
Menschen nehmen Meldonium (Handelsname Mildronat) vor allem als Zusatz bei Durchblutungsmangel des Herzens, etwa bei stabiler Angina. Der Stoff senkt den Carnitinspiegel, bremst die Fettsäureverbrennung in den Mitochondrien und kann so den Energiebedarf unter Sauerstoffmangel in Richtung Glucose lenken. In der Europäischen Union und in den Vereinigten Staaten fehlt eine therapeutische Zulassung; zugelassen ist er in mehreren Staaten Osteuropas und Zentralasiens.
Seit dem 1. Januar 2016 steht Meldonium auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) in der Klasse der Stoffwechselmodulatoren. Wer wettkampforientiert trainiert, riskiert einen positiven Test noch Wochen bis Monate nach der letzten Dosis. Für Brustenge, die sich ändert, in Ruhe kommt oder länger als etwa 20 Minuten anhält, gilt der Notarzt, nicht die Internetapotheke.
Was ist Meldonium und wie wirkt der Stoff?
Meldonium ist ein synthetisches Analogon von Gamma-Butyrobetain, dem Vorläufer von L-Carnitin. Chemisch handelt es sich um 3-(2,2,2-Trimethylhydrazinium)propionat; weitere Laborbezeichnungen lauten MET-88 und THP. Entwickelt wurde die Substanz in den 1970er-Jahren am Institut für organische Synthese in Riga, später vor allem von dem lettischen Hersteller Grindeks als Mildronat vermarktet.
Zwei Angriffspunkte erklären die Stoffwechselverschiebung. Der Wirkstoff hemmt kompetitiv die Gamma-Butyrobetain-Hydroxylase (BBOX), das letzte Enzym der körpereigenen Carnitinbildung in Leber, Niere und Gehirn. Gleichzeitig konkurriert er am organischen Kationen-Carnitin-Transporter 2 (OCTN2). Dieser Transporter holt Carnitin aus der Nahrung ins Gewebe und lässt es in der Niere zurückgewinnen. Beides zusammen senkt verfügbares Carnitin. Dambrova und Kollegen (2016) beschreiben genau diese doppelte Hemmung als Kern der Wirkung.
Ohne genug Carnitin gelangen langkettige Fettsäuren schlechter in die Mitochondrien. Die Zelle verlagert einen Teil der Fettsäureoxidation in Peroxisomen und stützt die ATP-Bildung stärker auf Glucose. Glucose liefert pro Sauerstoffmolekül mehr nutzbare Energie als Fettsäuren. Unter Ischämie, wenn der Herzmuskel zu wenig Sauerstoff bekommt, gilt das als möglicher Schutz: weniger toxische langkettige Acylcarnitine, weniger Überladung der Mitochondrien. Ob dieser biochemische Vorteil den Alltag eines Patienten ändert, entscheiden klinische Endpunkte, nicht das Enzymschema.
Schwächere Angriffe an Carnitin-Acetyltransferase und am Carnitin-Acylcarnitin-Austauscher sind beschrieben, aber weniger relevant als BBOX und OCTN2. Ein Nebeneffekt am Darm kann die Bildung von Trimethylamin aus Carnitin dämpfen; das Oxid TMAO steht in Verdacht, Entzündung und Atherosklerose zu fördern. Das bleibt eine mechanistische Hypothese, keine nachgewiesene Infarktprävention.
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Warum nehmen Menschen Meldonium bei Herzbeschwerden?
In Ländern mit Zulassung verschreiben Ärztinnen und Ärzte Meldonium als Ergänzung zur Standardtherapie bei ischämischer Herzkrankheit, besonders bei belastungsabhängiger Brustenge und nach einem Infarkt. Die Idee lautet, den Herzmuskel bei knapper Sauerstoffzufuhr auf den sparsameren Glucoseweg umzustellen, statt nur Gefäße zu weiten oder den Puls zu senken. Patienten berichten in älteren osteuropäischen Serien über weniger Angina-Anfälle und etwas längere Gehstrecken; das ersetzt keine Leitlinienempfehlung.
