
Alkohol kann bei einem Teil der Menschen mit Asthma Husten, Pfeifen oder Enge in der Brust auslösen. Die Reaktion hängt oft weniger am Ethanol allein als an Sulfiten, Histamin und – bei der ASS-exazerbierten Atemwegserkrankung – an einer besonderen Entzündungsbereitschaft der Schleimhäute.
Nicht jede Flasche wirkt gleich, und nicht jede Meldung aus einem Fragebogen hält einer Laborprovokation stand. Wer nach Wein oder Bier regelmäßig merkt, dass die Luft knapper wird, sollte das im Asthmatagebuch festhalten, den Bedarfsinhalator griffbereit halten und die Beobachtung in der Sprechstunde ansprechen. Heilung verspricht kein Getränkewechsel; eine bessere Kontrolle der Entzündung senkt jedoch die Empfindlichkeit gegenüber bekannten Reizen.
Kann Alkohol einen Asthmaanfall auslösen?
Ja. Bei manchen Betroffenen engt sich die Bronchienlichtung nach wenigen Schlucken, bei anderen erst nach ein oder zwei Gläsern. Asthma + Lung UK schreibt im Februar 2024, dass eine Studie rund ein Drittel der Befragten mit Asthma als empfindlich gegenüber Alkohol einstufte. Gemeint ist die australische Fragebogenerhebung von Vally, de Klerk und Thompson aus dem Jahr 2000 mit 366 Erwachsenen: Wein stand vorn, die Beschwerden begannen meist innerhalb einer Stunde und blieben in der Selbstschilderung überwiegend leicht bis mittelschwer.
Solche Umfragen überschätzen vermutlich den Anteil echter Sulfitreaktionen. Dieselbe Arbeitsgruppe prüfte ein Jahr später in Thorax Wein mit gestuften Sulfitgehalten im Labor. Nur vier von 24 Personen, die sich selbst als weinempfindlich bezeichnet hatten, zeigten nach einem Hochdosis-Stoß mit 300 Teilen Sulfit pro Million einen relevanten Abfall der Einsekundenkapazität. Die ältere Zahl von 33 Prozent bleibt also ein Hinweis auf Häufigkeit im Alltag, kein Beweis für einen einheitlichen Mechanismus.
Zwei weitere Beobachtungen ändern die Beratung. Erstens können dieselben Getränke die Empfindlichkeit gegenüber Rauch, Pollen oder kalter Luft erhöhen, wie Asthma + Lung UK beschreibt. Zweitens dämpft Alkohol die Aufmerksamkeit: Wer schon angetrunken ist, merkt den beginnenden Anfall später und greift später zum Inhalator. Das National Heart, Lung, and Blood Institute erinnert grundsätzlich, dass es keine Heilung gibt, wohl aber Pläne aus Vermeidung, Messung und Arzneimitteln. Das CDC zählte für 2023 in den Vereinigten Staaten 27,8 Millionen Menschen mit aktuellem Asthma (8,4 Prozent); 42,3 Prozent von ihnen berichteten mindestens einen Anfall im Vorjahr. Diese Größenordnung ersetzt die früher oft zitierten 25 Millionen.

Welche Rolle spielen Sulfite in Wein und Bier?
Sulfite können bei Empfindlichen die Atemwege reizen und einen Anfall bahnen. Die Cleveland Clinic (Stand 24. April 2024) schätzt, dass etwa 4 bis 5 Prozent der Menschen mit Asthma eine solche Empfindlichkeit haben. Ältere Übersichten nannten 3 bis 10 Prozent; die Klinikzahl ist die vorsichtigere, aktuellere Orientierung. Schwere Verläufe ohne vorbestehendes Asthma sind laut derselben Quelle selten.
Die Stoffe entstehen bei der Gärung und werden Wein, Bier und Cidre zusätzlich zugesetzt, damit Bakterien nicht durchgehen. Extra-Sulfite stehen auf Etiketten oft als Schwefeldioxid, Natrium- oder Kaliummetabisulfit, Natriumsulfit oder als E-Nummern E221 bis E228. Die US-amerikanische Food and Drug Administration verlangt die Angabe, sobald die fertige Speise oder das Getränk mindestens 10 Teile pro Million Gesamtsulfite enthält, gerade weil bei Empfindlichen Asthma auftreten kann. Seit 1986 dürfen Sulfite in den USA auf den meisten frischen Obst- und Gemüsesorten sowie an Salatbars nicht mehr eingesetzt werden, schreibt die American Academy of Allergy, Asthma & Immunology.
