
Sogenannte legale Hochs sind neue psychoaktive Substanzen, die Wirkungen von Cannabis, Stimulanzien, Halluzinogenen oder Opioiden nachahmen sollen. Der Name täuscht. In Großbritannien verbietet der Psychoactive Substances Act seit dem 26. Mai 2016 Herstellung, Einfuhr und Abgabe solcher Stoffe für den menschlichen Gebrauch, und viele Verbindungen stehen inzwischen unter internationaler Kontrolle.
Die eigentliche Gefahr hat sich seit den Jahren um 2018 verschoben. Wer Ecstasy, Kokain oder ein angeblich reines Pulver kauft, kann unwissentlich ein Cathinon wie Eutylon oder ein Nitazen aufnehmen. Die US-Seuchenschutzbehörde zählte für 2020 in 22 Meldegebieten 343 Todesfälle, an denen Eutylon beteiligt war; in 77,3 Prozent lag zugleich illegal hergestelltes Fentanyl vor.
Synthetische Cannabinoide wie K2 oder Spice binden oft stärker an Cannabinoidrezeptoren als Tetrahydrocannabinol und können Krampfanfälle, Nierenversagen oder Psychosen auslösen; ein spezifisches Gegengift gibt es laut CDC nicht. Nitazene dagegen reagieren auf Naloxon, oft aber erst nach höheren oder wiederholten Dosen. Brustschmerz, Krämpfe, sehr langsame Atmung oder Bewusstlosigkeit sind Notfälle.
Was sind legale Hochs und NPS?
Neue psychoaktive Substanzen sind Laborstoffe, die bekannte Drogen chemisch umgehen sollen. Fachleute fassen sie als NPS zusammen, nicht als eine einzige Droge mit fester Rezeptur.
Das US-National Institute on Drug Abuse beschreibt synthetische Cannabinoide als laborgefertigte Moleküle, die chemisch an Inhaltsstoffe der Cannabispflanze erinnern, im Körper aber oft ganz andere Effekte auslösen. Illegale Mischungen werden auf getrocknetes Pflanzenmaterial gesprüht oder als Flüssigkeit für Verdampfer verkauft, häufig unter Markennamen wie K2 und Spice. Synthetische Cathinone, im Straßenjargon Badesalze, sind Stimulanzien, die mit dem Alkaloid Cathinon aus der Kath-Pflanze verwandt sind. Manche Cathinone, etwa Bupropion, sind zugelassene Arzneimittel. Die Freizeitvarianten sind das nicht.
Ältere Texte sortierten legale Hochs grob in Beruhigungsmittel, Aufputschmittel und Halluzinogene. Das bleibt als grobe Landkarte nützlich, trifft die heutige Mischung aber nur teilweise. Auf dem Schwarzmarkt liegen Cannabinoid-Agonisten, Stimulanzien, Benzodiazepin-Analoga und seit etwa 2019 zunehmend Nitazene nebeneinander. Die Mayo Clinic stellt fest, dass synthetische Cannabinoide und substituierte Cathinone in den meisten US-Bundesstaaten illegal sind und ohne Qualitätskontrolle hergestellt werden. Unbekannte Beimengungen gehören zum Produkt, nicht zur Ausnahme.
Menschen greifen zu diesen Stoffen, weil sie billiger oder leichter zu bekommen wirken als reguliertes Cannabis oder klassische Clubdrogen, oder weil Routine-Urintests viele synthetische Cannabinoide nicht anzeigen. NIDA nennt genau diese Motive. Andere nehmen sie, ohne es zu wissen, als Streckmittel in Tabletten, die als MDMA, Kokain oder sogar als verschreibungspflichtiges Schmerzmittel angeboten werden. Der Begriff legaler Hochs überlebt als Werbesprache. Als rechtliche oder toxikologische Aussage taugt er nicht.
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Warum der Packungsinhalt nie sicher ist
Eine Zutatenliste auf der Folie sagt nichts Verlässliches über den Inhalt. Hersteller wechseln Moleküle, sobald eine Verbindung verboten wird, und kennzeichnen Ware oft als Räucherwerk, Badesalz oder Forschungschemikalie.
Das CDC betont, synthetische Cannabinoide seien nicht „eine“ Droge. Hunderte Chemikalien sind bekannt, jedes Jahr kommen neue mit unbekanntem Risikoprofil hinzu. Zwei Päckchen derselben Marke können völlig verschiedene Wirkstoffe enthalten, und selbst innerhalb einer Charge schwankt die Menge. Zusätzlich können Produkte mit Cathinonen oder anderen Giftstoffen verunreinigt sein. Die Aufschrift „nicht zum menschlichen Verzehr“ ist ein rechtlicher Winkelzug, kein Sicherheitsnachweis. Sie bedeutet, dass niemand die Mischung als Arzneimittel geprüft hat.
