
Citalopram, in den USA als Celexa bekannt, soll nach der aktuellen US-Fachinformation nicht über 40 Milligramm einmal täglich hinausgehen. Höhere Mengen können die elektrische Erholungszeit des Herzens (QTc-Intervall) dosisabhängig verlängern und selten lebensgefährliche Kammerrhythmusstörungen auslösen, darunter Torsade de Pointes.
Die 40-Milligramm-Decke steht seit den Sicherheitsmitteilungen der US-Arzneimittelbehörde FDA von 2011 und 2012 auf dem Etikett und wurde in der Celexa-Kennzeichnung vom Oktober 2023 beibehalten. In einer Zulassungsstudie wirkte 60 Milligramm gegen Depression nicht klar stärker als 40 Milligramm; der zusätzliche Herzpreis lohnt sich nach dieser Lesart nicht. Wer älter als 60 Jahre ist, eine eingeschränkte Leber hat, das Enzym CYP2C19 langsam arbeitet oder Hemmstoffe wie Cimetidin oder Omeprazol nimmt, bleibt laut derselben Kennzeichnung bei höchstens 20 Milligramm. Die britische Fachinformation setzt die Altersgrenze bei über 65 Jahren. Dosisänderungen gehören in die Sprechstunde, nicht in den Küchenschrank. Plötzliches Absetzen kann Entzugserscheinungen auslösen.
Warum gilt für Citalopram die Grenze von 40 mg?
Die 40-Milligramm-Grenze schützt vor einer messbar stärkeren QTc-Verlängerung, nicht vor einem fehlenden Antidepressivum. In der gründlichen QT-Studie der aktuellen Celexa-Fachinformation (119 gesunde Teilnehmende, Vergleich gegen Placebo und Moxifloxacin) lag die mittlere QTc-Differenz zu Placebo bei 8,5 Millisekunden unter 20 Milligramm und bei 18,5 Millisekunden unter 60 Milligramm; für 40 Milligramm rechne das Etikett aus der Konzentrations-Wirkungs-Kurve 12,6 Millisekunden.
Eine Verlängerung um etwa 10 Millisekunden gilt in solchen Studien als Schwelle, ab der Behörden genauer hinsehen. 18,5 Millisekunden unter der früher üblichen 60-Milligramm-Dosis liegen klar darüber. Postmarketing-Meldungen verknüpften Citalopram mit Torsade de Pointes, Kammertachykardie und plötzlichem Tod. Deshalb schreibt die Kennzeichnung, Mengen über 40 Milligramm einmal täglich seien wegen des QT-Risikos nicht empfohlen.
Ältere Packungsbeilagen nannten für einzelne Patienten noch 60 Milligramm. Diese Zahl ist in der US-Kennzeichnung von 2023 nur noch als 1,5-fache der empfohlenen Höchstmenge erwähnt, nicht als Therapieziel. In Studie 1 (feste Dosen 10, 20, 40 und 60 Milligramm über sechs Wochen) senkten 40 und 60 Milligramm die Hamilton-Depressionsskala vergleichbar; 10 und 20 Milligramm zeigten dort keinen klaren Effekt. Wer unter 40 Milligramm unzureichend anspricht, braucht nach dieser Logik eher ein anderes Mittel oder ein ergänzendes Verfahren, nicht automatisch die nächste Tablette.
Start üblicherweise mit 20 Milligramm einmal täglich, mit oder ohne Mahlzeit. Eine Steigerung auf 40 Milligramm frühestens nach einer Woche. Tabletten gibt es zu 10, 20 und 40 Milligramm; die 20- und 40-Milligramm-Stücke sind teilbar. Celexa ist in den USA für die unipolare Depression Erwachsener zugelassen, nicht für Kinder. In Deutschland laufen Präparate unter dem Wirkstoffnamen Citalopram; die US-Marke ersetzt keine deutsche Fachinformation, die Höchstgrenzen 40 und 20 Milligramm gelten in Europa nach der britischen Fachinformation aber sinngemäß.
Was bedeutet eine verlängerte QT-Zeit am Herzen?
