
Klassische Atemwegsallergien wie Heuschnupfen lösen kein echtes Fieber aus. Steigt die Körpertemperatur auf 38,0 °C oder darüber, spricht das für einen Infekt oder eine Komplikation, nicht für die Allergie selbst. Die Mayo Clinic setzt in ihrem Vergleich von Oktober 2025 Fieber bei saisonaler Allergie auf „nie“, während Grippe es häufig und COVID-19 es manchmal mitbringt. Der englische Name hay fever ist also irreführend. Das American College of Allergy, Asthma & Immunology und die Asthma and Allergy Foundation of America schreiben dasselbe in Klartext. Heuschnupfen macht keinen Fieberanstieg.
Niesen, klare Nase und juckende Augen können einer Erkältung zum Verwechseln ähnlich sehen. Der Unterschied liegt im Auslöser. Bei der Allergie antwortet Immunglobulin E auf Pollen, Milbenkot oder Tierhautschuppen. Bei Erkältung, Grippe und COVID-19 vermehren sich Viren, und der Körper kann die Temperatur hochfahren, um Mikroben zu hemmen. Wer beides gleichzeitig hat, etwa Pollenflug plus Rhinovirus, mischt die Bilder. Dann zählt das Thermometer mehr als der Kalender.
Warum lösen Allergien in der Regel kein Fieber aus?
Allergische Rhinitis ist eine lokale Überreaktion der Schleimhaut, keine Infektion. Das Immunsystem liest ein harmloses Luftallergen falsch und setzt Histamin sowie andere Botenstoffe frei. Die Cleveland Clinic erklärt den Ablauf so: Histamin reizt Nase, Augen und Rachen, damit der Körper den Stoff wieder loswird. Fieber als systemische Antwort auf Bakterien oder Viren gehört nicht zu diesem Programm. Deshalb bleibt die Körpertemperatur bei reinem Heuschnupfen im normalen Bereich, selbst wenn die Nase zu ist und der Schlaf leidet.
StatPearls (Aktualisierung Juli 2023) teilt die Reaktion in zwei Phasen. In den ersten Minuten nach dem Einatmen platzen Mastzellen und geben gespeichertes Histamin ab. Das löst Niesen, Jucken und wässrigen Fluss aus. Nach vier bis sechs Stunden wandern eosinophile Zellen nach und halten die Schwellung. Müdigkeit entsteht oft, weil die Nase nachts nicht frei wird, nicht weil ein Fieberprozess läuft. Die Mayo Clinic nennt diese Erschöpfung ausdrücklich als Folge schlechten Schlafs.
Der Name Heuschnupfen stammt aus einer Zeit, in der man die Pollenkrankheit mit fieberhaften Infekten in einen Topf warf. Merck und die Fachgesellschaften betonen, dass weder Heu nötig ist noch Fieber dazugehört. Wer sich „fieberig“ fühlt, ohne dass das Thermometer 38,0 °C zeigt, hat oft ein Unwohlsein durch verstopfte Nase, Kopfdruck und Schlafmangel. Das ist unangenehm, aber kein Fieber im medizinischen Sinn.
Schwere Arzneimittelreaktionen wie DRESS sind eine andere Klasse. Dort können Fieber, Ausschlag und Organbeteiligung zusammenkommen, Wochen nach einem neuen Medikament. Das ist eine verzögerte T-Zell-Antwort, kein saisonaler Heuschnupfen. Wer nach einem neuen Wirkstoff Fieber plus flächigen Ausschlag bekommt, braucht umgehend ärztliche Klärung. Für Pollen, Hausstaubmilben und Katzenhaut gilt die alte Regel weiter: die Allergie selbst heizt den Körperkern nicht auf.

Woran erkennt man Heuschnupfen statt einer Erkältung?
