
Bei Polymyalgia rheumatica heilt kein Speiseplan die Entzündung. Prednisolon bleibt die Grundlage, und die Kost soll vor allem Knochen, Blutdruck, Blutzucker und Gewicht schützen, weil Glukokortikoide diese Systeme belasten.
Eine eigene „PMR-Diät“, die Steifheit in Schultern und Hüften nachweislich dämpft, fehlt in den Leitlinien. Was sich seit den älteren Ratgebern geändert hat, ist die Reihenfolge der Ziele. Zuerst kommt die Knochenvorsorge, weil das Frakturrisiko unter Kortison schon in den ersten Monaten steigt. Dann folgt eine alltagstaugliche, eher mediterrane Kost, die das Stoffwechselprofil unter Prednisolon nicht noch zusätzlich strapaziert.
Die Krankheit betrifft fast nur Menschen über 50 Jahren, häufig Frauen, mit einem Gipfel um das siebte und achte Lebensjahrzehnt. Viele brauchen das Steroid ein bis zwei Jahre. In dieser Zeit entscheidet der Teller weniger über die Entzündung als über Stürze, Brüche, Blutdruckspitzen und neu entdeckte Zuckerwerte.
Was Ernährung bei PMR wirklich ändern kann
Ernährung ersetzt Prednisolon nicht und stoppt die Polymyalgie nicht von allein. Sie kann Nebenwirkungen der Therapie milder machen und den Alltag tragen, während das Medikament die Morgensteifheit senkt.
Der NHS nennt Prednisolon als Hauptbehandlung. Die Tabletten heilen die Erkrankung nicht, sie dämpfen die Beschwerden. Die Cleveland Clinic beschreibt, dass viele Patienten sich binnen 48 Stunden nach dem ersten Steroid deutlich besser bewegen. Genau dieser rasche Effekt fehlt jeder Kostform. Wer deshalb das Rezept beiseitelegt und auf Beeren, Lachs oder Olivenöl setzt, riskiert einen Rückfall und, schlimmer, das Übersehen einer Riesenzellarteriitis.
Ältere Laienartikel versprachen oft eine „entzündungshemmende PMR-Diät“ mit festen Listen erlaubter und verbotener Speisen. Dafür gibt es keine randomisierten Studien an PMR-Patienten. Was vorliegt, sind Analogien aus der rheumatoiden Arthritis, Beobachtungen zur Mittelmeerkost und belastbare Daten zur glukokortikoidbedingten Osteoporose. Die norwegische Rheumatologie-Gesellschaft (2024) hat gegenüber den EULAR/ACR-Empfehlungen von 2015 vor allem Bildgebung, Interleukin-6-Blocker und das systematische Frakturscreening ergänzt, nicht einen Speiseplan.
Seit 2023 steht mit Sarilumab ein zugelassener Interleukin-6-Rezeptorblocker für Erwachsene bereit, bei denen Kortison nicht ausreicht oder das Ausschleichen nicht gelingt. MedlinePlus und die Cleveland Clinic erwähnen ihn als Option, wenn Symptome nach Dosisreduktion zurückkehren. Das ändert die Rolle der Küche nicht ins Gegenteil. Weniger kumulative Steroiddosis entlastet Knochen und Stoffwechsel, macht Kalzium, Vitamin D und eine salzärmere Kost aber nicht überflüssig.
- Prednisolon bleibt die Therapie, die Schmerzen und Steifheit in Tagen senken kann.
- Kost und Training zielen auf Knochen, Muskeln, Blutdruck, Zucker und Gewicht.
- Eine namentliche PMR-Diät mit Heilungsanspruch ist durch Studien nicht belegt.
- Steroidsparende Biologika ändern die Reihenfolge, nicht die Notwendigkeit der Knochenvorsorge.

Kalzium und Vitamin D unter Kortison
Unter Prednisolon brauchen die meisten Erwachsenen 1000 bis 1200 Milligramm Kalzium am Tag und 600 bis 800 Internationale Einheiten Vitamin D, sobald das Steroid drei Monate oder länger läuft. So fasst die Mayo Clinic die Haltung des American College of Rheumatology zusammen.
