
Ein einzelnes typisches Kirschangiom ist gutartig und entartet nach heutiger Einschätzung nicht. Das MSD Manual (Stand August 2025) bezeichnet diese kleinen Gefäßwucherungen ausdrücklich als benigne und ohne malignes Potenzial. Sorgen sind trotzdem berechtigt, wenn viele Punkte binnen kurzer Zeit neu entstehen, eine Stelle blutet, die Farbe oder Form wechselt oder das Bild nicht eindeutig ist.
Die älteren Ratgebertexte um 2018 erklärten die Punkte oft als „geplatzte Kapillaren“ und knüpften einen plötzlichen Schub an Leberschäden. Beides hält der aktuellen Dermatologie nicht stand. Ein Kirschangiom entsteht durch wuchernde Endothelzellen, nicht durch ein geplatztes Gefäß. Der plötzliche Ausbruch vieler Läsionen gehört heute eher zur Abklärung hämatologischer Erkrankungen und, bei Jüngeren, zur Ganzkörperuntersuchung der Haut. Die einzelnen Punkte selbst bleiben dabei fast immer harmlos.
Was ein Kirschangiom ist und warum es fast immer harmlos bleibt
Ein Kirschangiom ist eine erworbene, gutartige Wucherung kleiner Hautgefäße in der papillären Dermis. Die Zellen, die die Gefäßinnenwand auskleiden, vermehren sich und bilden dichte Kapillarknäuel. Deshalb zählt DermNet (Revision September 2020) die Läsion zu den echten kapillären Hämangiomen und nicht zu einer bloßen Erweiterung bestehender Adern.
Synonyme begegnen im Arztbrief häufig. Campbell-de-Morgan-Flecken erinnern an den britischen Chirurgen des 19. Jahrhunderts. Seniles Angiom oder seniles Hämangiom betont das Alter, obwohl Jugendliche ebenfalls betroffen sein können. StatPearls (Aktualisierung April 2023) nennt außerdem Cherry-Hämangiom und Adult-Hämangiom. Alle diese Namen beschreiben dasselbe klinische Bild.
Die Prognose ist für die allermeisten Menschen ausgezeichnet. Die Punkte jucken in der Regel nicht, schmerzen nicht und stören den Kreislauf nicht. Sie können bluten, wenn Gürtel, Rasierer oder Kratzer sie erwischen, weil die Gefäßknäuel dicht unter einer oft verdünnten Epidermis sitzen. Das ist lästig, aber kein Zeichen für Krebs. StatPearls hält fest, dass die Läsionen selbst kein Entartungspotenzial besitzen.
Verwechselt wird das Wort Hämangiom leicht mit dem Säuglingsfleck. Infantile Hämangiome entstehen in den ersten Lebenswochen, wachsen rasch und bilden sich bei den meisten Kindern über Jahre zurück. Das Kirschangiom des Erwachsenen bleibt stehen und nimmt mit den Jahrzehnten eher zu. Wer einen neuen roten Punkt nach dem dreißigsten Lebensjahr entdeckt, hat deshalb fast immer die erworbene Form vor sich, nicht den Geburtsfleck des Kindes.
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Wie Kirschangiome aussehen und wo sie sitzen
Typisch ist ein fester, glattrandiger, kirschroter bis violetter Papelpunkt. Auf heller Haut wirkt er leuchtend rot, auf dunkler Haut eher violett, so das MSD Manual 2025. DermNet gibt den Durchmesser mit 0,1 bis 1 Zentimeter an. MedlinePlus (Review 14. Oktober 2024) spricht vom Stecknadelkopf bis etwa 0,64 Zentimeter. StatPearls beschreibt meist 1 bis 5 Millimeter, selten über 3,5 Millimeter.
