Resveratrol im Rotwein: Nutzen bleibt unbewiesen

Resveratrol im Rotwein: Nutzen bleibt unbewiesen

Resveratrol aus Rotwein und der üblichen Kost hängt nach der bisher größten Bevölkerungsstudie nicht mit weniger Herzinfarkten, weniger Krebs oder einem längeren Leben zusammen. Wer das Stilben als Begründung für ein tägliches Glas Wein nimmt, stützt sich auf Zell- und Tierversuche, nicht auf belastbare Humanendpunkte.

Die Verbindung sitzt in Traubenschalen, Erdnüssen, manchen Beeren und dunkler Schokolade. Im Reagenzglas fängt sie freie Radikale, in überfütterten Mäusen verlängerte sie unter hohen Dosen die Lebenszeit. Beim Menschen kommt nach einem Glas Wein nur ein Bruchteil als freie Substanz im Blut an. Die InCHIANTI-Kohorte aus der Toskana maß 2014 Harnmetabolite als Marker der Aufnahme und fand über neun Jahre keinen Schutz. Seit 2018 haben Behörden die ältere Idee vom „herzgesunden Glas“ weiter zurückgenommen. Die Weltgesundheitsorganisation schrieb 2023, eine risikofreie Alkoholmenge lasse sich nicht belegen. Die American Heart Association rät 2025 ausdrücklich, nicht anzufangen, um das Herz zu schützen.

Was die Chianti-Kohorte bei älteren Erwachsenen fand

Harnmetabolite von Resveratrol sagten in der InCHIANTI-Studie weder Tod noch neue Herz-Kreislauf-Krankheit oder Krebs voraus. Semba, Ferrucci und Kollegen untersuchten 783 selbstständig lebende Frauen und Männer ab 65 Jahren in zwei Dörfern der Chianti-Region. Die 24-Stunden-Urinproben stammten vom Start zwischen 1998 und 2009. Das Team bestimmte Konjugate per Flüssigkeitschromatographie und Tandem-Massenspektrometrie und rechnete auf Kreatinin um, weil nicht jede Sammlung sicher volle 24 Stunden umfasste.

Nach neun Jahren waren 268 Teilnehmende gestorben, 34,3 Prozent. In den Quartilen der Gesamtmetabolite lagen die Anteile bei 34,4, 31,6, 33,5 und 37,4 Prozent (P = 0,67). Wer in der untersten Quartile startete, hatte gegenüber der obersten eine Hazard Ratio für den Tod von 0,80 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,54–1,17), adjustiert unter anderem für Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, Blutfette, kognitiven Test und chronische Krankheiten. Das Intervall schloss 1 ein. Ein Schutz durch höhere Spiegel war damit nicht zu belegen, eher eine leere Zone um die Null.

Von 639 Personen ohne Herz-Kreislauf-Krankheit zu Beginn erkrankten 174 neu, 27,2 Prozent. Die Quartile lagen bei 22,3, 29,6, 28,4 und 28,0 Prozent (P = 0,44). Von 734 ohne Krebsdiagnose erkrankten 34, also 4,6 Prozent, verteilt mit 4,4, 4,9, 5,0 und 4,3 Prozent (P = 0,98). C-reaktives Protein, Interleukin-6, Interleukin-1β und Tumornekrosefaktor-α hingen ebenfalls nicht mit den Metaboliten zusammen. Weniger als ein Prozent der Kohorte nahm irgendwelche Nahrungsergänzung. Der Spearman-Koeffizient zwischen Alkoholkonsum in Gramm pro Tag und den Harnwerten betrug 0,67. In einer Weinbauregion misst der Marker vor allem Weinkonsum, nicht eine isolierte Pille.

