Tendinosis: Symptome, Ursachen und Behandlung

Tendinosis: Symptome, Ursachen und Behandlung

Tendinosis ist eine schleichende Degeneration der Sehne. Die Kollagenfasern verlieren ihre parallele Ordnung, das Gewebe wird weniger belastbar und oft schmerzhaft, ohne dass Rötung oder Wärme typisch wären. Aktuelle Konsenspapiere bündeln dasselbe klinische Bild meist unter Tendinopathie, nämlich anhaltenden Sehnenschmerz und Funktionsverlust im Zusammenhang mit mechanischer Belastung.

Die alte Trennung in „akut entzündet“ und „chronisch degeneriert“ bleibt in Lehrbüchern sichtbar, taugt im Sprechzimmer aber nur begrenzt. Bild- oder Gewebebefunde, die man Tendinosis nennt, kommen auch bei Menschen ohne Schmerz vor. Therapie und Prognose hängen deshalb weniger am Etikett als an der betroffenen Sehne, an Arzneimitteln wie Fluorchinolonen und daran, ob dosierte Belastung möglich ist. Wer Monate wartet, riskiert nach der Patienteninfo der Cleveland Clinic (Aktualisierung Juli 2024) eine fortschreitende Schwäche bis zum Riss.

Was Tendinosis von Tendinitis unterscheidet

Tendinosis beschreibt eine degenerative Veränderung der Sehne mit wenig oder keiner klassischen Entzündung im Gewebe. Tendinitis meint dagegen eine entzündliche Reaktion, oft nach einem klaren Überlastungsreiz. Beide gehören zur Tendinopathie, dem Sammelbegriff für Schmerz und Funktionsverlust der Sehne.

So ordnen es StatPearls (Aktualisierung März 2025) und die Cleveland Clinic (Juli 2024) ein. Der internationale ICON-Konsens von 2019 geht einen Schritt weiter. Dort heißt der bevorzugte klinische Ausdruck Tendinopathie. Den Begriff Tendinosis empfehlen die Autorinnen und Autoren nicht, solange keine gemeinsame Definition feststeht. Was im Ultraschall oder unter dem Mikroskop als „Tendinosis“ erscheint, kann Heilung, Anpassung oder schlichtes Altern sein und muss nicht den Schmerz erklären.

Für Patientinnen und Patienten bleibt die Unterscheidung trotzdem nützlich, weil sie Erwartungen steuert. Eine frische Tendinitis kann sich binnen Tagen bis weniger Wochen bessern, wenn der Auslöser wegfällt. Tendinosis braucht oft Monate, weil die Sehne Kollagen neu ordnen muss und schlecht durchblutet ist. Rötung, Wärme und deutliche Schwellung passen eher zur Entzündung. Fehlen sie und der Schmerz zieht sich über drei Monate, denken Kliniken wie die Cleveland Clinic eher an Degeneration.

Merkmal Tendinosis Tendinitis Tendinopathie
Kern im Gewebe Kollagenzerfall, wenig Entzündung Entzündungszellen, akute Reizung Oberbegriff ohne Gewebefestlegung
Zeitverlauf Meist Wochen bis Monate Oft Tage bis wenige Wochen Unabhängig von der Dauer
Hautzeichen Kaum Rötung oder Wärme Rötung, Wärme, Schwellung möglich Hängt von der Unterform ab
Therapiekern Dosierte Belastung, relative Ruhe Kurz entlasten, Schmerzmittel Wie die Unterform, oft Übungen

Die Tabelle verdichtet Cleveland Clinic, StatPearls und ICON. Sie ersetzt keine Untersuchung. Im Alltag überschneiden sich die Bilder, und viele Überweisungen tragen noch den Stempel „Tendinitis“, obwohl längst ein degeneratives Muster vorliegt.

Tendinose

Welche Symptome und welche Sehnen sind typisch

Der Schmerz sitzt lokal an der Sehne, wird bei Belastung stärker und klingt in Ruhe oft nur unvollständig ab. Steifheit, Kraftverlust und eine geringere Beweglichkeit des Gelenks gehören dazu, manchmal ein brennendes Gefühl. Die Cleveland Clinic nennt chronischen Verlauf, wenn die Beschwerden länger als drei Monate anhalten.