Viele Läsionen beginnen flach und wölben sich später kuppelförmig. Die Oberfläche bleibt glatt. Unter Druck können sie vorübergehend abblassen; fibrosierte Stellen blassen unvollständig. Gerinnt Blut im Knäuel, wirkt der Punkt schwarz, bis das Dermatoskop wieder Rot oder Violett zeigt. Genau dieses thrombosierte Bild führt zur Verwechslung mit einem nodulären Melanom.
Der Stamm und die körpernahen Extremitäten tragen die meisten Punkte. Brust, Bauch und Rücken sind Alltagssitze. Gesicht, Hände, Füße und Schleimhäute bleiben laut DermNet und StatPearls selten betroffen. Meist entstehen mehrere Läsionen über Jahre, nicht ein einzelner Solitärfleck. Das erklärt, warum viele Menschen nach dem vierzigsten Lebensjahr eine kleine „Sternkarte“ auf dem Rumpf entdecken, ohne dass ein akutes Leiden dahintersteht.
Die Punkte sitzen oberflächlich. Deshalb bluten sie nach Reibung leicht und heilen danach oft mit einer kleinen Kruste. Eine Narbe nach Spontanblutung ist ungewöhnlich. Bleibt nach dem Abheilen ein dunkler Hof oder wächst die Stelle weiter, gehört sie trotzdem in die Sprechstunde, weil dann die Diagnose neu geprüft werden muss.
Wie häufig sie sind und wer sie bekommt
Kirschangiome gehören zu den häufigsten erworbenen Gefäßläsionen der Haut. DermNet schätzt, dass etwa 75 Prozent der über 75-Jährigen mindestens eine Läsion tragen. Dieselbe Quelle nennt rund 5 Prozent der Jugendlichen. StatPearls setzt die Jugendrate bei etwa 7 Prozent an und bestätigt die 75-Prozent-Marke im hohen Alter. MedlinePlus sieht den Häufigkeitsgipfel nach dem dreißigsten Lebensjahr.
Geschlecht und ethnische Herkunft ändern die Entstehung kaum. Männer und Frauen sind ähnlich betroffen. Auf heller Haut fallen die Punkte stärker auf, auf dunkler Haut können sie als violette Papeln unterschätzt werden. Eine familiäre Häufung kommt vor, ohne dass ein einzelner Keimbahnfehler als Ursache feststeht.
Kinder bleiben selten betroffen. Taucht bei einem Kind ein neuer, rasch wachsender roter Knoten auf, denkt die Kinderdermatologie zuerst an andere Gefäßläsionen, nicht an das klassische Kirschangiom des Erwachsenen. Umgekehrt ist ein neu entstandener Punkt bei einer 50-jährigen Person so alltäglich, dass er ohne weitere Untersuchung belassen werden kann, sofern Form, Farbe und Rand typisch bleiben.
Die Zahl steigt mit den Jahrzehnten, nicht mit einem einzelnen Sommer. Sonnenlichtexposition erklärt die Verteilung nur unzureichend, weil viele Läsionen unter der Kleidung sitzen. Wer im dreißigsten Lebensjahr zwei Punkte zählt und mit sechzig zwanzig, folgt dem üblichen Verlauf und nicht automatisch einer inneren Krankheit.
Was die Entstehung erklärt: Alter, Gene, Hormone
Die auslösende Ursache bleibt unbekannt. Alter, familiäre Neigung und hormonelle Phasen gelten als Begleiter, nicht als alleiniger Mechanismus. Schwangerschaft taucht in StatPearls und bei DermNet als Assoziation auf. Ein kausaler Beweis fehlt. Die Punkte verschwinden nach der Geburt nicht zuverlässig.
