Einfache Nierenzysten: wann sie behandelt werden

Einfache Nierenzysten: wann sie behandelt werden

Eine einfache Nierenzyste ist ein dünnwandiger, mit Flüssigkeit gefüllter Hohlraum in oder an der Niere. Sie ist in der Regel kein Krebs, stört die Filterarbeit meist nicht und wird oft zufällig bei einer Bildgebung entdeckt, die aus einem anderen Grund läuft.

Die meisten solchen Befunde bleiben still. Das US-Institut NIDDK (Seite zuletzt 2019 geprüft) beschreibt runde oder ovale Säcke von Erbsen- bis Golfballgröße, einzeln oder zu mehreren, in einer oder beiden Nieren. Sie ersetzen das Nierengewebe nicht und blähen das Organ nicht auf, anders als die Zysten der erblichen polyzystischen Nierenerkrankung. Behandlung ist erst nötig, wenn Schmerz, Infekt, Blutung oder ein gestörter Harnfluss auftreten, oder wenn die Bildgebung eine komplexe Masse zeigt. Ältere Ratgeber zählten fast jede Zyste zur harmlosen Gruppe; seit der Bosniak-Fassung von 2019 und der kanadischen urologischen Leitlinie von 2023 entscheidet die Bildklasse, ob Beobachtung, Kontrolle oder ein Eingriff sinnvoll ist.

Was ist eine einfache Nierenzyste?

Eine einfache Zyste ist ein glatt begrenzter Flüssigkeitssack mit hauchdünner Wand, ohne Septen, Verkalkungen oder feste Anteile, die Kontrastmittel aufnehmen. Radiologinnen und Urologen nennen sie Bosniak-I-Befund. Die Cleveland Clinic (Stand Januar 2024) hält fest, dass diese Form fast immer gutartig bleibt und keine Nachsorge braucht, solange sie wirklich „einfach“ ist.

Die Nieren sitzen beidseits der Wirbelsäule unter dem Rippenbogen und filtern Stoffwechselreste ins Harnsystem. Eine Zyste entsteht nach der vorherrschenden Vorstellung, wenn sich an einem Harnkanälchen eine Ausbuchtung bildet, Flüssigkeit sammelt und sich der Sack vom Tubulus löst. Mayo Clinic (Seite zu Ursachen, Stand 4. Juni 2026) nennt eine Schwäche der Nierenoberfläche als mögliche Vorstufe. Beides sind Modelle, keine bewiesene Einzelursache. StatPearls (Aktualisierung 28. August 2023) betont, dass einfache Zysten erworben sind, nicht vererbt.

Mehrere einfache Zysten in einer Niere sind möglich, ohne dass daraus automatisch eine Erbkrankheit wird. Entscheidend bleibt das Gesamtbild: Organgröße, Zahl der Hohlräume, Leberzysten, Blutdruckverlauf und die Familienanamnese. Wer eine einzelne glatte Zyste im Ultraschall hat und sonst gesunde Nierenwerte, trägt in der Regel keinen Beginn einer polyzystischen Erkrankung.

Die Flüssigkeit ist serös, die Innenauskleidung einschichtig. Deshalb bleibt die Zyste im Ultraschall echoarm, in der Computertomografie wasserdicht und im MRT auf T2-Bildern hell. Weicht das Signal davon ab, ist der Befund nicht mehr „einfach“ und braucht eine andere Einordnung.

Modell der erkrankten Niere.

Wie unterscheiden sich ADPKD und erworbene Zystenkrankheit?

Die autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD) ist eine Erbkrankheit mit vielen beidseitigen Zysten, die die Nieren vergrößern und die Funktion über Jahrzehnte schwächen können. Einfache Zysten tun das nach NIDDK und Mayo in der Regel nicht. MedlinePlus fasst zusammen, dass bei der häufigsten PKD-Form etwa die Hälfte der Betroffenen ein Nierenversagen entwickelt; Leberzysten kommen häufig hinzu.