Typische Orte sind die Achillessehne, die Patellasehne am unteren Kniescheibenrand, die Sehnen der Rotatorenmanschette, die Außen- oder Innenseite des Ellenbogens und das erste Strecksehnenfach am Daumen (De-Quervain). Das Merck Manual (Aktualisierung 2026) ergänzt die lange Bizepssehne und die hintere Tibialissehne am Fußinnenrand. Sportnamen wie Tennisarm oder Springerknie beschreiben denselben Ort, nicht eine eigene Krankheit. Wer nie Tennis spielt, kann denselben Sehnenansatz trotzdem überlasten.

Am Morgen oder nach längerem Sitzen fühlt sich die Stelle oft steifer an. Nach den ersten Bewegungen wird sie manchmal erträglicher, bis die nächste Belastungswelle den Schmerz zurückholt. Ein knirschendes oder reibendes Gefühl kann vorkommen, muss aber nicht. Schwellung ohne Rötung spricht eher für Verdickung und Umbau als für eine heiße Entzündung. Fehlt der Schmerz anfangs ganz, merken Betroffene die Schwäche erst, wenn Nachbarstrukturen die Last übernehmen.

Jedes dieser Muster bleibt unspezifisch. Ein eingeklemmter Nerv, eine Schleimbeutelreizung, Arthritis oder ein Teilriss können ähnlich liegen. Deshalb zählt der genaue Ort, der Auslöser und ob sich der Schmerz durch gezielte Widerstandstests reproduzieren lässt. Das entscheidet, ob zuerst trainiert, gespritzt oder operiert wird.

Warum die Heilung der Sehne scheitert

Tendinosis entsteht, wenn Mikrorisse und Überlastung schneller kommen als die Reparatur. Die Heilungskaskade bleibt unvollständig, Zellen sterben ab, die Matrix gerät durcheinander, neue Gefäße und Nerven sprossen ein. StatPearls beschreibt genau diese drei Stufen und führt den Schmerz unter anderem auf die neu gebildeten Nerven an den Gefäßsprossen zurück.

Gesunde Sehnen bestehen aus straff gebündeltem Kollagen und verbrauchen wenig Sauerstoff. Das macht sie ausdauernd, aber langsam bei der Erholung. Wiederholte gleiche Bewegungen, ein plötzlicher Trainingsanstieg oder ein altes Trauma, das nie ausheilte, können die Balance kippen. Chemische Schäden kommen hinzu. Fluorchinolon-Antibiotika, Kortikosteroide und Statine stehen in den Patienteninfos der Cleveland Clinic und im Merck Manual als mögliche Mitursachen.

Systemische Faktoren verändern das Kollagen selbst. Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen, höheres Körpergewicht und eine schlechte Durchblutung der Sehne erschweren die Heilung, so StatPearls (März 2025). Das Merck Manual nennt zusätzlich rheumatoide Arthritis, systemische Sklerose, Gicht, reaktive Arthritis und selten Amyloid oder sehr hohe Cholesterinwerte. Bei jüngeren Erwachsenen, vor allem Frauen, kann eine disseminierte Gonokokkeninfektion eine wandernde Sehnenscheidenentzündung auslösen, das ist aber ein anderes Krankheitsbild.

Ältere Texte erklärten Tendinosis als „ausgebrannte Tendinitis“. Das greift zu kurz. Laktat und Sauerstoffmangel im Gewebe, gestörte Zellhomöostase unter Druck und Wärme sowie eine veränderte Rekrutierung von Reparaturzellen spielen mit. NSAR und Kortison können den Schmerz kurz dämpfen und zugleich Zellstoffwechsel und Matrixaufbau stören. Deshalb ist „einfach entzündungshemmend behandeln“ bei einem degenerativen Muster oft die falsche Logik.

