Lassa-Fieber: Symptome, Ansteckung und Behandlung

Lassa-Fieber: Symptome, Ansteckung und Behandlung

Lassa-Fieber ist eine akute Viruskrankheit aus Westafrika, die bei den meisten Infizierten mild bleibt und in etwa jedem fünften Fall mehrere Organe angreifen kann. Die Ansteckung läuft vor allem über Urin oder Kot der Vielzitzenmaus, seltener über Blut und andere Körperflüssigkeiten erkrankter Menschen.

Wer innerhalb von 21 Tagen nach einem Aufenthalt in einem Endemiegebiet Fieber bekommt, soll die Reise ins Gespräch bringen und vor dem Praxisbesuch anrufen. Ein zugelassenes Virostatikum und ein zugelassener Impfstoff fehlen. Ältere Texte stellten Ribavirin als bewährte Standardtherapie dar; die Weltgesundheitsorganisation (WHO, Stand 5. Dezember 2024) spricht inzwischen von erheblicher Unsicherheit zur Wirksamkeit und zur Dosis und empfiehlt, Patientinnen und Patienten nach Möglichkeit in randomisierte Studien aufzunehmen.

Was ist Lassa-Fieber und wie gefährlich ist es?

Lassa-Fieber entsteht durch das Lassa-Virus, ein Arenavirus, das 1969 nach Todesfällen im nigerianischen Ort Lassa erstmals eindeutig zugeordnet wurde. Der natürliche Wirt ist vor allem die Natal-Vielzitzenmaus (Mastomys natalensis); infizierte Nager erkranken selbst nicht, scheiden den Erreger aber mit Urin und Kot aus.

Endemisch ist die Infektion nach der WHO in Benin, Ghana, Guinea, Liberia, Mali, Nigeria und Sierra Leone, vermutlich auch in weiteren westafrikanischen Staaten. Die US-Seuchenbehörde CDC nennt dieselben Kernländer Sierra Leone, Liberia, Guinea und Nigeria und warnt Nachbarregionen, weil der Nager dort ebenfalls vorkommt. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zählt mehrere Viruslinien: I bis III aus Nigeria, IV aus Sierra Leone, Guinea und Liberia, V aus Côte d’Ivoire und Mali, VI aus Togo, VII aus Benin.

Acht von zehn Infektionen bleiben laut CDC (Stand 31. Januar 2025) so mild, dass sie oft gar nicht erkannt werden. Rund jede fünfte Infektion trifft Leber, Milz, Nieren oder andere Organe schwer. Die WHO schätzt die Sterblichkeit über alle Infektionen auf etwa 1 Prozent; unter stationär behandelten schweren Fällen liegt sie bei 15 Prozent und darüber. Das ECDC nennt bei Schwerkranken und Hospitalisierten 15 bis 25 Prozent. In Ausbrüchen kann der Anteil höher ausfallen, weil vor allem Schwerkranke getestet werden.

Klinikseiten und ältere Übersichten sprechen von 100.000 bis 300.000 Infektionen pro Jahr. Das sind langfristige Schätzungen bei lückenhafter Meldung, keine aktuelle Jahresbilanz. Nigeria meldet saisonal die meisten bestätigten Krankenhausfälle; das ECDC beschreibt eine Trockenzeit von etwa November bis Mai, das MSD-Handbuch einen Gipfel von Februar bis Ende März. Für Touristen bleibt das Risiko nach ECDC sehr gering. Importierte Erkrankungen in Europa betreffen fast nur medizinisches Personal und Hilfskräfte, nicht typische Urlaubsreisen.

[Lassa-Fieber-Bildschirm]

Wie steckt man sich an?

Menschen infizieren sich meist, wenn Nahrung, Wasser oder Hausstaub mit Urin oder Kot infizierter Nager verunreinigt ist. Einatmen beim Fegen, Berühren offener Haut, Zubereiten oder Verzehr der Tiere reichen aus. Die Mäuse leben in und um Wohnhäuser, lagern bei Vorräten und sind in der Region so häufig, dass eine Ausrottung unrealistisch bleibt.

