
Die Addison-Krankheit wird durch ein niedriges Morgen-Cortisol plus ein deutlich erhöhtes ACTH nachgewiesen und in der Regel mit dem Synacthen-Test bestätigt. Bei Kreislaufversagen spritzt man Hydrocortison sofort; Blut für Cortisol und ACTH darf mitlaufen, darf die Spritze aber nicht aufschieben. Ältere Texte mischten Urin- und Speichelcortisol, CT-Anschauung und einen starren Stimulationswert von 18 Mikrogramm je Deziliter. Die britische Leitlinie NICE NG243 vom August 2024 setzt stattdessen ein Serumcortisol zwischen 8 und 9 Uhr mit drei Zahlenbändern an den Anfang. Die Endocrine Society bleibt beim 250-Mikrogramm-Stimulationstest als Bestätigung, betont aber seit 2016, dass die Schwelle vom Laborverfahren abhängt.
Müdigkeit, Salzhunger und Schwindel im Stehen entstehen oft über Monate. Øksnes und Husebye schrieben 2023 in einem JCEM-Übersichtsartikel, dass weniger als 30 Prozent der Frauen und 50 Prozent der Männer in den ersten sechs Monaten erkannt werden; zwei von drei bekamen zuerst eine psychiatrische oder gastroenterologische Fehldiagnose. StatPearls (Stand Februar 2026) schätzt, dass bis zur Hälfte der Betroffenen erst in einer Nebennierenkrise erkannt wird. Wer die Reihenfolge kennt (Klinik, Morgenwert, ACTH, Stimulation, dann Ursache), verliert weniger Zeit.
Wann der Verdacht auf Addison-Krankheit entsteht
Anhaltende, anders nicht erklärte Zeichen wie ungewollter Gewichtsverlust, Salzhunger, Übelkeit, Schwindel im Stehen oder eine unerklärte Hyperpigmentierung sollen an eine Nebenniereninsuffizienz denken lassen. NICE listet 2024 genau diese Merkmale und ergänzt Hyponatriämie, Hyperkaliämie, Appetitverlust, Durchfall und bei Kindern Unterzucker, Wachstumsstillstand oder eine hypotensive Krise. Ein einzelnes Symptom reicht, wenn es nicht anders passt; die Kombination macht den Verdacht dichter.
Hyperpigmentierung entsteht, weil hohes ACTH Abbauprodukte mit Melanozytenwirkung mitliefert. Dunkler werden Hautfalten, Narben, Druckstellen, Zahnfleisch und Wangenschleimhaut. NICE warnt 2024 ausdrücklich, dass die Bräunung auf schwarzer oder brauner Haut leicht übersehen wird. Dann fragt man nach einer Farbänderung und prüft Mundschleimhaut und Operationsnarben. Fehlt jede Pigmentierung, ist die Diagnose nicht vom Tisch. Eine sekundäre Insuffizienz der Hypophyse dunkelt die Haut nicht, und eine akute Blutung in beide Nebennieren lässt keine Zeit für eine Sonnenbräune.
Risikogruppen verdienen einen früheren Blick auf Cortisol. NICE nennt Menschen nach Absetzen längerer Glucocorticoide, Nutzer von Opioiden, Checkpoint-Inhibitoren oder Enzymhemmern, dazu Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis, Typ-1-Diabetes, vorzeitige Ovarialinsuffizienz und Tumoren oder Bestrahlung im Bereich von Hypophyse und Hypothalamus. Merck (Stand 2026) sieht in Europa und den USA rund 90 Prozent der primären Fälle als Autoimmunentzündung der Rinde. Bei Kindern steht die angeborene Nebennierenhyperplasie vorn; bei Jungen ohne Antikörper muss Adrenoleukodystrophie mitgedacht werden.
Das NHS (Stand September 2025) rät, bei diesem Verdacht den Hausarzt aufzusuchen und die weitere Klärung der Endokrinologie zu überlassen. Ein „abwartendes Blutbild irgendwann nachmittags“ ersetzt den gezielten Morgenwert nicht.

