
Kribriformer Brustkrebs ist eine seltene Sonderform des invasiven Mammakarzinoms. Die Tumorzellen bilden ein siebartiges Muster, wachsen meist langsam und tragen fast immer Hormonrezeptoren; in großen US-Registern überleben Patientinnen mit dieser Histologie häufiger fünf Jahre als bei dem häufigen invasiven Karzinom ohne besonderen Typ. Die American Cancer Society zählt das kribriforme Karzinom zu den weniger häufigen Typen, deren Ausblick günstiger ausfällt als beim klassischen invasiven duktalen Karzinom.
Zwei Dinge gehören zur Einordnung. Erstens entscheidet der Anteil des Siebmusters am Operationspräparat, ob die Diagnose „rein“ bleibt oder als gemischter Tumor gilt. Zweitens bestimmen Grad, Größe, Lymphknoten und die Marker Östrogenrezeptor, Progesteronrezeptor und HER2 die Therapie, nicht der Name allein. Ältere Texte nannten oft nur anatomische Stadien; seit der AJCC-8-Ausgabe von 2018 fließen Rezeptoren und Grad in die Stadieneinteilung ein.
Was ist kribriformer Brustkrebs?
Kribriformer Brustkrebs bedeutet, dass ein invasives Karzinom unter dem Mikroskop vorwiegend siebartig wächst. Zwischen den Zellnestern liegen runde oder eckige Hohlräume, sodass das Gewebe an ein Sieb erinnert. Die Zellen stammen von den auskleidenden Zellen der Milchgänge, wachsen aber bereits ins umgebende Stroma. Genau das trennt die invasive Form vom kribriformen duktalen Carcinoma in situ, das in den Gängen bleibt.
Die American Cancer Society führt das kribriforme Karzinom in einer Gruppe seltener invasiver Typen, zu der auch tubuläre, muzinöse und adenoidzystische Karzinome gehören. Diese Gruppe hat in der Regel einen besseren Ausblick als das invasive Karzinom ohne besonderen Typ, das früher duktales Karzinom genannt wurde. Mikropapilläre und die meisten metaplastischen Karzinome gelten als ungünstiger oder zumindest nicht günstiger als der häufige Typ.
Der Name beschreibt das Muster, nicht eine eigene Ursache. Risikofaktoren ähneln denen anderer östrogenabhängiger Mammakarzinome und umfassen längere Östrogenwirkung, frühe erste Regel, späte Wechseljahre und familiäre Belastung. Eine eigene, nur für diese Histologie geltende Ursache ist nicht belegt. Männer können erkranken, tun es aber selten; in der SEER-Auswertung von Liu und Kollegen aus dem Jahr 2021 lag der Männeranteil etwas höher als beim duktalen Vergleichskollektiv, blieb aber klein.
Wichtig ist die Trennung vom kribriformen DCIS. Beim Carcinoma in situ umgibt eine Schicht Myoepithelzellen die Zellnester. Beim invasiven Typ fehlt diese Schicht, und die Nester infiltrieren unregelmäßig das Bindegewebe. Pathologinnen und Pathologen nutzen dafür Immunfärbungen gegen Myoepithelmarker. Verwechselt werden kann das Bild außerdem mit dem adenoidzystischen Karzinom der Brust, das zwei Zelllinien zeigt und meist hormonrezeptornegativ ist.

Wie selten ist diese Form?
In aktuellen Registern macht das invasive kribriforme Karzinom deutlich unter einem Prozent der Brustkrebse aus. Liu und Kollegen werteten 305.644 Fälle aus dem US-SEER-Programm der Jahre 2004 bis 2015 aus. Davon erfüllten 760 die Histologie 8201/3, das entspricht 0,25 Prozent. Das mediane Alter lag bei 61 Jahren, beim invasiven duktalen Karzinom bei 59 Jahren. Eine japanische Serie von Yoshino und Kollegen aus dem Jahr 2024 fand 8 Fälle unter 2454 Diagnosen, ebenfalls 0,3 Prozent.
Dieci und Kollegen nannten 2014 in einem Überblick über seltene Subtypen eine Spanne von 0,1 bis 0,6 Prozent und ein medianes Diagnosealter von 54 bis 63 Jahren. Ältere Angaben von 0,3 bis 3,5 Prozent beruhen oft auf lockeren Definitionen, die gemischte Tumoren oder kribriforme Anteile in anderen Karzinomen mitzählten. Sobald die Weltgesundheitsorganisation mehr als 90 Prozent Siebmuster am Exzidat verlangt, schrumpft die Gruppe.
