BMPEA-Stimulans in Nahrungsergänzungsmitteln bleibt Risiko

BMPEA-Stimulans in Nahrungsergänzungsmitteln bleibt Risiko

β-Methylphenylethylamin (BMPEA) ist ein synthetisches, amphetaminähnliches Stimulans. Die US-Arzneimittelbehörde FDA stuft es seit 2015 nicht als legalen Nahrungsinhaltsstoff ein. Wer Abnehmkapseln, Fatburner oder Vortrainingspulver mit Acacia rigidula oder einem der vielen BMPEA-Synonyme kauft, kann den Stoff trotzdem schlucken, weil Warnschreiben den Handel nicht zuverlässig leeren.

Unabhängige Chemiker maßen 2015 in mehr als der Hälfte getesteter Acacia-Marken pharmakologisch relevante Mengen. Eine spätere Stichprobe von 2022 fand gewarnte Stimulans-Produkte im Mittel sechs Jahre nach dem Behördenbrief noch im Netz, oft mit dem nächsten verbotenen Analogon. Nutzen und Sicherheit von BMPEA wurden beim Menschen nie in einer kontrollierten Studie geprüft. Der folgende Text erklärt Herkunft, Rechtslage, Herz-Kreislauf-Signale und wann Sie das Mittel stehen lassen und ärztliche Hilfe suchen.

Was BMPEA ist und warum der Stoff in Kapseln landet

BMPEA ist ein Positionsisomer von Amphetamin, also dieselbe Atomzahl bei anderer Stellung der Methylgruppe. Chemiker synthetisierten die Verbindung in den 1930er-Jahren als möglichen Amphetaminersatz. Eine kontrollierte Prüfung von Wirkung und Verträglichkeit beim Menschen blieb aus. Cohen und Kollegen nannten 2015 nur eine Ausscheidungsstudie von 1942 mit 15 mg bei acht Personen, ohne dokumentierte Blutdruck- oder Herzfrequenzwerte.

Im Labor wirkt der Stoff als Substrat am Noradrenalintransporter. Schindler und die Gruppe des US-National Institute on Drug Abuse zeigten 2019 an wachen Ratten, dass BMPEA den Blutdruck ähnlich stark anheben kann wie Amphetamin, während Laufaktivität und Herzfrequenz kaum stiegen. Der Druckanstieg ließ sich mit dem α-Blocker Prazosin umkehren, nicht mit einem Ganglienblocker. Daraus folgt kein Dosierschema für Menschen, wohl aber ein biologisch plausibler Weg zu Bluthochdruck.

Hersteller mischten BMPEA in Mittel, die Abnehmen, Konzentration oder Trainingsleistung versprechen. Pawar und Grundel beschrieben 2017 in einer Behördenübersicht, wie synthetische Phenylethylamine (BMPEA, Methylsynephrin, α-Ethylphenylethylamin) und ältere Arzneistoffe wie Sibutramin immer wieder in solchen Produkten auftauchen. Der Reiz liegt im stimulierenden Gefühl, nicht in einer zugelassenen Indikation.

Nahrungsergänzungsmittel

Was FDA-Chemiker 2013 und 2014 in Acacia-Präparaten maßen

Mitarbeiter der FDA untersuchten authentisches Blattmaterial von Acacia rigidula und 21 im Handel gekaufte Mittel, die diesen Strauch auf dem Etikett führten. In den Blättern lagen sechs biogene Amine zusammen nur bei 18,6 und 32,9 Mikrogramm pro Gramm. In den Kapseln und Pulvern dagegen fanden sich Phenylethylamin in Mengen von 710 bis 171.620 Mikrogramm pro Gramm und BMPEA in 9 der 21 Produkte mit 960 bis 60.500 Mikrogramm pro Gramm.

BMPEA gilt in dieser Arbeit als nicht natürlicher Stoff. Die Autoren schrieben, aus Pflanzenmaterial oder Extrakt der Akazie lasse sich die gemessene Phenylethylamin-Last praktisch nicht erklären. Eine unabhängige Gaschromatographie bestätigte BMPEA und schloss Amphetamin aus, weil beide Isomere in der Flüssigchromatographie leicht verwechselt werden.