Neben Mastomys natalensis wurden Lassa-Viren auch bei der Guinea-Vielzitzenmaus, der afrikanischen Waldmaus (Hylomyscus pamfi) und der Zwergmaus Mus baoulei gefunden. Das ändert wenig am Alltag: Wer in Endemiegebieten Nahrung offen lagert oder Räume trocken kehrt, kann virushaltige Partikel aufnehmen.

Von Mensch zu Mensch geht der Erreger über Blut, Urin, Stuhl, Speichel, Erbrochenes oder andere Sekrete. Das CDC betont, Ansteckung beginne erst mit Symptomen und nicht durch Umarmung, Händedruck oder bloßes Sitzen daneben. Krankenhausausbrüche entstehen, wenn Schutzkleidung fehlt, Nadeln wiederverwendet oder Flächen nicht desinfiziert werden. Eine epidemiologische Mensch-zu-Mensch-Ausbreitung über die Luft weist die WHO nicht nach. Einatmen von Nagerkot-Staub ist ein zoonotischer Weg, kein Beleg für Tröpfchenketten zwischen Patienten.

Wie lange Infektiosität nach der Genesung anhält, beantworten Behörden nicht einheitlich. Thielebein und Kollegen verfolgten Genesene in Nigeria über zwei Jahre und fanden anhaltende Virusnachweise in Körperflüssigkeiten, darunter Samenflüssigkeit. Das ECDC leitet daraus die Empfehlung ab, nach der Entlassung geschützten Sex einzuhalten: ein Jahr für Männer, drei Monate für Frauen. Die WHO schreibt im Dezember 2024, das Virus könne Monate im Sperma bleiben, eine Übertragung über infiziertes Sperma sei aber bisher nicht dokumentiert. Persistenz ist belegt, gesicherte Sexualketten fehlen in der WHO-Bilanz; Vorsicht nach der Entlassung bleibt trotzdem sinnvoll.

Welche Symptome treten auf?

Beschwerden beginnen schleichend, nicht explosionsartig, meist nach zwei bis 21 Tagen; das ECDC nennt typisch sechs bis zehn Tage, das MSD-Handbuch fünf bis 16. Leichte Verläufe ähneln einem grippalen Infekt: geringes Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerz. Halsentzündung, Muskelschmerz, Brustschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Husten und Bauchschmerz können nach wenigen Tagen folgen.

Schwere Verläufe zeigen Gesichtsschwellung, Flüssigkeit im Pleuraraum, Blutungen aus Mund, Nase, Scheide oder Darm und sinkenden Blutdruck. Später können Schock, Krampfanfälle, Zittern, Desorientierung und Koma auftreten. Das MSD-Handbuch beschreibt gelblich-weiße Beläge auf den Mandeln, die zu einer Pseudomembran zusammenfließen können. Schleimhautblutungen betreffen bis zu 40 Prozent der Schwerkranken und gelten als ungünstiges Zeichen. Laborchemisch steigen Aminotransferasen oft auf das Zehnfache, Eiweiß im Urin kann massiv sein.

Tödliche Verläufe enden nach WHO-Angaben meist innerhalb von 14 Tagen nach Symptombeginn, häufig durch Multiorganversagen, Schock oder eine Kombination aus Nierenschaden und Enzephalopathie. Das ECDC hebt akutes Nierenversagen und Hirnbeteiligung als besonders mit Tod verknüpfte Muster hervor; Dialyse fehlt in vielen Isolierstationen. Genesung dauert oft Wochen. Haarausfall, vorübergehende Sehstörung, Gelenkschmerz und psychische Belastung kommen vor, sind aber seltener beschrieben als der Hörverlust.

Bei Kindern ähneln die Zeichen oft denen Erwachsener; belastbare eigene Reihen zu Säuglingen sind dünn. Blutungen allein machen die Diagnose nicht. Viele schwere Fälle bleiben fieberhaft und organbezogen, ohne dass Blut aus Nase oder Zahnfleisch läuft.

Wann nach einer Westafrika-Reise zum Arzt?