Seit 2018/2019 ist klarer, dass viele Läsionen somatische Mutationen in G-Protein-Genen tragen. Klebanov und Kollegen fanden 2019 in fünf von zehn Gewebeproben aktivierende Hotspot-Mutationen in GNAQ oder GNA11. Liau und Kollegen untersuchten im selben Jahr 68 klassische Kirschhämangiome und 17 ähnlich gebaute Läsionen. In 82 Prozent beider Gruppen lagen Mutationen in GNA14, GNAQ oder GNA11; die Varianten schlossen einander aus. GNA14 war bei den klassischen Punkten das häufigste Gen. Das verschiebt die Deutung vom „Altersfleck der Gefäße“ zu einer gutartigen, örtlich begrenzten Neoplasie.
Denselben Genorten begegnen Pathologen bei ganz anderen Krankheiten, etwa beim Aderhautmelanom oder bei bestimmten angeborenen Gefäßmalen. Das bedeutet nicht, dass ein Kirschangiom ein Melanom ist. Klebanov betont den kontextabhängigen Effekt derselben Mutation in verschiedenen Zelltypen. Für die Praxis folgt daraus keine Gentestpflicht und kein Krebsverdacht allein wegen eines roten Punktes.
Chemikalien werden immer wieder genannt. StatPearls listet topisches Stickstofflost, Bromide und andere Expositionsberichte sowie einzelne Medikamente wie Ciclosporin und Ramucirumab bei eruptiven Schüben. Die ältere These einer Bromvergiftung als Alltagursache hat sich nicht erhärtet. Wer beruflich oder medizinisch mit solchen Stoffen in Kontakt kommt, kann das im Gespräch erwähnen. Ein Routinetest auf Bromid ist bei einzelnen typischen Punkten nicht begründet.
Plötzlicher Schub: wann ein Ausbruch abgeklärt gehört
Ein einzelner neuer Punkt nach dem vierzigsten Lebensjahr ist Alltag. Ein plötzlicher Schub vieler Läsionen binnen Wochen oder Monaten ist selten und verdient eine gezielte Anamnese. Das MSD Manual 2025 knüpft die eruptive Kirschangiomatose an die multizentrische Castleman-Krankheit und an hämatologische Malignome. StatPearls nennt denselben Zusammenhang und ergänzt Graft-versus-Host-Krankheit, Immunsuppression und humanes Herpesvirus 8 in älteren Nachweisstudien.
Die Schwelle „eruptiv“ ist nicht einheitlich definiert. Borghi und Kollegen werteten 2020 in einer Querschnittsstudie mit 1190 Untersuchten mehr als zehn Angiome willkürlich als eruptiv. In dieser Gruppe, vor allem unter 70 Jahren, lag eine Assoziation mit kutanem Melanom vor, ähnlich stark wie bei mehr als zwei klinisch atypischen Nävi. Das ist ein epidemiologischer Hinweis, kein Beweis, dass die Angiome selbst bösartig werden. Das MSD Manual hält fest, dass vorhandene Kirschangiome das Melanom-Management nicht ändern; jede atypische oder rasch wechselnde Papel wird wie jede andere unklare Läsion biopsiert.
Begleitsymptome verschieben die Dringlichkeit. Fieber, Nachtschweiß, unerklärter Gewichtsverlust, tastbare Lymphknoten oder ein neu entdeckter Knoten in Brust, Bauch oder Hals gehören nicht zum Bild eines harmlosen Altersangioms. StatPearls rät in dieser Konstellation ausdrücklich zur Abklärung einer Castleman-Krankheit und anderer lymphoproliferativer Störungen. Fehlen solche Zeichen und bleibt die Hautuntersuchung sonst unauffällig, reicht oft die dermatologische Kontrolle ohne sofortige Schnittbildgebung.
Schwangerschaft und Medikamentenstart können zeitlich mit einem Schub zusammenfallen. Das ersetzt die Untersuchung nicht, erklärt aber manchen Verlauf. Nach Abschluss der Schwangerschaft oder nach Umstellung eines Mittels bleiben die Punkte häufig stehen. Eine spontane Rückbildung darf niemand erwarten.