Die Proben stammten aus Käufen ab 2012. Die Behörde veröffentlichte die Analytik 2014 im Journal of Pharmaceutical and Biomedical Analysis. Damals folgte noch kein öffentlicher Verbraucheralarm und kein Bündel von Warnschreiben. Genau diese Pause nutzte die spätere Harvard-Nachanalyse als Ausgangspunkt.

Warum eine Nachanalyse 2015 den Stoff immer noch fand

Mehr als ein Jahr nach der FDA-Publikation kauften Cohen, Bloszies, Yee und Gerona erneut 21 Acacia-Marken in den USA und prüften sie mit hochauflösender Massenspektrometrie gegen eine Referenzsubstanz. In 11 der 21 Marken (52,4 Prozent) war BMPEA nachweisbar. Wer die aufgedruckte Höchstmenge pro Tag einhielt, konnte bis zu 93,7 mg BMPEA aufnehmen.

Die FDA-Serie von 2014 hatte 9 von 21 Proben positiv gesehen (42,9 Prozent). Ob der Anstieg einen echten Markttrend oder nur andere Stichproben widerspiegelt, ließen die Autoren offen. Unabhängig davon blieb die Kernbotschaft erhalten. Der Stoff war nach der Entdeckung nicht still aus den Regalen verschwunden.

Cohen empfahl 2015, Hersteller sollten BMPEA-haltige Chargen zurückrufen, die Behörde alle verfügbaren Mittel einsetzen, Verbraucher Acacia-Produkte meiden und Ärztinnen bei Abnehm- oder Sportmitteln an versteckte Stimulanzien denken. Eine Nutzenbegründung für den Stoff lieferte keine der beiden Laborarbeiten.

Was die Warnschreiben vom April 2015 rechtlich bedeuten

Am 23. April 2015 verschickte die FDA fünf Warnschreiben zu acht Produkten, auf deren Etikett BMPEA als Inhaltsstoff stand. Zwei Firmen nannten Acacia rigidula als Quelle. Die Mitteilung der Behörde stellt klar, dass ein Nahrungsinhaltsstoff im Sinne des US-Lebensmittelgesetzes ein Vitamin, Mineral, Kraut, eine Aminosäure, ein diätetischer Stoff oder ein Konzentrat, Metabolit, Bestandteil oder Extrakt davon ist. BMPEA fällt in keine dieser Gruppen.

Produkte, die BMPEA als Nahrungsergänzung deklarieren, gelten deshalb als falsch gekennzeichnet. Wo die Akazie als Herkunft angegeben war, kam ein zweiter Vorwurf hinzu, weil die FDA-Analytik von 2013 BMPEA als Bestandteil der Pflanze ausgeschlossen hatte. Die Firmen hatten 15 Werktage Zeit, konkrete Abstellschritte zu nennen.

Die aktuelle FDA-Seite zu BMPEA listet mehr als ein Dutzend Synonyme, darunter βMePEA, R-beta-Methylphenethylamin, 2-Phenylpropan-1-amin und 2-Phenylpropylamin. Wer nur nach dem Kürzel BMPEA sucht, übersieht leicht denselben Stoff unter einem Labor- oder Marketingnamen. Die Behörde betont, die Liste ihrer Maßnahmen sei nicht vollständig.

Was die Kontrolle 2022 nach den Briefen übrig ließ

Ob ein Warnschreiben ein Produkt aus dem Handel nimmt, prüften Cohen, Avula, Katragunta und Khan 2022 in JAMA. Sie sammelten 31 Mittel, gegen die die FDA wegen BMPEA (2015), Methylsynephrin (2016) oder DMHA/Octodrin (2019) geschrieben hatte. Nur eines der 31 (3 Prozent) war vom Hersteller zurückgerufen. Neun (29 Prozent) ließen sich im Januar 2022 online kaufen, im Mittel sechs Jahre nach dem Brief.

