Grippeimpfstoff: Schutzwirkung trotz Virusdrift

Grippeimpfstoff: Schutzwirkung trotz Virusdrift

Der saisonale Grippeimpfstoff senkt auch dann das Risiko für einen Arztbesuch und für eine Klinikeinweisung, wenn das zirkulierende A(H3N2)-Virus vom Impfstoffstamm abweicht; er verhindert die Infektion aber nicht bei jedem Geimpften. Die vorläufigen US-Schätzungen der CDC vom März 2026 nennen für die Saison 2025/26 bei Kindern 38 bis 41 Prozent weniger ambulante Grippebesuche und 41 Prozent weniger Klinikeinweisungen, bei Erwachsenen 22 bis 34 Prozent ambulant und 30 Prozent gegen Krankenhausaufnahme.

Die oft zitierte Zahl „23 Prozent“ stammt aus einem Zwischenbericht zur Saison 2014/15, ebenfalls einer H3N2-Drift-Welle. Damals wie 2025/26 blieb die Empfehlung stehen: impfen, und bei Risiko oder schwerem Verlauf früh antiviral behandeln, unabhängig vom Impfstatus. Die Impfung ist kein Schild gegen jedes Fieber, sie verschiebt aber die Wahrscheinlichkeit schwerer Verläufe.

Wer Symptome bekommt, sollte die Uhr nicht nach dem Impftermin stellen. Entscheidend sind Alter, Vorerkrankungen und wie schnell sich Atemnot, Verwirrtheit oder Brustschmerz entwickeln. Die folgenden Abschnitte trennen aktuelle Messwerte, Gründe für schwache H3N2-Jahre, Impfstoffwahl, antivirale Dosen und klare Schwellen für die Praxis.

Wie wirksam ist der aktuelle Grippeimpfstoff?

Vorläufige Daten dreier US-Überwachungsnetze (September 2025 bis Februar 2026, Test-Negativ-Design) zeigen einen messbaren, aber gegenüber den Vorjahren schwächeren Schutz. Unter 142 494 ausgewerteten Kontakten lag die Impfstoffwirksamkeit gegen jede laborbestätigte Influenza bei Kindern unter 18 Jahren bei 38 bis 41 Prozent für den ambulanten Besuch und bei 41 Prozent für die Klinikeinweisung. Bei Erwachsenen reichte die ambulante Spanne von 22 Prozent in einem aktiv rekrutierenden Netz bis 34 Prozent in einem großen Routinedaten-Netz; gegen Klinikeinweisung waren es 30 Prozent.

Gegen Influenza A, die 2025/26 klar dominierte, lagen die Kinderwerte zwischen 37 Prozent ambulant und 42 Prozent in der Klinik. Speziell gegen A(H3N2) nannte das pädiatrische Netz 35 Prozent ambulant und 38 Prozent stationär. Gegen Influenza B, die seltener vorkam, waren die Punktwerte höher: 45 bis 71 Prozent bei Minderjährigen ambulant und 63 Prozent bei Erwachsenen. Mehrere Teilschätzungen, vor allem in kleineren Erwachsenengruppen gegen H3N2, waren statistisch nicht belastbar. Die CDC betont ausdrücklich, dass Endstandszahlen noch nachziehen können.

Die Last der Saison war trotzdem hoch. Von Oktober 2025 bis Ende Februar 2026 schätzte die Behörde mindestens 26 Millionen Erkrankungen, 340 000 Klinikeinweisungen und 21 000 Todesfälle in den USA. Bis zum 21. Februar 2026 waren erst 48 Prozent der Kinder und 47 Prozent der Erwachsenen geimpft. Eine niedrige Quote bedeutet also nicht „Impfung nutzlos“, sondern „weniger Menschen haben den vorhandenen Schutz überhaupt in Anspruch genommen“.

