
Hüftschmerzen in der Nacht entstehen meist, wenn Sehnen und Schleimbeutel am großen Rollhügel unter Druck geraten oder wenn ein verschlissenes Hüftgelenk in Ruhe weiter schmerzt. Die Lage der Beschwerde gibt oft den ersten Hinweis: Schmerz außen an der Hüfte beim Liegen auf der Seite spricht eher für ein Trochanter-Schmerzsyndrom, Schmerz in der Leiste eher für das Gelenk selbst.
Viele Betroffene wachen auf, weil die betroffene Seite auf der Matratze lastet. Der britische Gesundheitsdienst NHS wertet Schlafverlust durch Hüftschmerz bereits als Grund für einen Hausarzttermin, nicht erst einen Sturz. Seit der großen LEAP-Studie 2018 und dem ISHA-Konsens von 2022 hat sich das Bild verschoben: Was früher pauschal Trochanterbursitis hieß, gilt heute vor allem als Sehnenproblem der Gesäßmuskeln, oft ohne echte Schleimbeutelentzündung. Arthrose bleibt eine zweite, häufige nächtliche Quelle, besonders wenn der Schmerz in Leiste oder Oberschenkel wandert.
Kein Hausmittel ersetzt die Unterscheidung zwischen Weichteil und Gelenk. Wer zwei Wochen selbst behandelt und trotzdem nicht durchschläft, braucht eine klinische Einschätzung, bevor Kortison oder Bildgebung ins Spiel kommen.
Warum tut die Hüfte nachts weh?
Nachts fehlt die Entlastung durch Bewegung, und das Körpergewicht lastet stundenlang auf einer Stelle. Liegt jemand auf der Seite, presst die Matratze den Tractus iliotibialis gegen den großen Rollhügel; Sehnen des mittleren und kleinen Gesäßmuskels und der darunterliegende Schleimbeutel geraten unter Druck. Genau dieses Muster beschreiben die American Academy of Orthopaedic Surgeons und Übersichten zum Trochanter-Schmerzsyndrom als typischen Wecker.
Im Gelenk selbst läuft ein anderer Mechanismus. Wenn Knorpel dünner wird, reiben Knochenflächen, und die Gelenkinnenhaut kann sich entzünden. Laut OrthoInfo der AAOS beginnt Hüftarthrose oft schleichend beim Gehen oder nach längerem Sitzen; mit der Zeit treten die Beschwerden häufiger auf, auch in Ruhe und im Bett. Leiste und Innenseite des Oberschenkels sind dann häufiger betroffen als die Außenseite.
Übertragener Schmerz täuscht. Ein gereizter Nerv in der Lendenwirbelsäule, ein Iliosakralgelenk oder ein Knieproblem kann in der Hüftregion landen, ohne dass das Hüftgelenk selbst der Treiber ist. Die Mayo Clinic (Stand Dezember 2025) trennt deshalb bewusst: Schmerz innen und in der Leiste deutet auf das Gelenk, Schmerz außen, am oberen Oberschenkel oder an der äußeren Gesäßhälfte eher auf Muskeln, Sehnen oder Schleimbeutel. Diese grobe Karte ersetzt keine Untersuchung, sie sortiert aber die erste Nacht.
Hormonelle und metabolische Faktoren spielen bei Frauen zwischen etwa 40 und 60 Jahren eine Rolle, weil Sehnen in dieser Lebensphase anfälliger für Überlastung sind. StatPearls (Aktualisierung Februar 2024) nennt für das Trochanter-Schmerzsyndrom eine Lebenszeitbeteiligung von rund 15 Prozent bei Frauen und 8 Prozent bei Männern sowie eine Inzidenz von 1,8 Fällen pro 1000 Personen und Jahr. Übergewicht erhöht den Druck auf Gelenk und seitliche Sehnen; das erklärt, warum Gewichtsänderung in Leitlinien nicht als Kosmetik, sondern als Therapie gilt.