Das National Institute on Aging, Mitautor Luigi Ferrucci war wissenschaftlicher Direktor dort, fasste im Mai 2014 zusammen: Diätetisches Resveratrol war weder mit weniger Herz-Kreislauf-Krankheit, Krebs und Entzündung noch mit Langlebigkeit verknüpft. Die Autoren warnten, Kapseln aus Tierdaten abzuleiten. Für hohe Dosen und lange Einnahme bei Älteren mit mehreren Medikamenten fehlten Sicherheitsdaten. Eine einzelne Urinmessung am Start spiegelt nicht jedes Glas der folgenden Jahre. Das intra-class-Korrelationsmaß der Ernährungsaufnahme über die Nachbeobachtung lag bei 0,52. Die Richtung bleibt trotzdem klar. Wer in dieser westlichen Kost viel oder wenig des Stoffs aufnahm, starb und erkrankte ähnlich oft.

Rotwein

Warum so wenig freie Substanz im Blut bleibt

Nach dem Schlucken wird Resveratrol gut aufgenommen, erscheint im Plasma aber fast nur als Sulfat- oder Glucuronidkonjugat. Das Linus Pauling Institute der Oregon State University beschreibt das als hohe Absorption bei niedriger systemischer Verfügbarkeit. Frühe Pharmakokinetik nach 5 bis 25 Milligramm zeigte nur Spuren der unveränderten trans-Form. Zellen im Darm sehen das Aglykon, Leber, Gefäßwand und Gehirn treffen vor allem Metabolite, deren eigene Wirkung unklar bleibt.

Viele Laborversuche nutzten Konzentrationen über 5 Mikromol pro Liter. Nach einer einzelnen oralen Gabe von 0,5 bis 5 Gramm lagen die Spitzen der freien Substanz laut dem Institut zwischen etwa 0,3 und 2,3 Mikromol, oft unter den Schwellen der Zellkultur. Konjugate können zwei- bis achtfach höher liegen. Ob Gewebe sie wieder in die Muttersubstanz zurückverwandeln, ist offen. Fett in der Mahlzeit kann die Aufnahme von Präparaten senken. Wein zum Essen verschob die Bioverfügbarkeit in einer kleinen Arbeit nicht klar.

Ein 148-Milliliter-Glas Rotwein (fünf US-Unzen) enthält im weltweiten Mittel etwa 0,3 Milligramm trans-Resveratrol, Pinot Noir im Schnitt 0,5 Milligramm. Die Spanne zwischen Jahrgängen und Rebsorten ist groß, weil der Stoff in der Schale sitzt und Weißwein die Schalen früher verliert. Rote Trauben liefern pro Tasse 0,24 bis 1,25 Milligramm, rohe Erdnüsse 0,01 bis 0,26 Milligramm. Wer Laborwirkungen nachahmen will, landet bei Kapseln im dreistelligen Milligrammbereich, nicht bei einem Glas. Genau diese Lücke erklärt, warum die Chianti-Harnwerte die Klinik nicht verschoben, obwohl sie Weinkonsum abbildeten.

Lebensmittel oder Getränk Typische Portion Resveratrol ungefähr
Rotwein, weltweiter Mittelwert 148 ml 0,3 mg
Pinot Noir 148 ml 0,5 mg
Rote Trauben 160 g 0,24–1,25 mg
Erdnüsse roh 146 g 0,01–0,26 mg
Erdnüsse gekocht 180 g 0,32–1,28 mg

Die Tabelle folgt den Mittelwerten des Linus Pauling Institute (Stand der Fachseite 2015). Einzelne Flaschen können deutlich darunter oder darüber liegen. Procyanidine und andere Flavonoide stecken in Rotwein in höheren Mengen als das Stilben. Ein Nutzen, falls er existiert, muss nicht an diesem einen Molekül hängen.

Französisches Paradoxon und was die Deutung verändert hat

Das französische Paradoxon erklärt die vergleichsweise niedrige Rate koronarer Krankheit in Frankreich trotz viel gesättigtem Fett nicht zuverlässig durch Resveratrol im Wein. Renaud und de Lorgeril popularisierten 1992 den Gedanken, regelmäßiger Rotwein schütze über Thrombozyten und Alkohol. Siemann und Creasy hatten denselben Stoff in Wein quantifiziert. Seither trägt er die Last einer schönen Geschichte. Das Linus Pauling Institute schreibt, ein zusätzlicher Schutz durch den Resveratrolgehalt des Weins sei gegenüber Alkohol und den übrigen Polyphenolen nicht belegt.

