Kalzifizierte Sehnenentzündung: Ursachen und Therapie

Kalzifizierte Sehnenentzündung: Ursachen und Therapie

Kalzifizierte Sehnenentzündung entsteht, wenn Hydroxylapatit-Kristalle in einer Sehne liegen, am häufigsten in der Rotatorenmanschette der Schulter. Der Kalk kann jahrelang still bleiben oder in der Auflösungsphase so heftig reizen, dass der Arm nachts kaum noch zu bewegen ist.

Die American Academy of Orthopaedic Surgeons beschreibt die Ablagerung als Entzündungsquelle und als mechanisches Hindernis unter dem Schulterdach. Betroffen sind vor allem Erwachsene zwischen 30 und 60 Jahren, Frauen etwas häufiger als Männer; die genaue Ursache bleibt offen. Viele Fälle klingen ohne Schnitt ab, aber der Verlauf ist schlecht vorherzusagen. Aktuelle Übersichten setzen deshalb auf einen Stufenplan: zuerst Entlastung und Physiotherapie, dann Stoßwelle oder Nadelspülung, Operation erst nach Monaten ohne ausreichende Besserung.

Was steckt hinter einer kalzifizierten Sehnenentzündung?

Es handelt sich um eine zellvermittelte Ablagerung von Hydroxylapatit in der Sehne, nicht um eine klassische Gelenkentzündung und nicht um Gicht. Cleveland Clinic (Aktualisierung 12. August 2021) grenzt das Bild von der Arthrose und von der Kalziumpyrophosphat-Ablagerung (Pseudogicht) ab: hier liegt der Kristall in der Sehne, nicht im Gelenkspalt.

Die Rotatorenmanschette verbindet Oberarmkopf und Schulterblatt. Vier Sehnen halten den Kopf in der Pfanne und steuern Heben, Drehen und Abspreizen. Am häufigsten sitzt der Kalk in der Supraspinatussehne, seltener in Infra- oder Subscapularissehne. In der Übersicht von De Carli und Kollegen (Joints, 2014) entfielen 63 Prozent der Ablagerungen auf den Supraspinatus, 20 Prozent auf eine Kombination mit dem Subscapularis.

Nicht jede sichtbare Kalkinsel erklärt den Schmerz. Kaplan und Kollegen (International Journal of Molecular Sciences, 26. Februar 2026) fassen zusammen, dass Ablagerungen bei 2,7 bis 20 Prozent symptomfreier Menschen vorkommen und bei 6,8 bis 40 Prozent derjenigen, die wegen Schulterschmerz untersucht werden. Cleveland Clinic schätzt den Anteil unter den behandelten Schulterschmerzen auf unter 10 Prozent. Moya und Kollegen (SICOT-J, 20. Februar 2025) sprechen deshalb von „Mitläufern“, solange Bild und Beschwerde nicht zusammenpassen. Behandelt wird die Person mit Schmerz und Funktionseinbuße, nicht der Zufallsbefund auf einem Röntgenbild.

Andere Sehnen im Körper können denselben Mechanismus zeigen. In der Praxis steht die Schulter so klar im Vordergrund, dass die meisten Studien und Patienteninformationen genau dort ansetzen.

Kalzifizierte Tendinitis kann Schulterschmerzen verursachen

Warum lagert sich Kalk in der Sehne ab?

Die genaue Ursache ist unbekannt. Ältere Texte nannten vor allem Alter, Sauerstoffmangel und Verschleiß; die heute dominante Erklärung von Uhthoff beschreibt eine aktive Umwandlung von Sehnenzellen in knorpelähnliche Zellen, die Mineral einlagern und später wieder abbauen.