Von diesen neun deklarierten vier mindestens einen verbotenen Stoff offen. Die chemische Analyse fand in fünf der neun (56 Prozent) mindestens eine untersagte Substanz, in einem Produkt drei verschiedene. Zwei Präparate enthielten noch genau den Stoff, der den Brief ausgelöst hatte. Bei früheren BMPEA-Fällen lagen inzwischen Methylsynephrin (bis 200,4 mg in der empfohlenen Tageshöchstmenge), Octodrin und Spuren von 1,4-DMAA vor.

Die Stichprobe war klein, je Produkt nur eine Charge. Ob andere gewarnte Mittel still vom Markt genommen oder nur umbenannt wurden, ließ sich nicht klären. Die Richtung passt zu älteren Arbeiten derselben Gruppe. 2018 verglichen Cohen, Wen und Gerona Käufe von 2014 und 2017 und fanden verbotene Stimulanzien nach öffentlichen FDA-Hinweisen weiterhin. 2014, nach Rückrufen, waren 10 Prozent der betroffenen Marken noch erhältlich und 67 Prozent erneut verfälscht.

Zeitraum Was gemessen oder angeordnet wurde Quelle
2012–2014 BMPEA in 9 von 21 Acacia-Mitteln, 960–60.500 µg/g Pawar, FDA-Labor 2014
April 2015 11 von 21 Marken positiv, bis 93,7 mg/Tag Cohen, Drug Test Anal. 2015
23. April 2015 Fünf Warnschreiben: BMPEA ist kein Nahrungsinhaltsstoff FDA 2015
Juni 2015 Hirnblutung nach Training plus BMPEA-Sportmittel Cohen, Ann. Intern. Med. 2015
2007–2016 776 verfälschte Marken in der FDA-Warnliste Tucker, JAMA Netw. Open 2018
2022 9 von 31 gewarnten Stimulans-Produkten noch online Cohen, JAMA 2022

Welche Herz-Kreislauf-Risiken bisher belegt sind

Eine randomisierte Studie zur Sicherheit von BMPEA beim Menschen gibt es nicht. Die verfügbare Evidenz stammt aus Tierversuchen, Rezeptorarbeiten und einzelnen klinischen Berichten. Schindler zeigte 2019 den blutdrucksteigernden Effekt über periphere Noradrenalintransporter. Das Missbrauchspotenzial über Dopamintransporter erschien gering, das kardiovaskuläre Risiko dagegen plausibel, besonders wenn Training das sympathische System ohnehin aktiviert.

Im Juni 2015 veröffentlichten Cohen, Zeijlon, Nardin, Keizers und Venhuis in den Annals of Internal Medicine einen Fallbericht. Eine zuvor gesunde Person erlitt nach dem Sport eine Hirnblutung. Das eingenommene Leistungspräparat enthielt BMPEA, das auf dem Etikett fehlte. Die Autoren urteilten, Training plus BMPEA habe den Schlaganfall wahrscheinlich mitverursacht. Ein Einzelfall beweist keine Häufigkeit, setzt aber ein klinisches Warnsignal.

Tucker und Kollegen werteten 2018 die FDA-Warnliste von 2007 bis 2016 aus und zählten 776 verfälschte Marken bei 146 Firmen. 40,9 Prozent zielten auf Gewichtsabnahme, 45,5 Prozent auf sexuelle Wirkung, 11,9 Prozent auf Muskelaufbau. 20,2 Prozent enthielten mehr als einen nicht zugelassenen Stoff. Bei Abnehmprodukten war Sibutramin der häufigste heimliche Wirkstoff (269 von 317). BMPEA ist also ein Kapitel in einem größeren Muster aus Stimulanzien und zurückgezogenen Arzneistoffen in Kapseln, die als Lebensmittel verkauft werden.

Warum auf dem Etikett oft Acacia rigidula steht

Acacia rigidula ist ein Strauch. Extrakte tauchten in Fatburnern auf, nachdem Ephedrin-Alkaloide in US-Nahrungsergänzungsmitteln seit 2004 verboten sind. Die FDA-Analytik von 2014 und die Warnschreiben von 2015 trennen die Pflanze klar vom synthetischen BMPEA. Der Stoff ist kein Bestandteil oder Extrakt dieser Akazie.