Heuschnupfen beginnt oft Minuten nach dem Kontakt mit dem Allergen und hält an, solange die Belastung bleibt. Eine Erkältung braucht nach der Mayo Clinic ein bis drei Tage Inkubationszeit und dauert bei Erwachsenen meist drei bis zehn Tage, ein Husten kann länger nachziehen. Juckende, tränende Augen und Jucken in Nase oder Gaumen sprechen stark für Allergie. Halsschmerzen und produktiver Husten gehören eher zum Virus. Fieber kommt bei Allergie praktisch nicht vor, bei einer Erkältung gelegentlich, meist niedrig.
Die Mayo-Tabelle zum Heuschnupfen beschreibt den Nasenfluss als dünn und wässrig. Bei einem grippalen Infekt kann das Sekret dicker und gelblich werden. Allergische Ringe unter den Augen und eine Querfalte über der Nasenspitze sieht man vor allem bei Kindern mit langer allergischer Nase. Wer jedes Jahr zur selben Pollenzeit dieselben Beschwerden hat und sich dazwischen wohlfühlt, hat ein saisonales Muster. Eine Erkältung folgt Kontakten, nicht dem Birkenkalender.
Müdigkeit allein trennt die Diagnosen nicht. Beide können den Schlaf rauben. Körperschmerzen und Schüttelfrost fehlen bei der Allergie laut Mayo-Vergleich nahezu immer. Tritt beides auf, ist ein Virus wahrscheinlicher als Ambrosia oder Birke. Nach dem Ende der Allergenexposition klingen Reizungen oft innerhalb eines oder zweier Tage ab. Ein Virus braucht seinen eigenen Verlauf, unabhängig davon, ob draußen noch Pollen fliegen.
- Juckreiz an Augen, Nase oder Gaumen spricht für Allergie, selten für einen einfachen Schnupfen.
- Dünnes, klares Sekret passt zu Heuschnupfen, dickes oder eitriges Sekret eher zu einem Infekt.
- Beschwerden, die mit dem Verlassen des Allergens enden, sind allergisch und nicht ansteckend.
- Halsschmerzen plus Husten ohne Jucken machen eine virale Ursache wahrscheinlicher als Pollen allein.
Ein Allergologe kann mit Pricktest oder spezifischem IgE den Auslöser benennen. Das ersetzt nicht das Thermometer. Ein positiver Hauttest erklärt Niesen, erklärt aber kein Fieber. Dann muss parallel nach einem Infekt gesucht werden.
Wie unterscheiden sich Grippe, COVID-19 und Allergie?
Grippe beginnt nach Angaben der US-Seuchenschutzbehörde CDC meist plötzlich mit Fieber oder Fiebergefühl, Gliederschmerzen, Kopfschmerz und starker Erschöpfung. Nicht jeder Grippekranke hat Fieber, aber es ist häufig und hält oft drei bis vier Tage. Die Erkältung startet schleichender, bleibt milder und macht selten Fieber. COVID-19 kann Fieber mitbringen, muss es aber nicht. Die Mayo Clinic listet im Oktober 2025 für saisonale Allergie Fieber und Muskelkater als „nie“. Damit ist das Thermometer eines der wenigen harten Trennzeichen.
Der Beginn hilft weiter. Allergiesymptome folgen der Exposition sofort. Grippezeichen erscheinen etwa ein bis vier Tage nach dem Kontakt mit Influenzaviren. COVID-19 kann zwei bis vierzehn Tage brauchen. Neue Geschmacks- oder Geruchsstörung ohne verstopfte Nase spricht eher für COVID-19 als für Heuschnupfen. Juckende Augen und Niesattacken bleiben das allergische Markenzeichen. Kurzatmigkeit gehört nicht zum unkomplizierten Heuschnupfen, außer ein bestehendes Asthma wird durch Pollen angestoßen.