Ähnliche Hautbilder: Spinnennävus, Melanom, Granulom
Die Blickdiagnose gelingt meist, weil das Kirschangiom ein gleichmäßiges, lackrotes Knötchen ohne Pigmentnetz ist. Trotzdem gibt es Doppelgänger, und genau dort entsteht die berechtigte Unruhe.
Ein Spinnennävus (Spider-Telangiektasie) hat einen zentralen Punkt und feine, strahlenförmige Äste. DermNet betont, dass dies eine Erweiterung bestehender Gefäße ist, keine Endothelwucherung. Ältere Laienratgeber vermischten beide Bilder und übertrugen die Leberassoziation des Spinnennävus auf das Kirschangiom. Für die einzelnen kirschroten Papeln ohne radiäre Äste gilt dieser Schluss nicht.
Das noduläre oder amelanotische Melanom kann als roter, bräunlicher oder schwarzer Knoten erscheinen. DermNet nennt die Entfernung eines Angioms gelegentlich gerade deshalb, um ein Melanom auszuschließen. StatPearls beschreibt das amelanotische Melanom als oft zerbrechlicher. Braunton, unregelmäßiger Rand, Wachstum binnen Wochen und eine gemischte Gefäßzeichnung im Dermatoskop sprechen gegen ein schlichtes Kirschangiom.
Das pyogene Granulom (lobuläres kapilläres Hämangiom) wächst rascher, nässt oder blutet spontan und trägt oft einen Kragen. Angiokeratome haben Schuppen. Ein thrombosiertes Angiom bleibt der häufigste gutartige Imitator eines dunklen Tumors. Ohne Dermatoskop oder Gewebeprobe bleibt diese Trennung unsicher. Wer nur ein Foto vergleicht, unterschätzt das.
![[Laserentfernung]](https://demedbook.com/images/1/should-i-worry-about-a-cherry-angioma-get-the-facts_2.jpg)
Wann zum Arzt, wann Abwarten reicht
Abwarten ist richtig, wenn der Punkt seit Monaten gleich aussieht, typisch kirschrot oder violett ist, glatt begrenzt bleibt und nicht stört. MedlinePlus rät zum Kontakt, wenn jemand die Stelle entfernen lassen möchte oder wenn sich das Aussehen irgendeiner Hautläsion ändert. Das MSD Manual 2025 sieht eine Behandlung nur bei Symptomen wie Blutung oder aus kosmetischen Gründen vor.
Die folgenden Situationen gehören in die Sprechstunde, ohne dass jede davon ein Notfall ist:
- Eine Stelle wechselt Farbe, Form oder Größe oder bekommt einen unregelmäßigen Rand.
- Viele neue Punkte entstehen binnen weniger Wochen, besonders vor dem siebzigsten Lebensjahr.
- Blutung wiederholt sich an derselben Papel, obwohl Kleidung und Rasur angepasst wurden.
- Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust oder tastbare Lymphknoten begleiten den Schub.
- Die Diagnose ist unsicher, etwa bei einem einzelnen dunklen oder rasch wachsenden Knoten.
Starke, nicht stillbare Blutung nach Verletzung wird wie jede andere Hautwunde versorgt. Druck, Reinigung und Verband reichen meist. Hält die Blutung trotz fester Kompression über längere Zeit an oder tritt sie ohne Trauma immer wieder auf, ist eine ärztliche Versorgung am selben Tag sinnvoll. Ein einzelner, seit Jahren unveränderter Punkt auf dem Rücken rechtfertigt keinen Notaufnahmebesuch.