Gruppe und Saison Punktwert Was gemessen wurde
2014/15, alle Alter, Zwischenstand 23 % (8–36) Arztbesuch wegen laborbestätigter Grippe
2014/15, Kinder 6 Monate–17 Jahre 26 % dasselbe, nur H3N2-lastig
2014/15, 18–49 / ab 50 Jahre 12 % / 14 % dasselbe, nur bei Kindern signifikant
2025/26, Kinder, ambulant 38–41 % Arzt- oder Notfallbesuch
2025/26, Erwachsene, ambulant 22–34 % Arzt- oder Notfallbesuch
2025/26, Erwachsene, Klinik 30 % Krankenhausaufnahme
Metaanalyse H3N2, 56 Studien 33 % (26–39) gepoolt, Test-Negativ, 2004–2015

Mayo Clinic fasst längere Reihen seit 2009 so zusammen: der Schutz schwankt zwischen etwa 22 und 56 Prozent. In dieser Spanne liegen beide Drift-Saisons. Eine einzelne Prozentzahl ohne Altersgruppe, Endpunkt und Virustyp ist deshalb kaum zu deuten.

Eine Grippeimpfung auf einer Zeitung

Warum fällt der Schutz gegen H3N2 oft schwächer aus?

Influenza-A(H3N2) verändert die Oberflächenproteine schneller als H1N1 oder Influenza B, und der Impfstoff muss Monate vor dem Winter feststehen. 2025/26 waren 88 Prozent der subtypisierten A-Proben H3N2; von den genetisch genauer bestimmten Isolaten gehörten 93 Prozent zur Unterklade K (Klade 2a.3a.1, J.2.4.1). Die CDC hatte dieses Virus im Juni 2025 entdeckt, nachdem die Impfstoffstämme schon gewählt waren. Es unterscheidet sich antigenetisch vom A/Croatia/10136RV/2023-ähnlichen H3N2-Anteil der Saisonpräparate. Auch 64 Prozent der sequenzierten B-Viren (Klade C.3.1) wichen vom B-Impfstoffstamm ab.

Dass Drift die Quote drückt, ist kein neues Muster. Eine Metaanalyse von Belongia und Kollegen (56 Test-Negativ-Studien, Suche bis März 2015) fand gepoolt 33 Prozent Wirksamkeit gegen H3N2, 54 Prozent gegen Typ B und 61 Prozent gegen H1N1pdm09. Gegen antigenetisch abweichende H3N2-Viren lagen die gepoolten 23 Prozent, gegen als passend eingestufte Stämme immer noch nur 33 Prozent. Selbst „Match“ auf dem Papier rettet die H3N2-Quote also nicht vollständig. Bei Menschen über 60 Jahren schrumpfte der H3N2-Schutz auf 24 Prozent, mit einem Konfidenzintervall, das die Null einschloss.

Zwei biologische Wege erklären das. Erstens driftet H3N2 in der Bevölkerung und verdeckt Antikörperbindungsstellen durch zusätzliche Zuckerreste am Hämagglutinin. Zweitens wachsen viele Impfstoffviren in Hühnereiern; dabei können Ei-Anpassungsmutationen entstehen, die die Immunantwort vom Feldvirus wegziehen. Zellkultur- und rekombinante Präparate umgehen den Ei-Schritt, ersetzen aber nicht die jährliche Stammwahl. 2018/19 zirkulierte ebenfalls ein gedriftetes H3N2, und die Gesamtquote lag laut CDC-Vergleich bei 29 Prozent. 2025/26 ähnelt diesem Bild mehr als einer gut passenden H1N1-Saison.

Was bedeutet die alte 23-Prozent-Zahl heute noch?

Die 23 Prozent waren ein Zwischenstand vom Januar 2015, nicht das letzte Wort jener Saison. Aus 2321 ambulant erfassten Kindern und Erwachsenen mit akuter Atemwegserkrankung (10. November 2014 bis 2. Januar 2015) berechnete das US-Flu-VE-Netz 23 Prozent weniger Arztbesuche wegen laborbestätigter Grippe (95-Prozent-Konfidenzintervall 8 bis 36). 41 Prozent der Proben waren influenza-positiv, davon 96 Prozent Typ A, und alle subtypisierten A-Viren waren H3N2. Nach Alter lag der Punktwert bei 26 Prozent (6 Monate bis 17 Jahre), 12 Prozent (18–49) und 14 Prozent (ab 50); nur die Kindergruppe war signifikant.