| Merkmal | Allergie | Erkältung | Grippe | COVID-19 |
|---|---|---|---|---|
| Fieber | nie | selten | häufig | manchmal |
| Juckende Augen oder Nase | häufig | selten | selten | manchmal |
| Gliederschmerzen | nie | selten | häufig | manchmal |
| Beginn nach Auslöser | Minuten | 1–3 Tage | 1–4 Tage, oft abrupt | 2–14 Tage |
| Typische Dauer | solange das Allergen da ist | 3–10 Tage | wenige Tage bis unter 2 Wochen | variabel, oft länger |
Die Tabelle folgt dem Mayo-Vergleich 2025 und den CDC-Seiten zu Grippezeichen (Stand 26. August 2024). Zahlen sind Orientierung, kein Ersatz für einen Abstrich. Weil sich die Bilder überlappen, rät die Mayo Clinic bei COVID-Verdacht zum zeitnahen Test. Man kann Allergie und Virus gleichzeitig haben. Dann bleiben juckende Augen allergisch erklärbar, während Fieber und Gliederschmerzen den Infekt markieren.
Impfungen gegen Grippe und COVID-19 senken das Risiko schwerer Verläufe. Sie ändern nichts an der Pollenantwort. Wer im Frühling niest und 38,5 °C misst, sollte nicht nur das Antihistaminikum erhöhen, sondern den Infekt ernst nehmen, besonders bei Asthma, Schwangerschaft, Alter über 65 Jahren oder geschwächter Abwehr.
Was bedeutet Fieber bei bekannten Allergien?
Fieber bei bekannter Allergie bedeutet fast immer einen zweiten Prozess. Die Allergie erklärt Niesen und Jucken weiter, das Fieber braucht eine eigene Ursache. Häufig sind Rhinoviren, Influenza, SARS-CoV-2 oder eine entzündete Nebenhöhle. Selten steckt eine Mittelohrentzündung dahinter, vor allem bei Kindern, bei denen die Mayo Clinic Heuschnupfen als Risikofaktor für Otitis media nennt. Das Fieber entsteht durch den Erreger, nicht durch Pollen oder Milben.
Ein subjektives Hitzegefühl ohne gemessene 38,0 °C ist kein Fieber. Raumluft, Sport, hormonelle Schwankungen und abschwellende Mittel können das Gesicht röten. Wer unsicher ist, misst oral oder im Ohr nach der Anleitung des Geräts und wiederholt die Messung. Bleibt der Wert hoch und kommen Schüttelfrost, starke Gliederschmerzen oder ein plötzlicher Krankheitsknick hinzu, verschiebt sich das Bild weg vom Heuschnupfen.
Manchmal folgt das Fieber erst nach Tagen verstopfter Nase. Dann kann eine virale Rhinosinusitis begonnen haben. Die HNO-Leitlinie der American Academy of Otolaryngology von Juli 2025 erinnert, dass Fieber in den ersten Krankheitstagen bei viralen Nebenhöhlenentzündungen vorkommt und allein keine Bakterien beweist. Sensitivität und Spezifität liegen nur bei etwa 50 Prozent. Eitriges Sekret plus Gesichtsschmerz plus verstopfte Nase über mindestens zehn Tage ohne Besserung oder ein zweigipfliger Verlauf nach kurzer Erholung wiegen schwerer als die Gradzahl allein.
Antibiotika behandeln keine Allergie und auch die meisten viralen Sinusitiden nicht. Wer Fieber hat und Allergietabletten schluckt, behandelt höchstens den Juckreiz. Das Fieber braucht Ruhe, Flüssigkeit und bei Bedarf ein fiebersenkendes Mittel nach Beipackzettel, plus ärztliche Einschätzung, wenn Warnzeichen dazukommen. Ein höher dosiertes Kortison-Nasenspray senkt die Temperatur nicht.
Kann eine Allergie eine Nebenhöhlenentzündung auslösen?
Länger anhaltende allergische Schwellung kann den Abfluss der Nasennebenhöhlen behindern und das Risiko für eine Sinusitis erhöhen. Die Mayo Clinic führt Sinusitis unter den Begleitproblemen des Heuschnupfens. Auslöser der Infektion bleiben Viren oder seltener Bakterien, nicht das Allergen. Fieber in dieser Lage gehört zur Entzündung der Schleimhaut, nicht zur IgE-Antwort. Wer nur juckt und niest, hat noch keine Nebenhöhlenentzündung.
