Zytiga bei Prostatakrebs Wirkung und Risiken

Zytiga bei Prostatakrebs Wirkung und Risiken

Zytiga mit dem Wirkstoff Abirateronacetat kann bei metastasiertem Prostatakrebs die körpereigene Androgenbildung drosseln und in mehreren großen Studien das Gesamtüberleben verlängern. Heilung verspricht weder die US-Fachinformation noch eine Leitlinie; der Gewinn liegt in späterem Fortschreiten, späterer Chemotherapie und oft weniger Schmerzen.

Die erste Zulassung 2011 galt nur nach Docetaxel bei kastrationsresistentem Verlauf. Seit Februar 2018 steht das Mittel in den USA auch für hormonempfindliche Metastasen in der Fachinformation, immer zusammen mit Prednison und weiterlaufendem Androgenentzug. NICE hat im November 2025 Originator und Generika für neu diagnostizierten Hochrisiko-Befall mit Metastasen ausdrücklich als Option genannt. Wer 2012 noch von einer „neuen Droge nach Chemo“ las, trifft heute auf ein Standardwerkzeug der frühen Intensivierung, mit klaren Regeln zu Nüchternheit, Steroiddosis und Labor.

Wie Zytiga die Androgenbildung blockiert

Abirateronacetat wird im Körper zu Abirateron umgewandelt und hemmt das Enzym CYP17, das Pregnenolon und Progesteron in Vorstufen von Testosteron überführt. DailyMed (Stand November 2024) hält fest, dass dieses Enzym in Hoden, Nebenniere und Prostatatumor vorkommt. Ein GnRH-Analogon oder die operative Entfernung beider Hoden senkt deshalb nur die testikuläre Produktion; extra-testikuläre Androgene bleiben ohne CYP17-Blockade verfügbar.

Wenn CYP17 ausfällt, stauen sich Mineralokortikoide. Prednison oder Prednisolon gehört deshalb fest zum Schema, damit ACTH weniger anheizt und Bluthochdruck, Kaliumverlust und Wassereinlagerung seltener eskalieren. Die Fachinformation verlangt keine laufende Testosteronmessung, um die Dosis zu justieren. Ein sinkender PSA-Wert kann beruhigen, ist aber beim Einzelnen kein sicherer Beleg für klinischen Nutzen.

Das Präparat ist ein Androgenbiosynthesehemmer, kein klassisches Chemotherapeutikum und kein Androgenrezeptorblocker wie Enzalutamid. Es ersetzt den Androgenentzug nicht. Wer die Tabletten ohne GnRH-Analogon oder ohne beidseitige Orchiektomie nimmt, weicht vom zugelassenen Rahmen ab.

Für wen Abirateron heute zugelassen ist

Zytiga ist in der US-Fachinformation zusammen mit Prednison für zwei metastasierte Lagen vorgesehen: den kastrationsresistenten Verlauf und den hochrisikoreichen, noch hormonsensiblen Befall. Mayo Clinic (Aktualisierung 1. August 2026) nennt dieselben Gruppen und rät bei Kindern von der Anwendung ab, weil Sicherheit und Wirksamkeit dort nicht belegt sind.

Kastrationsresistenz bedeutet, dass der Tumor trotz sehr niedrigem Testosteron weiterwächst, oft in Knochen oder Lymphknoten. Die Zulassung 2011 betraf Männer nach Docetaxel; 2012 folgte die chemotherapienaive, wenig symptomatische Gruppe ohne viszerale Metastasen, die in COU-AA-302 untersucht wurde. NICE empfiehlt Abirateron plus Prednison oder Prednisolon in TA387 als Option, wenn nach Versagen des Androgenentzugs keine oder nur milde Beschwerden bestehen und eine Chemotherapie noch nicht angezeigt ist.

Hochrisiko bei noch hormonsensiblen Metastasen definierte LATITUDE über mindestens zwei von drei Merkmalen: Gleason-Score 8 oder höher, mindestens drei Knochenherde, messbare Organmetastasen. Die FDA erweiterte die Indikation 2018 auf dieser Basis. NICE TA1110 vom 19. November 2025 ersetzt die ältere Bewertung TA721 und erlaubt Originator wie Generika plus Androgenentzug bei neu diagnostiziertem Hochrisiko-Befall. Das National Cancer Institute beschrieb schon 2017, dass LATITUDE und STAMPEDE den Einsatz nach vorn holten, statt ihn für den resistenten Endabschnitt aufzusparen.