Wie die Enge entsteht, ist nicht restlos geklärt. Die Cleveland Clinic nennt drei Wege, die sich überlagern können. Beim Schlucken von Wein oder Bier kann Schwefeldioxid freigesetzt und eingeatmet werden; die Bronchien verengen sich dann innerhalb von Minuten. Manche Menschen bilden Antikörper vom Typ Immunglobulin E. Andere haben wenig Sulfitoxidase, ein Enzym, das Schwefeldioxid abbaut. Blut- oder Hauttests gelten als unzuverlässig. Wer eine klare Zuordnung braucht, landet bei einer überwachten Provokation mit steigenden Mengen, nicht bei einem Schnelltest aus dem Internet.
Sulfite stecken nicht nur im Glas. Trockenfrüchte, fertige Kartoffelprodukte, Garnelen, Melasse, Sauerkraut, mancher Zitronensaft aus der Flasche und viele Limonaden oder Säfte enthalten messbare Mengen. Wer nach Wein pfeift, sollte deshalb auch das Beilagenbuffet und den Mixer prüfen, bevor er den gesamten Alkohol pauschal streicht.
Histamin, Acetaldehyd und die ASS-empfindliche Form
Histamin aus der Gärung kann Niesen, laufende Nase und bei manchen Menschen auch Bronchienenge fördern. Es entsteht beim Fermentieren und liegt in Wein, Bier und Cidre höher als in klar destillierten Getränken. Eine echte Allergie gegen Ethanol selbst bleibt selten; häufiger stört ein Begleitstoff oder ein bereits entzündetes Schleimhautsystem.
Deutlich schärfer wird das Bild bei der ASS-exazerbierten Atemwegserkrankung, auch Samter-Trias genannt. Mayo Clinic (6. November 2024) beschreibt die Dreiheit aus Asthma, wiederkehrenden Nasenpolypen und Unverträglichkeit von Acetylsalicylsäure sowie anderen Cyclooxygenase-1-Hemmern wie Ibuprofen oder Naproxen. Dieselbe Seite hält fest, dass Bier oder Wein bei einem Teil der Betroffenen ähnliche Atem- und Nasenbeschwerden auslösen können. Es handelt sich nicht um eine klassische Allergie gegen das Schmerzmittel; die Entzündung der Atemwege ist bereits vorhanden und kippt nach dem Hemmstoff.
Cardet und Kollegen befragten 2014 Gruppen mit gesicherter Diagnose. Obere Atemwege (verstopfte oder laufende Nase) nannten 75 Prozent der AERD-Gruppe nach Alkohol, untere (Pfeifen oder Luftnot) 51 Prozent, irgendeine der beiden 83 Prozent. Bei aspirinverträglichem Asthma lagen die Werte bei 33 und 20 Prozent, bei gesunden Kontrollen bei 14 und 0 Prozent. Die Reaktionen waren oft nicht an eine einzige Sorte gebunden und traten häufig schon nach wenigen Schlucken auf. AERD macht nur einen Bruchteil aller Asthmafälle aus, erklärt aber einen großen Teil der heftigen Alkoholantworten, die ältere Texte pauschal dem Wein zuschrieben.
Eine kleine Provokationsstudie von Ramos, White und Mitautorinnen (2023) gab acht AERD-Patienten unter Aufsicht Alkohol, einmal nach Placebo, einmal nach Montelukast plus Cetirizin. Ohne Vorbehandlung bekamen alle Atemwegssymptome; drei spürten die untere Atemwege, zwei brauchten Salbutamol. Nach der Vorbehandlung blieben untere Symptome aus. Das ist ein Hinweis auf Histamin und Leukotriene, kein Rezept für die Hausapotheke vor dem Restaurantbesuch. Berichte über bessere Alkoholtoleranz unter Dupilumab, Omalizumab oder nach ASS-Desensibilisierung bleiben Einzelfälle und begleitende Beobachtungen, keine Freigabe zum Trinken.
Welche Getränke lösen häufiger Beschwerden aus?
