Wie nützlich ist der Body-Mass-Index wirklich?

Wie nützlich ist der Body-Mass-Index wirklich?

Der Body-Mass-Index (BMI) ist ein Suchtest aus Gewicht und Körpergröße, kein Nachweis von Fettmasse und keine Diagnose einer Krankheit. Die CDC nennt ihn schnell, preiswert und für Vergleiche zwischen Bevölkerungsgruppen wertvoll; am einzelnen Menschen soll er zusammen mit Blutdruck, Blutfetten, Muskelbild und Vorgeschichte gelesen werden.

Seit 2022 verlangt das britische NICE bei einem BMI unter 35 kg/m² zusätzlich das Taille-zu-Größe-Verhältnis, weil der Quotient die Fettverteilung nicht abbildet. Die Lancet-Kommission vom Januar 2025 definiert klinische Adipositas jenseits der reinen BMI-Zahl. Der BMI bleibt Surrogat für Suchtests und für die Epidemiologie. Überschüssiges Fett soll bestätigt werden, und erst Organschäden oder eine klare Einschränkung im Alltag machen aus Adipositas eine klinische Krankheit. Wer nur die Zahl kennt, kennt das persönliche Risiko deshalb nicht.

Was misst der Body-Mass-Index genau?

Der BMI setzt das Körpergewicht in Beziehung zur Körpergröße. Er misst weder Fettanteil noch Muskelmasse noch die Lage des Fetts.

Rechnerisch wird das Gewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Größe in Metern geteilt. Eine Person mit 70 kg bei 1,70 m kommt auf rund 24,2 kg/m². Die CDC betont, dass dieser Wert mäßig bis stark mit aufwendigeren Fettmessungen zusammenhängt, etwa der Dual-Röntgen-Absorptiometrie. Trotzdem trennt die Formel Fett, Muskel und Knochen nicht. Wasseransammlungen, eine dichte Muskulatur oder ein leichter Knochenbau verschieben denselben Quotienten in entgegengesetzte Richtungen.

Die Idee stammt aus dem 19. Jahrhundert. Der belgische Mathematiker Lambert Adolphe Jacques Quetelet suchte ein Maß für Bevölkerungsstudien, nicht für die Sprechstunde. Den Namen Body Mass Index erhielt der Quotient 1972; StatPearls hält fest, dass er damals ausdrücklich als Werkzeug der „sozialen Physik“ galt. Genau diese Herkunft erklärt die heutige Stärke und die heutige Schwäche. In Karten zur Adipositas-Häufigkeit, bei der Medikamentendosierung und in Trendberichten bleibt der BMI praktisch unersetzlich, weil Größe und Gewicht fast überall erhoben werden. Am einzelnen Körper liefert er nur eine grobe Lage.

Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet den BMI deshalb als Surrogatmarker der Fettfülle. Zusätzliche Maße wie der Taillenumfang können die Einordnung schärfen. Wer die Zahl als Urteil über Disziplin oder Gesundheit liest, überfordert ein Werkzeug, das nie als Persönlichkeitsmerkmal gedacht war.

BMI: Ist es der beste Weg, um ein gesundes Gewicht zu beurteilen?

Welche BMI-Kategorien gelten für Erwachsene?

Für Erwachsene ab 20 Jahren gelten weltweit dieselben groben Stufen, unabhängig von Alter, Geschlecht und Hautfarbe. Die CDC und die WHO stufen unter 18,5 als Untergewicht, 18,5 bis unter 25 als gesundes Gewicht, 25 bis unter 30 als Übergewicht und 30 oder mehr als Adipositas ein.

Die Adipositas selbst wird in drei Klassen geteilt. Klasse 1 reicht von 30 bis unter 35, Klasse 2 von 35 bis unter 40, Klasse 3 (oft schwere Adipositas genannt) beginnt bei 40. MedlinePlus knüpft daran ein steigendes Risiko für Gelenkverschleiß, Herzkrankheit, Bluthochdruck, Schlafapnoe und Typ-2-Diabetes. Ab 25 kg/m² nimmt das Risiko adipositasbezogener Krankheiten in der Regel zu; die Kurve ist aber kein Schalter, der bei einer glatten Zahl umlegt.