Versus Arthritis nennt für die Steroidtherapie eine etwas breitere Spanne von 700 bis 1200 Milligramm Kalzium. Das Office of Dietary Supplements der NIH setzt die Zufuhrempfehlung für gesunde Erwachsene auf 1000 bis 1200 Milligramm, bei Frauen über 50 Jahren häufig auf 1200 Milligramm. Die höhere ACR-Spanne unter Kortison ist deshalb kein Widerspruch zur Grundversorgung, sondern eine Anpassung an den beschleunigten Knochenabbau.
Glukokortikoide drehen den Knochenstoffwechsel früh in Richtung Abbau. Low und Conway (2023) schreiben, dass das Frakturrisiko schon in den ersten drei Monaten sichtbar wird. Der stärkste Mineralverlust fällt in die Monate drei bis sechs, danach geht der Verlust langsamer weiter, solange das Steroid läuft. Deshalb soll die Vorsorge mit dem ersten Rezept beginnen, nicht erst nach dem ersten Bruch.
Die norwegischen Empfehlungen von 2024 verlangen für alle, die mindestens 2,5 Milligramm Prednisolon-Äquivalent länger als drei Monate nehmen, Kalzium, Vitamin D und eine Knochendichtemessung per DXA. Die ACR-Leitlinie zur glukokortikoidbedingten Osteoporose (publiziert 2023) verlangt zusätzlich eine klinische Fraktureinschätzung, bei Menschen ab 40 Jahren oft mit FRAX, und bei mittlerem bis hohem Risiko eine medikamentöse Therapie, typischerweise ein Bisphosphonat. Kalzium und Vitamin D allein ersetzen diese Entscheidung nicht.
Tabletten sind nicht der erste Schritt, wenn die Küche die Lücke schließen kann. Low und Conway betonen, dass man Suffizienz anstrebt, nicht blinde Hochdosis. Zu viel ergänztes Kalzium kann Harnsteine begünstigen; überdosiertes Vitamin D ist ebenfalls nicht harmlos. Versus Arthritis zeigt an Alltagsportionen, wie rasch sich 200 Milligramm addieren: ein kleines Glas Milch, 30 Gramm Hartkäse oder 60 Gramm Sardinen mit Gräten. Wer Milch meidet, braucht angereicherte Sojadrinks oder eine ehrlich gerechnete Ergänzung, aufgeteilt auf zwei Einnahmen, weil der Darm große Einzelportionen schlechter aufnimmt.
Vitamin D kommt in nennenswerter Menge kaum aus der Kost. Versus Arthritis rät in Herbst und Winter zu einem Präparat und ganzjährig, wenn jemand kaum ins Freie kommt, die Haut bedeckt hält oder dunkler pigmentiert ist. Colecalciferol (Vitamin D3) wird in Übersichten oft bevorzugt, weil es den 25-Hydroxy-Spiegel zuverlässiger hebt als Ergocalciferol. Die Zieldosis und eine Kontrollmessung gehören zum Gespräch mit der Praxis, nicht zur Selbstjustierung nach Werbeclaims auf Müslipackungen.
Mittelmeerkost statt einer eigenen PMR-Diät
Eine mediterrane Musterkost ist die derzeit ehrlichste Schablone, nicht weil sie PMR heilt, sondern weil sie Kalziumquellen, Fisch, Gemüse und ungesättigte Fette bündelt, ohne Zucker und Salz zu belohnen.
Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse, Olivenöl, fetter Fisch und milde Milchprodukte bilden das Gerüst. Rotes und verarbeitetes Fleisch, süße Getränke und stark erhitzte Fertigprodukte rücken an den Rand. Für die rheumatoide Arthritis gibt es Kohorten und einzelne Interventionsstudien zu diesem Muster. Für die Polymyalgie fehlt der vergleichbare Nachweis. Wer die Listen 1:1 überträgt, vermischt zwei Krankheiten. PMR spielt sich vor allem extraartikulär um Schulter und Becken ab, nicht als kleine Gelenkentzündung der Hände.
Trotzdem ist die Schablone praktisch. Sie liefert von selbst Kalzium (Joghurt, Käse, angereicherte Drinks, kleine Fische), Vitamin D in Spuren (fetter Fisch) und Eiweiß für Muskeln, die unter Kortison und Schonhaltung schwinden. Die Mayo Clinic formuliert denselben Kern ohne Modewort: überwiegend Obst, Gemüse, Vollkorn, fettarmes Eiweiß und Milchprodukte, Salz begrenzen.