Cleveland Clinic (13. Mai 2026) erklärt den Mechanismus am Beispiel synthetischen Cannabis. Die Stoffe docken am körpereigenen Endocannabinoid-System an, vor allem am CB1-Rezeptor im Gehirn, oft fester als natürliches THC. Stärkere Bindung heißt nicht besserer Rausch. Sie heißt unvorhersehbare Überstimulation. Dieselbe Logik gilt für Cathinone, die Transporter für Dopamin, Noradrenalin und Serotonin hemmen oder Substrate dafür sind. Kleine Änderungen am Molekül verschieben, ob eher ein kokainähnlicher oder ein ecstasyähnlicher Effekt entsteht, und wie hoch das Risiko für Krämpfe oder Kreislaufkollaps liegt.
Wer raucht, dampft, schluckt, schnupft oder spritzt, verändert zudem, wie schnell der Spiegel steigt. Injektion und das Rauchen von Konzentraten beschleunigen den Anstieg und erhöhen die Chance auf eine toxische Spitze. Mischen mit Alkohol oder anderen Drogen potenziert Kreislauf- und Atemrisiken, ohne dass jemand die Wechselwirkung je systematisch gemessen hätte. Der Packungsname bleibt Dekoration. Die Dosis bleibt unbekannt.
Wie gefährlich sind K2 und Spice?
Synthetische Cannabinoide können schon nach einmaligem Konsum schwere Vergiftungen auslösen, bis hin zu Tod. Sie sind kein sicherer Ersatz für Cannabis und oft deutlich toxischer.
NIDA und CDC listen typische Wirkungen. Dazu gehören Unruhe, Verwirrtheit, Halluzinationen, Wahn, suizidale Gedanken, Gewalt, Krampfanfälle und Schläfrigkeit. Am Körper können Atemnot, Erbrechen, Herzrasen, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen und Muskelschäden auftreten. Cleveland Clinic ergänzt Schwangerschaftskomplikationen und Psychosen auch bei Menschen ohne psychiatrische Vorgeschichte. Manche Arbeiten, so die Klinik 2026, legen nahe, dass das Risiko einer Notaufnahme im Vergleich zu natürlichem Cannabis bis um das Dreißigfache steigen kann. Die genaue Zahl hängt von Stoff, Dosis und Beimischung ab; die Richtung der Evidenz ist eindeutig ungünstig.
Ein spezifisches Gegengift existiert nicht. CDC (Stand 23. März 2021) beschreibt die Behandlung als supportiv, also mit Sauerstoff, Infusionen und Medikamenten gegen Krämpfe, Unruhe und Übelkeit. Naloxon hilft nicht gegen den Cannabinoid-Effekt, weil die Stoffe nicht am Opioidrezeptor wirken. Es bleibt trotzdem sinnvoll, Naloxon zu geben, wenn eine Opioidbeimischung möglich ist, denn die Packung verrät das nicht.
Abhängigkeit ist möglich. Nach längerem, häufigem Konsum können Entzugszeichen auftreten, etwa Kopfschmerz, Übelkeit, starke Angst, Schwitzen und Schlafstörung. Schwere Verläufe können Brustschmerz, Herzrasen und Krämpfe umfassen. Die CDC knüpft die Schwere an Menge und Dauer. Wer abrupt stoppt und sich unwohl fühlt, braucht medizinische Begleitung, keine stillschweigende Selbstbehandlung zu Hause.
Was steckt in Badesalzen und falschem Ecstasy?
Synthetische Cathinone sind potente Stimulanzien. Sie können absichtlich als Badesalz genommen oder ungewollt in Pillen stecken, die als MDMA verkauft werden.
NIDA stellt klar, dass illegale Cathinone chemisch mit Kath verwandt, aber oft deutlich stärker sind. Menschen schlucken, schnupfen oder spritzen sie. Kurzfristig können Herzrasen, Panik, Halluzinationen, starke Wut und Gewalt auftreten; längerfristig Nieren-, Muskel- und Herzschäden. Regelmäßiger Konsum kann eine Stimulanziengebrauchsstörung bahnen. Ein Review in Brain Sciences (29. März 2024) ordnet Cathinone als zweitgrößte und häufig beschlagnahmte NPS-Gruppe ein. Sie wirken als β-Keto-Analoga von Amphetamin und teilen pharmakologische Effekte mit Amphetamin und Kokain. Überdosierungen beginnen oft mit Agitation, Gewalt und Psychose und können in Multiorganversagen münden. Herzschäden sind für Stoffe wie MDPV, Methylon, 3-MMC und Mephedron beschrieben.