Kosmetik ist ein legitimer Grund, keinen medizinischen Zwang. Wer die Punkte als störend empfindet, kann Optionen besprechen. Wer sie belässt, versäumt keine lebensrettende Therapie. Neue Läsionen können nach einer Entfernung an anderen Stellen nachwachsen, weil das Altern und die genetische Bereitschaft weiterlaufen.
| Befund | Typische Deutung | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Einzelner unveränderter roter Punkt am Stamm | Klassisches Kirschangiom | Beobachtung, Foto zum Vergleich |
| Viele neue Punkte in kurzer Zeit | Eruptive Form, selten mit Systemleiden verknüpft | Hautarzttermin, Anamnese zu Medikamenten und Allgemeinsymptomen |
| Schwarzer oder rasch wachsender Knoten | Thrombosiertes Angiom oder Melanom möglich | Dermatoskopie, bei Zweifel Biopsie |
| Wiederholte Blutung an derselben Stelle | Trauma an oberflächlichen Gefäßen | Wundversorgung, geplante Entfernung möglich |
| Schub plus Lymphknoten oder B-Symptome | Castleman oder Lymphoproliferation prüfen | Zeitnahe internistisch-dermatologische Abklärung |
Wie die Diagnose gestellt wird
In den meisten Fällen genügt der Blick. Das MSD Manual nennt Anamnese und körperliche Untersuchung als Grundlage. Weitere Labortests sind bei typischen, langsam vermehrten Punkten ohne Allgemeinsymptome nicht nötig. MedlinePlus bestätigt, dass oft keine Zusatzuntersuchung folgt und eine Hautbiopsie nur der Sicherung dient.
Das Dermatoskop zeigt ein lakunäres Muster. MSD beschreibt rote, violette oder blauschwarze Lackunen. DermNet spricht von einem rotklumpigen oder lobulären Muster. Fehlen Pigmentnetz, blauweißer Schleier und polymorphe Gefäße, stützt das die gutartige Deutung. Tauchen Braunanteile oder atypische Gefäße auf, wechselt die Strategie zur Probe.
Unsicherheit ist ein Grund zur Biopsie, kein Versagen der Klinik. DermNet nennt die Histologie verdickte papilläre Dermis mit Venolen und Kollagenbündeln zwischen den Läppchen. StatPearls beschreibt neu gebildete Kapillaren mit engen Lumina und prominenten Endothelien, später zunehmend dilatierte Gefäße. Diese Feinheiten braucht der Patient nicht auswendig; sie erklären, warum der Pathologe ein „kapilläres Hämangiom“ schreibt und warum die Stelle gutartig bleibt.
Bildgebung der inneren Organe folgt nicht aus ein paar typischen Rumpfpunkten. Sie kann sinnvoll werden, wenn der Schub mit Systemzeichen oder Lymphknoten einhergeht. Das entscheidet die Ärztin nach der Gesamtschau, nicht ein Hautfoto allein.
Entfernung in der Praxis: Laser, Strom, Kälte
Behandelt werden Kirschangiome nur, wenn sie stören, bluten oder die Diagnose unsicher bleibt. Das Merck Manual für Patientinnen und Patienten (August 2025) listet Elektrodesikkation, Kryotherapie, Sklerosierung und Laser, besonders den gepulsten Farbstofflaser. MedlinePlus nennt Verödung durch Strom oder Hitze, Einfrieren, Laser und Shave-Exzision.
Ein systematischer Review von Buslach und Kollegen (Dermatologic Surgery, 2020) wertete zehn Studien aus. Lichtverfahren (Farbstofflaser, KTP, Nd:YAG, IPL, Argon) und Nicht-Lichtverfahren (Kryotherapie, Elektrochirurgie, Sklerosierung, Radiofrequenz) entfernten die Läsionen wirksam. Kein Verfahren war klar überlegen. Der gepulste Farbstofflaser wurde wegen geringerer Behandlungsschmerzen oft dem KTP-Laser und der Elektrodesikkation vorgezogen. Der Nd:YAG-Laser (1064 Nanometer) erzeugte weniger Pigmentstörungen; KTP und Farbstofflaser trugen bei dunklerer Haut ein höheres Risiko für Farbverschiebungen.
