
Vardenafil (bekannt unter dem Markennamen Levitra und als Generikum) kann bei erektiler Dysfunktion eine für den Sex ausreichende Steifigkeit stützen, heilt die Störung aber nicht. Ohne sexuelle Erregung bleibt die Tablette wirkungslos, weil sie nur das körpereigene Signal über Stickstoffmonoxid und zyklisches Guanosinmonophosphat (cGMP) verlängert.
Die übliche Startmenge der Filmtablette liegt laut US-amerikanischer Fachinformation bei 10 mg, eingenommen etwa 60 Minuten vor dem Sex, höchstens einmal am Tag. Zusammen mit Nitraten oder dem Guanylatcyclase-Stimulator Riociguat (Adempas) ist das Mittel verboten, weil der Blutdruck gefährlich fallen kann. Eine Erektion länger als vier Stunden, plötzlicher Seh- oder Hörverlust und Brustschmerz gehören in die Notaufnahme, nicht in die Selbstbeobachtung über Nacht.
Erektionsprobleme sind oft ein Warnzeichen für Gefäßkrankheit. Die Leitlinie der American Urological Association von 2018, die als klinische Strategie weiter gilt, verlangt deshalb Anamnese, Untersuchung und ausgewählte Laborwerte, darunter morgendliches Testosteron, bevor jemand dauerhaft Tabletten schluckt. Online-Käufe ohne Gespräch über Herz, Nitrate und andere Medikamente umgehen genau diese Prüfung.
Wie wirkt Vardenafil im Penis?
Vardenafil hemmt das Enzym Phosphodiesterase Typ 5 (PDE-5) im Schwellkörper und lässt cGMP länger wirken, sobald sexuelle Reize Stickstoffmonoxid freisetzen. Fehlt dieser Reiz, entsteht keine Erektion, auch wenn die Tablette im Blut ist.
Die Fachinformation beschreibt den Ablauf so: Nervenenden und Endothel geben Stickstoffmonoxid ab, die Guanylatcyclase bildet cGMP, die glatte Muskulatur im Schwellkörper erschlafft, Arteriolen öffnen sich, Blut strömt ein. PDE-5 baut cGMP wieder ab und beendet den Vorgang. Der Hemmer verschiebt dieses Gleichgewicht zugunsten der Füllung, ersetzt aber weder Erregung noch Vorspiel.
Im Reagenzglas wirkt Vardenafil deutlich stärker auf PDE-5 als auf verwandte Enzyme. Gegen PDE-6, das in der Netzhaut an der Farbwahrnehmung beteiligt ist, bleibt mehr als das 15-Fache an Selektivität; gegenüber PDE-1 liegt der Abstand über dem 130-Fachen, gegenüber PDE-11 über dem 300-Fachen. Genau diese Restwirkung auf PDE-6 erklärt, warum manche Männer kurz einen Blaustich oder unsichere Unterscheidung von Blau und Grün bemerken.
Die absolute Bioverfügbarkeit beträgt etwa 15 Prozent. Nach 20 mg nüchtern liegt der Spiegelgipfel meist zwischen 30 Minuten und zwei Stunden, im Median bei einer Stunde. Etwa 95 Prozent des Wirkstoffs und seines Hauptmetaboliten M1 binden an Plasmaproteine. Die Halbwertszeit von Muttersubstanz und M1 liegt bei rund vier bis fünf Stunden. Ausgeschieden wird fast alles als Abbauprodukte mit dem Stuhl (etwa 91 bis 95 Prozent), nur ein kleiner Rest über den Urin.
M1 entsteht vor allem über CYP3A4, mit Beitrag von CYP3A5 und CYP2C. Der Metabolit trägt ungefähr sieben Prozent der pharmakologischen Wirkung. Deshalb steigern starke CYP3A4-Hemmer die Spiegel so kräftig, dass die Dosis sinken muss oder das Mittel in manchen Ländern ganz entfällt.
![[Vardenafil oder Levitra behandelt erektile Dysfunktion]](https://demedbook.com/images/1/uses-and-risks-of-vardenafil-or-levitra.jpg)
Wann setzt die Wirkung ein und wie lange hält sie?
