Thrombolyse beim Schlaganfall: Zeitfenster und Risiko

Thrombolyse beim Schlaganfall: Zeitfenster und Risiko

Gerinnselauflösende Mittel können bei einem ischämischen Schlaganfall den Blutfluss wiederherstellen, wenn eine Hirnblutung ausgeschlossen ist und die Infusion rasch beginnt. Die Leitlinie der American Heart Association und American Stroke Association von 2026 stellt Alteplase und Tenecteplase im Fenster von 4,5 Stunden gleichrangig; ältere Texte und das US-Arzneimittellabel nannten oft nur drei Stunden und nur Alteplase.

Rund 87 Prozent der Schlaganfälle in den Vereinigten Staaten sind ischämisch, weil ein Gefäß verlegt ist, berichtet die CDC mit Stand Oktober 2024. Ob mehr Patientinnen und Patienten die Infusion bekommen können, entscheidet heute weniger ein starres Uhrzeit-Verbot als die Kombination aus Symptombeginn, Schwere der Ausfälle, Blutungsrisiko und, jenseits von 4,5 Stunden, fortgeschrittener Bildgebung. Geheilt wird der Hirnschaden dadurch nicht; der mögliche Gewinn ist weniger Behinderung, erkauft mit einem messbar höheren Risiko einer Hirnblutung.

Was Thrombolyse beim ischämischen Schlaganfall bewirkt

Die Infusion soll ein frisches Fibringerinnsel auflösen, damit Sauerstoff wieder in minderversorgtes Hirngewebe gelangt. Alteplase und Tenecteplase sind rekombinante Gewebeplasminogenaktivatoren: sie wandeln Plasminogen in Plasmin um, das Fibrin spaltet. Die Mayo Clinic (Aktualisierung 30. Juli 2026) beschreibt beide als intravenöse Standardoption beim ischämischen Schlaganfall und betont, je früher die Gabe, desto größer die Chance auf weniger Folgeschäden.

Ohne Blutfluss sterben Nervenzellen innerhalb von Minuten. MedlinePlus und die CDC erinnern deshalb daran, den Notruf nicht aufzuschieben, bis jemand „sicher“ ist. Die Infusion ersetzt keine mechanische Entfernung eines großen proximalen Pfropfes; sie kann ihn aber verkleinern oder begleitende kleinere Verschlüsse lösen. Ob das im Einzelfall gelingt, hängt von Lage und Alter des Gerinnsels, vom Blutdruck und davon ab, wie viel Gewebe noch rettbar ist.

In den zulassungsnahen Studien 1 und 2, die DailyMed für Activase zusammenfasst, erreichten 38,7 Prozent der mit Alteplase behandelten Personen einen günstigen Wert auf der modifizierten Rankin-Skala gegenüber 26,1 Prozent unter Placebo. Das ist ein absoluter Unterschied von 12,6 Prozentpunkten, kein Versprechen individueller Heilung. Gleichzeitig stieg die symptomatische Hirnblutung innerhalb von 36 Stunden von 0,6 auf 6,4 Prozent. Die 90-Tage-Sterblichkeit war in dieser Auswertung nicht höher als unter Placebo.

Wer nur ein isoliertes Taubheitsgefühl oder ein anderes nicht behinderndes Defizit hat, profitiert laut der AHA-Leitlinie 2026 in randomisierten Studien nicht zuverlässig von der Infusion. Dort wird eine zeitlich begrenzte doppelte Hemmung der Blutplättchen bevorzugt. Die Infusion bleibt ein Werkzeug für behindernde Ausfälle, nicht für jedes flüchtige Kribbeln.

Ein CT-Scan des ischämischen Schlaganfalls

Wie weit das Zeitfenster heute reicht

Innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn oder nach dem Zeitpunkt, zu dem die Person zuletzt unauffällig war, soll die Infusion bei geeigneten Erwachsenen so schnell wie möglich starten. Die AHA-Leitlinie 2026 (Klasse 1) verlangt dafür keine Perfusionssoftware und keine zusätzliche Gefäßdarstellung, wenn das die Nadel verzögert. Das US-Label von Activase (DailyMed, Überarbeitung Februar 2025) bleibt enger und nennt drei Stunden; Leitlinien und die Mayo Clinic stützen das längere Fenster auf spätere Studien, die das Label nicht nachgezogen hat.