StatPearls beschreibt den Alltag kleiner Läsionen so: örtliche Betäubung mit Lidocain 1 Prozent, danach Elektrokaustik. Größere Papeln werden häufig rasiert und am Grund verödet. Kryotherapie und Kohlendioxidlaser bleiben Alternativen. Narben sind möglich, auch wenn MedlinePlus schreibt, eine Entfernung hinterlasse gewöhnlich keine Narbe. Beide Aussagen können stimmen, weil flache, kleine Punkte oft unsichtbar abheilen, tiefe oder grob verödete Stellen aber einen hellen Fleck hinterlassen.
Nach der Sitzung ist eine Kruste oder eine vorübergehende Grau- oder Dunkelfärbung üblich. Sonne auf der frischen Wunde erhöht das Risiko für Pigmentverschiebungen, besonders nach Laser. Ein fester Zeitplan von „zwei Sitzungen für alle“ existiert in den Leitlinien nicht; die Zahl hängt von Größe, Sitz und Gerät ab. Neue Punkte an anderen Stellen können später entstehen. Das ist kein Therapieversagen der entfernten Papel.
Warum Selbstbehandlung nicht empfohlen wird
Hausmittel aus Essig, Jod oder ätherischen Ölen haben keine belastbare Evidenz. Keine der oben genannten Fachquellen empfiehlt sie. Wer die Haut ätzt oder friert, ohne die Diagnose zu kennen, kann ein Melanom oder ein Granulom verkennen und eine Infektion setzen.
Schneiden, Abbinden oder das Erhitzen mit Haushaltsgeräten verletzt die dünne Epidermis über dem Gefäßknäuel. Blutung und Keime folgen leicht. StatPearls und MedlinePlus sehen die Entfernung in der Hand der Praxis, nicht in der Hausapotheke. Das gilt auch für frei verkäufliche „Plasmasifte“ und Vereisungssprays, die für Warzen gedacht sind. Sie treffen die Tiefe eines Angioms ungenau und hinterlassen eher Narben als ein gezielter Laserpuls.
Bei einer Blutung hilft ruhige Wundpflege. Die Stelle säubern, Druck ausüben, danach eine Salbe nach ärztlichem Rat und ein Pflaster. Kratzen und Scheuern vermeiden, bis die Kruste fällt. Wiederholt sich das Ereignis, ist die geplante Entfernung in der Praxis die sauberere Lösung als der nächste Notverband im Bad.
Vor jedem Eingriff, auch einem kosmetischen, bleibt die Frage offen, ob die Läsion wirklich ein Kirschangiom ist. Ein Foto der ganzen Haut, nicht nur des einen Punktes, hilft der Dermatologin, einen Schub oder atypische Nävi mitzusehen. Das kostet eine Konsultation und erspart die falsche Selbsttherapie.
Häufige Fragen
Ist ein Kirschangiom Hautkrebs?
Nein. Das MSD Manual 2025 und StatPearls stufen die Läsion als gutartig ohne Entartungspotenzial ein. Die Sorge gilt der Verwechslung mit einem amelanotischen oder nodulären Melanom und dem seltenen eruptiven Schub, nicht dem einzelnen kirschroten Punkt selbst.
Verschwinden die Punkte von allein?
In der Regel bleiben sie und werden mit den Jahren eher mehr. Eine zuverlässige Rückbildung beschreiben die aktuellen Übersichtstexte nicht. Schwangerschaft kann zeitlich mit neuen Läsionen zusammenfallen, ohne dass die Punkte danach sicher wieder verschwinden.
Kann ich ein Kirschangiom zu Hause entfernen?
Das wird nicht empfohlen. Ohne Blickdiagnose droht die Verwechslung mit einem Melanom, und unsteriles Schneiden oder Ätzen kann bluten und infizieren. Essig und Öle sind nicht als wirksam belegt. Entfernung gehört in die Praxis.
Warum bekomme ich immer mehr rote Punkte?