Trochanter-Schmerzsyndrom: Sehne statt nur Schleimbeutel
Laterale Nachtschmerzen sind heute selten „nur eine Bursitis“. Der ISHA-Physiotherapie-Konsens 2022 fasst unter Trochanter-Schmerzsyndrom (englisch GTPS) mehrere Diagnosen zusammen: äußeres Schnappen der Hüfte, Trochanterbursitis und Tendinopathie oder Riss von Glutaeus medius und minimus. Historisch stand der entzündete Schleimbeutel im Vordergrund; Bildgebung und Gewebebefunde zeigen jedoch, dass die Sehne der Hüftabspreizer der Hauptschmerzgeber ist und eine Bursitis, wenn sie vorkommt, oft nur mitläuft.
In der Hausarztpraxis steckt hinter 10 bis 20 Prozent der Hüftschmerzen dieses Syndrom, schreibt eine Übersicht im British Journal of General Practice (2017). Typisch ist ein umschriebener Druckschmerz am Knochenvorsprung außen, der sich beim Gehen, Treppensteigen und beim Liegen auf dieser Seite verstärkt und entlang der Außenseite des Oberschenkels bis zum Knie ausstrahlen kann. Ein plötzlicher Trainingsanstieg, ein Sturz auf die Seite, langes Stehen auf einem Bein oder häufiges Übereinanderschlagen der Beine können die Kompression der Sehne verstärken.
Diagnostisch hilft eine einfache Frage: Wer Schuhe und Socken noch ohne Mühe anziehen kann, hat seltener eine fortgeschrittene Hüftarthrose. Die BJGP-Übersicht nennt das als praxisnahe Trennung. Druck auf den Rollhügel, der die Person zusammenzucken lässt, und Schmerz innerhalb von 30 Sekunden im Einbeinstand sprechen stark für das Syndrom. Einzelne Tests sind unsicher, die Kombination erhöht die Treffsicherheit.
Der Verlauf ist oft langwierig. StatPearls und ältere Verlaufsbeobachtungen beschreiben Monate bis Jahre mit Schwankungen, nicht eine zweiwöchige „Entzündung, die von selbst weggeht“. Deshalb zielt die Therapie auf Laststeuerung und Kraft der Abspreizer, nicht nur auf eine einmalige Spritze. Wer die Sehne nachts weiter quetscht, indem er immer auf der schmerzenden Seite liegt, unterläuft tagsüber jedes Training.
Hüftarthrose: wenn der Schmerz auch im Liegen bleibt
Hüftarthrose kann nachts wecken, sobald der Gelenkschmerz nicht mehr nur an Belastung gebunden ist. Die AAOS beschreibt langsamen Beginn, Morgensteifigkeit oder Steifigkeit nach dem Sitzen, später häufigere Episoden inklusive Ruhe und Nacht. Der Schmerz sitzt am häufigsten in der Leiste, strahlt aber in Gesäß, Oberschenkel oder Knie aus. Blockiergefühl, Reiben und ein hinkendes Gangbild passen eher zum Gelenk als zum seitlichen Sehnenproblem.
NICE hat die Diagnose 2022 klar klinisch gefasst und die ältere Leitlinie CG177 ersetzt. Bei Menschen ab 45 Jahren mit belastungsabhängigem Gelenkschmerz und Morgensteifigkeit von höchstens 30 Minuten soll Arthrose ohne Bildgebung gestellt werden, sofern keine atypischen Zeichen vorliegen. Routine-Röntgen zur Bestätigung oder zur Verlaufskontrolle der konservativen Therapie empfiehlt NICE ausdrücklich nicht. Das ist eine Abkehr von der früheren Praxis, jedes nächtliche Ziehen zuerst „auf dem Bild“ zu suchen.
Kern der Behandlung sind laut NICE therapeutische Übung (lokale Kraft und allgemeine Ausdauer) plus Gewichtsmanagement, wenn Übergewicht vorliegt. Jeder Gewichtsverlust kann Funktion und Schmerz verbessern; 10 Prozent Körpergewicht wirken in der Abwägung der Leitlinie stärker als 5 Prozent. Gelenkschmerz darf beim Einstieg ins Training kurz zunehmen. Manuelle Techniken kommen nur ergänzend zur Übung infrage, nicht allein. Akupunktur, TENS, Ultraschall und ähnliche Stromverfahren sollen bei Arthrose nicht angeboten werden.
