
Die meisten Menschen mit Asthma können Ibuprofen nehmen, ohne dass die Bronchien eng werden. Eine kleinere Gruppe mit der NSAR-exazerbierten Atemwegserkrankung, international N-ERD oder AERD genannt, reagiert dagegen auf Ibuprofen, Acetylsalicylsäure und verwandte Entzündungshemmer mit Pfeifen, Luftnot oder einer plötzlichen Rhinitis.
Die US-Arzneimittelkennzeichnung nennt eine frühere Asthmaattacke, Nesselsucht oder eine allergieartige Reaktion nach Acetylsalicylsäure oder einem anderen nichtsteroidalen Antirheumatikum als Gegenanzeige. Wer bisher Tabletten aus dieser Gruppe ohne Beschwerden vertragen hat, bleibt in der Regel unauffällig. Trotzdem lohnt vor der ersten Packung ein Blick auf Nasenpolypen, Geruchsverlust und unklare Reaktionen nach Erkältungsmitteln, weil genau diese Kombination die Diagnose oft Jahre verzögert.
Ältere Patiententexte sprachen noch von etwa 20 Prozent „Aspirin-Asthma“. Aktuelle Übersichten rechnen bei typischem Erwachsenen-Asthma eher mit rund 7 Prozent, bei schwerem Verlauf etwa doppelt so hoch. Die Zahl steigt, wenn die Unverträglichkeit im Provokationstest gesucht wird. Für die Hausapotheke heißt das: nicht pauschal verbieten, aber bei der ersten Atemreaktion das Mittel streichen und ärztlich klären lassen.
Können Menschen mit Asthma Ibuprofen nehmen?
Viele Patientinnen und Patienten mit stabilem Asthma vertragen Ibuprofen wie andere Erwachsene. Das ändert sich, sobald nach Acetylsalicylsäure, Naproxen, Diclofenac oder Ibuprofen selbst schon einmal Atemnot, Nesselsucht oder eine schwere Rhinitis aufgetreten ist.
Die US-Kennzeichnung zu Ibuprofen-Tabletten verbietet die Gabe nach solchen Reaktionen und warnt vor seltenen, mitunter lebensbedrohlichen anaphylaktoiden Verläufen. Gleichzeitig rät sie zur Vorsicht bei jedem vorbestehenden Asthma, weil eine bisher unerkannte Acetylsalicylsäure-Empfindlichkeit vorkommen kann. Die britischen Clinical Knowledge Summaries des NICE ziehen dieselbe Linie. Nach Asthma, Rhinitis, Nasenpolypen, Angioödem oder Urtikaria im Zusammenhang mit einem NSAR soll kein weiteres Mittel dieser Klasse verordnet werden.
Der britische Gesundheitsdienst NHS schreibt 2025, Ibuprofen sei für die meisten Erwachsenen geeignet, könne aber ungeeignet sein, wenn Asthma oder Allergien bestehen oder schon eine Reaktion auf Ibuprofen, Acetylsalicylsäure oder ein anderes NSAR aufgetreten ist. Asthma + Lung UK empfiehlt vor Ibuprofen, Acetylsalicylsäure und ähnlichen Entzündungshemmern das Gespräch mit Arzt, Ärztin oder Apotheke und nennt Paracetamol als häufige Alternative.
Wer Ibuprofen bisher wiederholt ohne Pfeifen und ohne Peak-Flow-Abfall genommen hat, trägt ein geringes Risiko für eine plötzliche Erstreaktion. Die Krankheit beginnt jedoch oft erst im dritten oder vierten Lebensjahrzehnt. Eine lange problemlose Vorgeschichte schließt N-ERD also nicht für immer aus, sobald Polypen und schwerer zu führendes Asthma dazukommen.
Frei verkäufliche Dosen bleiben niedrig und kurz. Der NHS nennt für übliche 200-Milligramm-Tabletten ein oder zwei Stück bis dreimal täglich, mindestens vier Stunden Abstand und höchstens sechs Tabletten in 24 Stunden. 400-Milligramm-Tabletten dürfen höchstens dreimal täglich genommen werden. Länger als zehn Tage ohne ärztlichen Rat soll die Tablette nicht laufen. Das mindert Magen- und Nierenlast, ersetzt aber nicht die Prüfung, ob die Atemwege das Mittel überhaupt erlauben.