Die Mayo Clinic (Aktualisierung 22. März 2024) nennt als Ziele der Angina-Behandlung weniger Anfälle, mildere Symptome und ein geringeres Risiko für Infarkt und Tod. Dafür stehen Lebensstil, Nitrate, Betablocker, Kalziumantagonisten, Thrombozytenhemmer, Statine, ACE-Hemmer oder Sartane und bei Bedarf Ranolazin. Fehlt der Erfolg, folgen Stent oder Bypass. Meldonium kommt in dieser Liste nicht vor. Das Merck Manual (Fachfassung, Stand Juli 2026) beschreibt dasselbe Gerüst für die stabile Angina und ergänzt die Revaskularisation bei relevanter Stenose.
Wer in Deutschland, Österreich oder der Schweiz Brustenge hat, bekommt also zuerst die Mittel, die Infarkt und Sterblichkeit senken können. Meldonium ändert den Sauerstoffbedarf metabolisch, öffnet aber keine verengte Kranzarterie und löst keinen Thrombus. Ein Online-Kauf „fürs Herz“ ohne Diagnose verdeckt eher die eigentliche Koronarerkrankung. Neue, stärkere oder ruhende Brustschmerzen sind ein Notfall, unabhängig davon, ob irgendwo eine Packung Mildronat liegt.
Manche nehmen den Stoff außerdem bei zerebraler Minderdurchblutung, nach einem ischämischen Schlaganfall oder als Mittel gegen Erschöpfung. Diese Indikationen stehen auf osteuropäischen Fachinformationen, nicht in westlichen Leitlinien. Die Datenlage dort ist dünner als bei der stabilen Angina.
Was zeigen Studien zu Angina und Herzschwäche?
Die größte randomisierte Angina-Studie bleibt MILSS I aus dem Jahr 2011. Dzerve und die Studiengruppe schlossen 512 Patienten mit chronischer koronarer Herzkrankheit und belastungsabhängiger Ischämie an 72 Zentren in vier Ländern ein. Alle erhielten die übliche Angina-Therapie plus Mildronat in vier Tagesdosen oder plus Scheinpräparat. Nach zwölf Wochen stieg die Fahrzeit auf dem Ergometer in der Gruppe mit 1000 Milligramm täglich um 35,18 Sekunden, während Placebo um 7,10 Sekunden nachgab (P = 0,002). 100 und 300 Milligramm trennten sich nicht klar vom Scheinpräparat. 3000 Milligramm brachten weniger als 1000 Milligramm. Die Autoren nannten 500 Milligramm zweimal täglich die wirksamste geprüfte Dosis.
Das ist ein Surrogat, keine Sterblichkeitsstudie. 35 Sekunden mehr Belastung können für den Einzelnen spürbar sein; sie beweisen nicht, dass Infarkte oder Klinikaufenthalte seltener werden. Die Arbeit ist über zehn Jahre alt, die Begleittherapie entspricht nicht durchgängig der heutigen Vierfachstrategie bei Herzschwäche. Kleine Add-on-Studien aus Osteuropa, die Lippi und Mattiuzzi 2017 zusammenfassen, berichten bei Herzinsuffizienz nach Infarkt über bessere Sechs-Minuten-Gehtests und günstigere echokardiografische Maße. Die Gruppen waren klein, die Verblindung oft unvollständig, die Vergleichsarme heterogen.
Die ESC-Leitlinie zu akuter und chronischer Herzinsuffizienz von 2021 (McDonagh, Metra und Mitautoren) stützt die Prognose auf ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Hemmer, Betablocker, Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten und SGLT2-Hemmer. Meldonium erscheint dort nicht. Der fokussierte Nachtrag 2023 erweiterte die SGLT2-Empfehlung auf leicht verminderte und erhaltene Auswurffraktion, ohne metabolische Carnitinhemmer nachzutragen. Wer Herzschwäche hat, braucht zuerst diese Säulen, Blutdruck- und Frequenzkontrolle und eine Ursachensuche, nicht ein nicht zugelassenes Add-on.
| Klinische Lage | Was Studien bisher zeigen | Was westliche Leitlinien tun |
|---|---|---|
| Stabile Angina plus Basistherapie | MILSS I: plus 35 s Belastung bei 1000 mg/Tag | Mayo/Merck: Nitrate, Betablocker, Ranolazin; kein Meldonium |
| Chronische Herzschwäche | Kleine Add-on-Serien, oft offenes Design | ESC 2021: vier Säulen, Meldonium fehlt |
| Akuter Hirninfarkt | Phase II gegen Cinepazid ohne mRS-Unterschied | Kein Standard der westlichen Schlaganfalltherapie |
| Sportliche Ausdauer | Mechanismus plausibel, Athletenbelege schwach | WADA-Verbot seit 2016, Klasse S4 |
Hilft Meldonium nach einem Schlaganfall?