Die Filmtablette soll nach dem FDA-Label und nach Mayo Clinic (Stand 1. August 2026) etwa eine Stunde vor dem Sex genommen werden; der Effekt reicht bei vielen Männern über mehrere Stunden, typischerweise in der Größenordnung von vier Stunden. Die britische Fachinformation erlaubt 25 bis 60 Minuten Vorlauf und nennt in einer RigiScan-Studie mit 20 mg bei einzelnen Männern bereits nach 15 Minuten eine für die Penetration ausreichende Steifigkeit, statistisch gegenüber Placebo ab 25 Minuten.
Fett verändert vor allem die Geschwindigkeit, nicht die Gesamtmenge. Zwei Nahrungsstudien im US-Label zeigten nach fettreicher Mahlzeit einen Abfall der Spitzenkonzentration um 18 bis 50 Prozent. Die britische SmPC beziffert bei 57 Prozent Fettanteil eine um eine Stunde spätere tmax und etwa 20 Prozent weniger Cmax, während die Fläche unter der Kurve gleich blieb. Eine Mahlzeit mit 30 Prozent Fett ließ Aufnahmezeit und Ausmaß unverändert. Wer also nach einem schweren Braten enttäuscht ist, hat oft kein „Versagen“ des Wirkstoffs, sondern einen verzögerten Gipfel.
Das Merck Manual (September 2024) setzt die Wirkdauer von Vardenafil und Sildenafil ebenfalls bei etwa vier Stunden an, Tadalafil dagegen bei 24 bis 36 Stunden. In den Zulassungsstudien blieb der Vorteil gegenüber Placebo bei den Männern, die vier bis fünf Stunden nach der Einnahme noch Verkehr versuchten, erhalten. Ein harter Stopp nach genau vier Stunden existiert damit nicht; die Chance sinkt mit dem fallenden Spiegel.
Alkohol in einer Studie mit 20 mg und 0,5 g/kg Körpergewicht (rund 40 ml reiner Alkohol bei 70 kg) verstärkte bei Gesunden den Blutdruckabfall nicht, und die Wirkstoffspiegel blieben unverändert. Trotzdem kann Alkohol selbst die Erektion erschweren. Grapefruit und Grapefruitsaft sollen entfallen, weil sie CYP3A4 in der Darmwand hemmen und den Spiegel anheben können.
Welche Dosis und welche Tablettenform sind vorgesehen?
Für die meisten Erwachsenen beginnt die Filmtablette mit 10 mg; je nach Wirkung und Verträglichkeit darf sie auf 20 mg steigen oder auf 5 mg sinken, niemals öfter als einmal täglich. Sexualstimulation bleibt Voraussetzung. Filmtabletten gibt es als 2,5 mg, 5 mg, 10 mg und 20 mg.
Ab 65 Jahren liegen Cmax im Mittel 34 Prozent und die Fläche unter der Kurve 52 Prozent höher als bei 18- bis 45-Jährigen. Das FDA-Label rät deshalb, 5 mg als Start zu erwägen. Mayo Clinic nennt für diese Altersgruppe ausdrücklich 5 mg als übliche Einzelgabe. Die britische SmPC verlangt keine automatische Senkung, warnt aber, 20 mg würden ältere Männer oft schlechter vertragen: Kopfschmerz 16,2 gegen 11,8 Prozent, Schwindel 3,7 gegen 0,7 Prozent.
Bei mittelschwerer Leberstörung (Child-Pugh B) startet man mit 5 mg und bleibt bei höchstens 10 mg, weil Cmax und AUC nach 10 mg um 130 bzw. 160 Prozent stiegen. Schwere Leberstörung (Child-Pugh C) und Dialyse sind Ausschlussgründe, der Wirkstoff wurde dort nicht geprüft. Bei Kreatinin-Clearance 30 bis 80 ml/min braucht die Filmtablette in den USA meist keine Anpassung; unter 30 ml/min lag die AUC 20 bis 30 Prozent höher, die britische SmPC erwägt dort 5 mg als Start.
