Costello-Syndrom: Symptome, Herz und Tumorrisiko

Costello-Syndrom: Symptome, Herz und Tumorrisiko

Das Costello-Syndrom ist eine seltene Entwicklungsstörung durch eine Keimbahnveränderung im Gen HRAS. Sie prägt Wachstum, Haut, Gelenke, Herz und das Risiko bestimmter Tumoren; die Genveränderung selbst lässt sich nicht rückgängig machen.

GeneReviews (letzte Revision 21. Mai 2026) beschreibt ein breites Spektrum von einem abgeschwächten Bild bis zu früh lebensbedrohlichen Verläufen. Typisch sind schwere Trinkschwäche nach der Geburt, Kleinwuchs, eine grobe Gesichtskontur, lockere Haut mit tiefen Hand- und Fußlinien, lockere Gelenke mit Ulnarabweichung der Handgelenke sowie Herzmuskelverdickung oder Vorhoftachykardie. MedlinePlus Genetics und das Cincinnati Children’s Hospital (Aktualisierung September 2025) ordnen das Bild den RASopathien zu. Wer die Diagnose hört, braucht deshalb zuerst Klarheit über Ernährung, Kardiologie und Tumorüberwachung, nicht eine vage Liste „seltener Merkmale“.

Die frühere Schätzung „200 bis 300 Menschen weltweit“ stammt aus älteren Ratgebertexten. Aktuelle Register nennen eine Geburtsprävalenz von etwa 1 zu 380.000 in Großbritannien und deutlich niedrigere Zahlen in Japan. Das ändert nichts daran, dass jedes betroffene Kind eine lebenslange, fachübergreifende Begleitung braucht.

Was ist das Costello-Syndrom und wie häufig ist es?

Costello-Syndrom heißt die Erkrankung nur dann, wenn klinische Zeichen und eine krankheitsverursachende Variante in HRAS zusammenpassen. Fehlt der molekulare Nachweis, liegt nach heutiger Lesart meist ein verwandtes RASopathie-Bild vor, etwa ein Noonan- oder ein kardiofaziokutanes Syndrom.

Jack Costello beschrieb 1971 die ersten Kinder; der Name setzte sich in den 1990er-Jahren durch. Frühe Bezeichnungen wie faciokutaneoskelettales Syndrom oder AMICABLE-Syndrom meint dieselbe Entität. StatPearls (Aktualisierung 11. Februar 2025) und GeneReviews halten fest, dass ausschließlich aktivierende Keimbahnveränderungen in HRAS auf Chromosom 11p15.5 als gesicherte Ursache gelten. Andere Gene der RAS/MAPK-Kaskade erzeugen überlappende Gesichter und Herzbefunde, aber nicht dieses Syndrom.

Zur Häufigkeit widersprechen sich populäre Rundzahlen und Register. GeneReviews zitiert 1 zu 380.000 Geburten im Vereinigten Königreich und eine japanische Erhebung mit etwa 1 zu 1.230.000. MedlinePlus nennt weltweit grob 100 bis 1500 bekannte Personen und eine Spanne von 1 zu 300.000 bis 1 zu 1,25 Millionen. Jungen und Mädchen sind gleich betroffen. Die meisten Schwangerschaften entstehen neu, ohne dass ein Elternteil krank ist.

Der Phänotyp reicht von einem „klassischen“ Verlauf mit schwerer Gedeihstörung und Herzbefund bis zu seltenen abgeschwächten Varianten, bei denen sogar eine Weitergabe in der Familie beschrieben wurde. Schwere seltene Codon-12-Varianten können schon vor und kurz nach der Geburt mit Hydrops, Lungenödem und rasch fortschreitender Kardiomyopathie tödlich enden. Eine einzelne Prozentzahl „für alle“ gibt es deshalb nicht.

Costello-Syndrom-DNA

Welche Zeichen zeigen sich vom Säugling bis zum Erwachsenen?