Kategorie BMI (kg/m²), CDC/WHO NICE, ausgewählte Herkunftsgruppen
Untergewicht unter 18,5 unter 18,5
Gesundes Gewicht 18,5 bis unter 25 Übergewicht beginnt hier bereits bei 23
Übergewicht 25 bis unter 30 23,0 bis 27,4
Adipositas Klasse 1 30 bis unter 35 ab 27,5
Adipositas Klasse 2 35 bis unter 40 Schwellen jeweils 2,5 Punkte niedriger
Adipositas Klasse 3 40 oder mehr Schwellen jeweils 2,5 Punkte niedriger

Die rechte Spalte gilt laut NICE-Wissensdienst für Menschen mit südasiatischem, chinesischem, anderem asiatischem, nahöstlichem, schwarzafrikanischem oder afrokaribischem Familienhintergrund. Dort tritt das kardiometabolische Risiko früher auf, weil sich Fett häufiger innen am Rumpf lagert. Die WHO-Expertenkonsultation von 2004 hatte für viele asiatische Populationen bereits 23 und 27,5 kg/m² als Handlungsgrenzen vorgeschlagen; NICE hat diese Logik 2025 in die Versorgungsempfehlung übernommen.

Kategorien sind Orientierung, keine Diagnose. Die CDC schreibt ausdrücklich, der BMI solle mit anderen Faktoren zusammen betrachtet werden. Ein Wert von 31 bei hoher Muskelmasse und unauffälligen Laborwerten bedeutet etwas anderes als derselbe Wert bei großem Taillenumfang, Bluthochdruck und erhöhtem Langzeitblutzucker. Die WHO schätzte für 2022, dass 2,5 Milliarden Erwachsene übergewichtig waren, darunter 890 Millionen mit Adipositas. Jeder achte Mensch weltweit lebte damals mit Adipositas; ein zu hoher BMI war 2021 mit rund 3,7 Millionen Todesfällen durch nichtübertragbare Krankheiten verknüpft.

Warum unterscheidet der BMI nicht zwischen Muskel und Fett?

Der BMI zählt jedes Kilogramm gleich, egal ob es aus Trainingsmuskel, Leberfett oder Ödem stammt. Genau deshalb stuft er kraftsportlich Trainierte oft zu hoch und ältere, muskelschwache Menschen oft zu niedrig ein.

Die Cleveland Clinic rät, die Standardtabelle bei Sportlerinnen und Sportlern, Schwangeren, Menschen über 65 Jahren und bei Muskelschwund nicht als alleinigen Maßstab zu nutzen. MedlinePlus nennt Bodybuilder als klassisches Beispiel. Muskelgewebe ist schwerer als Fettgewebe, der Quotient steigt, der Körperfettanteil kann trotzdem niedrig sein. Umgekehrt kann der BMI im Referenzbereich liegen, während Bauchfett das Risiko für Diabetes und Herzkrankheit bereits erhöht. Genau deshalb zieht MedlinePlus den Taillenumfang als zweite Größe heran.

Ein zweites Problem ist die Lage des Fetts. Fett unter der Haut an Hüfte und Oberschenkel ist metabolisch oft weniger aggressiv als Fett in der Bauchhöhle um Leber, Bauchspeicheldrüse und Herz. Der BMI sieht diesen Unterschied nicht. Zwei Personen mit 28 kg/m² können deshalb völlig verschiedene Risikoprofile haben. Die eine trainiert regelmäßig und hat eine schmale Taille, die andere sitzt viel und lagert viszerales Fett ein.