Der SEER-Vergleich von 2021 zeigt, warum die Form klinisch auffällt, obwohl sie selten ist. Die Tumoren waren häufiger klein, besser differenziert und seltener in Lymphknoten oder Fernorganen nachweisbar. Östrogenrezeptoren waren in 95,4 Prozent der Fälle positiv, Progesteronrezeptoren in 89,5 Prozent, HER2 nur in 2,9 Prozent. Gut differenzierte Tumoren machten 59,6 Prozent aus, beim duktalen Vergleichstyp 17,4 Prozent. Chemotherapie und Bestrahlung wurden seltener eingesetzt, Operationen etwa gleich oft.
Solche Zahlen beschreiben Populationen, nicht die einzelne Person. Ein kleiner, reiner Tumor bei einer 62-Jährigen ist etwas anderes als ein gemischter, knotentragender Befund. Die Seltenheit erklärt auch, warum es keine eigenen großen Therapiestudien gibt. Leitlinien übertragen deshalb Regeln für hormonempfindliche, langsam wachsende Karzinome und prüfen, ob die Histologie wirklich rein ist.
Was unterscheidet reine und gemischte Tumoren?
Rein bedeutet, dass mehr als 90 Prozent des invasiven Tumors am Operationspräparat das Siebmuster zeigen. Die Stanzbiopsie allein reicht für diese Zuschreibung nicht, weil sie nur einen Ausschnitt trifft. Liegt der kribriforme Anteil darunter oder mischt sich ein anderes, weniger differenziertes invasives Muster, gilt der Tumor als gemischt oder als Karzinom ohne besonderen Typ. Dieci und Kollegen halten fest, dass die reine Form die günstige Variante ist, während gemischte Fälle mehr Zurückhaltung verlangen.
Ein begrenzter tubulärer Anteil unter 50 Prozent wurde in älteren Texten manchmal noch zur „klassischen“ reinen Form gerechnet. Die neuere WHO-Logik ist strenger. Überwiegt kein Sondertyp zu mehr als 90 Prozent, fällt der Tumor in die große Gruppe ohne besonderen Typ. Das hat Folgen. Nur die reine, nicht hochgradige, HER2-negative Form trägt den Ruf der histologisch günstigen Sonderform. Alles andere folgt eher den Regeln des häufigen invasiven Karzinoms.
Dieci nannten für die reine Form Lymphknotenmetastasen in etwa 10 Prozent der Fälle. In der SEER-Kohorte von 2021 waren 83,2 Prozent der kribriformen Fälle knotenfrei, beim duktalen Vergleich 66,1 Prozent. Fernmetastasen fehlten bei 98,7 Prozent. Gemischte Tumoren liegen dazwischen. Sie tragen häufiger befallene Achselknoten und einen ungünstigeren Zellanteil, der die Biologie bestimmt.
| Merkmal | Reine Form | Gemischte Form |
|---|---|---|
| Siebmuster am OP-Präparat | über 90 Prozent | 10 bis 90 Prozent anderes invasives Muster |
| Hormonrezeptoren | fast immer Östrogen-positiv | abhängig vom Mischanteil, oft noch positiv |
| HER2 | in großen Registern selten positiv | häufiger wie beim häufigen Typ möglich |
| Lymphknoten | seltener befallen | häufiger befallen |
| Systemtherapie | oft vor allem Hormontherapie | eher wie Karzinom ohne besonderen Typ |
Der Pathologiebericht sollte deshalb den Prozentanteil, den Grad, die Resektionsränder und die Marker getrennt nennen. Ein Satz „kribriform“ ohne diese Angaben reicht für die Therapieplanung nicht. Wer eine Zweitmeinung einholt, lässt das ganze Exzidat neu schneiden, nicht nur den Stanzbefund wiederholen.
Welche Beschwerden und wann zum Arzt?
Viele kribriforme Karzinome machen zunächst keine Beschwerden und fallen in der Mammographie oder im Ultraschall auf. Wenn Symptome entstehen, gleichen sie denen anderer Brustkrebse. Die American Cancer Society nennt als häufigstes Zeichen einen neuen Knoten oder eine Verdichtung. Der Knoten kann hart und unverschieblich sein, aber auch weich, rund oder druckschmerzhaft. Allein am Tastbefund lässt sich die Histologie nicht erkennen.