Wer besonders gefährdet ist

Wer dieselbe Bewegung beruflich oder sportlich oft wiederholt und die Sehne dazwischen nicht erholen lässt, trägt das höchste Risiko. Athletinnen, Handwerker, Köche, Musiker und Menschen mit eintöniger Bildschirmarbeit stehen in denselben Listen. Die Cleveland Clinic betont, dass gerade Motivierte oder Abhängige vom eigenen Arm die nötige Pause nicht einlegen.

Das Alter senkt die Durchblutung der Sehne. Das Merck Manual sieht Tendinopathie deshalb häufiger in der Lebensmitte und später, auch ohne spektakulären Unfall. Anatomische Varianten können reiben, etwa ein nach unten geneigtes Schulterdach, das die Supraspinatussehne einengt. Ein früherer Eingriff oder ein nicht ausgeheilter Sportschaden hinterlässt eine schwächere Stelle.

Arzneimittel verdienen eine eigene Frage in der Anamnese. Fluorchinolone erhöhen das Risiko für Tendinopathie und Riss, besonders an der Achillessehne. Zusammen mit Kortikosteroiden steigt die Gefahr deutlich, schreibt StatPearls. Menschen über 60 Jahre, mit Niereninsuffizienz oder Diabetes gelten als besonders empfindlich. Wer kürzlich ein solches Antibiotikum bekommen hat und neu Sehnenschmerz spürt, sollte das Mittel nicht auf eigene Faust absetzen, aber umgehend ärztlich klären lassen.

Prävention gelingt am ehesten, bevor der Schmerz chronisch wird. Ein schleichender Trainingsanstieg, bessere Technik und eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung können die Last verteilen. Ist der Umbau erst da, reicht „einfach aufhören“ selten. Dann braucht die Sehne eine geplante Belastung, nicht nur Schonung.

Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme

Sehnenschmerz, der trotz angepasster Belastung länger als wenige Wochen bleibt oder sich steigert, gehört in die Praxis. Die Cleveland Clinic rät, chronische muskuloskelettale Schmerzen nicht auszusitzen, weil Tendinosis ohne Entlastung und gezielte Übungen weiter schwächen kann. Ein früher Termin verkürzt oft die Gesamtzeit, weil die falsche Strategie „nur Eis und Ibuprofen“ früher endet.

Sofortige Hilfe ist nötig, wenn die Sehne möglicherweise gerissen ist. Plötzlicher scharfer Schmerz, ein hörbares oder fühlbares Reißen, rascher Kraftverlust und die Unfähigkeit, das Gelenk gegen Widerstand zu bewegen, sind Warnzeichen. An der Achillessehne fehlt oft der Abdruck vom Vorfuß. An der Schulter bleibt der Arm in bestimmten Winkeln kraftlos. Die hintere Tibialissehne kann so versagen, dass das Fußgewölbe nachgibt und der Gang kippt, beschreibt die Cleveland Clinic als mögliche Folge unbehandelter Tendinosis.

Fieber, starke Rötung, zunehmende Schwellung nach einer Spritze oder ein Gelenk, das sich nicht mehr bewegen lässt, sprechen für Infekt, Kristallarthropathie oder einen anderen Notfall, nicht für schlichte Tendinosis. Nach Fluorchinolonen gilt jeder neue Sehnenschmerz als Alarm, bis das Gegenteil feststeht. Nächtlicher Dauerschmerz, der unabhängig von Belastung bleibt, sollte ebenfalls abgeklärt werden, weil Tumoren, Nervenengpässe oder entzündlich-rheumatische Krankheiten hinter demselben Ort stecken können.

  • Ein plötzlicher Knall plus Kraftverlust rechtfertigt denselben Tag eine ärztliche Untersuchung, nicht erst die nächste Physiotherapie.
  • Neue Sehnenschmerzen unter Fluorchinolonen oder nach einer Kortisoninjektion gehören noch in derselben Woche in die Sprechstunde.
  • Schmerz, der nach sechs Wochen angepasster Belastung kaum nachlässt, braucht eine Diagnose statt weiterer Selbstversuche.

Diese Schwellen fassen Cleveland Clinic, Mayo Clinic und StatPearls zusammen. Sie ersetzen keine individuelle Einschätzung, geben aber eine Richtung, wann Warten schadet.