Kaplan und Kollegen (2026) fassen das als mehrstufiges Geschehen. Mechanischer Druck, Stoffwechselreize und Entzündungsbotenstoffe können Tenozellen umprogrammieren. Prostaglandin E2 und knochenbildende Signalwege (unter anderem BMP-2) lenken Sehnenstammzellen in Richtung Knorpel und Knochen statt in Richtung belastbarer Kollagenbündel. Metalloproteinasen bauen die Matrix um. Die Kristalle selbst aktivieren Makrophagen und können so eine zweite Entzündungswelle auslösen. Das bleibt Labor- und Gewebeforschung; daraus folgt noch kein neues Standardmedikament.

Systemische Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit. Diabetes gilt als belastbarer Risikofaktor: in großen Kohorten lag das Risiko über acht Jahre um etwa 27 Prozent höher. Schilddrüsenstörungen, besonders eine Unterfunktion, treten bei Betroffenen gehäuft auf, weil Thyroxin Kollagenstoffwechsel und Matrixumbau beeinflusst. Hyperlipidämie verdoppelte in einer ausgewerteten Analyse das Risiko bei Frauen, nicht aber bei Männern. Berufliche Wiederholbewegungen allein erklärten das Bild in einer Studie an Kassiererinnen nicht.

Moya zitiert die ältere Serie von Harvie: in einer endokrin belasteten Untergruppe (häufig Frauen mit Schilddrüsen- oder Zyklusproblemen) begann der Schmerz früher (im Mittel 41 statt 47 Jahre), dauerte länger (80 statt 47 Monate) und scheiterte konservativ häufiger (47 gegen 23 Prozent). Das ist eine Klinikserie, keine Bevölkerungsstudie, aber sie erklärt, warum Stoffwechsel und Hormone heute mitgefragt werden.

Welche Symptome sind typisch?

Der Schmerz sitzt vorn oder seitlich an der Schulter und kann in den Oberarm ausstrahlen. Er kommt oft ohne Sturz und ohne ungewohnte Belastung, manchmal morgens besonders heftig. OrthoInfo listet Druckschmerz, Bewegungseinschränkung und das Gefühl einer steifen Schulter.

Die Intensität hängt vom Stadium ab. In der Ruhephase der Ablagerung bleibt der Alltag oft tragbar, mit Ziehen beim Heben über Schulterhöhe. In der Resorptionsphase wird der Kalk weich, fast wie Zahnpasta, und kann in den Schleimbeutel oder ins umliegende Gewebe austreten. Dann berichten viele über plötzlichen Nachtschmerz, Unfähigkeit, auf der betroffenen Seite zu liegen, und einen Arm, den sie kaum noch aktiv heben. De Carli beschreibt genau dieses spontane, oft morgendliche Bild und die Ähnlichkeit mit einer Schultersteife.

Begleitend können Trapez- und Rautenmuskel verspannen, weil die Person die Schulter schont. Manche tasten Druck unter dem Schulterdach oder vorn in der Bizepsrinne. Rötung und Überwärmung sind möglich, wenn Kristalle den Schleimbeutel reizen; das allein beweist keine Infektion, gehört aber zur Untersuchung.

Ein Teil der Betroffenen bleibt ohne merkliche Beschwerde. Andere wechseln zwischen ruhigen Wochen und kurzen, heftigen Schüben. Cleveland Clinic betont, dass der Schmerz den Schlaf reißen und die Beweglichkeit einschränken kann, ohne dass die Ablagerung „größer geworden“ sein muss. Entscheidend ist die Entzündungsphase, nicht allein der Millimeter auf dem Röntgenbild.

Welche Stadien durchläuft die Ablagerung?

Uhthoff gliederte den Ablauf in eine Vorkalkphase, eine Kalkphase und eine Nachkalkphase; die mittlere Phase zerfällt in Bildung, Ruhe und Auflösung. Kaplan (2026) und De Carli (2014) nutzen dasselbe Gerüst.