Das QT-Intervall misst, wie lange die Herzkammern nach einem Schlag brauchen, bis sie wieder erregbar sind. Wird diese Phase länger, können frühe Nachentladungen eine Torsade de Pointes auslösen, eine verdrehte Kammertachykardie, die in Kammerflimmern und Bewusstlosigkeit übergehen kann.
Citalopram verlängert diese Phase dosisabhängig. Das ist kein Alltagsherzstolpern nach Kaffee, sondern eine EKG-Größe in Millisekunden. Die Cleveland Clinic beschreibt das Long-QT-Muster als verzögertes elektrisches Aufladen zwischen zwei Schlägen. Ob daraus eine Torsade wird, hängt von der Ausgangs-QT-Zeit, dem Kalium- und Magnesiumspiegel, dem Puls, dem Geschlecht, Begleitmedikamenten und einer erblichen Veranlagung ab. Viele Menschen mit leichter Verlängerung merken nichts. Genau deshalb hilft das Etikett mit Dosisdeckeln, statt auf spürbare Warnsignale zu warten.
Persistierende QTc-Werte über 500 Millisekunden sind nach der Celexa-Kennzeichnung ein Grund, das Mittel zu beenden. Die britische Fachinformation verlangt bei Zeichen einer Rhythmusstörung den Abbruch und ein EKG. Keine dieser Schwellen ist ein Hausmittel-Grenzwert. Sie gehören in ein 12-Kanal-EKG, das Fachleute gegen Frequenz und Vor-EKG halten.
Kalium- oder Magnesiummangel macht dieselbe QTc-Strecke gefährlicher. Deshalb verlangt die Kennzeichnung, solche Störungen vor dem Start zu korrigieren und bei Risikopatienten nachzumessen. Diuretika, Durchfall, Erbrechen oder Protonenpumpenhemmer können die Spiegel senken. Wer unter der Therapie schwindelig wird, Herzklopfen spürt oder ohnmächtig wird, braucht eine erneute Herzuntersuchung, nicht die nächste Tablette „zum Ausgleich“.
Welche Höchstdosen gelten für welche Patienten?
Für Erwachsene ohne besondere Risikofaktoren bleibt die empfohlene Obergrenze 40 Milligramm einmal täglich. Mehrere Gruppen bleiben bei 20 Milligramm, weil bei ihnen höhere Blutspiegel zu erwarten sind.
Die FDA-Kennzeichnung (Stand Oktober 2023) und die britische Fachinformation (Aktualisierung Juli 2025) weichen beim Alter ab. Die US-Grenze gilt ab dem 61. Lebensjahr, die britische Linie ab dem 66. Lebensjahr. Beide nennen 20 Milligramm bei Leberstörung. Die UK-Fassung begrenzt langsame CYP2C19-Verstoffwechsler ebenfalls auf 20 Milligramm; Hemmstoffe dieses Enzyms stehen zusätzlich prominent im US-Etikett.
| Situation | Empfohlene Obergrenze | Beleg |
|---|---|---|
| Erwachsene ohne Zusatzrisiko | 40 mg am Tag | US-Kennzeichnung 2023 und UK-Fachinfo 2025 |
| Menschen über 60 Jahre (USA) | 20 mg pro Tag | Celexa-Etikett, Oktober 2023 |
| Menschen über 65 Jahre (UK) | höchstens 20 mg | britische Produktinformation, 2025 |
| Leberstörung | 20 Milligramm täglich | beide aktuellen Kennzeichnungen |
| Langsame CYP2C19-Verstoffwechsler | maximal 20 mg | US-Etikett und UK-Fachinfo |
| CYP2C19-Hemmer wie Cimetidin | 20 mg als Decke | Celexa-Fachinformation 2023 |
| Leichte oder mittlere Nierenstörung | Menge unverändert | US-Kennzeichnung 2023 |
Bei schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance unter 20 Milliliter pro Minute) fehlen laut Kennzeichnung belastbare Spiegeldaten. Das MSD Manual Professional (Aktualisierung 2026) hält die 40-Milligramm-Grenze für Citalopram weiter fest, weil das QT-Risiko die Dosis begrenzt. Escitalopram, das S-Enantiomer, hat in der britischen Fachinformation eigene Decken: 20 Milligramm für Erwachsene, 10 Milligramm bei über 65-Jährigen oder Leberstörung.