Die Schmelztablette (orodispergierbar, in den USA als Staxyn bekannt) gibt es nur als 10 mg. MedlinePlus und das US-Label betonen, sie sei nicht gegen 10 mg Filmtablette austauschbar, weil die systemische Belastung höher liegt. Sie gehört auf die Zunge, löst sich ohne Flüssigkeit und darf nicht durch die Folie gedrückt werden. Wer eine andere Stärke braucht, wechselt zur Filmtablette. Aspartam und Sorbitol in der Schmelzform betreffen Menschen mit Phenylketonurie oder Fruktoseintoleranz.
| Situation | Filmtablette laut FDA-Label (Stand 2026) |
|---|---|
| Übliche Startmenge | 10 mg etwa 60 Minuten vor dem Sex, höchstens einmal täglich |
| Höchstdosis | 20 mg |
| Alter ab 65 Jahren | Start mit 5 mg erwägen |
| Mittelschwere Leberstörung (Child-Pugh B) | Start 5 mg, höchstens 10 mg |
| Schwere Leberstörung oder Dialyse | nicht verwenden |
| Stabile Alpha-Blocker-Therapie | Start 5 mg |
| Ritonavir oder Cobicistat | höchstens 2,5 mg innerhalb von 72 Stunden |
So lässt sich die Einnahme konkret halten:
- Die Filmtablette darf mit oder ohne Essen geschluckt werden, ein sehr fettes Menü kann den Wirkeintritt jedoch um etwa eine Stunde verschieben.
- Die Schmelztablette liegt mit trockenen Händen auf der Zunge und wird ohne Getränk belassen, bis sie zergeht.
- Mehr als eine Dosis in 24 Stunden ist nicht vorgesehen; bei Ritonavir oder Cobicistat gilt ein noch längerer Abstand.
- Grapefruit und Grapefruitsaft bleiben während der Behandlung außen vor, weil sie den Abbau bremsen können.
Die Sicherheit einer Kombination mit anderen Erektionsmitteln ist nicht geprüft. Das Label rät davon ab, Filmtablette, Schmelztablette und etwa Alprostadil gleichzeitig zu stapeln.
Was zeigen Studien zum Nutzen?
In den vier großen Zulassungsstudien mit 2431 Männern (20 bis 83 Jahre, mittleres Alter 57) verbesserten 5, 10 und 20 mg den IIEF-Erektionsfunktionswert sowie die Fragen zur Penetration (SEP-2) und zum durchgehaltenen Verkehr (SEP-3) gegenüber Placebo. Der mittlere Ausgangswert der Erektionsdomäne lag bei 11,8 von 30 Punkten, also im schwereren Bereich.
In der nordamerikanischen Fest-Dosis-Studie stieg dieser Wert nach drei Monaten auf 18, 21 und 21 unter 5, 10 und 20 mg, unter Placebo auf 15. Eine Erektion, die für das Eindringen reichte, berichteten 65, 75 und 80 Prozent gegenüber 52 Prozent unter Placebo. Durchgehaltener Verkehr gelang bei 51, 64 und 65 Prozent gegenüber 32 Prozent. Die europäische Studie bestätigte das Muster; der Vorteil blieb in Nordamerika über sechs Monate erhalten.
Bei Diabetes (439 Männer) lagen SEP-2 bei 61 und 64 Prozent (10 und 20 mg) gegen 36 Prozent Placebo, SEP-3 bei 49 und 54 gegen 23 Prozent. Nach radikaler Prostatektomie (427 Männer) waren die Zahlen niedriger, aber weiter über Placebo: SEP-2 47 und 48 gegen 22 Prozent, SEP-3 37 und 34 gegen 10 Prozent. In einer flexiblen Dosisstudie nach Querschnittlähmung erreichten 53 Prozent wieder einen IIEF-Domänenwert von mindestens 26, unter Placebo 9 Prozent.
Die britische SmPC bündelt die breite Population so: erfolgreiche Penetration bei 68, 76 und 80 Prozent (5, 10, 20 mg) gegen 49 Prozent Placebo, durchgehaltener Verkehr bei 53, 63 und 65 gegen 29 Prozent. Untergruppen mit Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung oder ischämischer Herzkrankheit lagen in ähnlichen Bereichen, sofern Sex kardiologisch überhaupt erlaubt war.