Nicht jeder frühe Prostatakrebs ohne Metastasen fällt unter das US-Label. STAMPEDE schloss auch Männer mit hohem Lokalrisiko oder pelvinen Lymphknoten ein; das ist Studienlage, keine Freigabe für Selbstmedikation bei organbegrenztem Befall. Über den Start entscheidet das Tumorboard nach Ausbreitung, Vortherapien, Herz, Leber und dem Wunsch, eine Infusionschemotherapie zu vermeiden oder sie bewusst zu kombinieren.

Was große Studien zum Überleben zeigen

Vier Phase-III-Programme tragen die heutigen Angaben. Keines beweist Heilung; alle messen Überleben, bildgebendes Fortschreiten und Zeit bis zur nächsten Therapie.

COU-AA-301 randomisierte 1195 Männer nach Docetaxel. In der aktualisierten Analyse der Fachinformation lag das mediane Gesamtüberleben bei 15,8 Monaten unter Abirateron plus Prednison gegen 11,2 Monate unter Placebo plus Prednison (Hazard Ratio 0,74). Das war 2011 der Grund, warum Zytiga überhaupt auf den Markt kam.

COU-AA-302 prüfte 1088 chemotherapienaive, wenig symptomatische Männer ohne Organmetastasen. Ryan und Kollegen berichteten 2015 in The Lancet Oncology ein medianes Gesamtüberleben von 34,7 gegen 30,3 Monaten (Hazard Ratio 0,81), obwohl 44 Prozent der Kontrollgruppe später noch Abirateron erhielten. DailyMed nennt für denselben Datensatz eine Hazard Ratio von 0,425 für das radiografische progressionsfreie Überleben und 25,2 gegen 16,8 Monate bis zum Beginn einer zytotoxischen Chemotherapie. Die Vorgängerseite von 2018 stützte sich auf eine Zwischenanalyse und eine grobe Angabe von „16 Monaten verzögerter Ausbreitung“; die endgültigen Labelzahlen sind enger und widersprechen einer Heilungsrhetorik.

LATITUDE schloss 1199 Männer mit neu diagnostiziertem Hochrisiko und Metastasen ein. Die Zwischenanalyse im New England Journal of Medicine (2017) zeigte eine Hazard Ratio für Tod von 0,62; das 3-Jahres-Überleben lag bei 66 gegen 49 Prozent. Die finale Labelauswertung nach median 52 Monaten Nachbeobachtung nennt 53,3 gegen 36,5 Monate (Hazard Ratio 0,66). Die Zeit bis zur Chemotherapie war unter Verum nicht erreicht, unter Placebo 38,9 Monate.

STAMPEDE mischte metastasierte und ausgewählte nichtmetastasierte Hochrisikofälle. Attard und Kollegen veröffentlichten 2023 die Langzeitdaten des Abirateron-Arms: nach median 96 Monaten Nachbeobachtung 76,6 gegen 45,7 Monate Gesamtüberleben (Hazard Ratio 0,62). Die Kombination mit Enzalutamid brachte in einem parallelen Arm keinen zusätzlichen Überlebensgewinn, dafür mehr Toxizität.

PEACE-1 (Fizazi und Kollegen, The Lancet, 2022) prüfte bei 1173 Männern mit neu aufgetretenen Metastasen, ob Abirateron auf Androgenentzug plus Docetaxel noch etwas drauflegt. In der Docetaxel-Population sank das Sterberisiko um etwa 25 Prozent (Hazard Ratio 0,75), das radiografische Fortschreiten um die Hälfte (Hazard Ratio 0,50). Grad-3-Ereignisse waren 63 gegen 52 Prozent; der größte Unterschied betraf Bluthochdruck (22 gegen 13 Prozent), nicht Neutropenie oder Neuropathie.

Wie Tabletten und Prednison eingenommen werden

Die zugelassene Erwachsenendosis von Zytiga beträgt 1000 Milligramm einmal täglich als ungeteilte Gabe, entweder zwei 500-Milligramm-Filmtabletten oder vier 250-Milligramm-Tabletten, geschluckt mit Wasser, nicht zerkaut. DailyMed und die Mayo-Arzneimittelseite verlangen denselben Nüchternrahmen: zwei Stunden vor der Einnahme nichts essen, eine Stunde danach ebenfalls nicht.