Welche Blutwerte zuerst auffallen
Hyponatriämie und Hyperkaliämie sind die klassischen Wegweiser der primären Form, weil Aldosteron fehlt und die Niere Natrium verliert sowie Kalium behält. Merck nennt Natrium unter 135 mmol/l, Kalium über 5 mmol/l, oft dazu eine niedrige Bicarbonatreserve und einen steigenden Harnstoff als Hinweise auf Volumenmangel. Ein älterer deutschsprachiger Text verwechselte hohes Kalium mit „Hypernatriämie“; gemeint ist Hyperkaliämie. Die sekundäre Insuffizienz lässt Aldosteron meist intakt, deshalb fehlen dort Hyperkaliämie und schwerer Salzverlust häufiger.
Weitere Laborzeichen stützen den Verdacht, beweisen ihn aber nicht. MedlinePlus (Stand April 2025) erwähnt niedrige Nüchternglucose, relativ viele Eosinophile und ein niedriges DHEA. Merck ergänzt eine relative Lymphozytose und ein erhöhtes Hämatokrit durch Eindickung. Nüchternzucker unter 2,8 mmol/l tritt vor allem bei Kindern auf. Keiner dieser Werte ersetzt Cortisol und ACTH.
Orthostatischer Blutdruckabfall gehört zur Untersuchung, nicht nur zur Anamnese. Mayo Clinic (Dezember 2024) beschreibt die Messung im Liegen und kurz nach dem Aufstehen. Wer im Stehen schwindelig wird, Natrium verloren hat und Kalium hält, braucht denselben Morgenzug wie jemand mit offensichtlicher Pigmentierung. Ein unauffälliges Routineprofil schließt Addison nicht aus, solange Cortisol und ACTH fehlen.
Morgen-Cortisol nach NICE 2024
NICE empfiehlt für Personen ab einem Jahr ein Serumcortisol zwischen 8 und 9 Uhr als ersten gezielten Test. Unter 150 nmol/l gilt die Insuffizienz als möglich. Erwachsene gehen zur Endokrinologie, und Ersatz darf schon beginnen, wenn die Klinik passt. Zwischen 150 und 300 nmol/l bleibt die Lage unklar; der Wert wird wiederholt, und bei Bestätigung holt man endokrinologischen Rat. Über 300 nmol/l ist eine Insuffizienz sehr unwahrscheinlich. Die Zahlen gelten nur für moderne Immunoassays; lokale Labore dürfen abweichende Grenzen führen.
Die Endocrine Society formulierte 2016 enger. Ein Morgenwert unter 140 nmol/l (5 µg/dl) plus ein ACTH über dem Doppelten der oberen Referenz gilt als vorläufige Diagnose, bis der Stimulationstest nachgeholt wird. Dieselbe Gruppe nannte 2023 ein Cortisol unter 100 nmol/l plus ein ACTH über dem Doppelten der oberen Referenz bereits als diagnostisch, wenn die Klinik passt. Die britischen Bänder von 2024 und die älteren US-Schwellen widersprechen sich nicht vollständig. Sie bedienen verschiedene Schritte. NICE sortiert Überweisungen in der Fläche, die Fachgesellschaften entscheiden über Bestätigung und Ersatz.
Zufällige Cortisolwerte zu beliebiger Tageszeit taugen wenig. Cortisol fällt nach dem morgendlichen Gipfel ab; ein niedriger Nachmittagswert ist bei Gesunden üblich. Schichtarbeit verschiebt den Gipfel auf die eigene Aufwachzeit. NICE lässt bei Säuglingen unter einem Jahr eine Messung zu jeder Uhrzeit zu und verlangt pädiatrisch-endokrinologische Deutung. Ältere Ratgeber hoben 24-Stunden-Urin und Speichelcortisol hervor. Als Ersttest der Addison-Krankheit stehen sie in NG243 nicht.
| 8-bis-9-Uhr-Cortisol (moderne Immunoassays) | Was NICE 2024 daraus macht |
|---|---|
| Unter 150 nmol/l | Insuffizienz möglich; Erwachsene zur Endokrinologie, Ersatz erwägen; bei akutem Schock Krisenprotokoll |
| 150 bis 300 nmol/l | Unklar; Wiederholung, bei unverändertem Wert endokrinologischer Rat |
| Über 300 nmol/l | Insuffizienz sehr unwahrscheinlich |
| Unter 140 nmol/l plus ACTH >2× Obergrenze | Vorläufige primäre Diagnose nach Endocrine Society 2016, Stimulation meist nachziehen |
| Peak nach 250 µg Synacthen unter 500 nmol/l | Insuffizienz wahrscheinlich, Schwelle assayabhängig |
Die Tabelle mischt den britischen Ersttest und die Bestätigung der Fachgesellschaft. Das eigene Laborheft entscheidet, welcher Zahlenwert „normal“ heißt.
