
Eine Thyreoglossus-Zyste ist eine angeborene, mit Flüssigkeit gefüllte Aussackung in der vorderen Halsmitte. Sie entsteht aus einem Rest des Ductus thyreoglossus, dem Wanderweg der Schilddrüse vom Zungengrund nach unten.
Der Knoten sitzt meist in Höhe des Zungenbeins, fühlt sich weich und rund an und steigt, wenn geschluckt oder die Zunge vorgestreckt wird. Viele Kinder und manche Erwachsene merken ihn erst, wenn ein Infekt der oberen Atemwege die Zyste aufbläht und schmerzhaft macht. Sie bildet sich nicht von selbst zurück. Die Standardbehandlung ist die Sistrunk-Operation: Zyste, Restkanal und das mittlere Drittel des Zungenbeins werden entfernt, weil ein bloßes Ausschälen nach aktuellen Übersichten in rund der Hälfte der Fälle zum Wiederauftreten führt.
Was ist eine Thyreoglossus-Zyste?
Eine Thyreoglossus-Zyste ist die häufigste angeborene zystische Halsfehlbildung. Sie entsteht, wenn der embryonale Schilddrüsengang nicht vollständig verschwindet und sich Sekret in dem verbliebenen Schlauch sammelt.
StatPearls (Aktualisierung Juli 2025) nennt eine Prävalenz von etwa sieben Prozent für Reste dieses Gangs. Tastbar und sichtbar wird nur ein Teil; die Cleveland Clinic (Stand Februar 2022) beschreibt die klinisch wahrgenommene Zyste als eher selten und meist vor dem zehnten Lebensjahr entdeckt. Die Größe liegt oft um zwei Zentimeter. Frauen und Männer sind gleich betroffen. Auch Jugendliche und Erwachsene können denselben Befund erstmals bemerken, wenn eine Erkältung die Schwellung plötzlich groß und rot macht.
Der Sitz hängt am Zungenbein. StatPearls verteilt die Lagen so: 20 bis 25 Prozent oberhalb, 15 bis 20 Prozent in Höhe und 25 bis 65 Prozent unterhalb des Knochens. Selten liegt der Rest am Zungengrund. Typisch bleibt die Mittellinie. Seitliche Knoten gehören eher zu Kiemengangszysten oder Lymphknoten. Histologisch kleidet Atemwegs- oder Plattenepithel die Höhle aus; in rund 70 Prozent der Präparate finden sich kleine Inseln ektopen Schilddrüsengewebes in der Wand. Das ist etwas anderes als eine komplette ektope Schilddrüse, bei der im Hals gar keine normale Drüse liegt.
Ohne Operation bleibt der Hohlraum. Die Cleveland Clinic hält fest, dass sich solche Zysten nicht von selbst auflösen. Hausmittel, Salben oder „Abwarten, bis der Infekt vorbei ist“ ersetzen die Klärung nicht. Der Infekt kann abklingen, der Restkanal bleibt und kann sich erneut füllen.

Wie entsteht der Restkanal vor der Geburt?
Die Schilddrüse beginnt in der dritten Schwangerschaftswoche als Ausstülpung am Zungengrund, am Foramen caecum. Von dort wandert die Anlage nach unten, vorbei am sich bildenden Zungenbein, und erreicht bis zur siebten Woche ihren Platz vor der Luftröhre.
Der schmale Verbindungsschlauch heißt Ductus thyreoglossus. Bei etwa der Hälfte der Menschen wird sein unteres Ende zum Pyramidallappen der Schilddrüse. Der Rest soll sich bis zur zehnten Woche zurückbilden. Bleibt ein Segment offen, können Epithelzellen Schleim absondern. Entzündung und Sekret stauen sich zu einer Zyste. Warum der Gang bei manchen Kindern offen bleibt, ist unbekannt; eine familiäre Häufung ist nach Angaben der American Academy of Family Physicians (2021) selten.
Das Zungenbein wächst um den Weg herum. Deshalb kann der Kanal vor, hinter oder durch den Knochen ziehen. Genau deshalb reicht es nicht, nur die sichtbare Blase herauszuschälen. Boston Children’s Hospital betont, dass die Verbindung zum Zungengrund mit dem mittleren Zungenbeinanteil entfernt werden muss, sonst bleibt Gewebe zurück. Das Merck Manual (Verbraucherfassung, März 2025) ordnet solche Zysten unter die angeborenen Halsmassen ein, die oft erst auffallen, wenn sie sich entzünden.