Mahlzeiten treiben die Aufnahme unvorhersehbar hoch. Bei Gesunden stiegen Cmax und AUC nach fettreicher Kost etwa um das 17- bzw. 10-Fache, nach fettarmer Kost um das 7- bzw. 5-Fache gegenüber Fasten über Nacht. Wer „nur ein Brötchen“ dazunimmt, riskiert also keine bessere Wirkung, sondern schwankende Spiegel und mehr Nebenwirkungen.

Die Steroiddosis hängt von der Krankheitsstufe ab, nicht vom Appetit.

Lage Abirateronacetat Prednison Quelle
Metastasierter kastrationsresistenter Verlauf 1000 mg einmal täglich nüchtern 5 mg zweimal täglich DailyMed 2024, Mayo 2026
Hochrisiko, noch hormonsensibel, mit Metastasen 1000 mg einmal täglich nüchtern 5 mg einmal täglich DailyMed 2024
Mittlere Leberstörung (Child-Pugh B) vor dem Start 250 mg einmal täglich wie zur Indikation DailyMed 2024
Schwere Leberstörung (Child-Pugh C) nicht vorgesehen entfällt DailyMed 2024, Mayo 2026
Starke CYP3A4-Induktoren unvermeidbar 1000 mg zweimal täglich nur in dieser Zeit unverändert DailyMed 2024

Eine vergessene Tagesdosis wird laut Mayo Clinic und MedlinePlus nicht nachgeholt; am Folgetag gilt die übliche Menge. Fehlen mehr als eine Tagesdosis, soll die Praxis angerufen werden. Prednison darf niemand allein absetzen, weil dann eine Nebennierenunterfunktion drohen kann, besonders bei Infekt oder Operation.

Eine mikronisierte Zubereitung (in den USA unter anderem als Yonsa) nutzt 500 Milligramm plus Methylprednisolon und ist nicht 1:1 mit Zytiga tauschbar. Dosisänderungen bei Leberwerten während der Therapie folgen einem Stufenplan: Pause, dann 750 Milligramm, bei erneutem Anstieg 500 Milligramm, danach Abbruch, sobald die Enzyme wieder in den erlaubten Korridor fallen.

Welche Nebenwirkungen Labor und Herz belasten

Häufige Beschwerden in den Zulassungsstudien waren Müdigkeit, Gelenkschmerz, Bluthochdruck, Übelkeit, Ödeme, niedriges Kalium, Hitzewallungen, Durchfall, Erbrechen, Infekte der oberen Atemwege, Husten und Kopfschmerz. Laborwerte über 20 Prozent umfassten Anämie, erhöhte alkalische Phosphatase, hohe Triglyceride, Lymphopenie, hohes Cholesterin, hohen Blutzucker und Hypokaliämie.

Der Mineralokortikoidüberschuss bleibt das markentypische Muster. In vier Placebo-kontrollierten Studien mit Prednison zweimal 5 Milligramm lagen schwere Hypokaliämien bei 4 gegen 2 Prozent. In LATITUDE mit nur einmal 5 Milligramm Prednison täglich waren schwere Kaliumverluste 10 gegen 1 Prozent und schwere Hypertonie 20 gegen 10 Prozent. QT-Verlängerung und Torsade-de-Pointes traten nach Markteinführung vor allem auf, wenn das Kalium schon tief lag.

Leberenzyme vom Grad 3 oder 4 (mindestens das Fünffache der oberen Norm) betrafen 6 Prozent von 2230 behandelten Männern, meist in den ersten drei Monaten. Abbrüche wegen Leberwerten oder kardialer Ereignisse lagen bei etwa 1,1 Prozent bzw. im einstelligen Bereich für Herzstörungen. Nach Zulassung wurden fulminante Hepatitis, akutes Leberversagen und Todesfälle gemeldet; in den fünf randomisierten Studien fand die FDA keine klar zuzuordnenden Leber-Todesfälle.

Wer Diabetes hat und bestimmte Blutzuckersenker nimmt, kann unter Abirateron schwere Unterzuckerungen bekommen. DailyMed und MedlinePlus verlangen deshalb regelmäßigere Glukosekontrollen und oft eine Anpassung der Diabetesmittel, auch nach dem Absetzen. Die Kombination mit Radium-223 außerhalb von Studien rät die Fachinformation ab: in ERA-223 lagen Frakturen bei 28,6 gegen 11,4 Prozent, Todesfälle bei 38,5 gegen 35,5 Prozent.