Fieber, starkes Krankheitsgefühl oder unerklärliche Blutungen innerhalb von 21 Tagen nach Aufenthalt in einem Endemiegebiet gehören in die ärztliche Abklärung, nicht ins Abwarten. Malaria, Typhus und andere Tropeninfekte sind weit häufiger; Lassa-Fieber muss trotzdem mitbedacht werden, besonders nach Kontakt zu Nagern, zu Kranken oder zu einem Krankenhaus ohne Schutzausrüstung.

Vor dem Eintreffen in Praxis oder Notaufnahme soll der Reiseweg telefonisch genannt werden. Das CDC fordert, den Gesundheitsdienst einzuschalten, sobald der Verdacht bei einer Rückkehrerin oder einem Rückkehrer aufkommt. Isolierung und Schutzausrüstung beginnen, bevor Labore das Virus bestätigt haben. Für die allgemeine Bevölkerung in Europa bleibt die Chance, einem Fall zu begegnen, nach ECDC sehr gering; trotzdem gilt die Krankheit in der EU als meldepflichtiges hämorrhagisches Fieber.

Die Cleveland Clinic (Stand 20. Juni 2023) nennt als Zeichen für die Notaufnahme Brust-, Hals- oder Bauchschmerz, Atemnot, schweres Erbrechen oder Durchfall, Krampfanfälle und Verwirrtheit. Schwangere mit Fieber nach Exposition brauchen dieselbe Schwelle, nur schneller, weil mütterliche und kindliche Sterblichkeit steil ansteigen.

Lage Typische Zeichen Nächster Schritt
Rückkehr aus Westafrika, Fieber Fieber, Kopfschmerz, Schwäche binnen 21 Tagen Praxis oder Gesundheitsamt anrufen, Reiseweg nennen
Schwere Erkrankung Blutung, Atemnot, Schock, Krampf, Verwirrtheit Notaufnahme, Verdacht sofort ansagen
Schwangerschaft plus Fieber Jedes Fieber nach Reise oder Kontakt Geburtshilfe und Infektiologie ohne Verzug
Nach der akuten Phase Plötzlicher Hörverlust, Haarausfall, unsicherer Gang HNO-Kontrolle, Nachsorge der Klinik
Pflege kranker Angehöriger Kontakt mit Blut, Erbrochenem, Urin ohne Schutz Schutzkleidung; eigenes Fieber testen lassen

Hausmittel, fiebersenkende Tabletten ohne Gespräch und ein „Abwarten, bis es vorbei ist“ ersetzen die Abklärung nicht. Wer milde Erkältungszeichen hat und nie in der Region war, hat fast nie Lassa-Fieber; die Tabelle gilt für Exposition, nicht für jedes Winterfieber.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Klinisch lässt sich Lassa-Fieber früh kaum von Malaria, Typhus, Shigellose, Gelbfieber oder anderen viralen hämorrhagischen Fiebern trennen. Entscheidend sind Reiseweg, Nagerkontakt, Pflege eines Kranken und der schleichende Beginn. Bestätigt wird die Infektion im Labor, nicht am Krankenbett.

Die WHO nennt Reverse-Transkriptase-PCR, Antikörper-ELISA, Antigennachweis und Virusanzucht. PCR ist nach MSD der schnellste Weg; IgM oder ein vierfacher IgG-Anstieg können ebenfalls belegen. Blut, Rachenabstrich, Urin, selten Liquor oder Pleuraflüssigkeit kommen als Material infrage. Proben gelten als hochinfektiös; nicht inaktiviertes Material gehört in Labore mit höchster biologischer Sicherheit und in eine Dreifachverpackung beim Transport.

In Endemiegebieten begrenzt knappe Testkapazität die Bestätigung. In Europa laufen solche Untersuchungen über hochspezialisierte Institute mit hoher biologischer Sicherheitsstufe, nicht über das Routinelabor der nächsten Klinik. Wer den Aufenthalt verschweigt, verzögert Isolation und richtige Diagnostik.