Wie die Diagnose gestellt wird

Die Diagnose stützt sich zuerst auf Gespräch und Untersuchung, nicht auf ein Pflicht-MRT. Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Beginn, Trainings- oder Arbeitsänderung, Vorverletzungen, Infekten und nach neuen Arzneimitteln einschließlich Antibiotika und lokalen Betäubungsmitteln. Druckschmerz genau über der Sehne und Schmerz bei aktivem oder widerstandenem Bewegen sichern den Verdacht, schreibt das Merck Manual.

Bildgebung kommt dazu, wenn der Verlauf atypisch ist, ein Riss ausgeschlossen werden soll oder die Therapie stockt. Röntgenbilder zeigen Knochen, Kalkherde und Arthrose, nicht die Sehnenfasern selbst. Ultraschall kann Verdickung, aufgelockerte Faserzüge und vermehrte Gefäße in Echtzeit zeigen und Spritzen führen. Die Aussage hängt stark von der Untersucherin ab. MRT liefert detaillierte Schnitte, kostet mehr und hat laut American Family Physician (2019) eine Spezifität von etwa 68 bis 70 Prozent. Ultraschall lag in derselben Übersicht zwischen 63 und 83 Prozent. Verdickte oder ungeordnete Sehnen gibt es auch bei Beschwerdefreien.

Laborwerte wie C-reaktives Protein oder Blutsenkung sind unspezifisch. Sie helfen, wenn eine Spondyloarthritis oder eine andere systemische Entzündung im Raum steht, nicht als Routine bei jedem Tennisarm. Die Cleveland Clinic schreibt, Bildgebung könne Tendinitis und Tendinosis klar trennen. ICON und die hausärztliche Übersicht widersprechen teilweise: der Gewebebegriff Tendinosis sei klinisch unsicher. Praktisch zählt, ob Schmerz und Funktion zur belasteten Sehne passen und ob ein Riss, eine Kalkschulter oder ein Halsproblem ausgeschlossen ist.

Mayo (Seite vom 22. März 2025) listet dieselben drei Bildwege und betont, dass Anamnese plus Untersuchung oft reichen. Ein normales Bild schließt Schmerz nicht aus. Ein auffälliges Bild ohne passende Klinik macht noch keine Operationsindikation.

Mann und Frau rennt

Welche Übungen und welche Ruhe wirklich helfen

Dosierte Belastung der Sehne ist die erste Therapie, nicht wochenlanges Schonungsgipsen. Relative Ruhe bedeutet, die schmerzauslösende Wiederholung zu streichen und andere Bewegungen beizubehalten. Komplette Immobilisation schwächt Muskel und Sehne zusätzlich. American Family Physician und das Merck Manual stellen exzentrische und gemischte Kraftübungen in den Mittelpunkt, sobald die Bewegung tolerierbar ist.

Eine lebende Netzwerk-Metaanalyse von Challoumas, Crosbie und Kollegen (2023, 68 randomisierte Studien zu Achillessehne, Patellasehne und Trochanterschmerz) fand keine überzeugende Überlegenheit von Zusatzverfahren gegenüber Übung allein. Die Autorinnen und Autoren empfehlen deshalb, Übung mindestens drei Monate als Monotherapie zu nutzen, bevor Stoßwelle, Spritzen oder Pflaster erwogen werden. Höhere Intensität mit Zusatzgewicht und seltenere Einheiten schnitten in einer anderen großen Auswertung oft besser ab als tägliches Training nur mit dem eigenen Körpergewicht.

Eis kann Schmerz und Muskelkrampf dämpfen. Mayo und Cleveland Clinic nennen Intervalle von bis zu 20 Minuten, mehrmals täglich. Die Cleveland Clinic erklärt den Nutzen bei Tendinosis auch damit, dass Kälte neue Gefäße hemmen kann. Massage und tiefe Querfriktion kommen eher später, wenn die akute Reizung nachlässt. Bandagen oder Tapes entlasten einzelne Sehnen kurz, ersetzen aber kein Kraftprogramm.