Ein chinesisches Phase-II-Programm prüfte Mildronat-Infusionen bei akutem ischämischem Hirninfarkt. Zhu und Kollegen randomisierten 227 Patientinnen und Patienten: 113 erhielten Mildronat, 114 den Vasodilatator Cinepazid, beide Gruppen zusätzlich Acetylsalicylsäure. Nach drei Monaten unterschieden sich die Anteile mit günstiger Modified-Rankin-Skala (Werte 0–1 bzw. 0–2) nicht signifikant. Auch NIHSS und Barthel-Index nach zwei Wochen lagen nahe beieinander. Schwere unerwünschte Ereignisse waren ähnlich häufig. Die Autoren schlossen auf vergleichbare Wirksamkeit und Sicherheit gegenüber Cinepazid, nicht gegenüber Placebo.
Ein zweites, placebokontrolliertes Protokoll (NCT01800357, Xijing Hospital) sollte 240 Personen 14 Tage lang 500 Milligramm Mildronat oder Scheinpräparat infundieren und den Rankin-Wert nach drei Monaten messen. Im Register steht der Status weiter als unbekannt, Abschlussziel war 2014. Ohne publizierten Abschluss bleibt das ein Hinweis auf Forschungsinteresse, kein Beleg.
Westliche Schlaganfallversorgung stützt sich auf Zeitfenster für Thrombolyse und Thrombektomie, Thrombozytenhemmung, Blutdruck- und Blutzuckerkontrolle sowie frühe Rehabilitation. Ein Carnitinhemmer ersetzt keines dieser Verfahren. Wer plötzlich hängenden Mundwinkel, Sprachstörung oder einseitige Schwäche bemerkt, wählt den Notruf, statt auf eine Infusion zu warten, die in Deutschland nicht zugelassen ist.
Ist Meldonium in der EU oder den USA zugelassen?
Nein. Die US-Arzneimittelbehörde hat Meldonium nicht zugelassen, und in der Europäischen Union fehlt eine Marktzulassung als Humanarzneimittel. Pușcaș und Mitautorinnen halten das 2024 fest: Der Stoff bleibt in mehreren Nachfolgestaaten der Sowjetunion und im Baltikum registriert, in den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien und der EU dagegen ohne therapeutische Genehmigung. Lippi und Mattiuzzi nannten 2017 Russland, die Ukraine, Moldau, Belarus, Aserbaidschan und Armenien als typische Verschreibungsländer.
In Lettland und Nachbarstaaten gibt es Kapseln zu 250 Milligramm und Injektionslösungen. Das ändert nichts an der Lage in Deutschland: Ohne Zulassung darf der Stoff hier nicht als Herzmittel in Verkehr gebracht werden. Bestellungen über ausländische Versandapotheken umgehen die Qualitätskontrolle, die Packungsbeilage und die ärztliche Indikationsprüfung. Für Sportlerinnen und Sportler kommt das WADA-Verbot hinzu, unabhängig von einem Rezept aus dem Ausland.
Fehlende EMA- und FDA-Zulassung bedeutet nicht automatisch „wirkungslos“. Sie bedeutet, dass die Behörden kein Dossier akzeptiert haben, das Nutzen und Risiko nach heutigen Standards für die jeweilige Indikation belegt. Genau deshalb bleiben große, unabhängige Outcome-Studien die offene Stelle der gesamten Literatur.
Warum steht Meldonium auf der Dopingliste?
Die WADA nahm den Stoff 2015 ins Überwachungsprogramm und setzte ihn zum 1. Januar 2016 auf die Verbotsliste, Klasse S4, Stoffwechselmodulatoren, zusammen mit Insulinmimetika und Trimetazidin. Auslöser war eine hohe Nachweisrate in Routinekontrollen, nicht eine einzelne Affäre. Görgens und das Kölner Dopinglabor fanden in 8320 zufälligen Urinproben 182 positive Ergebnisse, also 2,2 Prozent, mit Konzentrationen von 0,1 bis 1428 Mikrogramm pro Milliliter. Die Treffer verteilten sich über viele Sportarten.
