
Niedrige orale Dosen von Tetrahydrocannabinol (THC) können die gefühlte Anspannung nach einem akuten sozialen Stressreiz etwas verkürzen; schon eine etwas höhere Menge kann Angst und schlechte Laune verstärken. Das zeigte 2017 eine verblindete Laborstudie mit 7,5 und 12,5 Milligramm. Aktuelle Leitlinien und eine große Zufallsstudien-Übersicht von 2026 raten trotzdem nicht dazu, Cannabis als Behandlung von Angststörungen zu nutzen.
Viele Menschen greifen zur Pflanze, weil sie sich danach lockerer fühlen. Das Endocannabinoid-System steuert tatsächlich Angst und Stressreaktionen mit. Zwischen diesem Laborfenster, dem Alltagskonsum und einer ärztlich begründeten Therapie liegen jedoch weite Abstände. Childs, Lutz und de Wit prüften Kapseln, nicht Joints. Die NICE-Leitlinie NG144 listet Angst nicht als Indikation. Wer anhaltende Unruhe, Panikattacken oder Schlaflosigkeit hat, braucht zuerst die übliche Abklärung, nicht einen Selbstversuch mit unklarer Stärke.
Senkt eine geringe THC-Dosis den akuten Stress?
Ja, in einem engen Laborsetting senkte 7,5 Milligramm orales THC die subjektive Belastung nach einem standardisierten sozialen Stressor, während 12,5 Milligramm eher störten. Childs und Kollegen untersuchten 42 gesunde Erwachsene zwischen 18 und 40 Jahren, die Cannabis schon einmal genutzt hatten, aber höchstens einmal pro Woche. Jede Person erhielt über zwei Sitzungen hinweg dieselbe Kapsel: Scheinmittel, 7,5 oder 12,5 Milligramm. Die Kapsel kam zweieinhalb Stunden vor der Aufgabe, damit der Blutspiegel etwa dort lag, wo er nach dem Rauchen später erreicht würde.
Der Trierer soziale Stresstest verlangt eine kurze Rede und Kopfrechnen vor einer kühlen Jury. In der Kontrollsitzung sprach man über ein Lieblingsbuch und spielte Solitär. Gemessen wurden Anspannung, Einschätzung der Aufgabe, Puls, Blutdruck und Speichelcortisol. Gegenüber Scheinmittel verkürzte 7,5 Milligramm die belastete Stimmung nach dem Test und milderte die nachträgliche Bewertung als bedrohlich und schwierig. Der Gipfel der Anspannung während der zehn Minuten fiel ähnlich aus; der Unterschied zeigte sich vor allem in der Erholungsphase.
Die höhere Kapsel wirkte anders. Schon vor den Aufgaben stiegen Angst, Verwirrung und subjektive Belastung. Während Rede und Kontrolle blieb die Stimmung schlechter. Die Sprechphase enthielt im Mittel 2,2 Pausen länger als fünf Sekunden, unter Scheinmittel 0,7. Der Blutdruckanstieg auf den Stressor blieb aus, Cortisol und Herzfrequenz unterschieden sich zwischen den Dosisgruppen nicht signifikant. Die Gruppen waren klein, die Teilnehmenden jung und ohne aktuelle psychische Störung. Wer täglich konsumiert, wer noch nie THC genommen hat oder wer schon Panik kennt, steckt in dieser Stichprobe nicht.

Warum höhere Dosen Angst verstärken können
THC wirkt auf Angst nicht linear: niedrige Mengen können beruhigen, höhere dieselbe Person unruhig, misstrauisch oder gereizt machen. Sharpe, Sinclair und Kollegen fassten 2020 Tier- und Humanarbeiten zusammen. In den klinischen Versuchen war die angststeigernde Antwort auf THC häufig, besonders bei größerer Menge. Umfragen unter Konsumenten klingen oft freundlicher, weil sie Selbstauswahl und Erwartung messen, keine verblindete Dosis.
Die Chicago-Gruppe sah denselben Knick innerhalb weniger Milligramm. 12,5 Milligramm hob vor den Aufgaben die Werte für Angst und Niedergeschlagenheit im Stimmungsprofil. Die Teilnehmenden stuften den bevorstehenden Stresstest als bedrohlicher ein, die Kontrollaufgabe eher als weniger bedrohlich. Das spricht gegen eine saubere „Entspannung um jeden Preis“ und für eine unspezifische Verschlechterung der Stimmung, sobald die Dosis aus dem schmalen Fenster rutscht.