Netzwerkanalysen nach 2018 ändern die Botschaft nicht ins „Wunder“, sie schärfen den Vergleich. Madeira und Kollegen werteten 2020 179 randomisierte Studien mit 50.620 Männern aus: alle PDE-5-Hemmer schlugen Placebo. Niedriges Sildenafil und Tadalafil rangierten oft vorn; Vardenafil neigte stärker zu verstopfter Nase, Sildenafil 100 mg stärker zu Sehstörungen. Pyrgidis und Kollegen fassten 2021 23 Reviews mit 154.796 Teilnehmenden zusammen und warnten, die Rangfolgen beruhten überwiegend auf indirekten Vergleichen. Die Evidenz zwischen den Wirkstoffen bleibt schwach, der Vorteil gegen Scheinbehandlung ist fest.
Welche Nebenwirkungen sind häufig?
Kopfschmerz ist die häufigste unerwünschte Wirkung und betrifft in den placebokontrollierten Zulassungsstudien 15 Prozent unter Vardenafil gegen 4 Prozent unter Placebo. Erröten (11 gegen 1 Prozent), Schnupfen oder Rhinitis (9 gegen 3), Sodbrennen (4 gegen 1) und Schwindel (2 gegen 1) folgen. Die Abbruchrate wegen Nebenwirkungen lag bei 3,4 gegen 1,1 Prozent.
Diese Beschwerden sind meist leicht bis mäßig und vorübergehend. Sie entstehen, weil PDE-5 nicht nur im Penis vorkommt: erweiterte Hautgefäße erklären die Röte im Gesicht, erweiterte Nasenschleimhaut den verstopften Atemweg, die glatte Muskulatur der Speiseröhre das Brennen. Die Häufigkeit von Kopfschmerz, Erröten, Dyspepsie, Übelkeit und Rhinitis stieg in den Studien mit 5, 10 und 20 mg an.
Über 4430 Männer (mittleres Alter 56) nahmen in kontrollierten und offenen Versuchen die Filmtablette; mehr als 2200 mindestens sechs Monate, 880 mindestens ein Jahr. Zählt man die Schmelztablette hinzu, sind es über 17.000 Exponierte. In dieser größeren Menge lag der Abbruch bei 1,9 gegen 0,8 Prozent. Seltener als 2 Prozent, aber im Label genannt, sind Herzklopfen, Angina, Blutdruckabfall, Sehstörungen mit Farbverschiebung, Tinnitus, Rückenschmerz und eine verlängerte Erektion.
Ältere Männer und solche mit vorbehandeltem Bluthochdruck berichten in der britischen SmPC etwas häufiger Schwindel. Wer nach der ersten Tablette unsicher auf den Beinen ist, sollte nicht Auto fahren, bis klar ist, wie der Körper reagiert. Vardenafil schützt nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen; Kondome bleiben Sache der Partner, nicht der Tablette.
Welche Warnzeichen brauchen sofort Hilfe?
Eine Erektion, die länger als vier Stunden bleibt, ist ein urologischer Notfall, auch wenn sie zuerst nicht stark schmerzt. Das Label unterscheidet die verlängerte Erektion von Priapismus (schmerzhafte Erektion über sechs Stunden). Ohne rasche Entlastung drohen Gewebeschaden und dauerhafter Potenzverlust. Männer mit Sichelzellkrankheit, multiplem Myelom, Leukämie oder einer Penisverformung (Peyronie, Abknickung, kavernöse Fibrose) tragen ein höheres Risiko.
Plötzlicher Sehverlust auf einem oder beiden Augen zwingt dazu, alle PDE-5-Hemmer zu stoppen und Hilfe zu holen. Dahinter kann eine nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION) stecken, eine seltene Durchblutungsstörung des Sehnervs. Die jährliche Hintergrundinzidenz bei Männern ab 50 Jahren liegt in der zitierten Literatur bei 2,5 bis 11,8 Fällen pro 100.000. Zwei Fall-Crossover-Studien fanden ein etwa zweifaches Risiko, wenn ein PDE-5-Hemmer in den letzten fünf Halbwertszeiten genommen wurde (Schätzer 2,15; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,06–4,34). Ein ursächlicher Beweis ist das nicht; die meisten Betroffenen hatten schon Gefäßrisiko oder eine „gedrängte“ Papille. Wer bereits eine NAION durchgemacht hat, trägt ein höheres Wiederholungsrisiko. Die EU-Fachinformation macht den Verlust eines Auges durch NAION zur Gegenanzeige, das FDA-Label zur strengen Vorsicht.