Medikamente stehen daneben, nicht davor. NICE rät, topische nichtsteroidale Entzündungshemmer zuerst zu erwägen, orale NSAR nur in der niedrigsten wirksamen Dosis für die kürzeste Zeit und mit Magenschutz. Paracetamol und schwache Opioide sollen nicht routinemäßig gegeben werden, weil der Nutzen schwach belegt ist; Glucosamin und starke Opioide sollen entfallen. Eine Kortisoninjektion ins Gelenk kann kurz entlasten, typischerweise zwei bis zehn Wochen, und soll Übung ermöglichen, nicht ersetzen. Hyaluronsäure ins Gelenk empfiehlt NICE nicht.
Sport, Sturz und Schmerz aus Rücken oder Knie
Ein plötzlicher Sprung in Laufumfang, Hügelläufe, Tanzen oder Fußball kann Sehnen und Tractus iliotibialis überlasten, bevor eine Arthrose überhaupt im Spiel ist. Die AAOS listet wiederholte Belastung, langes Stehen, Sturz auf die Hüftseite und ein enger Tractus als Risikofaktoren der Trochanterbursitis. Beinlängendifferenz, Skoliose und Abnutzung der Lendenwirbelsäule verändern das Gangbild und reiben die seitlichen Weichteile zusätzlich. Nach einer Hüftoperation oder bei rheumatischer Entzündung ist der Schleimbeutel ebenfalls anfälliger.
Sturzfolgen gehören in eine eigene Schublade. Der NHS nennt starke Schmerzen nach Sturz oder Verletzung, Unfähigkeit aufzutreten und Kribbeln oder Gefühlsverlust als Notfall. Eine verkürzte oder verdrehte Beinachse, wie sie die Mayo Clinic beschreibt, spricht für Fraktur oder Luxation, nicht für eine Sehnenreizung vom Vortag. Selbst ohne sichtbare Fehlstellung kann ein Schenkelhalsbruch bei älteren Menschen zunächst „nur“ als Nachtschmerz und Gehschwäche erscheinen; das rechtfertigt keine Nacht zuwarten.
Übertragene Schmerzen aus Lendenwirbelsäule, Iliosakralgelenk, Knie oder Becken täuschen ein Hüftleiden vor. Enge des Wirbelkanals, eine gereizte Nervenwurzel oder eine Fußfehlstellung ändern die Beckenstabilität und belasten die Gesäßsehnen. StatPearls verknüpft Trochanter-Schmerzsyndrom mit höherem Body-Mass-Index, Diabetes und entzündlichen Gelenkerkrankungen. Wer gleichzeitig Taubheit, Schwäche im Bein oder Schmerz hat, der beim Husten einschießt, braucht eine Untersuchung der Wirbelsäule, nicht nur eine Hüftcreme.
Infekt und Tumor sind selten, aber zeitkritisch. Ein heißes, geschwollenes Gelenk plus Fieber kann eine septische Arthritis sein; MedlinePlus und der NHS behandeln das als eiligen Fall, weil verzögerte Antibiotika den Knorpel dauerhaft schädigen. Nächtlicher Knochenschmerz mit Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder bekannter Krebserkrankung gehört ebenfalls nicht in die Selbstbehandlung. Diese Warnzeichen sind untypisch für das alltägliche seitliche Ziehen nach einem langen Arbeitstag.
Hüftschmerz in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft sitzt der Nachtschmerz häufig im Beckengürtel, nicht im Hüftgelenkknorpel. Das Royal College of Obstetricians and Gynaecologists beschreibt Beckengürtelschmerz (früher oft als Symphysenlockerung bezeichnet) bei etwa jeder fünften Schwangeren. Die Gelenke am Schambein und an den Kreuzdarmbeinverbindungen bewegen sich ungleich, das wachsende Gewicht verändert Haltung und Hebel, und das Umdrehen im Bett wird zur Haupthürde. Dem Kind schadet das nicht; der Mutter kann es den Schlaf und die Mobilität nehmen.
NHS inform (Stand Juni 2026) und das RCOG raten zur Seite mit weniger Schmerz, einem Kissen zwischen den Knien und unter dem Bauch und dazu, die Knie beim Drehen zusammenzuhalten. Ab der 24. Schwangerschaftswoche soll die Rückenlage zum Schlafen entfallen; wer nachts auf dem Rücken aufwacht, rollt einfach wieder zur Seite. Anziehen im Sitzen, flache stabile Schuhe, kein Stehen auf einem Bein und Pausen nach höchstens einer halben Stunde Sitzen oder Stehen entlasten die Gelenke über den Tag und damit auch die Nacht.