In den Adipositasklassen 2 und 3 erklärt eine kräftige Muskulatur den Wert seltener. Die Cleveland Clinic knüpft an höhere BMI-Klassen höhere Risiken für Herzkrankheit, Diabetes und Gelenkverschleiß. Unterhalb von 35 kg/m² bleibt die klinische Prüfung Pflicht, mit Blick auf Taille, Beinkraft, Trainingsgeschichte, Ödeme und Labor. Wer nur die App-Zahl teilt, verwechselt einen Suchtest mit einer Körperanalyse.

Für wen gelten andere Schwellenwerte?

Ein und derselbe BMI bedeutet in verschiedenen Körpern nicht dasselbe Risiko. Herkunft, Lebensalter und Geschlecht verschieben die Schwelle, ab der Ärztinnen und Ärzte genauer hinsehen sollten.

Menschen mit südasiatischem, ostasiatischem oder afrokaribischem Familienhintergrund entwickeln Typ-2-Diabetes und koronare Krankheit im Mittel bei niedrigeren BMI-Werten als weiße Europäer. NICE senkt deshalb Übergewicht auf 23 kg/m² und Adipositas auf 27,5 kg/m². Wer in Deutschland mit 24 kg/m² als „normal“ gilt, kann in dieser Gruppe bereits in der Zone erhöhten Risikos stehen.

Im höheren Alter dreht sich die Sterblichkeitskurve. Eine Metaanalyse, die StatPearls referiert, fand bei älteren Erwachsenen eine höhere Gesamtmortalität unterhalb von etwa 23 kg/m², nicht im leichten Übergewicht. MedlinePlus ergänzt, dass ein etwas höherer BMI ab 65 Jahren vor Knochenschwund schützen kann. Unerklärter Gewichtsverlust bleibt trotzdem ein Warnsignal und gehört abgeklärt, weil dahinter Depression, Mangelernährung, Schilddrüsenüberfunktion oder ein Tumor stecken können.

Frauen haben im Mittel einen höheren Körperfettanteil als Männer bei gleichem BMI. Die Cleveland Clinic nennt das als weitere Grenze der Einheitsformel. Schwangere brauchen ohnehin eigene Verlaufskurven; der Erwachsenenrechner ist dafür nicht gedacht. Kinder und Jugendliche werden über Perzentilen eingeordnet, nicht über die Erwachsenenzahlen 25 und 30.

Was sagt der Quotient aus Taille und Größe?

Der Quotient aus Taillenumfang und Körpergröße schätzt, wie viel Fett am Rumpf sitzt. NICE empfiehlt ihn bei Erwachsenen mit einem BMI unter 35 kg/m² zusätzlich zum BMI, um Risiken für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Herzkrankheit besser abzuschätzen.

Die praktische Regel ist schlicht. Die Taille soll schmaler bleiben als die halbe Körpergröße, das Verhältnis also unter 0,5 liegen. Bei 170 cm Größe entspricht das einem Taillenumfang unter 85 cm. NICE stuft 0,40 bis 0,49 als gesunde zentrale Fettverteilung ohne erhöhtes Risiko ein, 0,50 bis 0,59 als erhöhtes und 0,60 oder mehr als weiter erhöhtes Risiko. Diese Bänder gelten laut Leitlinie für beide Geschlechter, alle Ethnien und auch für muskelstarke Erwachsene, solange der BMI unter 35 bleibt. Oberhalb von 35 kg/m² verliert die Taille als Zusatzmaß an Trennschärfe, weil fast alle Werte hoch liegen.

Taille-zu-Größe-Verhältnis Zentrale Fettverteilung (NICE) Bedeutung
0,40 bis 0,49 gesund kein erhöhtes Risiko durch Bauchfett
0,50 bis 0,59 erhöht Risiko für Diabetes und Herzkrankheit steigt
0,60 oder mehr hoch Risiko weiter erhöht
BMI 35 oder mehr Messung oft wenig trennscharf klinische Beurteilung zählt stärker

Der klassische Taillenumfang bleibt daneben nützlich. MedlinePlus nennt für Frauen mehr als 89 cm und für Männer mehr als 102 cm als Schwellen, ab denen Herzkrankheit und Typ-2-Diabetes wahrscheinlicher werden. Messprotokolle unterscheiden sich, mal knapp über den Darmbeinkämmen, mal in der Mitte zwischen Rippenbogen und Beckenkamm. NICE verweist auf die NHS-Anleitung und rät, bei auffälligem Wert eine kardiometabolische Abklärung zu suchen.