ACTH trennt primäre von sekundärer Insuffizienz
Ein niedriges Cortisol plus ein ACTH über dem Doppelten der oberen Referenz spricht für eine primäre Rindenschädigung, also Addison-Krankheit. Liegt ACTH niedrig oder nur „normal“, obwohl Cortisol fehlt, sitzt der Defekt in Hypophyse oder Hypothalamus. Die Endocrine Society verlangt 2016 diese ACTH-Messung bei jedem bestätigten Cortisolmangel. Øksnes und Husebye beschreiben 2023 genau dieses Paar (niedriges Cortisol, hohes ACTH) als biochemischen Fingerabdruck der primären Form. Eine lange ACTH-Armut lässt die Rinde atrophieren; dann fällt auch der Synacthen-Test flach aus, ohne dass die Drüse selbst zerstört wäre.
Merck (2026) nennt ACTH ab etwa 50 pg/ml (11 pmol/l) bei Cortisol unter 5 µg/dl (138 nmol/l) als diagnostisch, besonders im Schock. Selbst ein „noch normales“ ACTH bei sehr niedrigem Cortisol bleibt verdächtig und braucht Klärung. Werte unter 5 pg/ml (1,1 pmol/l) bei niedrigem Cortisol deuten auf die sekundäre Form. Die Probe für ACTH gehört in dieselbe Morgenentnahme wie das Cortisol oder in die Nullprobe des Synacthen-Tests, weil ACTH rasch zerfällt und isoliert schwer deutbar ist.
Die Unterscheidung ändert Therapie und Bildgebung. Primär fehlen Cortisol und meist Aldosteron; Ersatz umfasst Hydrocortison und Fludrocortison. Sekundär bleibt Aldosteron oft erhalten, Fludrocortison entfällt, und die Suche geht zur Hypophyse (Mayo nennt MRT). Hyperpigmentierung, Salzhunger und Hyperkaliämie gehören fast nur zur primären Form. Wer beides vermengt, setzt Mineralocorticoide falsch an oder übersieht einen Hypophysentumor.
Wie der Synacthen-Test die Diagnose sichert
Der kurze ACTH-Stimulationstest (Cosyntropin, Tetracosactid, Handelsname oft Synacthen) bleibt der Goldstandard der primären Insuffizienz. Man gibt Erwachsenen und Kindern ab zwei Jahren 250 Mikrogramm intravenös oder intramuskulär und misst Cortisol vorher sowie nach 30 oder 60 Minuten. Bleibt der Gipfel unter 500 nmol/l (18 µg/dl), gilt die Rinde als unzureichend; die Endocrine Society schreibt seit 2016 dazu „assayabhängig“. StatPearls (2026) und der JCEM-Ansatz von 2023 nennen für Flüssigchromatographie-Massenspektrometrie niedrigere Grenzen um 412 nmol/l nach 30 und 485 nmol/l nach 60 Minuten. Ein starres 18er-Limit aus älteren polyklonalen Tests erzeugt heute falsch positive Diagnosen.
Der 1-Mikrogramm-Niedrigdosistest bringt nach der Endocrine Society keine bessere Treffsicherheit und bleibt der Knappheit des Wirkstoffs vorbehalten. Kinderdosen weichen ab. Unter zwei Jahren sind es 125 Mikrogramm, beim Säugling 15 Mikrogramm je Kilogramm. Die Spritze darf zu jeder Uhrzeit fallen, weil die Antwort auf das supraphysiologische Signal kaum dem Tagesrhythmus folgt. Trotzdem legen viele Kliniken den Test auf den Morgen, damit die Nullprobe den eigenen Gipfel abbildet. Glucocorticoide und Spironolacton bleiben am Testtag weg, sofern keine Krise droht.
