
Phencyclidin, im Straßenhandel oft Engelstaub oder PCP genannt, ist ein synthetisches dissoziatives Halluzinogen. Es blockiert den NMDA-Rezeptor für den Botenstoff Glutamat und kann Wahrnehmung, Schmerzempfinden und das Gefühl, im eigenen Körper zu sein, voneinander trennen.
Das Molekül entstand in den 1950er-Jahren als Narkosemittel unter dem Namen Sernyl. Nach postoperativen Halluzinationen und Verwirrtheit zog der Hersteller es 1965 aus der Humanmedizin zurück; die veterinärmedizinische Variante Sernylan folgte 1978. In den Vereinigten Staaten führt die Drug Enforcement Administration den Stoff als kontrollierte Substanz der Kategorie II ohne zugelassene medizinische Anwendung (Stand April 2026). Der aktuelle Konsum bleibt im Vergleich zu Cannabis oder anderen Halluzinogenen selten, die akute Vergiftung aber manchen Notaufnahmen vertraut.
Wer PCP genommen hat oder jemanden so vorfindet, braucht klare Schwellen für den Notruf 112, keine Hausrezepte. Ein spezifisches Gegenmittel fehlt. Kliniken arbeiten unterstützend, vor allem mit Benzodiazepinen, Kühlung, Flüssigkeit und Überwachung von Herz, Atmung und Muskeln.
Was ist Phencyclidin und wie wirkt es im Gehirn?
Phencyclidin ist ein Arylcyclohexylamin, das den NMDA-Rezeptor nichtkompetitiv blockiert. Genau dieser Eingriff ins Glutamatsystem erklärt Narkosewirkung, Schmerzarmut und das Gefühl, vom eigenen Körper abgetrennt zu sein.
Das National Institute on Drug Abuse ordnet PCP zusammen mit Ketamin den dissoziativen Stoffen zu, nicht den klassischen serotonergen Psychedelika wie LSD oder Psilocybin. Glutamat steuert Lernen, Gedächtnis, Emotion und Schmerz. Wird der NMDA-Kanal von innen besetzt, bricht die erregende Übertragung an vielen Synapsen ein. Das Gehirn verarbeitet Außenreize dann lückenhaft; Distanz zur Umgebung und zu sich selbst kann entstehen, ohne Warteschlange klassischer Farbvisionen.
StatPearls (Aktualisierung September 2023) beschreibt weitere Angriffspunkte. PCP hemmt die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin. Daraus folgen sympathomimetische Zeichen wie Bluthochdruck, schneller Puls, Bronchienweitstellung und motorische Unruhe. Bindung an Acetylcholin- und GABA-Rezeptoren kann dämpfen, speicheln oder die Pupillen verändern. Über Sigma-Rezeptoren sind Lethargie und Koma möglich. Das Merck Manual (Vollrevision Juni 2026) ergänzt einen Unterschied zu Ketamin, der klinisch zählt. PCP wirkt zusätzlich als partieller Agonist am Dopamin-D2-Rezeptor; Ketamin tut das beim Menschen nicht. Fehlende Dopaminagonie gilt als eine Erklärung, warum PCP häufiger Halluzinationen und Dysphorie auslöst als das verwandte Narkosemittel.
Die dissoziative Narkose, die Chirurgen einst suchten, hält Muskeltonus, Spontanatmung und oft geöffnete Augen. Genau diese Mischung macht den Rausch unberechenbar. Schmerzschwellen sinken, Kraftgefühl steigt, Urteilsfähigkeit bricht ein. Verletzungen bleiben unbemerkt, bis Kreislauf oder Niere bereits mitzahlen.

Wie wird PCP eingenommen und wie schnell setzt die Wirkung ein?
PCP erreicht das Gehirn über Rauchen, Schnupfen, Schlucken oder eine Injektion in die Vene. Am häufigsten wird geraucht, weil die Wirkung in wenigen Minuten beginnt und Nadeln entfallen.