Physiotherapie ist laut RCOG in jedem Schwangerschaftsabschnitt zulässig und soll früh beginnen, nicht „bis nach der Geburt warten“. Paracetamol gilt dort als vertretbare Basis; stärkere Mittel klärt die betreuende Praxis. Beckenstützgurt oder Unterarmgehstützen können kurze Phasen überbrücken. Ein Kaiserschnitt heilt den Beckengürtelschmerz nicht und kann die Erholung verlangsamen. Nach der Geburt bessern sich die meisten; etwa eine von zehn Betroffenen hat anhaltenden Schmerz und soll weiterbehandelt werden, statt den Befund als „normal nach der Geburt“ abzuhaken.
Seltene andere Ursachen in der Schwangerschaft, etwa ein Leistenbruch durch den erhöhten Bauchdruck, brauchen eine eigene Abklärung. Wer nicht mehr gehen kann oder starke, einseitige Wadenschmerzen plus Atemnot bemerkt, denkt an Thrombose; Immobilität durch Beckenschmerz erhöht dieses Risiko, weshalb RCOG und NHS inform Kompressionsstrümpfe oder Heparin bei stark eingeschränkter Bewegung thematisieren. Das ist kein Routinebedarf jeder leichten Zerrung, aber ein Grund, eingeschränkte Mobilität aktiv zu melden.
Welche Schlafposition entlastet die Hüfte?
Rückenlage verteilt das Gewicht und vermeidet die direkte Kompression des Rollhügels. Die Mayo Clinic rät bei Hüftschmerz ausdrücklich, nicht auf der betroffenen Seite zu schlafen und langes Sitzen zu begrenzen. Wer die Seitenlage braucht, legt ein oder zwei Kissen zwischen die Knie, damit das obere Bein nicht in die Adduktion fällt und die Sehne nicht gegen den Knochen gedrückt wird. Dieselbe Logik nennt die BJGP-Übersicht für das Trochanter-Schmerzsyndrom.
In der Schwangerschaft gilt die weniger schmerzhafte Seite plus Kissen unter Bauch und zwischen den Beinen, nicht die flache Rückenlage im dritten Trimenon. NHS inform setzt die Grenze bei 24 Wochen. Ein kleines Rollenkissen im Kreuz kann die Lendenlordose stützen, ohne die Hüfte in eine Zwangsrotation zu zwingen. Wer nachts oft die Seite wechselt, plant den Wechsel: Knie geschlossen halten, mit den Armen abstützen, nicht das schmerzende Bein als Hebel benutzen.
Die Matratze ist kein Medikament, aber eine durchgelegene Fläche erhöht den Punktkontakt am Rollhügel. Eine etwas festere Unterlage oder ein ausreichend dicker Auflagekern kann den Druck verteilen; Werbeversprechen einzelner Schaumstoffe ersetzen keine Diagnose. Wer nach einem Matratzenwechsel drei Wochen keinen Unterschied merkt, sollte die Ursache weiter suchen, statt das nächste Produkt zu kaufen. Ein Keil unter der Matratze auf einer Seite ist ungeeignet, weil er das Becken verdreht.
Tagsüber vorbereiten, was die Nacht belastet. Übereinandergeschlagene Beine, Stehen mit Gewicht auf einer Hüfte und sehr tiefe Sessel bringen die Sehne in dieselbe Kompression wie die Seitenlage. Der NHS rät ausdrücklich von tiefen Stühlen ab, weil sie die Hüfte stark beugen. Wer abends noch eine Stunde mit überschlagenem Bein auf dem Sofa sitzt, darf sich nicht wundern, wenn um drei Uhr derselbe Druckschmerz weckt.

