wieder sinken. Zane warnte schon 2006, ein auffälliger Laborzettel sei kein klinischer Schaden. Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine festgezurrte Arterienverkalkung folgen aus einem vorübergehenden Plus nicht automatisch.

Ein Rest bleibt unklar. Nicht jede Person wurde nachbeobachtet, und wer nach dem Absetzen weiter hohe Werte hat, kann eine eigene Dyslipidämie mitbringen, die das Retinoid nur sichtbar gemacht hat. Die Übersicht von 2025 nennt die klinische Bedeutung der Lipidverschiebung deshalb schlecht verstanden und rät trotzdem zur Kontrolle, ohne sie zur Hauptstütze der Therapie zu erklären. Wer nach drei Monaten ohne Kapseln noch deutlich erhöhte Triglyceride oder ein hohes LDL hat, braucht eine eigene Abklärung, nicht nur den Satz, das komme vom Akne-Mittel.

Wie oft sind Laborkontrollen heute noch nötig?

Monatliche Vollpakete für jede gesunde junge Person sind nicht mehr der Stand der Leitlinien. Die AAD schreibt 2024, Leberwerte und ein nüchternes Lipidprofil sollten erwogen werden; ein Blutbild brauchen Gesunde nicht. Ein internationaler Delphi-Konsens in JAMA Dermatology (2022) wurde noch knapper. Geprüft werden Alanin-Aminotransferase und Triglyceride innerhalb eines Monats vor dem Start und erneut bei der Höchstdosis, nicht monatlich und nicht nach Therapieende. Blutbild, Basisstoffwechsel, GGT, Bilirubin, Albumin, Gesamteiweiß, LDL, HDL und CRP sollten demnach nicht routinemäßig mitlaufen.

Das US-Label bleibt vorsichtiger als die Fachgesellschaften. Nüchterne Lipide gehören vor der ersten Dosis auf den Tisch und dann so lange, bis die Reaktion bekannt ist, meist innerhalb von vier Wochen. Nach Alkohol soll mindestens 36 Stunden gewartet werden, bevor die Blutentnahme stattfindet. Leberwerte ebenfalls vor dem Start und danach periodisch, bis die Reaktion klar ist. Das MSD Manual (Review März 2024) liegt dazwischen. Es bestimmt vor der Therapie, kontrolliert nach vier Wochen und wiederholt bei unauffälligen Werten oft erst wieder am Ende der Kur.

Quelle Lipide Leberwerte Blutbild
FDA-Fachinformation nüchtern vor Start, bis die Reaktion bekannt ist (oft 4 Wochen) vor Start, dann periodisch keine Routine im Label
AAD-Leitlinie 2024 Lipidprofil erwägen Leberwerte erwägen bei Gesunden nicht nötig
Delphi-Konsens 2022 Triglyceride vor Start und bei Höchstdosis ALT vor Start und bei Höchstdosis nicht prüfen
MSD Manual 2024 vor Start, nach 4 Wochen, sonst oft erst am Ende analog zu den Lipiden analog zu den Lipiden

Ältere europäische Schemata aus der Mitte der 2010er-Jahre prüften Lipide und Leberenzyme vor dem Start, nach einem Monat und dann alle drei Monate. Wer 2018 noch monatlich alles abgenommen bekommen hat, trifft heute auf ein schlankeres, risikoadaptiertes Vorgehen. Das ersetzt nicht den klinischen Blick. Dosissteigerung, neu aufgetretene Risikofaktoren oder Symptome ändern den Plan, unabhängig davon, welches Schema auf dem Blatt steht.

Wann Dosis senken, wann das Mittel stoppen?

Steigende Fette bedeuten nicht automatisch das Ende der Kur. Die Fachinformation nennt drei Wege, die bei manchen Menschen den Triglyceridanstieg wieder drücken, während die Kapseln weiterlaufen. Dazu gehören Gewichtsreduktion, weniger Nahrungsfett und Alkohol sowie eine niedrigere Dosis. Gelingt die Kontrolle nicht, soll Isotretinoin abgesetzt werden. StatPearls nennt für die Leber eine klare Schwelle, nämlich Aminotransferasen über dem Fünffachen der oberen Norm oder Gelbsucht.