Die aktualisierte Erwachsenenleitlinie der AAO-HNS (Payne und Kollegen, 31. Juli 2025) definiert akute Rhinosinusitis über eitriges Nasensekret plus verstopfte Nase oder Gesichtsschmerz, höchstens vier Wochen. Bakteriell gilt sie, wenn diese Zeichen mindestens zehn Tage ohne Besserung anhalten oder sich innerhalb von zehn Tagen nach kurzer Erholung erneut verschlechtern. Isoliertes Fieber reicht nicht. Hohes Fieber über 39 °C plus eitriges Sekret über drei bis vier Tage am Anfang werten andere Gruppen, etwa die Infectious Diseases Society of America, als schwere Präsentation. Die HNO-Aktualisierung 2025 hält die Evidenz für einen eigenen schweren Pfad für unzureichend, erwähnt diese Schwelle aber als Praxis anderer Leitlinien.
Neu gegenüber älteren Texten ist die Rangfolge der Therapie. Für unkomplizierte bakterielle Rhinosinusitis bei sonst gesunden Erwachsenen soll zuerst abgewartet werden, wenn eine Kontrolle gesichert ist. Die Beobachtungszeit nach der Diagnose liegt bei drei bis fünf Tagen, kürzer als die früheren sieben Tage. Schmerzmittel, nasales Kortison und Kochsalzspülung können Symptome lindern. Antibiotika bleiben Option bei Komplikationen, Abwehrschwäche oder fehlender Besserung. Wer Allergie und Sinusitis verwechselt, landet leicht bei einem unnötigen Antibiotikum.
Gesichtsödem, Sehstörung, steifer Nacken, Verwirrtheit oder einseitig starker Schmerz sprengen das unkomplizierte Bild. Dann zählt der Notfallweg, nicht das nächste Antihistaminikum. Chronische Beschwerden über zwölf Wochen mit eitrigem Sekret, verlegter Nase, Druck und Riechstörung plus nachweisbarer Entzündung gehören zum HNO-Arzt, nicht in die Selbstzuordnung „nur Pollen“.

Welche Tests klären Allergie und Infekt?
Die Diagnose allergischer Rhinitis stützt sich zuerst auf Verlauf, Auslöser und Untersuchung. Die American Academy of Allergy, Asthma & Immunology beschreibt Jucken in Nase, Gaumen, Augen, Niesen, verstopfte und laufende Nase sowie dunkle Augenringe. Ein Ansprechen auf nasales Kortison stützt den Verdacht. Bildgebung ist laut StatPearls kein Routineinstrument für die Allergie, sondern dient dem Ausschluss anderer Nasenleiden.
Hauttests bleiben der empfindlichere und oft günstigere Weg, den Auslöser zu benennen. Ein Tropfen Allergenextrakt wird in die Haut geprickt. Eine Quaddel innerhalb von zehn bis zwanzig Minuten spricht für spezifisches IgE an der Mastzelle. Bluttests auf allergenspezifisches IgE ersetzen den Prick, wenn die Haut nicht testbar ist, Antihistaminika nicht pausiert werden können oder ein hohes Anaphylaxierisiko besteht. Der ältere Begriff RAST bezeichnet ein überholtes Verfahren. Heute spricht man von spezifischem IgE, nicht mehr von Radio-Allergo-Sorbent.
Ein Infekt braucht andere Werkzeuge. Grippe und COVID-19 lassen sich mit Abstrichen nachweisen, wenn das klinische Bild unklar bleibt. Fieber, plötzlicher Beginn und Kontaktanamnese rechtfertigen den Test eher als juckende Augen allein. Laborwerte wie CRP helfen, eine bakterielle Lage zu erwägen, ersetzen aber nicht den Zeitverlauf der Sinusitisleitlinie. Wer nur „Allergie ausschließen“ will und dabei das Fieber ignoriert, verpasst den Infekt.
