
Eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) ist eine Entzündung der dünnen Haut, die Bauchwand innen auskleidet und die Organe der Bauchhöhle umhüllt. Schlagartig starke Schmerzen, Fieber, ein gespannter Bauch oder bei Peritonealdialyse trübe Spülflüssigkeit gehören in die Klinik derselben Nacht, nicht auf den nächsten Werktag. Das Bauchfell ist nicht die Magenschleimhaut; Bakterien, Pilze oder ätzende Körperflüssigkeiten reizen diese seröse Fläche und können innerhalb weniger Stunden eine Sepsis auslösen.
Die Mayo Clinic (Stand 8. August 2025) trennt die spontane bakterielle Form bei Aszites, vor allem bei Leberzirrhose, von der sekundären Form nach einem Loch in Magen, Darm, Appendix oder Gallenblase. Ohne Infusionsflüssigkeit, Antibiotika und bei sekundärer Form ohne Herdsanierung steigt das Risiko für Schock und Organversagen. Hausmittel, Wärmflasche oder Abwarten ersetzen diese Schritte nicht.
Was ist eine Bauchfellentzündung?
Die Peritonitis ist eine Entzündung des Peritoneums, einer gleitfähigen Membran mit Blut- und Lymphgefäßen sowie vielen Nervenenden. Reizung dieser Fläche erklärt, warum schon kleine Bewegungen, Husten oder das Loslassen nach Druck so heftig schmerzen können. Die Cleveland Clinic (Aktualisierung 29. Juli 2025) beschreibt sie als medizinischen Notfall, weil die Entzündung eine Kettenreaktion auslösen kann, die ins ganze Kreislaufsystem übergreift.
Infektiös ist die Lage meist, wenn Bakterien aus dem Darm, über Aszites oder über einen Dialysekatheter ins sterile Kompartiment gelangen. Chemisch wird sie, wenn Magensäure, Galle oder Pankreasenzyme ohne Keime die Fläche verätzen; oft folgt dann rasch eine Infektion. MedlinePlus (Review 10. Januar 2026) nennt Blut, Eiter und Körperflüssigkeiten in der Bauchhöhle als Auslöser derselben klinischen Lage.
Primär heißt die Infektion, wenn der Magen-Darm-Trakt geschlossen bleibt. Sekundär heißt sie, wenn ein Organ leckt oder rupturiert. Tertiär nennen Chirurgen eine Persistenz oder ein Wiederkehren nach bereits versuchter Herdsanierung, oft mit anderen Erregern und längerer Intensivtherapie. Die Global Alliance for Infections in Surgery (Positionspapier 8. Juni 2024) führt Katheter und Shunts als eigene geräteassoziierte Gruppe, weil die Entfernung des Fremdkörpers den Verlauf oft entscheidet.

Welche Symptome gelten als Alarmzeichen?
Heftiger Bauchschmerz, der in Ruhe nicht nachlässt und sich bei Berührung oder Bewegung steigert, ist das Leitzeichen. Viele Betroffene finden keine Schonhaltung und liegen steif, weil jede Erschütterung wehtut. MedlinePlus beschreibt einen Bauch, der sich fest oder bretthart anfühlt; Betroffene rollen sich ein oder wehren jede Untersuchung ab.
Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen und Appetitverlust kommen häufig dazu. Der NHS (Seite geprüft 1. August 2023) ergänzt hohen Puls, wenig Urin und einen geschwollenen Bauch. Durchfall oder im Gegenteil kein Stuhl und kein Wind können beide vorkommen, weil der Darm vorübergehend stillsteht (paralytischer Ileus). Durst, trockene Schleimhäute und Verwirrtheit deuten auf Flüssigkeitsverschiebung in die Bauchhöhle und drohenden Schock.
Bei Peritonealdialyse zählt die Flüssigkeit im Beutel fast so stark wie der Schmerz. Trübes Dialysat, weiße Flocken, Fäden oder ein ungewohnter Geruch sollen laut Mayo Clinic noch am selben Tag gemeldet werden, besonders wenn die Austrittsstelle des Katheters gerötet oder schmerzhaft ist. Ein dumpfer Druck, der plötzlich scharf wird und nicht nachlässt, ist für die Cleveland Clinic Anlass, den Rettungsdienst zu rufen.