Für die sekundäre Insuffizienz ist Synacthen schwächer. StatPearls zitiert eine Sensitivität von nur etwa 64 Prozent, vor allem wenn der ACTH-Mangel frisch ist und die Rinde noch antwortet. Dann braucht es den Insulintoleranztest oder andere dynamische Verfahren unter Aufsicht; Mayo und NIDDK (Langfassung 2018) beschreiben den Insulinversuch als belastend und bei Herzkrankheit oder Anfallsleiden ungeeignet. Ein unauffälliger Synacthen schließt eine frische Hypophysenschädigung nicht aus.
Das NHS nennt den Synacthen-Test als zentrale Spezialuntersuchung nach Überweisung. Wer bereits Dexamethason braucht, kann den Test oft trotzdem fahren, weil dieses Präparat den Cortisolassay weniger kreuzreagiert als Hydrocortison. Die Deutung bleibt Sache der Endokrinologie, nicht eines ausgedruckten Laborstreifens ohne Klinik.
Renin, Aldosteron und der Salzverlust
Renin und Aldosteron gehören zur primären Diagnose, sobald der Cortisolmangel feststeht. Die Endocrine Society empfiehlt 2016 die gleichzeitige Messung, um den Mineralocorticoidmangel zu belegen. Typisch sind niedriges Aldosteron und hohes Renin, passend zu Salzhunger, Orthostase und Hyperkaliämie. Ohne diesen Block bleibt unklar, ob Fludrocortison nötig ist.
Sekundäre Insuffizienz lässt die Renin-Angiotensin-Achse meist arbeiten. Deshalb fehlen dort schwere Hyperkaliämie und ausgeprägter Volumenmangel häufiger, und Fludrocortison wird nicht angeboten. NICE trennt 2024 genau so. Glucocorticoid plus Mineralocorticoid bei primärer Form und kongenitaler Hyperplasie, nur Glucocorticoid bei sekundärer und tertiärer Form. Wer Aldosteron nicht misst, behandelt die eine Gruppe unter und die andere über.
DHEAS, die Androgenvorstufe der Rinde, kann den Verdacht verdichten, ersetzt aber keinen Stimulationstest. Die Endocrine Society nannte 2016 ein alters- und geschlechtsbezogen sehr niedriges DHEAS als nützliches Frühzeichen. Øksnes und Husebye erwähnen 2023 ebenfalls niedriges DHEAS im Fingerabdruck der primären Form. Ältere Menschen haben physiologisch weniger DHEAS, deshalb taugt der Wert allein nicht als Ja-Nein-Test.

Ursachen klären mit Antikörpern, CT und VLCFA
Steht die primäre Insuffizienz fest, sucht man die Ursache, nicht umgekehrt. In westlichen Ländern beginnt die Kette mit Antikörpern gegen 21-Hydroxylase. Øksnes und Husebye setzen 2023 diese Serologie an den Anfang, weil Autoimmunität in Europa und Nordamerika rund 90 Prozent der jungen und mittelalten Erwachsenen trägt und 21-Hydroxylase-Antikörper bei mehr als 90 Prozent der Neudiagnosen nachweisbar sind. Ein positiver Test erspart in der Regel die Bildgebung; die Drüsen sind dann klein oder unauffällig, wie NIDDK in der Langfassung 2018 beschreibt. Fehlen die Antikörper, folgt CT, und bei Männern die Messung sehr langkettiger Fettsäuren.
Fehlen Antikörper, folgt ein CT der Nebennieren. Mayo nutzt die Aufnahme, um Größe, Einblutung, Verkalkung oder Raumforderung zu sehen. Infektion, beidseitige Blutung, Metastase oder Tuberkulose vergrößern die Drüsen oft zuerst und hinterlassen später Kalk. Tuberkulose bleibt weltweit eine führende nicht autoimmune Ursache; QuantiFERON oder Hauttest kommen infrage, wenn Herkunft oder Klinik passen. Bei Jungen und jungen Männern ohne Antikörper misst man sehr langkettige Fettsäuren, um eine Adrenoleukodystrophie nicht zu verpassen. 17-Hydroxyprogesteron sucht eine spät erkannte kongenitale Hyperplasie.