Was N-ERD von einer klassischen Allergie unterscheidet
N-ERD ist keine klassische IgE-Allergie gegen die Ibuprofen-Tablette. Die Mayo Clinic betont, dass Acetylsalicylsäure und NSAR die Krankheit nicht verursachen, sondern eine schon vorhandene Entzündung von Nase, Nebenhöhlen und Bronchien scharf verstärken.
Der europäische Fachbegriff seit dem Positionspapier der EAACI von 2019 lautet NSAID-exacerbated respiratory disease, abgekürzt N-ERD. In den USA bleibt aspirin-exacerbated respiratory disease (AERD) gebräuchlich, früher Samter-Trias. Gemeint ist dieselbe Dreiheit aus Asthma, chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen und Atemwegsreaktionen auf Hemmstoffe der Cyclooxygenase-1. Ibuprofen gehört fest in diese Gruppe, ebenso Naproxen, Diclofenac, Ketoprofen und Acetylsalicylsäure.
Weil der Mechanismus pharmakologisch ist und nicht über ein einzelnes Allergen-Antikörper-Paar läuft, nützt ein Hauttest auf Ibuprofen wenig. Wer auf Acetylsalicylsäure mit Bronchospasmus reagiert hat, muss fast immer auch Ibuprofen meiden. Die Kreuzreaktion folgt der Stärke der COX-1-Hemmung, nicht dem Markennamen auf der Packung.
Laborwerte können den Verdacht stützen, ersetzen die Klinik aber nicht. Erhöhte Eosinophile im Blut und gesteigerte Leukotriene im Urin kommen zur Sprache, sind aber nicht beweisend. Fehlt eine klare Tablettenanamnese, bleibt der überwachte Provokationstest der Maßstab. Den führen Allergologie oder Pneumologie unter Notfallbereitschaft durch, nicht die Hausapotheke.
Manche Betroffene entwickeln zusätzlich Hautrötung, Juckreiz, Bauchschmerz oder Übelkeit. Andere berichten dieselben Atemwege nach Bier oder Wein. Das ist häufiger als bei NSAR-tolerantem Asthma, beweist die Diagnose allein aber nicht.
Wie häufig die Unverträglichkeit wirklich vorkommt
Rund 7 Prozent der Erwachsenen mit Asthma haben nach einer Metaanalyse von Rajan und Kollegen eine AERD. Bei schwerem Asthma lag der Anteil bei etwa 15 Prozent, bei Nasenpolypen bei knapp 10 Prozent.
Die Arbeit im Journal of Allergy and Clinical Immunology (Epub 2014, Druck 2015) wertete 27 Studien aus. Je nach Methode schwankte die Häufigkeit zwischen 5,5 und 12,4 Prozent. Das erklärt, warum ältere Ratgeber mit „20 Prozent“ arbeiteten. Die EAACI hält fest, dass die Quote auf etwa 21 Prozent steigt, wenn die Unverträglichkeit per Provokation gesucht wird, und bei Aufnahme auf Intensivstationen wegen Asthmaexazerbation noch höher liegen kann. Fragebogenstudien unterschätzen, Provokationsserien in Spezialambulanzen überschätzen den Alltag.
Die Cleveland Clinic nennt als Faustformel etwa jeden zehnten Erwachsenen mit Asthma und etwa jeden dritten mit Asthma plus Polypen und Sinusitis. Das ist gröber als die gepoolten Konfidenzintervalle von Rajan, trifft aber die klinische Erfahrung. Schweres, steroidpflichtiges Asthma plus immer wiederkehrende Polypen soll den Verdacht wecken, auch wenn noch niemand eine Tablette mit dem Symptom verknüpft hat.
Kinder sind deutlich seltener betroffen. Die typische Erstmanifestation liegt im vierten Lebensjahrzehnt, schreibt das Review von Mullur und Buchheit 2023. Einzelfälle im Jugendalter gibt es. Ein Kind mit isoliertem belastungsabhängigem Asthma ohne Polypen hat deshalb ein anderes Risikoprofil als eine 38-Jährige mit Geruchsverlust und drei Nasenoperationen.