Drei praktische Punkte folgen aus dieser Dosiskurve.
- Eine Kapsel mit 7,5 Milligramm ist kein Maß für einen Joint, ein Gebäckstück oder ein Öl aus dem Internet.
- Derselbe Mensch kann an einem Tag lockerer und am nächsten ängstlicher reagieren, wenn Menge, Nüchternheit oder Schlaf wechseln.
- Wer „ein bisschen mehr“ nimmt, weil 7,5 Milligramm kaum spürbar waren, landet leicht im Bereich, der in der Studie schon störte.
MedlinePlus beschreibt, dass eine sehr hohe Aufnahme Angst, Panik und selten Paranoia oder Halluzinationen auslösen kann. Die CDC schreibt 2024, Cannabis könne Desorientierung sowie unangenehme Gedanken, Angst und Paranoia verursachen. Das ist dieselbe Substanzfamilie, nur ohne Laborjury. Die beruhigende Geschichte und die panische Geschichte gehören zum selben Wirkstoff.
Wie THC die Stressreaktion im Gehirn beeinflusst
THC bindet vor allem an Cannabinoid-1-Rezeptoren, die in Amygdala, Hippocampus und Stirnrinde dicht sitzen; niedrige Aktivierung kann die Angstbremse lockern, hohe sie überdrehen. Sharpe zitiert Arbeiten, wonach geringe Dosen eher an glutamatergen Endigungen wirken und so anxiolytisch erscheinen, höhere Dosen eher an GABA-Endigungen und dann angststeigernd. Ein Blocker des CB1-Rezeptors hob in älteren Versuchen die THC-Wirkung wieder auf. Serotonin-1A-Rezeptoren und das Opioidsystem werden ebenfalls diskutiert, sind aber klinisch weniger scharf belegt.
Frühere Bildgebungsstudien mit 7,5 Milligramm, die Childs in der Diskussion nennt, zeigten eine gedämpfte Amygdala-Antwort auf bedrohliche Gesichter. Im Stresstest von 2017 reichte dieselbe Menge, um die gefühlte Erholung nach der Rede zu beschleunigen. Das Cortisol, das die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse nach dem Test ausschüttet, blieb dennoch unbeeindruckt. Körperliche Stressmarker und das subjektive Erleben laufen also nicht parallel.
Das körpereigene Endocannabinoid-System dämpft Stress, wenn Anandamid und verwandte Stoffe in der Synapse bleiben. Ein von außen zugeführter CB1-Agonist ist kein feines Nachstellen dieses Systems. Er trifft viele Schaltstellen gleichzeitig, inklusive Aufmerksamkeit, Zeitgefühl und Arbeitsgedächtnis. MedlinePlus listet genau diese Kurzzeitwirkungen: veränderte Sinne, anderes Zeitmaß, schwankende Stimmung, langsamere Reaktion. Wer sich „entlastet“ fühlt, kann ebenso gut weniger genau hinhören, was ihn belastet.
Hilft Cannabis bei Angststörungen oder nur im Labor?
Für diagnostizierte Angststörungen fehlt ein belastbarer Nachweis, dass Cannabinoide besser wirken als Scheinmittel; die Laborerleichterung nach 7,5 Milligramm ersetzt keine Therapie. Wilson, Dobson und Kollegen werteten 2026 in The Lancet Psychiatry 54 Zufallsstudien mit 2477 Teilnehmenden aus. Auf Angst, posttraumatische Belastungsstörung, psychotische Störungen, Anorexia nervosa und Opioidkonsumstörung fand die Metaanalyse keine signifikanten Effekte. 44 Prozent der Arbeiten trugen ein hohes Verzerrungsrisiko, die Sicherheit der meisten Endpunkte galt als niedrig. Unerwünschte Ereignisse kamen häufiger vor (Odds Ratio 1,75; eine zusätzliche Schädigung auf sieben Behandelte). Die Autorinnen und Autoren schreiben, ein routinemäßiger Einsatz bei psychischen Störungen sei derzeit selten gerechtfertigt.
Das National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH) nennt bei Angst nur dünne Humanbelege. Eine Arbeit mit 24 Menschen mit sozialer Angst fand nach Cannabidiol (CBD) weniger Anspannung in einer simulierten Rede als nach Scheinmittel. Vier Studien sahen mögliche Entlastung bei Menschen mit chronischem Schmerz, ohne dass eine Angststörung die Hauptdiagnose war. Das ist ein anderes Feld als generalisierte Angst, Panikstörung oder alltagsprägender Stress.