Zwei Drittel der näher untersuchten H3N2-Isolate jener Welle waren antigenetisch gedriftet (ähnlich A/Switzerland/9715293/2013 statt A/Texas/50/2012). Spätere Auswertungen derselben Saison landeten insgesamt bei etwa 19 Prozent. Wer „23 Prozent“ als feste Naturkonstante der Grippeimpfung liest, vermischt also einen frühen H3N2-Drift-Wert mit allen späteren Wintern.

Der Mechanismus 2025/26 ist verwandt, die Höhe der Quote nicht identisch. Erwachsene liegen ambulant wieder in der Nähe von 22 Prozent, Kinder aber deutlich höher als 2014/15. Gegen Klinikeinweisung, die 2015 in dem frühen Bericht noch fehlte, stehen 2026 eigene Zahlen: 41 Prozent bei Minderjährigen, 29 bis 31 Prozent bei Erwachsenen. Die historische Schlagzeile bleibt nützlich als Warnung vor H3N2-Jahren. Als Maß für „den“ Impfstoff taugt sie nicht.

Lohnt die Impfung trotzdem?

Ja, weil Wirksamkeit gegen den Arztbesuch und Nutzen für Kliniken und Sterbefälle auseinanderfallen können. In der Saison 2024/25, die besser zum Impfstoff passte, verhinderte die Impfung nach CDC-Schätzung rund 5 Millionen Arztbesuche, 180 000 Klinikeinweisungen und 12 000 Todesfälle. 2022/23 lag die Gesamtquote nur bei 30 Prozent, und trotzdem rechnete die Behörde mit 71 000 verhinderten Klinikeinweisungen und 4300 verhinderten Todesfällen. Eine bescheidene individuelle Quote skaliert in einer großen Bevölkerung zu vielen vermiedenen schweren Verläufen.

Der Impfstoff kann außerdem Viren treffen, die später im Winter zunehmen. 2025/26 blieb der Schutz gegen Influenza B klar höher als gegen das gedriftete H3N2. Wer nur die H3N2-Schlagzeile sieht, unterschätzt diesen zweiten Anteil. Mayo Clinic erinnert daran, dass die volle Antikörperantwort bis zu zwei Wochen braucht; eine Impfung im September oder Oktober deckt den nordamerikanischen Kernwinter besser ab als ein Termin im Hochsommer, dessen Schutz bei Älteren eher nachlässt.

ACIP empfiehlt weiter die jährliche Impfung für alle Menschen ab sechs Monaten ohne Kontraindikation, auch 2025/26. Die CDC schrieb im März 2026 ausdrücklich, dass die Impfung trotz Drift Arztbesuche und Klinikeinweisungen reduziert habe und Ungeimpfte den verfügbaren Impfstoff noch nehmen können, solange Viren zirkulieren. Das ist keine Garantie gegen Fieber. Es ist die Begründung, warum eine Quote von 20 bis 40 Prozent medizinisch etwas anderes ist als „wirkungslos“.

Welche Impfstoffe empfiehlt die ACIP jetzt?

Für 2025/26 sind in den USA trivalente Präparate vorgesehen: inaktivierte Spritzen, ein rekombinantes Präparat und ein lebend-attenuierter Nasenspray. Der B/Yamagata-Zweig fehlt, weil er in der Überwachung nicht mehr nachweisbar ist; der H3N2-Anteil wurde gegenüber 2024/25 aktualisiert (ei-basiert A/Croatia/10136RV/2023-ähnlich, zell- und rekombinant A/District of Columbia/27/2023-ähnlich). Die Wahl hängt vom Alter und von Vorerkrankungen ab, nicht von der Schlagzeile der Woche.