Geduld gehört zum Plan. StatPearls nennt für die meisten Überlastungsformen drei bis sechs Monate. American Family Physician warnt, dass vollständige Symptomfreiheit länger als sechs Monate dauern kann. Wer nach zwei schmerzärmeren Wochen sofort das alte Pensum verdoppelt, holt den Reiz oft zurück. Ein Physiotherapieplan mit steigender Last, Pausen und einer Schmerzregel (leichte Reizung während der Übung kann erlaubt sein, starker Nachschmerz über 24 Stunden nicht) hält die Dosis im grünen Bereich.

Was Medikamente, Spritzen und Stoßwellen bringen

Schmerzmittel erleichtern das Mitmachen bei den Übungen, heilen die Degeneration nicht. NSAR oral oder als Gel können laut American Family Physician über sieben bis 14 Tage den Bewegungsspielraum verbessern. Langzeitdaten für die Sehnenheilung fehlen. Das Merck Manual sieht ihre Rolle klar begrenzt. StatPearls diskutiert sogar möglichen Schaden bei längerem Gebrauch, weil Zellwachstum und Matrix leiden können. Die Cleveland Clinic bevorzugt bei Tendinosis eher Paracetamol oder topische Mittel, weil klassische Entzündungshemmer und Kortison den degenerativen Prozess mitbefeuern können.

Kortison um die Sehne herum kann den Schmerz kurz senken. Wiederholte Gaben und vor allem die Injektion in die Sehne selbst schwächen das Gewebe und erhöhen das Rissrisiko. Das Merck Manual nennt als Beispiele Betamethason 6 mg/ml, Triamcinolon 40 mg/ml oder Methylprednisolon 20 bis 40 mg/ml, Volumina von 0,3 bis 1 ml je nach Ort, oft gemischt mit Lidocain 1 bis 2 Prozent. Deutlicher Widerstand beim Spritzen warnt, dass die Nadel in der Sehne liegt. Nach der Spritze soll das benachbarte Gelenk ruhen. StatPearls stuft Kortison deshalb nicht mehr als erste Linie ein. Mayo warnt vor wiederholten Schüssen.

Stoßwellen durch die Haut (extrakorporale Stoßwellentherapie) listet Mayo als Option. NICE hält die Sicherheit für akzeptabel, die Wirksamkeit bei Achillessehnenbeschwerden aber für uneinheitlich und begrenzt. Die britische Empfehlung (IPG571, weitergeführt als HTG426, Stand der Bewertung Dezember 2016) erlaubt das Verfahren nur unter besonderen Regelungen zu Aufklärung, Audit und Forschung. Challoumas und Kollegen fanden mit mittlerer Evidenz keinen kurzfristigen Zusatznutzen der Stoßwelle zur exzentrischen Übung bei Patellasehnenproblemen.

Plättchenreiches Plasma, Nadeltenotomie, Sklerosierung, hohe Volumenspritzen und Glyceroltrinitrat-Pflaster bleiben Zweit- oder Drittlinien. Mayo schreibt, die beste Anwendung von Plasma sei noch Gegenstand der Forschung. American Family Physician nennt für Nitroglyzerin-Pflaster (oft ein Viertel eines 5-mg-Pflasters täglich) mögliche Kraft- und Schmerzeffekte, dazu Kopfschmerz und Hautreizung. Keines dieser Verfahren ersetzt das Belastungsprogramm.

Wie lange die Heilung dauert und wann operiert wird

Sehnen heilen langsam, weil ihre Blutversorgung gering ist. StatPearls nennt für Tendinosis oft drei bis sechs Monate, wenn Therapie, relative Ruhe und angepasste Belastung greifen. Die Cleveland Clinic setzt für die Erholung der Tendinosis zwei bis sechs Monate an, für eine akute Tendinitis Tage bis Wochen, für eine chronische Entzündung bis zu sechs Wochen. Ein Teil der strukturellen Veränderung bleibt wahrscheinlich dauerhaft. Die Sehne kann trotzdem wieder Alltag und Sport tragen, bleibt aber anfälliger.