Beletsky und Mitautorinnen prüften 2024 den Zusammenhang zwischen Konsum und Angststörungen. Eine Metaanalyse in ihrer Übersicht verknüpfte Konsum mit Angst (Odds Ratio 1,24) und eine Cannabiskonsumstörung noch enger (1,68). Als Erklärung passte am ehesten die Selbstmedikation: Wer ängstlich ist, greift häufiger zur Pflanze. Ein klarer Beweis, dass der Konsum die Störung verursacht, blieb schwächer, obwohl Längsschnittarbeiten in diese Richtung deuten. Beides kann zugleich wahr sein. Wer sich mit THC beruhigt, kann kurz erleichtert sein und trotzdem häufiger in der Gruppe mit unbehandelter Angst landen.
| Quelle und Jahr | Was geprüft wurde | Zentraler Befund | Wichtige Grenze |
|---|---|---|---|
| Childs et al., 2017 | 7,5 vs. 12,5 mg oral, TSST | 7,5 mg kürzte Belastung, 12,5 mg störte | n = 42, keine täglichen Nutzer |
| Sharpe et al., 2020 | Übersicht Tier und Mensch | THC biphasisch, CBD eher angstlösend | wenige große Humanstudien |
| Beletsky et al., 2024 | Konsum und Angststörungen | OR 1,24 bzw. 1,68 bei Konsumstörung | Assoziation, keine Dosis |
| Wilson et al., 2026 | 54 RCTs, psychische Störungen | kein Effekt auf Angst oder PTBS | Evidenz oft niedrig |
| Molla et al., 2026 | 5 und 10 mg, Stressbilder | kaum Dämpfung der Erinnerung | n = 36, gesunde Erwachsene |
Wirkt THC auch auf Stresserinnerungen?
Niedrige orale Dosen, die im Akuttest von 2017 noch halfen, dämpften 2026 die Reaktion auf Erinnerungsbilder an denselben Stresstest nicht zuverlässig. Molla, Hahn, Ramos und de Wit gaben 36 gesunden Erwachsenen zwischen 18 und 35 Jahren Scheinmittel, 5 oder 10 Milligramm. Zuerst erzeugte der Trierer Test eine Stresserinnerung. Eine Woche später sahen die Teilnehmenden eigene Videoclips der Rede, nachdem die Kapsel gewirkt hatte. Wieder eine Woche später kamen dieselben Bilder ohne Wirkstoff.
Die Clips hoben Belastung und Erregung gegenüber neutralen Szenen. THC senkte die meisten subjektiven und körperlichen Antworten nicht. Einzig die mimische Anspannung während der Bilder fiel geringer aus. Bayes-Analysen stützten die Nullbefunde, obwohl die Gruppen mit zwölf Personen klein waren. Ein späterer drogenfreier Durchgang zeigte keine nachwirkende Entschärfung der Erinnerung.
Akuter Laborstress und das Wiedererleben eines belastenden Moments sind verschiedene Aufgaben für das Gehirn. Wer hofft, THC lösche den Film im Kopf, findet in dieser Arbeit keinen Beleg. Die Dosen lagen nahe am früher günstigen Bereich, der Aufnahmeweg war wieder die Kapsel, die Stichprobe wieder gesund und erfahren, aber nicht abhängig. Die Enge des Fensters wird dadurch eher größer, nicht kleiner.
Spielen Aufnahmeweg und CBD eine Rolle?
Ja, Rauchen, Dampfen, Tropfen und Speisen unterscheiden sich in Beginn, Dauer und Steuerbarkeit; CBD kann THC-Angst dämpfen, ersetzt aber keine zugelassene Angsttherapie. Orales THC braucht laut der Chicago-Gruppe etwa zwei bis zweieinhalb Stunden bis zur erwarteten Spitze. Gerauchtes oder verdampftes THC wirkt schneller und klingt oft früher ab. Essbare Produkte bergen nach CDC und MedlinePlus ein höheres Vergiftungsrisiko, weil die Wirkung später einsetzt und Nachdosieren lockt. Kinder, die THC-Süßigkeiten essen, können schwer krank werden.