Leise Verläufe täuschen. Bei Aszites durch Zirrhose kann Unwohlsein, zunehmende Verwirrtheit oder ein Nierenwert, der ohne Erklärung steigt, die einzige Spur sein. Bis zu einem Drittel der spontanen bakteriellen Fälle bleibt nach der AASLD-Leitlinie von 2021 ohne klassischen Bauchschmerz. Deshalb gilt bei bekanntem Aszites eine niedrigere Schwelle zur Punktion als bei einem zuvor gesunden Bauch.
Wann gehört der Notruf 112 dazu?
Plötzliche, stärkste Bauchschmerzen sind ein akutes Abdomen und gehören in die Notaufnahme oder an den Notruf 112, auch wenn die Ursache später eine andere ist. Die Cleveland Clinic stuft Schmerz, der nicht nachlässt und schlagartig scharf wird, als Anlass für den Rettungsdienst. Nach Unfall, Stich oder Schuss gilt dasselbe, weil Blut und Darmkeime das Bauchfell reizen können.
Der NHS verlangt bei typischem Symptomcluster eine dringende ärztliche Klärung, weil eine Sepsis folgen kann. Merck Professional (Vollrevision Juli 2024) erinnert, dass Gangrän und Perforation des Darms unter bestimmten Bedingungen in weniger als sechs Stunden eintreten können, etwa bei unterbrochener Durchblutung. Warten auf „bessere Laborwerte am nächsten Tag“ ist dann die falsche Taktik.
Kinder, sehr alte Menschen und immunsupprimierte Patienten zeigen oft weniger Abwehrspannung. Kortison kann Fieber und Druckschmerz dämpfen. Fehlende klassische Zeichen schließen die Diagnose nicht aus. Schwangere mit Unterbauchschmerz plus Kreislaufinstabilität brauchen zusätzlich den Ausschluss einer rupturierten Extrauteringravidität, die Merck als lebensbedrohliche Differenzialdiagnose führt.
| Zeichen | Typische Bedeutung | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Schlagartiger stärkster Bauchschmerz ohne Entlastung | Akutes Abdomen, mögliche Peritonitis | Sofort Notaufnahme oder 112 |
| Fieber plus gespannter, druckschmerzhafter Bauch | Reizung des Bauchfells | Dieselbe Nacht klinisch klären |
| Trübes Dialysat, Flocken oder ungewöhnlicher Geruch | Verdacht auf dialyseassoziierte Infektion | Dialyseteam noch am selben Tag |
| Aszites plus Fieber, Verwirrtheit oder Nierenabfall | Mögliche spontane bakterielle Peritonitis | Diagnostische Punktion, nicht abwarten |
| Trauma oder plötzlicher Schmerz nach Bauchoperation | Leck, Blutung oder Nahtinsuffizienz | Rettungsdienst, keine Nahrung |
Nach der ersten Stunde zählt weiter, ob der Kreislauf stabil bleibt. Kaltschweiß, Verwirrtheit, sehr schneller Puls oder sinkender Blutdruck sind Schockzeichen. Dann Infusion und Antibiotika nicht auf Bildgebung warten lassen, wenn der Chirurg bereits eine Exploration für nötig hält.
Welche Ursachen und Formen gibt es?
Die meisten sekundären Fälle entstehen, weil der Magen-Darm-Trakt undicht wird. Ein durchgebrochener Wurmfortsatz, ein perforiertes Ulkus, eine rupturierte Divertikelentzündung, eine ischämische Darmschlinge oder eine undichte Naht nach Operation lassen Keime und Darminhalt auf das Bauchfell. Die Cleveland Clinic zählt auch rupturierte Eileiterschwangerschaft, abszedierende Unterleibsentzündung und offene Bauchverletzungen dazu.