Alter ist der stärkste Begleiter. Ab etwa 40 Jahren steigt die Zahl deutlich, und im hohen Alter trägt die Mehrheit mindestens eine Läsion. Familiäre Neigung und somatische Mutationen in GNA14, GNAQ oder GNA11 erklären einen Teil der Biologie, ersetzen aber keine Untersuchung bei einem plötzlichen Massenauftreten.
Hängt ein Kirschangiom mit der Leber zusammen?
Für das klassische Kirschangiom ist das nicht die geltende Deutung. Der Spinnennävus mit strahlenförmigen Ästen ist eine andere Läsion. Ein plötzlicher Schub vieler Kirschangiome wird heute vor allem mit hämatologischen Krankheiten, Immunsuppression und, epidemiologisch, mit Melanomrisiko in jüngeren Gruppen verknüpft.
Welche Entfernung ist die beste?
Keine Methode ist laut dem Review von 2020 klar überlegen. Farbstofflaser gilt oft als angenehmer, Nd:YAG schonender für die Pigmentierung dunklerer Haut. Strom, Kälte, Sklerosierung und Shave bleiben gültige Alternativen. Die Wahl hängt von Größe, Hautton und Verfügbarkeit ab.
Fazit
Ein typisches Kirschangiom darf bleiben. Es ist eine häufige, gutartige Gefäßwucherung, die mit dem Alter zunimmt und nach den Arbeiten von 2019 meist als örtliche, mutationsgetriebene Neoplasie verstanden wird, nicht als geplatzte Ader. Wer die Punkte kennt, fotografiert und in Ruhe beobachtet, handelt medizinisch angemessen.
Zum Arzt gehört, was aus dem Muster fällt: ein plötzlicher Schub, wiederholte Blutung, Farb- oder Formwechsel, dunkle oder rasch wachsende Knoten und Allgemeinzeichen wie Lymphknoten oder B-Symptome. Dort ändert sich seit 2018 die Botschaft am stärksten. Nicht die Leber steht im Vordergrund, sondern die Frage nach Systemleiden und die Ganzkörperuntersuchung der Haut.
Wer die Punkte aus Aussehensgründen oder wegen Reibung entfernen lassen möchte, findet mehrere wirksame Verfahren ohne festgelegten Standard. Selbst ätzen, schneiden oder frieren ersetzt das nicht. Die sinnvollste Entscheidung für morgen ist oft ein Foto bei gutem Licht und, bei Unsicherheit, ein Termin statt einer Hausmittelserie.
Quellen
- Aaron DM: Cherry Angiomas. MSD Manual Professional Edition, August 2025.
- Aaron DM: Cherry Angiomas. Merck Manual Consumer Version, August 2025.
- Qadeer HA, Singal A et al.: Cherry Hemangioma. StatPearls, 3. April 2023.
- Oakley A: Cherry Angioma: Features, Causes, and Removal. DermNet, September 2020.
- National Library of Medicine: Cherry angioma: MedlinePlus Medical Encyclopedia. MedlinePlus, 14. Oktober 2024.
- Buslach N, Foulad DP et al.: Treatment Modalities for Cherry Angiomas: A Systematic Review. Dermatologic Surgery, Dezember 2020.
- Klebanov N, Lin WM et al.: Use of Targeted Next-Generation Sequencing to Identify Activating Hot Spot Mutations in Cherry Angiomas. JAMA Dermatology, 1. Februar 2019.
- Liau JY, Lee JC et al.: High frequency of GNA14, GNAQ, and GNA11 mutations in cherry hemangioma: a histopathological and molecular study of 85 cases indicating GNA14 as the most commonly mutated gene in vascular neoplasms. Modern Pathology, 12. Juni 2019.
- Borghi A, Dika E et al.: Eruptive Cherry Angiomas and Skin Melanoma: Further Insights into an Intriguing Association. Dermatology, 30. November 2020.