CBD erzeugt keinen klassischen Rausch. Sharpe schreibt, akute CBD-Dosen minderten Angst bei Tieren und Menschen, ohne in höherer Menge angststeigernd zu kippen. NCCIH nennt die kleine Redeangst-Studie und warnt zugleich vor frei verkäuflichen CBD-Produkten, deren Gehalt von der Etikette abweichen und die THC enthalten können. Die Mayo Clinic nennt bei CBD-Mengen über 300 Milligramm pro Tag Übelkeit, Durchfall und Leberwerte als mögliche Probleme. Epidiolex, ein gereinigtes CBD-Arzneimittel, ist in den USA für seltene kindliche Epilepsien zugelassen, nicht für Stress.
Vier Unterschiede bleiben im Alltag oft unsichtbar.
- Ein Joint mischt Dutzende Pflanzenstoffe; die Kapselstudie isolierte THC.
- Straßenware und Onlineöle haben keine geprüfte Stärke, der NHS warnt ausdrücklich davor.
- Wer THC und Alkohol kombiniert, verstärkt laut Mayo Clinic Stimmungsschwankungen und verlangsamte Reaktion.
- Topische Cremes erzeugen in der Regel keinen Rausch, helfen aber auch nicht gegen Prüfungsangst.
Was Leitlinien zu medizinischem Cannabis sagen
Weder NICE noch der NHS empfehlen cannabisbasierte Arzneimittel gegen Stress oder Angststörungen; die zugelassenen Engpässe heißen schwere Übelkeit, MS-Spastik und bestimmte Epilepsien. NG144 gilt für Übelkeit und Erbrechen, chronischen Schmerz, Spastik und schwer behandelbare Epilepsie. Zuletzt geprüft wurde die Leitlinie am 20. Mai 2025, ohne die Empfehlungen zur Angst zu öffnen. Nabilon kann bei chemotherapiebedingter Übelkeit erwogen werden, wenn übliche Mittel nicht reichen. Ein Spray aus THC und CBD kommt bei mittelschwerer bis schwerer MS-Spastik als vierwöchiger Versuch infrage. Bei chronischem Schmerz sollen Nabilon, Dronabinol, THC und die Kombination mit CBD nicht angeboten werden.
Der NHS schreibt, ein Rezept komme in England nur für sehr wenige Menschen infrage: seltene schwere Epilepsien, Übelkeit unter Chemotherapie, Muskelsteifheit bei Multipler Sklerose, und auch dort erst nach Versagen anderer Mittel. Angst steht auf dieser Liste nicht. Die Mayo Clinic hält fest, die US-Arzneimittelbehörde habe die Cannabispflanze für keine medizinische Verwendung zugelassen. Zugelassen sind einzelne Wirkstoffe: Dronabinol und Nabilon gegen Übelkeit, Dronabinol zusätzlich bei Appetitverlust unter HIV, gereinigtes CBD gegen zwei schwere kindliche Epilepsien.
NICE verlangt vor einem Rezept die Prüfung der psychischen Vorgeschichte, früherer Substanzprobleme, möglicher Abhängigkeit und von Wechselwirkungen. Stillen gilt für Sativex und Nabilon als Gegenanzeige. Schwangerschaft und Stillzeit sollen gemieden werden; die Mayo Clinic rät ebenso bei aktiver Herzkrankheit, aktiver psychischer Erkrankung und früherem Suchtverhalten. Das ist die Gegenrichtung zur Idee, sich Stress „mit etwas THC“ selbst zu verordnen.
Welche Risiken und Wechselwirkungen zählen
Cannabis kann Herz, Lunge, Fahrtüchtigkeit und Psyche belasten; die CDC schätzt, dass etwa drei von zehn Konsumenten Kriterien einer Cannabiskonsumstörung erfüllen. 2022 nutzten in den USA schätzungsweise 61,9 Millionen Menschen Cannabis. Das Risiko der Störung steigt, wenn der Konsum in der Jugend beginnt oder sehr häufig bleibt. Hochkonzentrierte THC-Produkte hängen mit schwereren Störungssymptomen zusammen. NCCIH nennt Jugendliche vier- bis siebenmal anfälliger als Erwachsene.
Unmittelbar nach dem Konsum können Puls und Blutdruck steigen, so die CDC-Seite zu den Gesundheitswirkungen. Ein Zusammenhang mit Schlaganfall und Herzkrankheit wird diskutiert. Gerauchtes Cannabis kann Lungengewebe reizen. Fahren leidet unter langsamerer Reaktion, schlechterer Koordination und verzerrter Wahrnehmung. Zusammen mit Alkohol wird die Beeinträchtigung größer. Die Mayo Clinic rät, zwei Wochen vor einer Narkose auf Cannabis zu verzichten, weil mehr Anästhetikum nötig sein kann und der Puls entgleisen kann.