In der Vorkalkphase wandeln sich Sehnenzellen in knorpelähnliche Zellen um. Dieser Schritt bleibt meist still, schafft aber die Voraussetzung für Mineral. In der Bildungsphase lagern Zellen Hydroxylapatit in Vesikeln ab, die zu sichtbaren Herden zusammenfließen. Die Ruhephase kapselt den Herd mit einer faserknorpeligen Kappe; viele spüren dann nur Belastungsschmerz. Die Auflösung bringt Gefäße, Makrophagen und Riesenzellen. Der Herd wird weich, kann wandern und löst den stärksten Schmerz aus.

Nach der Resorption füllen Fibroblasten die Lücke zuerst mit Typ-III-Kollagen, später mit Typ-I-Kollagen. Kaplan weist darauf hin, dass narbiges Restgewebe die Sehne funktionell schwächen kann, auch wenn der Kalk verschwunden ist. Der Zyklus erklärt, warum ein plötzlicher Schmerz oft die bessere Nachricht ist als ein jahrelang dichter, scharf begrenzter Schatten: die Auflösung hat begonnen.

Radiologen klassifizieren die Form zusätzlich nach Gärtner. Typ I ist scharf und dicht, Typ III wolkig und durchscheinend. Moya nennt Typ III und fehlende Schallauslöschung im Ultraschall als günstige Zeichen für konservative Therapie. Große, beidseitige oder weit nach innen reichende Herde gelten als ungünstiger.

Wer ist besonders betroffen?

Erwachsene zwischen 30 und 60 Jahren tragen das höchste Risiko, so OrthoInfo; Cleveland Clinic nennt 40 bis 60 Jahre. Kinder und sehr alte Menschen sind selten betroffen. Frauen überwiegen leicht, ohne dass eine einzelne Hormonachse das vollständig erklärt.

Die Ablagerung kann eine oder beide Schultern treffen. In älteren Serien lagen 10 bis 20 Prozent der Fälle beidseitig. Schwere körperliche Arbeit und Überkopfsport erhöhen die Häufigkeit überraschend wenig: De Carli hält fest, dass weder Schwerarbeiter noch Überkopfsportler klar häufiger erkranken. Moya listet Ultraschallstudien an Sportgruppen mit 17 bis 31 Prozent Kalkherden, oft ohne Beschwerde.

Diabetes, Schilddrüsenstörung und Fettstoffwechsel gehören zur Anamnese, weil sie den Verlauf verlängern können. Eine erbliche Mineralisationskrankheit (etwa Hypophosphatasie oder Pseudoxanthoma elasticum) ist selten, wird aber in der Pathogenese-Übersicht von Kaplan als Sonderfall genannt. Für die Hausarztpraxis bleibt das die Ausnahme.

Cleveland Clinic betont, dass keine bestimmte Freizeitaktivität die Krankheit „erzeugt“. Wer schon einmal einen Schub hatte, sollte neue Nachtschmerzen trotzdem erneut abklären lassen. Die ältere Behauptung, nach Abheilen gebe es keinen Hinweis auf Rückkehr, hält der aktuellen Patienteninformation nicht stand: Symptome können über Monate oder Jahre wiederkommen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Gespräch und Untersuchung stehen am Anfang, die Bestätigung liefert das Bild. Der Arzt fragt nach Beginn (schleichend oder über Nacht), Nachtschmerz, Diabetes, Schilddrüse, früheren Schulterproblemen und Medikamenten. OrthoInfo beschreibt Druckpunkte, aktive und passive Beweglichkeit sowie einen Krafttest, um einen Riss der Manschette nicht zu übersehen.

Röntgen zeigt grobe Kalkherde um die Rotatorenmanschette zuverlässig. Weichteile selbst bleiben unsichtbar; deshalb schließt ein leeres Röntgen einen kleinen oder weichen Herd nicht aus. Ultraschall findet kleinere Inseln, zeigt Konsistenz (hart mit Schatten oder weich und durchlässig) und steuert später Nadeln. Die Magnetresonanztomographie stellt Entzündung, Flüssigkeit und Begleitrisse dar; Kalk erscheint dort oft dunkel. Mayo Clinic (22. März 2025) setzt Röntgen, Ultraschall und MRT bei Sehnenerkrankungen genau in dieser Rollenverteilung ein.