Reines Phencyclidin ist ein weißes, bitteres Kristallpulver, das sich in Wasser und Alkohol löst. Illegale Chargen sind oft beige bis braun, klumpig oder verunreinigt; Dosis und Begleitstoffe kennt niemand. Die DEA (Merkblatt April 2026) nennt Pulver und Flüssigkeit als gängige Handelsformen, dazu Tabletten und Kapseln. Blattmaterial wie Minze, Petersilie, Oregano, Tabak oder Cannabis wird getränkt und als Zigarette geraucht. Eine in flüssiges PCP getauchte Joint- oder Tabakzigarette heißt im US-Straßenjargon Dipper; Mischungen mit Cannabis tragen Namen wie Wet oder Fry. Laut StatPearls erzeugen Inhalation und intravenöse Gabe Symptome in 2 bis 5 Minuten. Nach dem Schlucken dauert es 30 bis 60 Minuten. Die Plasmahalbwertszeit liegt bei etwa 21 Stunden, die klinischen Zeichen können je nach Menge mehrere Stunden bis 48 Stunden anhalten. Weil der Stoff fettlöslich ist, kann er aus Fettdepots nachströmen. Dann schwanken Wachheit und Verhalten, manchmal Tage später.
MedlinePlus (Stand Mai 2024) präzisiert den gerauchten Verlauf. Der Höhepunkt liegt oft 15 bis 30 Minuten nach dem Zug, nach Tabletten eher nach 2 bis 5 Stunden. Die DEA schreibt eine Rauschdauer von 4 bis 8 Stunden und subjektive Nachwirkungen von 24 bis 48 Stunden. Solche Intervalle gelten nur als grobe Korridore. Illegale Synthese liefert keine deklarierte Stärke, und Alkohol oder andere Dämpfer verschieben den Zeitplan.
StatPearls nennt 0,05 mg pro Kilogramm Körpergewicht als Schwelle, ab der Symptome beginnen können. Mengen von 20 mg oder mehr können Krampfanfälle, Koma und Tod nach sich ziehen. Eine ältere Notfallübersicht (Bey und Patel, 2007) stufte grob 2 bis 5 mg als unruhig-euphorisch, 5 bis 25 mg als stuporös und mehr als 25 mg als komatös ein. Schon diese Arbeit betonte, dass der Serumspiegel schlecht mit dem klinischen Bild korreliert. Deshalb taugt keine Milligrammangabe als Hausdosis. Entscheidend bleibt, wie der Mensch vor einem atmet, sich bewegt und auf Ansprache reagiert.
Welche Kurzzeiteffekte treten nach PCP auf?
Niedrige bis mittlere Mengen können Euphorie, Taubheit und das Gefühl erzeugen, unverwundbar zu sein. Gleichzeitig steigen oft Blutdruck, Puls und Körpertemperatur, während Koordination und Sprachfluss nachlassen.
Das toxische Bild schwankt zwischen Erregung und Dämpfung, weil derselbe Stoff mehrere Transmittersysteme trifft. StatPearls fasst Untersuchungsbefunde aus Fallserien so zusammen. Horizontaler, vertikaler oder rotatorischer Nystagmus tritt in 60 bis 90 Prozent der dokumentierten Intoxikationen auf. Bluthochdruck betrifft etwa 60 Prozent, Tachykardie etwa 30 Prozent. Weite Pupillen sind selten, enge noch seltener. Cleveland Clinic (Stand April 2023) beschreibt bei niedrigen bis mittleren Dosen eine leichte Atembeschleunigung, deutlichen Puls- und Blutdruckanstieg, Taubheit der Extremitäten und Verlust der Muskelkoordination. Hohe Mengen können Blutdruck, Puls und Atmung senken und zusätzlich Übelkeit, Speichelfluss, Schwindel und Gleichgewichtsverlust bringen.
Für Außenstehende wirkt die Person oft leer blickend, verwaschen sprechend, taumelnd oder starr. Phasen von Kampfbereitschaft wechseln mit Bewegungslosigkeit. Halluzinationen, Wahn und das Gefühl, Stimmen zu hören, können in Aggression oder Rückzug kippen. Weil Schmerz gedämpft ist, bleiben Schnittwunden, Verbrennungen oder Knochenbrüche zunächst still. Merck betont, dass weder Ketamin noch PCP allein regelmäßig den Atemantrieb ersticken. Die eigentliche Gefahr liegt in unvorhersehbaren Reaktionen auf Reize und in Verletzungen, die andere oder die betroffene Person selbst erleiden.