Häufige unerwünschte Wirkungen laut Mayo Clinic sind trockener Mund, rote Augen, Schwindel, Müdigkeit, Husten und Kopfschmerz. Schwerer wiegen Angst, Halluzinationen, Psychose, Gedächtnisprobleme und Herzrasen. Die CDC verknüpft den Konsum mit sozialer Angst, Depression und Schizophrenie, ohne die Richtung der Beziehung vollständig zu kennen. Der Zusammenhang mit Schizophrenie ist stärker, wenn früh und häufig konsumiert wird. Auch Suizidgedanken und -versuche werden genannt.
Wechselwirkungen, die die Mayo Clinic 2025 ausdrücklich führt, betreffen Alkohol, gerinnungshemmende Mittel (besonders Warfarin), zentral dämpfende Arzneimittel, Proteasehemmer und Mittel gegen Anfälle. CBD kann Leberwerte verschieben. Der NHS ergänzt Appetitverlust, Durchfall, Schwäche, Stimmungsänderung, Müdigkeit, Rausch, Halluzinationen und Suizidgedanken als mögliche Begleiter verordneter Präparate. Keine dieser Listen ist eine Gebrauchsanweisung für Freizeitprodukte.
Wann mit Stress oder Cannabiswirkung zum Arzt?
Anhaltende Angst, Panik, die nicht abklingt, Herzrasen mit Brustschmerz, Halluzinationen oder Suizidgedanken gehören in die Sprechstunde oder den Notfall, nicht in den nächsten Joint. Die CDC und die Mayo Clinic beschreiben Angst, Paranoia und den Verlust des Realitätsbezugs als mögliche Cannabiswirkungen. Der NHS nennt bei medizinischen Präparaten Halluzinationen und Suizidgedanken als Gründe, das Behandlungsteam zu informieren. NCCIH warnt davor, mit Cannabis einen Arztbesuch aufzuschieben.
Vier Schwellen sind alltagsnah.
- Eine Panik mit Luftnot, stechendem Brustschmerz oder Ohnmachtsgefühl braucht sofortige Hilfe, weil Herz und Lunge mitgeprüft werden müssen.
- Stimmenhören, Verfolgungsideen oder das Gefühl, die Umgebung sei unwirklich, sind psychiatrische Notfälle, besonders nach hochdosiertem THC.
- Kinder, die essbare THC-Produkte gefunden haben, gehören laut CDC zum Giftnotruf oder in die Notaufnahme.
- Wer seit Wochen schlecht schläft, sich meidet oder den Alltag nicht mehr schafft, braucht eine Angstabklärung mit Gesprächs- und, falls nötig, medikamentösen Optionen, die geprüft sind.
Schwangere und Stillende sollen Cannabis nach Mayo Clinic meiden. Menschen mit bipolarer Störung können in eine manische Phase kippen. Bei Schizophrenie kann der Konsum die Psychosegefahr erhöhen. Wer bereits Antidepressiva, Benzodiazepine, Anfalls- oder Gerinnungsmittel nimmt, sollte vor jedem THC- oder CBD-Produkt die Ärztin oder den Apotheker fragen. Das gilt auch dann, wenn das Öl „nur CBD“ heißt.
Häufige Fragen
Hilft Cannabis wirklich gegen Stress?
Niedrige orale THC-Dosen können im Labor die gefühlte Anspannung nach einem sozialen Stressor etwas verkürzen. Schon 12,5 Milligramm wirkten in derselben Studie störend. Für alltäglichen Dauerstress oder eine Angststörung fehlt ein vergleichbarer Beleg.
Ab welcher Menge kippt THC in Angst?
Ein festes Milligramm-Limit für jeden Menschen gibt es nicht. In der Chicago-Studie lag der günstige Punkt bei 7,5 Milligramm oral, der ungünstige bei 12,5. Rauchen, Speisen und unterschiedliche Toleranz verschieben diese Schwelle.
Ist CBD die bessere Wahl bei Angst?
CBD erzeugt keinen klassischen Rausch und wirkte in kleinen Versuchen angstlösend, ohne in höherer Dosis umzukippen. Frei verkäufliche Öle sind schlecht standardisiert. Zugelassen ist gereinigtes CBD für seltene Epilepsien, nicht für Angststörungen.