Laborwerte gehören nicht zur Routine. Sie helfen, wenn Fieber, starke Rötung oder ein entzündliches Systemleiden im Raum stehen. Die klinische Unterscheidung zur Schultersteife, zur Impingement-Tendinopathie ohne Kalk und zum akuten Riss bleibt Aufgabe der Untersuchung, nicht eines einzelnen Bildes.

Die Größe beeinflusst die Therapieplanung. OrthoInfo und Moya erwähnen, dass sehr große Herde konservativ schlechter ansprechen und eher zur Nadelspülung oder zur Operation führen. Ein Zufallsbefund ohne Schmerz braucht in der Regel keine Behandlung, nur eine Erklärung, was der Schatten bedeutet.

Schocktherapie bei Tendinosis calcarea

Was hilft zuerst ohne Eingriff?

Solange der Alltag tragbar bleibt, beginnt die Therapie ohne Nadel und ohne Schnitt. Moya begründet das mit der Neigung zur spontanen Auflösung: selbst ein heftiger Schub kann die Resorption markieren. Konservative Serien erreichen in chronischen Fällen 60 bis 80 Prozent zufriedenstellende Ergebnisse; nach einem Jahr können die Zahlen sinken, weil ein Teil mit Wellen weiterlebt.

Ruhe heißt, schmerzhafte Überkopf- und Wurfbewegungen zu streichen, nicht den Arm wochenlang in der Schlinge zu lassen. Mayo Clinic rät, andere Bewegungen beizubehalten und etwa Schwimmen zu nutzen, wenn es nicht reizt. Eis bis zu 20 Minuten, mehrmals täglich, kann Schmerz und Schwellung dämpfen; die Haut braucht ein Tuch dazwischen.

Frei verkäufliche Schmerzmittel nennt OrthoInfo ausdrücklich: Ibuprofen, Naproxen oder Acetylsalicylsäure können Schmerz und Schwellung senken. Mayo ergänzt Paracetamol und lokale Schmerzgele. Dosis, Magenschutz, Niere, Schwangerschaft und Wechselwirkungen stehen auf der Packung und in der Apothekenberatung, nicht als Pauschalangabe in einem Ratgeber.

Physiotherapie zielt zuerst auf Beweglichkeit, später auf Kraft. OrthoInfo stellt Dehnung vor Kräftigung. Yao und Kollegen (EFORT Open Reviews, 30. Juni 2025) werteten 33 randomisierte Studien mit 26 Verfahren aus: eine umfassende Physiotherapie rangierte bei der Funktionsverbesserung an erster Stelle, noch vor hochenergetischer Stoßwelle plus Therapie. Das stützt den alten klinischen Satz, dass Übung kein Anhängsel ist.

Eine Kortisoninjektion in den Schleimbeutel unter dem Schulterdach kann helfen, wenn Tabletten und Therapie den Schmerz nicht brechen. OrthoInfo erlaubt Ultraschallführung. Mayo warnt, dass wiederholte Spritzen die Sehne schwächen und das Rissrisiko erhöhen können. Deshalb bleibt die Injektion eine Brücke, kein Dauerplan.

Wann Stoßwelle, Nadelspülung oder Ultraschall?

Bleibt der Schmerz trotz Entlastung, Medikament und Therapie, rücken Verfahren nach, die den Herd aufbrechen oder absaugen sollen. Hier hat sich seit 2018 die Rangfolge verschoben, und die Quellen widersprechen sich teilweise.

Fokussierte Stoßwellen mit hoher Energie haben in der Übersicht von Moya (2025) einen hohen Empfehlungsgrad für Kalkherde der Rotatorenmanschette; Resorptionsraten über 80 Prozent stammen aus ausgewählten Serien. Radiale Druckwellen teilen denselben umgangssprachlichen Namen, unterscheiden sich aber in Physik und Evidenz; Moya stuft sie schwächer ein. Yao (2025) fand für den Schmerz die Kombination aus radialer Stoßwelle und Physiotherapie vorn, für die Funktion weiter die Therapie allein oder plus hochenergetische Stoßwelle.