Jede Viertelstunde zählt. Die Leitlinie zitiert Registerdaten, in denen frühere Gabe mit weniger Sterblichkeit in der Klinik, weniger symptomatischer Blutung und häufiger gehfähiger Entlassung verbunden war. Wer nach drei Stunden eintrifft, ist damit nicht automatisch ausgeschlossen; wer nach 4,5 Stunden kommt, braucht dagegen in der Regel den Nachweis rettbaren Gewebes, bevor eine Infusion erwogen wird.

Für ausgewählte Personen mit Nachweis einer rettbaren Penumbra in der automatisierten Perfusionsbildgebung stuft dieselbe Leitlinie eine Infusion zwischen 4,5 und 9 Stunden oder nach dem Aufwachen als vertretbar ein (Klasse 2a). Die EXTEND-Studie im New England Journal of Medicine (2019) randomisierte 225 Personen in diesem erweiterten Setting; 35,4 Prozent unter Alteplase und 29,5 Prozent unter Placebo erreichten nach 90 Tagen einen Rankin-Wert von 0 oder 1. Symptomatische Hirnblutungen traten bei 6,2 gegenüber 0,9 Prozent auf. Die Studie endete vorzeitig, nachdem WAKE-UP den Nutzen einer MRT-gesteuerten Gabe bei unbekanntem Beginn gezeigt hatte.

Mechanische Thrombektomie folgt einer eigenen Uhr. Bei Verschluss der inneren Halsschlagader oder des ersten Mittellinienasts empfiehlt die AHA-Leitlinie 2026 den Eingriff innerhalb von sechs Stunden unter festgelegten Schwere- und Bildkriterien, bei ausgewählten Jüngeren mit großem, aber noch nicht massenwirksamem Infarkt auch zwischen 6 und 24 Stunden. Die Infusion und der Katheter schließen einander nicht aus, sofern keine Gegenanzeige vorliegt.

Alteplase oder Tenecteplase beim akuten Schlaganfall

Beide Wirkstoffe können im 4,5-Stunden-Fenster die funktionelle Erholung verbessern; Tenecteplase wird als einzelne Spritze gegeben, Alteplase als Bolus plus einstündige Infusion. Die AHA-Leitlinie 2026 nennt ausdrücklich 0,25 Milligramm Tenecteplase pro Kilogramm Körpergewicht, höchstens 25 Milligramm, oder 0,9 Milligramm Alteplase pro Kilogramm. NICE empfahl Tenecteplase am 24. Juli 2024 als Option, sobald eine Hirnblutung ausgeschlossen ist, und stellte die Wahl unter anderem unter Kostengesichtspunkte.

Eine aktualisierte Übersicht von Hagag und Kollegen (European Journal of Medical Research, 8. August 2025) fasste 13 randomisierte Studien mit 9053 Personen zusammen. Die Dosis 0,25 Milligramm pro Kilogramm schnitt bei einem Rankin-Wert von 0 bis 1 nach 90 Tagen besser ab als Alteplase; die Sterblichkeit unterschied sich nicht. Höhere Dosen um 0,4 Milligramm pro Kilogramm zeigten in anderen Zusammenfassungen mehr symptomatische Blutungen und gelten nicht als Ziel.

Praktisch bedeutet die Einmalgabe weniger Leitungsbrüche, kürzere Tür-zu-Nadel-Zeiten und einfacheren Bewegungsablauf, wenn anschließend ein Kathetereingriff folgt. Ob ein Haus Tenecteplase vorrätig hat, hängt vom nationalen Zulassungsstatus und vom Klinikprotokoll ab. In Großbritannien ist die Empfehlung klar; in anderen Ländern bleibt Alteplase der eingeübte Standard, bis die Apotheke umstellt. Für Leserinnen und Leser in Deutschland gilt: die Entscheidung trifft das Stroke-Team vor Ort, nicht eine Internetdosis.

Kinder und Jugendliche von 28 Tagen bis 18 Jahren können laut AHA 2026 Alteplase erwogen bekommen, wenn der ischämische Schlaganfall bestätigt ist, die Ausfälle behindern und weniger als 4,5 Stunden vergangen sind. Die Sicherheit erscheint akzeptabel, die Wirksamkeit bleibt unsicher. Tenecteplase hat in dieser Altersgruppe keine vergleichbare Leitlinienposition.