Zwei Behörden, zwei Alterszahlen. Wer in Deutschland ein Generikum nimmt, folgt der Fachinformation der konkreten Packung und der europäischen Linie, die 65 Jahre nennt. Ein US-Reisetablettenblister mit Celexa folgt der 60-Jahre-Regel. Unsicherheit klärt die verschreibende Praxis, nicht der Mittelwert beider Zahlen.
Wer soll höchstens 20 mg Citalopram erhalten?
Höhere Blutspiegel bedeuten eine längere QTc-Zeit bei derselben Tablettenstärke. Deshalb senkt die Kennzeichnung die Decke auf 20 Milligramm, sobald Alter, Leber oder der Abbauweg CYP2C19 den Spiegel anheben.
Bei Menschen ab 60 Jahren stiegen Fläche unter der Kurve und Halbwertszeit in den Pharmakokinetikstudien der Fachinformation um etwa 23 bis 50 Prozent gegenüber Jüngeren. CYP2C19-arme Verstoffwechsler hatten im Gleichgewicht 68 Prozent höhere Spitzenkonzentrationen und 107 Prozent mehr Fläche unter der Kurve. Cimetidin über acht Tage neben 40 Milligramm Citalopram hob Fläche und Spitze um 43 und 39 Prozent. Genau diese Zahlen begründen die 20-Milligramm-Regel, nicht ein pauschales Misstrauen gegen ältere Patienten.
CYP2C19 sitzt vor allem in der Leber. Hemmstoffe sind unter anderem Cimetidin und Omeprazol; die Kennzeichnung nennt auch andere Vertreter dieser Gruppe. Ketoconazol als starker CYP3A4-Hemmer veränderte die Citalopram-Spiegel in der zitierten Studie kaum, obwohl CYP3A4 am Abbau beteiligt ist. Praktisch zählt der CYP2C19-Pfad. Wer Magenschutz und Citalopram kombiniert, sollte den Protonenpumpenhemmer in der Medikamentenliste nennen, bevor die Dosis auf 40 Milligramm steigt.
Leberstörung verzögert denselben Abbau. Die britische Fachinformation begründet die 20-Milligramm-Decke bei über 65-Jährigen mit längerer Halbwertszeit und verminderter Clearance. Cleveland Clinic schreibt, Menschen ab 60 Jahren könnten stärker reagieren und eine kleinere Menge brauchen. Das ist dieselbe Richtung, in Alltagssprache.
Angeborenes Long-QT-Syndrom, Bradykardie, Kalium- oder Magnesiummangel, frischer Herzinfarkt und dekompensierte Herzinsuffizienz sind keine 20-Milligramm-Gruppen, sondern Situationen, in denen Citalopram nach der US-Kennzeichnung besser vermieden wird, außer der Nutzen überwiegt klar. Die britische Fachinformation geht bei bekanntem Long-QT und bei Kombination mit anderen QT-verlängernden Mitteln noch einen Schritt weiter und nennt das kontraindiziert. 2011 klang die erste FDA-Mitteilung ähnlich streng; 2012 räumte die Behörde ein, dass einzelne dieser Patienten Citalopram trotzdem brauchen können, dann mit EKG- und Elektrolytkontrolle.
Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme?
Brustschmerz, Luftnot, Schwindel, Ohnmacht oder ein deutlich unregelmäßiger, sehr schneller oder sehr langsamer Puls unter Citalopram sind Anlass für sofortige Hilfe, nicht für das nächste Hausmittel. MedlinePlus und die Patienteninformation der Kennzeichnung listen genau diese Zeichen als mögliche Hinweise auf eine gefährliche Rhythmusstörung.
Cleveland Clinic formuliert dasselbe Bündel: schneller oder unregelmäßiger Herzschlag, Benommenheit, Schwächegefühl, Brustschmerz, Atemnot. Palpitationen allein beweisen keine Torsade. Zusammen mit Bewusstlosigkeit oder einem Sturz ohne Vorwarnung gehört die Bewertung in die Notaufnahme, am besten mit der Angabe, welches Antidepressivum in welcher Stärke läuft. Fachleute können dann EKG und Elektrolyte nachziehen und andere Ursachen (Orthostase, Panik, Fieber, Blutverlust) trennen.