Unbehandelt schreitet der Umbau fort. Mögliche Folgen sind Kontrakturen, Verklebungen, Muskelschwund, bleibender Funktionsverlust und der Riss. Challoumas und Kollegen halten fest, dass ein relevanter Anteil der Patientinnen und Patienten die volle Funktion nicht zurückgewinnt und Beschwerden chronisch bleiben können. American Family Physician schätzt, dass je nach Ort 10 bis 45 Prozent auf konservative Maßnahmen nicht ausreichend ansprechen. Eine Überweisung zur Operation ist danach nach drei bis sechs Monaten ohne relevanten Fortschritt vertretbar.

Chirurgie bleibt die letzte Stufe. Die Cleveland Clinic beschreibt die Entfernung krank veränderten Gewebes und kleine Schnitte im noch vitalen Anteil, um Heilungsreize zu setzen. Mayo nennt offene und minimalinvasive Nähte, vor allem wenn die Sehne vom Knochen gerissen ist. Erfolg hängt vom Ort, vom Rissausmaß und von der anschließenden Rehabilitation ab. Kein Eingriff garantiert Schmerzfreiheit. Nach einer Ellenbogenoperation etwa dauert die Rückkehr zum Sport oft mehrere Monate, und Kraft kann fehlen.

Der Ausblick ist trotzdem für viele gut, wenn die Ursache der Überlastung verschwindet und das Training lange genug durchgehalten wird. Rückfälle sind häufig, sobald derselbe Reiz ungeändert zurückkehrt. Deshalb gehört zur „Heilung“ ein neues Pensum, nicht nur ein unauffälliges Kontrollbild.

Was das Risiko für Tendinosis senken kann

Nicht jeder Auslöser lässt sich vermeiden, Unfälle und nötige Arzneimittel bleiben. Wiederholte Überlastung lässt sich oft steuern. Mayo (Patientenhinweise zur Tendinopathie) rät, Tätigkeiten zu wechseln, die eine Sehne einseitig stressen, hoch- und gelenkschonende Belastung zu mischen und Technik professionell prüfen zu lassen, bevor ein neuer Sport zur Gewohnheit wird.

Kraft in den Muskeln, die dieselbe Sehne bedienen, verteilt die Last. Ein langsamer Aufbau nach Pause, Aufwärmen vor der Belastung und Pausen in eintönigen Berufen senken den Wiederholungsreiz, so StatPearls. Ergonomie am Schreibtisch, passendes Werkzeug und bei Laufsport geeignetes Schuhwerk können einzelne Sehnen entlasten. Schmerz, der während einer Einheit steigt statt zu fallen, ist ein Signal zum Abbruch, nicht zum „Durchbeißen“.

Wer Fluorchinolone, hochdosiertes Kortison oder Statine braucht, sollte Sehnensymptome früh ansprechen. Das ersetzt keine notwendige Infekttherapie, verändert aber die Schwelle, ab der Alternativen geprüft werden. Nach einer durchgemachten Tendinosis bleibt die Sehne empfindlicher. Ein dauerhaftes, dosiertes Kraftprogramm ist dann Vorbeugung, nicht optionaler Luxus.

Häufige Fragen

Ist Tendinosis dasselbe wie Tendinitis?

Nein. Tendinosis meint vor allem Degeneration mit wenig Entzündung, Tendinitis eine entzündliche Reaktion. Beide fallen unter Tendinopathie. Der ICON-Konsens von 2019 bevorzugt im Sprechzimmer den Sammelbegriff, weil sich Gewebeveränderungen am lebenden Menschen oft nicht sicher zuordnen lassen.

Hilft komplette Ruhe besser als Training?

Selten. Relative Ruhe plus dosierte Belastung ist der aktuelle Standard in Merck Manual, American Family Physician und der Analyse von 2023. Wochenlanges Nichtbewegen schwächt Muskel und Sehne. Die schmerzauslösende Wiederholung muss trotzdem weg, sonst läuft der Reiz weiter.

Wie lange dauert die Heilung einer Tendinosis?

Häufig drei bis sechs Monate, manchmal länger als ein halbes Jahr bis zur weitgehenden Beschwerdefreiheit. StatPearls und die Cleveland Clinic liegen in diesem Fenster. Ein Teil der Gewebeveränderung kann bleiben. Wer zu früh das alte Pensum fährt, verlängert die Episode oft.