Familienhäufung kommt vor, ein klarer Erbgang ist nicht belegt. Die Mayo Clinic findet keinen Beweis für Vererbung. Atopie ist nach neueren Serien häufiger als früher angenommen und schließt N-ERD nicht aus.
Welche Symptome nach der Tablette verdächtig sind
Atem- und Nasensymptome beginnen selten in der ersten Minute. In überwachten Tests liegt der Mittelwert bei etwa 45 bis 60 Minuten, der beschriebene Rahmen bei 30 bis 180 Minuten nach der Einnahme.
Typisch sind plötzliche verstopfte Nase, wässriger Schnupfen, Niesen, tränende oder gerötete Augen, Husten, Pfeifen und Enge. Manche messen am Peak-Flow-Meter einen deutlichen Abfall, noch bevor die Luftknappheit dramatisch wirkt. Extrarespiratorisch können Flush, juckendes Exanthem, Übelkeit oder Bauchschmerz dazukommen. Die Mayo Clinic beschreibt den Beginn oft als abrupt und potenziell schwer.
Nasenpolypen gehören zum Dauerbild, nicht zum Minutenereignis. Sie wachsen wieder, auch nach Operation, und der Geruchssinn bleibt häufig blass. Wer nach jeder Tablette nur leicht niest, aber seit Jahren keinen Duft mehr wahrnimmt, hat trotzdem Anlass für eine HNO- und Asthmadiagnostik.
Alkohol kann dieselbe Bahn treffen. Bier und Wein lösen bei einem Teil der AERD-Gruppe obere und untere Atemwege aus, häufiger als bei NSAR-tolerantem Asthma. Das ersetzt den Tablettenhinweis nicht, ergänzt ihn aber in der Anamnese.
Schwere Verläufe mit bedrohlichem Bronchospasmus sind in der Kennzeichnung beschrieben. Tödliche anaphylaktoide Reaktionen gelten als selten, nicht als ausgeschlossen. Jede erstmalige Luftnot nach Ibuprofen ist ein Grund, das Mittel zu stoppen und denselben Tag noch medizinischen Rat zu holen, statt „ob es sich legt“ abzuwarten.
Warum COX-1-Hemmer die Bronchien verengen können
Ibuprofen hemmt die Cyclooxygenase-1 und damit die Bildung schützenden Prostaglandins E2 in der Schleimhaut. Bei N-ERD fällt dieser Bremseffekt auf Mastzellen und eosinophile Entzündung weg, während Cysteinyl-Leukotriene und entzündliche Prostaglandine ansteigen.
Genau dieser Schwenk verengt Bronchien und schwillt die Nase an. Mullur und Buchheit fassen 2023 zusammen, dass Gewebe von Polypen eosinophil dicht ist, Mastzellen aktiv sind und angeborene Typ-2-Zytokine wie TSLP und Interleukin-33 die Reaktion weiter antreiben. Ibuprofen stößt also in ein schon schiefes Eicosanoid-Gleichgewicht.
Starke COX-1-Hemmer kreuzen sich. Die EAACI listet neben Acetylsalicylsäure unter anderem Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac, Indometacin, Ketoprofen, Ketorolac und Piroxicam. Schwache Hemmer wie Paracetamol in Dosen unter 1000 Milligramm und selektive COX-2-Hemmer wie Celecoxib oder Etoricoxib lösen bei den meisten Betroffenen keine Reaktion aus. Hohe Paracetamol-Dosen können COX-1 doch noch treffen; Einzelfälle sind dokumentiert.
Versteckt steckt Ibuprofen in vielen Erkältungskombis, Menstruationsmitteln und „Grippe“-Beuteln. Die Mayo Clinic und MedlinePlus warnen ausdrücklich davor, Packungszettel nur nach dem Markennamen zu scannen. Wer N-ERD hat, muss den Wirkstoff lesen, nicht den Markennamen auf der Faltschachtel.