Chemische Reizung ohne primären Keim entsteht, wenn Galle, Magensäure oder Pankreasenzyme austreten. Schwere Gallenblasenentzündung mit Leck und schwere Pankreatitis gehören in diese Gruppe. Blut in der freien Bauchhöhle, etwa nach Aneurysmaruptur oder Trauma, reizt ebenfalls. Barium darf laut Merck bei Verdacht auf Perforation nicht gegeben werden, weil es eine besonders schwere chemische Entzündung setzt; wasserlösliche Kontrastmittel sind die Alternative.
Primäre Infektionen brauchen kein Loch. Aszites bei Zirrhose, seltener bei Herzinsuffizienz oder Bauchfellkarzinose, kann sich spontan mit meist einem einzigen Erreger infizieren. Peritonealdialyse, Ernährungssonden und Drainagen öffnen einen künstlichen Weg für Haut- und Umweltkeime. Morbus Crohn, Pankreatitis und Divertikulitis können lokal starten und erst später das ganze Kompartiment erfassen.
Die Erregerlandschaft hängt von der Form ab. Community-Fälle nach Perforation sind oft polymikrobiell mit Escherichia coli, Bacteroides und weiteren Anaerobiern. Die spontane Form trägt häufig E. coli, Klebsiella oder Streptokokken, seltener Staphylokokken und Enterokokken, schreibt Merck (Vollrevision August 2025). Mischflora in der Kultur spricht gegen eine reine Spontanform und für ein Leck oder eine verunreinigte Probe.
Was ist eine spontane bakterielle Peritonitis?
Die spontane bakterielle Peritonitis (SBP) ist eine Infektion des Aszites ohne chirurgisch behandelbare Quelle im Bauch. Sie trifft vor allem Menschen mit Leberzirrhose und portalem Hochdruck. StatPearls (Aktualisierung 19. September 2022) schätzt die jährliche Inzidenz bei Aszites auf 7 bis 30 Prozent; das ist eine Spanne aus älteren Kohorten, keine deutsche Meldezahl.
Diagnostisch zählt die Zellzahl, nicht das Warten auf die Kultur. Die AASLD-Praxisleitlinie 2021 und Merck setzen die Schwelle bei mehr als 250 neutrophilen Granulozyten pro Kubikmillimeter Aszites. Jede neu aufgenommene Person mit Zirrhose und Aszites soll punktiert werden, unabhängig vom Schmerz, weil bis zu einem Drittel kaum Symptome zeigt. Die Probe gehört noch vor der ersten Antibiotikagabe bettseitig in Blutkulturflaschen.
Ältere Texte empfahlen Cephalosporine der dritten Generation praktisch für alle. Die AASLD 2021 begrenzt diese Gruppe, etwa intravenöses Cefotaxim 2 g alle 12 Stunden, auf Settings mit niedriger Rate multiresistenter Erreger. Bei nosokomialer Infektion, kürzlichem Krankenhausaufenthalt oder Intensivpflicht sollen breitere Regime starten; Merck nennt als Beispiel Piperacillin/Tazobactam plus Daptomycin oder Meropenem, angepasst an die lokale Resistenzlage. Unpassende Starttherapie bei septischem Schock erhöht nach derselben Leitlinie die Sterblichkeit deutlich.
Zusätzlich zur Antiinfektiva-Gabe sollen Betroffene Albumin erhalten, 1,5 g pro Kilogramm am ersten und 1 g pro Kilogramm am dritten Tag, weil das das Risiko eines hepatorenalen Syndroms senken kann. Den größten Nutzen haben laut AASLD Menschen mit bereits eingeschränkter Niere oder hohem Bilirubin. Nichtselektive Betablocker werden bei mittlerem arteriellem Druck unter 65 mmHg oder akutem Nierenschaden pausiert und nach Stabilisierung neu bewertet.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Zuerst kommen Anamnese und Untersuchung, nicht das Labor allein. Der Arzt fragt nach Beginn, Wanderung und Auslöser des Schmerzes, nach Operationen, Dialyse, Lebererkrankung und Medikamenten, die Entzündungszeichen dämpfen. Perkussion und vorsichtige Palpation suchen Abwehrspannung, Loslassschmerz und Stille im Darm. Ein glücklich wirkender Mensch hat selten eine schwere Peritonitis; Blässe, Angst und Schonhaltung sprechen dafür.