Weitere Warnzeichen sind eine Dellenbildung der Haut, eine Haut, die an Orangenhaut erinnert, eine nach innen gezogene Brustwarze, Ausfluss außerhalb der Stillzeit sowie geschwollene Lymphknoten in der Achsel oder am Schlüsselbein. Rötung, Schuppung oder eine plötzliche Formänderung einer Brust gehören ebenfalls abgeklärt. Schmerz allein ist kein typisches Frühzeichen, schließt Krebs aber nicht aus.
Die American Cancer Society rät, jede neue Masse, jeden neuen Knoten und jede sonstige Veränderung der Brust von einer erfahrenen Fachperson prüfen zu lassen. Das gilt unabhängig vom Alter und unabhängig davon, ob kürzlich eine Reihenuntersuchung unauffällig war. Mammographien finden nicht jeden Tumor. Umgekehrt sind die meisten Knoten gutartig; die Abklärung dient dazu, die wenigen bösartigen früh zu fassen.
Für die Früherkennung ohne Symptome gilt in den ACS-Empfehlungen von 2026 Folgendes. Frauen mit durchschnittlichem Risiko können zwischen 40 und 44 Jahren mit jährlicher Mammographie beginnen, von 45 bis 54 Jahren soll sie jährlich erfolgen, ab 55 Jahren alle zwei Jahre oder weiter jährlich, solange die Lebenserwartung mindestens zehn Jahre beträgt. Tastuntersuchungen durch Ärztinnen oder Ärzte werden in dieser Gruppe nicht mehr als Reihenuntersuchung empfohlen. Vertrautheit mit dem eigenen Brustbild bleibt trotzdem sinnvoll, weil viele tastbare Befunde im Alltag auffallen, etwa unter der Dusche.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Diagnose steht erst nach der Gewebeprobe. Klinik, Bildgebung und Pathologie gehören zusammen. Die Mayo Clinic beschreibt den Weg über klinische Untersuchung der Brüste, Achseln und Schlüsselbeine, Mammographie, oft Ultraschall, bei Bedarf Magnetresonanztomographie und danach eine bildgesteuerte Stanzbiopsie. Feinnadelpunktionen können Knoten in der Achsel ergänzen, ersetzen die Stanzung der Brust aber selten.
Die britische Leitlinie NICE verlangt vor der Therapie einen Ultraschall der Achsel. Auffällige Knoten dort sollen gezielt punktiert werden. Eine Brust-MRT gehört laut NICE nicht zur Routine nach bereits gesicherter Diagnose. Sie kommt infrage, wenn Ausdehnung oder Dichte die Planung unsicher machen oder wenn bei einem lobulären Karzinom eine brusterhaltende Operation erwogen wird. Für das kribriforme Karzinom gelten dieselben Regeln, weil es kein eigenes Bildgebungsprotokoll besitzt.
Genau das macht die Bildgebung tückisch. Cong und Kollegen beschrieben 2015 neun Fälle. Im Ultraschall waren alle Herde echoarm, die meisten unregelmäßig begrenzt. In der Mammographie zeigten sechs von acht eine erhöhte Dichte, sandkornartige Mikrokalzifikationen fehlten. Zwei Tumoren waren mammographisch unsichtbar. Ältere Serien berichteten sogar von bis zur Hälfte okkulter Befunde. Ein unauffälliges Mammogramm schließt die Diagnose also nicht aus, wenn Tastbefund oder Ultraschall weiter stören.
Im Labor bestimmt die Pathologie den Gewebetyp, den Grad und die Marker. NICE verlangt seit 2018, Östrogenrezeptor, Progesteronrezeptor und HER2 bei jedem invasiven Mammakarzinom schon an der ersten Histologie gleichzeitig zu bestimmen. Die Werte müssen in der Tumorkonferenz vor und nach der Operation vorliegen. Staging-Untersuchungen wie CT, Knochenszintigraphie oder PET bleiben der Mayo Clinic zufolge Einzelfällen vorbehalten, etwa bei Symptomen oder klinisch fortgeschrittener Lage.
Was zeigt das Gewebe unter dem Mikroskop?
Unter dem Mikroskop liegen unregelmäßige, rundliche oder eckige Zellinseln in einem derben Stroma. Die Inseln enthalten scharf begrenzte Lücken, oft mit Schleim oder Kalk. Die Zellkerne sind meist klein, die Mitosen spärlich, der Kernpleomorphismus gering. Cong und Kollegen maßen einen Ki-67-Index von im Mittel 3,75 Prozent, Spanne 2 bis 5 Prozent. Das passt zu einem langsam proliferierenden, luminalen Typ.