Begleiterkrankungen gehören zur Erstvorstellung, nicht in ein Folgehahr. Die Endocrine Society schlägt vor, bei autoimmuner Form nach Schilddrüsenkrankheit, Typ-1-Diabetes, vorzeitiger Ovarialinsuffizienz, Zöliakie und gastraler Autoimmunität mit Vitamin-B12-Mangel zu schauen. MedlinePlus zählt dieselben Assoziationen und ergänzt Vitiligo. Ein isoliertes „Addison im Labor“ ohne diesen Blick lässt Zweitkrankheiten liegen, die den Alltag genauso belasten wie der Cortisolmangel.
Diagnose während einer Addison-Krise
Bei Verdacht auf Krise behandelt man zuerst und laboriert höchstens im selben Atemzug. NICE 2024 und die Endocrine Society 2016 sind hier deckungsgleich. Diagnostik darf Hydrocortison nicht verzögern. Kurzfristig hohe Glucocorticoiddosen schaden in dieser Lage kaum; unbehandelte Krise kann tödlich enden. NICE stellt klar, dass intramuskuläres Hydrocortison auch Laien aus dem Notfallkit spritzen dürfen und dass in der Notfalldosis kein Überdosisrisiko besteht.
Das Krisenbild mischt Schock, der zur Infektion nicht passt, Hyponatriämie, Unterzucker (besonders Kinder), starke Bauch- oder Flankenschmerzen, Erbrechen, Verwirrtheit und bei der primären Form oft Pigmentierung. NICE nennt 2024 auch Kreislaufkollaps und ausbleibendes Ansprechen auf die erste Therapie. Merck beschreibt tiefe Schwäche, Bein- oder Rückenschmerz, Gefäßkollaps und Nierenversagen mit steigendem Harnstoff. Temperatur kann niedrig oder hoch sein, wenn ein Infekt die Krise zündet.
Praktisch heißt das eine Blutprobe für Cortisol, ACTH, Elektrolyte und Glucose, dann sofort parenterales Hydrocortison. Die Endocrine Society dosiert Erwachsene mit 100 mg als Bolus und 200 mg über 24 Stunden als Infusion oder 50 mg alle sechs Stunden; Kinder nach Körperoberfläche. NICE verlangt zusätzlich einen Liter 0,9-prozentige Kochsalzlösung in 30 Minuten und weitere Infusion nach Kreislauf und Elektrolyten. Merck gibt den ersten Liter oft als Glucose 5 Prozent in NaCl 0,9 Prozent über ein bis zwei Stunden, weil Unterzucker mitläuft. Der Synacthen-Test wartet, bis der Mensch stabil ist. Fludrocortison braucht man unter diesen Hydrocortisonmengen nicht, weil die Glucocorticoiddosis mineralocorticoide Wirkung mitbringt.
Das NHS (2025) fordert den Notruf 999 bzw. in Deutschland 112 schon dann, wenn jemand mit bekannter Addison-Krankheit plötzlich erbricht, kollabiert, krampft oder verwirrt wird, auch nach der eigenen Notfallspritze. MedlinePlus sagt dasselbe für Bauchschmerz, Atemnot, Bewusstseinsverlust und nicht messbaren Druck.
Was Cortisolwerte verfälscht
Orales Östrogen hebt das cortisolbindende Globulin und damit das Gesamtcortisol, ohne dass mehr freies Hormon wirkt. NICE verlangt 2024, die Pille oder orale Hormonersatztherapie sechs Wochen vor der Cortisolmessung zu pausieren; zur Verhütung rät die Leitlinie in dieser Zeit zu anderen Methoden, beim Ersatz zu einem transdermalen Präparat. In der vermuteten Krise misst man trotzdem und deutet den Wert vorsichtig. StatPearls nennt vier bis sechs Wochen Pause vor dem Synacthen-Test aus demselben Grund.