Viele Neugeborene wirken zunächst unauffällig oder sogar kräftig, weil Ödem das Geburtsgewicht hebt. Die eigentlichen Hinweise kommen, sobald Trinken, Gewicht und Muskeltonus hinter der Altersnorm zurückbleiben.

Vor der Geburt fallen oft Polyhydramnion (in Serien über 90 Prozent), vermehrte Nackentransparenz, kurze Oberarm- und Oberschenkelknochen, eine typische Handhaltung und fetale Vorhoftachykardie auf. Nach der Geburt folgen schwere Fütterungsprobleme, relatives oder absolutes Großkopfwachstum und grobe Züge mit vollem Mund, dicken Lippen und voller Nasenspitze. Haar ist oft lockig oder dünn. Die Haut bleibt weich und überschüssig, vor allem an Händen und Füßen, mit tiefen Leisten. Papillome an Nase, Mund oder After fehlen im Säuglingsalter und treten häufig erst im Kleinkindalter auf.

Gelenke sind locker, die Handgelenke weichen nach ulnar ab, die Achillessehnen werden im Lauf der Kindheit oft straff. Hüftdysplasie kann angeboren sein oder sich später entwickeln. GeneReviews nennt Ulnardeviation der Finger bei etwa 82 Prozent, Hüftprobleme bei 17 bis 45 Prozent, Osteopenie bei rund 45 Prozent und zunehmende Kyphoskoliose. Erwachsene wirken durch Haarverlust, raue Haut und Wirbelsäulenkrümmung oft älter als ihr Kalenderalter. Die dokumentierte Erwachsenengröße liegt grob zwischen 135 und 150 Zentimetern.

Neurologisch zählen Hypotonie, verzögerte Meilensteine, eine geistige Behinderung meist leichten bis mittleren Grades, Nystagmus und in einem Viertel bis der Hälfte Anfälle. Nachgeburtliches Kleinhirnwachstum kann eine Chiari-I-Malformation, Hydrozephalus oder Syrinx nach sich ziehen. In einer Gruppe ab 16 Jahren fand sich Chiari I bei der Hälfte. Augenärztlich sind Kurzsichtigkeit und Schielen häufig, eine Netzhautdystrophie selten. Jungen haben oft einen Hodenhochstand; Nierenfehlbildungen betreffen etwa jedes zweite Kind.

Warum entsteht es durch HRAS und den RAS/MAPK-Weg?

Ursache ist eine Keimbahnvariante, die das Protein H-Ras dauerhaft aktiv hält. Eine Kopie genügt, der Erbgang ist autosomal-dominant, die Penetranz bisher vollständig.

HRAS steuert in der RAS/MAPK-Kaskade Wachstum und Teilung. Im Ruhezustand bindet H-Ras GDP, nach einem Signal GTP. Varianten an den Codons 12 und 13 schwächen die GTPase-Aktivität, die GAP-Proteine sonst anstoßen. Die Zelle bleibt im „Ein“-Zustand. Das erklärt Tumoren und trägt zu Haut-, Knochen- und Herzbefunden bei; der genaue Weg von der überaktiven Kinase zur Trinkschwäche ist noch nicht in allen Schritten belegt. Mehr als 95 Prozent der krankheitsverursachenden Veränderungen treffen Glycin 12 oder 13. Rund 80 Prozent tragen p.Gly12Ser (c.34G>A). An zweiter Stelle steht p.Gly12Ala.

Die Variante entscheidet mit über Schwere und Krebsneigung, ersetzt aber keine individuelle Prognose. Die Metaanalyse von Astiazaran-Symonds und Kollegen (2023) fand bei p.Gly12Ser weniger Krebs und Tod als bei den übrigen Codon-12-Veränderungen. Für p.Gly12Ala lag die beobachtete Malignomrate bei 38,7 Prozent, für p.Gly12Cys bei 37,5 Prozent, für die häufige p.Gly12Ser bei 9,2 Prozent. Seltene Codons wie p.Thr58Ile oder p.Gly13Asp wurden mit milderen Bildern verknüpft. p.Gly13Cys geht mit sehr langen Wimpern und lockerem Anagenhaar einher, bisher ohne Papillome und ohne die typische chaotische Vorhoftachykardie.