Mit welchen Mitteln Abirateron kollidiert

Starke CYP3A4-Induktoren wie Rifampin, Carbamazepin, Phenytoin oder Johanniskraut senken den Abirateronspiegel. In einer Interaktionsstudie fiel die AUC nach Rifampin um 55 Prozent. DailyMed rät, solche Mittel zu meiden; bleibt keine Alternative, wird die Zytiga-Frequenz vorübergehend auf zweimal 1000 Milligramm pro Tag erhöht und nach dem Ende des Induktors wieder gesenkt.

Abirateron selbst hemmt CYP2D6 und CYP2C8. Dextromethorphan stieg in Cmax und AUC etwa um das 2,8- bzw. 2,9-Fache. Substrate mit schmaler therapeutischer Breite, etwa Thioridazin, sollen nicht parallel laufen. Pioglitazon-AUC stieg um 46 Prozent; bei engen CYP2C8-Substraten ist Toxizitätskontrolle nötig, auch wegen der Unterzuckerungsgefahr.

Mayo Clinic listet weitere Paare, die meist eine Dosis- oder Monitoranpassung brauchen, darunter Amiodaron, bestimmte Gerinnungshemmer und etliche Diabetesmittel. Ketoconazol als starker CYP3A4-Hemmer veränderte Abirateron dagegen kaum. Spironolacton war in den Zulassungsstudien verboten; Mineralokortikoidantagonisten können den Androgenrezeptor theoretisch beeinflussen, das ist aber keine Anweisung zur Selbstumstellung.

Johanniskraut nennt MedlinePlus ausdrücklich. Wer pflanzliche Kapseln „für die Stimmung“ dazulegt, kann den Spiegel unbemerkt drücken. Alle neuen Rezepte, auch rezeptfreie, gehören auf den Medikationszettel der Onkologie.

Schwangere oder möglicherweise schwangere Personen sollen unbeschichtete oder zerbrochene Tabletten nicht ohne Handschuhe anfassen. Männer mit gebärfähiger Partnerin brauchen während der Therapie und drei Wochen nach der letzten Dosis eine wirksame Verhütung, in der Regel Kondom plus eine zweite Methode. Abirateron kann die Zeugungsfähigkeit mindern; das ist pharmakologisch erwartet, nicht eine Garantie für Unfruchtbarkeit.

Wann Kontrolle oder Klinik nötig ist

Blutdruck, Serumkalium und Ödemzeichen sollen mindestens monatlich geprüft werden, Leberwerte vor dem Start, in den ersten drei Monaten alle zwei Wochen, danach monatlich. Bei vorbestehender mittelschwerer Leberstörung gilt ein engerer Takt: wöchentlich im ersten Monat, dann zweiwöchentlich zwei Monate, danach monatlich. Das sind Schwellen der Fachinformation, keine Angstliste.

Ein Anruf in der behandelnden Praxis reicht oft, wenn Schwellungen der Beine zunehmen, der Blutdruck zu Hause deutlich steigt oder Muskelkrämpfe auf niedriges Kalium deuten. Die Mayo Clinic nennt zusätzlich Schwindel, Herzrasen, Kopfschmerz und Verwirrtheit als Gründe, nicht bis zum nächsten Routineintervall zu warten.

Sofortige ärztliche Bewertung, bei schwerem Verlauf der Rettungsdienst, ist angebracht bei folgenden Lagen.

  • Gelbsucht, sehr dunkler Urin, entfärbter Stuhl oder Druckschmerz unter dem rechten Rippenbogen können eine schwere Leberschädigung anzeigen.
  • Luftnot in Ruhe, rasche Gewichtszunahme durch Wasser oder Brustschmerz passen zu Herzbelastung oder ausgeprägter Flüssigkeitseinlagerung.
  • Ohnmacht, unregelmäßiger Puls oder Krampfanfall können Folge von Hypokaliämie oder Rhythmusstörung sein.
  • Bei Diabetes kommen kalter Schweiß, Zittern, Verwirrtheit oder Bewusstseinsverlust als Unterzuckerung hinzu.
  • Fieber plus Schwäche nach Absetzen des Prednisons kann auf eine Nebennierenkrise hinweisen, besonders unter Infektstress.