Eine feste Schilddrüse im unteren Hals schließt die Wanderung als abgeschlossen. Fehlt sie dort, kann der mittige Knoten die einzige funktionierende Drüse sein. Das ist selten, ändert aber die Aufklärung vor jedem Eingriff: Nach der Entfernung wäre dann eine lebenslange Hormongabe nötig.
Welche Symptome treten auf?
Das häufigste Zeichen ist ein schmerzloser, weicher, rundlicher Knoten genau in der vorderen Halsmitte. Er wandert nach oben, wenn die Zunge herausgestreckt wird oder geschluckt wird.
CHOP beschreibt den Befund bei Vorschulkindern bis zu Jugendlichen, gleich häufig bei Jungen und Mädchen. Manche Familien tasten ihn zufällig beim Waschen, manche Ärztinnen und Ärzte sehen ihn bei einer Vorsorgeuntersuchung. Ein Infekt der oberen Atemwege lässt die Zyste oft rasch anschwellen. Dann wird die Haut rot, warm und druckschmerzhaft. Selten bricht der Inhalt nach außen und hinterlässt eine kleine Öffnung, aus der Schleim sickert. CHOP nennt diese Fistel ungewöhnlich und meist als Folge einer vorausgegangenen Infektion.
Schluckbeschwerden oder ein Druckgefühl treten auf, wenn die Zyste größer wird. Atemnot ist selten, aber der Grund, warum ein rasch wachsender, schmerzhafter mittiger Knoten nicht bis zum nächsten Werktag warten sollte. Die Cleveland Clinic listet zusätzlich das Platzen mit Flüssigkeitsaustritt und die seltene bösartige Entartung. Viele Trägerinnen und Träger haben über Jahre gar keine Beschwerden; die Zyste wird dann erst sichtbar, wenn sie sich infiziert.
Erwachsene berichten öfter über Druck und Schluckstörung als Kinder. Das ändert die Dringlichkeit nicht: Jeder neue mittige Halsknoten gehört untersucht, weil Lymphknoten, Dermoidzysten, Schilddrüsenknoten und sehr selten Tumoren dasselbe Feld besetzen.
Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme?
Ein neu tastbarer mittiger Halsknoten gehört in die kinderärztliche oder hausärztliche Sprechstunde, auch wenn er nicht schmerzt. Rötung, Fieber und Druckschmerz rechtfertigen denselben Tag, weil zuerst die Infektion behandelt wird.
Die American Academy of Family Physicians (2014) rät bei angeborenen Halsmassen zur Entfernung, um Wachstum und Folgeinfekte zu verhindern. Das ist keine Notfallindikation, sondern eine geplante Überweisung an die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde oder Kinderchirurgie, sobald die Diagnose wahrscheinlich ist. Sofort in die Notaufnahme gehören Atemnot, Speichel, der nicht geschluckt werden kann, eine sehr rasch wachsende schmerzhafte Schwellung oder ein Kind, das schwer krank wirkt. Solche Verläufe sind ungewöhnlich, aber in Fallberichten als Atemwegsbedrohung beschrieben.
Nach einer Operation gelten klarere Schwellen. Die Cleveland Clinic nennt Fieber ab 38,0 °C, Rötung, Schwellung, Wundsekret und Schmerz, der trotz verordneter Mittel nicht nachlässt. CHOP nutzt in der eigenen Nachsorge eine etwas höhere Fieberschwelle (101,5 °F, rund 38,6 °C) und ergänzt einen neuen mittigen Knoten als Grund zum Anruf. Beides meint dasselbe: frische Entzündungszeichen an der Halswunde nicht zu Hause „auszukurieren“.
| Situation | Wohin | Was dahintersteckt |
|---|---|---|
| Schmerzloser mittiger Knoten, Kind sonst wohl | Praxis in den nächsten Tagen | Typische Zyste, Abgrenzung zu Dermoid und Lymphknoten |
| Rötung, Druckschmerz, Fieber nach Schnupfen | Praxis am selben Tag | Infizierte Zyste, zuerst Antibiotika |
| Atemnot, Speichelstau, rasche Zunahme | Notaufnahme | Seltene Einengung der Atemwege |
| Harter, wachsender Knoten, geschwollene Lymphknoten | Zeitnah Facharzt | Selten Karzinom, vor allem bei Erwachsenen |
| Fieber oder Wundsekret nach der Operation | Praxis oder Klinik, die operiert hat | Wundinfekt, Hämatom oder Fistel |
Kein Hausmittel ersetzt die Untersuchung. Wärme, Zugsalbe oder das Ausdrücken einer Öffnung können die Infektion tiefer treiben und die spätere Operation erschweren.