Plötzlicher Hörverlust, oft einseitig, manchmal mit Ohrgeräusch oder Schwindel, ist nach Markteinführung bei der ganzen Wirkstoffklasse gemeldet. Ob die Tablette, die Grunderkrankung oder beides dahintersteckt, bleibt offen. Trotzdem gilt: keine weitere Dosis, bis ein Arzt entschieden hat.
Brustschmerz, Enge, Luftnot, Ohnmacht oder ein unregelmäßiger Puls während oder nach dem Sex sind Alarmzeichen. Sex selbst belastet das Herz. Die AUA erinnert, dass Erektionsstörungen ein Risikomarker für Herz-Kreislauf-Krankheit sind; Cleveland Clinic (Stand 2023) nennt sie manchmal das erste fühlbare Zeichen. Jeder Arzt, der im Notfall Nitrate geben will, muss wissen, wann die letzte Tablette genommen wurde, weil ein sicheres Intervall für Kranke nicht festgelegt ist.
Selten berichtet die britische SmPC schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse) und eine zentrale seröse Chorioretinopathie. Blasen an Mund, Augen oder Genitale plus Fieber bedeuten Absetzen und Notfall. Allergische Schwellung von Gesicht, Zunge oder Atemweg ist ebenfalls ein Notfall.
Diese Liste gehört neben die Packung, nicht nur in den Beipackzettel:
- Eine Erektion über vier Stunden braucht sofort urologische Hilfe, nicht das Warten auf den nächsten Werktag.
- Plötzlicher Sehverlust oder ein dichter Schleier auf einem Auge beendet jede weitere PDE-5-Tablette.
- Plötzlicher Hörverlust, neu aufgetretenes Ohrgeräusch oder Drehschwindel gehören in dieselbe Kategorie.
- Brustschmerz, Ohnmacht oder ein neu unregelmäßiger Puls während des Sex sind ein Grund für den Notruf.
- Schwellung von Lippen, Zunge oder Atemweg sowie flächige Hautblasen mit Fieber sind allergische oder toxische Notfälle.
![[Levitra]](https://demedbook.com/images/1/uses-and-risks-of-vardenafil-or-levitra_2.jpg)
Mit welchen Mitteln darf man Vardenafil nicht kombinieren?
Nitrate in jeder Form (Tabletten, Spray, Pflaster, Salbe, Poppers mit Amyl- oder Butylnitrit) und Guanylatcyclase-Stimulatoren wie Riociguat bleiben absolute Gegenanzeigen. Ältere Laienartikel sortierten Riociguat noch unter „Nitrate“; pharmakologisch ist es ein eigener Weg auf dasselbe cGMP-System, klinisch dieselbe Gefahr des Blutdrucksturzes. Nicorandil trägt einen Nitratanteil und gilt in der britischen SmPC ebenfalls als riskante Kombination.
In einer Pharmakologiestudie verstärkte 20 mg Vardenafil den Blutdruckabfall von 0,4 mg Nitroglycerin unter der Zunge, wenn das Nitrat eine oder vier Stunden später kam; die Herzfrequenz blieb bis acht Stunden mitbeeinflusst. Nach 24 Stunden sah man diesen Zusatz bei Gesunden nicht mehr. Für Männer mit koronarer Krankheit, die Nitrate wirklich brauchen, ist ein sicheres Fenster trotzdem nicht bestimmt. Deshalb bleibt die Kombination verboten.
Starke CYP3A4-Hemmer heben die Spiegel dramatisch. Ritonavir 600 mg zweimal täglich steigerte die AUC um das 49-Fache und Cmax um das 13-Fache, die Halbwertszeit auf 26 Stunden; höchstens 2,5 mg in 72 Stunden. Cobicistat folgt derselben 72-Stunden-Regel. Indinavir, Saquinavir, Atazanavir, Clarithromycin sowie Ketoconazol oder Itraconazol 400 mg täglich: höchstens 2,5 mg in 24 Stunden. Ketoconazol oder Itraconazol 200 mg und Erythromycin: höchstens 5 mg in 24 Stunden. Die EU zieht die Schraube enger: HIV-Proteasehemmer sind dort Gegenanzeigen, orales Ketoconazol oder Itraconazol bei Männern über 75 Jahren ebenfalls.