Olivenöl, Beeren oder Tomaten als Einzelhelden zu feiern, führt in die Irre. Polyphenole und Omega-3-Fettsäuren können Entzündungsmarker in anderen Kontexten senken. Das ersetzt weder die Blutsenkung noch das C-reaktive Protein als Verlaufsgröße, noch die klinische Prüfung, ob die Morgensteifheit wirklich nachlässt. Wer Unverträglichkeiten, Gicht, Nierensteine oder eine Schluckstörung hat, braucht eine angepasste Variante, keine kopierte Influencerliste.
Alkohol gehört in dieses Muster höchstens in kleinen Mengen, unter Kortison eher zurückhaltend. Versus Arthritis knüpft viel Alkohol und Rauchen an ein höheres Osteoporoserisiko. Ein Glas Wein „gegen Entzündung“ ist deshalb keine Strategie, sondern ein Extra, das mit Blutdruck, Sturzgefahr und Schlaf konkurriert.
Salz, Zucker und Kortison-Stoffwechsel
Unter Prednisolon steigt der Appetit oft, Wasser wird eingelagert, der Blutdruck kann klettern, und der Blutzucker gerät aus dem Tritt. Salz und zugesetzter Zucker verstärken genau diese Nebenwirkungen, unabhängig davon, ob sie die PMR-Entzündung selbst anfachen.
Die Mayo Clinic rät ausdrücklich, Natrium zu begrenzen, um Flüssigkeitseinlagerung und Bluthochdruck zu dämpfen. NICE CKS verlangt in den Verlaufskontrollen Blutdruck und Glukose, weil beides unter oralen Kortikosteroiden leiden kann. Wer Wurst, Fertigsuppen, Käsewürfel, Brot und Fertigsaucen stapelt, erreicht leicht mehr Natrium als ein älterer Kreislauf verträgt, noch bevor das Salzfässchen auf dem Tisch steht.
Zugesetzter Zucker steckt in Limonade, Fruchtjoghurt, Frühstücksflocken und „vitaminreichen“ Riegeln. Der NHS nennt gesteigerten Appetit und Gewichtszunahme als häufige Prednisolon-Folgen. Süße Getränke liefern Kalorien ohne Sättigung und machen eine entgleiste Nüchternglukose wahrscheinlicher. Das ist Stoffwechselmedizin, keine Moralpredigt gegen Kuchen am Sonntag.
Drei bis sechs Monate nach Therapiebeginn lohnt ein ehrlicher Blick auf die Waage, den Gürtel und die Laborwerte, die die Praxis sowieso ansetzt. NICE schlägt im ersten Jahr mindestens vierteljährliche Kontrollen vor, plus Blutbild, Entzündungswerte und Nierenwerte. Wer dann noch „zuckerfreie“ Getränke mit viel Süßstoff oder proteinreiche Riegel mit Maltodextrin stapelt, sollte die Zutatenliste lesen, statt dem Frontlabel zu glauben.
- Fertigsuppen, Aufschnitt und Würzmischungen liefern oft mehr Natrium als das Streusalz auf dem Teller.
- Süße Getränke und gezuckerte Cerealien treiben Appetit und Glukose, den das Steroid schon anhebt.
- Ein Blutdruckmessgerät zu Hause hilft, Schwindel oder Kopfdruck einzuordnen, ersetzt aber die Praxiskontrolle nicht.
- Gewichtsplus in den ersten Wochen ist häufig Wasser und Hunger, nicht „fehlende Disziplin“.
Eiweiß, Knochen und Sturzrisiko
Ausreichend Eiweiß stützt Muskeln und Knochen, die unter Kortison und Schonhaltung schwinden, und kann Stürze weniger folgenreich machen. Low und Conway nennen die Proteinzufuhr ausdrücklich als Baustein der Knochenvorsorge.