Was zu Hause sinnvoll ist
Erste Maßnahmen zielen auf Entlastung ohne völlige Schonung. Der NHS empfiehlt, die Hüfte weiter zu bewegen, aber nicht zu überlasten; schwere Lasten weglassen; bis zu 20 Minuten Eis (in ein Tuch gewickelt) alle zwei bis drei Stunden; stoßdämpfende Schuhe; bei Übergewicht Gewicht reduzieren; behutsame Dehn- und Kraftübungen. Paracetamol oder Ibuprofen-Gel nennt derselbe Text als frei verfügbare Option, Tabletten nur bei Bedarf. Die Mayo Clinic ergänzt Diclofenac-, Lidocain- oder Capsaicin-Zubereitungen auf der Haut sowie Wärme vor sanftem Dehnen.
Eis passt eher zur gereizten seitlichen Sehne nach Belastung, Wärme eher zur steifen arthrotischen Hüfte vor dem Aufstehen. Beides ersetzt keine Ursachenklärung. NSAR oral (Ibuprofen, Naproxen) können Entzündung und Schmerz dämpfen, belasten aber Magen, Niere und Herz; NICE verlangt die kürzeste nötige Spanne und einen Magenschutz, sobald Tabletten nötig sind. Wer Antikoagulanzien nimmt, eine Nierenkrankheit hat oder schwanger ist, lässt die Dosierung von der Praxis festlegen und erfindet sie nicht aus der Packung.
Training folgt der Diagnose. Beim Trochanter-Schmerzsyndrom stärken Übungen zuerst Kontrolle und Kraft der Gesäßmuskeln, später die Abspreizer; aggressive Dehnung des Tractus iliotibialis und Positionen mit starker Adduktion sollen in der Frühphase entfallen, weil sie die Sehne komprimieren. Bei Arthrose mischt NICE lokale Kraft und Ausdauer und warnt, dass der Start wehtun darf, solange die Belastung dosiert bleibt. Schwimmen und Radfahren entlasten das Gelenk stärker als Bergläufe; das bestätigt auch die AAOS als Umstieg von Sportarten mit hoher Stoßbelastung.
- Eis bis 20 Minuten, in Stoff gewickelt, alle zwei bis drei Stunden auf die schmerzende Außenseite legen, nicht auf bloße Haut.
- Ein Kissen zwischen die Knie legen und die betroffene Seite nachts meiden, damit der Rollhügel nicht stundenlang gequetscht wird.
- Tiefe Sessel, überschlagene Beine und Stehen mit Gewicht auf einer Hüfte weglassen, weil sie dieselbe Kompression erzeugen wie die Seitenlage.
- Stoßdämpfende Schuhe tragen und Laufumfang oder Hügeltraining vorübergehend senken, statt die gereizte Sehne jeden Tag gleich zu belasten.
Massage und Wärmflasche können verspannte Gesäß- und Rückenmuskeln lockern, ändern aber eine Tendinopathie oder einen Knorpelschaden nicht. Hilfsmittel wie ein Stock auf der Gegenseite entlasten das Gelenk beim Gehen; NICE erwägt Gehhilfen bei Arthrose der unteren Extremität. Wer nach zwei Wochen Schlaf und Alltag weiter verliert, beendet die Selbstversuchphase.
Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme?
Schlafverlust durch Hüftschmerz ist für den NHS bereits ein Hausarztgrund, ebenso zunehmender oder wiederkehrender Schmerz, ausbleibende Besserung nach zwei Wochen Selbstbehandlung und Morgensteifigkeit länger als 30 Minuten. Die Mayo Clinic rät bei leichten Beschwerden zuerst zu Schonung der Druckstellen, Schmerzmitteln aus der Apotheke, Eis und Wärme; bleibt das wirkungslos, folgt ein Termin. Wer NSAR dauerhaft braucht und trotzdem nicht schläft, braucht eine andere Strategie, nicht die nächste Packung derselben Tablette.
Eilig, aber nicht unbedingt per Rettungswagen, sind laut NHS plötzlich einsetzende starke Schmerzen ohne Sturz, eine heiße geschwollene Hüfte, Farbänderung der Haut sowie Hüftschmerz plus allgemeines Kranksein und Fieber oder Schüttelfrost. Das kann Infekt, Kristallarthropathie oder Durchblutungsstörung bedeuten. In Deutschland entspricht das der dringenden hausärztlichen oder notärztlichen Abklärung am selben Tag, nicht dem Abwarten bis zum nächsten Werktag.