Alpha-Blocker (Tamsulosin, Terazosin, Alfuzosin, Doxazosin) erweitern Gefäße wie PDE-5-Hemmer. Nur wer auf seinem Alpha-Blocker stabil eingestellt ist, soll Vardenafil beginnen, und zwar mit 5 mg. Mit Tamsulosin oder Alfuzosin darf die Filmtablette zeitlich zusammenfallen; bei Terazosin und ähnlichen Mitteln empfiehlt das Label einen Abstand, weil gleichzeitige Spitzen den Stehdruck stärker senken. Das Merck Manual rät allgemein, nach einem Alpha-Blocker mindestens vier Stunden zu warten. Beide Aussagen zielen auf dasselbe: nicht zwei Gefäßerweiterer ungeplant auf denselben Tiefpunkt legen.
Klasse-IA-Antiarrhythmika (Chinidin, Procainamid) und Klasse-III-Mittel (Amiodaron, Sotalol) sowie ein angeborenes Long-QT-Syndrom sprechen gegen Vardenafil. Zehn Milligramm verlängerten QTc nach Fridericia um 8 ms, 80 mg um 10 ms, vergleichbar mit Moxifloxacin 400 mg. Zusammen mit Gatifloxacin 400 mg addierte sich der Effekt auf etwa 9 ms. Die klinische Bedeutung dieser Millisekunden ist unklar, das Risiko bei vorgeschädigter Erregungsleitung aber nicht vernachlässigbar.
Johanniskraut kann den Abbau beschleunigen; MedlinePlus verlangt, das vor dem Start zu nennen. Andere Erektionsmittel, starke Blutdrucksenker und neue Rezepte gehören auf dieselbe Liste, die der Mann zum Arzt mitnimmt.
Wer sollte Vardenafil nicht einnehmen?
Wer Nitrate oder Riociguat nimmt, wer nach NAION auf einem Auge blind geworden ist (EU-Label), wer eine schwere Leberstörung, Dialysepflicht, Ruheblutdruck unter 90/50 mmHg, eine instabile Angina oder in den letzten sechs Monaten Schlaganfall, lebensbedrohliche Rhythmusstörung oder Herzinfarkt hatte, soll das Mittel nicht bekommen, bis belastbare Daten vorliegen. Gleiches gilt für bekannte erbliche Netzhautdegeneration wie Retinitis pigmentosa und für Männer, denen der Arzt Sex aus kardialen Gründen verbietet.
Unkontrollierter Bluthochdruck über 170/110 mmHg, schwere Herzinsuffizienz und eine Ausflussbehinderung der linken Kammer (Aortenstenose, hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie) machen Vasodilatatoren unberechenbar. Blutungsleiden und aktive Magengeschwüre sind nicht systematisch geprüft; hier zählt eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung. Vardenafil allein bis 20 mg verlängerte die Blutungszeit nicht und verstärkte Acetylsalicylsäure in den geprüften Dosen nicht.
Die AUA-Leitlinie verlangt mehr als ein Rezept. Sie rät zu ausführlicher sexueller und psychosozialer Anamnese, körperlicher Untersuchung, Fragebögen und morgendlichem Gesamttestosteron. Lebensstil (Bewegung, Gewicht, Rauchstopp) kann die Erektion mitverbessern und senkt das Herzrisiko unabhängig von der Tablette. Bei nachgewiesenem Testosteronmangel kann die Kombination aus PDE-5-Hemmer und Testosteron wirksamer sein als der Hemmer allein; das ist eine moderate Empfehlung mit schwächerer Evidenz, kein Automatismus.
Nach radikaler Prostatektomie oder Bestrahlung soll der Arzt sagen, dass ein früher Start mit PDE-5-Hemmern die spätere ununterstützte Erektion nicht zuverlässig rettet. Der Nutzen in den Zulassungsstudien war ein unterstützter Verkehr unter Tablette, kein Regenerationsversprechen. Jüngere Männer mit neu aufgetretenen, gefäßbedingten Erektionsproblemen gehören laut Merck Manual zum Kardiologen, weil die Störung einem Infarkt um Jahre vorausgehen kann.