Die Startdosis liegt im US-Label bei 0,5 bis 1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, aufgeteilt auf zwei Gaben zu einer Mahlzeit, über 15 bis 20 Wochen. Bei sehr schwerer, vernarbender oder vor allem am Rumpf betonter Akne kann die Dosis bis 2 Milligramm pro Kilogramm steigen, sofern sie vertragen wird. StatPearls beschreibt den üblichen Weg als 0,5 Milligramm pro Kilogramm zu Beginn, dann Steigerung auf 1,0 je nach Verträglichkeit. Das MSD Manual nennt oft 1 Milligramm pro Kilogramm über 16 bis 20 Wochen und eine Absenkung auf 0,5, wenn Nebenwirkungen drücken. Eine kumulierte Menge von 120 bis 150 Milligramm pro Kilogramm senkte dort die Rückfallrate; einzelne Fachleute diskutieren 220 Milligramm pro Kilogramm.

Pankreatitis, auch bei normalen Triglyceriden, ist ein Stoppgrund. Dasselbe gilt für den Verdacht auf Hepatitis, für schwere Hautreaktionen und für Sehstörungen, die eine Augenärztin oder einen Augenarzt brauchen. StatPearls rät, bei einem großen Herz-Kreislauf-Ereignis das Mittel zu beenden und den Zusammenhang einzeln zu prüfen. Dosis und Pause entscheidet die behandelnde Praxis, nicht ein Laborwert allein und nicht die Patientin oder der Patient per App-Ratgeber.

Pankreatitis, Leberwerte und Warnzeichen

Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung ist der Laborgrund, warum Triglyceride überhaupt so genau angeschaut werden. Die Fachinformation berichtet Pankreatitis bei erhöhten und bei normalen Triglyceriden; vereinzelt kam eine tödliche hämorrhagische Form vor. Werte über 800 mg/dl (rund 9,0 mmol/l) sind im Label dokumentiert. Die AAFP setzt die Pankreatitisgefahr allgemein schon ab 500 mg/dl (5,65 mmol/l) höher an und rät dort zu Fibraten, Omega-3-Fettsäuren oder Nicotinsäure, um die Bauchspeicheldrüse zu schützen. Diese Schwellen stammen aus der allgemeinen Fettstoffwechselmedizin, nicht aus einer eigenen Isotretinoin-Studie.

Leberenzyme steigen laut Label bei etwa 15 Prozent leicht bis mäßig; ein Teil normalisiert sich unter Dosisreduktion oder sogar unter unveränderter Gabe. Klinische Hepatitis kommt vor. Die AAD-Kohorten nennen auffällige Leberwerte zwischen 0,8 und 10,4 Prozent, einen Abbruch wegen Leberwerten zwischen 0,9 und 4,7 Prozent. Gelbsucht, dunkler Urin, anhaltende Übelkeit oder Druck unter dem rechten Rippenbogen gehören in dieselbe Nacht in die Notaufnahme wie ein plötzlicher, starker Oberbauchschmerz mit Erbrechen.

MedlinePlus listet weitere Alarmzeichen, die ein sofortiges Absetzen und ärztliche Hilfe verlangen:

  • Starke Kopfschmerzen mit Sehstörung oder Erbrechen können auf eine Hirndrucksteigerung hinweisen, besonders zusammen mit einem Tetracyclin.
  • Brustschmerz, Ohnmacht oder rasender Puls brauchen eine notfallmedizinische Abklärung, auch wenn große Herzereignisse selten bleiben.
  • Gelbe Haut oder Augen, dunkler Urin und heller Stuhl sprechen für eine Leberbeteiligung, die nicht bis zum nächsten Monatswert warten darf.
  • Blutige Durchfälle, heftige Bauchkrämpfe oder Schluckschmerz sollen ebenfalls am selben Tag vorgestellt werden.

Trockenheit von Lippen, Haut, Nase und Augen ist häufig und allein kein Notfall. Sie rechtfertigt Pflege, nicht das eigenmächtige Absetzen. Neu auftretende Schwermut, Reizbarkeit oder Gedanken, sich zu verletzen, gehören trotzdem in denselben Tag in die Praxis, auch wenn Bevölkerungsstudien laut AAD 2024 kein erhöhtes Risiko für psychiatrische Erkrankungen gezeigt haben.