Die Diagnose „invasiv“ hängt am fehlenden Myoepithel um die Nester und am infiltrativen Rand. Kribriformes DCIS hat glatte Ganggrenzen und eine erhaltene Myoepithelschicht. Das adenoidzystische Karzinom zeigt zwei Zellpopulationen, oft c-KIT-positive Drüsen und meist negative Hormonrezeptoren. Neuroendokrine Karzinome färben Synaptophysin oder Chromogranin. Metastasen anderer Organe, etwa Darm oder Speicheldrüse, können ein Siebmuster nachahmen; dann helfen Marker wie CDX2 oder PSA.
Ein kribriformes DCIS kann neben dem invasiven Tumor liegen. Das erklärt, warum in der Stanzung oft beide Bilder auftauchen. Die endgültige Typisierung wartet auf das Exzidat. Verlust der Differenzierung, also ein Übergang in ein hochgradiges, festes Wachstum, schließt die reine Form aus. Dann zählt der ungünstigere Anteil für Prognose und Chemotherapiefrage.
Dieci und Kollegen betonten 2014, dass die histologische Sonderform trotz molekularer Klassifikationen ihre Bedeutung behält. Genexpressionsprofile wurden vor allem an duktalen Karzinomen entwickelt. Manche dreifach negativen Sonderformen verhalten sich trotzdem günstig. Umgekehrt bleibt ein reines kribriformes Karzinom luminal und langsam, auch wenn der Name selten ist. Die Gewebediagnose ist deshalb kein Schmuck am Bericht, sondern die Grundlage der nächsten Schritte.

Wie werden Grad und Stadium bestimmt?
Der Grad sagt, wie stark die Zellen von gesundem Drüsengewebe abweichen. Die American Cancer Society beschreibt drei Stufen nach dem Nottingham-Score. Grad 1 wächst langsam und ähnelt normalen Zellen, Grad 2 liegt dazwischen, Grad 3 sieht stark verändert aus und wächst rascher. Reine kribriforme Karzinome sind meist Grad 1. Ein hochgradiger Tumor mit Siebmuster erfüllt die Kriterien der günstigen Sonderform nicht und wird wie ein gewöhnliches invasives Karzinom behandelt.
Das Stadium beschreibt Ausdehnung. Seit Januar 2018 gilt die achte AJCC-Ausgabe. Sie verbindet Tumorgröße (T), Lymphknoten (N) und Fernmetastasen (M) mit Grad, Östrogenrezeptor, Progesteronrezeptor und HER2. In manchen Situationen fließt auch ein genomischer Rückfallscore ein. Ältere Patientenratgeber, die nur anatomische Stadien 0 bis 4 auflisteten, sind damit unvollständig. Zwei Tumoren gleicher Größe können unterschiedliche Stadien tragen, wenn Rezeptoren und Grad auseinanderliegen.
Grobe anatomische Anker bleiben nützlich. T1 bedeutet bis 2 Zentimeter, T2 mehr als 2 und höchstens 5 Zentimeter, T3 über 5 Zentimeter, T4 Einbruch in Brustwand oder Haut. N1 umfasst ein bis drei Achselknoten, N2 vier bis neun, N3 zehn oder mehr beziehungsweise Knoten unter oder über dem Schlüsselbein. M1 heißt Nachweis in Fernorganen, etwa Knochen, Leber, Lunge oder Gehirn. In der SEER-Kohorte 2021 lagen die meisten kribriformen Fälle in niedrigen T-Stufen, die Knotenfreiheit war hoch, Fernmetastasen selten.
Liu und Kollegen bauten 2021 ein Nomogramm aus Alter, Familienstand, Tumorlage, T, M, Progesteronrezeptor und Operation. Es sagte das Drei- und Fünfjahresüberleben genauer voraus als das damalige TNM allein. Der N-Status war in ihrer Cox-Analyse kein unabhängiger Faktor, vermutlich weil reine und gemischte Fälle im Register nicht getrennt waren. Für die einzelne Behandlung zählt der echte Knotenstatus trotzdem. Befallene Achselknoten verschieben die Systemtherapie.
Welche Rolle spielen Hormonrezeptoren und HER2?