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben keine zugelassene Indikation. Frauen sollen das Mittel nicht nehmen. Es verhindert weder Schwangerschaft noch HIV-Übertragung.
Wie unterscheidet sich Vardenafil von Sildenafil und Tadalafil?
Alle vier in EU und USA zugelassenen PDE-5-Hemmer (Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil, Avanafil) wirken über dasselbe Enzym und brauchen Erregung. Die Wahl hängt von Zeitpunkt, Dauer, Mahlzeit, Begleitmedikamenten und Verträglichkeit ab, nicht von einem geheimen Wirkvorsprung. Das Merck Manual nennt in Vergleichsstudien eine ähnliche Ansprechrate von etwa 60 bis 75 Prozent.
Sildenafil und Vardenafil teilen den kürzeren Horizont von rund vier Stunden und die Empfindlichkeit gegenüber fettreichem Essen. Tadalafil wirkt deutlich länger und lässt sich in niedriger Dosis täglich geben, was bei häufigem Sex oder gleichzeitigem Prostata-Beschwerdebild genutzt wird. Avanafil kann laut Merck-Tabelle schon nach etwa 30 Minuten greifen, verträgt Fett aber ebenfalls schlecht. Blaustich und Farbunsicherheit treten eher bei Sildenafil und Vardenafil auf, Muskel- und Rückenschmerz eher bei Tadalafil.
Die Netzwerk-Metaanalyse von 2020 rückte niedrig dosiertes Sildenafil und Tadalafil in der Rangfolge nach vorn und verknüpfte Vardenafil stärker mit nasaler Kongestion. Die Übersicht von 2021 relativiert solche Ranglisten: fast alle direkten Wirkstoff-gegen-Wirkstoff-Vergleiche fehlen oder sind klein. Wer von Sildenafil auf Vardenafil wechselt, weil ihm Sehstörungen zu sehr stören, oder umgekehrt wegen Schnupfen, folgt damit eher der Nebenwirkungsbilanz als einem Beleg für höhere Potenz.
Ein älterer Faustregelvergleich „10 mg Vardenafil entsprechen 50 mg Sildenafil“ steht in den aktuellen Labels so nicht. Die Moleküle, die Bioverfügbarkeit und die Hemmprofile unterscheiden sich; titriert wird nach Effekt und Nebenwirkung, nicht nach Milligramm-Gleichung. Kosten, Verfügbarkeit von Generika und die Frage, ob jemand eine Schmelztablette ohne Wasser braucht, entscheiden im Alltag oft mehr als feine Unterschiede in tmax.
Zwei praktische Unterschiede bleiben vardenafil-spezifisch. Erstens die QTc-Daten und die Warnung vor Klasse-IA- und Klasse-III-Antiarrhythmika, die bei den Geschwisterstoffen nicht in derselben Schärfe im Vordergrund stehen. Zweitens die Schmelztablette, die mehr Wirkstoff ins Blut bringt als 10 mg Film und deshalb nicht 1:1 ersetzt werden darf.
Häufige Fragen
Wie schnell wirkt Vardenafil nach dem Schlucken?
Meist innerhalb einer Stunde, bei manchen Männern früher, besonders nüchtern. Die britische RigiScan-Arbeit sah einzelne ausreichende Steifigkeiten nach 15 Minuten, den statistischen Vorsprung gegen Placebo ab 25 Minuten. Ein fettreiches Essen kann denselben Gipfel um etwa eine Stunde nach hinten schieben.
Darf ich Vardenafil mit einer Mahlzeit nehmen?
Ja, Film- und Schmelztablette dürfen mit oder ohne Essen genommen werden. Eine sehr fettreiche Mahlzeit senkt die Spitzenkonzentration und verzögert den Eintritt, ändert die Gesamtmenge im Blut aber kaum. Wer den Effekt zuverlässig zur geplanten Zeit will, lässt das schwere Menü besser Abstand halten.
Ist Alkohol zusammen mit Vardenafil gefährlich?
In einer Studie mit 20 mg und einer mittleren Alkoholmenge verstärkte der Wirkstoff den Blutdruckabfall bei Gesunden nicht. Alkohol selbst kann die Erektion schwächen und Schwindel verstärken. Wer trinkt, sollte das Maß klein halten und nach der ersten Kombination prüfen, wie stabil er steht.