Sehr hohe Mengen können Azidose, schwere Hyperthermie, Herzrhythmusstörungen, Krämpfe und Koma auslösen. Todesfälle durch die Reinsubstanz allein gelten laut Merck als ungewöhnlich. Cleveland Clinic und ältere Fallserien sehen den tödlichen Ausgang häufiger in Unfällen oder Suizidhandlungen während des Rausches. Nach dem Abklingen kann eine sogenannte Aufwachreaktion folgen. Bizarre Handlungen, Verwirrtheit, lebhafte Träume oder das Gefühl zu schweben halten manchmal Tage, selten Wochen.
Wann ist PCP ein medizinischer Notfall?
Agitation mit Gewaltbereitschaft, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit, sehr hohe Körpertemperatur oder Verdacht auf schwere Verletzung sind Gründe für den Notruf 112. Eine PCP-Überdosis ist laut MedlinePlus (Stand April 2025) ein Notfall, den Laien nicht zu Hause steuern sollen.
Nicht jede Einnahme endet auf der Intensivstation. Dennoch gibt es Schwellen, die keinen Aufschub vertragen. MedlinePlus listet für die Überdosis Unruhe bis hin zu gewalttätigem Verhalten, veränderten Bewusstseinszustand, katatonen Stupor, Koma, Krämpfe, Halluzinationen, Bluthochdruck, seitliche Augenbewegungen, Psychose und unkontrollierte Bewegungen. StatPearls ergänzt Rhabdomyolyse, Unterzucker, hypertensiven Notfall, Koma und Traumafolgen als Komplikationen, die Notaufnahmen kennen müssen. Hyperthermie entsteht vor allem durch psychomotorische Unruhe, nicht durch einen verschobenen Hypothalamus-Sollwert. Kühlende Hausmittel ersetzen hier keinen Rettungsdienst.
Angehörige sollen eine erregte Person nicht anfassen oder zum Erbrechen bringen, es sei denn, Giftnotruf oder Ärztin fordern das ausdrücklich. Abstand halten, Licht und Lärm dämpfen, langsam sprechen und den Raum frei von Gegenständen lassen, die als Waffe taugen. Bleibt jemand allein mit suizidalen Äußerungen, gilt in Deutschland der Notruf 112; die Telefonseelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222) kann zusätzlich zuhören, ersetzt aber keine Rettung.
| Beobachtung | Handlung | Begründung aus Leittexten |
|---|---|---|
| Krämpfe, Koma, blaue Lippen oder fehlende Reaktion | Sofort 112, Atemwege frei halten, nicht schütteln | StatPearls und MedlinePlus werten das als lebensbedrohliche Toxizität |
| Extreme Unruhe, Gewalt oder Waffen in Reichweite | 112, Abstand, Reize senken, selbst nicht festhalten | Cleveland Clinic und MedlinePlus warnen vor Verletzung Dritter |
| Sehr heiße Haut, Muskelstarre, dunkler Urin | 112, kühle Umgebung, keine fiebersenkende Selbstmedikation | Hyperthermie und Rhabdomyolyse brauchen Klinik und Infusion |
| Brustschmerz, sehr hoher Puls, Bewusstseinstrübung | 112, Person hinlegen, keine weiteren Drogen oder Alkohol | Merck fordert EKG und Troponin bei Herzzeichen |
| Nur leichter Schwindel nach bekannter kleiner Menge, Ansprechbarkeit erhalten | Giftnotruf oder Bereitschaftsdienst, nicht allein lassen | StatPearls beobachtet Symptomfreie in der Klinik mindestens 6 Stunden |
Mischkonsum mit Alkohol, Benzodiazepinen oder Opioiden senkt die Schwelle für Koma. Wer PCP schluckt, um es vor der Polizei zu verbergen (Body-Stuffing), kann unkontrolliert große Mengen nachliefern, sobald Beutel reißen. Das ist ein chirurgisch-toxikologischer Notfall, kein Abwarten.
Wie behandelt die Klinik eine PCP-Vergiftung?
Die Behandlung ist unterstützend. Benzodiazepine sind laut StatPearls Mittel der ersten Wahl gegen Unruhe, Krämpfe, Bluthochdruck und hyperthermiebedingte Agitation; ein spezifisches Antidot fehlt.