Beobachtungsstudien, die Weintrinker besser dastehen lassen als Bier- oder Spirituosentrinker, vermischen den Inhalt des Glases mit Bildung, Einkommen, Rauchen und Gemüse. Manche Kohorten fanden keinen Vorteil der Weinsorte. Die US-Seuchenbehörde CDC nannte im Januar 2025 zwei klassische Verzerrungen älterer Arbeiten. Menschen mit mäßigem Konsum bewegen sich oft mehr, essen anders und rauchen seltener. In der Vergleichsgruppe der Abstinenten sitzen häufig ehemalige Trinker, die wegen Krankheit aufgehört haben. Dann wirkt Mäßigkeit künstlich gesund, weil die kranken Ex-Konsumenten die Nullgruppe belasten.

Zellkultur und Tiere bleiben nützlich, um Mechanismen zu sortieren: Hemmung von Plättchen, mehr endotheliales Stickstoffmonoxid, weniger Haftmoleküle an der Gefäßwand, Aktivierung von Sirtuin-1 und AMP-Kinase. Dieselben Pfade brauchen in der Schale Konzentrationen, die ein Glas nicht liefert. Die Mayo Clinic (Aktualisierung 21. Januar 2026) nennt die Datenlage gemischt. Manche Arbeiten sehen weniger Gerinnsel und Entzündung, andere keinen Herzschutz. Trauben und Traubensaft liefern Polyphenole ohne Ethanol. Ob der Nutzen am Stilben oder an der ganzen Matrix hängt, bleibt offen.

Wer 2014 nur die Chianti-Zahlen las, konnte noch denken, Wein sei trotzdem nützlich, nur eben nicht wegen Resveratrol. Die Behördenlage danach hat diese Hintertür verengt. Ethanol selbst ist nach der International Agency for Research on Cancer ein Karzinogen der Gruppe 1, unabhängig von Preis und Rebsorte.

Was Leitlinien zu Rotwein und Herz jetzt sagen

Kein Fachgremium empfiehlt, mit Rotwein oder einem anderen alkoholischen Getränk das Herz zu behandeln. Die American Heart Association stellt 2025 in ihrer wissenschaftlichen Erklärung und der begleitenden Faktenliste fest: Wer nicht trinkt, soll nicht anfangen. Wer trinkt und das fortsetzen will, bleibt bei höchstens zwei Standardgetränken am Tag für Männer und einem für Frauen. Ein US-Standardgetränk enthält etwa 14 Gramm Ethanol, grob 148 Milliliter Wein mit 12 Volumenprozent. Kleine Mengen Rotwein waren in manchen Beobachtungen mit besserer Herzstatistik verknüpft. Ein Ursache-Wirkungs-Beweis fehlt. Die Gesellschaft rät ausdrücklich davon ab, Wein als Gesundheitsmaßnahme zu trinken.

Die Stellungnahme der WHO-Europa vom 4. Januar 2023 geht weiter. Eine Schwelle, unter der Krebs und andere Schäden ausbleiben, lasse sich nicht zeigen. In der europäischen Region entfalle rund die Hälfte der alkoholbedingten Krebsfälle auf „leichten“ und „mäßigen“ Konsum, grob unter 1,5 Liter Wein oder 3,5 Liter Bier pro Woche. Studien, die einen möglichen Herz- oder Diabetesnutzen dieser Mengen gegen das Krebsrisiko für die einzelne Person aufwiegen, fehlen. Dr. Carina Ferreira-Borges formulierte: Das Risiko beginnt mit dem ersten Tropfen; weniger ist sicherer.

Die CDC wiederholt 2025 die ältere US-Definition von Mäßigkeit (Männer höchstens zwei, Frauen ein Getränk an einem Tag), setzt aber denselben Satz daneben. Auch mäßiger Konsum kann Sterblichkeit und chronische Krankheit gegenüber dem Nichttrinken erhöhen, einschließlich Krebs und Herzkrankheit. Schon unter einem Getränk täglich kann das Risiko bestimmter Tumoren steigen. Starke Studien zeigten, dass etwa zwei Getränke pro Tag die Sterblichkeit gegenüber Abstinenz nicht senken. Die Dietary Guidelines for Americans 2020–2025 raten Erwachsenen, gar nicht zu trinken oder, falls sie es tun, die Menge klein zu halten. Neu anfangen soll niemand.