Verschreiben Ärztinnen Cannabis gegen Stress?
In den Leitlinien von NICE und in der NHS-Praxis sind Angst und Stress keine Indikation. Verordnet werden bestimmte Präparate bei ausgewählten Epilepsien, Chemotherapie-Übelkeit und MS-Spastik, meist nach Versagen anderer Mittel.
Kann ich THC mit Beruhigungsmitteln nehmen?
Die Mayo Clinic warnt vor der Kombination mit Alkohol und mit Mitteln, die Gehirn und Rückenmark dämpfen. Schläfrigkeit und verlangsamte Reaktion können zunehmen. Solche Mischungen gehören nicht in den Selbstversuch.
Wann ist Cannabis bei Stress ein Notfall?
Wenn nach dem Konsum Panik, Herzrasen mit Brustschmerz, Halluzinationen oder Suizidgedanken auftreten, ist das ein Grund für sofortige Hilfe. Dasselbe gilt, wenn ein Kind ein THC-Lebensmittel gegessen hat.
Fazit
Das Dosisargument aus der Laborstudie von 2017 bleibt gültig und wird enger gelesen als 2018. 7,5 Milligramm orales THC können die Erholung nach einem künstlichen sozialen Stressor erleichtern. 12,5 Milligramm können Angst und schlechte Stimmung schon vor der Aufgabe heben. 5 und 10 Milligramm halfen 2026 nicht, wenn dieselbe Belastung als Erinnerung wiederkehrte. Cortisol folgte der Erleichterung nicht.
Seit der alten Kurzfassung der Seite haben Leitlinien und Übersichten die praktische Konsequenz verschoben. NICE und NHS halten cannabisbasierte Arzneimittel von Angststörungen fern. Die Metaanalyse von 2026 findet für Angst und posttraumatische Symptome keinen Nutzen, wohl aber mehr Alltagsnebenwirkungen. CDC und Mayo Clinic beschreiben Angst und Paranoia als mögliche Wirkung, nicht als Therapieziel.
Wer Stress abbauen will, beginnt bei Schlaf, Bewegung, Alkoholpause und, wenn die Unruhe den Alltag stellt, bei der Hausarztpraxis oder einer psychotherapeutischen Abklärung. Cannabis ist dafür kein geprüfter Ersatz. Wer bereits konsumiert und merkt, dass Unruhe, Herzrasen oder Misstrauen zunehmen, sollte Menge und Anlass notieren und das offen ansprechen, statt die Dosis zu erhöhen.
Quellen
- Childs E, Lutz JA et al.: Dose-related effects of delta-9-THC on emotional responses to acute psychosocial stress. Drug and Alcohol Dependence, 1. August 2017.
- National Institute for Health and Care Excellence: Cannabis-based medicinal products. National Institute for Health and Care Excellence, Stand: 20. Mai 2025.
- Centers for Disease Control and Prevention: Cannabis and Mental Health. Centers for Disease Control and Prevention, 15. Februar 2024.
- Centers for Disease Control and Prevention: Cannabis Health Effects. Centers for Disease Control and Prevention, 16. Februar 2024.
- Mayo Clinic Staff: Marijuana – Mayo Clinic. Mayo Clinic, 15. August 2025.
- MedlinePlus: Cannabis (Marijuana). MedlinePlus, Stand: 2025.
- National Center for Complementary and Integrative Health: Cannabis (Marijuana) and Cannabinoids: What You Need To Know. National Center for Complementary and Integrative Health, Stand: 2024.
- Sharpe L, Sinclair J et al.: Cannabis, a cause for anxiety? A critical appraisal of the anxiogenic and anxiolytic properties. Journal of Translational Medicine, 2. Oktober 2020.
- Molla H, Hahn E et al.: Acute and delayed effects of THC on memories of stress in healthy adults. Psychopharmacology, 15. April 2026.
- National Health Service: Medical cannabis (and cannabis oils). National Health Service, 27. Mai 2022.
- Wilson J, Dobson O et al.: The efficacy and safety of cannabinoids for the treatment of mental disorders and substance use disorders: a systematic review and meta-analysis. The Lancet Psychiatry, 17. März 2026.
- Beletsky A et al.: Cannabis and Anxiety: A Critical Review. Medical Cannabis and Cannabinoids, 23. Februar 2024.