Zuerst sichern Teams Atemweg, Atmung und Kreislauf. Intubation kann nötig werden, wenn Schutzreflexe ausfallen oder extreme Unruhe eine Untersuchung unmöglich macht. Reizarme Umgebung, gedämpftes Licht und wenige Stimmen helfen oft schon, bevor Medikamente greifen. StatPearls empfiehlt Lorazepam 2 bis 4 mg intravenös oder intramuskulär beziehungsweise Diazepam 5 bis 10 mg auf demselben Weg, bei Bedarf alle 10 Minuten wiederholt, bis Sedierung ausreicht. Dieselben Benzodiazepine gelten als erste Linie gegen PCP-bedingten Bluthochdruck und gegen Anfälle. Bleibt nach Sedierung ein hypertensiver Endorganschaden, nennen toxikologische Kurztexte Phentolamin oder Nitroprussid als Reserve, nicht Betablocker als Hausmittel.
Aktivkohle ist kein Routinegriff. StatPearls hält sie bei massiver oraler Aufnahme oder gefährlicher Beigabe für erwägenswert, aber nur innerhalb einer Stunde nach dem Schlucken, Dosis 1 g pro Kilogramm, höchstens 50 g. Rauchen und Spritzen umgehen den Magen; Kohle ändert dort wenig. Magenspülung und forcierte Darmspülung gehören nicht zum Standard. Ein früher Lehrsatz, den Harn anzusäuern, um die Ausscheidung zu beschleunigen, ist überholt. Merck formuliert 2026 klar, der Urin solle wegen Azidämierisiko und weiterer Schäden nicht angesäuert werden. Bei Rhabdomyolyse würde saurer Harn die Niere zusätzlich belasten.
Labore suchen Begleitstoffe, Blutzucker, Elektrolyte, Kreatinkinase, Leberwerte, Myoglobin im Urin und ein EKG. Die Kreatinkinase war in älteren Serien bei etwa 70 Prozent erhöht, Leberwerte bei etwa 50 Prozent, Unterzucker bei etwa 22 Prozent. Bildgebung folgt bei Trauma oder unklarem Koma. Chemische Sedierung gilt als schonender als langes Fixieren, weil Gegenwehr die Muskulatur weiter zerstört. Antipsychotika bleiben Zweitlinie. Sie können die Krampfschwelle senken, Hyperthermie und Muskelstarre verstärken und das QT-Intervall verlängern.
Leichte Verläufe dürfen laut StatPearls eine bis zwei Stunden nach Symptomfreiheit nach Hause, wenn keine Komplikation und kein offenes Verhaltensrisiko bleibt. Wer ohne Symptome nur wegen Konsum kommt, soll mindestens sechs Stunden beobachtet werden. Schwere Fälle gehören auf eine Überwachungsstation. Vor der Entlassung prüfen Teams, ob eine psychiatrische Mitbeurteilung nötig ist.
Welche Langzeitfolgen und Entzugszeichen kennt man?
Wiederholter Konsum kann Gedächtnis, Sprache und Stimmung über Monate belasten. Manche Menschen erleben Nachhallphänomene oder eine Psychose, die Tage bis Wochen über den Rausch hinausreicht.
Die DEA nennt als Folgen langjährigen Gebrauchs anhaltende Sprechstörungen, Denk- und Gedächtnisprobleme, Angst, Depression, sozialen Rückzug und Suizidgedanken. Solche Beschwerden können laut älteren Beobachtungen bis zu einem Jahr nach dem letzten Konsum nachklingen. MedlinePlus beschreibt ähnliche kognitive und affektive Schäden und verknüpft Stimmungseinbrüche mit Suizidversuchen. NIDA erwähnt die seltene halluzinogenpersistierende Wahrnehmungsstörung, bei der Bilder, Stimmungen oder Szenen des Rausches wiederkehren und belasten. Die Evidenz dazu stützt sich vor allem auf Selbstberichte; Dosis und Stoff sind oft unsicher.
PCP kann nach NIDA eine Psychose auslösen, die Tage bis Wochen anhält, und Symptome einer bekannten Schizophrenie verstärken. Tierversuche mit langem NMDA-Block zeigen Hirnveränderungen, die an Muster bei Schizophrenie erinnern. Das beweist keine Diagnose nach einmaligem Konsum, warnt aber Menschen mit psychotischer Vorerkrankung. LiverTox (Stand 2016) dokumentiert nach sehr hohen Dosen ein anderes Organrisiko. Maligne Hyperthermie, Schock und Rhabdomyolyse können eine akute Lebernekrose nachziehen, typischerweise ein bis zwei Tage nach der Überdosis, mit rasch steigenden Transaminasen. Bei Intensivtherapie kann sich das Bild wieder zurückbilden; die Verletzung gilt als Folge von Hitze und Minderdurchblutung, nicht als klassische Medikamentenhepatitis.