Welche Dosis die Fachinformation nennt

Die Dosis legt das Klinikprotokoll fest; Selbstgabe gibt es nicht, und Abweichungen nach oben erhöhen in Dosisfindungsarbeiten das Blutungsrisiko. DailyMed nennt für Alteplase beim ischämischen Schlaganfall 0,9 Milligramm pro Kilogramm, höchstens 90 Milligramm: zehn Prozent als intravenösen Bolus über eine Minute, den Rest über 60 Minuten. Der Blutdruck soll während und nach der Gabe häufig gemessen und gesenkt werden, in den Zulassungsstudien auf Werte von höchstens 185 zu 110 Millimeter Quecksilber.

Mittel oder Situation Dosis nach Quelle Art der Gabe Zeitrahmen Quelle
Alteplase (Activase) 0,9 mg/kg, höchstens 90 mg 10 % Bolus, Rest über 60 min Label: 3 h; Leitlinie: 4,5 h DailyMed 2025, AHA 2026
Tenecteplase 0,25 mg/kg, höchstens 25 mg einmaliger Bolus 4,5 h nach Beginn oder zuletzt unauffällig AHA 2026, NICE 2024
Erweiterte Auswahl gleiche Wirkstoffe, nach Bildkriterien wie oben 4,5–9 h oder Aufwachen mit Penumbra AHA 2026 Klasse 2a
Katheter-Thrombektomie kein Fibrinolytikum mechanische Bergung 6 h, ausgewählt bis 24 h AHA 2026
Nicht behinderndes Defizit keine Routine-Thrombolyse doppelte Plättchenhemmung nach Protokoll innerhalb 4,5 h AHA 2026

Gerinnungszahlen müssen die Infusion nicht verzögern, wenn zuletzt keine oralen Gerinnungshemmer oder Heparin genommen wurden. DailyMed verlangt, Alteplase zu stoppen, falls die INR über 1,7 liegt oder die aPTT erhöht ist. Heparin und Acetylsalicylsäure in den ersten 24 Stunden nach Symptombeginn wurden für den Schlaganfall nicht zusammen mit Alteplase geprüft; Blutungen an Punktionsstellen bleiben ein Überwachungsziel, auch einen oder mehrere Tage später.

Eine höhere Dosis als 0,9 Milligramm pro Kilogramm war in einer Dosisfindungsstudie mit mehr Hirnblutungen verbunden. Deshalb ist „ein bisschen mehr, damit es besser wirkt“ keine sinnvolle Idee. Die Infusion gehört in Häuser, die eine Blutung zeitnah erkennen und behandeln können.

Erhöhen CT-Zeichen das Blutungsrisiko

Frühe Ischämiezeichen und ältere Gewebeschäden auf dem CT können das absolute Blutungsrisiko nach Alteplase erhöhen, heben den relativen Nutzen der Infusion in der größten Auswertung dazu aber nicht auf. Die IST-3-Gruppe prüfte 3017 zufällig Alteplase oder Kontrolle zugeteilte Personen (Lancet Neurology, Mai 2015). Symptomatische Hirnblutungen hingen mit altem Infarkt (Odds Ratio 1,72), Gewebehypoattenuation (1,54) und hyperdichter Arterie (1,54) zusammen.

Lagen alter Infarkt und hyperdichte Arterie gemeinsam vor, betrug der absolute Überschuss symptomatischer Blutungen unter Alteplase 13,8 Prozentpunkte gegenüber Kontrolle; fehlten beide Zeichen, waren es 3,2 Prozentpunkte. Genau diese Spanne hatte ältere Berichte dazu verführt, die Infusion bei „schlechtem CT“ grundsätzlich zu streichen. Die Interaktionstests der Studie fanden jedoch keinen Beleg, dass irgendein einzelnes oder kombiniertes Zeichen den Effekt von Alteplase auf Selbstständigkeit nach sechs Monaten oder auf die Blutung selbst umkehrt.

Hypoattenuation, große Läsion, Schwellung, hyperdichte Arterie, Atrophie und Marklagerveränderungen sagten weniger Unabhängigkeit voraus. Das beschreibt die Ausgangslage des Gehirns, nicht automatisch eine Kontraindikation. Die Autorinnen und Autoren schrieben, vorbestehende Zeichen sollten zusätzlich zu frühen Ischämiezeichen in die Abwägung einfließen, etwa wenn der Nutzen ohnehin knapp erscheint, weil das Zeitfenster fast geschlossen ist.

Die alte Sorge, jedes frühe Ischämiezeichen mache Alteplase zu gefährlich, ist damit differenziert, nicht widerlegt. Ein sehr ausgedehnter, bereits klar demarkierter Infarkt kann weiter gegen eine Infusion sprechen, weil der Beginn dann wahrscheinlich länger zurückliegt. Das entscheidet die befundete Befundung, nicht ein Laienblick auf den Scan.