Institution Kernaussage zu Alkohol und Herz Jahr
American Heart Association Nicht anfangen; höchstens 2 bzw. 1 Standardgetränk am Tag 2025
WHO-Europa Keine belegte sichere Menge; Krebs ab dem ersten Tropfen 2023
CDC Auch Mäßigkeit kann Sterblichkeit gegenüber Abstinenz heben 2025
Mayo Clinic Nicht trinken, um das Herz zu schützen 2026

Die Tabelle vergleicht Behördenpositionen, keine individuelle Erlaubnis. Schwerer Konsum (oft als zwei bis vier Getränke täglich beschrieben) und Rauschtrinken (fünf oder mehr Getränke in etwa zwei Stunden bei Männern, vier bei Frauen) hängen laut AHA durchgängig mit Bluthochdruck, koronarer Krankheit, Schlaganfall, Rhythmusstörungen, Kardiomyopathie und Herzschwäche zusammen. Schon ein bis zwei Getränke täglich können bestehenden Bluthochdruck verschlechtern. Wer Vorhofflimmern oder unkontrollierte Hypertonie hat, soll die Menge eher streichen als „maßvoll“ fortsetzen.

Kapseln: Laborwerte ja, harte Endpunkte unsicher

Hochdosierte Präparate sind ein anderes Experiment als ein Glas Wein, und selbst dort fehlen Belege für weniger Infarkte, weniger Krebs oder längeres Leben. Cochrane prüfte 2020 drei randomisierte Studien mit insgesamt 50 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes. Die Dosen lagen bei 10, 150 oder 1000 Milligramm über vier bis fünf Wochen gegen Placebo. Keine Arbeit berichtete Sterblichkeit, diabetesbedingte Komplikationen oder Lebensqualität. HbA1c, Nüchternglucose und Insulinresistenz blieben ohne klaren Unterschied (sehr niedrige Sicherheit der Evidenz). Die Autoren schrieben, die Daten reichten weder für Nutzen noch für Schaden.

Ein Umbrella-Review im Nutrition Journal (Suche bis 30. April 2025, Veröffentlichung 15. April 2026) fasste 45 systematische Reviews mit 129 Assoziationen zusammen. Vier Signale trugen nach GRADE hohe Sicherheit: Taillenumfang minus 0,80 Zentimeter, Gesamtcholesterin bei Übergewicht minus 0,19 mmol/L, bei Typ-2-Diabetes diastolisch minus 3,55 und systolisch minus 7,97 mmHg. Mäßige Sicherheit betraf unter anderem Arbeitsgedächtnis, glomeruläre Filtrationsrate, einzelne Entzündungsmarker und Fettleber-Scores. Das sind Surrogate in oft kleinen, kurzen Studien. Die Cochrane-Schwelle war strenger und älter. Beide Befunde nebeneinanderlegen, nicht mitteln. Marker können sich rühren, ohne dass jemand später weniger stirbt.

LiverTox (Aktualisierung 30. November 2024) hält fest: Schlüssige Belege für einen Nutzen beim Menschen fehlen. Versuchsdosen reichten von 20 Milligramm bis 5 Gramm täglich; typische Frei-Verkauf-Empfehlungen liegen bei 500 Milligramm zweimal täglich. Reinheit der Handelsware ist selten gut definiert. Eine Arbeit an nicht adipösen Frauen mit normaler Glucosetoleranz (Yoshino und Kollegen, 2012, in LiverTox referiert) fand nach 75 Milligramm über zwölf Wochen keine Änderung von Gewicht, Insulinempfindlichkeit oder SIRT1-Expression in Muskel und Fett. Hohe Dosen bei metabolischer Fettleber hoben in einzelnen Studien die Transaminasen, ohne dass sich Fettgehalt oder Glucose besserten.