Die meisten Varianten entstehen neu, oft in der väterlichen Keimbahn, und häufen sich mit höherem Alter des Vaters. Vertikale Weitergabe ist selten und bisher vor allem bei abgeschwächten Allelen beschrieben. Geschwisterrisiko ohne nachweisbare Variante im Blut der Eltern bleibt leicht über dem Bevölkerungsrisiko, weil ein Keimbahnmosaik möglich ist. Wer selbst betroffen ist und Kinder bekommt, gibt die Variante mit 50 Prozent weiter. Menschen mit klassischem Verlauf werden selten selbst Eltern.

Wie gefährlich sind Herzmuskel und Rhythmusstörungen?

Herzbefunde gehören zu den häufigsten und gefährlichsten Komplikationen. In der von GeneReviews zitierten Serie mit 146 molekulargenetisch gesicherten Personen hatte 87 Prozent irgendeine kardiovaskuläre Auffälligkeit.

Eine hypertrophe Kardiomyopathie fand sich bei etwa 60 Prozent, meist als subaortale Septumverdickung, seltener biventrikulär. Angeborene Herzfehler betrafen 44 Prozent, am häufigsten eine nicht fortschreitende valvuläre Pulmonalstenose. Vorhofrhythmusstörungen, vor allem multifokale oder ektope Vorhoftachykardie, lagen bei rund 55 Prozent. Aortenweite war in 5 bis 10 Prozent leicht vermehrt, Vorhofseptumdefekte in 5 bis 7 Prozent. StatPearls betont, dass die Verdickung vor der Geburt meist fehlt und sich danach aufbaut. Deshalb gehören Echokardiografie, EKG und oft Langzeit-EKG zur Erstversorgung, besonders eng in den ersten zwei Lebensjahren.

Der Verlauf der Hypertrophie ist nicht einheitlich. Lin und Kollegen (2011), von GeneReviews zusammengefasst, sahen Fortschritt, Stillstand und sogar Rückbildung. Einzelne Neugeborene sterben an schwerster Form oder an unstillbarer Vorhoftachykardie. Bei anderen bleibt der Befund milde. Die Vorhoftachykardie kann unabhängig von der Muskelmasse auftreten und klingt bei vielen unter Therapie in den ersten Lebensjahren ab; bei etwa einem Viertel bleibt sie hartnäckig. Im Jugend- und Erwachsenenalter gelten neue Rhythmusereignisse und eine mittelschwere Hypertrophie als besonders unsicher, weil Langzeitdaten dünn sind. Bluthochdruck kommt vor, eine Aortendissektion ist bisher nicht das typische Bild.

Behandlung folgt den Regeln der jeweiligen Herzkrankheit, nicht einem costello-eigenen Schema. Betablocker ohne gefäßerweiternde Wirkung sind oft die erste Stufe bei Hypertrophie; bei Ausflussbahnobstruktion muss das Volumen vorsichtig gehalten werden. Eine Myektomie bleibt Einzelfällen vorbehalten. Seit Fallserien um 2019 bis 2023 und der GeneReviews-Aktualisierung 2026 gilt der MEK-Hemmer Trametinib als gezielte Option, wenn eine schwere hypertrophe Kardiomyopathie mit Herzinsuffizienz auf die Standardtherapie nicht anspricht. Die dort genannte Dosis liegt bei 0,02 bis 0,04 Milligramm pro Kilogramm. Das ist kein Routineeinsatz und kein zugelassenes Standardregime für jedes Kind mit dieser Diagnose.

Wie hoch ist das Tumorrisiko und wie wird überwacht?

Das Lebenszeitrisiko für bösartige solide Tumoren liegt bei etwa 15 Prozent. Die größte Zusammenfassung (621 Personen, 234 Publikationen) maß bis zum 20. Geburtstag 13 Prozent Krebs (95-Prozent-Konfidenzintervall 9 bis 16) und 11 Prozent Tod ohne Krebs.