Ein Bruch entsteht selten nur, weil der T-Wert auf der DXA gesunken ist. Viele hüftnahe und radiusnahe Frakturen beginnen mit einem Sturz in der Wohnung. Wer morgens minutenlang steif ist, hinter dem Sofa hängen bleibt oder nachts zur Toilette torkelt, braucht Griffstangen und Licht genauso wie Joghurt. Die Mayo Clinic erwähnt Hilfsmittel wie Greifzangen, Duschgriffe und Einkaufswagen, weil Alltagsaufgaben unter PMR zur Sturzfalle werden.
Eiweißquellen, die zugleich Kalzium mitbringen, sparen Tellerplatz: Quark, Joghurt, Käse, angereicherte Pflanzendrinks, Eier, Hülsenfrüchte, Fisch mit Gräten. Reines Proteinpulver ist unnötig, wenn die Mahlzeiten schon Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte oder Milchprodukte enthalten. Bei eingeschränkter Nierenfunktion bestimmt die Nephrologie die Menge, nicht ein Fitnessratgeber.
Rauchen und hoher Alkoholkonsum schwächen Knochen zusätzlich. Versus Arthritis nennt beides als vermeidbare Osteoporoserisiken unter Steroiden. Wer schon brüchige Knochen, eine frühere Wirbelkörperfraktur oder einen Sturz ohne äußere Gewalt hatte, gehört in die medikamentöse Schiene der ACR-Leitlinie, nicht nur an den Käseteller.
Welche Lebensmittel eher zurückfahren
Zurückfahren lohnt bei Speisen, die Blutdruck, Zucker, Gewicht oder den Magen unter Prednisolon belasten, nicht bei einer moralischen Liste „entzündlicher“ Lebensmittel ohne PMR-Beleg.
Stark gesalzene Fertiggerichte, süße Getränke, häufiges Fast Food und große Mengen Wurst oder rotes Fleisch machen die Kortison-Nebenwirkungen schwerer kalkulierbar. Das ist ein Stoffwechselargument. Die Behauptung, ein Steak oder ein Weißbrot löse den nächsten PMR-Schub aus, steht nicht in NHS, Mayo oder NICE.
Alkohol in größeren Mengen stört Schlaf, Balance und Knochen. Unter Prednisolon kommt die höhere Infektneigung hinzu; der NHS warnt vor Kontakt mit Windpocken und Gürtelrose, wenn keine Immunität besteht. Ein angeschlagener Magen verträgt zudem häufig NSAR schlecht. Das American College of Rheumatology schreibt klar, dass Ibuprofen oder Naproxen die PMR selbst nicht zuverlässig bessern. Wer sie trotzdem gegen andere Schmerzen nimmt, braucht oft Magenschutz und sollte Alkohol nicht oben draufsetzen.
Margarine, „Transfette“ und einzelne Ölsorten als Hauptschuldige einer PMR zu führen, gehört in überholte Listen. Entscheidend ist das Gesamtmuster: viel Gemüse und Hülsenfrüchte, regelmäßig Fisch oder Hülsenprotein, Milchprodukte nach Verträglichkeit, wenig Zucker und Salz. Wer Unverträglichkeiten hat, streicht das Unverträgliche, nicht die gesamte Gruppe.
| Ziel unter Kortison | Warum es zählt | Was im Alltag hilft |
|---|---|---|
| Kalzium 1000–1200 mg | Knochenabbau ab Monat 1–3 | Milch, Joghurt, Käse, Sardinen, angereicherte Drinks |
| Vitamin D 600–800 I.E. | Aufnahme von Kalzium, oft niedriger Spiegel | Präparat nach Absprache, fetter Fisch als Beilage |
| Weniger Natrium | Blutdruck und Wassereinlagerung | Selbst kochen, Aufschnitt und Fertigsuppen kürzen |
| Weniger Zuckerzusatz | Appetit, Gewicht, Glukose | Wasser, ungesüßter Tee, Frucht statt Limonade |
| Eiweiß über den Tag | Muskeln, Stürze, Knochenmatrix | Joghurt, Eier, Hülsenfrüchte, Fisch, mageres Fleisch |
| Alkohol gering halten | Sturz, Knochen, Schlaf, Magen | An den meisten Tagen verzichten, nie auf nüchternen Magen mit NSAR |

Bewegung neben dem Teller
Leichte bis mittlere Bewegung erhält Muskeln, Knochendichte und Gleichgewicht, sobald Prednisolon die steifsten Morgenstunden gelockert hat. Die EULAR/ACR-Linie, die die norwegische Leitlinie 2024 fortschreibt, spricht von einem individuellen Programm gegen Muskelschwund und Stürze.