Die Cochrane-Übersicht von Surace, Deitch, Johnston und Buchbinder (März 2020) dämpft die Erwartung. 32 Studien mit 2281 Teilnehmenden, meist mit Kalk, zeigten gegen Scheinbehandlung nach drei Monaten im Mittel 0,78 Punkte weniger Schmerz auf einer 0-bis-10-Skala (klinisch relevant wären 1,5) und 8 Punkte mehr Funktion auf einer 0-bis-100-Skala (Schwelle 10). Unerwünschte Wirkungen, meist kurz und lokal, traten bei 26 von 100 Behandelten auf, gegen 7 von 100 unter Placebo. Die Autoren fanden kaum klinisch wichtige Vorteile und keine klare Dosis. Beide Lesarten gehören nebeneinander: Stoßwelle kann eine nichtinvasive Stufe sein, sie ist kein sicherer Auflöser.

Ultraschallgesteuerte Nadelspülung (Barbotage) sticht eine oder zwei Nadeln in den Herd, spült mit Kochsalz und saugt den Brei ab. Mayo Clinic beschreibt das als minimalinvasiv. Moya zitiert bessere Ergebnisse als Kortison allein, auch bei Herden über 5 Millimetern. Yao sieht für das Verschwinden des Kalks die Kombination aus ultraschallgeführtem Needling und subakromialer Steroidinjektion als vielversprechend. Restschmerz danach hängt oft an begleitenden Sehnenschäden, nicht am vergessenen Kristall.

Therapeutischer Ultraschall ohne Nadel bleibt in der Cleveland-Liste, tritt in den Netzwerkanalysen aber hinter Stoßwelle und Spülung zurück. Iontophorese mit Essigsäure gilt in der älteren chirurgischen Übersicht von De Carli als überholt.

Wann kommt eine Operation infrage?

Eine Operation bleibt die Ausnahme. Cleveland Clinic und De Carli nennen rund 10 Prozent der Betroffenen, bei denen konservative Wege nicht reichen. Moya setzt die Schwelle typischerweise bei mindestens sechs Monaten gezielter Therapie ohne tragbares Ergebnis, oder bei großen Herden mit mechanischem Haken und Blockade.

Ziel ist die Entfernung des Kalks und die Versorgung begleitender Risse. OrthoInfo beschreibt den Standard als Arthroskopie durch kleine Zugänge mit Kamera im subakromialen Raum. Offene Schnitte sind möglich, aber nicht mehr die erste Wahl. Yao (2025) fand keinen zusätzlichen Nutzen, wenn zur arthroskopischen Ausräumung noch eine Akromioplastik (Erweiterung unter dem Schulterdach) kam: Funktions- und Schmerzeffekt lagen praktisch gleich.

Ob jeder Rest entfernt und jeder Defekt genäht werden muss, bleibt umstritten. De Carli zitiert Serien, in denen Restkalk in Monaten von selbst verschwand, und andere, in denen die vollständige Entfernung mit besserer Funktion einherging. Die Naht eines entstandenen Defekts hängt von der Größe ab; kleine Teilrisse können unbehandelt bleiben.

Nach dem Eingriff trägt der Arm oft kurz eine Schlinge. OrthoInfo rechnet mit zwei bis vier Monaten bis zur weitgehenden Schmerzfreiheit, in manchen Fällen bis zu einem Jahr. Cleveland Clinic nennt etwa sechs Wochen als groben Rahmen und erwähnt Infekt, Narkosereaktion und Schultersteife als Risiken. Die Schlinge wird so früh wie vertretbar weggelassen, damit die Gelenkkapsel nicht einsteift. Physiotherapie steuert zuerst Bewegung, dann Kraft; zusätzliche Naht oder große Defekte verlängern das Programm.

Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme?