Kontraindikationen des Hauttests nennt StatPearls klar. Unkontrolliertes Asthma, instabile Herzlage, Schwangerschaft und Betablocker verschieben den Prick oft auf später oder aufs Blut. H2-Blocker, bestimmte Antidepressiva und Omalizumab können die Hautantwort dämpfen. Deshalb gehört die Testplanung in die allergologische Sprechstunde, nicht in ein Schnellset ohne Anamnese.
Welche Behandlung rät die aktuelle Leitlinie?
Nasale Kortikosteroide bleiben eine tragende Säule gegen Schwellung, Niesen, Jucken und Fluss. Die ARIA-EAACI-Revision 2024–2025 rückt die feste Kombination aus nasalem H1-Antihistaminikum und nasalem Kortison vor die jeweilige Monotherapie. Ältere Texte und StatPearls 2023 nannten das Kortison-Spray allein als Erstlinie. Die neue GRADE-Empfehlung ändert die Richtung, bleibt aber eine Suggestion und verlangt individuelle Abwägung von Schwere, Vorlieben und Kosten. Orale Antihistaminika der zweiten Generation eignen sich für Jucken und Niesen, weniger zuverlässig für die blockierte Nase.
Abschwellende Nasensprays dürfen laut MedlinePlus (Prüfung 20. Januar 2026) nicht länger als drei Tage benutzt werden. Längerer Gebrauch kann eine Rebound-Schwellung auslösen, die Rhinitis medicamentosa. Orale Abschwellmittel können Blutdruck und Schlaf stören. Menschen mit Bluthochdruck, Prostatavergrößerung oder bestimmten Antidepressiva sollen sie nur nach Rücksprache nehmen. Leukotrienhemmer wie Montelukast sind schwächer als nasales Kortison. MedlinePlus warnt vor Stimmungsänderungen. Wer Angst oder Depression in der Vorgeschichte hat, spricht das vor dem Start an.
Kochsalzspülungen können Pollen und Schleim auswaschen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA verlangt dafür destilliertes, steriles oder abgekochtes und abgekühltes Wasser, drei bis fünf Minuten kochen, dann lauwarm verwenden, höchstens 24 Stunden im geschlossenen Gefäß lagern. Leitungswasser gehört nicht in die Nase, weil seltene Amöben und Bakterien die Magensäure überleben, in den Nasengängen aber Infektionen auslösen können. Geräte nach jedem Gebrauch reinigen und trocknen. Bei Fieber, Nasenbluten oder zunehmendem Kopfschmerz unter der Spülung die Praxis aufsuchen.
- Nasales Kortison oder die feste Kombi mit Antihistaminikum regelmäßig nutzen, nicht nur bei Bedarf am schlimmsten Tag.
- Orale Antihistaminika der zweiten Generation für Jucken wählen und erste Generation wegen Müdigkeit meiden, wenn Autofahren ansteht.
- Abschwellendes Spray nach höchstens drei Tagen absetzen, damit die Schleimhaut nicht abhängig schwillt.
- Spülung nur mit geeignetem Wasser ansetzen und das Gerät vollständig trocknen lassen.
Spezifische Immuntherapie per Spritze oder Tablette unter der Zunge kann die Empfindlichkeit über Jahre senken. Die AAAAI nennt sie als belegte Option, wenn Meidung und Medikamente nicht reichen. Die erste Dosis der Unterzungentablette erfolgt unter Aufsicht, weil systemische Reaktionen möglich sind, wenn auch selten. Fieber nach einer Hyposensibilisierung ist kein typisches Heuschnupfen-Zeichen, sondern Anlass, die Praxis zu informieren. Eine Heilung im Sinn eines dauerhaften Verschwindens jeder Sensibilisierung verspricht keine Leitlinie.