Die Europäische Adipositasgesellschaft hat 2024 das Verhältnis über 0,5 fest in ihren Diagnoserahmen geschrieben. Bauchfett gilt dort als eigenständiger Risikofaktor, auch wenn der BMI noch unter 30 liegt.

Was bedeuten klinische und präklinische Adipositas?

Seit 2024/2025 trennen Fachgesellschaften überschüssiges Fett von der Krankheit, die dieses Fett bereits in Organen anrichtet. Der BMI allein entscheidet diese Frage nicht.

Die EASO-Stellungnahme in Nature Medicine (Juli 2024) definiert Adipositas als adipositasbasierte chronische Krankheit. Die Diagnose soll eine anthropometrische und eine klinische Säule haben. Neu ist vor allem die mittlere Zone. Ein BMI von 25 bis 30 plus einem Taillen-Größen-Quotienten über 0,5 plus medizinische, funktionelle oder psychische Beeinträchtigung zählt in diesem Rahmen bereits als Adipositas. Ziel ist, Menschen mit klarem Bauchfett und beginnenden Schäden nicht zu unterbehandeln, nur weil die Zahl unter 30 bleibt.

Die Lancet-Kommission um Rubino hat im Januar 2025 zwei Stufen vorgeschlagen. Präklinische Adipositas bedeutet bestätigtes überschüssiges Fett bei noch erhaltener Organfunktion, mit einem meist erhöhten Risiko für späteres Kranksein. Klinische Adipositas ist die Krankheit selbst, nämlich eine fettbedingte Funktionsstörung von Geweben oder Organen oder eine deutliche, altersangemessene Einschränkung alltäglicher Verrichtungen wie Waschen, Ankleiden oder Essen. Bestätigt wird das Fett durch Körperfettmessung oder mindestens ein weiteres Körpermaß (Taillenumfang, Taille-Hüft-Relation oder Quotient aus Taille und Größe) neben dem BMI. Bei Werten über 40 kg/m² darf überschüssiges Fett pragmatisch angenommen werden.

Die CDC bleibt beim BMI als Suchtest und Bevölkerungsmaß. Der Widerspruch ist kleiner, als er klingt. Alle drei Ebenen sagen dasselbe in unterschiedlicher Schärfe. Die Zahl öffnet die Tür, die Klinik entscheidet, was hinter der Tür liegt. Wer Bluthochdruck, Schlafapnoe, Fettleber oder Knieverschleiß hat, braucht Behandlung der Folgekrankheit unabhängig davon, ob die Kommission den BMI als Diagnose ablehnt.

Taille-Höhe-Verhältnis kann eine bessere Möglichkeit sein, kardiometaboles Gesundheitsrisiko zu beurteilen.

Welche Messungen ergänzen den BMI in der Praxis?

Ergänzende Messungen zeigen, woraus das Gewicht besteht und wo es sitzt. Keine davon ersetzt Anamnese, Blutdruck und Labor.

In der Sprechstunde sind Taillenumfang und der Quotient zur Körpergröße die schnellsten Zusätze. Sie brauchen ein Bandmaß, wenig Zeit und keine Strahlung. MedlinePlus listet als genauere Fettmethoden Hautfaltenkaliper, Unterwasserwägung, bioelektrische Impedanz, Dual-Röntgen-Absorptiometrie und Isotopenverdünnung. Diese Verfahren sind nicht überall verfügbar und in der Qualität stark geräte- und untersucherabhängig.