Die CDC-Auswertung zu Eutylon zeigt, wie tödlich die Verfälschung geworden ist. 2020 gingen 343 Eutylon-Beteiligungen an Überdosierungstoden durch das System SUDORS; 75,5 Prozent konzentrierten sich auf Florida und Maryland. Illegale Fentanyle waren in 77,3 Prozent mitbeteiligt, Kokain oder Methamphetamin in 53,1 Prozent. Unter den Fällen mit ausführlichem Untersuchungsbericht hatten 12,6 Prozent Hinweise auf aktuellen oder früheren MDMA-Konsum, ohne dass MDMA toxikologisch gefunden wurde. Etwa jeder zehnte dieser Toten dachte vermutlich, er nehme Ecstasy. Die WHO empfahl später die internationale Kontrolle von Eutylon; die Durchsetzung begann am 23. November 2022. Danach tauchte rasch N,N-Dimethylpentylon als Ersatz auf. Verbieten eines Moleküls löscht die Stoffklasse nicht.
Mischen mehrerer Stimulanzien erhöht das Risiko für Hyperthermie, Herzrhythmusstörungen und Kreislaufversagen. Wer nach einer Tablette ungewöhnlich aggressiv, überhitzt oder krampfend wird, braucht einen Notarzt, nicht „noch eine Stunde Ausschlafen“.
Warum sind Nitazene die neue Opioid-Welle?
Nitazene sind hochpotente synthetische Opioide, die seit etwa 2019 den illegalen Markt durchsetzen. Sie können hundertfach stärker wirken als Morphin und stecken oft in Produkten, die niemand als Opioid erwartet.
Das Medical Journal of Australia (2025) beschreibt Nitazene als 2-Benzylbenzimidazol-Agonisten am μ-Opioidrezeptor. Clonitazen und Etonitazen entstanden in den 1950er-Jahren als mögliche Schmerzmittel und wurden wegen der Potenz nie zugelassen. Isotonitazen meldete die UN-Drogenbehörde 2019 als Stoff von Belang. Anfang 2024 waren 13 Analoga in sechs Weltregionen bekannt. Symptome gleichen anderen Opioiden, vor allem Atemdepression und sinkendes Bewusstsein. Naloxon kann die Wirkung aufheben. Wegen hoher Potenz und teils längerer Dauer können höhere oder wiederholte Dosen nötig sein. Allein zu konsumieren oder Nitazene mit Alkohol und Beruhigungsmitteln zu mischen, erhöht das Risiko eines Atemstillstands.
Die Beimischung macht den Unterschied zur älteren Fentanyl-Debatte. Australische Warnungen fanden Nitazene in Heroin, MDMA, Kokain, Ketamin, GHB und in gefälschten Oxycodon- oder Alprazolam-Tabletten. Wer Stimulanzien oder „Benzos vom Straßenmarkt“ nimmt, trägt damit ein Opioidrisiko, ohne es zu planen. Standard-Drogenschnelltests und viele Fentanyl-Teststreifen erkennen Nitazene nicht zuverlässig. Bei Verdacht auf Opioidvergiftung zählt die Klinik, nicht der Markenname auf der Tüte.
Die WHO-Expertenkommission für Abhängigkeit (ECDD) hat 2024 und 2025 mehrere Nitazene und verwandte Stoffe bewertet. Im Oktober 2025 empfahl das Gremium, N-Pyrrolidino-Isotonitazen und N-Desethyl-Etonitazen unter die Einheitskonvention von 1961 zu stellen und das synthetische Cannabinoid MDMB-FUBINACA unter das Übereinkommen von 1971. Ältere Empfehlungen listeten einzelne Cannabinoide und Cathinone nacheinander; die aktuelle Linie zielt auf die potentesten Neuerscheinungen, bevor sie sich global festsetzen. Das stoppt die Laborchemie nicht, verändert aber, was Zoll und Strafverfolgung zuerst suchen.
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Wann zum Arzt, wann Notarzt?