Wein, rot wie weiß, steht in Patientenberichten an der Spitze, gefolgt von Bier und Cidre. Klare Spirituosen wie Gin oder Wodka enthalten weniger Sulfite und Histamin. Asthma + Lung UK betont trotzdem, dass sie nicht für alle unbedenklich sind. Bei AERD, so Cardet 2014, reichte oft schon ein kleiner Schluck, unabhängig von der Sorte.
Weißwein trägt nach Angaben der AAAAI häufig mehr zugesetzte Sulfite als Rotwein. Rotwein bringt dafür typischerweise mehr Histamin und aromatische Pflanzenstoffe mit. Wer nur eine der beiden Erklärungen im Kopf hat, sortiert Flaschen falsch. Mixgetränke verdienen denselben Blick: Limonade, Saft und Fertigmixer können eigene Sulfite und Histaminlieferanten enthalten. Ein „leichter“ Cocktail ist dann kein Ausweg, sondern eine zweite Quelle.
| Getränk | Typische Begleitstoffe | Praktischer Hinweis |
|---|---|---|
| Rot- und Weißwein | Sulfite, Histamin, Polyphenole | In Umfragen der häufigste Auslöser |
| Bier und Cidre | Sulfite, Histamin | Ebenfalls häufig genannt |
| Klare Spirituosen | Weniger Sulfite und Histamin | Kein Freibrief für jede Person |
| Mixgetränke mit Saft oder Limo | Zusätzliche Sulfite möglich | Mixer und Basis getrennt prüfen |
| Wein mit wenig Sulfiten | Trotzdem natürliche Restmengen | Kein sicherer Schutz bei hoher Empfindlichkeit |
Weine ohne extra zugesetzte Sulfite oder mit dem Hinweis auf geringe Mengen enthalten nach Asthma + Lung UK trotzdem natürliche Reste. Wer nach einem solchen Glas pfeift, hat die Probe bereits. Die alte Alltagsregel „ein Glas ist harmlos, drei Gläser sind zu viel“ gilt nicht für AERD und nicht für Menschen, die schon nach dem ersten Schluck reagieren. Umgekehrt vertragen viele mit gut eingestelltem Asthma moderate Mengen einer Sorte, die sie getestet haben. Die Trennung liefert nur das eigene Protokoll, nicht die Farbe der Flasche.
Darf man mit Inhalator oder Tabletten trinken?
Mit vorbeugendem und bedarfsweisem Inhalator ist Alkohol nach Angabe des britischen NHS, wiedergegeben von Asthma + Lung UK, in der Regel vereinbar. Das heißt nicht, dass das Getränk die Lunge unbehelligt lässt. Es heißt nur, dass Salbutamol, Formoterol oder ein inhalatives Kortikosteroid den Ethanolstoffwechsel nicht so stören wie manche Tabletten.
Kortisontabletten sind eine andere Liga. Dieselbe britische Patienteninformation rät, während einer solchen Stoßtherapie auf Alkohol zu verzichten, weil Magenreizung wahrscheinlicher wird. Theophyllin, heute seltener verordnet, hat eine dokumentierte Wechselwirkung. Die US-Fachinformation in DailyMed nennt eine einzelne große Alkoholmenge von 3 Millilitern Whisky je Kilogramm Körpergewicht: Die Theophyllin-Clearance sinkt bis zu 24 Stunden, der Serumspiegel kann um etwa 30 Prozent steigen. Wer Theophyllin nimmt, sollte Mengen und Spiegel mit der behandelnden Praxis klären, statt frei zu kombinieren.
Leukotrienrezeptorblocker wie Montelukast gehören bei AERD oft zur Dauertherapie. Die kleine Provokationsstudie von 2023 setzte Montelukast plus Cetirizin gezielt vor dem Alkoholreiz ein. Das ersetzt weder die Diagnose noch eine eigenmächtige Dosis vor der Feier. Biologika, die Mayo Clinic bei AERD als Option nennt, können in Fallberichten die Alkoholtoleranz verbessern; das Ziel der Spritze bleibt die Entzündung, nicht der Weinkeller.
Zwei praktische Fallen bleiben unabhängig vom Wirkstoff. Nach mehreren Gläsern vergessen manche die abendliche Dauertherapie. Asthma + Lung UK schlägt vor, den vorbeugenden Zug schon vor dem Ausgang zu nehmen, falls er für den Abend geplant war. Und wer den blauen oder den kombinierten Bedarfsinhalator an drei oder mehr Tagen in der Woche braucht oder bei einer MART- oder AIR-Therapie fast täglich Extra-Hübe nimmt, hat laut derselben Quelle keine ruhige Lage mehr. Dann zählt nicht der nächste Cocktail, sondern ein früher Termin.