Zusatzbefunde helfen bei der Schwere, nicht bei der Ursachensuche. Transaminasen, Eiweiß im Urin, Blutbild und Gerinnung skizzieren, wie weit Organe betroffen sind. Röntgenaufnahmen können basale Entzündung und Pleuraerguss zeigen. Eine Lumbalpunktion kommt nur unter Schutz und nach infektionsmedizinischer Absprache infrage, wenn Hirnzeichen im Vordergrund stehen.

Welche Behandlung gibt es heute?

Frühe intensive Unterstützung der Kreislauf-, Flüssigkeits- und Atemfunktion kann die Überlebenschance verbessern. Das ist der gemeinsame Kern von WHO, ECDC und MSD: Ausgleich von Flüssigkeit und Elektrolyten, Sauerstoff, Behandlung von Fieber, Schmerz, Durchfall und Erbrechen, bei Bedarf Transfusionen, Dialyse oder Beatmung.

Ein zugelassenes Virostatikum gegen Lassa-Fieber gibt es nicht. Ribavirin wird in Endemiegebieten weiter gegeben. Das CDC schreibt, der Wirkstoff sei bei Patientinnen und Patienten erfolgreich eingesetzt worden und wirke am ehesten, wenn er bald nach Krankheitsbeginn startet. Das MSD-Handbuch nennt intravenöses Ribavirin und wiederholt die ältere Annahme, ein Beginn in den ersten sechs Tagen könne die Sterblichkeit senken. Rekonvaleszenzplasma gilt dort als nicht nützlich.

Diese Sicherheit hat die WHO im Dezember 2024 ausdrücklich zurückgenommen. Wirksamkeit und optimale Dosis seien unsicher; wo immer möglich, sollen Erkrankte in randomisierte Studien mit Ribavirin oder anderen Prüfsubstanzen aufgenommen werden. Cheng, French, Salam und Kollegen werteten 2022 dreizehn Vergleichsstudien aus, darunter unveröffentlichte Daten der einflussreichen Sierra-Leone-Serie der 1980er Jahre. Die beobachteten Sterblichkeitsunterschiede waren durch Verzerrung, unkontrollierte Schwere und eine ungleiche Zeitzählung bis zum Therapiebeginn belastet. Belastbare Belege für einen Nutzen fehlten; gut geplante Studien seien nötig.

Dosisangaben aus alten Beobachtungsreihen gehören nicht in die Selbstmedikation. Ribavirin kann toxisch sein; für Schwangere fehlt nach Kayem und Kollegen ein Vergleich, der Nutzen und Schaden trennt. Alternative Wirkstoffe und Antikörperpräparate stecken in der Entwicklung. Keines ersetzt heute die unterstützende Intensivmedizin.

[Kind in Westafrika]

Warum ist eine Schwangerschaft so riskant?

Schwangere erkranken schwerer und verlieren häufiger das Kind als Nichtschwangere. Eine Metaanalyse von Kayem, Benson, Aye und Kollegen (2020) schätzte das absolute Risiko mütterlichen Todes auf 33,73 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 22,05 bis 46,42) und das relative Risiko gegenüber nicht schwangeren Frauen auf 2,86. Die WHO nennt für das dritte Trimenon kindliche Sterblichkeit über 80 Prozent und mütterliche über 30 Prozent. Das CDC spricht davon, dass rund 95 Prozent der Feten nicht überleben, wenn die Schwangere infiziert ist.

Ribavirin in der Schwangerschaft ist nicht durch Vergleichsstudien gesichert. In der Analyse von Kayem überlebten 32 von 43 dokumentiert behandelten Schwangeren; eine Kontrollgruppe ohne Ribavirin fehlte. Entscheidungen trifft das Behandlungsteam nach Gestationsalter, Zustand der Schwangeren und verfügbarer Intensivmedizin, nicht nach einem festen Hausrezept.

Die Cleveland Clinic beschreibt, dass nach einem Absterben des Fetus Gewebe rasch entfernt werden muss, weil das die Chance der Mutter verbessern kann. Ein vorzeitiges Beenden der Schwangerschaft kann in einzelnen Lagen für Mutter und Kind diskutiert werden; das ist eine geburtshilfliche Entscheidung unter Isolation, keine Laienmaßnahme. Stillen und der Umgang mit Wochenbettsekreten folgen denselben Schutzregeln wie bei anderen Körperflüssigkeiten.