Wer Kapseln erwägt, entscheidet das mit der behandelnden Praxis, nicht über Werbetexte zu „Anti-Aging“. Die InCHIANTI-Autoren nannten 2014 US-Jahresumsätze der Präparate von 30 Millionen Dollar und zugleich begrenzte, widersprüchliche Klinikdaten. Der Abstand zwischen Umsatz und Endpunkt ist geblieben.

Sicherheit, Wechselwirkungen und wann ärztlicher Rat nötig ist

Resveratrol-Kapseln sind kein harmloser Traubenextrakt in Tablettenform, sobald die Dosis in den Grammbereich rutscht oder Medikamente danebenstehen. LiverTox beschreibt vor allem Übelkeit, Bauchbeschwerden, Kopfschmerz und Müdigkeit. Klinisch apparente Leberschäden gelten als unwahrscheinlich (Likelihood-Score E). Bei 1,5 bis 3 Gramm täglich stiegen mittlere ALT- und AST-Werte leicht und fielen nach dem Absetzen. Das Linus Pauling Institute berichtet milde bis mäßige Darmbeschwerden häufig oberhalb von 1000 Milligramm über mehrere Wochen. Eine Einmaldosis von 5 Gramm blieb in einer kleinen Phase-I-Arbeit ohne schwere Ereignisse.

Theoretisch und in vitro hemmt der Stoff die Thrombozytenaggregation. Hohe Aufnahmen können laut dem Institut das Blutungsrisiko steigern, wenn gleichzeitig Warfarin, Heparin, Clopidogrel oder nichtsteroidale Entzündungshemmer laufen. Resveratrol hemmt CYP3A4, das rund die Hälfte der oralen Arzneistoffe abbaut, darunter viele Statine, Calciumantagonisten, Ciclosporin, Tacrolimus und Midazolam. CYP2C9 und CYP2D6 können mitbetroffen sein. CYP1A2 wird eher induziert; dann sinken Spiegel von Paracetamol oder manchen Antidepressiva. Frauen mit östrogensensiblen Tumoren der Brust, Eierstöcke oder Gebärmutter sollen Präparate meiden, bis die Hormonwirkung beim Menschen besser kartiert ist. In Schwangerschaft und Stillzeit ist die Sicherheit von Kapseln nicht belegt. Wein als Quelle entfällt dort sowieso, weil es keine bekannte unbedenkliche Alkoholmenge in der Schwangerschaft gibt.

Alkohol selbst bleibt der häufigere Risikofaktor im Alltag. Die AHA listet Gruppen, die gar nicht trinken sollen: Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch, Menschen unter dem gesetzlichen Mindestalter, Patientinnen und Patienten mit Herzschwäche, unkontrolliertem Bluthochdruck oder Leberkrankheit, alle mit Medikamenten, die mit Ethanol wechselwirken, und wer Auto fährt oder Maschinen steuert. Die Mayo Clinic ergänzt Pankreasleiden durch Alkohol, Stillen in den zwei Stunden nach einem Glas und eine eigene oder familiär dichte Alkoholgebrauchsstörung.

Zum Arzt oder in die Notaufnahme gehört, wer Brustschmerz, Luftnot, plötzliche Sprach- oder Sehstörung, Gelbsucht, schwarzen Stuhl, Erbrechen von Blut, Verwirrtheit nach langem Trinken oder Entzugszeichen hat. Das sind Schwellen aus der kardiovaskulären und leberbezogenen Praxis, keine Panikliste. Wer regelmäßig trinkt und Blutdruck, Rhythmus oder Leberwerte neu auffällig werden, braucht eine ehrliche Mengenangabe in Gramm Ethanol, nicht die Formel „nur Wein zum Essen“.