Neue oder plötzlich stärkere Suizidgedanken, starke Unruhe, Panik oder ein Umschlagen in manische Erregung sind ein zweites Notfallmuster. Die Kennzeichnung warnt im Kasten vor einem erhöhten Risiko suizidaler Gedanken bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter Antidepressiva; Celexa ist pädiatrisch nicht zugelassen. Angehörige sollen Verhaltensänderungen in den ersten Wochen und nach Dosiswechseln mitteilen.
Serotoninsyndrom (Unruhe, Verwirrtheit, Fieber, Muskelsteifigkeit oder -zucken, Durchfall, stark schwankender Puls) und ungewöhnliche Blutungen gehören ebenfalls in die akute Versorgung. Die Warnhinweise zu beiden Punkten wurden im August 2023 in der US-Fassung nachgeschärft. Winkelblockglaukom kündigt sich mit plötzlichem Augenschmerz, Halo-Ringen um Lichtquellen und Sehverlust an. Keines dieser Bilder heilt man durch Weglassen der morgendlichen Tablette ohne Rücksprache; das Absetzsyndrom kann Unruhe und Schwindel noch verstärken.
Welche Arzneimittel erhöhen das Rhythmusrisiko zusätzlich?
Andere QT-verlängernde Mittel können sich mit Citalopram addieren. Die US-Kennzeichnung rät, solche Kombinationen zu vermeiden: Klasse-Ia- und Klasse-III-Antiarrhythmika (Chinidin, Procainamid, Amiodaron, Sotalol), bestimmte Neuroleptika (Chlorpromazin, Thioridazin), Chinolon-Antibiotika wie Moxifloxacin sowie Methadon, Pentamidin und ähnliche Stoffe.
Pimozid ist ausdrücklich kontraindiziert. Eine Einzeldosis 2 Milligramm Pimozid neben 40 Milligramm Citalopram verlängerte das QTc im Mittel um etwa 10 Millisekunden gegenüber Pimozid allein. MAO-Hemmer, einschließlich Linezolid und intravenösem Methylenblau, sind wegen Serotoninsyndroms tabu; zwischen Stopp des einen und Start des anderen sollen mindestens 14 Tage liegen. Cleveland Clinic nennt zusätzlich Azol-Antimykotika, Dronedaron und Thioridazin als Mittel, die nicht zusammengehören.
Die britischen Fachinformationen listen dieselbe Logik strenger: Citalopram und Escitalopram sollen nicht mit anderen QT-Verlängerern kombiniert werden, inklusive bestimmter Antihistaminika und intravenösem Erythromycin. Wer mehrere dieser Stoffe braucht, wechselt in der Praxis oft auf ein SSRI mit kleinerer QT-Last, etwa Sertralin, statt die Citalopram-Dosis zu stapeln.
Auch ohne direkten QT-Effekt können Serotonin-Verstärker das Risiko eines Serotoninsyndroms heben: andere Antidepressiva, Triptane, Tramadol, Lithium, Johanniskraut, Tryptophan. Blutungsrisiko steigt mit Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Naproxen, anderen Thrombozytenhemmern und Vitamin-K-Antagonisten. Alkohol kann Schwindel und Urteilsfähigkeit verstärken. Eine schriftliche Liste aller Mittel, Tropfen und Nahrungsergänzungen gehört in jede Kontrolluntersuchung, bevor jemand „nur noch den Magenschutz“ dazunimmt.
Was zeigen Studien nach der FDA-Warnung?
Die QT-Verlängerung in der gründlichen Studie ist belegt. Ob daraus in der Versorgung mehr Kammerarrhythmien und Todesfälle folgen, bleibt nach 2013 uneinheitlich. Genau das fehlte der Kurzfassung von 2018.
Zivin und Kollegen werteten 2013 Daten der US-Veteranenversorgung aus: 618.450 Citalopram- und 365.898 Sertralin-Verordnungen. Tagesdosen über 40 Milligramm waren dort mit niedrigeren, nicht höheren Raten von Kammerarrhythmie verknüpft (adjustiertes Risiko 0,68) und leicht niedrigerer Gesamtmortalität. Die Autorinnen und Autoren selbst nennen unberücksichtigte Begleiterkrankungen als mögliche Erklärung, weil kränkere Menschen seltener hohe Dosen bekamen. Die Arbeit stellte die klinische Tragweite der FDA-Warnung offen infrage.