Blutbild, Entzündungswerte, Niere, Leber, Laktat und Blutkulturen helfen bei der Schwere, ersetzen aber keine Lokaldiagnose. Merck betont, dass Blutwerte bei ernsthafter Baucherkrankung normal sein können. Freie Luft im Röntgen oder der Computertomografie deutet auf Perforation. Ultraschall findet Flüssigkeit und eignet sich zur Steuerung der Punktion; bei stabilen Patienten liefert die CT mit Kontrastmittel die genauere Landkarte für Abszess und Leck.
Die Parazentese bleibt der Schlüssel bei Aszites. Unter örtlicher Betäubung wird Flüssigkeit entnommen und auf Zellzahl, Differenzial, Eiweiß, Albumin und Kultur untersucht. Der Serum-Aszites-Albumin-Gradient hilft, portalhypertensiven Aszites von anderen Ursachen zu trennen. Nicht jede Peritonitis braucht diese Punktion; bei klarer Perforation und akutem Abdomen entscheidet oft die Operation, und Bildgebung darf den Schnitt bei Schock nicht verzögern.
Dialyseflüssigkeit ersetzt bei Katheterträgern oft die Aszitesprobe. Trübes Dialysat plus Schmerz kann laut Mayo Clinic schon klinisch genügen, um zu behandeln, während Zellzahl und Kultur nachgezogen werden. Laparoskopie bleibt Einzelfällen vorbehalten, wenn Bildgebung und Klinik nicht zusammenpassen.

Wie wird eine Bauchfellentzündung behandelt?
Die Behandlung beginnt im Krankenhaus mit Kreislaufstützung und einem Antibiotikum, das die wahrscheinlichen Keime abdeckt, noch bevor alle Kulturen da sind. Infusionen ersetzen das Volumen, das in Bauchhöhle und Darmwand versackt. Sauerstoff, Schmerzmittel und bei Bedarf Katecholamine gehören zur Sepsisversorgung. Die Cleveland Clinic nennt die Verhinderung von Sepsis als erste Priorität, danach die gezielte Keimtherapie und die Behandlung der Ursache.
Sekundäre Formen brauchen eine Herdsanierung. Das kann die Appendektomie, die Übernähung eines Ulkus, die Resektion eines undichten Darmabschnitts, die Drainage eines Abszesses oder die perkutane Punktion unter CT- oder Ultraschallsicht sein. Sartelli und Kollegen (Juni 2024) stufen die rechtzeitige Ausschaltung der Quelle als wichtigsten Überlebensfaktor ein; verspätete oder unvollständige Sanierung kann das Sterberisiko vervielfachen. Ausgewählte milde Verläufe, etwa kleine Divertikelabszesse unter etwa vier Zentimetern, können zunächst ohne definitive Operation geführt werden, wenn Klinik und Bildgebung mitziehen.
Nach sauberer Herdsanierung hat sich die Antibiotikadauer verkürzt. Ältere Praxis hielt oft sieben oder mehr Tage bis zum Verschwinden von Fieber und Leukozytose. Die STOP-IT-Studie und das GAIS-Papier 2024 sehen nach ausreichender Sanierung etwa vier feste Tage als vergleichbar wirksam gegenüber einem längeren, symptomgesteuerten Kurs. Bleiben Infektzeichen nach einer Woche, soll man nicht einfach verlängern, sondern nach Restfokus oder resistentem Keim suchen.
Spontane Formen werden in der Regel ohne Schnitt behandelt, solange keine sekundäre Quelle auftaucht. Merck nennt mindestens fünf Tage intravenöser Therapie und Kontrolle, bis die Neutrophilenzahl im Aszites unter 250 pro Mikroliter fällt. Ernährung kann über Sonde oder Vene laufen, wenn der Darm ruht. Eine Bluttransfusion bleibt Einzelfällen vorbehalten, etwa bei Blutung oder schwerer Anämie.