Was Leitlinien seit 2019 anders empfehlen
Ältere Ratgeber stellten den kurzwirksamen Beta-2-Agonisten allein in den Mittelpunkt und werteten häufigen Gebrauch als Hinweis, die Dauertherapie zu verstärken. Die gemeinsame Leitlinie von BTS, NICE und SIGN (NG245, November 2024) geht weiter: Menschen ab zwölf Jahren mit neu festgestelltem Asthma sollen kein kurzwirksames Mittel mehr als einzige Arznei erhalten. Stattdessen empfiehlt sie einen niedrig dosierten Inhalator aus inhalativem Kortikosteroid plus Formoterol nach Bedarf, genannt entzündungshemmende Bedarfstherapie. Reicht das nicht oder ist die Lage von Beginn an unruhig, folgt die Erhaltungs- und Bedarfstherapie aus demselben Gerät.
Wer heute noch ausschließlich das klassische Bedarfspräparat nutzt, soll laut NICE auf die Kombination umgestellt werden. Die US-Aktualisierung des NHLBI von 2020 hatte in dieselbe Richtung gewiesen, mit bedarfsweisem Kortison und der Idee, ein Gerät für Alltag und Anfall zu nutzen. Für die Alkoholfrage folgt daraus etwas Konkretes. Eine gereizte Schleimhaut reagiert stärker auf Sulfite, Histamin und kalte Luft. Wer die Entzündung täglich oder zumindest bei jedem Symptomzug mitbehandelt, senkt die Chance, dass ein Glas den Anfall kippt. Das Getränk bleibt ein möglicher Reiz, die entzündete Bronchie ist der Verstärker.
NICE nennt als Warnzeichen unter anderem einen Bedarfsinhalator an mindestens drei Tagen pro Woche. Asthma + Lung UK setzt dieselbe Schwelle und ergänzt extra Hübe einer MART- oder AIR-Therapie an den meisten Tagen. Die alte Faustregel „mehr als zweimal pro Woche“ aus vielen Texten vor 2019 ist damit nicht widerlegt, aber in den aktuellen britischen Dokumenten auf drei Tage justiert. Wer unsicher ist, welche Strategie auf dem Rezept steht, klärt das in der Jahreskontrolle, nicht anhand eines Foreneintrags.
Symptome nach Alkohol und wann Hilfe nötig ist
Typisch sind Pfeifen, Husten, Enge und das Gefühl, nicht tief genug einatmen zu können. Manche spüren zuerst die Nase: Druck, Sekret, Niesreiz. Bei AERD kann das Gesicht warm werden, die Stimme verändert sich, der Geruchssinn war oft schon vorher schwach. Mayo Clinic listet als Alltagszeichen von Asthma Luftnot, Brustenge oder -schmerz, pfeifendes Ausatmen, nächtlichen Husten und Anfälle, die nach einem Infekt zunehmen.
Ein Anfall nach Alkohol folgt demselben Muster wie jeder andere Anfall, nur dass die Uhr oft schneller läuft. Mayo Clinic nennt drei Schwellen für den Notfall: Die Luftnot oder das Pfeifen nimmt rasch zu. Der Bedarfsinhalator bringt keine Besserung. Schon geringe Bewegung löst Luftnot aus. Die Cleveland Clinic ergänzt für schwere allergieähnliche Lagen Schluckstörung, Schwellung von Lippen, Zunge, Gesicht oder Kehle, sehr schnellen Puls, Schwäche, Schwindel und Bewusstlosigkeit. In Deutschland ist dann der Notruf 112 der richtige Weg, nicht das Warten auf den nächsten Hausbesuch.