Brustschmerz, Krampfanfall, sehr langsame oder aussetzende Atmung, Bewusstlosigkeit oder akute Psychose nach Konsum sind ein Notfall. In Deutschland wählt man 112; Giftinformation kann parallel beraten, ersetzt aber keinen Rettungswagen.
CDC und Cleveland Clinic nennen für synthetische Cannabinoide klare Schwellen, darunter Thoraxschmerz, Krämpfe, schwere Verwirrtheit und Suizidgedanken. Cathinon-Vergiftungen drohen zusätzlich mit extremer Agitation, hoher Körpertemperatur und Herzrhythmusstörungen. Opioid- oder Nitazen-Muster zeigen enge Pupillen, schnarchende oder fehlende Atmung und fehlende Erweckbarkeit. Naloxon geben, wenn ein Opioid möglich ist, und den Atemweg freihalten, bis Hilfe da ist. Nach Nitazenen kann die Wirkung zurückkehren, wenn das Naloxon nachlässt; Beobachtung in der Klinik ist dann nötig.
Hausärztliche Abklärung reicht, wenn jemand wiederholt konsumiert, den Drang nicht steuern kann oder Entzugszeichen bemerkt, aber gerade stabil atmet und orientiert ist. Der Weg führt über die Praxis oder eine Beratungsstelle, mit Gespräch und Therapieplan. Bei opioidhaltiger Abhängigkeit können Ersatzstoffe wie Methadon oder Buprenorphin zum Einsatz kommen. Für Cathinone und synthetische Cannabinoide gibt es kein zugelassenes Medikament gegen das Verlangen. Verhaltenstherapien und stabile Alltagsstruktur bleiben die tragenden Elemente.
| Stoffklasse | Typische Notfallzeichen | Erste Reaktion |
|---|---|---|
| Synthetische Cannabinoide (K2, Spice) | Krampf, Brustschmerz, schwere Verwirrtheit, Psychose | Notarzt, Person schützen, kein Gegengift bekannt |
| Synthetische Cathinone (Badesalze, Eutylon) | Extreme Unruhe, Überhitzung, Gewalt, Herzrasen | Notarzt, kühlen, nicht allein fixieren |
| Nitazene und andere Opioide | Langsame Atmung, nicht erweckbar, blasse Haut | Notarzt, Naloxon, Atemwege freihalten |
| Unklare Mischung / „Ecstasy“-Pille | Beliebiges der oben genannten Muster | Wie Opioid plus Stimulans behandeln, Naloxon versuchen |
Verzögern, weil „es legal war“ oder „nur eine Kräutermischung“, kostet Zeit, die bei Atemstillstand nicht vorhanden ist. Rettungsteams brauchen ehrliche Angaben zu dem, was geschluckt, geraucht oder gespritzt wurde, plus die Verpackung, falls sie noch da ist.
Wer nimmt das, und wie oft?
Der offene Jugendkonsum klassischer K2-Mischungen ist in US-Schulbefragungen stark zurückgegangen. Gleichzeitig sind neue, als legal beworbene Hanfprodukte in den Alltag älterer Teenager gerutscht.
Monitoring the Future, finanziert vom NIH, fand 2024 nach dem Pandemieeinbruch den vierten Jahrgang mit historisch niedrigem Konsum der meisten erfassten Drogen. Illegale Stoffe außer Cannabis nannten 6,5 Prozent der Zwölftklässler für die vorangehenden zwölf Monate. Cannabis selbst gaben 25,8 Prozent dieser Stufe an, weniger als 29,0 Prozent im Jahr 2023. Neu erfasst wurde Delta-8-THC, ein berauschendes Hanfderivat, das in vielen US-Läden als legales Alternativeprodukt steht. 12,3 Prozent der Zwölftklässler berichteten Vorjahreskonsum, dazu 2,9 Prozent der Achtklässler und 7,9 Prozent der Zehntklässler. Das ist nicht Spice. Es ist der nächste Markt, der Legalität suggeriert, ohne arzneimittelgleiche Prüfung.
NIDA nennt für klassische synthetische Cannabinoide weiterhin Gruppen, die sie wählen, weil Tests sie oft nicht sehen, etwa Menschen in Bewährung, im Maßregelvollzug oder in Unterkünften. CDC ergänzt, dass viele Konsumenten die Stoffe für legal und vergleichsweise harmlos halten. Cathinone erreichen zusätzlich Menschen, die gar kein Cathinon wollen. Die Eutylon-Zahlen von 2020 treffen vor allem Männer (71,7 Prozent) und die Altersgruppe 25 bis 44 Jahre. Jugendliche sind nicht die Hauptgruppe der Todesfälle, bleiben aber durch bunte Verpackungen und Peer-Druck erreichbar.