Glucocorticoide stören doppelt. Sie unterdrücken die eigene Achse und können je nach Assay als „Cortisol“ mitgelesen werden. NICE testet Menschen unter oralen Glucocorticoiden in physiologischer oder höherer Dosis gar nicht auf Insuffizienz. Nach intramuskulärer oder intraartikulärer Spritze wartet NG243 vier Wochen bis zum 8-bis-9-Uhr-Wert. StatPearls und die Endocrine Society wollen vor dynamischen Tests mindestens 24 Stunden Abstand zur letzten Dosis, längere Pausen bei Depotpräparaten, sofern keine Krise droht.
Niedriges Albumin, Leberzirrhose, nephrotisches Syndrom und schwere Intensivkrankheit senken das Gesamtcortisol und täuschen Mangel vor. Schwangerschaft hebt ihn. StatPearls (2026) warnt, dass niedriges Bindungsglobulin oder Albumin das Gesamtcortisol senkt und Mangel vortäuschen kann; freies Cortisol kommt in der Notaufnahme oft zu spät. Schichtarbeit, Jetlag und Intensivstation zerstören den Morgenrhythmus; für diese Gruppen gibt es keine allgemein anerkannten Cortisolgrenzen. Genau deshalb bleibt die Klinik führend, wenn Zahlen und Mensch nicht zusammenpassen.
Wann zum Arzt, wann die Notaufnahme
Wer über Wochen ungewollt Gewicht verliert, salziges Essen sucht, im Stehen schwindelig wird oder eine unerklärte Bräunung von Narben und Mundschleimhaut bemerkt, gehört in die Hausarztpraxis und von dort zur Endokrinologie. Das NHS formuliert 2025 genau diesen nicht dringlichen, aber gezielten Weg. Mitzubringen sind eine Liste aller Steroide samt Creme, Spray und Gelenkinjektion, die Uhrzeit des geplanten Morgenwerts und, falls schon da, Natrium, Kalium und eine Schilddrüsenlage.
Die Notaufnahme oder der Notruf sind richtig, wenn Kreislauf und Bewusstsein kippen. Konkrete Schwellen aus Leitlinie und Patientenportalen:
- Erbrechen, das Tabletten unmöglich macht, plus Schwindel oder stechender Bauch- oder Flankenschmerz, wie MedlinePlus 2025 als Krisenzeichen führt.
- Blutdruck, der im Liegen schon niedrig ist oder im Stehen wegbricht, und gleichzeitig Verwirrtheit oder kaltschweißige Blässe (NICE 2024).
- Krampfanfall, Bewusstlosigkeit oder ein Schock, der zur vermuteten Infektion nicht passt; NHS 2025 verlangt dann den sofortigen Notruf.
- Bekannte Addison-Krankheit plus Fieber und Unfähigkeit zu trinken verlangt zuerst die Notfallspritze, dann den Rettungsweg, nicht stundenlanges Warten auf Labor.
Mayo Clinic rät zu Notfallausweis, schriftlichem Plan und einem Injektionskit, sobald die Diagnose steht. Das gehört nicht zur Diagnosefindung, verhindert aber die nächste verpasste Krise. Wer noch ohne Diagnose in der Aufnahme liegt, soll das Wort „Nebenniere“ und die bereits abgenommene Cortisol-/ACTH-Probe laut sagen, damit niemand Hydrocortison zurückhält, „bis der Wert da ist“.
Häufige Fragen
Reicht ein einzelner Cortisolwert zur Diagnose?
Ein einzelner Nachmittagswert reicht fast nie. NICE stützt die erste Entscheidung auf ein 8-bis-9-Uhr-Serumcortisol und deutet erst Werte unter 150 nmol/l als möglichen Mangel. Zur Sicherung gehören ACTH und meist der Synacthen-Test, außer Klinik und Basalwerte sind eindeutig.
Kann der Synacthen-Test primäre und sekundäre Insuffizienz unterscheiden?
Nein, der flache Anstieg zeigt nur, dass die Rinde nicht genug Cortisol liefert. ACTH im Plasma trennt die Orte. Hoch spricht für Addison, niedrig oder unpassend normal für Hypophyse oder Hypothalamus. Genau so formulieren es die Endocrine Society 2016 und der JCEM-Ansatz von Øksnes und Husebye 2023.