| Lage | Typische Zeichen | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Beobachtung | Leichtes Pfeifen oder Nase nach einem bestimmten Getränk | Sorte meiden, Eintrag ins Protokoll, Inhalator bereithalten |
| Unzureichende Kontrolle | Bedarfszug an ≥3 Tagen pro Woche oder Extra-Hübe fast täglich | Zeitnah Haus- oder Facharzt, Therapie prüfen |
| Dringlich in der Praxis | Zäherer Schleim, neues Fieber, Wirkung der Arznei lässt nach | Noch am selben oder nächsten Werktag anrufen |
| Notfall | Kein Ansprechen des Inhalators, rasche Luftnot, Schwellung, Kreislaufknick | Sofort 112, Inhalator weiter nach Plan nutzen |
Drei Punkte gehören nicht in die Selbstbehandlung. Blutiger oder dunkelbrauner Auswurf braucht Abklärung, weil er nicht zum üblichen Alkoholreiz passt. Fieber nach dem Anfall spricht für Infekt, nicht für Sulfite. Und wer den Inhalator häufiger braucht, soll die Dosis nicht auf eigene Faust verdoppeln; Mayo warnt, dass Übergebrauch Nebenwirkungen bringt und die Lage verschlechtern kann.
Wie sich das persönliche Risiko senken lässt
Zuerst die Sorte finden, die nachweislich stört, und sie weglassen. Asthma + Lung UK rät zu Getränken, die bisher still geblieben sind, oder zu alkoholfreien Alternativen. Sulfitarme Weine bleiben ein Versuch mit Restmengen, kein Schutzschild. Wer AERD hat, sollte nicht darauf spekulieren, dass Wodka harmloser ist als Rotwein; Cardet zeigte Reaktionen über Sortengrenzen hinweg.
Zweitens die Entzündung behandeln, wie verordnet. Der vorbeugende Inhalator oder das MART-Gerät senkt die Schwellung in den Bronchien. Ohne diese Basis bleibt jeder Reiz größer. Drittens den schriftlichen Aktionsplan so mitführen, dass Begleitpersonen ihn lesen können; das Handyfoto genügt. Viertens die Jahreskontrolle nutzen und dort neue oder wiederkehrende Alkoholreaktionen nennen. Auslöser können wechseln. Ein Getränk, das vor zwei Jahren still war, darf später pfeifen.
Fünftens gelten die allgemeinen Alkoholgrenzen des jeweiligen Landes zusätzlich zur Lungenfrage. Der NHS nennt für Erwachsene höchstens 14 Einheiten pro Woche, verteilt auf mindestens drei Tage, grob sechs Pints durchschnittliches Bier oder zehn kleine Gläser Wein mit niedrigerem Alkoholgehalt. Das ist britischer Bevölkerungsschutz, keine Freigabe für Menschen, die schon nach dem ersten Schluck eng werden. Jugendliche mit Asthma brauchen eine klare Ansage vor Festivals und dem ersten WG-Abend: Inhalator einstecken, Sorte kennen, bei Enge nicht „noch ein Glas“ als Test wählen.
Ein kurzes Protokoll hilft mehr als ein vages Gefühl. Uhrzeit, Getränk, Menge, Mixer, Essen, Peak-Flow falls vorhanden, Minuten bis zu den Beschwerden, was den Inhalator gebracht hat. Nach drei dokumentierten Episoden sieht die Sprechstunde Muster, die ein einzelnes Restaurantgespräch nicht liefert.
Häufige Fragen
Kann schon ein Glas Wein Asthma auslösen?
Ja, bei Empfindlichen reicht manchmal weniger als ein Glas. In der AERD-Befragung von Cardet 2014 traten Reaktionen häufig schon nach wenigen Schlucken auf. Wer nach einem bestimmten Wein wiederholt pfeift oder eng wird, sollte diese Sorte meiden und den Befund der Praxis schildern.
Sind Bio-Weine oder Weine mit wenig Sulfiten sicherer?
Sie enthalten oft weniger zugesetzte Sulfite, aber keine Nullmenge. Asthma + Lung UK erinnert, dass auch solche Weine natürliche Sulfite mitbringen. Wer hoch empfindlich ist, kann trotzdem reagieren. Ein einmaliger Selbstversuch ohne Inhalator in der Tasche ist keine sinnvolle Prüfung.
Darf ich mit meinem Asthmainhalator Alkohol trinken?
Mit vorbeugendem und bedarfsweisem Inhalator ist das laut NHS in der Regel möglich. Das Getränk selbst kann trotzdem die Bronchien reizen. Während einer Therapie mit Kortisontabletten rät dieselbe Quelle vom Trinken ab. Theophyllin plus größere Alkoholmengen kann den Blutspiegel anheben; das gehört in die ärztliche Beratung.
Warum reagiere ich plötzlich, obwohl Wein früher ging?