Versus Arthritis hält Gehen für die alltagstauglichste lasttragende Form. Schwimmen und Radfahren schonen Gelenke, belasten den Knochen aber weniger als zügiges Gehen. Kraftübungen an Hüfte, Oberschenkel und Schultergürtel gehören dazu, sobald ein Arzt oder eine Physiotherapie die Richtung freigibt. Die Mayo Clinic empfiehlt, Häufigkeit und Art mit dem Behandlungsteam festzulegen, weil Überlastung die steifen Muskeln wieder aufheizen kann.
Im Schub oder in den ersten Tagen nach Therapiebeginn ist „viel hilft viel“ falsch. Die Cleveland Clinic nennt niedrig belastende Aktivitäten und Physiotherapie als sinnvolle Ergänzung, nicht als Ersatz. Nach einer Stunde Autofahrt helfen kurze Stopps zum Strecken, weil Ruhe die Steifheit verstärkt. Ein warmes Bad am Morgen kann das Ankleiden erleichtern, bevor der Spaziergang beginnt.
Wer Bisphosphonate nimmt, braucht vor dem Training keine Sonderdiät, aber einen aufrechten Oberkörper nach der Tablette und genug Abstand zu Kaffee oder Orangensaft, wie die Packungsbeilage verlangt. Das ist Medikamententechnik, nicht Ernährungstrend.
Beispielhafte Mahlzeiten im Alltag
Alltagsmahlzeiten sollen Kalzium, Eiweiß und Gemüse auf denselben Teller bringen, ohne das Prednisolon zur Nebensache zu machen. Die folgenden Kombinationen sind Muster, keine Verordnung und keine Garantie gegen Rückfälle.
Zum Frühstück trägt ein Naturjoghurt mit Beeren und einem Löffel Haferflocken Kalzium und Eiweiß, ohne die Zuckermenge eines Fertigmüslis. Eine Alternative sind Eier auf Vollkornbrot plus ein kleines Glas Milch oder angereicherter Sojadrink. Versus Arthritis rechnet 0,2 Liter fettarme Milch mit rund 230 Milligramm Kalzium; zwei solcher Portionen plus Käse oder Joghurt erreichen oft schon die Hälfte des Tagesziels.
Mittags eignet sich eine Schüssel mit Linsen oder Kichererbsen, viel Blattgemüse, etwas Feta oder Hartkäse und Olivenöl. Wer Fisch mag, liegt mit Makrele, Sardine oder Lachs doppelt richtig, weil Grätenkalzium und Vitamin D zusammenkommen. Fertige Thunfischsalate aus der Dose sind oft salzig; selbst angemacht mit Joghurt statt Mayonnaise bleibt der Natriumwert im Griff.
Abends reicht ein Stück Fisch oder Hühnchen mit gedünstetem Gemüse und Kartoffeln oder Vollkornreis. Die Proteinportion muss nicht groß sein, wenn morgens und mittags schon Milchprodukte oder Hülsenfrüchte lagen. Als Snack taugen ungesalzene Nüsse, ein Stück Obst oder ein weiterer Joghurt, nicht die mit Vitamin D beworbene Riegelsorte, deren erste Zutat Zucker ist.
Wer schlecht kaut, Schluckbeschwerden hat oder nach einer Kieferproblematik bei Verdacht auf Riesenzellarteriitis kaum zubeißen kann, braucht weiche Kalziumquellen und ärztliche Klärung, bevor der Speiseplan interessiert. Das ist der Punkt, an dem Ernährung hinter Sicherheit zurücktritt.
Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme
Neue Kopfschmerzen, Kiefer- oder Zungenschmerz beim Kauen, eine empfindliche Kopfhaut oder jede Sehstörung sind kein Diätproblem. Sie können eine Riesenzellarteriitis anzeigen und brauchen noch am selben Tag medizinische Hilfe.