Plötzlicher starker Schulterschmerz, Steifigkeit oder Nachtschmerz gehören in die Praxis, nicht in wochenlanges Abwarten. Cleveland Clinic rät genau bei diesen Zeichen zur Abklärung, damit Riss, Schleimbeutelentzündung und Schultersteife nicht übersehen werden. OrthoInfo ergänzt Kraftverlust und die Frage, ob der Arm passiv noch beweglich ist.

Eine isolierte, heftige Resorption ist unangenehm, aber selten ein lebensbedrohlicher Notfall. Fieber, rasch zunehmende Rötung, starke Überwärmung oder ein Gelenk, das sich heiß und prall anfühlt, ändern die Dringlichkeit; dann soll noch am selben Tag eine Stelle untersuchen, die eine Infektion ausschließen kann. Taubheit oder Kribbeln in Arm und Hand gehören ebenfalls zeitnah geprüft, weil sie für die Kalkkrankheit untypisch sind und auf eine Nervenbeteiligung weisen.

Zeichen Mögliche Bedeutung Nächster Schritt
Nachtschmerz und Schonhaltung ohne Sturz Typische Resorption oder Schleimbeutelreizung Zeitnah Haus- oder Orthopädiepraxis
Schmerz trotz mehrerer Wochen Entlastung und Therapie Chronischer Verlauf, Stufenplan prüfen Überweisung, Bildgebung wiederholen
Kraftloses Heben, Arm fällt herunter Möglicher Riss der Rotatorenmanschette Zeitnahe fachärztliche Untersuchung
Fieber, heiße Rötung, pralles Gelenk Infekt muss ausgeschlossen werden Noch am selben Tag ärztlich sehen
Taubheit oder Kribbeln in Hand und Unterarm Nerv, Halswirbelsäule oder andere Ursache Baldige Abklärung, nicht nur Schulter
Wochenlange Steife in alle Richtungen Sekundäre Schultersteife nach Loew Physiotherapie plus Verlaufskontrolle

Loew, Schnetzke und Lichtenberg (Obere Extremität, 2021) nennen die sekundäre Schultersteife als wichtigste Komplikation des Spontanverlaufs; sie gilt dort als umkehrbar, verzögert die Erholung aber um Monate. Wer den Arm aus Angst wochenlang stillhält, erhöht genau dieses Risiko.

Häufige Fragen

Geht eine kalzifizierte Sehnenentzündung von allein weg?

Oft ja. Cleveland Clinic schreibt, die meisten Fälle klingen mit der Zeit ab. Loew und Kollegen (2021) rechnen bei vielen Betroffenen mit ein bis drei Jahren bis zur spontanen Auflösung, ohne den einzelnen Verlauf vorhersagen zu können. Trotzdem lohnt Behandlung des Schmerzes, weil die Wartezeit den Alltag und den Schlaf zerstören kann.

Ist der Kalk in der Schulter gefährlich?

Der Kristall selbst ist kein Tumor und keine Infektion. Gefährlich wird die Lage, wenn der Schmerz den Arm dauerhaft stilllegt, eine Schultersteife folgt oder ein Riss der Manschette dazukommt. Cleveland Clinic verknüpft genau diese Begleiter. Ein Zufallsbefund ohne Beschwerde braucht in der Regel keine Intervention.

Was hilft gegen den Nachtschmerz?

Seitenlage auf der gesunden Schulter, ein Kissen unter den betroffenen Arm, Eis und ein kurzfristig verträgliches Schmerzmittel sind der erste Schritt, den Mayo Clinic für Sehnenschmerz beschreibt. Hält der Nachtschmerz an, gehören Injektion, Stoßwelle oder Nadelspülung zur ärztlichen Entscheidung, nicht zur Selbstbehandlung.

Brauche ich eine Operation?