Abhängigkeit folgt dem Muster anderer Substanzstörungen, mit Kontrollverlust, Toleranz, Entzug und Weitermachen trotz Schaden. Cleveland Clinic spricht bei synthetischem Cannabis von Verlangen, Zwang, Kontrollverlust und Fortsetzung trotz Folgen. Wer das bei sich oder Angehörigen erkennt, braucht denselben Weg wie bei Alkohol oder Stimulanzien, also ein Gespräch, die Praxis oder Suchtberatung, bei Suizidgedanken sofort Krisenhilfe. Moralpredigt ändert den Rezeptor nicht.
Was hat sich rechtlich seit 2016 geändert?
Einzelverbote nach chemischer Formel haben den Markt nicht geschlossen. Blanket- und Gruppenregelungen plus internationale Listung haben den offenen Ladenverkauf gebremst und die Chemie in den Untergrund und in Verfälschungen gedrückt.
Großbritannien setzte am 26. Mai 2016 den Psychoactive Substances Act in Kraft. Das Home Office erklärt, erfasst sei jeder Stoff, der die geistige Funktion oder die Stimmung über Erregung oder Dämpfung des Nervensystems verändern kann, sofern er nicht ausdrücklich ausgenommen ist. Ausnahmen sind Lebensmittel, Arzneimittel, Alkohol, bereits kontrollierte Drogen, Nikotin, Tabak und Koffein. Straftaten sind Herstellen, Abgeben, Anbieten, Besitz mit Abgabeabsicht sowie Ein- und Ausfuhr; in Haftanstalten auch der bloße Besitz. Auf Anklage kann eine Freiheitsstrafe von bis zu sieben Jahren stehen. Besitz außerhalb der Haft ist nach diesem Gesetz in der Regel kein eigener Straftatbestand, viele Einzelsubstanzen fallen aber zusätzlich unter den älteren Misuse of Drugs Act.
In den USA bleiben das Controlled Substances Act und Notfall-Listungen der DEA das Werkzeug. Nach 2012 kamen Klassen- und Analogregelungen hinzu, weil das Nachziehen einzelner Cannabinoid-Formeln zu langsam war. Mayo Clinic hält K2, Spice und Badesalze in den meisten Bundesstaaten für illegal. Hersteller antworten mit neuen Strukturen und mit Etiketten, die den menschlichen Gebrauch bestreiten.
International bewertet nur die WHO-ECDD Stoffe nach Abhängigkeit, Schaden und therapeutischem Nutzen. Die 47. Sitzung im Oktober 2024 prüfte mehrere Nitazene und weitere neue psychoaktive Stoffe. Die 48. Sitzung 2025 schlug zwei Nitazene und MDMB-FUBINACA zur Kontrolle vor. Der Review zu Cathinonen von 2024 zählt 17 weltweit gelistete synthetische Cathinone, die meisten seit 2015. Trotzdem bleiben neue Derivate schneller als die Listen. Wer 2016 noch im Headshop „legal“ kaufte, trifft 2026 eher eine Pille ohne Herkunft oder ein Hanfprodukt im Graubereich. Die rechtliche Lücke ist kleiner geworden. Die toxikologische Lücke ist größer.
Häufige Fragen
Sind Legal Highs in Europa noch legal?
Meist nein. Großbritannien verbietet seit Mai 2016 Herstellung und Abgabe psychoaktiver Stoffe für den Konsum, mit wenigen Ausnahmen wie Alkohol und Arzneimitteln. Viele Einzelsubstanzen stehen zusätzlich auf internationalen und nationalen Betäubungsmittellisten. Ein Aufkleber „legal“ oder „nicht zum Verzehr“ ändert das nicht.
Zeigen Drogentests synthetische Cannabinoide?
Standard-Urinscreens in Klinik, Bewährung oder Arbeitsplatz erkennen die meisten K2- und Spice-Stoffe nicht. NIDA nennt genau diese Lücke als ein Motiv für den Konsum. Ein negativer Test bedeutet nicht, dass nichts genommen wurde, und schon gar nicht, dass der Stoff ungefährlich war.
Hilft Naloxon bei legalen Hochs?
Nur wenn ein Opioid beteiligt ist. Bei reinen synthetischen Cannabinoiden oder Cathinonen hebt Naloxon die Wirkung nicht auf. Nitazene und Fentanyl reagieren darauf, oft erst nach wiederholter Gabe. Weil Mischungen unsichtbar sind, bleibt ein Versuch mit Naloxon bei Atemstillstand sinnvoll, ersetzt aber nicht den Notarzt.