Was gilt bei der Peritonealdialyse?
Trübes Dialysat gilt als Peritonitis, bis Zellzahl oder Kultur das Gegenteil belegen. Die ISPD-Empfehlungen 2022 verlangen für die Diagnose mindestens zwei von drei Kriterien: passende Klinik (Schmerz oder trübes Dialysat), mehr als 100 Leukozyten pro Mikroliter nach mindestens zwei Stunden Verweildauer mit mehr als 50 Prozent Neutrophilen, oder eine positive Kultur. Das Zentrumsziel liegt bei höchstens 0,40 Episoden pro Risikojahr, und mehr als 80 Prozent der Patienten sollen pro Jahr ohne Episode bleiben.
Empirische Antibiotika sollen grampositive und gramnegative Keime abdecken und so früh wie möglich nach der Probenentnahme starten. Die intraperitoneale Gabe ist laut ISPD bevorzugt, solange kein systemischer Sepsisverlauf vorliegt; dann wird systemisch behandelt. Konkrete Milligramm-Schemata legt das eigene Dialysezentrum fest, weil Resistenzlage und Verfahren (CAPD oder Automat) die Dosis steuern. Eigenmächtiges Dosieren aus Internetlisten ist ungeeignet.
Vorbeugung ist Alltagshygiene, keine Sonderdiät. Hände waschen, Maske beim Umstecken, Austrittsstelle täglich nach Schulung reinigen, Beutel auf Trübung prüfen und Vorräte trocken lagern, fasst die Mayo Clinic zusammen. Die ISPD 2022 nennt zusätzlich nasse Kontamination des Systems, Hauskatzen am Beutel, Hypokaliämie und bestimmte Säureblocker als beeinflussbare Risiken. Vor Koloskopie oder invasiven gynäkologischen Eingriffen ist eine Antibiotikaprophylaxe üblich.
Kommt die Episode nicht zur Ruhe oder kehrt sie rasch wieder, kann ein vorübergehender Wechsel auf Hämodialyse nötig sein. Bleibt der Katheter Infektquelle, wird er entfernt. Das ist kein persönliches Versagen der Technik, sondern ein vorgesehener Schutzschritt, damit die Bauchhöhle heil werden kann.
Welche Komplikationen können folgen?
Unbehandelt kann die lokale Entzündung in eine Sepsis und einen septischen Schock kippen. Gefäße werden undicht, Flüssigkeit versackt im Bauch, Niere und Lunge können versagen. Merck beschreibt eine Kaskade aus schwerer Dehydratation, Elektrolytverschiebung, akutem Lungenversagen, Leber- und Nierenversagen bis zur disseminierten Gerinnung. Ohne Therapie sterben Betroffene innerhalb von Tagen.
Nach überstandener Episode bleiben mechanische Folgen möglich. Fibrin und Narbenplatten können Darmschlingen verkleben und später einen Ileus auslösen. Ein Abszess kann nach Drainage oder Operation nachreifen. Die tertiäre Form hält die Intensivstation länger beschäftigt, oft mit Enterokokken, Hefen oder Pseudomonas statt der ursprünglichen Darmflora.
Bei Zirrhose droht das hepatorenale Syndrom, deshalb das Albumin in der SBP-Therapie. Hypotonie verschärft diesen Pfad; deshalb die Pause nichtselektiver Betablocker in der akuten Phase. Die WISS-Kohorte, die das GAIS-Papier 2024 zitiert, fand 2015 bei komplizierten intraabdominellen Infektionen eine Gesamtsterblichkeit von 9,2 Prozent; bei kritisch Kranken kann sie über 20 Prozent liegen. Das sind internationale Klinikdaten, keine Hausarzt-Inzidenz.
Frühe Behandlung ändert die Prognose. Die Cleveland Clinic schreibt, dass Wochen bis zur Erholung möglich sind, wenn die Ursache mitbehandelt wird. Organschäden nach Schock können bleiben. Deshalb zählt die erste Nacht stärker als jede spätere Optimierung der Antibiotikaliste.