Der NHS schreibt, dass bis zu einem von fünf Menschen mit PMR eine Arteriitis temporalis entwickeln. Das NIAMS (Stand 2022) schätzt die Überlappung anders: etwa 10 Prozent der PMR-Patienten haben zugleich eine Riesenzellarteriitis, umgekehrt hat etwa die Hälfte der Patienten mit Riesenzellarteriitis auch PMR. Low und Conway geben 11 bis 20 Prozent an, die nach zunächst isolierter PMR später eine Gefäßentzündung entwickeln. Die Zahlen widersprechen sich in der Höhe, nicht in der Konsequenz. Unbehandelte Riesenzellarteriitis kann Sehkraft kosten, manchmal binnen Stunden oder Tagen, wie das NIAMS betont.
Die Mayo Clinic listet als Warnzeichen neue oder anhaltende Kopfschmerzen, Kieferschmerz, verschwommenes oder doppeltes Sehen, Sehverlust und eine druckempfindliche Kopfhaut. Der NHS verweist in genau dieser Lage auf die sofortige Hausarztpraxis, den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder die Notaufnahme. Diätversuche, Schmerztabletten oder „abwarten, ob der Tee hilft“ haben hier keinen Platz.
Auch ohne Gefäßverdacht gehört der Arzt ins Spiel, wenn Morgensteifheit länger als eine Woche den Alltag blockiert, wenn Beschwerden beim Ausschleichen zurückkehren oder wenn Prednisolon Stimmung, Schlaf oder den Zucker entgleist. Der NHS nennt Stimmungsänderungen bei etwa einem von zwanzig Behandelten, bis hin zu Suizidgedanken; das ist ein Notfall der Psyche, kein Ernährungsthema. Plötzliches Absetzen der Tabletten kann eine Nebennierenkrise auslösen. NICE verlangt einen blauen Steroidausweis und das ausdrückliche Verbot, die Dosis allein zu streichen.
| Lage | Typische Zeichen | Was tun |
|---|---|---|
| Verdacht auf Riesenzellarteriitis | Neuer Kopfschmerz, Kieferklaudikatio, Sehstörung, Kopfhautschmerz | Noch am selben Tag Ärztin, Bereitschaftsdienst oder Klinik |
| PMR-Rückfall | proximale Schmerzen, Fatigue, Morgensteifheit über 45 Minuten | Praxis, nicht selbst die Dosis verdoppeln |
| Kortison-Folgen | starker Gewichtsplus, hoher Blutdruck, Durst, Sehstörung durch Zucker | Geplante Kontrolle vorziehen |
| Infektkontakt | Windpocken oder Gürtelrose in der Wohnung, keine Immunität | Sofort ärztlichen Rat, wie der NHS rät |
| Stimmungskrise unter Prednisolon | Angst, Verwirrtheit, Suizidgedanken | Notfallmedizin, nicht absetzen und warten |
Häufige Fragen
Kann eine besondere Diät Kortison ersetzen?
Nein. Prednisolon oder ein vergleichbares Glukokortikoid bleibt die Therapie, die Steifheit und Schmerz in Tagen senken kann. Kost kann Knochen, Blutdruck und Zucker stützen, ändert aber nicht die Diagnose und stoppt keine Riesenzellarteriitis.
Wie viel Kalzium brauche ich unter Prednisolon?
Die Mayo Clinic nennt im Namen des ACR 1000 bis 1200 Milligramm Kalzium plus 600 bis 800 Einheiten Vitamin D, wenn Kortison drei Monate oder länger läuft. Versus Arthritis hält 700 bis 1200 Milligramm für ein realistisches Ziel aus der Nahrung. Ob Tabletten nötig sind, hängt von der Summe auf dem Teller und vom Labor ab.
Hilft Mittelmeerkost gegen die Entzündung der PMR?
Einen eigenen Nachweis für PMR gibt es nicht. Das Muster eignet sich trotzdem, weil es Kalzium, Eiweiß, Gemüse und wenig Zucker kombiniert. Wer es mit der rheumatoiden Arthritis verwechselt, überschätzt den Effekt auf die Morgensteifheit.
Darf ich unter Prednisolon Alkohol trinken?
Kleine Mengen sind für viele verträglich, große Mengen schaden Knochen, Balance und Schlaf. Versus Arthritis knüpft viel Alkohol an ein höheres Osteoporoserisiko. Zusammen mit NSAR steigt die Magenbelastung; das ACR hält NSAR bei PMR ohnehin für wenig wirksam.