Die Dual-Röntgen-Absorptiometrie trennt Fettmasse, Magermasse und Knochenmineral. Sie gilt als Referenz in Studien, ist aber teuer und mit geringer Strahlung verbunden. Die bioelektrische Impedanz schätzt Körperwasser und daraus Fett- und Muskelanteil; Dehydratation, Ödeme und extreme BMI-Werte können das Ergebnis verzerren. Schnittbildverfahren wie CT und MRT messen viszerales Fett direkt, bleiben aber der Klinik für andere Indikationen vorbehalten.

Was der Alltag braucht, ist oft schlichter.

  • Blutdruck, Nüchternblutzucker oder HbA1c und ein Lipidprofil zeigen, ob der Stoffwechsel bereits reagiert hat.
  • Krafttests und Gehgeschwindigkeit helfen bei älteren Menschen, eine sarkopene Adipositas nicht zu übersehen.
  • Die Trainings- und Medikamentengeschichte erklärt, warum der BMI und das Spiegelbild auseinanderlaufen.

Ein Ziel von 5 bis 10 Prozent weniger Körpergewicht kann laut MedlinePlus das Risiko adipositasbezogener Krankheiten spürbar senken, unabhängig davon, ob die Zahl danach genau 24,9 oder 27 beträgt. NICE betont zugleich, dass mehr Bewegung auch ohne Gewichtsabnahme Herz, Stimmung und Blutzucker nützen kann.

Wie wird der BMI bei Kindern gelesen?

Bei Kindern und Jugendlichen gilt nicht die Erwachsenenskala. Weil sie wachsen, wird der BMI als Perzentile im Vergleich zu Gleichaltrigen desselben Geschlechts gelesen.

Die CDC stuft von 2 bis 19 Jahren so ein. Unter der 5. Perzentile liegt Untergewicht, von der 5. bis unter der 85. ein gesundes Gewicht, von der 85. bis unter der 95. Übergewicht, ab der 95. Adipositas. Schwere Adipositas beginnt bei 120 Prozent der 95. Perzentile oder bei 35 kg/m². Die American Academy of Pediatrics unterscheidet zusätzlich Klasse 2 und Klasse 3 entlang 120 und 140 Prozent der 95. Perzentile. In einem CDC-Beispiel hat ein 12-jähriges Mädchen mit 1,52 m und 61,7 kg einen BMI von 26,6 und liegt auf der 96. Perzentile, also in der Adipositas-Kategorie.

Die WHO nutzt für 5- bis 19-Jährige Abweichungen vom Wachstumsmedian. Übergewicht beginnt ab plus einer Standardabweichung, Adipositas ab plus zwei. Unter fünf Jahren zählt das Gewicht-zu-Länge-Verhältnis. Eltern sollen Erwachsenenrechner deshalb nicht auf Schulkinder anwenden.

Die CDC empfiehlt ab dem zweiten Lebensjahr eine jährliche BMI-Kontrolle nach den Bright-Futures-Vorgaben der Kinderärzte. Das dient dem Wachstum, der Medikamentendosierung und dem frühen Erkennen von Fehlentwicklungen. Gleichzeitig warnt NICE davor, Identifikation mit Stigmatisierung zu verwechseln. Essstörungen kommen in jedem Gewicht vor; Gespräche über Kindergewicht brauchen Einwilligung, behutsame Sprache und den Blick auf Schlaf, Bewegung, zuckergesüßte Getränke und familiäre Mahlzeiten, nicht auf eine einzelne Perzentile als Urteil.

Weltweit hat sich das Bild verschärft. Die WHO zählte 2022 rund 390 Millionen 5- bis 19-Jährige mit Übergewicht, darunter 160 Millionen mit Adipositas. 1990 lagen diese Anteile noch bei 8 und 2 Prozent. Kindliche Adipositas erhöht die Wahrscheinlichkeit, als Erwachsene mit Adipositas zu leben, und zieht Typ-2-Diabetes und Herzkrankheit zeitlich nach vorn.

Wann sollte ich wegen des Gewichts zum Arzt?