Trotzdem bleibt der Pflanzenname ein Marketinganker. Manche Etiketten listen BMPEA zusätzlich unter einem der FDA-Synonyme. Andere verschweigen den Stoff ganz, wie im Fallbericht von 2015. Wieder andere ersetzten nach dem Brief das eine Analogon durch Methylsynephrin oder Octodrin, wie die JAMA-Tabelle von 2022 zeigt. Ein botanischer Name auf der Packung sagt nichts über die chemische Identität des Pulvers.

Pawar und Grundel ordneten 2017 Acacia-Produkte in die Reihe biologisch aktiver Phenylethylamine ein, neben Citrus-Synephrin und älteren Ephedra-Alkaloiden. Wer „pflanzlich“ mit „geprüft“ gleichsetzt, liegt falsch. Das Office of Dietary Supplements der NIH schreibt 2023 ausdrücklich, dass natürlich nicht automatisch ungefährlich heißt.

Warum die Behörde erst nach dem Verkauf eingreifen kann

Das Dietary Supplement Health and Education Act (DSHEA) von 1994 stellt Nahrungsergänzungsmittel in den USA unter das Lebensmittelrecht, nicht unter das Arzneimittelrecht. Hersteller müssen Sicherheit und wahrheitsgemäße Kennzeichnung selbst verantworten. Eine Zulassung vor dem ersten Verkauf gibt es nicht. Nur für einen neuen Inhaltsstoff, der vor dem 15. Oktober 1994 nicht vermarktet wurde, ist 75 Tage vor dem Vertrieb eine Sicherheitsmitteilung fällig.

Die FDA-Fragen und Antworten halten fest, dass die Behörde weder jedes Etikett vorab noch den Inhalt jeder Dose prüft. Sie inspiziert Betriebe, liest Meldungen zu neuen Inhaltsstoffen, untersucht Beschwerden und kann nach dem Marktzugang gegen verfälschte oder falsch gekennzeichnete Ware vorgehen. Portionsgrößen und Wirkstoffmengen legt der Hersteller fest, solange er die Sicherheitsregeln einhält.

Seit späteren Gesetzesänderungen müssen Firmen schwerwiegende unerwünschte Ereignisse an die FDA weiterleiten; die Behörde hat eine Pflicht-Rückrufkompetenz. Pawar und Grundel beschreiben 2017, wie diese Werkzeuge gegen DMAA, BMPEA und verwandte Amine eingesetzt wurden. Cohen 2022 zeigt die Lücke danach. Ohne Nachanalyse und Zwangsrückruf bleibt ein Teil der Ware im Netz. Für Käuferinnen in Deutschland gilt dasselbe Risiko, sobald sie US-Shops oder Marktplätze nutzen.

Woran sich riskante Stimulans-Präparate erkennen lassen

Kein Etikett ersetzt eine Laboranalyse. Trotzdem senken ein paar konkrete Prüfschritte die Chance, ein verbotenes Analogon zu schlucken. Das Office of Dietary Supplements rät, jedes Mittel mit der Ärztin oder dem Apotheker zu besprechen, die Packung vollständig zu lesen und Nebenwirkungen zu melden.

  • Meiden Sie Produkte, die Acacia rigidula, BMPEA oder eines der FDA-Synonyme (βMePEA, 2-Phenylpropan-1-amin, R-beta-Methylphenethylamin) nennen.
  • Seien Sie skeptisch bei Fatburnern, Vortrainingspulvern und „extremen“ Energietropfen, die mehrere Stimulanzien mischen oder Herkunft verschweigen.
  • Ein Qualitätssiegel von NSF International oder der US-Pharmakopöe prüft Identität und Reinheit, garantiert aber weder Nutzen noch Freiheit von jedem Analogon.
  • Vergleichen Sie die Firmenadresse auf der Dose mit öffentlichen FDA-Warnschreiben und Rückrufseiten, bevor Sie nachbestellen.
  • Melden Sie Herzrasen, Brustschmerz oder neurologische Ausfälle dem Behandlungsteam und, in den USA, zusätzlich dem Safety Reporting Portal der FDA.