Drei Entitäten dominieren. Das embryonale Rhabdomyosarkom sitzt bei Betroffenen meist in Bauch oder Becken und ist nach dem 14. Lebensjahr in dieser Kohorte nicht mehr aufgetreten. Das Neuroblastom bleibt eine Erkrankung der frühen Kindheit. Das Übergangszellkarzinom der Harnblase, in der Allgemeinbevölkerung eine Krankheit älterer Erwachsener, erscheint hier schon bei Jugendlichen; klassische Einzelfälle waren 10, 11 und 16 Jahre alt. Standardisierte Inzidenzraten gegenüber SEER lagen bei 1240 für das Rhabdomyosarkom, 1971 für die Blase und 60 für das Neuroblastom. Gutartige Papillome sind häufig (etwa 50 bis 60 Prozent) und kosmetisch störend, aber keine Vorstufe dieser drei Krebsarten.

Ältere Vorschläge (Gripp 2002, Villani 2017, GeneReviews-Tabelle) empfahlen Bauch- und Beckenultraschall alle drei bis sechs Monate bis zum Alter von acht bis zehn Jahren und danach jährliche Urinuntersuchung auf Blut. Die AACR-Aktualisierung vom 28. August 2024, entstanden aus einem Workshop 2023, verlängert den Ultraschall auf das Rhabdomyosarkom bis 14 Jahre und belässt die Neuroblastom-Suche bis 10 Jahre. Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs wird wegen geringer thorakaler Neuroblastomlast und Strahlenbelastung nicht allgemein empfohlen. Katecholamine im Urin bleiben ungeeignet, weil Ausgangswerte ohne Tumor erhöht sein können. Ob eine regelmäßige Blasenspiegelung ab dem Jugendalter nützt, ist offen; Leoni und Kollegen fanden bei 13 Untersuchten ab 10 Jahren in 10 Fällen eine makroskopische Läsion, darunter Dysplasien und niedrigmaligne Tumoren. GeneReviews schreibt ausdrücklich, dass der Nutzen der Bildgebung bisher nicht in einer Outcome-Studie bewiesen ist. Entscheidend bleibt, dass Familie und Ärzte das erhöhte Risiko kennen.

Tumor Typisches Fenster Aktuelle Früherkennung
Rhabdomyosarkom Kindheit, in Serien nicht nach 14 Jahren Bauch- und Beckenultraschall alle 3–6 Monate ab Diagnose bis 14 Jahre (AACR 2024); GeneReviews nennt noch 8–10 Jahre
Neuroblastom frühe Kindheit derselbe Ultraschall bis 10 Jahre; Katecholamine im Urin nicht als Suchtest
Harnblasenkarzinom Jugend und junges Erwachsenenalter jährliche Urinuntersuchung auf Blut ab 10 Jahren; Blasenspiegelung einzeln besprechen
Gesichtspapillome ab Kleinkindalter Blickdiagnose, Entfernung bei Reizung, kein Krebs-Suchprogramm

Warum gedeihen Säuglinge so schlecht?

Die Gedeihstörung ist das häufigste Alltagsproblem der ersten Jahre. Mehr als 95 Prozent bleiben im Gewicht hinter gesunden Gleichaltrigen zurück, selbst wenn Kalorien über eine Sonde ankommen.

Trinken und Schlucken sind schwach, der Muskeltonus niedrig, Reflux und Reizbarkeit häufig. GeneReviews nennt eine Magensonde bei etwa 65 Prozent; viele brauchen zusätzlich eine Fundoplikatio. Pylorusstenose kommt öfter vor als in der Allgemeinbevölkerung. Zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr gelingt die orale Kost meist besser, oft mit Vorliebe für sehr intensive Geschmäcker. Aggressive „Stopfversuche“ ohne Sonde verbessern die Aufnahme selten und können eine orale Abwehr verstärken. Spezielle Wachstumskurven für diese Diagnose (Sammon 2012, zitiert in GeneReviews) zeigen, dass selbst das 95. Perzentil der Betroffenen im unteren Normbereich gesunder Kinder liegt.