Wann zum Arzt und wann in die Notaufnahme?
Ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn Allergiemittel nicht greifen, Nebenwirkungen stören oder Asthma, Nasenpolypen oder häufige Sinusitiden dazukommen. Die Mayo Clinic rät genau dazu, weil viele Betroffene, vor allem Kinder, Beschwerden lange hinnehmen. Fieber mit allergieähnlicher Nase gehört in dieselbe Schublade. Der Infekt oder die Komplikation muss benannt werden, bevor man nur die Pollentherapie hochfährt. Hausarzt oder Allergologe können Test, Abstrich und die Frage nach Antibiotika oder abwartendem Beobachten sortieren.
Die CDC-Liste zu Grippekomplikationen übersetzt sich auf jedes hohe Fieber mit Atemwegsbild. Bei Erwachsenen zählen Atemnot, anhaltender Brust- oder Bauchschmerz, Verwirrtheit, Krampfanfall, fehlendes Wasserlassen, schwere Muskelschmerzen und ein Verlauf, der sich nach kurzer Besserung wieder verschlechtert. Bei Kindern kommen schnelle Atmung, bläuliche Lippen, eingezogene Rippen, fehlende Tränen, kein Urin über acht Stunden und Fieber über 40 °C hinzu, das fiebersenkende Mittel nicht senken. Säuglinge unter zwölf Wochen mit jedem Fieber brauchen sofort eine medizinische Stelle. In Deutschland ist der Notruf 112 der richtige Weg bei Luftnot, Bewusstseinsstörung oder Verdacht auf schwere systemische Reaktion.
Allergische Augen allein sind kein Notfall, solange das Sehen klar bleibt. Gesichtsschwellung mit Atemgeräusch, pfeifender Brust oder einem Blutdruckabfall nach Insekt, Nahrung oder Arzneimittel ist Anaphylaxie und gehört in den Rettungswagen, nicht in die Warteschleife der Allergiesaison. Fieber ist dabei kein Leitzeichen. Umgekehrt macht hohes Fieber ohne Jucken und ohne Allergenkontakt die Allergie unwahrscheinlich.
Eltern sollten bei Kindern nicht nur den Pollenflug prüfen. Mittelohrdruck, nächtlicher Husten und Fieber können Otitis oder einen Virus markieren. Ein Kind, das nicht mehr spielt, schlecht trinkt oder nach Besserung erneut fiebert, braucht denselben Tag eine ärztliche Einschätzung. Das Antihistaminikum der Elternhausapotheke ersetzt diese Prüfung nicht.
Häufige Fragen
Können Allergien Fieber verursachen?
Nein, typische Atemwegsallergien wie Heuschnupfen verursachen kein echtes Fieber. Die Mayo Clinic, die Cleveland Clinic und das ACAAI formulieren das übereinstimmend. Gemessene 38,0 °C oder mehr sollen als Infekt oder Komplikation gelesen werden, auch in der Pollensaison.
Warum heißt es dann Heuschnupfen, wenn kein Fieber da ist?
Der Name ist historisch und irreführend. Weder Heu noch Fieber sind nötig. Gemeint ist die allergische Rhinitis auf Pollen, die sich anfühlt wie ein fieberhafter Infekt, ohne die Temperatur zu heben.
Wie erkenne ich Allergie und COVID-19 auseinander?
Juckende Augen und Niesattacken ohne Fieber sprechen für Allergie. Fieber, Gliederschmerzen und neue Geschmacksstörung ohne verstopfte Nase sprechen eher für COVID-19. Die Mayo Clinic rät bei Unsicherheit zum Test, weil sich die übrigen Zeichen überlappen.
Kann eine Allergie eine Nebenhöhlenentzündung mit Fieber auslösen?
Die allergische Schwellung kann den Abfluss stören und eine Sinusitis begünstigen. Fieber stammt dann von Virus oder Bakterium. Die AAO-HNS-Leitlinie 2025 stützt die bakterielle Diagnose auf zehn Tage ohne Besserung oder auf den zweigipfligen Verlauf, nicht auf Fieber allein.