Wie stellen Ärzte die Diagnose?
Die Verdachtsdiagnose entsteht am Hals, nicht im Labor. Ein mittiger, mit der Zunge mitwandernder Knoten plus Ultraschall, der eine Zyste und eine normale Schilddrüse zeigt, reicht in den meisten Fällen.
Ultraschall ist das erste Bild. StatPearls, Boston Children’s Hospital, CHOP und die AAFP (2014) nennen ihn, weil er keine Strahlung braucht, bei Kindern ohne Sedierung auskommt und zwei Fragen klärt: Ist die Masse flüssigkeitsgefüllt, und liegt eine orthotope Schilddrüse im unteren Hals? Fehlt die Drüse und wirkt der Knoten solid, muss an eine ektope Schilddrüse gedacht werden. CT oder MRT kommen dazu, wenn der Befund unklar ist, tief reicht oder ein Abszess gesucht wird. Ältere Ratgeber listeten Kontrastmittelröntgen und Schilddrüsenszintigrafie fast routinemäßig. Solange der Ultraschall eine normale Drüse zeigt, gilt die Szintigrafie heute nicht mehr als Pflichtprogramm.
Laborwerte sind bei unkomplizierten Zysten nach StatPearls nicht pauschal nötig. Manche Operierende bestimmen dennoch TSH, besonders wenn eine ektope Drüse im Raum steht. Ein normaler TSH-Wert schließt eine ektope Schilddrüse nicht aus; das Bild entscheidet. Feinnadelpunktion kann bei Erwachsenen helfen, Zellen zu gewinnen, wenn ein solider Anteil oder ein Karzinomverdacht besteht. Bei Kindern bleibt sie Ausnahme. Die endgültige Zuordnung liefert oft erst die Pathologie nach der Entfernung. Boston Children’s Hospital erinnert, dass Dermoidzysten klinisch und im Bild so ähnlich aussehen können, dass erst das Mikroskop trennt.
Überweisung geht an die HNO oder Kinderchirurgie, nicht an eine „Abwarte-Liste“ ohne Bild. Das Merck Manual (2025) hält fest, dass virale Lymphknoten oft von selbst kleiner werden, Zysten und Tumoren dagegen in der Regel eine Operation brauchen. Genau diese Unterscheidung leistet der Ultraschall.
Warum Sistrunk und nicht nur die Zyste?
Die definitive Behandlung ist die vollständige Entfernung nach Sistrunk, nicht das Ausschälen der sichtbaren Blase. Ohne mittleres Zungenbeindrittel und ohne Kern aus dem Zungengrund bleibt Kanalgewebe zurück.
StatPearls beziffert Rückfälle nach einfacher Exzision auf 45 bis 55 Prozent, nach Sistrunk auf etwa fünf Prozent; in der Prognosepassage steht zugleich, dass nach Operationen insgesamt rund zehn Prozent wiederkehren können, stark abhängig von der Technik. Boston Children’s Hospital nennt bis zu 50 Prozent Rezidive, wenn das mittlere Zungenbein bleibt. Eine saudi-arabische Mehrzentrenarbeit (2020) fand in einer kleinen Serie keinen Rückfall nach Sistrunk gegenüber 70 Prozent nach bloßer Exzision; die Zahlen sind lokal und klein, stützen aber dieselbe Richtung. Für Kinder zitiert dieselbe Arbeit ältere Übersichten mit etwa 6,6 Prozent Rezidiven trotz Sistrunk oder modifiziertem Sistrunk.
Der Eingriff läuft in Vollnarkose. Der Schnitt liegt über der Schwellung. Entfernt werden Zyste, Trakt und das mittlere Drittel des hufeisenförmigen Zungenbeins, oft plus ein Gewebskern Richtung Foramen caecum. CHOP führt den Eingriff häufig tagesklinisch; ein Drain kann je nach Größe für wenige Tage liegen. Das entfernte Gewebe geht immer in die Pathologie, auch wenn niemand Krebs erwartet. Das mittlere Zungenbein zu opfern, beeinträchtigt nach Boston Children’s Hospital weder Sprechen noch Schlucken.