Entzug nach regelmäßigem Gebrauch ist vor allem psychisch geprägt. MedlinePlus nennt Angst, Unruhe, Verwirrtheit, Reizbarkeit und Halluzinationen, körperlich Muskelzucken, Gewichtsverlust, erhöhte Temperatur oder Krämpfe. Schwere Verläufe gehören in eine stationäre Entzugsbehandlung, weil Sicherheit und Flüssigkeitsstatus überwacht werden müssen. Ein plötzliches Absetzen gilt in älteren klinischen Texten selten als direkt lebensbedrohlich wie ein Alkohol- oder Benzodiazepinentzug. Trotzdem können Krämpfe, Hyperthermie und Suizidalität medizinische Hilfe erzwingen. Craving bleibt der häufigste Grund für Rückfall.
Macht PCP abhängig und wie häufig wird es noch genutzt?
Ja, wiederholter Gebrauch kann eine Substanzgebrauchsstörung mit Toleranz und Craving ausbilden. Ein zugelassenes Medikament, das die PCP-Wirkung blockiert oder den Konsum senkt, gibt es laut MedlinePlus (Stand Mai 2024) nicht.
Das DSM-5 führt eigens eine Phencyclidin-Gebrauchsstörung. NIDA stellt fest, dass klassische Psychedelika selten abhängig machen, PCP aber als dissoziativer Stoff eine eigene Kategorie erhält. Toleranz treibt die Menge nach oben, während unklare Straßenstärke das Risiko einer toxischen Dosis erhöht. Behandlung ruhte bisher auf Gesprächsverfahren, Rückfallplanung, Einbezug von Angehörigen und Behandlung begleitender Depression oder Psychose. Stationäre Einrichtungen helfen, wenn Entzugssymptome schwer sind oder das Umfeld unsicher bleibt. Selbsthilfegruppen und Suchtberatungsstellen können den Alltag stützen, ersetzen aber keine medizinische Überwachung in der akuten Phase.
Die Verbreitung ist kleiner als ältere Schulhofzahlen nahelegten. Die US-Survey NSDUH 2024 (Tabellen der Substance Abuse and Mental Health Services Administration) schätzt unter Personen ab 12 Jahren 5,829 Millionen mit mindestens einmaligem Lebenszeitkonsum, das sind 2,0 Prozent. Im zurückliegenden Jahr waren es 103 000 Personen, im Monat 46 000, jeweils unter 0,1 Prozent. Die DEA zitiert für 2024 ähnliche Größenordnungen und für 2023 234 Meldungen an US-Giftzentralen mit einem Todesfall. Unter US-Zwölftklässlern lag der Vorjahreskonsum laut der von der DEA zitierten Monitoring-the-Future-Erhebung bei 0,7 Prozent (2024) und 1,2 Prozent (2025); über zwei Jahrzehnte blieb er unter 2 Prozent. Für Deutschland fehlen vergleichbar dichte, aktuelle Reihen in derselben Primärquelle. Die US-Zahlen ersetzen die Teenagerangabe von 2015 (0,2 Prozent Lebenszeitkonsum der 12- bis 17-Jährigen), die die frühere Fassung dieser Seite trug.
Notaufnahmen sahen PCP zuletzt vor allem in einzelnen Großstädten, oft zusammen mit anderen Stoffen. StatPearls erinnert an die ältere US-Warnnetzstatistik von 2011 mit 75 538 PCP-bezogenen Besuchen, ein Vielfaches gegenüber 2005. Das ist eine historische Kurve, kein heutiger Inzidenzwert. Wer den eigenen Konsum nicht steuern kann, sollte die Hausarztpraxis oder eine Suchtambulanz ansprechen, bevor der nächste Rausch in der Notaufnahme endet.
Mit welchen anderen Stoffen wird PCP besonders gefährlich?
Alkohol, Beruhigungsmittel und Opioide können die dämpfende Seite von PCP verstärken und ins Koma führen. Viele Notfälle entstehen erst durch Mischkonsum oder durch Stoffe, die niemand deklariert hat.