Wer hat ein höheres Lipidrisiko?

Diabetes, Adipositas, hoher Alkoholkonsum, eine eigene Fettstoffwechselstörung oder eine familiäre Vorbelastung erhöhen das Risiko, dass die Triglyceride unter Isotretinoin stärker steigen. Die Fachinformation verlangt bei diesen Gruppen eine engere Nutzen-Risiko-Abwägung und häufigere Lipidkontrollen, falls die Kur trotzdem startet. MedlinePlus nennt zusätzlich Übergewicht, früheres starkes Trinken sowie Herz- oder Leberkrankheit als Gesprächspunkte vor der ersten Packung.

Die AAFP führt Isotretinoin ausdrücklich als möglichen Auslöser einer sekundären Hypertriglyceridämie, neben Kortikoiden, Östrogenen und einigen Psychopharmaka. Wer schon nüchtern über 150 mg/dl (1,69 mmol/l) liegt, startet nicht bei null. Ein familiäres Chylomikronämie-Syndrom oder eine bekannte Pankreatitis in der Vorgeschichte verschiebt die Schwelle, ab der eine Kur überhaupt sinnvoll ist.

Jüngere, schlanke Menschen ohne Stoffwechselbefund bleiben die größte Gruppe in der Dermatologie. Bei ihnen sind schwere Laborausschläge laut Zane selten, und das Blutbild ändert sich kaum. Das rechtfertigt das schlankere Monitoring der AAD und des Delphi-Konsenses. Es entbindet nicht von der Baseline. Ohne nüchterne Ausgangswerte lässt sich später nicht sagen, ob das Mittel die Lipide bewegt hat oder ob sie schon vorher hoch waren.

Bleibt nach der Kur ein Herzrisiko?

Ein dauerhaft erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko durch die vorübergehende Dyslipidämie ist nicht belegt. Die Fachinformation schreibt, die kardiovaskulären Folgen der isotretinoinbedingten Hypertriglyceridämie seien unbekannt. StatPearls (Update Dezember 2025) findet in einer Metaanalyse nur schwache Hinweise auf große Herzereignisse; Fallberichte zu Rhythmusstörungen, Thrombosen oder akutem Koronarsyndrom belegen keine Ursache. Die Übersicht von 2025 hält die Lipidänderungen für meist nicht fortschreitend und ihre klinische Bedeutung für unklar.

Das ist eine andere Lage als 2006, als die Zane-Gruppe metabolisches Syndrom und spätere Herzschäden bei damals behandelten Jugendlichen noch als offene Frage liegen ließ. Seither fehlt der Nachweis, dass eine vier- bis fünfmonatige Kur Arterien so belastet wie eine jahrelange, unbehandelte Fettstoffwechselstörung. Gleichzeitig ersetzt die Lücke in den Daten kein Freibrief. Wer bereits ein hohes LDL, Diabetes oder eine familiäre Frühmanifestation von Herzinfarkt mitbringt, braucht dieselbe kardiologische Logik wie ohne Akne-Mittel. Risikofaktoren behandeln, nicht das Retinoid pauschal streichen.

Brustschmerz, Luftnot oder eine plötzliche Schwäche einer Körperseite bleiben rote Flaggen, unabhängig vom Labor. StatPearls rät, nach einem solchen Ereignis das Mittel zu stoppen und andere Ursachen mitzudenken. Für die große Mehrheit der Kur bleibt das Lipidthema ein Überwachungsthema, kein Lebensrisiko.

Schwangerschaft, Blutspende und Wechselwirkungen

Schwangerschaft ist die harte Kontraindikation, nicht das Cholesterin. Isotretinoin kann schon nach kurzer Einnahme schwere Fehlbildungen an Gesicht, Ohren, Herz, Thymus und Gehirn auslösen und Fehl- sowie Frühgeburten einschließen. In den USA läuft die Abgabe nur über das iPLEDGE-Programm. Dazu gehören zwei negative Schwangerschaftstests vor dem Start, monatliche Tests sowie zwei Verhütungsmethoden einen Monat vor, während und einen Monat nach der Therapie. Seit 2021 unterscheidet iPLEDGE geschlechtsneutral Menschen, die schwanger werden können, von denen, die es nicht können. Mini-Pillen ohne Östrogen gelten im Label als unzureichend.