Ältere Texte dieser Seite nannten pauschal etwa 90 Minuten und fast immer eine Übernachtung. Aktuelle Klinikseiten sprechen von einem geplanten Halseingriff, oft ambulant, mit individueller Verweildauer. Entscheidend bleibt nicht die Uhr, sondern dass der Kanal vollständig mitgeht. Bei Rezidiven nach unvollständiger erster Operation beschreiben Übersichten erweiterte Resektionen im vorderen Hals, nicht ein zweites bloßes Ausschälen.

Was tun bei Infektion vor dem Eingriff?
Eine gerötete, schmerzhafte, fieberhafte Zyste wird zuerst antibiotisch ruhiggestellt. Operiert wird, wenn die Entzündung abgeklungen ist, weil das Gewebe dann klarer zu verfolgen ist.
StatPearls empfiehlt die Antibiotikawahl nach Kultur, soweit Eiter gewonnen wurde. Oral reichen in den meisten Fällen Amoxicillin, Amoxicillin plus Clavulansäure oder Clindamycin; genaue Milligramm setzt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt nach Alter und Gewicht, nicht dieser Text. Die AAFP (2021) beschreibt bei Verdacht auf Infekt zunächst einen Versuch über zwei bis drei Tage und Bildgebung, wenn keine Besserung eintritt, um einen Abszess nicht zu übersehen. CHOP und Boston Children’s Hospital warten mit der Sistrunk-Operation, bis der Infekt behandelt ist. Eine ältere Kinderchirurgieserie (2005) fand 25 Prozent Rezidive, wenn während der akuten Entzündung operiert wurde, und keines, wenn erst nach Abklingen eingegriffen wurde. Das ist eine einzelne ältere Beobachtung, passt aber zu dem, was große Kinderkliniken heute schreiben.
Eine offene Spaltung soll die Ausnahme bleiben. Narben und verschobene Anatomie machen die spätere komplette Entfernung schwerer. Lebensbedrohliche Sepsis oder eine bedrohte Atemstraße können trotzdem eine Entlastung erzwingen. Wiederholte Punktionen sind kein Ersatz für die geplante Operation, können aber vorübergehend Druck nehmen und Material für die Mikrobiologie liefern.
Je früher die Zyste entfernt wird, bevor sie sich mehrfach infiziert, desto übersichtlicher bleibt das Feld. Boston Children’s Hospital schreibt ausdrücklich, dass die Entfernung vor dem ersten Infekt bessere Ergebnisse liefert als nach wiederholten Entzündungen.
Kann die Zyste bösartig werden?
Ja, aber selten: unter einem Prozent der Thyreoglossus-Zysten tragen ein Karzinom, meist ein papilläres Schilddrüsenkarzinom. Bei Kindern ist das extrem ungewöhnlich, bei Erwachsenen etwas häufiger.
StatPearls (2025) verteilt die Typen auf 92,1 Prozent papilläres Karzinom und 4,3 Prozent Plattenepithelkarzinom. In 73,3 Prozent der Fälle fällt der Befund erst unter dem Mikroskop auf, nicht schon am tastbaren Hals. Die Cleveland Clinic spricht von weniger als 300 berichteten Karzinomfällen über mehr als hundert Jahre; neuere Sammelarbeiten zählen inzwischen mehr dokumentierte Patientinnen und Patienten, ohne die Größenordnung „selten“ zu kippen. Überlebensraten um 99,4 Prozent und Rezidive um 4,3 Prozent nennt StatPearls für diese spezielle Situation. Das ist keine Garantie für den Einzelfall, erklärt aber, warum Panik unangebracht ist und warum jedes Präparat trotzdem histologisch gelesen wird.
Hinweise, die Erwachsene zur rascheren Abklärung bringen sollten, sind ein härter werdender, wachsender mittiger Knoten und geschwollene seitliche Lymphknoten. Die Therapie beginnt meist mit Sistrunk, danach folgen Beurteilung der Schilddrüse und der seitlichen Halslymphknoten. Je nach Ausbreitung können totale Thyreoidektomie, Neck-Dissection und Radiojod nötig werden. Die Cleveland Clinic zitiert Arbeiten, nach denen Operation plus Nachbehandlung rund 95 Prozent dieser Karzinome kontrolliert. „Kontrolliert“ heißt nicht, dass niemand Nachsorge braucht.