Erwachsene ab 65 Jahren sollen bevorzugt eine Hochdosis-Spritze (60 Mikrogramm Hämagglutinin je Komponente), ein rekombinantes Präparat (45 Mikrogramm) oder ein adjuvantiertes Standarddosis-Präparat (15 Mikrogramm plus MF59) erhalten. Fehlt eines dieser drei am Impftermin, gilt jedes andere altersgerechte Präparat. Organtransplantierte zwischen 18 und 64 Jahren unter Immunsuppression dürfen Hochdosis oder Adjuvans ebenfalls nutzen, ohne Vorrang vor den übrigen Optionen. Für alle anderen Gruppen nennt ACIP keinen Favoriten, solange das Produkt zugelassen und altersgerecht ist.

Zwei praktische Änderungen betreffen den Zugang. Der Nasenspray darf in den USA bei 18- bis 49-Jährigen selbst und bei 2- bis 17-Jährigen durch eine erwachsene Bezugsperson gegeben werden; Schwangerschaft, schwere Immunschwäche, bestimmte Atemwegserkrankungen und ein kürzlicher antiviraler Kurs bleiben Ausschlussgründe. Das rekombinante Präparat ist seit März 2025 ab neun Jahren zugelassen, nicht mehr erst ab 18. Kinder von sechs Monaten bis acht Jahren brauchen zwei Dosen im Abstand von mindestens vier Wochen, wenn sie vor dem 1. Juli 2025 keine zwei Influenza-Dosen erhalten haben.

Eine Ei-Allergie, auch mit früherem anaphylaktischem Verlauf, ist nach ACIP seit 2023 kein Grund mehr für einen Sonderweg. Jeder altersgerechte Impfstoff, ei-basiert oder nicht, darf in der üblichen Impfsetting gegeben werden. Eine schwere allergische Reaktion auf ein konkretes Präparat bleibt dagegen eine Kontraindikation genau dieses Produkts. Guillain-Barré-Syndrom innerhalb von sechs Wochen nach einer früheren Grippeimpfung gilt als Vorsichtsgrund, über den die Praxis entscheidet.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe?

Schwere Grippe trifft vor allem die Ränder des Alters und Menschen mit vorgeschädigten Organen. Die CDC listet Erwachsene ab 65 Jahren, Kinder unter zwei Jahren (innerhalb der unter Fünfjährigen die höchste Kliniklast bei Säuglingen unter sechs Monaten), Schwangere einschließlich der ersten zwei Wochen nach der Geburt sowie Bewohner von Pflegeheimen. Chronische Lungen-, Herz-, Nieren-, Leber- und Stoffwechselkrankheiten, neurologische Störungen, Blutkrankheiten, ein Body-Mass-Index von 40 oder mehr, Schlaganfall in der Vorgeschichte und eine medikamentös oder durch Krankheit geschwächte Abwehr gehören dazu. Jugendliche unter 19 Jahren mit Dauertherapie durch Acetylsalicylsäure haben ein eigenes Risiko.

In jüngeren US-Saisons hatten neun von zehn hospitalisierten Grippepatienten mindestens eine solche Vorerkrankung. Die Impfung kann bei ihnen nicht nur die Infektion seltener machen, sondern auch das Aufflackern der Grundkrankheit dämpfen. WHO schätzt weltweit rund eine Milliarde Grippefälle pro Jahr, 3 bis 5 Millionen schwere Verläufe und 290 000 bis 650 000 Atemwegssterbefälle; in Industrieländern sterben vor allem Menschen ab 65 Jahren.

MedlinePlus und Cleveland Clinic beschreiben denselben Kern: plötzliches Fieber, trockener Husten, Muskel- und Kopfschmerz, ausgeprägte Abgeschlagenheit, Hals- und Nasenbeschwerden. Erbrechen und Durchfall kommen vor, häufiger bei Kindern. Inkubation meist ein bis vier Tage, Ansteckung oft schon einen Tag vor Symptombeginn und mehrere Tage danach. „Magen-Darm-Grippe“ ist keine Influenza, sondern in der Regel eine Gastroenteritis durch andere Erreger.