KDIGO hat im Januar 2025 die erste eigene ADPKD-Leitlinie veröffentlicht. Für Erwachsene mit positivem Familienbefund gelten altersabhängige Zystenzahlen im Ultraschall; bei unklarem Bild folgen MRT oder genetische Tests. Das ist ein anderes Kapitel als der Zufallsbefund einer einzelnen glatten Zyste bei einem Menschen ohne betroffene Angehörige. NIDDK nennt für ADPKD eine Häufigkeit von 1 zu 400 bis 1 zu 1000 und die Gene PKD1 und PKD2. Komplikationen können Bluthochdruck, Steine, Zystenblutung, Harnwegsinfekte und in manchen Familien Hirnaneurysmen sein. Tolvaptan und andere fortschrittshemmende Strategien gehören zur ADPKD-Versorgung, nicht zur Therapie einer einfachen Zyste.

Die erworbene zystische Nierenerkrankung (ACKD) entsteht bei bereits geschädigten Nieren, besonders unter Dialyse. Sie ist nicht erblich. NIDDK (Langzeittext, zuletzt August 2015 geprüft) nennt Zysten bei etwa 7 bis 22 Prozent der Menschen mit chronischer Nierenkrankheit schon vor der Dialyse, bei fast 60 Prozent nach zwei bis vier Dialysejahren und bei etwa 90 Prozent nach acht Jahren. Die Nieren bleiben klein oder normal groß. Merck (Verbraucherfassung, Review März 2025) verlangt für die Diagnose oft mindestens vier Zysten je Niere und weist auf ein höheres Nierenkrebsrisiko hin, vor allem nach langer Dialyse oder nach Transplantation. Nach einer erfolgreichen Nierentransplantation bilden sich ACKD-Zysten in den belassenen Eigenieren laut NIDDK häufig zurück.

Merkmal Einfache Zyste ADPKD ACKD
Vererbung nein ja, meist PKD1 oder PKD2 nein
Nierengröße normal typisch vergrößert klein oder normal
Zysten außerhalb der Niere nein oft Leber, selten Pankreas nein
Nierenfunktion meist unberührt oft fortschreitend eingeschränkt schon vorher eingeschränkt
Krebsrisiko der Zyste bei Bosniak I praktisch null kein klassischer Nierenkrebs-Treiber höher als in der Allgemeinbevölkerung

Drei Diagnosen, ein Wort „Zyste“: ohne Familienanamnese, Organgröße und Vorerkrankung lässt sich das Risiko nicht abschätzen.

Wer bekommt einfache Zysten, und warum entstehen sie?

Häufigkeit und Alter hängen zusammen, die genauen Prozentzahlen tun es weniger. NIDDK zitiert eine große Untersuchung mit etwa einem Betroffenen unter zehn Personen insgesamt und fast einem unter fünf ab dem 50. Lebensjahr; Männer lagen in dieser Studie etwa doppelt so oft vor. Cleveland Clinic und StatPearls nennen weiterhin ältere Bild- und Autopsieserien, in denen bis zur Hälfte der über 50-Jährigen mindestens eine Zyste trägt. Der Unterschied entsteht durch Methode, Zystendefinition und Selektion. Für Patientinnen und Patienten gilt die Richtung, nicht die eine magische Zahl: je älter, desto wahrscheinlicher der Zufallsbefund, Männer etwas häufiger als Frauen.

Ernährung, Sport und Körpergewicht gelten nach NIDDK nicht als steuerbare Ursache. Verhüten lässt sich die einfache Zyste nicht. Trinken und Salzarmut bleiben sinnvoll für Blutdruck und Nieren insgesamt, ersetzen aber keine Erklärung, warum sich am Tubulus ein Divertikel bildet. StatPearls nennt neben dem Alter das männliche Geschlecht als Risikomarker und beschreibt, dass sich das Volumen über zehn Jahre verdoppeln kann.

Mehrere Zysten bei Dialyse oder fortgeschrittener Nierenkrankheit gehören zur ACKD, nicht zur „einfachen“ Einzelzyste des sonst gesunden Organs. Von-Hippel-Lindau-Syndrom und tuberöse Sklerose können zystische und solide Nierenläsionen erzeugen; das sind eigene Krankheitsbilder, die die Cleveland Clinic unter den Differenzialdiagnosen führt. Sie erklären nicht die typische glatte Zufallszyste im Screening-Ultraschall.

Welche Beschwerden und welche Komplikationen sind möglich?