Koffein aus Guarana, Mate oder Grüntee-Extrakt kann denselben Puls nach oben treiben. Bitterorangen-Synephrin hat in der ODS-Übersicht zu Abnehmstoffen eigene Sicherheitsfragen, vor allem in Kombination mit anderen Stimulanzien. Ein „ephedrinfreies“ Etikett bedeutet nicht, dass der Ersatzstoff geprüft wäre.

Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme

Sprechen Sie jedes Abnehm- oder Sportmittel an, das Sie bereits nehmen oder kaufen wollen, besonders bei Bluthochdruck, Herzkrankheit, Schwangerschaft, Stillzeit oder geplanten Operationen. Das ODS empfiehlt das Gespräch vor dem ersten Einsatz und eine schriftliche Liste aller Präparate für Praxis und Klinik. Ohne diese Angabe gehen Wechselwirkungen und heimliche Stimulanzien in der Anamnese leicht verloren.

Bei neuem Herzklopfen, stechendem Brustschmerz, starkem Blutdruckanstieg, Angstattacke oder Schlaflosigkeit nach einer neuen Kapsel das Mittel sofort absetzen und noch am selben Tag ärztlich vorstellen. Nehmen Sie die Dose mit. Ohne Packung kann niemand BMPEA, Methylsynephrin oder ein nicht deklariertes Sibutramin in der Anamnese finden.

Plötzliche Lähmung oder Taubheit in Gesicht, Arm oder Bein, vor allem einseitig, plötzliche Sprach- oder Verständnisstörung, Sehverlust, Schwindel mit Gangunsicherheit oder stärkster Kopfschmerz ohne erkennbare Ursache sind Alarmzeichen eines Schlaganfalls. Die CDC-Seite zu Schlaganfallsymptomen (Stand Mai 2026) nennt das Schema B.E. F.A.S.T. mit Balance, Augen, Gesicht, Armen, Sprache und Zeit. In Deutschland den Notruf 112 wählen, nicht selbst fahren. Zeitangaben der ersten Symptome mitgeben. Auch wenn die Ausfälle nach Minuten vergehen (TIA), bleibt das ein Notfall.

Häufige Fragen

Ist BMPEA in Nahrungsergänzungsmitteln legal?

Nein. Die FDA erklärt seit April 2015, BMPEA erfülle die gesetzliche Definition eines Nahrungsinhaltsstoffs nicht. Produkte, die den Stoff als solchen ausweisen, gelten in den USA als falsch gekennzeichnet. Ein Verkaufsverbot in jedem Onlineshop folgt daraus nicht automatisch.

Wie erkenne ich BMPEA auf der Packung?

Suchen Sie nach BMPEA, β-Methylphenylethylamin, βMePEA, 2-Phenylpropan-1-amin und verwandten Namen der FDA-Liste. Zusätzlich Acacia rigidula prüfen, weil dieser Pflanzenname in positiven Laborproben häufig vorkam. Fehlt jeder Hinweis, bleibt eine Beimischung trotzdem möglich.

Schützt ein Qualitätssiegel vor verbotenen Stimulanzien?

Nein. Siegel unabhängiger Labore können bestätigen, dass deklarierte Inhaltsstoffe stimmen und Schwermetalle unter Grenzwerten liegen. Das ODS schreibt 2023 klar, sie belegten weder Wirksamkeit noch vollständige Unbedenklichkeit. Ein Siegel ersetzt keine Prüfung auf jedes Analogon.

Was tun bei Herzrasen nach einem Fatburner?

Das Präparat absetzen, Puls und Beschwerden notieren und noch am selben Tag medizinische Hilfe suchen. Dose oder Foto des Etiketts mitnehmen. Bei Brustschmerz, Atemnot, einseitiger Schwäche oder Sprachstörung den Notruf wählen, nicht abwarten.

Sind pflanzliche Fatburner automatisch sicherer?

Nein. Acacia rigidula diente als botanische Hülle für ein synthetisches Isomer, das in der Pflanze nicht vorkommt. „Natürlich“ ist laut ODS kein Sicherheitsbeleg. Pflanzliche Stimulanzien wie Bitterorangenschale können den Kreislauf ebenfalls belasten, vor allem zusammen mit Koffein.