Neonataler Unterzucker und Hyperinsulinismus sind beschrieben und gehören ins standardisierte Neugeborenen-Protokoll. GeneReviews nennt Diazoxid bei nachgewiesenem Hyperinsulinismus. Später kann ein Wachstumshormonmangel (in Tabellen 30 bis 50 Prozent, in einer Übersicht 45 Prozent) Unterzucker und geringe Muskelmasse mitverursachen. Cortisolmangel ist seltener, aber bei unstillbarer Hypoglykämie zu prüfen. Eine nachgewiesene Wachstumshormonlücke darf erst nach kardiologischer Freigabe ersetzt werden, weil Hypertrophie und Tumorneigung theoretisch berührt werden. Ein klarer Beleg, dass die Ersatztherapie Krebs oder Herzmuskel verdickt, fehlt; Einzelfälle mit Tumor unter Therapie bleiben unentschieden. Ziel der Gabe ist vor allem die Vermeidung von Unterzucker und der Erhalt von Muskelmasse, weniger das Erreichen einer normalen Endgröße.

Obstipation, später Reflux im Erwachsenenalter und ein hoher Grundumsatz werden in Übersichten diskutiert. Das rechtfertigt keine selbst verordnete Hochkalorik ohne Ernährungsfachkraft. Kindergarten- und Schulverpflegung muss die oft noch schwache Kau- und Schluckmotorik berücksichtigen.

Was bedeutet das für Gehirn, Lernen und Alltag?

Entwicklungsverzögerung betrifft fast alle, eine intellektuelle Behinderung etwa 80 Prozent. Das Denken bleibt in der Regel im leichten bis mittleren Bereich, das Wiedererkennen sprachlicher Inhalte oft besser als andere Teilleistungen.

Frühe Zeichen, die an eine Autismus-Spektrum-Störung erinnern, lösen sich in einer Längsschnittbeobachtung häufig bis zum vierten Lebensjahr. Trennungsangst betraf in einer Serie 39 Prozent, im höheren Alter Angst 65 Prozent. Die Sprache startet oft erst, wenn auch das Essen vom Mund her gelingt. Frühförderung, Logopädie und bei Bedarf unterstützte Kommunikation gehören deshalb früh auf den Plan, nicht erst nach dem Schuleintritt. Cincinnati Children’s empfiehlt ein individuelles Förderkonzept in der Schule.

Bildgebung des Kopfes und des unteren Rückens sucht nach Chiari-I, Hydrozephalus, Syrinx und Tethered Cord. GeneReviews schlägt eine Bildgebung um das erste Lebensjahr und später bei neuen Symptomen vor. Warnzeichen sind zunehmende Kopfschmerzen, Schluckstörung, Schwäche, Gangänderung oder Blasenstörung. Anfälle sollen immer auch an Unterzucker denken lassen, bevor nur ein neues Antiepileptikum gewählt wird. Schlafapnoe war in einer kleinen Polysomnografie-Serie bei sieben von zehn Personen nachweisbar; Adenoide, Tonsillen und Kieferlage können die Enge mitverursachen.

Im Erwachsenenalter leben die meisten weiter bei den Eltern oder in einer betreuten Wohnung. Eine Befragung von 16 Personen (mittleres Alter knapp 25 Jahre) fand drei in einem College-Programm, alle in Alltagstätigkeiten, aber kaum völlige Selbstständigkeit. Lebensqualität litt in älteren Arbeiten unter wenigen Außenkontakten, fehlender Unabhängigkeit, männlichem Geschlecht und schweren medizinischen Problemen. Knochenbrüche, Wirbelhöhenverlust und eingeschränkte Gehstrecke (Rollstuhl für Strecken bei einem relevanten Anteil) gehören zur Planung, nicht zur Überraschung mit 20 Jahren.

Wie wird die Diagnose gestellt und von Noonan oder CFC getrennt?

Die Diagnose steht, wenn der klinische Eindruck und eine heterozygote pathogene HRAS-Variante zusammenkommen. Ein isolierter „verdächtiger Blick“ ohne Genbefund reicht heute nicht.