  • Kapseln über 1000 Milligramm täglich können Durchfall, Übelkeit und Blähungen auslösen, wie Pharmakokinetikstudien über bis zu 29 Tage zeigten.
  • Gerinnungshemmer plus hochdosiertes Resveratrol können die Blutungsneigung verstärken, weil beide die Plättchenfunktion belasten.
  • CYP3A4-Substrate wie bestimmte Statine oder Immunsuppressiva können durch Hemmung des Abbaus stärker wirken als geplant.
  • Östrogensensible Krebserkrankungen sind ein Grund, Präparate zu lassen, bis belastbare Humandaten zur Hormonwirkung vorliegen.
  • Bestehender Bluthochdruck oder Vorhofflimmern spricht laut AHA 2025 eher für weniger oder keinen Alkohol als für ein „herzgesundes“ Glas.

Trauben, Saft und Alltag ohne Ethanol

Polyphenole aus Trauben, Beeren und Erdnüssen lassen sich essen, ohne Ethanol in die Rechnung zu nehmen. Die Mayo Clinic nennt rote und violette Traubensäfte als Weg zu ähnlichen Pflanzenstoffen. Ob der mögliche Gefäßnutzen am Resveratrol, an Flavanolen oder an der Kombination hängt, ist unbekannt. Die nötige Menge für einen Herzschutz ist ebenfalls unbekannt, und der Gehalt schwankt mit Sorte, Anbau und Verarbeitung.

Bewegung, Tabakverzicht und ein gesundes Körpergewicht bleiben die Größen, die die AHA 2025 den Klinikerinnen und Klinikern als Gesprächskern empfiehlt, nicht das Getränk. Die CDC schreibt, weniger zu trinken sei gesünder als mehr, und Nichttrinken sei gegenüber mäßigem Konsum oft die bessere Vergleichsgröße, sobald man kranke Ex-Konsumenten fair einsortiert. Wer bereits ein Glas zum Abendessen trinkt und das halten will, hält die Portion klein, isst dazu und wechselt mit alkoholfreien Getränken ab. Das verlangsamt die Aufnahme, macht aus Wein aber kein Arzneimittel.

Wer Abstinenz neu ausprobiert, plant die ersten Wochen mit der Hausarztpraxis, falls bisher täglich getrunken wurde. Plötzliches Absetzen nach schwerem Konsum kann Entzüge auslösen. Traubensaft ersetzt dann den Ritualteil, nicht eine imaginäre Dosis des Stilbens. Dunkle Schokolade und Erdnüsse tragen Spuren, die gegenüber einem Präparat mit 500 Milligramm winzig wirken. Sie gehören in eine gemüse- und nussreiche Kost, nicht auf das Etikett „Resveratrol-Therapie“.

Häufige Fragen

Hilft ein tägliches Glas Rotwein dem Herzen?

Ein tägliches Glas ist kein belegtes Herzmittel und wird von AHA, WHO-Europa und CDC nicht als Therapie empfohlen. Beobachtungen zu weniger koronarer Krankheit bei kleinem Konsum sind durch Lebensstil und kranke Ex-Trinker verzerrt. Ethanol bleibt ein Karzinogen; das Krebsrisiko steigt schon im „mäßigen“ Bereich.

Soll ich Resveratrol-Kapseln gegen Altern oder Diabetes nehmen?

Kapseln ersetzen weder Bewegung noch empfohlene Diabetesmedikamente, und Cochrane fand 2020 bei Typ-2-Diabetes keine ausreichende Evidenz. Spätere Metaanalysen berichten kleine Verschiebungen von Taille, Cholesterin oder Blutdruck, nicht weniger Infarkte oder Todesfälle. Wechselwirkungen mit Gerinnungshemmern und CYP3A4-Substraten machen eine Rücksprache nötig.

Wie viel Resveratrol steckt wirklich in einem Glas Wein?

Im Mittel liegen etwa 0,3 Milligramm in 148 Millilitern Rotwein, bei Pinot Noir eher 0,5 Milligramm, mit großer Streuung zwischen Flaschen. Zellversuche nutzen oft Vielfache dieser Plasmaspiegel. Ein Glas liefert vor allem Ethanol und eine Mischung anderer Polyphenole.

Ist Traubensaft eine Alternative zum Wein?