Wer die Infusion nicht erhalten soll

Eine sichtbare Hirnblutung, eine Subarachnoidalblutung oder eine andere Situation, in der das Blutungsrisiko den möglichen Nutzen übersteigt, schließt Alteplase nach dem DailyMed-Label aus. Dazu zählen aktive innere Blutungen, eine Blutungsneigung, schwer einstellbarer hoher Blutdruck sowie Hirnoperation, Wirbelsäuleneingriff oder schweres Schädel-Hirn-Trauma in den letzten drei Monaten. Auch bestimmte Gefäßmissbildungen, Aneurysmen und einige Hirntumoren erhöhen das Risiko so stark, dass die Fachinformation die Gabe verbietet.

Zusätzliche Vorsicht verlangt das Label bei kürzlicher großer Operation, frischer Magen-Darm- oder Harnwegsblutung, Schwangerschaft, fortgeschrittenem Alter, schwerer Leberstörung und laufender Gerinnungshemmung. Alter über 77 Jahre war in den explorativen Auswertungen der Zulassungsstudien mit mehr Hirnblutungen verknüpft; der Nettonutzen blieb in dieser Analyse dennoch günstig. Ein hohes Lebensalter allein ist in aktuellen Leitlinien daher kein automatisches Nein.

Die AHA-Leitlinie 2026 hat mehrere ältere Ausschlussgründe gelockert, die aus Vorsicht, nicht aus harten Unwirksamkeitsdaten stammten. Gleichzeitig bleibt die Bildgebung vor der Nadel unverzichtbar: ohne CT oder MRT lässt sich eine Blutung nicht von einer Ischämie trennen, und eine Infusion in eine bereits blutende Hirnregion kann tödlich enden. Die Mayo Clinic nennt das Blutungsrisiko ausdrücklich als Kriterium, ob ein Gewebeplasminogenaktivator überhaupt in Frage kommt.

Nach der Infusion braucht es Überwachung auf Kopfschmerz, Bewusstseinsänderung, Erbrechen, neuen Lähmungsschub und Blutungen an Punktionsstellen. Tritt eine schwere Blutung auf, wird die laufende Alteplase-Gabe beendet und gezielt behandelt. Hausmittel, Aspirin auf eigene Faust oder ein Aufschieben „bis morgen“ gehören nicht in dieses Zeitfenster.

Was bei Aufwachschlaganfall und später Ankunft gilt

Wer mit Lähmung oder Sprachstörung aufwacht, hat oft keinen nutzbaren Uhrzeitstempel; Leitlinien ersetzen ihn dann durch Bildmarker für frisches, noch rettbares Gewebe. WAKE-UP wählte Personen, deren Diffusionsläsion auf der MRT sichtbar war, während die FLAIR-Aufnahme noch keine deutliche Signalsteigerung zeigte. Das Muster spricht dafür, dass der Infarkt wahrscheinlich noch innerhalb eines konventionellen Fensters liegt. EXTEND und verwandte Studien nutzten stattdessen das Missverhältnis zwischen minderperfundiertem Areal und bereits irreversibel wirkendem Kern in CT- oder MRT-Perfusion.

Die AHA-Leitlinie 2026 erlaubt eine Infusion in diesem Setting als Klasse-2a-Empfehlung, wenn automatisierte Software eine Penumbra anzeigt und entweder 4,5 bis 9 Stunden seit dem letzten unauffälligen Zeitpunkt vergangen sind oder die Person innerhalb von 9 Stunden nach der Schlafmitte erwacht ist. Ein alleiniges natives CT ohne solche Zusatzinformation reicht nach der Leitlinie derzeit nicht, um eine späte Infusion zu begründen; die unterpowerte TWIST-Studie mit Tenecteplase nach Aufwachen und nur Nativ-CT zeigte keinen überzeugenden Funktionsgewinn.

Späte Infusion bleibt ein Kompromiss. In EXTEND war der Anteil guter Rankin-Werte höher, die Blutungsrate aber ebenfalls. Die sekundäre Verteilung der gesamten Rankin-Skala unterschied sich nicht signifikant, und die Studie wurde vor der geplanten Zahl beendet. Wer ein Haus ohne Perfusionssoftware erreicht, wird deshalb eher in ein Zentrum mit Thrombektomie-Bereitschaft verlegt, statt eine Infusion „auf Verdacht“ zu erhalten.