Knochenbruchschmerz nach Sturz und Blut im Urin gehören ebenfalls in die onkologische Kontrolle, weil Frakturen unter Androgenentzug plus Steroid häufiger vorkommen und der Tumor selbst Knochen zerstören kann. Niemand soll deswegen die Tabletten auf eigene Faust verdoppeln oder streichen.

Wie Abirateron neben anderen Blockern steht

Abirateron ist heute eine von mehreren Androgenrezeptor-Pfad-Optionen, nicht mehr das einzige orale Plus nach der Kastration. Für den hormonsensiblen metastasierten Start stehen in Leitlinien auch Apalutamid und Enzalutamid als Doppeltherapie mit Androgenentzug; als Dreifachtherapie kommen Docetaxel plus Abirateron oder Docetaxel plus Darolutamid infrage, vor allem bei hoher Metastasenlast und ausreichender Fitness.

Ein direkter Kopf-an-Kopf-Beweis, dass Abirateron „besser“ als Enzalutamid heilt, fehlt. NICE TA1110 begründet die Aufnahme der Generika 2025 vor allem über vergleichbare Kosten und ähnlichen Wirkansatz gegenüber Enzalutamid oder Apalutamid plus Androgenentzug, nicht über Überlegenheit. STAMPEDE zeigte, dass Enzalutamid obendrauf das Überleben nicht weiter streckt, die Nebenwirkungen aber schon.

Nach einer neuen Hormontherapie in der hormonsensiblen Phase verliert ein zweiter, ähnlich wirkender Blocker im resistenten Stadium oft an Kraft. Sequenz und Biomarker (etwa BRCA für PARP-Hemmer) steuert die Klinik, nicht ein fester Hausmittelplan. Chemotherapie mit Docetaxel bleibt kurz und infusionsbasiert; Abirateron läuft Monate bis Jahre oral. Wer Infektionen unter Neutropenie fürchtet, wählt eher die Tablette; wer Steroid und Leberkontrollen scheut, eher einen Rezeptorblocker ohne Prednison.

Lokalbestrahlung der Prostata bei geringer Metastasenlast und knochenstärkende Mittel gegen Osteoporose gehören zur Gesamtstrategie, ersetzen Abirateron aber nicht. Radium-223 parallel zu Zytiga plus Prednison bleibt außerhalb von Studien ungeeignet.

Häufige Fragen

Hilft Zytiga bei Prostatakrebs ohne Metastasen?

Das US-Label gilt für metastasierte Lagen, nicht für den organbegrenzten Zufallsbefund. STAMPEDE schloss ausgewählte Hochrisikofälle ohne Fernmetastasen ein und sah dort Signale, aber das ersetzt keine individuelle Indikation. Wer eine Heilbehandlung der Prostata plant, braucht Chirurgie oder Bestrahlung, nicht eigenmächtig Abirateron.

Darf ich die Tabletten zum Frühstück nehmen?

Nein. DailyMed verlangt eine leere Magenstrecke von zwei Stunden vor und einer Stunde nach der Dosis, weil Fett die Aufnahme vervielfachen kann. Prednison darf oft zu einer Mahlzeit, Abirateron nicht. Wer Schluckprobleme hat, soll die Tabletten nicht zerdrücken, sondern die Praxis um eine machbare Alternative bitten.

Was tun, wenn eine Dosis vergessen wurde?

Die vergessene Menge bleibt weg, am nächsten Tag gilt die übliche Einzeldosis. MedlinePlus und Mayo Clinic warnen vor einer Doppelung. Fehlen zwei oder mehr Tage, ist ein Anruf nötig, damit niemand stillschweigend wochenlang unterdosiert weiterläuft.

Kann ich Abirateron mit Enzalutamid kombinieren?

Routinemäßig nein. Der STAMPEDE-Arm mit beiden Wirkstoffen verlängerte das Leben nicht klar über Abirateron allein, erhöhte aber schwere Nebenwirkungen. Eine Kombination gehört in Studien oder in begründete Einzelfälle, nicht in die Hausapotheke.

Wie schnell merke ich, ob das Mittel wirkt?