Sofort die Notaufnahme oder den Rettungsdienst rufen, wenn nach Sturz oder Trauma starke Schmerzen bestehen, das Bein nicht belastbar ist oder Gefühl und Kraft fehlen. Die Mayo Clinic ergänzt Fehlstellung, scheinbar verkürztes Bein, Unbeweglichkeit, heftige Schwellung, Fieber, Schüttelfrost und Hautverfärbung. Selbst fahren ist ungeeignet; der NHS sagt das ausdrücklich. Bei älteren Menschen nach einem Sturz gilt dasselbe, auch wenn sie „nur“ nicht mehr aufstehen können.
| Situation | Typische Zeichen | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Alltags- und Schlafschmerz ohne Trauma | Außen oder in der Leiste, besser in Bewegung oder nach Eis | Hausarzt, wenn zwei Wochen Selbsthilfe nicht reichen |
| Steifheit morgens über 30 Minuten | Mehrere Gelenke, Schwellung, allgemeines Unwohlsein | Zeitnah Praxis, Abgrenzung zu entzündlicher Arthritis |
| Heiße, rote, fiebernde Hüfte | Rascher Beginn, Schonhaltung | Unverzüglich ärztlich, Verdacht auf Gelenkinfekt |
| Sturz, keine Belastung, Taubheit | Fehlstellung, starker Schmerz | Notaufnahme, keine eigene Autofahrt |
| Schwangerschaft, Schmerz beim Umdrehen | Klick im Becken, Treppen und Auto schmerzhaft | Hebamme oder Praxis, früh Physiotherapie |
Wie die Diagnose heute gestellt wird
Zuerst kommt das Gespräch zur Lage, zum nächtlichen Auslöser und zur Frage, ob Schuheanziehen, Treppen oder das Liegen auf einer Seite der Haupttreiber sind. Die körperliche Untersuchung prüft Gang, Trendelenburg-Zeichen, Druckschmerz am Rollhügel, Innenrotation im Gelenk und neurologische Ausfälle. Fieberhafte Patientinnen und Patienten mit Hüftschmerz müssen laut StatPearls auf einen infizierten Hüftgelenkerguss untersucht werden, nicht nur auf eine Sehne.
Bildgebung folgt der klinischen Frage, nicht dem Reflex. Bei klassischer Arthrose nach NICE-Kriterien 2022 ist Röntgen unnötig. Bei Verdacht auf Trochanter-Schmerzsyndrom ist das Hüftröntgen oft unauffällig und dient dem Ausschluss von Arthrose oder Fraktur. Ultraschall kann verdickte Sehnen, Flüssigkeit im Schleimbeutel und dynamisches Schnappen zeigen; Magnetresonanztomografie bleibt Zweitlinie, weil Sehnenveränderungen auch bei Beschwerdefreien vorkommen und der Befund zur Klinik passen muss. Die BJGP-Übersicht betont genau diese klinische Führung.
Mischbilder sind häufig. Viele Menschen haben beides: eine beginnende Gelenkabnutzung und eine gereizte Gesäßsehne. Dann erklärt das Röntgen den Nachtschmerz auf der Außenseite nicht, und eine Injektion ins Gelenk ändert das Liegen auf der Seite nicht. Umgekehrt lindert eine Spritze an den Rollhügel keine fortgeschrittene Gelenkzerstörung. Die Trennung spart Monate falscher Therapie. Laborwerte (Entzündung, Harnsäure) gehören dazu, wenn Fieber, mehrere Gelenke oder ein heißes Gelenk den Verdacht auf Infekt, Gicht oder Rheuma lenken.
Übung, Spritze oder Operation?
Für die seitliche Sehne ist die beste belegte Erststrategie Schulung zur Laststeuerung plus gezieltes Training. In der australischen LEAP-Studie (204 Teilnehmende, darunter 167 Frauen, mittleres Alter 54,8 Jahre, Veröffentlichung 2018) führten 14 physiotherapeutische Sitzungen über acht Wochen häufiger zum Erfolg als eine einmalige Kortisoninjektion oder bloßes Abwarten. Nach acht Wochen berichteten 51 von 66 in der Übungsgruppe über eine klare Besserung, 38 von 65 nach Spritze und 20 von 68 in der Wartegruppe. Die Schmerzwerte lagen im Mittel bei 1,5 gegenüber 2,7 und 3,8. Nach 52 Wochen blieb die Übungsgruppe bei der globalen Besserung vorn (51 von 65 gegenüber 36 von 63 und 31 von 60).