Cleveland Clinic warnt ausdrücklich vor der Kombination mit anderen zentral dämpfenden Mitteln. StatPearls berichtete für 2011, dass 72 Prozent der PCP-Notaufnahmekontakte weitere Substanzen umfassten, darunter Cannabis, Kokain, Schmerzmittel und Anxiolytika. NIDA weist darauf hin, dass illegal hergestellte Pulver und Flüssigkeiten farbloses Fentanyl enthalten können. Wie oft das bei PCP vorkommt, ist noch unzureichend gemessen; die theoretische Überdosisgefahr bleibt, weil weder Geruch noch Geschmack warnen. Wer testet, testet eine Probe, nicht den nächsten Beutel.
Cannabis, das mit PCP getränkt wurde, täuscht oft eine „nur gekiffte“ Situation vor. Die dissoziative Komponente kommt verzögert oder stärker als erwartet. Kokain oder Amphetamine addieren Kreislaufstress auf den bereits sympathomimetischen PCP-Effekt. Anticholinergika und hochdosiertes Dextromethorphan können ein ähnliches dissoziatives Bild erzeugen und im Urintest stören. Schwangere treffen ein zusätzliches Risiko. NIDA verknüpft PCP in der Schwangerschaft mit angeborenen Fehlbildungen an Herz, Lunge, Harnwegen und Bewegungsapparat. Die Datenlage ist dünn, ein sicheres Fenster ist nicht beschrieben. Abstinenz und ärztliche Begleitung bleiben die konservative Linie.
Was taugt der Drogentest auf PCP?
Ein positiver Urinschnelltest stützt den Verdacht, beweist aber weder akute Vergiftung noch eine genaue Menge. Falsch-positive und tagelang positive Befunde nach altem Konsum sind häufig.
Merck rät, den Standard-Urinscreen nicht als Suchtest für eine toxische PCP-Last zu missbrauchen. Der Assay ist weder empfindlich noch spezifisch genug. Dextromethorphan, Diphenhydramin und Ibuprofen können kreuzreagieren. StatPearls nennt zusätzlich Methadon, Venlafaxin und Chlorpromazin. Chronisch Konsumierende bleiben Wochen nach der letzten Dosis positiv, weil Fettgewebe nachliefert. Ein negativer Screen schließt eine frische Aufnahme nicht aus, besonders wenn der Urin alkalisch ist oder das Labor nur klassische Immunoassays fährt. Bestätigung braucht Chromatographie mit Massenspektrometrie, deren Ergebnis in der Akutnacht selten vorliegt.
Die Diagnose bleibt deshalb klinisch. Nystagmus plus Tachykardie plus dissoziierter Zustand ist laut Merck schon ein belastbares vorläufiges Bild. Trotzdem müssen Unterzucker, Alkohol, Salizylate, Paracetamol, Infekt, Schädel-Hirn-Trauma und psychiatrische Erstmanifestation mitgeprüft werden. Serum-PCP-Spiegel dauern oft Wochen und ändern die Soforttherapie nicht. Angehörige helfen mehr mit einer ehrlichen Liste möglicher Stoffe als mit dem Wunsch nach einem einzigen Streifentest.
Häufige Fragen
Ist PCP dasselbe wie Ketamin?
Nein. Beide blockieren den NMDA-Rezeptor und können dissoziieren, PCP wirkt beim Menschen zusätzlich am Dopamin-D2-Rezeptor. Ketamin bleibt ein zugelassenes Narkose- und Depressionsmittel in kontrollierter Dosis, PCP hat in den USA keine medizinische Zulassung. Halluzinationen und Dysphorie treten unter PCP häufiger auf als unter klinisch dosiertem Ketamin.
Kann man an einer PCP-Menge sterben?
Ja, sehr hohe Dosen können Krämpfe, Koma, Hyperthermie und Multiorganversagen auslösen, StatPearls nennt 20 mg als kritische Größenordnung. Häufiger als die direkte Giftwirkung töten Unfälle oder Suizidhandlungen im Rausch. Mischkonsum mit Alkohol oder anderen Dämpfern erhöht die Koma-Gefahr.
Gibt es ein Gegengift gegen PCP?