PSA kann innerhalb von Wochen sinken, taugt laut Fachinformation aber nicht als alleiniger Nutzenbeweis. Bildgebung, Schmerzverlauf und Zeit bis zur nächsten Therapie zählen mehr. Ausbleiben eines PSA-Abfalls heißt nicht automatisch, dass die Tabletten nutzlos sind; das bewertet die Onkologie im Verlauf.

Sind Generika genauso gemeint wie Zytiga?

NICE TA1110 nennt Originator und Generika gemeinsam für den neu diagnostizierten Hochrisiko-Befall mit Metastasen. Dosis, Nüchternheit und Prednison bleiben dieselben Regeln. Eine andere Partikelgröße (mikronisiertes Produkt) ist kein stiller Tausch gegen Zytiga.

Darf die Partnerin die Tabletten sortieren?

Unbeschichtete oder beschädigte Tabletten sollen Schwangere und möglicherweise Schwangere nicht ohne Handschuhe anfassen, weil Abirateron einem Ungeborenen schaden kann. MedlinePlus rät, bei Kontakt sofort ärztlichen Rat einzuholen. Fertige Blister unversehrt zu reichen ist etwas anderes als zerbröselte Ware in der bloßen Hand.

Fazit

Zytiga ist aus der Nische „letzte Tablette nach Chemo“ herausgewachsen. Wer heute metastasierten, noch hormonsensiblen Hochrisiko-Befall hat, kann Abirateron plus niedrig dosiertes Prednison zusammen mit dem Androgenentzug als belegte Intensivierung bekommen; bei hoher Last und passender Fitness auch als Drittes neben Docetaxel. Im kastrationsresistenten Stadium bleibt es eine Option vor oder nach Docetaxel, solange noch kein anderer neuer Hormonblocker verbraucht wurde.

Der praktische Alltag entscheidet sich an drei Stellen: nüchtern schlucken, Prednison nicht vergessen, Kalium, Blutdruck und Leber nicht dem Zufall überlassen. Gelbsucht, schwere Ödeme, Herzrasen oder Unterzuckerung sind Stoppschilder, keine Bagatellen. Sequenz gegen Enzalutamid, Apalutamid oder eine Infusion gehört ins Gespräch mit Urologie und Onkologie, nicht in einen Online-Vergleich der Markennamen.

Quellen

  1. U.S. National Library of Medicine: ZYTIGA- abiraterone acetate tablet. DailyMed, Stand: November 2024.
  2. Mayo Clinic: Abiraterone (oral route) – Side effects & dosage. Mayo Clinic, 1. August 2026.
  3. MedlinePlus: Abiraterone: MedlinePlus Drug Information. MedlinePlus, National Library of Medicine, 15. Oktober 2023.
  4. NICE: Abiraterone (originator and generics) for treating newly diagnosed high-risk hormone-sensitive metastatic prostate cancer. National Institute for Health and Care Excellence, 19. November 2025.
  5. NICE: Abiraterone for treating metastatic hormone-relapsed prostate cancer before chemotherapy is indicated. National Institute for Health and Care Excellence, Stand: 2016.
  6. National Cancer Institute: Abiraterone Improves Survival for Some Men with Hormone-Sensitive Prostate Cancer. National Cancer Institute, 19. Juni 2017.
  7. Fizazi K, Tran N et al.: Abiraterone plus Prednisone in Metastatic, Castration-Sensitive Prostate Cancer. New England Journal of Medicine, 27. Juli 2017.
  8. Ryan CJ, Smith MR et al.: Abiraterone acetate plus prednisone versus placebo plus prednisone in chemotherapy-naive men with metastatic castration-resistant prostate cancer (COU-AA-302): final overall survival analysis of a randomised, double-blind, placebo-controlled phase 3 study. The Lancet Oncology, Februar 2015.
  9. Attard G, Murphy L et al.: Abiraterone acetate plus prednisolone with or without enzalutamide for patients with metastatic prostate cancer starting androgen deprivation therapy: final results from two randomised phase 3 trials of the STAMPEDE platform protocol. The Lancet Oncology, 1. Mai 2023.
  10. Fizazi K, Foulon S et al.: Abiraterone plus prednisone added to androgen deprivation therapy and docetaxel in de novo metastatic castration-sensitive prostate cancer (PEACE-1): a multicentre, open-label, randomised, phase 3 study with a 2 × 2 factorial design. The Lancet, 8. April 2022.
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