Qirjazi und Kollegen (PLOS ONE, 2016) beobachteten in Ontario neu angesetztes Citalopram bei Älteren (mittleres Alter 76 Jahre). Gegenüber Sertralin oder Paroxetin lag das 90-Tage-Risiko eines Krankenhauskontakts wegen Kammerarrhythmie höher (0,06 gegen 0,04 Prozent, Relatives Risiko 1,53). Escitalopram zeigte dort keinen signifikanten Arrhythmie-Unterschied, wohl aber eine leicht höhere Sterblichkeit. Die absoluten Ereigniszahlen blieben klein.
Aakjær und Kollegen (Clinical and Translational Science, 2022) fanden bei älteren Neueinstellungen in Dänemark kein erhöhtes Risiko schwerer Arrhythmien für Citalopram oder Escitalopram im Vergleich zu anderen SSRI. Der niederländische Konsens von 2018 (Simoons et al.) hält fest, dass CredibleMeds Citalopram und Escitalopram als Antidepressiva mit bekanntem Torsade-Risiko führt, Routine-EKGs bei niedrigem Risiko aber nicht durch die Datenlage gedeckt sind. Ältere Empfehlungen wirkten oft so, als sei jede Tablette über 40 Milligramm ein nachgewiesen tödliches Ereignis. Die aktuelle Lage ist nüchterner: das Etikett bleibt bei 40 und 20 Milligramm, die Kohorten widersprechen einander, und niemandem ist mit eigenmächtigem Hochdosieren gedient.
Wie unterscheidet sich Escitalopram von Citalopram?
Escitalopram ist das S-Enantiomer von Citalopram und verlängert das QTc ebenfalls dosisabhängig, aber in den britischen QT-Daten schwächer als die 60-Milligramm-Citalopram-Dosis. Die Escitalopram-Fachinformation nannte plus 4,3 Millisekunden unter 10 Milligramm und plus 10,7 Millisekunden unter 30 Milligramm.
Daraus folgen eigene Decken: 20 Milligramm Escitalopram für Erwachsene, 10 Milligramm bei über 65-Jährigen oder Leberstörung. Die FDA hat für Escitalopram keine spiegelbildliche 40-Milligramm-Warnung im Celexa-Stil veröffentlicht; die britische Produktinformation hat Escitalopram trotzdem mit eigenen Grenzwerten versehen. Ein Wechsel von 40 Milligramm Citalopram auf 20 Milligramm Escitalopram ist deshalb kein Freibrief für eine höhere wirksame Last, sondern ein anderes Präparat mit eigener Obergrenze.
Die Ontario-Kohorte 2016 sah das Arrhythmiesignal vor allem bei Citalopram, nicht bei Escitalopram. Die dänische Neueinstellungsstudie 2022 sah für beide keinen Überschuss schwerer Arrhythmien gegenüber anderen SSRI. Sertralin und Paroxetin dienten in mehreren Arbeiten als Vergleich, weil sie in der QT-Diskussion weniger belastet sind. Das MSD Manual erinnert daran, dass Citalopram vergleichsweise wenig über CYP450 andere Spiegel verschiebt, aber eben die QT-Decke mitbringt. Wer wegen Wechselwirkungen bei Citalopram blieb und nun die Dosis kappen muss, braucht eine individuelle Alternative, nicht den Satz „alle SSRI sind herzgleich“.
Frauen, höheres Alter, strukturelle Herzkrankheit und Elektrolytstörungen bleiben Risikofaktoren für Torsade, unabhängig vom Enantiomer. Die britischen Fachinformationen merken an, gemeldete QT- und Torsade-Fälle betrafen vor allem Frauen, Menschen mit Hypokaliämie oder vorbestehender QT-Verlängerung. Das ersetzt keine Indikation, erklärt aber, warum dieselbe Milligrammzahl nicht für jede Person dasselbe Risiko trägt.
Darf man Citalopram selbst absetzen oder die Dosis senken?