Bei Kindern bleibt das Karzinom so selten, dass die Routine nicht aus einer onkologischen Angst besteht, sondern aus Infektvermeidung und vollständiger Entfernung. Die Pathologie nach Sistrunk ist trotzdem Standard, nicht optional.
Gibt es Alternativen zur Operation?
Medikamente heilen den Restkanal nicht. Antibiotika behandeln nur die Infektion. Beobachtung ohne Eingriff lässt die Zyste an Ort und Stelle, mit dem Risiko späterer Infekte.
Ultraschallgesteuerte Ethanolablation wird seit wenigen Jahren vor allem bei Erwachsenen erprobt. StatPearls (2025) führt sie als mögliche neue Strategie, nicht als Ersatzstandard für Kinder. Eine koreanische Vergleichsstudie (Ultrasonography, Januar 2024, 72 Patientinnen und Patienten) fand nach Ethanol eine mittlere Volumenabnahme von 94,1 Prozent gegenüber vollständiger Entfernung durch Sistrunk; der Erfolg lag bei 97 gegenüber 100 Prozent. Rund ein Viertel brauchte mehrere Sitzungen. Komplikationen waren in der Ethanolgruppe seltener, die Eingriffszeit kürzer. Das ist eine einzelne retrospektive Serie an ausgewählten, meist erwachsenen Patientinnen und Patienten, keine Leitlinie für das Vorschulkind. Wer eine Narbe oder Narkose scheut, kann die Option mit einem erfahrenen Zentrum besprechen; der Restkanal bleibt dabei anders als bei Sistrunk nicht im selben Sinn entfernt.
Keine Salbe, kein „Ausstreichen“ und kein Abwarten über Monate ersetzen die Entscheidung. Das Merck Manual (2025) trennt klar: virale Lymphknoten schrumpfen oft von selbst, Zysten brauchen in der Regel die Operation. Wer den Eingriff verschiebt, sollte wissen, dass jeder durchgemachte Infekt das Gewebe vernarben und die spätere Präparation erschweren kann.
Heilung und Komplikationen nach der Operation?
Die meisten Kinder gehen nach Sistrunk ohne dauerhafte Einschränkung nach Hause. Schule oder Arbeit sind nach StatPearls und Cleveland Clinic oft nach etwa einer Woche wieder möglich; schweres Heben soll zwei bis sechs Wochen ruhen.
Häufigste Komplikation ist der Rückfall, in Übersichten um fünf bis zehn Prozent, höher nach Infekt, nach unvollständiger Resektion oder nach intraoperativem Einreißen der Zyste. Hämatom, Serom und Wundinfekt kommen vor wie nach jedem offenen Halseingriff. Selten verletzt eine Verwechslung von Zungenbein und Schildknorpel den Kehlkopf; ebenso selten kann der Hypoglossusnerv betroffen sein, wenn die Resektion zu weit seitlich geht, mit einseitiger Zungenschwäche. Eine Fistel mit anhaltendem Sekret braucht manchmal eine Nachbehandlung.
Unterfunktion der Schilddrüse entsteht praktisch nur, wenn die entfernte Masse die einzige funktionierende Drüse war. Ältere Fassungen dieser Seite schrieben fälschlich von einer Überfunktion. Gemeint ist das Gegenteil: weniger Hormon, falls kein orthotopes Gewebe bleibt. Genau deshalb steht der Ultraschall vor der Operation. Kleine ektope Inseln in der Zystenwand (rund 70 Prozent der Präparate) ersetzen die Halsdrüse nicht.
CHOP verschließt die Haut oft mit selbstauflösenden Fäden plus Hautkleber; Duschen kann früh erlaubt sein, Baden und Schwimmen erst, wenn der Kleber ab ist. Die Kontrolle liegt häufig zwei bis vier Wochen nach dem Eingriff. Fieber, Rötung, Sekret und unstillbarer Schmerz gehören nicht in die Selbstbeobachtung, sondern an das operierende Team. Narben am vorderen Hals sind unvermeidlich; hypertrophe Narben und Keloide kommen vor, bleiben aber die Minderheit.
Häufige Fragen
Verschwindet eine Thyreoglossus-Zyste von selbst?
Nein. Die Cleveland Clinic stellt klar, dass der Hohlraum bleibt, bis er chirurgisch entfernt wird. Ein Infekt kann abschwellen und den Knoten vorübergehend kleiner machen. Der Restkanal füllt sich später oft erneut.