Stillen rät die aktuelle Fachinformation während der Einnahme und mindestens acht Tage nach der letzten Dosis ab. Ältere Patientenblätter, darunter MedlinePlus (Stand 2018), nannten noch einen Monat. Blutspenden sind während der Kur und einen Monat danach tabu, weil eine transfundierte Schwangere dem Kind denselben Schaden zumuten könnte. Kapseln darf niemand teilen, auch nicht mit jemandem, der dieselben Pusteln hat.

Vitamin-A-Präparate sollen nicht dazukommen, weil sich die Retinoidwirkung addiert. Tetracycline (Doxycyclin, Minocyclin) bleiben tabu, weil zusammen mit Isotretinoin das Risiko eines Pseudotumor cerebri mit Kopfschmerz und Sehstörung steigt. Phenytoin braucht laut StatPearls Vorsicht wegen Knochenentkalkung. Johanniskraut kann hormonelle Verhütung schwächen; MedlinePlus rät davon ab, solange die Pille, das Pflaster oder der Ring die zweite Säule der Empfängnisverhütung tragen.

Was sich während der Kur steuern lässt

Ernährung und Alkohol können den Triglyceridanstieg dämpfen, ersetzen aber keine Dosisentscheidung. Die Fachinformation nennt Gewichtsreduktion sowie weniger Nahrungsfett und Alkohol als Wege, die bei manchen den Anstieg umkehren, während die Kapseln weiterlaufen. Die AAFP ergänzt für erhöhte Triglyceride allgemein weniger Zucker und Weißmehl, mehr ungesättigte Fette und Eiweiß, Bewegung und mindestens fünf Prozent Gewichtsverlust, wenn Übergewicht vorliegt. Omega-3-Fettsäuren in einer Tagesdosis von 2 bis 4 Gramm EPA plus DHA können Triglyceride um 20 bis 50 Prozent senken; frei verkäufliche Kapseln enthalten oft zu wenig Wirkstoff, um diese Menge zu erreichen.

Die Kapseln selbst gehören zu einer fetthaltigen Mahlzeit, weil der Wirkstoff fettlöslich ist und sonst schlechter ankommt. Das klingt wie ein Widerspruch zur fettarmen Triglyceriddiät, ist aber eine Frage der einzelnen Einnahme, nicht des ganzen Tagesmenüs. StatPearls und das Label wollen die Kapsel ganz mit einem vollen Glas Flüssigkeit schlucken, nicht zerbeißen, um die Speiseröhre zu schonen. Eine vergessene Dosis wird ausgelassen, nicht verdoppelt.

Trockenheit lässt sich mit fettender Pflege, Lippenbalsam und Tränenersatz lindern; Sonne braucht extra Schutz. Waxing, Laser und Dermabrasion sollen während der Kur und sechs Monate danach unterbleiben, weil Narben leichter entstehen. Hartes Kraft- oder Ausdauertraining kann Muskelschmerz und selten eine Rhabdomyolyse begünstigen; neu auftretende Schwäche mit dunklem Urin gehört in die Praxis, nicht in den nächsten Wettkampf.

Häufige Fragen

Wie hoch steigen Cholesterin und Triglyceride unter Isotretinoin?

Markante Triglyceridanstiege betreffen laut US-Fachinformation etwa 25 Prozent, ein Cholesterinanstieg etwa 7 Prozent. Kohorten reichen bei Triglyceriden von gut 7 bis 44 Prozent, je nach Schwelle. Schwere Spitzen bleiben selten, und die meisten Werte gehen nach dem Absetzen zurück.

Muss ich Isotretinoin absetzen, wenn die Blutfette steigen?

Nicht automatisch. Zuerst prüfen Praxis und Labor, ob Dosis, Ernährung, Gewicht und Alkohol den Anstieg wieder senken. Unkontrollierbare Hypertriglyceridämie, Verdacht auf Pankreatitis oder Aminotransferasen über dem Fünffachen der Norm sind Stoppgründe, die die Fachinformation und StatPearls so benennen.

Wie oft brauche ich Bluttests während der Kur?