Kortison an den Rollhügel kann also eine schmerzarme Lücke öffnen, in der Training überhaupt möglich wird. Die BJGP-Übersicht nennt kurzfristige Ansprechraten um 70 bis 75 Prozent, nach zwölf Monaten aber keinen Vorteil gegenüber Zuwarten. Die AAOS beschreibt für die Trochanterbursitis eine oder, selten, eine zweite Spritze und warnt vor wiederholten Gaben, weil umliegendes Gewebe leiden kann. Stoßwelle und Eigenblutverfahren tauchen in Konsenspapieren als Optionen bei hartnäckigen Fällen auf; die Evidenz ist dünner als für Übung. Operation (Schleimbeutelentfernung, Sehnennaht, Tractusverlängerung) bleibt laut AAOS und ISHA-Konsens die Ausnahme nach ausgereizter konservativer Therapie.
Für Hüftarthrose bleibt NICE 2022 bei Übung und Gewicht als Kern. Gelenkersatz kommt infrage, wenn Schmerz, Steife, Funktion oder fortschreitende Deformität die Lebensqualität deutlich treffen und die nichtoperative Behandlung nicht trägt oder nicht möglich ist. Alter, Rauchen, Begleiterkrankungen und Body-Mass-Index allein sollen die Überweisung nicht blockieren; das Risiko der Operation kann mit diesen Faktoren steigen, der Zugang soll trotzdem klinisch entschieden werden. Arthroskopische Spülung oder Débridement bei Arthrose soll nicht angeboten werden. Hoffnung auf eine „Reparatur“ des Knorpels durch eine einzelne Spritze ist mit diesen Leitlinien nicht vereinbar.
Wer morgen etwas ändern will, beginnt mit der Nacht: andere Lage, Kissen, Eis nach Belastung, weniger Kompression tagsüber, und ein Termin, wenn der Schlaf zwei Wochen leidet. Die Spritze bleibt Werkzeug, nicht Ziel. Training braucht Wochen, nicht drei Abende; LEAP hat acht Wochen strukturierte Therapie gemessen, nicht eine App-Übung vor dem Einschlafen.
Häufige Fragen
Kann ich auf der schmerzenden Hüfte schlafen?
Meist ist das die Lage, die den Rollhügel am stärksten quetscht und den Schmerz weckt. Die Mayo Clinic rät, die betroffene Seite zu meiden; wer trotzdem seitlich liegt, braucht ein Kissen zwischen den Knien, damit das obere Bein nicht nach innen fällt. Rückenlage ist für viele die ruhigste Variante, sofern keine Atem- oder Schwangerschaftsgründe dagegensprechen.
Hilft eine Kortisonspritze dauerhaft gegen Nachtschmerz?
Kurz oft ja, dauerhaft selten allein. LEAP 2018 zeigte nach acht und nach 52 Wochen eine bessere Gesamtbesserung durch Übung plus Schulung als durch eine Spritze. NICE begrenzt den erwarteten Nutzen einer Gelenkspritze bei Arthrose auf zwei bis zehn Wochen. Die Spritze kann Training möglich machen, ersetzt es aber nicht.
Sind nächtliche Hüftschmerzen immer Arthrose?
Nein. Seitlicher Druckschmerz beim Liegen auf einer Seite ist typischer für das Trochanter-Schmerzsyndrom als für das Gelenk. Arthrose sitzt häufiger in der Leiste und kommt laut AAOS erst später auch nachts. Rücken, Knie, Becken und in der Schwangerschaft der Beckengürtel können denselben Schlaf rauben.
Welche Schlafposition ist in der Schwangerschaft sinnvoll?
Die weniger schmerzhafte Seite, Kissen zwischen den Knien und unter dem Bauch, Knie beim Drehen geschlossen. NHS inform rät, ab 24 Wochen nicht mehr auf dem Rücken einzuschlafen. Beckengürtelschmerz ist häufig und behandelbar; Hebamme oder Praxis sollen früh Physiotherapie anbieten.
Wie lange dauert ein Trochanter-Schmerzsyndrom?