Jede Schwangere mit Fieber nach Westafrika-Aufenthalt oder nach Kontakt zu einem wahrscheinlichen Fall braucht dieselbe Meldekette wie andere Verdachtsfälle, plus Geburtshilfe. Verzögerung erklärt einen Teil der hohen Sterblichkeit: unspezifisches Fieber wird zuerst als Malaria behandelt, während die Viruslast steigt.

Hörverlust und andere Spätfolgen

Plötzliche Schallempfindungsschwerhörigkeit ist die häufigste dokumentierte Dauerfolge. Das CDC nennt etwa jeden dritten Fall, unabhängig davon, ob der akute Verlauf mild oder schwer war; der Verlust kann dauerhaft bleiben. Die WHO spricht von bis zu 25 Prozent der Genesenen, meist bleibend. Das MSD-Handbuch setzt 20 bis 30 Prozent an. Die Cleveland Clinic schreibt, etwa die Hälfte der Betroffenen gewinne das Gehör binnen Wochen zurück. Die Spanne erklärt sich durch unterschiedliche Kohorten und Messmethoden; ein Hörtest nach der Entlassung ist trotzdem sinnvoll, auch wenn das Fieber harmlos wirkte.

Andere Spätzeichen sind vorübergehender Haarausfall, Gangunsicherheit, Gelenkschmerz, Sehstörung und psychische Belastung. Eine lange Rekonvaleszenz mit Schwäche über Wochen ist häufig, ohne dass dazu große Verlaufsstudien vorliegen. Nierenschäden und neurologische Reste brauchen dieselbe Nachsorge wie nach anderen schweren Infektionen.

Ein Medikament, das den Lassa-Hörverlust zuverlässig rückgängig macht, ist nicht etabliert. Hörgeräte, logopädische und soziale Unterstützung bleiben die praktischen Wege. Impfstoffstudien schließen Hörschwellen ausdrücklich ein, weil Gehörschäden sowohl Folge der Infektion als auch theoretisch der Impfung überwacht werden müssen.

Wie lässt sich das Ansteckungsrisiko senken?

Nager vom Essen fernhalten ist wirksamer als der Versuch, alle Mäuse einer Region zu tilgen. Die WHO und das CDC empfehlen nagerdichte Behälter für Getreide und Vorräte, saubere Haushalte, Müll weit weg vom Wohnraum, gründliches Garen und Verzicht auf den Verzehr dieser Ratten. Beim Reinigen von Räumen mit sichtbarem Kot soll nicht trocken gefegt werden; das CDC hat eigene Anleitungen zur feuchten Aufnahme von Nagerkot.

Im Krankenhaus gelten Standardhygiene plus zusätzliche Barriere: Handschuhe, Kittel, Maske, Schutzbrille, sichere Injektionen, Isolation bis zur klinischen Freigabe. Bestattungen ohne Berühren des Leichnams senken das Risiko. Laborproben laufen nur über geschultes Personal.

Für Reisende bleibt das Risiko klein, wenn sie nicht in ländlichen Häusern mit offenem Getreide schlafen, keine Nager zubereiten und Kranke nicht ungeschützt pflegen. Das ECDC rät, Menschen mit Blutungsfieber-Zeichen zu meiden, Obst zu waschen und zu schälen, Fleisch unklarer Herkunft nicht zu essen und bei Beerdigungen Distanz zu halten. Feldarbeiter, Agrarbeschäftigte und medizinische Teams brauchen Schulung und Schutzausrüstung vor der Abreise, nicht erst im Ausbruch.

Nach der Entlassung gelten die oben genannten Hinweise zu Urin und Sperma. Kondome oder Enthaltsamkeit für die von der Klinik genannte Frist schützen Partner, auch wenn die WHO noch keinen bewiesenen Sexualfall zählt. Eine Quarantäne für symptomfreie Touristen ohne Risikoexposition ist in Europa nicht die Regel; Fieber im 21-Tage-Fenster ändert das Bild sofort.