Die Dosis nicht selbst senken und das Mittel nicht abrupt stoppen, auch nicht aus Angst vor dem Herzen. MedlinePlus und Cleveland Clinic warnen vor Entzugserscheinungen, wenn Citalopram plötzlich fehlt: Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Schwindel, taube oder stromschlagartige Missempfindungen, Angst, Kopfschmerz, Schlafstörung, Schwitzen, Übelkeit.
Wer über 40 Milligramm liegt oder als über 60-Jährige 40 Milligramm nimmt, soll die Menge mit der verschreibenden Praxis besprechen, nicht die Tablette halbieren und drei Monate warten. Ein schrittweises Reduzieren über Wochen ist die Linie der Kennzeichnung. Werden Absetzzeichen heftig, kann vorübergehend die letzte verträgliche Stufe zurückgenommen und danach langsamer ausgeschlichen werden. Flüssige Zubereitungen oder teilbare 10-Milligramm-Tabletten erleichtern kleine Schritte; die aktuelle Celexa-Marke listet nur Tabletten, Generika können andere Formen haben.
Volle antidepressive Wirkung tritt oft erst nach mehreren Wochen ein. Wer nach zehn Tagen „nichts spürt“ und deshalb auf 60 Milligramm hochgeht, handelt gegen die QT-Daten und gegen den üblichen Zeitverlauf. Bleibt die Depression unter 40 Milligramm (oder unter 20 Milligramm in den Sondergruppen) unzureichend, gehören Psychotherapie, ein anderes Antidepressivum oder eine Kombination auf den Tisch, nicht die verbotene Extra-Tablette.
Junge Erwachsene und ihre Angehörigen sollen in den ersten Monaten und nach jeder Dosisänderung auf neue Hoffnungslosigkeit, Impulsivität oder Suizidpläne achten. Das ist unabhängig vom QT-Thema und steht im Warnkasten der Kennzeichnung. Nebenwirkungen können in den USA über MedWatch gemeldet werden; in Deutschland nimmt die zuständige Bundesbehörde Meldungen entgegen. Eine Meldung ersetzt keine Behandlung.
Häufige Fragen
Darf ich Citalopram über 40 mg weiternehmen, wenn es bisher geholfen hat?
Ohne Rücksprache nicht. Die US-Kennzeichnung empfiehlt seit 2011 keine Mengen über 40 Milligramm, weil der QT-Effekt dort zu groß wird und 60 Milligramm in der Zulassungsstudie keinen klaren Extra-Nutzen gegen Depression zeigten. Wer lange 60 Milligramm vertragen hat, braucht trotzdem eine ärztliche Neubewertung, oft mit EKG, statt die alte Dosis als persönliches Privileg zu behandeln.
Ist Escitalopram herzsicherer als Citalopram?
Nicht automatisch. Escitalopram verlängert das QTc ebenfalls, die europäischen Höchstgrenzen liegen bei 20 Milligramm bzw. 10 Milligramm im Alter oder bei Leberstörung. Eine Ontario-Kohorte 2016 sah das Arrhythmiesignal vor allem bei Citalopram; eine dänische Studie 2022 fand für beide keinen Überschuss schwerer Arrhythmien gegenüber anderen SSRI.
Brauche ich vor jeder Packung ein EKG?
Nein. Die Kennzeichnung empfiehlt EKG-Überwachung vor allem, wenn Citalopram trotz Herzrisiko oder trotz anderer QT-Mittel eingesetzt wird. Der niederländische Konsens 2018 hält Routine-EKGs bei niedrigem Risiko für nicht belegt. Ein Ausgangs-EKG plus Elektrolyte ist sinnvoll bei bekannter Herzkrankheit, Diuretika, hohem Alter mit mehreren Risikofaktoren oder vor einer Dosissteigerung in unsicherer Lage.
Was tun bei Schwindel unter Citalopram?
Hinsetzen oder hinlegen, nicht Autofahren, und zeitnah medizinische Hilfe holen, besonders wenn Ohnmacht, Herzrasen oder Brustdruck dazukommen. Schwindel kann eine Rhythmusstörung, niedriges Natrium, Blutdruckabfall oder ein Absetzphänomen sein. Die Unterscheidung trifft die Untersuchung, nicht die Packungsbeilage allein.