Wie lässt sich das Risiko senken?
Nicht jede Episode ist vermeidbar, vor allem nicht die Perforation ohne Vorzeichen. Was sich steuern lässt, sind Hygiene bei Dialyse, rasche Hilfe bei Appendizitis oder Ulkus und die gezielte Prophylaxe nach einer SBP. Wer schon eine spontane Episode hatte, bekommt oft eine Dauerprophylaxe, weil Merck Rückfälle innerhalb eines Jahres bei bis zu 70 Prozent nennt. Eingesetzt werden je nach Region Norfloxacin, Ciprofloxacin oder Trimethoprim/Sulfamethoxazol in der von der AASLD genannten Dosierung, bis zur Transplantation oder zum Lebensende, sofern die Resistenzlage das noch trägt.
Primärprophylaxe ist enger gefasst als 2010. Bei Varizenblutung empfiehlt die AASLD Ceftriaxon 1 g intravenös täglich für bis zu sieben Tage. Bei sehr niedrigem Asziteseiweiß plus fortgeschrittener Leberinsuffizienz oder Nierenstörung kann eine orale Langzeitprophylaxe erwogen werden; die Evidenz zur Lebensverlängerung bleibt uneinheitlich, und Resistenzen nehmen zu. Protonenpumpenhemmer setzt die Mayo Clinic auf die Prüfiste, weil sie mit höherem SBP-Risiko in Verbindung gebracht werden; absetzen nur nach Rücksprache, nicht auf eigene Faust.
Appendizitis, Divertikulitis und Ulkusbeschwerden früh klären zu lassen, verkürzt die Zeit bis zur Perforation. Nach nasser Kontamination eines Dialysesystems rät die ISPD zu sofortigem Kontakt mit dem Team und oft zu einer kurzen prophylaktischen Gabe. Haustiere gehören nicht an Schlauch und Beutel. Kalium im Zielbereich zu halten, ist ein unspektakulärer, in der Leitlinie 2022 ausdrücklich genannter Beitrag.
Wer Aszites neu bemerkt, Fieber bei bekanntem Bauchumfang oder trübes Dialysat sieht, soll nicht erst Hausmittel versuchen. Die sinnvollste Vorsorge für den nächsten Tag ist die Telefonnummer des Dialysezentrums oder der Hepatologie griffbereit und die Bereitschaft, 112 zu wählen, wenn der Schmerz keinen Platz zum Liegen lässt.
Häufige Fragen
Ist jede Bauchfellentzündung ein Notfall?
Ja, jede begründete Verdachtslage gehört in klinische Hand, weil Sepsis innerhalb von Stunden folgen kann. Der NHS und MedlinePlus schicken typische Symptomcluster in die Notaufnahme oder an den Notruf. Spätere Relativierung, etwa eine milde lokale Reizung nach Punktion, trifft der Arzt, nicht der Laie zu Hause.
Kann ich die Beschwerden mit Hausmitteln abwarten?
Nein. Wärme, Tee, Abführmittel oder Schmerztabletten ohne Diagnose können ein Leck oder eine SBP verschleiern. Die Therapie besteht aus Infusion, Antibiotika und bei Bedarf Operation; das leistet keine Hausapotheke. Essen und Trinken vor der Klinikpause einstellen, falls eine Narkose nötig wird.
Wie unterscheidet sich die spontane Form von einem durchgebrochenen Organ?
Die spontane Form infiziert vorhandenen Aszites, meist mit einem Keim, und braucht in der Regel keinen Schnitt. Die sekundäre Form folgt einem Leck und ist polymikrobiell; hier entscheidet die Herdsanierung. Mischflora, freie Luft oder ein Abszess an einem Hohlorgan sprechen gegen eine reine SBP.
Warum zählt trübes Dialysat schon als Alarm?
Weil die ISPD 2022 trübes Dialysat als Peritonitis werten lässt, bis das Labor widerspricht. Warten auf Kultur verzögert die erste Dosis und verschlechtert die Chance, den Katheter zu halten. Flocken, Fäden oder Geruchsänderung gehören in dieselbe Meldung an das Dialyseteam.