Die meisten einfachen Zysten machen keine Beschwerden. Wer nichts spürt, hat deshalb keinen versteckten Notfall. Symptome treten auf, wenn der Sack groß wird, Druck auf Nachbarstrukturen ausübt, sich infiziert, einreißt oder den Harn- oder Blutfluss behindert.

Mayo Clinic listet dumpfen Schmerz im Rücken oder in der Flanke, Fieber bei Infekt und Schmerz im Oberbauch. NIDDK ergänzt Druck auf Knochen oder Nachbarorgane, Blut im Urin nach Riss, gestörten Harnfluss und in seltenen Fällen erhöhten Blutdruck. StatPearls sieht eine statistische Nachbarschaft zu Hypertonie, aber keinen bewiesenen Ursache-Wirkungs-Pfad. Ein Blutdruckwert allein beweist nicht, dass die Zyste der Schuldige ist.

Komplikationen bleiben selten, sind aber der Grund, warum ein stiller Befund trotzdem eine klare Ansprechadresse braucht.

  • Eine infizierte Zyste kann Fieber, Klopfschmerz in der Flanke und Krankheitsgefühl auslösen und braucht rasche ärztliche Bewertung samt Antibiotika.
  • Ein Riss erzeugt oft plötzlichen, starken Flanken- oder Rückenschmerz und manchmal sichtbares Blut im Urin.
  • Ein Harnstau entsteht, wenn die Zyste den Nierenbeckenkelch oder den Harnleiter einengt; die Niere kann dann anschwellen.
  • Eine Einblutung in den Sack kann denselben Schmerz machen wie ein Riss und in der Bildgebung eine höhere Dichte zeigen.
  • Ein relevanter Blutdruckanstieg durch Kompression bleibt möglich, ist aber nicht die Standardfolge jeder kleinen Zyste.

Cleveland Clinic nennt zusätzlich häufigeres Wasserlassen und dunklen Harn, wenn Lage oder Größe den Abfluss stören. Das überschneidet sich mit vielen anderen urologischen Ursachen. Deshalb ersetzt kein Symptom die Bildgebung, und kein Bild ersetzt die Klinik.

Was bedeutet die Bosniak-Klassifikation für den Befund?

Bosniak ordnet zystische Nierenmassen nach Kontrast-CT oder MRT in Klassen, die das Malignitätsrisiko grob abschätzen. Seit 2019 gibt es getrennte, schärfer definierte Kriterien für CT und MRT. Die kanadische urologische Vereinigung hat 2023 ihre Leitlinie umgestellt: Patientinnen und Patienten mit Nierenzyste sollen nach Bosniak v2019 klassifiziert werden, nicht mehr nach der älteren Fassung von 2005. Für Bosniak I und II bleibt die Empfehlung, auf Routinekontrollen zu verzichten. Wachstum allein gilt dort nicht als Krebszeichen, weil einfache Zysten mit den Jahren größer werden können.

Komplexe Massen (ab IIF) sind keine „einfachen Zysten“ mehr, auch wenn der Arztbrief das Wort Zyste benutzt. StatPearls beschreibt IIF als Nachsorgeklasse: Kontrolle nach sechs und zwölf Monaten, danach jährlich über fünf Jahre, sofern der Befund stabil bleibt. Klasse III zeigt verdickte, kontrastaufnehmende Wände oder Septen; ältere Serien in StatPearls und bei der Cleveland Clinic nennen ein Malignitätsrisiko von etwa 50 bis 80 Prozent. Klasse IV enthält eindeutig solide, kontrastaufnehmende Anteile; das Risiko liegt in diesen Texten über 90 Prozent bzw. um 90 Prozent.

Der praktische Sprung seit 2018 sitzt bei III und IV. Früher folgte oft automatisch die Operation. CUA 2023 schlägt für Läsionen bis 2 Zentimeter aktive Überwachung als bevorzugte Strategie vor, für 2 bis 4 Zentimeter Überwachung oder Operation als gleichwertige Optionen, darüber weiter die Entfernung. Die Evidenz ist dünn und von kleinen Nierentumoren übertragen; die Leitlinie verlangt deshalb eine gemeinsame Entscheidung und den Hinweis, dass Nichtoperieren unsicherer belegt ist.