Zuerst zählen Körpermaß, Kopfumfang, Haut, Hände, Herz und die Vorgeschichte der Schwangerschaft. Danach folgt molekulare Diagnostik. Reicht der Phänotyp klar, genügt die Sequenzierung von HRAS; sie erfasst nach GeneReviews etwa 99 Prozent der bekannten Ursachen, weil es sich um aktivierende Punktvarianten handelt, nicht um Genverluste. Ist das Bild unscharf, spart ein RASopathie-Panel Umwege, weil CFC (BRAF, MAP2K1, MAP2K2, selten KRAS) und Noonan (unter anderem PTPN11, SOS1, RAF1, RIT1, LZTR1) dieselben Säuglinge treffen können. Exomdiagnostik kommt infrage, wenn niemand an Costello denkt. Eine Variante unklarer Bedeutung beweist die Diagnose nicht.

Im Säuglingsalter ähneln sich die drei RASopathien so stark, dass selbst Erfahrene irren. Trennend für Costello sind grobere Züge, besonders schwere Trinkschwäche, Papillome, Ulnardeviation, straffe Achillessehnen, die chaotische Vorhoftachykardie und das klare Krebsrisiko. CFC zeigt oft noch sparsamere Augenbrauen, stärkere Ichthyose oder Neurodermitis und selten Malignome. Noonan hat häufiger eine Kombination aus Kiel- und Trichterbrust, Pterygium colli und Gerinnungs- oder Lymphproblemen; die Endgröße liegt näher an der unteren Norm. Frühere Serien, in denen 10 bis 15 Prozent „klinisches Costello“ ohne HRAS blieben, entpuppten sich später als CFC oder KRAS-Noonan. MedlinePlus formuliert denselben Satz: Wer keine HRAS-Variante trägt, hat wahrscheinlich eine der Schwestererkrankungen.

Vorgeburtlich bleibt der Ultraschall unspezifisch. Schweres Polyhydramnion plus Vorhoftachykardie bei unauffälligem Chromosomensatz darf die Diagnose auf die Liste setzen. Ist die familiäre Variante bekannt, sind Pränatal- und Präimplantationstest möglich. Ein Mosaik in Hautstreifen oder nur im Mundschleimhaut-DNA kann ein abgeschwächtes oder fleckiges Bild erzeugen; Blut allein schließt das nicht immer aus.

Welche Behandlung gibt es heute?

Eine Heilung der Keimbahnveränderung gibt es nicht. Die Betreuung zielt auf Organe, Entwicklung und Früherkennung, und sie ändert sich mit dem Alter.

Gripp und Kollegen veröffentlichten 2019 interdisziplinäre Managementleitlinien, die GeneReviews 2026 fortschreibt. Nach der Diagnose stehen Maß, Ernährung, Kardiologie, Neurologie, Orthopädie, Augen, Haut, Zähne, Endokrinologie und genetische Beratung auf der Liste. Kinder brauchen in den ersten Jahren vor allem Gastroenterologie, Kardiologie und Frühförderung; Erwachsene rücken Haut, Knochen, Blasenkrebsvorsorge und Angst ins Zentrum. Leoni und Kollegen (2022) beschreiben denselben Schichtwechsel.

Praktisch heißt das oft:

  • Eine Ernährungssonde überbrückt die ersten Lebensjahre, bis Trinken und Kauen zuverlässig gelingen.
  • Physiotherapie und Ergotherapie halten Beweglichkeit, beugen Kontrakturen vor und stützen die typische Handstellung früh mit Orthesen.
  • Eine Achillessehnenverlängerung wird im späteren Kindesalter häufig nötig, eine Hüftoperation bei Schmerzen oder Instabilität.
  • Papillome an schwer zu pflegenden Stellen können kältechirurgisch oder durch Abtragen entfernt werden, wenn sie nässen oder stören.
  • Herz, Anfälle, Reflux, Schlafapnoe und Tumoren folgen den jeweiligen Fachstandards, nicht einem Syndrom-Hausrezept.