Auslöser können sich ändern, und die Entzündung in den Atemwegen schwankt. Asthma + Lung UK hält fest, dass ein Getränk später stören kann, obwohl es früher still blieb, und folgert daraus, den Bedarfsinhalator immer dabeizuhaben. Eine neu aufgetretene Unverträglichkeit von Schmerzmitteln plus Polypen sollte an AERD denken lassen.
Ist das eine echte Allergie gegen Alkohol?
Eine echte Allergie gegen Ethanol ist selten. Häufiger stören Sulfite, Histamin, andere Gärstoffe oder eine AERD. Sulfite und Sulfonamid-Antibiotika sind verschiedene Stoffklassen, betont die AAAAI; wer „Sulfa“ nicht verträgt, ist damit nicht automatisch sulfitempfindlich.
Wann muss ich den Notarzt rufen?
Wenn die Luftnot rasch zunimmt, der Bedarfsinhalator nicht greift oder schon geringe Bewegung die Luft nimmt, ist das ein Notfall, so Mayo Clinic. Schwellung im Gesicht oder Hals, Kreislaufknick und Bewusstlosigkeit gehören dazu. In Deutschland wählt man 112 und nutzt den Inhalator weiter nach dem persönlichen Plan.

Fazit
Alkohol ist für viele mit Asthma ein möglicher Reiz, kein automatisches Verbot. Wein, Bier und Cidre tragen mehr Sulfite und Histamin; klare Spirituosen sind oft milder, aber nicht zuverlässig still. Die Selbstangabe „ein Drittel reagiert“ aus der Erhebung von 2000 bleibt ein Alltagsignal. Labor und Klinik zeigen seither, dass Sulfit allein seltener der Täter ist als gedacht und dass AERD einen großen Teil der heftigen, schon nach wenigen Schlucken auftretenden Reaktionen erklärt.
Praktisch zählt morgen dreierlei. Die störende Sorte weglassen, den Inhalator und den Aktionsplan mitnehmen, die Entzündung so behandeln, wie NICE und die eigene Praxis es 2024 und danach vorsehen: nicht mehr allein mit dem klassischen Bedarfszug. Wer Kortisontabletten oder Theophyllin nimmt, klärt Alkohol extra. Wer an drei oder mehr Tagen pro Woche den Bedarfsinhalator braucht, holt sich einen Termin, bevor das nächste Fest die Probe aufs Exempel macht.
Ein Anfall, der auf den Inhalator nicht antwortet, gehört an den Notruf, nicht in die Selbstbeobachtung. Die Verbindung zwischen Glas und Bronchie ist real, aber individuell. Wer sie aufschreibt statt zu raten, gibt der Sprechstunde etwas, womit sich Therapie und Alltag steuern lassen.
Quellen
- Asthma + Lung UK: Alcohol and asthma. Asthma + Lung UK, 29. Februar 2024.
- Mayo Clinic Staff: Asthma – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 8. März 2025.
- Cleveland Clinic: Sulfite Allergy & Sensitivity: Symptoms, Tests & Treatments. Cleveland Clinic, 24. April 2024.
- U.S. Food and Drug Administration: Food Allergies | Nutrition, Food Labeling, and Critical Foods. U.S. Food and Drug Administration, Stand: 2024.
- Cardet JC, White AA, Barrett NA et al.: Alcohol-induced respiratory symptoms are common in patients with aspirin exacerbated respiratory disease. Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice, März 2014.
- Ramos CL, Thakrar H, Walters K et al.: Characterization of Alcohol-Induced Respiratory Symptoms in Aspirin-Exacerbated Respiratory Disease (AERD). Annals of Allergy, Asthma & Immunology, 10. Juni 2023.
- National Institute for Health and Care Excellence: Recommendations | Asthma: diagnosis, monitoring and chronic asthma management (BTS, NICE, SIGN). National Institute for Health and Care Excellence, 27. November 2024.
- American Academy of Allergy, Asthma & Immunology: Sulfite and Sulfa Drugs. American Academy of Allergy, Asthma & Immunology, 17. Juni 2026.
- Mayo Clinic Staff: What is aspirin-exacerbated respiratory disease (AERD)?. Mayo Clinic, 6. November 2024.
- U.S. National Library of Medicine: Theophylline Oral Solution, USP. DailyMed, Stand: 2024.
- Centers for Disease Control and Prevention: Most Recent Asthma Data. Centers for Disease Control and Prevention, Stand: 2026.