Unbezeugte Aphasie oder Bewusstseinsstörung ohne bekannten Beginn folgt derselben Logik. Die Uhr startet beim letzten sicheren Wohlbefinden, nicht beim Auffindezeitpunkt. Angehörige, die diese Minute notieren, geben dem Team oft mehr als jeder nachträgliche Rateversuch.

Wann der Notruf nötig ist

Plötzliche einseitige Schwäche, hängender Mundwinkel, undeutliche Sprache, Sehstörung, Gleichgewichtsverlust oder ein vernichtender Kopfschmerz ohne erklärbare Ursache sind Gründe, sofort 112 zu wählen, nicht den Hausarzt am nächsten Werktag. Die CDC (Aktualisierung 19. Mai 2026) fasst das Schema B.E. F.A.S.T. zusammen: Balance, Augen, Gesicht, Arme, Sprache, Zeit. Nur 38 Prozent der Befragten in einer älteren CDC-Auswertung kannten alle klassischen Warnzeichen und wussten, den Rettungsdienst zu rufen.

Die CDC rät ausdrücklich, nicht selbst ins Krankenhaus zu fahren. Der Rettungsdienst kann voranmelden, den Blutdruck sichern und das richtige Haus ansteuern. Patientinnen und Patienten, die innerhalb von drei Stunden nach dem ersten Tagessymptom die Notaufnahme erreichen, haben laut CDC drei Monate später oft weniger Behinderung als Verspätete. Das ist ein Gruppenbefund, kein individueller Fahrplan, aber er erklärt, warum Minuten zählen.

Eine transitorische ischämische Attacke, bei der die Ausfälle nach Minuten verschwinden, ist kein Entwarnungssignal. Die CDC und die Mayo Clinic stufen sie als medizinischen Notfall ein, weil in den folgenden Tagen das Risiko eines vollständigen Infarkts deutlich steigt. Abwarten, „ob es wiederkommt“, verschenkt genau das Zeitfenster, in dem eine Infusion oder eine andere Sekundärprophylaxe noch greifen kann.

Sinnvolle Schritte, bevor der Wagen da ist, bleiben einfach.

  • Die Uhrzeit des ersten merkwürdigen Zeichens notieren, auch wenn unsicher, und sie dem Team nennen.
  • Medikamentenliste, Gerinnungshemmer und Allergien bereitlegen, ohne selbst Tabletten nachzulegen.
  • Die betroffene Person flach lagern, nichts zu essen oder zu trinken geben, falls Schlucken unsicher ist.
  • Bei Bewusstlosigkeit die stabile Seitenlage prüfen und den Anweisungen der Leitstelle folgen.

Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, Vorhofflimmern und ein früherer Infarkt erhöhen das Risiko, ändern aber nichts am Sofort-Notruf. Prävention gehört in die Wochen danach, nicht in die ersten Minuten.

Häufige Fragen

Kann Thrombolyse einen Schlaganfall heilen?

Nein. Die Infusion kann bei einem Teil der Behandelten die Chance auf geringe oder keine bleibende Behinderung erhöhen, kehrt abgestorbenes Gewebe aber nicht um. DailyMed und die großen Studien messen das an Skalen wie der modifizierten Rankin-Skala, nicht an einer „Heilungsquote“.

Wie schnell muss die Infusion beginnen?

So früh wie möglich innerhalb von 4,5 Stunden nach Beginn oder letztem unauffälligen Zeitpunkt, sofern die Person geeignet ist. Das US-Label begrenzt Alteplase weiter auf drei Stunden; aktuelle Leitlinien und die Mayo Clinic nutzen 4,5 Stunden. Jenseits davon braucht es in der Regel spezielle Bildkriterien.

Ist Tenecteplase besser als Alteplase?

In Metaanalysen von 2025 lag die Dosis 0,25 Milligramm pro Kilogramm bei einem sehr guten funktionellen Ergebnis etwas günstiger, Blutungen und Tod waren vergleichbar. Die AHA-Leitlinie 2026 und NICE 2024 werten beide als gültige Optionen im Standardfenster. Welches Mittel liegt, entscheidet das Hausprotokoll.

Darf ich nach einer TIA zu Hause abwarten?

Nein. Verschwindende Ausfälle brauchen trotzdem eine sofortige ärztliche Klärung, weil das Risiko eines vollständigen Infarkts in den nächsten Tagen hoch bleibt. Die CDC rät, den Rettungsdienst zu rufen statt selbst zu fahren.