Muss jedes Kind operiert werden, auch ohne Beschwerden?
In der Regel ja, geplant und nach Bildgebung, nicht als Notfall. Die AAFP (2014) empfiehlt die Entfernung angeborener Halsmassen, um Wachstum und Folgeinfekte zu vermeiden. Ausnahmen bespricht das Fachteam, etwa wenn der Allgemeinzustand einen Eingriff vorübergehend verbietet.
Wie sicher ist die Sistrunk-Operation?
Rückfälle liegen nach vollständiger Technik meist im einstelligen Prozentbereich, nach bloßem Ausschälen in der Größenordnung der Hälfte. Sprechen und Schlucken leiden durch das mittlere Zungenbein in der Regel nicht. Seltene Risiken sind Nachblutung, Infekt, Fistel und sehr selten Nerven- oder Kehlkopfverletzung.
Kann die Zyste Krebs sein?
Bei unter einem Prozent, fast immer erst in der Histologie und vorwiegend bei Erwachsenen. Papilläre Karzinome überwiegen, die Prognose nach Sistrunk plus individueller Nachbehandlung ist in Übersichten sehr günstig. Jedes entfernte Gewebe wird deshalb mikroskopisch untersucht.
Braucht mein Kind nach der Operation Schilddrüsenhormone?
Nur wenn vor der Operation keine normale Drüse im unteren Hals nachweisbar war und die Zyste das einzige hormonbildende Gewebe trug. Das ist selten. Der Ultraschall vor dem Eingriff soll genau das klären. Inseln in der Zystenwand allein ersetzen die Drüse nicht.
Darf man eine infizierte Zyste ausdrücken?
Nein. Druck und Hausmittel können Eiter in die Umgebung pressen und die spätere Präparation erschweren. Antibiotika nach ärztlicher Vorgabe und, wenn nötig, eine kontrollierte Entlastung in der Klinik sind der sichere Weg.

Fazit
Ein mittiger, mit der Zunge mitwandernder Halsknoten bei einem Kind ist bis zum Beweis des Gegenteils eine Thyreoglossus-Zyste. Der nächste Schritt ist der Ultraschall: Zyste bestätigen, Schilddrüse am richtigen Ort nachweisen, andere Knoten abgrenzen. Labor und Szintigrafie sind 2025 keine Automatismen mehr.
Infekte gehören zuerst antibiotisch ruhiggestellt, die geplante Sistrunk-Operation folgt im entzündungsfreien Intervall. Wer nur die Blase entfernen lässt, trägt ein deutlich höheres Rückfallrisiko. Ethanolablation ist eine Option für ausgewählte Erwachsene in erfahrenen Zentren, nicht der Standard für Vorschulkinder. Krebs bleibt die Ausnahme und wird fast immer erst unter dem Mikroskop entdeckt.
Wer morgen handelt, vereinbart den Ultraschalltermin, lässt eine gerötete Zyste am selben Tag ansehen und plant den Eingriff mit HNO oder Kinderchirurgie, statt auf ein Verschwinden zu warten, das nicht kommt.
Quellen
- Amos J, Sutton AE, Shermetaro C.: Thyroglossal Duct Cyst. StatPearls, 6. Juli 2025.
- Cleveland Clinic: Thyroglossal Duct Cysts in Children & Adults: Symptoms & Surgery. Cleveland Clinic, Stand: 2022.
- Boston Children’s Hospital: Thyroglossal Duct Cyst. Boston Children’s Hospital, Stand: 2024.
- Children’s Hospital of Philadelphia: Thyroglossal Duct Cyst. Children’s Hospital of Philadelphia, Stand: 2024.
- Shah UK: Neck Masses in Children. Merck Manual Consumer Version, März 2025.
- Meier JD, Grimmer JF: Evaluation and Management of Neck Masses in Children. American Family Physician, 1. März 2014.
- Veeraraghavan N, Bharwani H, Habib H: Acute Neck Swelling in a Child. American Family Physician, 1. April 2021.
- Ahn D, Kwak JH, Lee GJ et al.: Ultrasound-guided ethanol ablation versus the Sistrunk operation as a primary treatment for thyroglossal duct cysts. Ultrasonography, Januar 2024.
- Alahmadi AA, Bawazir OA, Rajab MK et al.: Thyroglossal duct surgery. What is the acceptable recurrence rate?. Saudi Medical Journal, August 2020.