Sind Kortisonspritzen bei Tendinosis sinnvoll?

Sie können den Schmerz kurz senken und den Start ins Training erleichtern. Wiederholte Gaben und die Injektion in die Sehne erhöhen das Rissrisiko, schreiben Merck Manual und Mayo. StatPearls sieht sie nicht mehr als erste Wahl. Eine einzelne peritendinöse Spritze bleibt eine Abwägung, kein Routineweg.

Wann ist eine Operation nötig?

Wenn nach mehreren Monaten gezielter konservativer Therapie kaum Fortschritt da ist oder ein relevanter Riss die Funktion nimmt. American Family Physician hält drei bis sechs Monate ohne Besserung für einen vernünftigen Zeitpunkt zur Überweisung. Die Cleveland Clinic nennt Chirurgie als letzte Option, wenn zu wenig gesundes Gewebe für eine Eigenheilung bleibt.

Kann eine unbehandelte Tendinosis die Sehne reißen lassen?

Ja, das ist eine beschriebene Komplikation. Die Cleveland Clinic und StatPearls nennen den Riss und den schleichenden Funktionsverlust als mögliche Endpunkte. Plötzlicher Kraftverlust oder ein Knallereignis gehören deshalb nicht in die Warteposition.

Person, die Knie- und Beinorthese von Physiotherapeuten erhält

Fazit

Tendinosis ist kein „einfacher Muskelkater der Sehne“ und meist auch keine reine Entzündung, die mit einer Tablette verschwindet. Das Gewebe hat die Reparatur nicht abgeschlossen, Kollagen liegt ungeordnet, neue Gefäße und Nerven können den Schmerz nähren. Klinisch spricht man heute oft von Tendinopathie. Das ändert nichts daran, dass Monate aus einer überlasteten Sehne eine reißgefährdete machen können.

Der nächste sinnvolle Schritt ist selten eine Serie von Spritzen. Zuerst kommt die Diagnose, welche Sehne und welcher Auslöser es sind, dann relative Ruhe und ein belastetes, langsam steigendes Übungsprogramm über mindestens einige Monate. NSAR und Eis dürfen den Einstieg erleichtern. Kortison, Stoßwelle und Plasma bleiben Reserve, Operation die Ausnahme.

Wer morgen etwas tun will, streicht die schmerzauslösende Wiederholung, behält den Rest der Bewegung und vereinbart Physiotherapie statt einer weiteren Woche Durchhalten. Neue Medikamente, ein plötzlicher Kraftverlust oder ein Knall an der Sehne gehören noch am selben Tag in ärztliche Hände.

Quellen

  1. Cleveland Clinic: Tendinosis: Types, Causes, Symptoms & Treatment. Cleveland Clinic, 23. Juli 2024.
  2. Cleveland Clinic: Tendinopathy: What It Is, Symptoms, Causes & Treatment. Cleveland Clinic, 9. Dezember 2024.
  3. Charnoff J, Ponnarasu S et al.: Tendinosis – StatPearls – NCBI Bookshelf. StatPearls, 28. März 2025.
  4. Mayo Clinic: Tendinopathy – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 22. März 2025.
  5. Dalal DS: Tendinopathy – Rheumatology and Orthopedics. Merck Manual Professional Edition, Stand: Juni 2026.
  6. Kane SF, Olewinski LH, Tamminga KS: Management of Chronic Tendon Injuries. American Family Physician, 1. August 2019.
  7. Scott A, Squier K et al.: ICON 2019: International Scientific Tendinopathy Symposium Consensus: Clinical Terminology. British Journal of Sports Medicine, März 2020.
  8. Challoumas D, Crosbie G et al.: Effectiveness of Exercise Treatments with or without Adjuncts for Common Lower Limb Tendinopathies: A Living Systematic Review and Network Meta-analysis. Sports Medicine – Open, 9. August 2023.
  9. National Institute for Health and Care Excellence: Extracorporeal shockwave therapy for Achilles tendinopathy. National Institute for Health and Care Excellence, 21. Dezember 2016.
DeMedBook