Äußerliche Gele bringen weniger Wirkstoff ins Blut als Tabletten. Für die N-ERD-Gruppe fehlen belastbare Verträglichkeitsstudien. Bei gesicherter Unverträglichkeit ist Selbstversuch mit Gel keine sichere Umgehung.
Welche Schmerzmittel als Ersatz gelten
Paracetamol ist für die meisten Menschen mit Asthma die erste pharmazeutische Alternative, wenn Fieber oder Schmerz behandelt werden sollen. Die EAACI stuft Dosen unter 1000 Milligramm als meist verträglich ein, mit Evidenzgrad 2B.
Asthma + Lung UK rät bei Asthma vor Ibuprofen zum Fachgespräch und nennt Paracetamol als Ersatz. Seltene Verschlechterungen nach Paracetamol kommen vor. Dann gilt dasselbe wie nach Ibuprofen. Mittel absetzen, dokumentieren, ärztlich zuordnen. Selektive COX-2-Hemmer vertragen die meisten N-ERD-Patienten; die Fachgesellschaft empfiehlt trotzdem einen überwachten Verträglichkeitstest, bevor das Mittel in den Alltag wandert. Bevorzugte COX-2-Hemmer wie Meloxicam können in höherer Dosis wieder COX-1 treffen.
| Wirkstoff | COX-Profil | Bewertung bei N-ERD |
|---|---|---|
| Ibuprofen | starker COX-1-Hemmer | Kreuzreaktion häufig, meiden |
| Acetylsalicylsäure | starker COX-1-Hemmer | Kreuzreaktion häufig, meiden |
| Naproxen oder Diclofenac | starke COX-1-Hemmer | Kreuzreaktion häufig, meiden |
| Paracetamol unter 1000 mg | schwacher COX-1-Hemmer | meist verträglich, Ausnahmen möglich |
| Celecoxib | selektiver COX-2-Hemmer | meist verträglich, Test beim Arzt sinnvoll |
Zwei NSAR gleichzeitig zu nehmen, erhöht nach NHS die Gefahr von Magengeschwüren und bringt bei N-ERD keinen Vorteil. Paracetamol und Ibuprofen dürfen Erwachsene ohne N-ERD zeitlich versetzt kombinieren, wenn ein Stoff allein nicht reicht. Bei bekannter Atemwegsreaktion auf Ibuprofen entfällt diese Kombination.
Nicht jedes Ziehen im Knie braucht eine Tablette. Kälte bei frischer Distorsion, Wärme bei überlasteter Muskulatur, Entlastung und angeleitete Bewegung können Schmerz mindern, ohne COX-1 zu blockieren. Das ersetzt keine Rheumatherapie und heilt kein Asthma. Es kauft Zeit, bis ein verträgliches Schema steht.

Was Kinder mit Asthma zur Fiebersenkung brauchen
Bei Kleinkindern mit leichtem persistierendem Asthma war bedarfsweises Paracetamol dem Ibuprofen in der AVICA-Studie nicht unterlegen. 300 Kinder im Alter von 12 bis 59 Monaten bekamen 48 Wochen lang eines der beiden Mittel gegen Fieber oder Schmerz.
Die Zahl der Exazerbationen, die systemische Glukokortikoide brauchten, unterschied sich nicht (0,81 gegen 0,87 pro Kind, relatives Risiko 0,94). Auch Kontrolltage, Salbutamolbedarf und ungeplante Arztkontakte lagen gleichauf. Die Arbeit im New England Journal of Medicine 2016 räumte die ältere Sorge aus, Paracetamol verderbe die Asthmakontrolle stärker als Ibuprofen.
Eine Metaanalyse von Sherbash und Kollegen 2020 fasste fünf randomisierte Studien mit 85.095 Kindern zusammen. Die Chance für Pfeifen oder eine Asthmaverschlechterung war nach Paracetamol und nach Ibuprofen vergleichbar (Chancenverhältnis 1,05; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,76 bis 1,46). Das gilt für Kinder ohne bekannte NSAR-Reaktion. Eine persönliche oder familiäre N-ERD-Geschichte ändert die Rechnung. Dann bleiben beide COX-1-starken Mittel tabu, bis die Kinderpneumologie entscheidet.