Schobersberger und Kollegen schrieben 2016 im British Journal of Sports Medicine, Athletinnen und Athleten nutzten Meldonium, um Erholung und Leistungsfähigkeit zu steigern. Den Nutzen für die Wettkampfleistung nannten sie spekulativ und ohne belastbare Evidenz. Lippi formulierte 2017 ähnlich: Es gibt keinen zwingenden Beleg, dass der Stoff bei Gesunden die Ausdauer wirklich hebt, und ebenso wenig eine klare Sicherheitsdatenlage für diesen Kreis.
Theoretisch könnte weniger Laktat nach Belastung, eine sparsamere Fettsäurenutzung und ein Schutz vor oxidativem Stress die aerobe Arbeit erleichtern. Pușcaș argumentiert 2024 sogar, der gleiche Mechanismus könne das „Sportherz“ vor Mitochondrienschäden schützen. Das bleibt eine Hypothese aus Tier- und Zellmodellen. Für den Wettkampf zählt die Liste: Meldonium ist ganzjährig verboten, nicht nur während der Saison. Eine medizinische Ausnahmegenehmigung setzt eine anerkannte Indikation und fehlende Alternativen voraus; beides ist in Westeuropa schwer zu begründen.
Wie lange bleibt Meldonium im Körper nachweisbar?
Deutlich länger, als die frühe Plasmahalbwertszeit vermuten lässt. Nach einer einzelnen oralen Dosis von 500 Milligramm maßen Görgens und Kollegen (2017) bei fünf Gesunden Urinspiegel über der Bestimmungsgrenze von 10 Nanogramm pro Milliliter bis zu 65 Tage. Nach sechs Tagen mit zweimal 500 Milligramm täglich reichte das Fenster bis 117 Tage. Die Ausscheidung war nicht linear und verlief in zwei Phasen.
Nach drei intravenösen Gaben von je 250 Milligramm innerhalb von fünf Tagen beschrieben Forsdahl und Team (2018) bei sechs Freiwilligen ein Drei-Kompartiment-Modell. Die mittleren Halbwertszeiten lagen bei 1,4 Stunden, 9,4 Stunden und 655 Stunden, also rund 27 Tagen für die langsame Phase. Im Urin blieb der Stoff 94 bis 162 Tage sichtbar. Eine offene Studie mit 32 Personen, die drei Wochen lang 1,0 oder 2,0 Gramm täglich schluckten, fand den Gleichgewichtsspiegel erst nach mehreren Tagen und die Ausscheidung über Monate.
Für die Dopingkontrolle heißt das: Wer im Herbst aufhört, kann im Frühjahr noch positiv sein. Die WADA musste 2016 die Ergebnisverwaltung anpassen, weil verlässliche Auswaschzeiten fehlten; genau diese Lücke schließen die Arbeiten von 2017 und 2018. Wer den Stoff aus medizinischen Gründen im Ausland erhalten hat und später getestet wird, braucht Dokumentation von Dosis, Dauer und letztem Tag, nicht nur die Aussage, „schon lange nichts mehr genommen“ zu haben.
Welche Nebenwirkungen und Gegenanzeigen sind bekannt?
In den ausgewerteten klinischen Serien lag die Rate unerwünschter Wirkungen oft unter 15 Prozent. Herstellerangaben, die Lippi zitiert, nennen allergische Hautreaktionen bis zum Angioödem, Verdauungsbeschwerden, Herzrasen und Schwankungen des Blutdrucks nach oben oder unten. Schwere Einzelfälle (Embolie mit tödlichem Verlauf, Multiorganversagen) betrafen ältere, mehrfach erkrankte Menschen mit Begleitmedikation; ein kausaler Nachweis fehlt. Eine dokumentierte akute oder chronische Vergiftung beim Menschen fand die pharmakologisch-toxikologische Literatur bis 2020 nicht.