Mindestens nüchtern vor dem Start, dann erneut, wenn die Dosis oben angekommen ist oder nach etwa vier Wochen, sobald die Reaktion sichtbar wird. Die AAD 2024 und der Delphi-Konsens 2022 halten monatliche Vollpakete bei Gesunden für entbehrlich; ein Blutbild gehört bei ihnen nicht zur Routine.

Bleibt das Herzrisiko nach der Therapie erhöht?

Ein Beleg für mehr Herzinfarkte oder Herzschwäche durch die kurze Lipidverschiebung fehlt. Die Fachinformation nennt die Herzfolgen unbekannt, StatPearls die Datenlage schwach. Wer nach der Kur weiter hohe Lipide hat, braucht eine eigene Abklärung, unabhängig vom früheren Akne-Mittel.

Kann Ernährung die Werte während der Kur senken?

Weniger Alkohol, weniger Zucker und eine maßvolle Fettzufuhr können den Triglyceridanstieg begrenzen, das steht so im Label und passt zur AAFP-Empfehlung. Die Kapsel selbst soll trotzdem mit einer Mahlzeit genommen werden, weil sonst weniger Wirkstoff ankommt.

Wann muss ich sofort zum Arzt?

Bei heftigem Oberbauchschmerz, anhaltendem Erbrechen, Gelbsucht, dunklem Urin, starken Kopfschmerzen mit Sehstörung oder plötzlichem Brustschmerz. Das sind mögliche Zeichen von Pankreatitis, Hepatitis, Hirndruck oder einem seltenen Herzereignis und warten nicht auf den nächsten Labortag.

Fazit

Isotretinoin bleibt das Mittel, das schwere, vernarbende oder anders nicht zu knackende Akne am zuverlässigsten zur Ruhe bringt. Der Preis im Labor ist ein oft vorübergehender Anstieg von Triglyceriden, seltener von Cholesterin und Leberenzymen. Seit 2022 und 2024 steuern Fachleute das Monitoring schlanker. Nüchterne Ausgangswerte, eine Kontrolle bei erreichter Dosis, kein automatisches Monatsscreening des Blutbilds bei Gesunden.

Wer die Kur beginnt, sollte die erste Blutentnahme nüchtern hinter sich haben, Schwangerschaft aktiv ausschließen und wissen, welche Bauch- und Leberzeichen noch in derselben Nacht eine Klinik brauchen. Steigen die Fette, ist der nächste Schritt ein Gespräch über Dosis, Teller und Alkohol, nicht der heimliche Abbruch. Bleiben die Werte nach dem Ende der Packung hoch, gehört das Lipidthema in die Hausarztpraxis als eigenes Problem, nicht als Fußnote der Akne.

Quellen

  1. DailyMed: ISOTRETINOIN capsules, for oral use. DailyMed, U.S. National Library of Medicine, Stand: 2025.
  2. Reynolds RV, Yeung H, Cheng CE et al.: Guidelines of care for the management of acne vulgaris. Journal of the American Academy of Dermatology, Mai 2024.
  3. Xia E, Han J, Faletsky A et al.: Isotretinoin Laboratory Monitoring in Acne Treatment: A Delphi Consensus Study. JAMA Dermatology, August 2022.
  4. MedlinePlus: Isotretinoin: MedlinePlus Drug Information. MedlinePlus, U.S. National Library of Medicine, 15. August 2018.
  5. Pile HD, Patel P: Isotretinoin – StatPearls – NCBI Bookshelf. StatPearls, 13. Dezember 2025.
  6. American Academy of Dermatology: Isotretinoin: Overview. American Academy of Dermatology, 12. September 2023.
  7. Keri JE: Acne Vulgaris – MSD Manual Professional Edition. MSD Manual Professional Edition, März 2024.
  8. Oh RC, Trivette ET, Westerfield KL: Management of Hypertriglyceridemia: Common Questions and Answers. American Family Physician, 15. September 2020.
  9. Singh M et al.: The Impact of Isotretinoin on Lipid Profile: a Systematic Review. Annals of Medicine and Surgery, 20. Mai 2025.
  10. Zane LT, Leyden WA, Marqueling AL et al.: A population-based analysis of laboratory abnormalities during isotretinoin therapy for acne vulgaris. Archives of Dermatology, August 2006.
DeMedBook