Ein spezifisches Antidot, das PCP vom Rezeptor verdrängt, ist nicht zugelassen. Die Klinik sediert mit Benzodiazepinen, schützt Atemwege, kühlt und behandelt Komplikationen. MedlinePlus stellt klar, dass auch für den längerfristigen Konsum kein blockierendes Medikament existiert.
Wie lange bleibt PCP im Urin sichtbar?
Nach einmaligem Gebrauch oft zwei bis vier Tage, nach chronischem Konsum über eine Woche und manchmal länger. Fettlöslichkeit und Nachlieferung aus Depots erklären die Spanne. Ein Streifentest kann durch Ibuprofen, Venlafaxin oder Dextromethorphan falsch positiv werden.
Was sollen Angehörige tun, wenn jemand PCP genommen hat?
Bei Krämpfen, Gewalt, Bewusstlosigkeit oder starker Überhitzung sofort 112 wählen und Abstand halten. Licht und Lärm senken, nicht zum Erbrechen bringen, keine weiteren Mittel geben. Bleibt die Person ansprechbar und ruhig, Giftnotruf oder Ärztin anrufen und niemanden allein lassen.
Ist der Entzug von PCP lebensgefährlich?
Der Entzug gilt seltener als unmittelbar tödlich im Vergleich zu Alkohol oder hochdosierten Benzodiazepinen. Angst, Unruhe, Halluzinationen, Fieber oder Krämpfe können trotzdem klinisch gefährlich werden. Schwere Verläufe gehören unter ärztliche Aufsicht, nicht in ein unbegleitetes Ausschleichen zu Hause.
Fazit
PCP bleibt ein selten konsumiertes, aber in der Akutmedizin unangenehmes Dissoziativum. Es trennt Wahrnehmung und Schmerz vom Körper, treibt Kreislauf und Muskeln an und kann in hoher Menge Krämpfe, Hitze und Nierenversagen nach Muskelzerfall auslösen. Seit den älteren Lehrbüchern hat sich die Notfalllinie verschoben. Harnansäuerung gilt als obsolet, Benzodiazepine tragen die Sedierung, Aktivkohle nur noch bei frischer oraler Masse.
Wer konsumiert oder jemanden so vorfindet, handelt pragmatisch. 112 bei Krämpfen, Gewalt, Koma oder extremer Hitze; Abstand statt Festhalten; keine Mischung mit Alkohol. Nach der Akutphase fehlt anhaltend ein Medikament gegen Craving. Gespräche, sichere Umgebung und Behandlung einer begleitenden psychischen Erkrankung sind das, was Leittexte heute anbieten.
Hausarztpraxis, Suchtberatung und bei Suizidgedanken der Notruf oder die Telefonseelsorge sind die nächsten konkreten Schritte. Illegale Pulver tragen keine Dosisangabe. Jede weitere Einnahme bleibt ein unkalkulierter Versuch am eigenen Gehirn.
Quellen
- Journey JD, Bentley TP: Phencyclidine Toxicity. StatPearls, 4. September 2023.
- MedlinePlus: Substance use – phencyclidine (PCP). MedlinePlus Medical Encyclopedia, 4. Mai 2024.
- MedlinePlus: Phencyclidine overdose. MedlinePlus Medical Encyclopedia, 8. April 2025.
- Chary M: Ketamine and Phencyclidine. Merck Manual Professional Edition, Juni 2026.
- National Institute on Drug Abuse: Psychedelic and Dissociative Drugs. National Institute on Drug Abuse, April 2023.
- Drug Enforcement Administration: Phencyclidine (Street Names: PCP, Angel Dust, Super Grass, Love Boat, Shermans). Drug Enforcement Administration, April 2026.
- National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Phencyclidine (LiverTox Clinical and Research Information). LiverTox, 11. April 2016.
- Substance Abuse and Mental Health Services Administration: Section 1 PE Tables – Results from the 2024 National Survey on Drug Use and Health. Substance Abuse and Mental Health Services Administration, Stand: 2025.
- Cleveland Clinic: Hallucinogens: LSD, Peyote, Psilocybin, PCP & Other Psychedelic Drugs. Cleveland Clinic, 18. April 2023.
- Bey T, Patel A: Phencyclidine Intoxication and Adverse Effects: A Clinical and Pharmacological Review of an Illicit Drug. Western Journal of Emergency Medicine, Februar 2007.