Wie lange dauern Antibiotika nach einer Operation am Bauch?
Nach vollständiger Herdsanierung einer komplizierten intraabdominellen Infektion reichen laut GAIS 2024 oft etwa vier feste Tage. Länger zu geben, nur weil Fieber oder CRP langsam fallen, bringt in der STOP-IT-Logik keinen Beleg für besseren Schutz. Steigt die Klinik wieder, sucht man den Restfokus statt einer endlosen Eskalation.
Kommt die Entzündung bei Leberzirrhose häufig wieder?
Ja, Merck nennt Rückfälle innerhalb eines Jahres bei bis zu 70 Prozent, daher die Sekundärprophylaxe. Jede neue Verschlechterung mit Aszites rechtfertigt eine erneute Punktion. Die Prophylaxe senkt das Risiko, ersetzt aber nicht die Transplantationsevaluation, wenn diese medizinisch infrage kommt.

Fazit
Bei schlagartigem, stärkstem Bauchschmerz, Fieber plus bretthartem Bauch oder trübem Dialysat zählt die nächste Stunde, nicht das Wochenende. 112 oder die Notaufnahme klären, ob eine Peritonitis, eine andere Katastrophe im Bauch oder beides vorliegt. Selbst behandeln, essen oder ein Abführmittel nehmen verschiebt nur die erste wirksame Dosis.
Wer Aszites oder Peritonealdialyse hat, braucht eine niedrigere Schwelle als ein zuvor gesunder Mensch. Die Punktion bei Aufnahme, die Zellzahl 250 im Aszites und die Dialysatschwelle 100 mit Neutrophilenübergewicht sind feste Kriterien, keine Faustregeln aus Foren. Cephalosporine der dritten Generation bleiben für viele ambulant erworbene SBP-Fälle richtig; nosokomiale und schwere Verläufe starten seit der AASLD-Leitlinie 2021 breiter, und nach sauberer Operation ist der kurze Antibiotikakurs die aktuelle Norm.
Für den nächsten Tag reicht ein klarer Plan. Dialysebeutel auf Trübung prüfen, bei Zirrhose Fieber oder Verwirrtheit nicht als „schlechten Tag“ verbuchen, Ulkus- oder Appendizitiszeichen nicht aussitzen. Die Nummer des behandelnden Zentrums und die Bereitschaft, den Rettungsdienst zu rufen, schützen mehr als jede Liste von Hausmitteln.
Quellen
- Mayo Clinic: Peritonitis – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 8. August 2025.
- Cleveland Clinic: Peritonitis: What it is, Symptoms, Causes & Treatment. Cleveland Clinic, 29. Juli 2025.
- MedlinePlus: Peritonitis – MedlinePlus Medical Encyclopedia. MedlinePlus, 10. Januar 2026.
- Tholey D: Spontaneous Bacterial Peritonitis (SBP). Merck Manual Professional Edition, August 2025.
- NHS: Peritonitis – symptoms, causes and treatment. National Health Service, 1. August 2023.
- Biggins SW, Angeli P, Garcia-Tsao G et al.: Diagnosis, Evaluation, and Management of Ascites, Spontaneous Bacterial Peritonitis and Hepatorenal Syndrome: 2021 Practice Guidance by the American Association for the Study of Liver Diseases. Hepatology, August 2021.
- Li PK, Chow KM et al.: ISPD peritonitis guideline recommendations: 2022 update on prevention and treatment. Peritoneal Dialysis International, 1. März 2022.
- Sartelli M, Barie P, Agnoletti V et al.: Intra-abdominal infections survival guide: a position statement by the Global Alliance For Infections In Surgery. World Journal of Emergency Surgery, 8. Juni 2024.
- Brown D, Vashisht R, Caballero Alvarado JA: Septic Peritonitis. StatPearls, 19. September 2022.
- Ansari P: Acute Abdominal Pain. Merck Manual Professional Edition, Juli 2024.