Traubensaft und Trauben liefern Polyphenole ohne Alkohol und sind für Menschen sinnvoll, die nicht trinken sollen oder wollen. Ob sie denselben, ohnehin unsicheren, Herzschutz bieten wie Wein, ist nicht belegt. Zucker im Saft zählt in der Tagesbilanz mit.

Gilt das französische Paradoxon noch als Erklärung?

Als einfache Wein-Erklärung gilt es nicht mehr. Bildung, Ernährung, Rauchen und methodische Fehler älterer Kohorten tragen einen großen Teil der früheren Unterschiede. Das Stilben im Glas reicht nach Chianti und Pharmakokinetik nicht, um die Klinik zu tragen.

Wann muss ich wegen Wein oder Präparaten in die Praxis?

Brustschmerz, Gelbsucht, Blut im Stuhl oder Erbrechen, plötzliche Schwäche einer Körperseite und Entzugszeichen nach langem Trinken gehören in die Akutversorgung. Kapseln plus Gerinnungshemmer, Immunsuppressiva oder eine östrogensensible Krebserkrankung gehören in die Sprechstunde, bevor die Packung geöffnet wird.

Fazit

Resveratrol aus der westlichen Kost, gemessen als Harnmetabolite bei 783 älteren Erwachsenen in Chianti, hing nicht mit Entzündung, Krebs, Herz-Kreislauf-Krankheit oder Sterblichkeit zusammen. Die Mengen im Glas liegen weit unter den Dosen, die Zellen und Tiere sehen. Wer Wein trinkt, trinkt vor allem Ethanol, und Ethanol hat seit den Stellungnahmen von WHO-Europa 2023, CDC 2025 und AHA 2025 keinen Status als Herzschutzstrategie mehr.

Kapseln können Surrogate wie Taillenumfang oder Blutdruck bei Diabetes leicht verschieben. Sie haben Cochrane 2020 nicht überzeugt, und sie können Gerinnung und den Abbau vieler Arzneistoffe stören. Wer sie trotzdem prüft, tut das mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt, nicht als Ersatz für Blutdrucktherapie, Statine oder Tabakstopp.

Morgen zählt eine ehrliche Woche in Standardgetränken, ein Blick auf die Medikamentenliste vor jeder Packung „Antioxidans“ und die Frage, ob Trauben, Saft und Bewegung denselben Ritualplatz füllen können. Wer nie getrunken hat, hat aus Sicht der genannten Behörden keinen medizinischen Grund, damit anzufangen.

Quellen

  1. Semba RD, Ferrucci L, Bartali B et al.: Resveratrol levels and all-cause mortality in older community-dwelling adults. JAMA Internal Medicine, 12. Mai 2014.
  2. National Institute on Aging: Resveratrol does not affect health, longevity in population study. National Institute on Aging, 16. Mai 2014.
  3. Mayo Clinic Staff: Red wine and resveratrol: Good for your heart?. Mayo Clinic, 21. Januar 2026.
  4. American Heart Association: Alcohol Use and Cardiovascular Disease. American Heart Association, Stand: 2025.
  5. WHO Regional Office for Europe: No level of alcohol consumption is safe for our health. World Health Organization Regional Office for Europe, 4. Januar 2023.
  6. Centers for Disease Control and Prevention: About Moderate Alcohol Use. Centers for Disease Control and Prevention, 14. Januar 2025.
  7. Jeyaraman MM, Al-Yousif NSH et al.: Resveratrol for adults with type 2 diabetes mellitus. Cochrane Database of Systematic Reviews, 17. Januar 2020.
  8. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Resveratrol – LiverTox – NCBI Bookshelf. LiverTox: Clinical and Research Information on Drug-Induced Liver Injury, 30. November 2024.
  9. Linus Pauling Institute: Resveratrol | Linus Pauling Institute | Oregon State University. Linus Pauling Institute, Oregon State University, Stand: 2015.
  10. Sun JN, Yang R, Fang L et al.: Effects of resveratrol supplementation on multiple health outcomes: an umbrella review of systematic reviews and meta-analyses of randomized controlled trials. Nutrition Journal, 15. April 2026.
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