Soll ich das Präparat zur Sprechstunde mitbringen?

Ja. Ohne Originalpackung bleiben Synonyme, Chargen und nicht deklarierte Zusätze unsichtbar. Das ODS empfiehlt eine laufende Liste aller Mittel und Arzneimittel. Bei Verdacht auf Verfälschung kann die Praxis eine Meldung an die Überwachung anstoßen.

Fazit

BMPEA ist kein Vitamin und kein Pflanzenextrakt, sondern ein laborchemisch hergestelltes Amphetamin-Isomer ohne Humandaten zu Nutzen und Sicherheit. Die FDA hat das 2015 in Warnschreiben festgehalten. Laborarbeiten von 2014 und 2015 zeigten den Stoff in einem großen Teil der Acacia-Marken, mit Tagesmengen bis knapp 94 mg. Ein Fallbericht verknüpfte Training plus ein nicht deklariertes BMPEA-Sportmittel mit einer Hirnblutung.

Was sich seit der ersten öffentlichen Debatte geändert hat, ist weniger die Rechtslage als der Blick auf den Vollzug. 2018 und 2022 blieben gewarnte Stimulans-Produkte im Handel, oft mit dem nächsten Analogon. Für den Alltag heißt das konkret, Acacia-, BMPEA- und „extreme“ Fatburner-Etiketten zu meiden, jedes Mittel in der Sprechstunde zu nennen und bei Lähmung, Sprach- oder Sehstörung sofort den Notruf zu wählen. Wer Gewicht reduzieren will, braucht dafür kein ungetestetes Stimulans.

Quellen

  1. U.S. Food and Drug Administration: Recent FDA Action on Dietary Supplements Labeled as Containing BMPEA. U.S. Food and Drug Administration, 23. April 2015.
  2. U.S. Food and Drug Administration: BMPEA in Dietary Supplements. U.S. Food and Drug Administration, Stand: 2024.
  3. U.S. Food and Drug Administration: Questions and Answers on Dietary Supplements. U.S. Food and Drug Administration, Stand: 2024.
  4. Pawar RS, Grundel E et al.: Determination of selected biogenic amines in Acacia rigidula plant materials and dietary supplements using LC-MS/MS methods. Journal of Pharmaceutical and Biomedical Analysis, Januar 2014.
  5. Cohen PA, Bloszies C et al.: An amphetamine isomer whose efficacy and safety in humans has never been studied, β-methylphenylethylamine (BMPEA), is found in multiple dietary supplements. Drug Testing and Analysis, 7. April 2015.
  6. Cohen PA, Zeijlon R et al.: Hemorrhagic Stroke Probably Caused by Exercise Combined With a Sports Supplement Containing β-Methylphenyl-ethylamine (BMPEA): A Case Report. Annals of Internal Medicine, 16. Juni 2015.
  7. Cohen PA, Avula B et al.: Recalls, Availability, and Content of Dietary Supplements Following FDA Warning Letters. JAMA, 26. Juli 2022.
  8. Schindler CW, Thorndike EB et al.: The Supplement Adulterant β-Methylphenethylamine Increases Blood Pressure by Acting at Peripheral Norepinephrine Transporters. Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics, 21. März 2019.
  9. Tucker J, Fischer T et al.: Unapproved Pharmaceutical Ingredients Included in Dietary Supplements Associated With US Food and Drug Administration Warnings. JAMA Network Open, 5. Oktober 2018.
  10. Pawar RS, Grundel E: Overview of regulation of dietary supplements in the USA and issues of adulteration with phenethylamines (PEAs). Drug Testing and Analysis, März 2017.
  11. National Institutes of Health Office of Dietary Supplements: Dietary Supplements: What You Need to Know. National Institutes of Health Office of Dietary Supplements, 4. Januar 2023.
  12. Centers for Disease Control and Prevention: Signs and Symptoms of Stroke. Centers for Disease Control and Prevention, 19. Mai 2026.
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