Narkosen verdienen extra Aufmerksamkeit, weil eine unerkannte Hypertrophie oder Vorhoftachykardie das Risiko heben und weil oft höhere Sedierungsdosen nötig sind. Alte Narkoseprotokolle mitnehmen. Vitamin D und Calcium gehören zur Knochengesundheit, sobald Dichte oder Brüche auffallen; Bisphosphonate bleiben Einzelfallentscheidung. Sport in angepasster Form und Special-Olympics-Angebote sind erlaubt, sofern der Kardiologe keine Sperre setzt.

Trametinib bleibt, wie oben, eine spezialisierte Option bei therapierefraktärer hypertropher Kardiomyopathie mit Herzinsuffizienz. Fallberichte zu isolierter Vorhoftachykardie ohne Muskelverdickung existieren, ersetzen aber keine Leitlinie. Familien sollten solche Mittel nur in Zentren mit RASopathie-Erfahrung und engmaschigen Labor- und Herz-Kontrollen erwägen.

Wann zum Arzt, wann in die Klinik?

Jeder neu diagnostizierte Säugling gehört zeitnah zu Kardiologie, Ernährung und Humangenetik, nicht erst „wenn etwas passiert“. Danach richten sich Intervalle nach Befund, in den ersten zwei Jahren oft engmaschig.

Sofortige ärztliche Bewertung, in der Nacht die Notaufnahme, ist angezeigt bei grau-blasser Haut plus Trinkverweigerung, bei einem Puls, der für das Alter spürbar zu rasch oder unregelmäßig ist, bei Schweißausbruch und Schlaffheit (Unterzucker), bei einem neuen Krampfanfall, bei Atemnot oder Atempausen, bei blutigem Urin oder einem tastbaren Bauchtumor und bei plötzlicher Bewusstseinsstörung. Kopfschmerz mit Erbrechen, Nackensteifegefühl, Schluckknick oder rasch schwächeren Beinen kann eine Chiari-Problematik oder einen Hydrozephalus anzeigen und gehört nicht in die nächste reguläre Vorsorge.

Weniger dramatisch, aber zeitnah, sind stagnierende Gewichtskurve, neue Schielstellung, nächtliches Schnarchen mit Pausen, zunehmende Achillessehnenstraffung, Hüftschmerz und Angst, die den Schulbesuch blockiert. Vor geplanten OPs braucht es ein frisches Echo, wenn das letzte länger zurückliegt. Eltern sollten den Varianten-Befund (zum Beispiel p.Gly12Ser versus eine seltenere Codon-12-Änderung) kennen, weil Gespräche über Tumorwahrscheinlichkeit daran anknüpfen, die Überwachungsintervalle derzeit aber für alle gleich bleiben.

Häufige Fragen

Ist das Costello-Syndrom heilbar?

Nein. Die HRAS-Veränderung in allen Körperzellen bleibt bestehen. Symptome an Herz, Ernährung, Knochen, Haut und Lernen lassen sich behandeln, und einzelne schwere Herzverläufe können auf einen MEK-Hemmer ansprechen. Das ersetzt keine Heilung der Ursache.

Wird die Erkrankung vererbt?

Meist nicht von einem erkrankten Elternteil, sondern als neue Variante. Der Erbgang ist autosomal-dominant. Ein nachweislich betroffener Elternteil gibt sie mit 50 Prozent weiter. Ohne Nachweis im Blut der Eltern bleibt ein kleines Wiederholungsrisiko durch Keimbahnmosaik.

Woran erkennt man es beim Säugling?

An der Kombination aus zunächst oft kräftigem Geburtsgewicht, danach schwerer Trinkschwäche, lockerer Haut, groben Gesichtszügen und häufig einem Herzbefund. Sicher macht die Diagnose erst der HRAS-Nachweis, weil Noonan- und CFC-Syndrom ähnlich beginnen.

Wie hoch ist das Krebsrisiko wirklich?