Ibuprofen heilt kein kindliches Asthma und ist kein Ersatz für die Dauertherapie. Es senkt Fieber und lindert Schmerz. Packungsdosen, Altersgrenzen und das Verbot, Erwachsenenpräparate zu geben, stehen bei MedlinePlus. Fieber über drei Tage, neue Atemnot oder eine erste Pfeifepisode nach der Saftgabe gehören zum Kinderarzt, nicht in den nächsten Selbstversuch mit der anderen Flasche.
Wann der Arzt und wann der Notfall
Nach jeder neuen Atemreaktion auf Ibuprofen das Mittel lassen und dieselbe Schicht noch eine Praxis, den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder die Apotheke mit der Packung kontaktieren. Bei schwerer Luftnot, Schwellung von Lippen, Zunge oder Hals, Heiserkeit mit Enge, kalter Haut oder Bewusstseinsänderung zählt der Rettungsdienst, nicht das Warten auf den nächsten Werktag.
Die FDA-Kennzeichnung verlangt bei anaphylaktoider Reaktion sofortige Notfallhilfe. MedlinePlus nennt Atemnot, Nesselsucht, Schwellung von Gesicht oder Rachen und Schluckstörung als Alarmzeichen, nach denen kein weiteres Ibuprofen genommen werden soll, bis jemand die Episode eingeordnet hat. Wer ein Notfallspray hat, nutzt den eigenen Asthmaplan parallel, ersetzt damit aber nicht den Notruf bei bedrohlicher Luft.
Diese Konstellationen gehören in die Sprechstunde, auch ohne akuten Anfall.
- Asthma plus wiederkehrende Nasenpolypen plus Geruchsverlust, auch wenn noch keine Tablette verdächtigt wurde.
- Erster Peak-Flow-Abfall oder neues Pfeifen in der Stunde nach einem NSAR oder einem Erkältungskombi.
- Unklare „Allergie“ auf mehrere Schmerzmittel mit unterschiedlichen Namen, aber derselben Wirkstoffgruppe.
- Geplanter Bedarf an Acetylsalicylsäure zur Herzschutztherapie, obwohl früher Ibuprofen die Brust eng machte.
Diagnostische Provokation und Desensibilisierung gehören in Zentren, die einen schweren Bronchospasmus behandeln können. Cleveland Clinic und Mayo Clinic beschreiben den Ablauf als gestufte Gabe unter Überwachung, nicht als Hausversuch mit Vierteltabletten.
Wie N-ERD heute behandelt wird
N-ERD ist nicht heilbar, aber in Schichten behandelbar. Die Mayo Clinic nennt Meiden der Auslöser, inhalative Kortikoide, Leukotrienblocker, Polypenoperation, Desensibilisierung und monoklonale Antikörper als Bausteine, oft in Kombination.
Leukotrienrezeptorantagonisten wie Montelukast oder der 5-Lipoxygenase-Hemmer Zileuton zielen auf genau die Mediatoren, die nach COX-1-Blockade überschießen. Polypen wachsen trotzdem häufig nach. Ohne begleitende Entzündungshemmung bleibt die nächste Operation wahrscheinlich. Aspirintherapie nach Desensibilisierung (ATAD) kann bei ausgewählten Erwachsenen Polypenlast, Steroidbedarf und Lebensqualität verbessern. Cleveland Clinic zitiert Nutzen bei 87 Prozent derjenigen, die die Erhaltungsdosis länger als ein Jahr durchhalten. Magenbeschwerden beenden die Therapie bei einem Teil.
Seit der alten Ratgeberlage um 2018 haben Biologika gegen Immunglobulin E, Interleukin-5 oder die Interleukin-4-Rezeptor-alpha-Untereinheit die Praxis verschoben. Mullur und Buchheit 2023 sehen Wirksamkeit für Asthma und Polypen, aber keine Kopf-an-Kopf-Studien gegen ATAD. Die Wahl hängt von Schwere, Begleiterkrankungen, Kinderwunsch, Blutungsrisiko und Kosten ab, nicht von einem starren Stufenplan aus einer Broschüre.