Gegenanzeigen, die osteuropäische Fachinformationen über Reviews weitergeben, umfassen Überempfindlichkeit, erhöhten Hirndruck bei gestörtem Venenabfluss oder Hirntumor, Alter unter 18 Jahren sowie Schwangerschaft und Stillzeit. Das sind keine EMA-Labeltexte. Wer den Stoff trotzdem erhält, braucht eine ärztliche Prüfung von Niere, Leber, Blutdruck und Begleitmitteln. Wechselwirkungen mit der etablierten Herztherapie sind unzureichend kartiert; genau deshalb gehört Meldonium nicht in die Selbstmedikation neben Betablocker, Nitrat und Gerinnungshemmer.
Ein tierexperimenteller Vorbehalt verdient Erwähnung. In einem Sepsis-Modell an Ratten erhöhte eine Vorbehandlung mit Meldonium die Sterblichkeit, obwohl Entzündungs- und Oxidationsmarker eher günstiger wirkten. Die Autoren führten das auf eine zu stark gedrosselte Fettverbrennung zurück, wenn der Organismus plötzlich viel Energie braucht. Das überträgt sich nicht eins zu eins auf Menschen mit Angina, warnt aber davor, den Stoff als harmloses „Stoffwechselvitamin“ zu behandeln.
Wann zum Arzt bei Brustenge oder Sportplänen?
Neue Brustenge, Enge in Ruhe, Schmerz länger als etwa 20 Minuten, Enge plus Luftnot, kalter Schweiß, Übelkeit oder Schmerz, der in Arm, Kiefer oder Rücken zieht, gehören in die Notaufnahme. Die Mayo Clinic fordert bei instabiler Angina oder einem veränderten Schmerzbild sofortige Behandlung. Das Merck Manual bewertet jede Änderung des gewohnten Musters, besonders Klasse 3 oder 4 nach der kanadischen Skala, als instabile Angina. In Deutschland wählt man 112, nicht die nächste Sprechstunde.
Stabile, belastungsabhängige Beschwerden, die in Ruhe nachlassen, brauchen zeitnah die Haus- oder Kardiologiesprechstunde: Anamnese, EKG, Belastungstest oder Bildgebung, Risikofaktoren, Medikationscheck. Ziel ist die Unterscheidung zwischen Engstelle, Spasmen, Anämie und nichtkardialen Ursachen, nicht die Suche nach einem Carnitinhemmer. Frauen und ältere Menschen präsentieren häufiger untypische Symptome (Oberbauch, Palpitationen, Sturz, Verwirrtheit); die Schwelle zur Abklärung bleibt niedrig.
Wer im organisierten Sport steht, sollte vor jeder neuen Kapsel aus dem Ausland die aktuelle WADA-Liste und die nationale Antidoping-Agentur fragen. Ein Rezept aus einem Zulassungsland schützt nicht vor Sperre. Therapeutische Ausnahmen sind an enge Kriterien gebunden. Für Freizeitsport ohne Wettkampf bleibt das medizinische Risiko dasselbe: unklare Herkunft, fehlende Nutzenbelege, mögliche Blutdruck- und Pulsreaktionen.
Häufige Fragen
Kann ich Meldonium in Deutschland legal als Herzmittel kaufen?
Nein, es gibt keine EU-Zulassung als Humanarzneimittel. Ein Import für den Eigenbedarf umgeht die Qualitätskontrolle und die ärztliche Indikation. Wer Angina oder Herzschwäche hat, braucht die zugelassene Basistherapie, nicht eine ausländische Kapsel.
Verbessert Meldonium wirklich die sportliche Leistung?
Ein klarer Beleg bei Wettkampfathletinnen und -athleten fehlt. Übersichten von 2016 und 2017 nennen den Effekt spekulativ. Die WADA verbietet den Stoff trotzdem, weil er mit der Absicht der Leistungssteigerung genutzt wurde und die Nachweisrate hoch war.
Welche Dosis wurde in Studien geprüft?
In MILSS I wirkte 1000 Milligramm täglich (500 Milligramm zweimal) am stärksten auf die Belastungszeit. 100 und 300 Milligramm trennten sich nicht vom Scheinpräparat, 3000 Milligramm weniger als 1000. Das ist ein Studienbefund, keine Verschreibungsempfehlung für Deutschland.
Darf ich Meldonium nehmen, wenn ich Angina habe?
In Deutschland und den meisten EU-Staaten ist das Mittel nicht zugelassen. Die etablierte Therapie bleibt Nitrate, Betablocker, Statine und bei Bedarf Revaskularisation. Eigenmächtige Einnahme verschleppt die Abklärung und kann im Sport zur Sperre führen.