GeneReviews nennt rund 15 Prozent über die Lebenszeit. Die Metaanalyse 2023 fand 13 Prozent bis zum 20. Geburtstag, mit höherer Last bei seltenen Codon-12-Varianten als bei p.Gly12Ser. Rhabdomyosarkom, Neuroblastom und Blasenkarzinom tragen fast die ganze Last.

Dürfen Kinder Wachstumshormon bekommen?

Nur nach nachgewiesener Lücke und nach kardiologischer Freigabe. Nutzen für die Endgröße ist begrenzt, Nutzen gegen Unterzucker plausibler. Ob die Therapie Tumoren oder die Herzmuskelmasse beeinflusst, ist nicht abschließend geklärt.

Unterscheidet es sich vom Noonan-Syndrom?

Ja, sobald die Gene vorliegen. Costello ist an HRAS gebunden, Noonan an andere RAS/MAPK-Gene. Im Säuglingsalter täuscht der Blick; Papillome, besonders schwere Gedeihstörung, chaotische Vorhoftachykardie und das klare Krebsrisiko sprechen für Costello.

Fazit

Wer mit dieser Diagnose lebt oder ein Kind damit begleitet, plant drei Schienen parallel: Kalorien und Sonde in den ersten Jahren, Herzuntersuchungen besonders eng bis zum zweiten Geburtstag, und eine ehrliche Tumorüberwachung nach dem aktuellen AACR-Stand (Ultraschall länger als in älteren Tabellen, Urin ab zehn Jahren, keine Katecholamin-Jagd). Die Zahlen zu Häufigkeit und Krebs sind seit 2018 schärfer geworden; die alte Rundzahl „ein paar hundert Menschen“ und das vage „Tumorneigung“ reichen nicht mehr.

Medikamente, die in die RAS/MAPK-Kaskade eingreifen, ändern zum ersten Mal den Satz, es gebe „keine spezifische Therapie“. Trametinib bleibt trotzdem eine Ausnahmeoption bei schwerer, sonst nicht beherrschbarer Herzmuskelkrankheit, kein Alltagsrezept. Wachstumshormon, Narkose und Steroide bei Anfällen brauchen denselben kardiologischen Blick.

Für den nächsten Termin lohnt eine kurze Liste: aktuelles Gewicht, letzte Echo- und Ultraschalldaten, der genaue HRAS-Code, Impf- und Narkosehistorie, Fragen zu Schule, Angst und späterer Wohnform. Humangenetik kann Geschwisterrisiko und, falls gewünscht, vorgeburtliche Optionen erklären. Selbsthilfegruppen wie das Costello Syndrome Family Network ersetzen keine Klinik, machen aber den seltenen Alltag weniger isoliert.

Quellen

  1. Gripp KW, Weaver KN: HRAS-Related Costello Syndrome. GeneReviews, 21. Mai 2026.
  2. MedlinePlus: Costello syndrome. MedlinePlus Genetics, Stand: 2026.
  3. Cincinnati Children’s Hospital Medical Center: Costello Syndrome Diagnosis and Treatment. Cincinnati Children’s Hospital Medical Center, September 2025.
  4. Ngulube MM, Sharma S: Faciocutaneoskeletal Syndrome (Costello Syndrome). StatPearls, 11. Februar 2025.
  5. Astiazaran-Symonds E, Ney GM et al.: Cancer in Costello syndrome: a systematic review and meta-analysis. British Journal of Cancer, 25. März 2023.
  6. Perrino MR, Das A et al.: Update on Pediatric Cancer Surveillance Recommendations for Patients with Neurofibromatosis Type 1, Noonan Syndrome, CBL Syndrome, Costello Syndrome, and Related RASopathies. Clinical Cancer Research, 28. August 2024.
  7. Gripp KW, Morse LA et al.: Costello syndrome: Clinical phenotype, genotype, and management guidelines. American Journal of Medical Genetics Part A, 20. Juni 2019.
  8. Leoni C, Viscogliosi G et al.: Multidisciplinary Management of Costello Syndrome: Current Perspectives. Journal of Multidisciplinary Healthcare, Stand: 2022.
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