Gesundheitspersonal trägt ein erhöhtes Ansteckungsrisiko und kann die Infektion in vulnerable Stationen tragen. Für diese Gruppe bleibt die jährliche Impfung deshalb doppelt begründet: Eigenschutz und weniger Weitergabe. Das ändert nichts daran, dass auch Geimpfte erkranken können und dann dieselben Hygieneregeln brauchen wie Ungeimpfte.

Wann helfen antivirale Mittel, und welche Dosen gelten?

Antivirale Mittel ersetzen die Impfung nicht, fangen aber genau die Lücke auf, die eine schwache Saisonquote lässt. Die CDC empfiehlt den Start so früh wie möglich bei jedem Verdacht oder Nachweis, wenn die Person im Krankenhaus liegt, einen schweren, komplizierten oder fortschreitenden Verlauf hat oder zur Risikogruppe zählt. Auf den Laborbescheid zu warten, ist in diesen Gruppen falsch. Bei bisher Gesunden ohne Risiko kann die Praxis eine frühe Therapie erwägen, sofern sie innerhalb von zwei Tagen nach Beginn startet.

Für unkomplizierte ambulante Fälle stehen vier zugelassene Wirkstoffe bereit: orales Oseltamivir, inhaliertes Zanamivir, intravenöses Peramivir und orales Baloxavir. Amantadin und Rimantadin gelten wegen hoher Resistenz der zirkulierenden A-Viren nicht mehr. In der Klinik und bei fortschreitender Krankheit außerhalb der Klinik ist orales oder über die Sonde gegebenes Oseltamivir erste Wahl. Zanamivir, Peramivir und Baloxavir fehlen belastbare Klinikdaten; Baloxavir ist zudem für Schwangerschaft, Stillzeit, schwere Immunsuppression und schwere, nicht stationäre Verläufe nicht empfohlen.

Laut CDC-Tabelle (Stand 10. März 2026) dauert die Oseltamivir-Therapie unkomplizierter Grippe fünf Tage. Erwachsene mit normaler Nierenfunktion nehmen 75 Milligramm zweimal täglich; bei einer Kreatinin-Clearance von 31 bis 60 Milliliter pro Minute sinkt die Dosis auf 30 Milligramm zweimal täglich, darunter weiter. Kinder ab einem Jahr erhalten gewichtsbezogen 30, 45, 60 oder 75 Milligramm zweimal täglich (Schwellen 15, 23 und 40 Kilogramm). Unter einem Jahr gelten 3 Milligramm pro Kilogramm zweimal täglich; für Frühgeborene gibt die CDC eigene, niedrigere Schemata nach postmenstruellem Alter. Häufige unerwünschte Wirkungen sind Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerz; Nahrung kann die Magensymptome lindern.

Baloxavir ist eine Einzeldosis ab fünf Jahren (unter 20 Kilogramm 2 Milligramm pro Kilogramm, 20 bis unter 80 Kilogramm 40 Milligramm, ab 80 Kilogramm 80 Milligramm). Milchprodukte, calciumhaltige Getränke, Antazida und orale Präparate mit Eisen, Zink, Magnesium oder Selen können den Spiegel senken und sollen nicht gleichzeitig genommen werden. Zanamivir (ab sieben Jahren zur Therapie, 10 Milligramm zweimal täglich über fünf Tage) ist bei Asthma oder COPD kontraindiziert. Peramivir ist eine Infusion, bei Erwachsenen 600 Milligramm einmalig, mit Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz.

Beobachtungsstudien bei stationären Patienten deuten auf Nutzen auch dann, wenn die Therapie erst am vierten oder fünften Krankheitstag beginnt; der größte Gewinn bleibt die ersten 48 Stunden. Eine frühere Impfung ändert die Indikation nicht. Oseltamivir gilt in der Schwangerschaft in gleicher Dosis wie außerhalb; Baloxavir nicht.

Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme?

Wer zur Risikogruppe zählt und grippeähnliche Beschwerden bekommt, sollte noch am selben Tag die Praxis oder den Bereitschaftsdienst anrufen, auch wenn das Fieber mäßig wirkt. Die CDC rät genau dieser Gruppe, nicht abzuwarten, bis ein Schnelltest vorliegt. Bei bisher Gesunden ohne Risiko reicht oft häusliche Beobachtung; ärztlicher Rat wird nötig, wenn die Beschwerden nach einer Woche nicht nachlassen, Fieber länger als drei Tage bleibt oder sich nach kurzer Besserung wieder verschlechtert. Schwangere mit Fieber gehören früh in ärztliche Hände.

Notaufnahme oder Rettungsdienst sind angezeigt bei Atemnot, anhaltendem Brust- oder Bauchschmerz, Verwirrtheit, anhaltendem Schwindel, Krampfanfall, sehr hohem Fieber, kaum noch Urin, bläulichen Lippen oder Nägeln und bei einem Verlauf, der erst besser und dann deutlich schlechter wird. Cleveland Clinic nennt als Orientierung Fieber über 39,4 °C (in der Quelle 103 °F) plus die genannten Organzeichen. Kinder zeigen oft weniger klare Sprache: schnelle Atmung, fehlende Tränen, extreme Schläfrigkeit oder das Verweigern von Flüssigkeit ersetzen dann die Erwachsenenschilderung.

Ein positiver Influenzatest schließt SARS-CoV-2 nicht aus, und umgekehrt. Bei schwerer Atemwegserkrankung im Krankenhaus sollen beide Erreger bedacht und Oseltamivir bei Grippeverdacht trotzdem sofort begonnen werden. Telemedizin kann den frühen Anruf ersetzen, nicht aber die Klinikeinweisung bei Sauerstoffmangel.

  • Plötzliches hohes Fieber mit Muskel- und Kopfschmerz und trockenem Husten spricht für Influenza, beweist sie aber nicht allein.
  • Risikopersonen rufen bei solchen Zeichen noch am ersten oder zweiten Tag an, statt auf den Schnelltest zu warten.
  • Atemnot, Brustschmerz, Verwirrtheit oder bläuliche Lippen gehören in die Notaufnahme, nicht in die Hausapotheke.
  • Nach kurzer Besserung erneut steigendes Fieber oder neuer Husten kann eine bakterielle Zweitinfektion anzeigen.

Was schützt neben der Impfung vor Ansteckung?

Abstand zu Erkrankten, Hände waschen und das Gesicht nicht mit ungewaschenen Händen zu berühren, senken die Chance, Tröpfchen oder kontaminierte Flächen ins eigene Atemwegsepithel zu tragen. WHO und Mayo Clinic nennen dieselben Alltagsregeln: in die Armbeuge oder ins Tuch niesen, Flächen reinigen, Menschenansammlungen in der Hochphase meiden. Alkoholisches Händedesinfektionsmittel mit mindestens 60 Prozent Alkohol hilft, wenn Seife fehlt.

Wer selbst fiebert, bleibt zu Hause, bis 24 Stunden ohne fiebersenkende Mittel vergangen sind. Cleveland Clinic ergänzt, dass die Ansteckung oft schon einen Tag vor dem ersten Symptom beginnt und drei bis vier Tage nach Beginn am höchsten ist; bei Säuglingen und Immunschwachen kann sie länger dauern. Maske in Innenräumen, wenn man krank zur Untersuchung muss, schützt das Wartezimmer.

Diese Maßnahmen ersetzen keine Impfung. Sie fangen die Stunden vor dem Symptombeginn und die Tage nach dem Fieber ab, in denen der Impfschutz ohnehin nicht 100 Prozent beträgt. In Pflegeheimen und Krankenhäusern kommt bei Ausbrüchen zusätzlich die chemoprophylaktische Gabe von Oseltamivir oder Zanamivir für mindestens zwei Wochen und bis eine Woche nach dem letzten Fall hinzu, auch bei bereits Geimpften.