Wer nach Desensibilisierung die Erhaltungs-Acetylsalicylsäure länger als 48 Stunden pausiert, kann die Toleranz verlieren. Cleveland Clinic rät dann zum Anruf, bevor irgendjemand „einfach wieder mit 500 Milligramm“ beginnt. Neue Ibuprofen-Kopfschmerztabletten bleiben auch unter ATAD ein Thema für das behandelnde Team, nicht für die Reiseapotheke.
Welche anderen Arzneimittel Asthma belasten können
Nicht nur Ibuprofen kann die Bronchien reizen. Asthma + Lung UK nennt Acetylsalicylsäure, bestimmte Betablocker und einige rezeptfreie Mittel, darunter Ibuprofen, als Stoffe, die Symptome verstärken können.
Nichtselektive Betablocker in Tabletten oder Augentropfen gegen Glaukom können die Luftwege verengen und die Wirkung von Notfallspray abschwächen. Das ist ein anderer Mechanismus als N-ERD, trifft aber dieselbe Patientin mit ohnehin enger Reserve. Blutdruck- oder Herzmittel sollen deshalb mit dem Hinweis auf Asthma verordnet werden, nicht aus der Hausapotheke eines Angehörigen.
Kombipräparate gegen Erkältung mischen häufig Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure mit Abschwellern. MedlinePlus warnt vor Doppelwirkstoffen und vor Erwachsenenformeln bei Kindern. Wer N-ERD hat, prüft jede „Grippetablette“ auf den Wirkstoff, nicht auf den Geschmack.
ACE-Hemmer verursachen bei manchen Menschen Reizhusten, typischerweise ohne klassischen Bronchospasmus. Sie sind kein Freibrief und kein Ersatzschema für NSAR. Über Blutdruckmittel entscheidet die behandelnde Praxis nach Diagnose, nicht nach einer Liste aus einem Schmerzmitteltext.
Antihistaminika gegen Heuschnupfen gelten für die meisten Asthmapatienten als verträglich, ersetzen aber weder die Dauerinhalation noch die Meidung von Ibuprofen bei N-ERD. Wechselwirkungen und Müdigkeit bleiben ein Apothekenthema, sobald mehrere Präparate parallel laufen.
Häufige Fragen
Kann ich mit Asthma Ibuprofen nehmen?
Oft ja, wenn bisher keine Atem- oder Hautreaktion auf ein NSAR auftrat. Nach einer solchen Reaktion, bei Nasenpolypen plus schwerem Asthma oder bei unklarer „Schmerzmittelallergie“ zuerst klären lassen. Die Kennzeichnung verlangt Vorsicht bei jedem vorbestehenden Asthma.
Ist Paracetamol bei Asthma sicherer als Ibuprofen?
Für die meisten Erwachsenen mit Asthma und für Kinder ohne NSAR-Reaktion ist Paracetamol die übliche erste Wahl. Unter 1000 Milligramm bleibt die Kreuzreaktion selten. Einzelne Unverträglichkeiten gibt es. Dann gilt Absetzen und ärztliche Zuordnung, nicht der Wechsel zurück auf Ibuprofen auf eigene Faust.
Was ist N-ERD oder die Samter-Trias?
N-ERD bezeichnet Asthma und oder Polypen-Sinusitis, die sich nach COX-1-Hemmern verschlechtern. Samter-Trias und AERD meinen dasselbe Muster. Es ist eine pharmakologische Überempfindlichkeit, keine klassische Soforttypallergie gegen den Tablettenfarbstoff.
Wie schnell kommt die Reaktion nach Ibuprofen?
In Tests häufen sich die Symptome nach etwa einer Dreiviertelstunde, der Rahmen liegt bei einer halben bis drei Stunden. Minuten-sofort wie bei einer Erdnussallergie ist untypisch, schließt schwere Luftnot später aber nicht aus.
Müssen alle NSAR weg, wenn Acetylsalicylsäure nicht vertragen wird?
Starke COX-1-Hemmer einschließlich Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac sollen gemieden werden. Schwache oder COX-2-selektive Stoffe sind oft möglich, nach EAACI am sichersten nach einem Verträglichkeitstest. Packungszettel von Erkältungsmitteln mitlesen.
Was tun, wenn nach der Tablette die Luft knapp wird?