Eine einzelne BMI-Zahl ist kein Notfall. Auffällige Begleitbefunde, rasche ungewollte Änderungen und ein Quotient aus Taille und Größe ab 0,5 sind Gründe für eine hausärztliche Abklärung.

NICE rät Erwachsenen mit BMI unter 35, das Verhältnis selbst zu messen und bei erhöhtem Wert eine kardiometabolische Einschätzung zu suchen. Sinnvoll sind Blutdruck, Blutzucker, Blutfette und die Frage nach Schnarchen, Tagesmüdigkeit, Gelenkschmerz und familiärem Diabetes. Menschen mit südasiatischem oder afrokaribischem Hintergrund sollten das Gespräch schon ab BMI 23 führen, nicht erst ab 30. MedlinePlus nennt als Startziel oft 5 bis 10 Prozent weniger Gewicht, weil dieser Schritt Blutdruck, Blutzucker und Gelenke messbar entlasten kann.

Untergewicht braucht dieselbe Ernsthaftigkeit. Ein BMI unter 18,5 plus Kälteempfindlichkeit, Haarausfall, ausbleibende Regelblutung, Schwäche oder verzerrtes Körperbild gehört in die Sprechstunde; StatPearls nennt bei Werten unter 18 kg/m² unter anderem Schilddrüse, Malabsorption und Essstörung als Abklärungsziele. Rascher ungewollter Verlust, unabhängig vom Ausgangs-BMI, ist ein Warnsignal.

In die Notaufnahme gehören plötzliche Brustschmerzen, schwere Luftnot in Ruhe, Ohnmacht oder Verwirrtheit. Diese Zeichen können auf Herzinfarkt, Lungenembolie oder eine entgleiste Stoffwechsellage hinweisen. Adipositas erhöht die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse, der BMI selbst steuert die Dringlichkeit aber nicht.

  • Bitten Sie vor jeder Messung um Einverständnis; NICE verlangt das ausdrücklich, weil Gewicht ein belastetes Thema ist.
  • Lassen Sie Komorbiditäten sofort mitbehandeln. Bluthochdruck oder Diabetes warten nicht, bis die Waage sinkt.
  • Essen Sie keine Crash-Diäten ohne Begleitung. NICE lehnt unausgewogene Restriktion als Langfriststrategie ab.

Häufige Fragen

Ist ein BMI von 27 immer ungesund?

Nein. 27 kg/m² liegt in der Übergewichtsspanne der WHO und CDC, sagt aber allein wenig über Fitness, Fettverteilung und Laborwerte. Wer regelmäßig trainiert, eine schmale Taille und unauffällige Werte hat, trägt oft ein niedrigeres Risiko als jemand mit 24 kg/m² und viel Bauchfett. Ab Herkunftsgruppen mit früherem Risiko und ab einem Quotienten aus Taille und Größe von 0,5 lohnt die ärztliche Einordnung trotzdem.

Zählt Muskelmasse in den BMI hinein?

Ja. Der Quotient kennt keinen Unterschied zwischen Muskel, Fett, Knochen und Wasser. Kraftsportlich Trainierte liegen deshalb häufig in der Übergewichts- oder Adipositaskategorie, obwohl der Fettanteil niedrig ist. Die Cleveland Clinic rät in genau diesen Fällen von der Standardtabelle als alleinigem Urteil ab. Blick auf Taille, Kraft und Trainingsgeschichte korrigiert die Zahl.

Wie messe ich Taille und Körpergröße zueinander?

Messen Sie den Taillenumfang mit einem Bandmaß am Rumpf, ohne die Luft anzuhalten, und teilen Sie den Wert durch die Körpergröße in derselben Einheit. Das Ergebnis sollte unter 0,5 liegen, die Taille also schmaler als die halbe Größe. NICE empfiehlt die Messung vor allem bei BMI unter 35 kg/m² und verweist auf die NHS-Anleitung zur korrekten Lage des Bandes.

Ab welchem BMI sollte ich zum Arzt gehen?