Kann ich die Tablette einfach weglassen, wenn ich Angst vor dem Herzen habe?
Nein. Abruptes Stoppen kann Schwindel, Stromgefühl in den Gliedern, Angst und Schlafstörung auslösen und die Depression zurückbringen. Wer das Herzrisiko fürchtet, vereinbart ein langsames Ausschleichen und, falls nötig, ein EKG. Angst vor der Tablette ist ein Gesprächsanlass, kein Absetzplan.
Gilt die US-Marke Celexa auch für deutsche Citalopram-Präparate?
Der Wirkstoff ist derselbe, der Markenname Celexa ist US-amerikanisch. Deutsche Packungen folgen ihrer Fachinformation und der europäischen Linie (40 Milligramm, 20 Milligramm ab 65 Jahren oder bei Leberstörung). Dosierungen, Teilbarkeit und Darreichungsform können vom US-Blister abweichen; maßgeblich ist die konkrete Packung plus die verschreibende Praxis.
Fazit
Citalopram bleibt ein SSRI gegen Depression Erwachsener, aber mit einer harten Dosisdecke. 40 Milligramm einmal täglich sind die obere Linie für die meisten Erwachsenen; 20 Milligramm gelten bei höherem Alter, Leberstörung, langsamem CYP2C19-Abbau und bei Hemmstoffen dieses Enzyms. Die QT-Verlängerung ist in der gründlichen Studie belegt, die Häufigkeit echter Kammerarrhythmien in späteren Kohorten umstritten. Behörden haben die Deckel trotzdem nicht zurückgenommen.
Wer heute Citalopram nimmt, prüft mit der Praxis drei Dinge: die tatsächliche Tagesmenge, das Lebensalter plus Leber- und Begleitmittel, und ob Schwindel, Ohnmacht oder unregelmäßiger Puls schon aufgetreten sind. Elektrolyte und ein EKG sind bei Herzrisiko sinnvoll, nicht bei jedem unauffälligen Verlauf. Eine Dosis über der Decke oder ein plötzlicher Stopp gehören nicht zur Selbstmedikation.
Bleibt die Stimmung unter der erlaubten Menge schlecht, ist das ein Grund für eine neue Strategie, nicht für 60 Milligramm. Alternative SSRI, Psychotherapie und eine ehrliche Liste aller QT- und Serotonin-Mittel ändern die Lage oft mehr als eine Extra-Tablette. Bei Brustschmerz, Luftnot oder Kollaps zählt die Notaufnahme, mit der Angabe des Präparats.
Quellen
- DailyMed: CELEXA- citalopram tablet, film coated. DailyMed, National Library of Medicine, 9. Oktober 2023.
- electronic Medicines Compendium: Citalopram 40 mg film-coated tablets – Summary of Product Characteristics (SmPC). Medicines.org.uk, 29. Juli 2025.
- electronic Medicines Compendium: Escitalopram 10mg tablets – Summary of Product Characteristics (SmPC). Medicines.org.uk, 15. Oktober 2025.
- MedlinePlus: Citalopram: MedlinePlus Drug Information. MedlinePlus, National Library of Medicine, 15. November 2025.
- Cleveland Clinic: Citalopram (Celexa): Depression Treatment. Cleveland Clinic, Stand: 2026.
- Coryell W: Medications for Treatment of Depression. MSD Manual Professional Edition, Januar 2026.
- Zivin K, Pfeiffer PN et al.: Evaluation of the FDA Warning Against Prescribing Citalopram at Doses Exceeding 40 mg. American Journal of Psychiatry, Juni 2013.
- Qirjazi E, McArthur E et al.: Risk of Ventricular Arrhythmia with Citalopram and Escitalopram: A Population-Based Study. PLOS ONE, 11. August 2016.
- Aakjær M et al.: Serious arrhythmia in initiators of citalopram, escitalopram, and other selective serotonin reuptake inhibitors: A population-based cohort study in older adults. Clinical and Translational Science, September 2022.
- Simoons M, Seldenrijk A et al.: Limited Evidence for Risk Factors for Proarrhythmia and Sudden Cardiac Death in Patients Using Antidepressants: Dutch Consensus on ECG Monitoring. Drug Safety, 26. Februar 2018.