Kommt ein universeller Grippeimpfstoff?

Ein Präparat, das einmal gegeben gegen alle Drift-Varianten und Pandemie-Subtypen schützt, ist 2026 weiterhin Forschung, keine zugelassene Alternative zur Saisonimpfung. Ältere Berichte hatten für breit neutralisierende Antikörper gegen den Hämagglutinin-Stamm einen Horizont von wenigen Jahren genannt. Was tatsächlich läuft, sind Phase-1-Studien zur Sicherheit und Immunogenität.

Das US-Nationale Institut für Allergie und Infektionskrankheiten prüft seit dem 27. August 2025 den Kandidaten SteMos1 (VRC-FLUMOS0122-00-VP): ein Nanopartikel mit stabilisierten Hämagglutinin-Stämmen von vier Influenza-A-Subtypen (H2, H5, H7, H10), mit oder ohne Adjuvans, bei gesunden 18- bis 50-Jährigen. Geplant sind etwa 56 Teilnehmende, zwei intramuskuläre Dosen im Abstand von 16 Wochen, Nachbeobachtung über 68 Wochen. Primäres Ziel ist Verträglichkeit, nicht der Nachweis, dass Klinikeinweisungen sinken.

Andere Gruppen testen adjuvantierte Stamm-Antigene oder pan-Influenza-Konstrukte ebenfalls in Phase 1. Solange diese Programme keine großen Wirksamkeitsstudien gegen laborbestätigte Grippe abgeschlossen haben, bleibt der jährliche, aktualisierte Saisonimpfstoff das Mittel, das Arztbesuche und Klinikeinweisungen nachweislich senken kann. Die Hoffnung auf ein einmaliges Präparat erklärt die Forschung. Sie ändert die Empfehlung für den kommenden Winter nicht.

Häufige Fragen

Lohnt sich die Grippeimpfung, wenn sie nur zu 23 Prozent wirkt?

Ja, weil 23 Prozent ein Zwischenwert einer einzelnen H3N2-Drift-Saison 2014/15 waren und weil selbst 20 bis 40 Prozent in einer großen Bevölkerung Klinikeinweisungen und Todesfälle verhindern können. 2025/26 lagen Kinder ambulant bei 38 bis 41 Prozent, Erwachsene bei 22 bis 34 Prozent. Die Impfung bleibt die erste Linie, antivirale Mittel die zweite.

Kann der Impfstoff selbst eine Grippe auslösen?

Nein. Weder die Inaktiv-Spritze noch das rekombinante Präparat enthalten vermehrungsfähiges Virus. Der Nasenspray enthält abgeschwächte Viren und kann milde lokale Reaktionen machen, aber keine typische Grippe bei Menschen, für die er zugelassen ist. Fieber und Gliederschmerzen ein bis zwei Tage nach der Spritze sind eine Immunreaktion, keine Infektion.

Wie schnell muss ich mit antiviralen Mitteln beginnen?

Am besten innerhalb von 48 Stunden nach Symptombeginn, dann ist der Nutzen in Studien am größten. In Klinik, bei fortschreitender Krankheit oder in der Risikogruppe soll Oseltamivir trotzdem so früh wie möglich starten, auch später als zwei Tage. Auf den Test zu warten, verzögert genau das Fenster, das zählt.

Brauche ich trotz Impfung noch antivirale Medikamente?

Ja, wenn Sie zur Risikogruppe zählen, stationär aufgenommen werden oder der Verlauf schwer oder fortschreitend ist. Die CDC koppelt die Therapie ausdrücklich nicht an den Impfstatus. Die Impfung senkt die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung, schließt sie nicht aus.

Wann sollte ich mit Grippe zum Arzt?