Warum schließt eine Hirnblutung die Infusion aus?

Ein Fibrinolytikum kann eine bestehende Blutung vergrößern und lebensbedrohlich machen. Deshalb steht vor jeder Gabe ein CT oder eine MRT. DailyMed listet aktuelle intrakranielle Blutung und Subarachnoidalblutung als harte Gegenanzeigen.

Zählt das Zeitfenster ab dem Aufwachen oder ab dem Einschlafen?

Maßgeblich ist der letzte Zeitpunkt, zu dem die Person sicher unauffällig war, oft das Zubettgehen. Für Aufwachschläge können MRT- oder Perfusionskriterien eine Infusion trotzdem erlauben, wenn rettbares Gewebe sichtbar ist. Das prüft das Stroke-Team, nicht die Uhr am Nachttisch allein.

Hilft die Infusion auch bei sehr schweren Ausfällen?

Schwere Defizite (in den Zulassungsstudien ein NIH-Wert über 22) gingen mit mehr Hirnblutungen einher, der Nettonutzen blieb in der DailyMed-Auswertung aber günstig. Die AHA-Leitlinie 2026 knüpft die Standardgabe nicht an eine Mindestpunktzahl, sofern die Ausfälle behindern.

Fazit

Wer plötzlich schief lächelt, einen Arm nicht halten kann oder undeutlich spricht, wählt 112 und nennt die Uhrzeit des Beginns. In der Klinik entscheidet zuerst das Bild, ob Blut oder ein Gerinnsel die Ausfälle erklärt; erst dann kommt eine Infusion mit Alteplase oder Tenecteplase in Frage. Das Fenster von 4,5 Stunden gilt für behindernde ischämische Infarkte ohne Gegenanzeige, nicht für jedes flüchtige Kribbeln.

Seit den Texten um 2018 hat sich die Lage verschoben: Tenecteplase steht in der AHA-Leitlinie 2026 und bei NICE 2024 als ebenbürtige Alternative, und Bildgebung kann ausgewählte Aufwach- und Spätfälle jenseits von 4,5 Stunden noch erreichen. CT-Zeichen wie alter Infarkt plus hyperdichte Arterie erhöhen das absolute Blutungsrisiko, wie IST-3 2015 zeigte, streichen den Nutzen aber nicht automatisch. Das US-Label von Alteplase bleibt bei drei Stunden; das ist ein regulatorischer Rückstand, kein Grund, nach 181 Minuten aufzugeben, wenn das Team nach Leitlinie behandelt.

Nach der Akutphase zählen Blutdruck, Vorhofflimmern, Blutzucker, Rauchstopp und die verordnete Sekundärprophylaxe. Eine Infusion ist ein Zeitfenster-Eingriff, kein Ersatz für diese Arbeit in den Monaten danach.

Quellen

  1. Prabhakaran S et al.: 2026 Guideline for the Early Management of Patients With Acute Ischemic Stroke: A Guideline From the American Heart Association/American Stroke Association. Stroke, 26. Januar 2026.
  2. Centers for Disease Control and Prevention: Stroke Facts | Stroke | CDC. Centers for Disease Control and Prevention, Stand: 24. Oktober 2024.
  3. Centers for Disease Control and Prevention: Signs and Symptoms of Stroke. Centers for Disease Control and Prevention, Stand: 19. Mai 2026.
  4. DailyMed, U.S. National Library of Medicine: ACTIVASE- alteplase kit. DailyMed, Stand: Februar 2025.
  5. IST-3 collaborative group: Association between brain imaging signs, early and late outcomes, and response to intravenous alteplase after acute ischaemic stroke in the third International Stroke Trial (IST-3): secondary analysis of a randomised controlled trial. The Lancet Neurology, Mai 2015.
  6. Hagag AM, Kormod ME et al.: Tenecteplase versus alteplase in patients with acute ischemic stroke: an updated systematic review and meta-analysis. European Journal of Medical Research, 8. August 2025.
  7. National Institute for Health and Care Excellence: Tenecteplase for treating acute ischaemic stroke. National Institute for Health and Care Excellence, 24. Juli 2024.
  8. Mayo Clinic: Stroke – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, 30. Juli 2026.
  9. Ma H, Campbell BCV et al.: Thrombolysis Guided by Perfusion Imaging up to 9 Hours after Onset of Stroke. New England Journal of Medicine, 9. Mai 2019.
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