Es gibt keine magische Zahl. Sinnvoll ist der Termin bei BMI ab 30, bei 25 plus Risikofaktoren, bei ethnisch niedrigeren Schwellen ab 23, bei Untergewicht unter 18,5 oder bei einem Taillen-Größen-Quotienten ab 0,5. Ungewollter Verlust, neu aufgetretenes Schnarchen mit Atemaussetzern oder entgleiste Blutzuckerwerte zählen stärker als die Kommastelle.

Gilt der BMI für Kinder genauso wie für Erwachsene?

Nein. Kinder brauchen BMI-für-Alter-Perzentilen nach Geschlecht, nicht die Erwachsenengrenzen 25 und 30. Übergewicht beginnt an der 85., Adipositas an der 95. Perzentile der CDC-Kurven. Den Erwachsenenrechner auf ein Schulkind anzuwenden, führt systematisch in die Irre.

Kann ich bei normalem BMI trotzdem zu viel Bauchfett haben?

Ja. Die Cleveland Clinic beschreibt genau dieses Muster mit unauffälligem BMI, hohem Fettanteil am Rumpf und erhöhtem Risiko für Diabetes und Herzkrankheit. Taillenquotient und Taillenumfang decken diese Lücke, die der BMI offenlässt.

Sollte ich den BMI durch eine Körperfettwaage ersetzen?

Nein, nicht als einzigen Wert. Impedanzwaagen können den Verlauf grob zeigen, schwanken aber mit Flüssigkeit, Tageszeit und Gerät. NICE und die CDC halten am BMI als praktischem Suchtest fest und ergänzen ihn durch Taille, Klinik und Labor statt ihn zu verwerfen.

Fazit

Der BMI bleibt das praktischste Maß, um Gewicht zur Größe ins Verhältnis zu setzen. Er eignet sich für Trends, Vorsorge und den ersten Blick in der Sprechstunde. Als Urteil über den einzelnen Körper ist er zu grob, weil er Muskel und Fett, Bauch und Hüfte, Herkunft und Alter nicht kennt.

Was sich seit den späten 2010er-Jahren verschoben hat, ist die Rolle der Zahl. NICE verlangt den Taillen-Größen-Quotienten, EASO und die Lancet-Kommission verlangen die Bestätigung überschüssigen Fetts und die Frage nach Organfunktion. Wer morgen etwas tun will, misst Größe, Gewicht und Taille, hält die Taille unter der halben Größe und bringt Blutdruck sowie Blutzucker mit in die Praxis. Die Zahl auf der Waage ist der Einstieg, nicht das Ende der Bewertung.

Quellen

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  2. Centers for Disease Control and Prevention: Adult BMI Categories. Centers for Disease Control and Prevention, 19. März 2024.
  3. Centers for Disease Control and Prevention: Child and Teen BMI Categories. Centers for Disease Control and Prevention, 28. Juni 2024.
  4. World Health Organization: Obesity and overweight. World Health Organization, Stand: 2025.
  5. National Institute for Health and Care Excellence: Overweight and obesity management. National Institute for Health and Care Excellence, 8. Januar 2026.
  6. NICE Clinical Knowledge Summaries: Obesity: Definition. NICE Clinical Knowledge Summaries, Stand: 2025.
  7. Cleveland Clinic: Body Mass Index: What It Is, Limitations & BMI Calculator. Cleveland Clinic, 19. Mai 2026.
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  9. MedlinePlus: Health risks of obesity. MedlinePlus, 3. Juli 2025.
  10. Busetto L, Dicker D et al.: A new framework for the diagnosis, staging and management of obesity in adults. Nature Medicine, 5. Juli 2024.
  11. Rubino F, Cummings DE et al.: Definition and diagnostic criteria of clinical obesity. The Lancet Diabetes & Endocrinology, 14. Januar 2025.
  12. Zierle-Ghosh A, Jan A: Physiology, Body Mass Index. StatPearls, 5. November 2023.
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