Was tun, wenn jemand nach Spice oder einer Pille zusammenbricht?
Sofort den Notarzt rufen, Atemwege freihalten, bei möglichem Opioid Naloxon geben und die Person nicht allein lassen. Verpackung und ehrliche Angaben helfen der Klinik. Krämpfe und Brustschmerz gehören ebenfalls in die Notaufnahme, auch wenn das Bewusstsein noch da ist.
Sind K2 und Spice dasselbe wie Cannabis?
Nein. Sie treffen zwar Cannabinoidrezeptoren, binden aber oft stärker und unvorhersehbarer als THC. CDC und Cleveland Clinic beschreiben Krämpfe, Nierenversagen, Herzinfarkt und Psychose, die bei natürlichem Cannabis in dieser Häufung nicht typisch sind. Der Name „synthetisches Marihuana“ ist irreführend.
Kann man von Badesalzen oder K2 abhängig werden?
Ja. NIDA sieht bei regelmäßigem Cathinon-Konsum das Risiko einer Stimulanziengebrauchsstörung. Bei synthetischen Cannabinoiden sind Entzug und Fortsetzung trotz Schaden beschrieben. Es gibt keine Garantie, nach wenigen Malen wieder aufzuhören, und kein zugelassenes Medikament, das das Verlangen spezifisch blockiert.
![[Überdosis Nadel]](https://demedbook.com/images/1/the-lowdown-on-legal-highs_3.jpg)
Fazit
Der Markt der bunten Päckchen aus dem Headshop ist kleiner als 2015. Dafür sitzt das Risiko tiefer im unsichtbaren Inhalt. Wer 2026 eine Pille, ein Pulver oder eine „Kräutermischung“ nimmt, kann ein Cannabinoid ohne Gegengift, ein Cathinon mit Fentanyl oder ein Nitazen in angeblich stimulierender Ware erwischen. Legalität auf dem Etikett ist kein toxikologisches Argument.
Praktisch zählt dreierlei. Bei Brustschmerz, Krampf, fehlender Atmung oder Bewusstlosigkeit 112 wählen und Naloxon bereithalten, falls Opioide möglich sind. Wiederholter Konsum, Kontrollverlust oder Entzug gehören in Praxis oder Suchthilfe, nicht in Foren. Tests und Verbote hinken der Chemie hinterher. Die WHO listet weiter nach, die CDC zählt weiter Tote durch Stoffe, die niemand bestellt hat.
Wer Angehörige begleitet, braucht ruhige Kriterien statt Panik. Der Stoffname auf der Tüte ist die schwächste Information im Raum. Atmung, Puls, Bewusstsein und die Bereitschaft, Hilfe zu holen, sind die stärksten.
Quellen
- National Institute on Drug Abuse: Synthetic Cannabinoids. National Institute on Drug Abuse, Stand: 2025.
- National Institute on Drug Abuse: Synthetic Cathinones („Bath Salts“). National Institute on Drug Abuse, Stand: 2025.
- Gladden RM, Chavez-Gray V et al.: Notes From the Field: Overdose Deaths Involving Eutylone (Psychoactive Bath Salts) — United States, 2020. Morbidity and Mortality Weekly Report, 12. August 2022.
- Centers for Disease Control and Prevention: About Synthetic Cannabinoids. Centers for Disease Control and Prevention, 23. März 2021.
- World Health Organization: WHO Expert Committee concludes critical review of coca leaf, recommends maintaining current controls. World Health Organization, 10. Dezember 2025.
- Home Office: Psychoactive Substances Act 2016: guidance for retailers. GOV.UK, Stand: 2023.
- Clifford B, Peacock A et al.: Responding to reports of nitazene toxicity in Australia. Medical Journal of Australia, Stand: 2025.
- Mayo Clinic: Drug addiction (substance use disorder) – Symptoms and causes. Mayo Clinic, Stand: 2024.
- Cleveland Clinic: The Dangerous Effects of Synthetic Weed. Cleveland Clinic, 13. Mai 2026.
- Chen S, Zhou W, Lai M: Synthetic Cathinones: Epidemiology, Toxicity, Potential for Abuse, and Current Public Health Perspective. Brain Sciences, 29. März 2024.
- National Institutes of Health: Reported use of most drugs among adolescents remained low in 2024. National Institutes of Health, 17. Dezember 2024.