Klasse Typisches Bild Nächster Schritt laut CUA 2023 / StatPearls
Bosniak I dünne Wand, wasserähnlich, keine Septen keine Kontrolle, Eingriff nur bei Symptomen
Bosniak II wenige dünne Septen oder homogene hohe Dichte keine Routinekontrolle
Bosniak IIF mehr Septen oder minimale Wandverdickung wiederholte Schnittbildgebung über Jahre
Bosniak III verdickte, kontrastaufnehmende Wände oder Septen bis 2 cm oft Überwachung; 2–4 cm Überwachung oder OP
Bosniak IV solide, kontrastaufnehmende Knoten meist Operation; sehr kleine Herde individuell

Die Tabelle ersetzt keinen Arztbrief. Welches Gerät, welches Kontrastprotokoll und welcher Radiologe die Klasse vergeben hat, gehört in das Gespräch, bevor jemand eine Niere operieren lässt.

Nieren-Dialyse-Maschine.

Welche Untersuchungen klären eine zufällig gefundene Zyste?

Ultraschall reicht oft, um eine glatte, echoarme Zyste mit dünner Wand als einfach einzuordnen. Fehlen diese Kriterien oder ist der Befund klein und unklar, folgen CT oder MRT mit und ohne Kontrast im selben Protokoll. NIDDK und Mayo nennen genau diese drei Verfahren plus Blut- und Urintests zur Nierenfunktion, nicht um die Zyste zu „behandeln“, sondern um Krebs, Abflussstörung und Funktionseinbuße auszuschließen.

Eine nicht kontrastierte CT kann eine homogene wasserdichte Läsion oft schon als einfach einstufen, wenn die Dichte im Wasserbereich liegt und keine Septen oder Kalzifikationen stören. Zweifelhafte Anreicherung klärt das MRT manchmal besser, besonders bei dicken Verkalkungen. Narkose ist für diese Untersuchungen nicht nötig; bei Platzangst im MRT kann eine leichte Beruhigung helfen, schreibt NIDDK.

Laborwerte bleiben flach, solange die Zyste die Niere nicht einengt. Ein unauffälliges Kreatinin beruhigt, beweist aber nicht, dass eine komplexe Masse gutartig ist. Umgekehrt macht eine einzelne kleine Zyste keinen Kreatininanstieg. Sichtbares Blut im Urin, Fieber oder Flankenschmerz verschieben die Reihenfolge: zuerst klinische Abklärung, dann gezielte Bildgebung, nicht wochenlanges Abwarten auf den nächsten „Routineultraschall“.

CUA erwähnt, dass eine einmalige perkutane Entlastung helfen kann, bevor ein endgültiger Eingriff geplant wird: Verschwinden die Schmerzen mit dem Ablassen, spricht das für die Zyste als Ursache. Bleiben sie, liegt der Schmerz woanders.

Wann zur Ärztin, wann in die Klinik?

Ein stiller Bosniak-I-Befund ohne Beschwerden braucht keinen Notfalltermin. Neue oder zunehmende Symptome brauchen einen zeitnahen Kontakt, weil Infekt, Riss und Harnstau sich hinter alltäglichen Rückenschmerzen verstecken können. Mayo rät zum Arztgespräch, sobald Zystenbeschwerden auftreten. Cleveland Clinic nennt Flanken-, Bauch- oder Kreuzschmerz, Blut im Urin, Fieber und eine veränderte Miktionsfrequenz als Anlässe anzurufen.

Dieselben Warnzeichen, gebündelt, gehören in die dringende Versorgung, nicht in die Warteliste der nächsten Vorsorge.

  • Plötzlicher, sehr starker Flanken- oder Rückenschmerz, vor allem mit sichtbarem Blut im Urin, kann zu einem Riss oder einer Einblutung passen.
  • Fieber mit Klopfschmerz der Flanke und Krankheitsgefühl spricht für einen Infekt der Zyste oder der ableitenden Harnwege.
  • Unfähigkeit zu Wasserlassen oder eine rasch zunehmende Flankenschwellung kann einen Harnstau anzeigen.
  • Schwindel, Blässe und anhaltend roter Harn nach einem Schmerzereignis gehören in die Klinik, weil ein relevanter Blutverlust möglich bleibt.