Wie lange nach der letzten Tablette ist ein Dopingtest noch positiv?
Nach einer oralen Einzeldosis von 500 Milligramm bis zu 65 Tage, nach mehrtägiger Einnahme bis 117 Tage, nach Injektionen bis 162 Tage. Dosis, Dauer und Form bestimmen das Fenster; Monate sind nach längerer Einnahme möglich.
Gibt es Wechselwirkungen mit meinen Herztabletten?
Systematische Interaktionsstudien nach westlichem Standard fehlen. Allergie, Puls- und Blutdruckschwankungen sind beschrieben. Kombinationen mit Betablockern, Nitraten oder Gerinnungshemmern gehören nicht in die Selbstmedikation.
Fazit
Meldonium bleibt ein Carnitinhemmer mit plausibler Ischämie-Logik und einer positiven, aber begrenzten Belastungsstudie bei stabiler Angina. Westliche Leitlinien haben den Stoff seit 2018 nicht nachgetragen; die ESC-Herzinsuffizienzlinie und die Angina-Kapitel von Mayo und Merck setzen auf andere, endpunktgeprüfte Mittel. Wer Brustenge hat, holt sich morgen einen Termin zur Abklärung oder den Notarzt bei Warnzeichen, nicht eine Packung aus dem Ausland.
Für Sportlerinnen und Sportler ist die Lage eindeutig: Das Verbot gilt weiter, und die Ausscheidung dauert länger als 2016 bekannt war. Ein „schon abgesetzt“ schützt vor einem positiven Urin oft nicht. Wer den Stoff jemals erhalten hat, dokumentiert Dosis und Stoppdatum und spricht vor Wettkämpfen mit der zuständigen Antidoping-Stelle.
Gesunde ohne Diagnose haben keinen belegten Nutzen. Der biochemische Schalter von Fett auf Glucose ist kein Freibrief für Selbstversuche. Die offene wissenschaftliche Aufgabe bleibt eine ausreichend große, unabhängige Studie zu harten Herzereignissen; bis dahin bleibt Meldonium regional zugelassen, international umstritten und im Sport tabu.
Quellen
- Pușcaș A, Buț MG et al.: Meldonium Supplementation in Professional Athletes: Career Destroyer or Lifesaver?. Cureus, 1. Juli 2024.
- Lippi G, Mattiuzzi C: Misuse of the metabolic modulator meldonium in sports. Journal of Sport and Health Science, 24. Juni 2016.
- Dzerve V: A dose-dependent improvement in exercise tolerance in patients with stable angina treated with mildronate: a clinical trial „MILSS I“. Medicina (Kaunas), 2011.
- Dambrova M, Makrecka-Kuka M et al.: Pharmacological effects of meldonium: Biochemical mechanisms and biomarkers of cardiometabolic activity. Pharmacological Research, 2. Februar 2016.
- Görgens C, Guddat S et al.: The atypical excretion profile of meldonium: Comparison of urinary detection windows after single- and multiple-dose application in healthy volunteers. Journal of Pharmaceutical and Biomedical Analysis, 6. Februar 2017.
- Forsdahl G, Jančić-Stojanović B et al.: Urinary excretion studies of meldonium after multidose parenteral application. Journal of Pharmaceutical and Biomedical Analysis, 28. August 2018.
- Schobersberger W, Dünnwald T et al.: Story behind meldonium-from pharmacology to performance enhancement: a narrative review. British Journal of Sports Medicine, 27. Juli 2016.
- Mayo Clinic: Angina – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 22. März 2024.
- Sweis RN, Jivan A: Stable Angina – Cardiology – Merck Manual Professional Edition. Merck Manual Professional Edition, Stand: Juli 2026.
- McDonagh TA, Metra M et al.: 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. European Heart Journal, 21. September 2021.
- Zhu Y, Zhang G et al.: Efficacy and safety of mildronate for acute ischemic stroke: a randomized, double-blind, active-controlled phase II multicenter trial. Clinical Drug Investigation, Oktober 2013.
- Xijing Hospital: Efficacy and Safety of Mildronate for Acute Ischemic Stroke. ClinicalTrials.gov, Stand: 2014.