Ist die Schmelztablette dasselbe wie eine 10-mg-Levitra-Filmtablette?
Nein. Die Schmelzform liefert eine höhere systemische Belastung und darf nicht 1:1 gegen die Filmtablette getauscht werden. Sie löst sich ohne Flüssigkeit auf der Zunge; andere Stärken gibt es nur als Film. Apotheke und Arzt müssen die verordnete Form liefern, nicht „irgendein Vardenafil 10 mg“.
Was tun, wenn die Erektion länger als vier Stunden bleibt?
Sofort notfallmäßig vorstellen, auch nachts. Je länger der Priapismus dauert, desto höher das Risiko für bleibenden Schaden am Schwellkörper. Keine weitere Tablette, kein weiterer Versuch, die Erektion „auszuharren“.
Hilft Vardenafil, wenn ich nicht erregt bin?
Nein. Der Hemmer verlängert nur das cGMP, das nach sexueller Stimulation entsteht. Ohne dieses Signal bleibt der Schwellkörper schlaff. Das Mittel steigert weder die Lust noch heilt es die Ursache der Erektionsstörung.
Fazit
Vardenafil bleibt ein wirksamer, gut untersuchter PDE-5-Hemmer für Männer, denen Sex kardiologisch erlaubt ist und die keine Nitrate oder Riociguat brauchen. Der Nutzen gegen Placebo ist in Zulassung und späteren Netzwerkanalysen belegt; ein Automatismus, dass ausgerechnet dieser Wirkstoff besser sei als Sildenafil oder Tadalafil, folgt daraus nicht. Dosis, Mahlzeit, Alter, Leber und Begleitmedikamente entscheiden, ob 5, 10 oder 20 mg der Filmtablette oder die nicht austauschbare 10-mg-Schmelzform sinnvoll sind.
Vor der ersten Packung gehört die Medikamentenliste auf den Tisch, ausdrücklich Nitrate, Poppers, Riociguat, HIV-Mittel, Azolantimykotika, Makrolide, Alpha-Blocker und Antiarrhythmika. Wer online bestellt, ohne Herz, Augen und Niere zu erwähnen, umgeht genau die Prüfung, die AUA und Fachinformationen verlangen. Erektionsprobleme können das erste Zeichen einer Gefäßkrankheit sein; die Tablette ersetzt diese Abklärung nicht.
Liegt die Verordnung vor, gilt eine klare Hausregel: eine Dosis pro Tag, Erregung nicht erzwingen, bei Erektion über vier Stunden oder plötzlichem Seh- oder Hörverlust sofort Hilfe holen und den Zeitpunkt der letzten Einnahme nennen. So bleibt der mögliche Nutzen im Rahmen dessen, was die Studien tatsächlich zeigen.
Quellen
- National Library of Medicine: Label: VARDENAFIL HYDROCHLORIDE tablet. DailyMed, Stand: August 2026.
- Mayo Clinic: Vardenafil (oral route) – Side effects & dosage. Mayo Clinic, 1. August 2026.
- MedlinePlus: Vardenafil: MedlinePlus Drug Information. MedlinePlus, 15. Januar 2022.
- Burnett AL, Nehra A, Breau RH et al.: Erectile Dysfunction: AUA Guideline. Journal of Urology, 2018.
- Jimbo M: Erectile Dysfunction. Merck Manual Professional Edition, September 2024.
- Electronic Medicines Compendium: Vardenafil Mylan 10 mg film-coated tablets – Summary of Product Characteristics (SmPC). Electronic Medicines Compendium, 24. März 2025.
- Madeira CR, Tonin FS, Fachi MM et al.: Efficacy and safety of oral phosphodiesterase 5 inhibitors for erectile dysfunction: a network meta-analysis and multicriteria decision analysis. World Journal of Urology, 9. Mai 2020.
- Pyrgidis N, Mykoniatis I, Tirta M et al.: The Effect of Phosphodiesterase-type 5 Inhibitors on Erectile Function: An Overview of Systematic Reviews. Frontiers in Pharmacology, 7. September 2021.
- Cleveland Clinic: Erectile Dysfunction. Cleveland Clinic, 28. August 2023.