Kein Hausmittel ersetzt hier Bild und Labor. Schmerztabletten aus der Hausapotheke können die Niere belasten, besonders wenn schon eine Funktionseinschränkung besteht; das gilt analog zu den NIDDK-Hinweisen bei ADPKD und ist bei unklarem Flankenschmerz ein Grund, nicht auf eigene Faust hochdosiert zu behandeln. Wer Dialyse hat oder transplantiert ist, sollte ACKD-Komplikationen (Infekt, Blutung, Tumorverdacht) nicht als „einfache Zyste“ abtun; Merck empfiehlt in dieser Gruppe eine niedrigere Schwelle für Kontrollbildgebung.

Welche Behandlung hilft, wenn die Zyste Beschwerden macht?

Asymptomatische einfache Zysten werden nicht punktiert und nicht operiert. NIDDK, Mayo, National Kidney Foundation und StatPearls sind hier einig: Beobachten, gelegentlich Ultraschall, wenn Größe oder Lage unsicher sind, sonst nichts. Ein Eingriff kommt in Betracht bei anhaltendem Schmerz, wiederkehrendem Infekt, Blutung, nachgewiesenem Abflusshindernis oder, in einzelnen Studien, bei einem Bluthochdruck, der nach Entlastung fällt. NIDDK schreibt offen, dass der Mechanismus der Blutdruckbesserung unklar bleibt.

Zwei Verfahren stehen im Alltag vorn. Die perkutane Aspiration mit Sklerotherapie führt unter Ultraschall eine Nadel durch die Haut, lässt die Flüssigkeit ab und füllt den Hohlraum mit einer alkoholhaltigen Lösung, damit die Innenhaut verklebt. Der Eingriff läuft meist ambulant in örtlicher Betäubung. Ohne Sklerosans kehrt die Flüssigkeit laut StatPearls in 20 bis 80 Prozent der Fälle zurück, weil das Epithel weiter sezerniert. Die laparoskopische Entdachung (Deroofing) entleert den Sack und schneidet oder verödet die Wand über kleine Schnitte; sie braucht Vollnarkose und oft ein bis zwei Kliniktage.

Eine Meta-Analyse von Maugeri und Kollegen (2021) verglich beide Wege bei symptomatischen einfachen Zysten. Die laparoskopische Entdachung senkte das Risiko, dass Beschwerden oder der radiologische Befund wiederkommen, klarer. Die Aspiration mit Sklerosans dauerte kürzer, kostete weniger und verursachte seltener Komplikationen. Symptomatischer Erfolg lag in den eingeschlossenen Studien bei der Punktion zwischen 50 und gut 94 Prozent, bei der Laparoskopie zwischen etwa 93 und 100 Prozent. Es gibt keine Leitlinie, die eine der beiden Methoden für jede Größe vorschreibt; Alter, Zystenvolumen, Voroperationen und der Wunsch, eine Narkose zu vermeiden, steuern die Wahl.

Infizierte Zysten bekommen zuerst Antibiotika, danach erst Punktion oder Operation, sobald die Lage klar ist. Offene Freilegung einfacher Zysten ist nach StatPearls verlassen. Komplexe Bosniak-III- und -IV-Massen sind keine Sklerotherapie-Fälle; hier geht es um onkologische Überwachung, Teilentfernung oder Ablation bei inoperablen, kleinen Herden, wie CUA 2023 skizziert.

Häufige Fragen

Ist eine zufällig gefundene Nierenzyste Krebs?

Eine echte einfache Zyste (Bosniak I) ist nach Cleveland Clinic, StatPearls und CUA praktisch nicht bösartig. Krebsverdacht entsteht, wenn Wände dick sind, Septen Kontrast aufnehmen oder feste Knoten wachsen. Dann ändert sich die Klasse, nicht der Satz „jede Nierenzyste ist harmlos“.

Muss jede Nierenzyste operiert werden?

Nein. Stille Bosniak-I- und -II-Befunde bleiben unbehandelt. Operiert oder punktiert wird bei Beschwerden, Komplikationen oder komplexen Klassen, und selbst dort ist bei kleinen III- und IV-Läsionen seit 2023 häufiger Überwachung im Gespräch als die Automatikoperation.

Können einfache Nierenzysten von selbst verschwinden?

Für die klassische Zufallszyste beschreiben die ausgewerteten Quellen kein zuverlässiges Verschwinden, eher langsames Wachstum. ACKD-Zysten in den Eigenieren können nach einer Transplantation zurückgehen, das ist ein anderes Krankheitsbild.