Oft Monate, nicht Tage. StatPearls und Praxisübersichten beschreiben einen schwankenden Verlauf; ohne Laständerung und Kraftaufbau bleibt der Nachtschmerz häufig. LEAP maß den Haupteffekt nach acht Wochen strukturierter Therapie und prüfte das Ergebnis nach einem Jahr. Wer nach zwei Wochen Selbsthilfe nicht schläft, wartet nicht ein Jahr auf „von selbst“.
Darf ich jede Nacht Ibuprofen nehmen?
Dauerhafte nächtliche Tabletten sind kein Plan. NICE will NSAR so niedrig und so kurz wie möglich, mit Blick auf Magen, Niere, Herz und Wechselwirkungen. Gel kann bei oberflächlichem Schmerz reichen. Bleibt der Schlaf trotz kurzfristiger Einnahme gestört, gehört die Ursache auf den Tisch, nicht die nächste Dosis.

Fazit
Nächtlicher Hüftschmerz ist selten „das Alter“, das man hinnehmen muss. Außen, druckschmerzhaft und schlimmer in Seitenlage spricht viel für eine gereizte Gesäßsehne am großen Rollhügel; in der Leiste, mit Steife und Belastungsschmerz eher für Arthrose. Die Trennung ändert die Nacht: Kissen und vermiedene Adduktion helfen der Sehne, Übung und Gewicht dem Gelenk. Kortison und Tabletten können eine Lücke öffnen, heilen die Ursache aber nicht.
Seit 2018 ist die Beleglage klarer als in älteren Ratgebern, die fast nur Bursitis und frei verkäufliche Entzündungshemmer nannten. LEAP stellt strukturierte Übung über die Spritze, NICE 2022 rückt Bewegung und Gewicht in den Mittelpunkt und nimmt Paracetamol und Hyaluronsäure aus der Routine. Der NHS macht Schlafverlust selbst zum Vorstellungsgrund. Wer Fieber, heiße Schwellung, Sturz oder ein nicht belastbares Bein hat, geht nicht den Hausmittelweg.
Für die kommende Nacht reichen oft drei Dinge: nicht auf der schmerzenden Seite liegen, Knie mit Kissen führen, Eis nach Belastung. Für die kommenden Wochen zählt, ob Gehen, Treppen und Schlaf besser werden. Tun sie es nicht, ist die nächste sinnvolle Handlung ein Termin, der Lage, Auslöser und Warnzeichen klärt, nicht eine dritte Matratze.
Quellen
- NHS: Hip pain in adults. National Health Service, 20. November 2025.
- Mayo Clinic: Hip pain: causes and when to see a doctor. Mayo Clinic, 22. Dezember 2025.
- Mayo Clinic: Bursitis: symptoms and causes. Mayo Clinic, 19. Mai 2026.
- NICE: Osteoarthritis in over 16s: diagnosis and management. National Institute for Health and Care Excellence, 19. Oktober 2022.
- American Academy of Orthopaedic Surgeons: Osteoarthritis of the Hip. OrthoInfo, Stand: 2025.
- American Academy of Orthopaedic Surgeons: Hip Bursitis: causes, symptoms, and treatment. OrthoInfo, Stand: 2025.
- Speers CJB, Bhogal GS: Greater trochanteric pain syndrome: a review of diagnosis and management in general practice. British Journal of General Practice, Oktober 2017.
- Mellor R, Bennell K et al.: Education plus exercise versus corticosteroid injection use versus a wait and see approach on global outcome and pain from gluteal tendinopathy. British Journal of Sports Medicine, November 2018.
- Disantis A, Andrade AJ et al.: The 2022 International Society for Hip Preservation (ISHA) physiotherapy agreement on assessment and treatment of greater trochanteric pain syndrome (GTPS): an international consensus statement. Journal of Hip Preservation Surgery, 2. Januar 2023.
- Pumarejo Gomez L, Li D et al.: Greater Trochanteric Pain Syndrome (Greater Trochanteric Bursitis). StatPearls, 25. Februar 2024.
- RCOG: Pelvic girdle pain and pregnancy. Royal College of Obstetricians and Gynaecologists, Juni 2015.
- NHS inform: Pelvic girdle pain. NHS inform, 9. Juni 2026.