Praktisch hilft in Endemiegebieten eine kurze Liste, die sich ohne Spezialgerät umsetzen lässt:

  • Vorräte kommen in geschlossene, nagerdichte Behälter, nicht in offene Säcke auf dem Boden.
  • Kehren und Wischen von sichtbarem Kot erfolgt feucht, mit Handschuhen, nicht als Staubwolke.
  • Kranke Angehörige werden ohne direkten Kontakt zu Blut, Erbrochenem und Urin gepflegt.
  • Nadeln, Verbände und verschmutzte Wäsche gelten als infektiös, bis sie sicher entsorgt oder gewaschen sind.
  • Nach der Genesung bleibt geschützter Sex für die von der Klinik genannte Frist die vorsichtige Variante.

Gibt es schon einen Impfstoff?

Einen zugelassenen Impfstoff gegen Lassa-Fieber gibt es nicht. Garry fasste 2023 in Nature Reviews Microbiology zusammen, dass trotz Fortschritten bei Diagnostik und Gegenmitteln weder Impfstoff noch Therapie für den Menschen zugelassen sind. Das gilt 2026 weiter.

Mehrere Kandidaten laufen in Studien. Eine Phase-2-Prüfung des rekombinanten Vesikulär-Stomatitis-Virus-Impfstoffs rVSVΔG-LASV-GPC (NCT05868733) rekrutiert seit März 2024 Erwachsene, HIV-positive Personen und Kinder in Ghana, Liberia und Nigeria; die geplante primäre Auswertung reicht bis Ende 2026, der Abschluss bis 2027. Ziel sind Sicherheit und Immunantwort, noch nicht der Nachweis, dass die Impfung Erkrankungen in der Bevölkerung verhindert. Weitere Plattformen, darunter Masernvektor- und Tollwutvektor-Konstrukte, befinden sich in früheren Phasen. Schwangere waren in den bisher ausgewerteten klinischen Impfstudien nicht die Zielgruppe.

Solange keine Zulassung vorliegt, bleibt Vorbeugung eine Sache von Nagerschutz, Krankenhaushygiene und früher Isolation. Eine Reiseimpfung analog zu Gelbfieber können Reisende nicht buchen.

Häufige Fragen

Kann man sich in Deutschland mit Lassa-Fieber anstecken?

Eine Ansteckung in der Allgemeinbevölkerung ist äußerst unwahrscheinlich, weil der Reservoirnager in Europa fehlt. Importierte Fälle kommen selten vor, meist bei medizinischem Personal nach Arbeit in Endemiegebieten. Übertragen wird dann über Körperflüssigkeiten eines Kranken, nicht über Händedruck oder gemeinsame Verkehrsmittel ohne Kontakt zu Blut oder Sekreten.

Ist Lassa-Fieber so gefährlich wie Ebola?

Beide gehören zu den viralen hämorrhagischen Fiebern, verlaufen aber unterschiedlich. Lassa-Fieber bleibt bei etwa 80 Prozent der Infizierten mild, während Ebola unter erkannten Fällen weit höhere Sterblichkeit zeigt. Schwere Lassa-Verläufe, besonders in der Schwangerschaft und im Krankenhaus, können trotzdem tödlich enden. Die Unterscheidung trifft das Labor, nicht der erste Blick auf Fieber und Durchfall.

Hilft Ribavirin wirklich gegen Lassa-Fieber?

Das ist offen. Ältere Arbeiten und mehrere Klinikhandbücher beschreiben einen möglichen Nutzen, wenn die Infusion früh beginnt. Die WHO (Dezember 2024) und die systematische Übersicht von Cheng und Kollegen (2022) halten diese Daten für unsicher und verzerrt. Ribavirin bleibt in vielen Endemiekrankenhäusern Teil der Praxis, ist aber kein zugelassenes, eindeutig belegtes Heilmittel.

Brauche ich nach einer Westafrika-Reise eine Quarantäne?