Muss man vor dem Synacthen-Test nüchtern sein?
Eine strenge Nüchternheit verlangt keine der genannten Leitlinien. Wichtiger sind die Uhrzeit der Nullprobe, das Weglassen von Glucocorticoiden und Spironolacton am Testtag und eine Östrogenpause von mehreren Wochen, sofern keine Krise droht. StatPearls (2026) erlaubt die Spritze zu jeder Tageszeit.
Darf man auf Laborwerte warten, wenn eine Krise droht?
Nein. NICE 2024 und die Endocrine Society 2016 wollen Hydrocortison sofort intravenös oder intramuskulär, dazu Kochsalz. Eine Probe für Cortisol und ACTH darf mitlaufen. Der Stimulationstest wartet, bis Kreislauf und Bewusstsein stabil sind.
Warum täuscht die Antibabypille den Cortisolwert?
Orales Östrogen erhöht das Bindungsglobulin, das Gesamtcortisol steigt, das freie Hormon nicht. NICE lässt die Pille deshalb sechs Wochen vor der Messung pausieren. Transdermales Östrogen stört diesen Assay weniger. In der Krise misst man trotzdem und behandelt nach Klinik.
Braucht jede Addison-Diagnose ein CT der Nebennieren?
Nein. Zuerst sichert man Cortisolmangel und hohes ACTH, dann die 21-Hydroxylase-Antikörper. Sind sie positiv, bleibt CT oft entbehrlich. Fehlen Antikörper, sucht das CT nach Blutung, Infekt, Tumor oder Kalk, und bei Männern kommen sehr langkettige Fettsäuren dazu.

Fazit
Wer Addison-Krankheit sucht, braucht keine Sammelmappe aus Urin, Speichel und Zufallsblut, sondern eine klare Kette. Zuerst die Klinik ernst nehmen, dann ein 8-bis-9-Uhr-Cortisol nach den NICE-Bändern von 2024, parallel ACTH, bei Unklarheit den 250-Mikrogramm-Synacthen-Test mit der Schwelle des eigenen Labors. Renin und Aldosteron sagen, ob Fludrocortison nötig wird. Antikörper, CT und Fettsäuren klären die Ursache, ersetzen aber nicht den Hormonnachweis.
Für den nächsten Werktag heißt das konkret einen Termin für eine Morgenabnahme vor 9 Uhr, Östrogen und Steroide vorher mit der Praxis sortieren und Natrium sowie Kalium nicht als „Nebenbefund“ abhaken. Bei Erbrechen, Kollaps oder unverhältnismäßigem Schock zählt die Uhr gegen Hydrocortison, nicht gegen den Laborausdruck.
Die Wissenschaft seit 2018 hat vor allem die Deutung geschärft, nicht den Grundsatz. Assayabhängige Stimulationsgrenzen, britische Zahlenbänder und eine feste Reihenfolge der Ursachensuche verhindern Über- und Unterdiagnose. Unverändert bleibt die Regel, die Leben rettet. Verdacht auf Krise zuerst behandeln, dann beweisen.
Quellen
- NICE: Recommendations | Adrenal insufficiency: identification and management. National Institute for Health and Care Excellence, 28. August 2024.
- Bornstein SR, Allolio B, Arlt W et al.: Diagnosis and Treatment of Primary Adrenal Insufficiency: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, Februar 2016.
- Mayo Clinic: Addison’s disease – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 21. Dezember 2024.
- Grossman AB: Primary Adrenal Insufficiency (Addison Disease). Merck Manual Professional Edition, Stand: Mai 2026.
- MedlinePlus: Addison disease. MedlinePlus, U.S. National Library of Medicine, 24. April 2025.
- Haq N, Anjum F: Adrenocorticotropic Hormone (Cosyntropin) Stimulation Test. StatPearls, NCBI Bookshelf, 24. Februar 2026.
- Øksnes M, Husebye ES: Approach to the Patient: Diagnosis of Primary Adrenal Insufficiency in Adults. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 14. Juli 2023.
- NHS: Addison’s disease. National Health Service, 19. September 2025.
- NIDDK: Diagnosis of Adrenal Insufficiency & Addison’s Disease. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, Stand: September 2018.