Sind Nierenzysten vererbbar?

Einfache Zysten gelten als erworben. ADPKD wird vererbt, meist autosomal-dominant. Mehrere beidseitige Zysten plus Familienbefund oder vergrößerte Nieren gehören in die genetische Sprechstunde, nicht in denselben Satz wie die einzelne glatte Zyste.

Wie oft braucht eine einfache Zyste eine Kontrolle?

Bosniak I und II brauchen laut CUA 2023 keine Routinekontrolle. NIDDK erwähnt dennoch gelegentliche Ultraschalltermine, wenn der Befund unklar bleibt oder wachsen könnte. IIF folgt einem eigenen Zeitschema. Den Abstand legt das Team fest, das die Bilder gesehen hat.

Was tun bei Fieber und Flankenschmerz mit bekannter Zyste?

Das ist ein Infektverdacht, kein Termin in drei Monaten. Cleveland Clinic und NIDDK raten bei Fieber, Flankenschmerz und Druckschmerz zum raschen Arztkontakt; Antibiotika und neue Bilder klären, ob die Zyste oder das Nierenbecken beteiligt ist.

Ultraschall-Scan der Nieren.

Fazit

Wer eine glatte, wasserhelle Nierenzyste ohne Beschwerden hat, trägt in der Regel einen Befund, der die Niere nicht zerstört und keine Operation rechtfertigt. Der nächste sinnvolle Schritt ist die schriftliche Klasse (Bosniak), die Nierenwerte und die Frage, ob Familie, Organgröße oder Dialyse auf ADPKD oder ACKD weisen. Seit 2019 ist die Bildsprache schärfer, seit 2023 dürfen kleine komplexe Massen häufiger beobachtet werden, statt sofort ins Operationsprogramm zu rutschen.

Schmerz, Fieber, sichtbares Blut oder ein plötzlicher Flankenstich gehören nicht in die Schublade „ist ja nur eine Zyste“. Sie brauchen dieselbe Nacht oder denselben Tag eine klinische Bewertung. Bleibt der Befund einfach und still, reicht oft ein erklärendes Gespräch und das Wissen, dass Wachstum allein keinen Krebs beweist.

Wer Symptome hat, kann Punktion plus Sklerosans und laparoskopische Entdachung gegeneinander abwägen: weniger Aufwand gegen höhere Dauerhaftigkeit. Keine der Methoden heilt eine Erbkrankheit, und keine Diät verhindert die nächste einfache Zyste. Klare Bilder, benannte Klasse, benannte Warnzeichen: das ist der Arbeitsstand, mit dem sich der Zufallsbefund in den Alltag zurückschieben lässt.

Quellen

  1. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Simple Kidney Cysts. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, Stand: Juni 2019.
  2. Mayo Clinic: Kidney cysts – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 4. Juni 2026.
  3. Mayo Clinic: Kidney cysts – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 4. Juni 2026.
  4. National Kidney Foundation: Simple Kidney Cysts. National Kidney Foundation, Stand: 2026.
  5. MedlinePlus: Kidney Cyst | Polycystic Kidney Disease. MedlinePlus, National Library of Medicine, Stand: 2026.
  6. Garfield K, Leslie SW: Simple Renal Cyst. StatPearls, 28. August 2023.
  7. Cleveland Clinic: Kidney Cysts: Causes, Symptoms, Treatment & Prevention. Cleveland Clinic, 24. Januar 2024.
  8. Fung E: Acquired Kidney Cysts. Merck Manual Consumer Version, März 2025.
  9. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: Acquired Cystic Kidney Disease. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, Stand: August 2015.
  10. Kidney Disease: Improving Global Outcomes: Autosomal Dominant Polycystic Kidney Disease (ADPKD). KDIGO, Januar 2025.
  11. Richard PO, Violette PD et al.: 2023 UPDATE – Canadian Urological Association guideline: Management of cystic renal lesions. Canadian Urological Association Journal, 2023.
  12. Maugeri A, Fanciulli G et al.: Comparison of aspiration with sclerotherapy and laparoscopic deroofing for the treatment of symptomatic simple renal cysts: A systematic review and meta-analysis. Updates in Surgery, 1. April 2021.
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