Hilft ein Antibiotikum, wenn ich Allergie und Fieber habe?
Antibiotika wirken nicht gegen Allergene und nicht gegen die meisten Viren. Bei unkomplizierter bakterieller Sinusitis empfiehlt die Aktualisierung 2025 zuerst abzuwarten, sofern Kontrolle möglich ist. Über die Gabe entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach Zeitverlauf und Warnzeichen.
Ab welcher Temperatur sollte ich zur Praxis?
Ab 38,0 °C mit neuem Krankheitsgefühl lohnt der Anruf, besonders bei Asthma, Schwangerschaft, Alter oder Abwehrschwäche. Fieber über 40 °C bei Kindern, jedes Fieber bei Säuglingen unter zwölf Wochen und Atemnot sind dringlich. Die CDC-Schwellen gelten unabhängig davon, ob gerade Pollen fliegen.
Fazit
Wer niest und juckt, hat sehr oft eine Allergie. Wer dazu 38,0 °C oder mehr misst, hat sehr oft einen Infekt. Seit 2018 gehört COVID-19 fest in diese Trennung, und die Mayo-Tabelle von 2025 lässt bei saisonaler Allergie kein Fieber mehr als Randphänomen durch. Die Allergie kann eine Nebenhöhle verlegen. Das Fieber schreibt trotzdem der Erreger, und die HNO-Leitlinie 2025 bremst den frühen Griff zum Antibiotikum.
Therapie der Nase folgt heute der ARIA-Revision 2024–2025. Die Kombination aus nasalem Antihistaminikum und Kortison steht vor der Monotherapie, Meidung und korrekt angesetzte Kochsalzspülung bleiben Alltagswerkzeug. Immuntherapie kommt infrage, wenn Medikamente nicht tragen. Keines dieser Mittel ersetzt den Abstrich oder die Fieberabklärung.
Morgen reicht ein Thermometer, ein Blick auf Pollenflug und Kontakte und die Frage nach Atemnot. Bleibt die Temperatur hoch oder kommt Luftnot, zählt die Praxis oder der Notruf 112. Bleibt sie normal und juckt es weiter, zählen Spray, Meidung und bei Bedarf der Allergologe, nicht die Angst vor einem „Allergiefieber“, das die Fachquellen so nicht kennen.
Quellen
- Mayo Clinic Staff: COVID-19, cold, allergies and the flu: What are the differences?. Mayo Clinic, 22. Oktober 2025.
- Mayo Clinic Staff: Hay fever – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 13. August 2024.
- CDC: Signs and Symptoms of Flu. Centers for Disease Control and Prevention, 26. August 2024.
- Cleveland Clinic: Allergic Rhinitis (Hay Fever). Cleveland Clinic, 21. September 2023.
- AAAAI: Hay Fever / Rhinitis. American Academy of Allergy, Asthma & Immunology, 16. Juli 2026.
- ACAAI: Hay Fever (Rhinitis) Symptoms and Treatment. American College of Allergy, Asthma & Immunology, Stand: 2025.
- Sousa-Pinto B, Bousquet J et al.: Allergic Rhinitis and Its Impact on Asthma (ARIA)-EAACI Guidelines-2024-2025 Revision: Part I-Guidelines on Intranasal Treatments. Allergy, 1. Dezember 2025.
- Payne SC, McKenna M et al.: Clinical Practice Guideline: Adult Sinusitis Update. Otolaryngology–Head and Neck Surgery, 31. Juli 2025.
- MedlinePlus: Allergic rhinitis. MedlinePlus, 20. Januar 2026.
- FDA: Is Rinsing Your Sinuses With Neti Pots Safe?. U.S. Food and Drug Administration, Stand: 2023.
- Akhouri S, House SA: Allergic Rhinitis. StatPearls, 16. Juli 2023.