Symptomfreie Reisende ohne besondere Exposition müssen sich in Europa in der Regel nicht isolieren. Fieber, starke Schwäche oder Blutungen innerhalb von 21 Tagen nach Rückkehr ändern das: zuerst anrufen, Reiseweg nennen, Isolationsregeln der Klinik befolgen. Eine pauschale Quarantäne für jeden Urlaub in Nigeria oder Ghana ist nicht die Empfehlung der Reisemedizin.

Bleibt der Hörverlust nach Lassa-Fieber dauerhaft?

Er kann dauerhaft bleiben, muss es aber nicht. Behörden nennen 20 bis 33 Prozent Betroffene; ein Teil erholt sich in Wochen bis Monaten, ein Teil behält eine bleibende Schwerhörigkeit. Der Hörverlust hängt nicht zuverlässig an der Schwere des Fiebers. Ein Hörtest nach der Erkrankung ist sinnvoll, auch wenn der Aufenthalt im Krankenhaus kurz war.

Gibt es eine Impfung vor der Reise nach Westafrika?

Nein. Mehrere Impfstoffkandidaten werden in Westafrika geprüft, darunter eine Phase-2-Studie mit einem VSV-Vektor. Für Reisende gibt es kein zugelassenes Präparat. Nagerschutz, saubere Vorräte und Abstand zu ungeschützter Krankenpflege bleiben die verfügbaren Maßnahmen.

Fazit

Lassa-Fieber ist in Teilen Westafrikas fest verankert und für die meisten Infizierten eine unerkannte oder milde Krankheit. Gefährlich wird sie, wenn Organe versagen, wenn eine Schwangerschaft dazukommt oder wenn Krankenhäuser ohne Schutz arbeiten. Für Reisende aus Europa bleibt das Risiko klein, solange sie keine Nager zubereiten und keine Kranken ungeschützt pflegen.

Wer innerhalb von drei Wochen nach Rückkehr Fieber bekommt, soll den Aufenthalt nennen und nicht selbst diagnostizieren. Ribavirin ist nicht mehr der unbestrittene Standard, den Texte um 2018 noch zeichneten; frühe Flüssigkeits- und Organtherapie zählt, Studien zu neuen Mitteln laufen. Ein Impfstoff ist in Sichtweite der Phase 2, aber nicht an der Reisemedizin-Theke.

Nach einer überstandenen Erkrankung lohnt der Blick auf das Gehör und, nach Klinikrat, auf geschützten Sex für einige Monate. Das ist nüchterne Nachsorge, kein Grund zur Panik in deutschen Wartezimmern.

Quellen

  1. WHO: Lassa fever fact sheet. World Health Organization, 5. Dezember 2024.
  2. CDC: About Lassa Fever. Centers for Disease Control and Prevention, 31. Januar 2025.
  3. Carmona S: Lassa Fever – Infectious Disease. MSD Manual Professional Edition, Stand: August 2026.
  4. Thielebein A, Ighodalo Y, Taju A et al.: Virus persistence after recovery from acute Lassa fever in Nigeria: a 2-year interim analysis of a prospective longitudinal cohort study. The Lancet Microbe, Januar 2022.
  5. ECDC: Disease information on Lassa fever. European Centre for Disease Prevention and Control, Stand: 2024.
  6. Cleveland Clinic: Lassa Fever: Causes, Symptoms, Diagnosis & Treatment. Cleveland Clinic, 20. Juni 2023.
  7. Cheng HY, French CE, Salam AP et al.: Lack of Evidence for Ribavirin Treatment of Lassa Fever in Systematic Review of Published and Unpublished Studies. Emerging Infectious Diseases, August 2022.
  8. Kayem ND, Benson C, Aye CYL et al.: Lassa fever in pregnancy: a systematic review and meta-analysis. Transactions of the Royal Society of Tropical Medicine and Hygiene, 7. Mai 2020.
  9. International AIDS Vaccine Initiative: A Lassa Fever Vaccine Trial in Adults and Children Residing in West Africa. ClinicalTrials.gov, Stand: 2026.
  10. Garry RF: Lassa fever – the road ahead. Nature Reviews Microbiology, Februar 2023.
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