Risikopersonen und Schwangere rufen bei plötzlichem Fieber, Husten und Gliederschmerz noch am ersten oder zweiten Tag an. Bisher Gesunde ohne Risiko suchen Hilfe, wenn Atemnot, Brustschmerz, Verwirrtheit, anhaltendes hohes Fieber, kaum Urin oder eine zweite Verschlechterung nach kurzer Besserung auftreten. Kleinkinder mit Trinkverweigerung oder schneller Atmung gehören früher in ärztliche Hände als gesunde Erwachsene mit schnupfenähnlichem Verlauf.

Gibt es bald einen universellen Impfstoff gegen alle Grippeviren?

Zugelassen ist 2026 keines dieser Präparate. Laufende Phase-1-Studien, darunter SteMos1 des NIAID, prüfen Sicherheit und Antikörperbreite. Bis große Wirksamkeitsstudien vorliegen, bleibt die jährliche Saisonimpfung der belegte Schutz.

Fazit

Die Schlagzeile von 23 Prozent beschreibt eine frühe H3N2-Drift-Saison 2014/15, nicht den Impfstoff an sich. 2025/26 wiederholt sich das biologische Muster mit der Unterklade K, die Zahlen liegen bei Erwachsenen ambulant wieder in der Nähe von 20 bis 30 Prozent, bei Kindern und gegen Klinikeinweisung höher. Metaanalysen zeigen seit Jahren: H3N2 ist die schwächste Stelle der Saisonpräparate, H1N1 und B sind meist stärker.

Wer noch ungeimpft ist, während Viren zirkulieren, kann den altersgerechten Impfstoff nachholen; ab 65 Jahren lohnt die Nachfrage nach Hochdosis, Adjuvans oder rekombinantem Präparat. Wer zur Risikogruppe zählt und erkrankt, holt sich früh Oseltamivir oder ein alternatives Mittel nach CDC-Schema, ohne auf den Test zu warten. Atemnot, Verwirrtheit, Brustschmerz und eine zweite Verschlechterung gehören in die Klinik. Der universelle Impfstoff bleibt ein Laborziel. Der nächste sinnvolle Schritt ist der Impftermin und, falls Fieber kommt, der frühe Anruf.

Quellen

  1. Maloney P, Reeves EL et al.: Interim Estimates of 2025–26 Seasonal Influenza Vaccine Effectiveness — United States, September 2025–February 2026. Morbidity and Mortality Weekly Report, 12. März 2026.
  2. Grohskopf LA, Blanton LH et al.: Prevention and Control of Seasonal Influenza with Vaccines: Recommendations of the Advisory Committee on Immunization Practices — United States, 2025–26 Influenza Season. Morbidity and Mortality Weekly Report, 28. August 2025.
  3. Flannery B et al.: Early Estimates of Seasonal Influenza Vaccine Effectiveness — United States, January 2015. Morbidity and Mortality Weekly Report, 16. Januar 2015.
  4. CDC: Influenza Antiviral Medications: Summary for Clinicians. Centers for Disease Control and Prevention, 10. März 2026.
  5. CDC: People at Increased Risk for Flu Complications. Centers for Disease Control and Prevention, 11. September 2024.
  6. Belongia EA, Simpson MD et al.: Variable influenza vaccine effectiveness by subtype: a systematic review and meta-analysis of test-negative design studies. The Lancet Infectious Diseases, 6. April 2016.
  7. Mayo Clinic Staff: Flu shot: Your best bet for avoiding influenza. Mayo Clinic, 24. Oktober 2025.
  8. National Library of Medicine: Flu (also called Grippe, Influenza, Seasonal flu). MedlinePlus, Stand: 2026.
  9. WHO: Influenza (seasonal). World Health Organization, Stand: 2026.
  10. Cleveland Clinic: Flu (Influenza): Causes, Symptoms, Types & Treatment. Cleveland Clinic, 11. Oktober 2022.
  11. NIAID: Quadrivalent Influenza HA Stem Vaccine VRC-FLUMOS0122-00-VP (SteMos1) With and Without ALFQ Adjuvant in Healthy Adults. ClinicalTrials.gov, 27. August 2025.
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