Die Mehrheit nicht. Cleveland Clinic und De Carli nennen etwa jedes zehnte behandelte Fallbeispiel als operationsbedürftig. Moya setzt sechs Monate ausgeschöpfter konservativer Stufen voraus, außer bei grobem mechanischem Impingement. Arthroskopie ist der heutige Standard, nicht der offene Großschnitt.

Kann die Entzündung zurückkommen?

Ja. Cleveland Clinic beschreibt Wellen über Monate oder Jahre und rät zu Kontrollen, wenn die Schulter schon einmal betroffen war. Das widerspricht der älteren Formel, nach Abheilen gebe es keinen Hinweis auf Wiederkehr. Neue Nachtschmerzen verdienen ein neues Bild, kein Abwinken.

Unterscheidet sich das von einer gewöhnlichen Sehnenentzündung?

Ja. Bei der kalzifizierenden Form liegt Hydroxylapatit in der Sehne; die gewöhnliche Tendinopathie der Manschette entsteht vor allem durch Reizung, Impingement oder Überlastung ohne solchen Herd. Cleveland Clinic hält fest, dass der Schleimbeutel mitentzünden kann, aber nicht der eigentliche Sitz des Kalks ist. Therapie und Prognose folgen deshalb dem Stadium des Kristalls.

Die Physiotherapie behandelt die Kalziumsehnenentzündung

Fazit

Wer nachts mit stechender Schulter aufwacht und den Arm kaum hebt, hat häufig eine Resorptionsphase und kein „eingeschlafenes“ Gelenk. Röntgen oder Ultraschall klären, ob Hydroxylapatit in der Manschette sitzt. Solange Fieber und grober Kraftverlust fehlen, beginnt der nächste Tag mit Entlastung der Überkopfarbeit, Eis, einem verträglichen Schmerzmittel und einem Termin in der Praxis, nicht mit einer Operationssuche.

Die Wissenschaft hat den Stufenplan seit 2018 geschärft und zugleich nüchterner gemacht. Physiotherapie bleibt die Basis (Yao 2025). Fokussierte Stoßwelle und Nadelspülung sind die nächsten Stufen, wobei Cochrane 2020 den Effekt der Stoßwelle gegen Placebo als klein bewertet. Eine Arthroskopie kommt infrage, wenn sechs Monate gezielter Therapie den Alltag nicht zurückgeben; eine zusätzliche Akromioplastik bringt in der Netzwerkanalyse keinen Extra-Gewinn.

Diabetes und Schilddrüse gehören ins Gespräch, weil sie den Verlauf verlängern können. Der Kalk kann von selbst verschwinden, und er kann wiederkommen. Beides ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund, Nachtschmerz und steife Morgenstunden ernst zu nehmen, bevor die Kapsel einsteift.

Quellen

  1. American Academy of Orthopaedic Surgeons: Calcific Tendinitis of the Shoulder. OrthoInfo, Stand: 2025.
  2. Cleveland Clinic: Calcific Tendonitis: Symptoms, Causes, & Treatment. Cleveland Clinic, 12. August 2021.
  3. Mayo Clinic: Tendinopathy – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 22. März 2025.
  4. Surace SJ, Deitch J et al.: Shock wave therapy for rotator cuff disease with or without calcification. Cochrane Database of Systematic Reviews, März 2020.
  5. Yao Y, Yang G et al.: Treatments for rotator cuff calcific tendinitis: a systematic review and network meta-analysis of randomized-controlled trials. EFORT Open Reviews, 30. Juni 2025.
  6. Moya D, Rashid M et al.: Therapeutic options in rotator cuff calcific tendinopathy. SICOT-J, 20. Februar 2025.
  7. Kaplan R, Berni M et al.: Pathogenesis of Shoulder Calcific Tendinopathy. International Journal of Molecular Sciences, 26. Februar 2026.
  8. De Carli A, Delle Rose G et al.: Calcific tendinitis of the shoulder. Joints, 1. August 2014.
  9. Loew M, Schnetzke M et al.: Current treatment concepts of calcifying tendinitis of the shoulder. Obere Extremität, 2021.
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