Soll ich Vitamin D ohne Blutwert selbst hochdosieren?
Nein. Versus Arthritis hält eine Winterprophylaxe für sinnvoll, eine Lade- oder Hochdosis gehört aber in die Praxis. Low und Conway warnen vor blinder Übersupplementation. Ein 25-Hydroxy-Wert erklärt, ob die Küche reicht oder ein Präparat nötig ist.
Welche Bewegung passt zu PMR und Kortison?
Gehen, Radfahren, Schwimmen und dosiertes Krafttraining, sobald die steifsten Tage vorbei sind. Die Leitlinienlinie zielt auf Muskelmasse und Sturzprophylaxe. Vor dem ersten Hantelprogramm sollte die behandelnde Praxis grobe Grenzen setzen.
Wann ist Sehstörung ein Notfall?
Immer dann, wenn sie neu auftritt, auch wenn sie Minuten dauert und wieder vergeht. Das NIAMS warnt, dass bleibender Verlust binnen Stunden oder Tagen folgen kann, wenn eine Riesenzellarteriitis unbehandelt bleibt. Das ist keine Frage für den nächsten Ernährungstermin.

Fazit
Wer mit Polymyalgia rheumatica lebt, kocht nicht gegen die Entzündung, sondern gegen die Folgen der Therapie. Prednisolon bleibt der Hebel, der Schultern und Hüften in Tagen beweglicher macht. Der Teller liefert Kalzium und Vitamin D, hält Salz und Zucker im Zaum und gibt Muskeln Eiweiß, damit ein Stolperer nicht zum Bruch wird.
Seit den älteren Ratgebern mit festen „anti-entzündlichen“ Listen hat sich die wissenschaftliche Reihenfolge verschoben. Leitlinien zur glukokortikoidbedingten Osteoporose und die norwegischen PMR-Empfehlungen von 2024 setzen Screening, Kalzium, Vitamin D und bei Risiko Bisphosphonate an den Anfang. Steroidsparende Interleukin-6-Blocker können die kumulative Dosis senken, ersetzen aber weder DXA noch die Beobachtung von Blutdruck und Zucker.
Morgen können Sie die Zutatenliste der Cerealien prüfen, eine kalziumhaltige Portion fest einplanen und den Steroidausweis einstecken. Neue Kopfschmerzen, Kieferschmerz oder jede Sehstörung gehören nicht auf den Speiseplan, sondern in die Praxis oder Klinik.
Quellen
- Mayo Clinic Staff: Polymyalgia rheumatica – Diagnosis & treatment. Mayo Clinic, 1. März 2025.
- NHS: Polymyalgia rheumatica. National Health Service, 23. April 2023.
- NICE: Scenario: Management. NICE Clinical Knowledge Summaries, Stand: 2024.
- Versus Arthritis: Polymyalgia rheumatica (PMR). Versus Arthritis, Stand: 2025.
- Tengesdal S, Diamantopoulos AP, Brekke LK et al.: Norwegian society of rheumatology recommendations on diagnosis and treatment of patients with Polymyalgia Rheumatica: a narrative review. BMC Rheumatology, 4. November 2024.
- Humphrey MB, Russell L, Danila MI et al.: 2022 American College of Rheumatology Guideline for the Prevention and Treatment of Glucocorticoid-Induced Osteoporosis. Arthritis Care & Research, 26. Oktober 2023.
- Low C, Conway R: Metabolic bone health considerations in giant cell arteritis and polymyalgia rheumatica. Women’s Health, 10. Januar 2023.
- Horowitz DM: Polymyalgia rheumatica. MedlinePlus, 28. Januar 2025.
- Cleveland Clinic: Polymyalgia Rheumatica (PMR): Symptoms & Treatment. Cleveland Clinic, 19. November 2025.
- Office of Dietary Supplements: Calcium – Fact Sheet for Health Professionals. National Institutes of Health, Stand: 2026.
- NIAMS: Polymyalgia Rheumatica and Giant Cell Arteritis. National Institute of Arthritis and Musculoskeletal and Skin Diseases, Februar 2022.