Ibuprofen nicht nachdosieren, Notfallspray nach Asthmaplan nutzen, bei schwerer Atemnot, Schwellung im Gesicht oder Kreislaufsymptomen den Rettungsdienst rufen. Die Packung zur Dokumentation mitnehmen. Ein erneuter Selbsttest am nächsten Tag ist gefährlich.
Hilft Ibuprofen bei Kindern mit Asthma gegen die Entzündung?
Nein. Ibuprofen senkt Fieber und lindert Schmerz. In AVICA und der Kinder-Metaanalyse 2020 war das Risiko für Pfeifen dem von Paracetamol vergleichbar, ein antientzündlicher Nutzen für das Asthma selbst ist daraus nicht abzuleiten.

Fazit
Ibuprofen bleibt für viele Menschen mit Asthma ein brauchbares Kurzzeitmittel gegen Schmerz und Fieber, sobald die eigene Geschichte keine NSAR-Reaktion und keine Polypen-Schwerlast zeigt. Die alte Faust „jeder Fünfte hat Aspirin-Asthma“ stammt aus Provokationskohorten und überschätzt den unausgewählten Alltag. Aktuelle Übersichten nennen eher 7 Prozent, bei schwerem Asthma etwa 15 Prozent.
Wer nach einer Tablette pfeift, die Nase plötzlich nicht mehr bekommt oder den Peak-Flow einbrechen sieht, streicht alle starken COX-1-Hemmer und lässt N-ERD klären. Paracetamol unter 1000 Milligramm ist der übliche Ersatz. COX-2-Hemmer und eine eventuelle Desensibilisierung gehören in Fachhand. Kinder ohne bekannte Unverträglichkeit dürfen nach den großen Vergleichsstudien beide Fiebermittel bekommen, dosiert nach Gewicht und Packung, nicht nach dem Mythos, eines der beiden „schütze die Lunge“.
Morgen zählt der Packungszettel jedes Kombimittels, der Asthmaplan in der Tasche und der Anruf, sobald Luftnot und Tablette zeitlich zusammenfallen. Heilung verspricht keines der genannten Verfahren. Sie machen den Unterschied zwischen einer vermeidbaren Krise und einem geplanten, verträglichen Schmerzregime.
Quellen
- Mayo Clinic Staff: What is aspirin-exacerbated respiratory disease (AERD)?. Mayo Clinic, 6. November 2024.
- U.S. National Library of Medicine: IBUPROFEN tablet. DailyMed, Stand: 2013.
- Rajan JP, Wineinger NE, Stevenson DD et al.: Prevalence of aspirin-exacerbated respiratory disease among asthmatic patients: A meta-analysis of the literature. Journal of Allergy and Clinical Immunology, 3. Oktober 2014.
- Sheehan WJ, Mauger DT, Paul IM et al.: Acetaminophen versus Ibuprofen in Young Children with Mild Persistent Asthma. New England Journal of Medicine, 18. August 2016.
- NHS: Ibuprofen for adults (Nurofen). National Health Service, 27. August 2025.
- National Library of Medicine: Ibuprofen: MedlinePlus Drug Information. MedlinePlus, 15. September 2023.
- Cleveland Clinic: Aspirin Sensitivity & Aspirin Desensitization. Cleveland Clinic, 17. Dezember 2020.
- Asthma and Lung UK: Treating a chest infection. Asthma + Lung UK, 17. Februar 2025.
- NICE: NSAIDs – prescribing issues. NICE Clinical Knowledge Summaries, Stand: 2023.
- Mullur J, Buchheit KM: Aspirin-exacerbated respiratory disease: Updates in the era of biologics. Annals of Allergy, Asthma & Immunology, 22. Mai 2023.
- Kowalski ML, Agache I, Bavbek S et al.: Diagnosis and management of NSAID-Exacerbated Respiratory Disease (N-ERD)—a EAACI position paper. Allergy, 16. September 2018.
- Sherbash M, Furuya-Kanamori L, Nader JD et al.: Risk of wheezing and asthma exacerbation in children treated with paracetamol versus ibuprofen: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. BMC Pulmonary Medicine, 23. März 2020.