Östrogen- und Progesteronrezeptoren sitzen in oder auf den Zellen und koppeln Hormone, die das Wachstum antreiben können. Die American Cancer Society stuft einen Test als negativ ein, wenn unter 1 Prozent der Zellen färben, als niedrig positiv bei 1 bis 10 Prozent und als positiv über 10 Prozent. Schon ab 1 Prozent wird eine Hormontherapie angeboten. Etwa drei von vier Brustkrebsen insgesamt tragen mindestens einen der beiden Rezeptoren; bei kribriformen Tumoren liegt der Anteil deutlich höher.
In der SEER-Analyse 2021 waren 95,4 Prozent östrogenrezeptorpositiv und 89,5 Prozent progesteronrezeptorpositiv. Yoshino und Kollegen fanden 2024 in einer kleinen Serie von acht Fällen ebenfalls durchweg mindestens einen Hormonrezeptor. HER2-Vermehrung blieb in der großen Kohorte bei 2,9 Prozent. Yoshino berichteten 12,5 Prozent, also einen von acht Fällen. Die Zahlen widersprechen sich nicht. Kleine Serien schwanken, das Register beschreibt die Regel. Ein HER2-positiver kribriformer Tumor ist ungewöhnlich und braucht die gleiche zielgerichtete Diskussion wie andere HER2-positive Karzinome.
Molekular entspricht das Bild meist dem luminalen A-Typ mit hohen Hormonrezeptoren, niedriger Teilungsrate und fehlendem HER2. Dieci erwähnten, dass selten auch luminale B-Muster vorkommen. NICE verlangt die quantitative Angabe aller drei Marker bereits an der ersten Histologie. Liegt ein ER-negativer Bericht bei einem sonst typischen kribriformen Bild vor, soll der Rezeptorstatus laut älteren Übersichten wiederholt werden, bevor man die endokrine Schiene verwirft.
Hormonrezeptorpositive Karzinome wachsen oft langsamer, können aber nach Jahren zurückkehren. Hormonrezeptornegative Tumoren sprechen nicht auf Tamoxifen oder Aromatasehemmer an. Dreifach negative Karzinome, also ohne ER, PR und HER2, sind beim reinen kribriformen Typ die Ausnahme. Wer diesen Markerstatus erhält, wird nicht nach der günstigen Sonderform behandelt, sondern nach den Regeln für den jeweiligen biologischen Typ.
Welche Operation und Bestrahlung kommen infrage?
Die Operation entfernt den Tumor mit Sicherheitssaum und klärt die Achsel. NICE empfiehlt bei östrogenrezeptorpositivem invasivem Brustkrebs Operation plus passende Systemtherapie, nicht Hormontherapie allein, außer schwere Begleiterkrankungen machen den Eingriff ungeeignet. Die Mayo Clinic nennt als Brustoperationen die brusterhaltende Entfernung mit Rand und die Mastektomie. Erstere kommt bei begrenztem Befund infrage, letztere bei ausgedehntem Tumor, mehreren Herden oder wenn eine Bestrahlung nicht möglich oder nicht gewünscht ist.
Nach brusterhaltender Operation folgt in der Regel eine Bestrahlung der Restbrust, um verbliebene Zellen zu treffen. NICE aktualisierte 2024 die Randregeln. Sitzt invasives Karzinom oder DCIS am Tintenrand, soll nachgeschnitten oder die Brust entfernt werden. Liegen Zellen nahe am Rand, aber nicht darauf, wird individuell diskutiert. Für invasives Karzinom gilt der kritische Saum unter 1 Millimeter, für reines DCIS unter 2 Millimeter. Das betrifft kribriforme Tumoren genauso wie andere Histologien.
Die Achsel wird zuerst mit Ultraschall und, wenn nötig, Punktion untersucht. Klinisch unauffällige Achseln erhalten oft eine Wächterlymphknotenbiopsie. Sind diese Knoten frei, bleibt die ausgedehnte Achselausräumung erspart. Cong und Kollegen führten bei sechs klinisch knotenfreien Patientinnen eine Wächterknotenbiopsie durch, drei erhielten danach eine Ausräumung. Lymphödeme, Schmerzen und Bewegungseinschränkung sind die bekannten Risiken der Achselchirurgie.
Bestrahlung kann nach Mastektomie nötig werden, wenn die Brustwand oder viele Lymphknoten betroffen waren. Nebenwirkungen reichen von Hautrötung und Müdigkeit bis, selten, zu Herz- oder Lungenschäden. In der SEER-Kohorte 2021 erhielten kribriforme Fälle seltener Bestrahlung als duktale, passend zu kleineren, knotenärmeren Tumoren. Das ersetzt keine individuelle Indikation. Wer brusterhaltend operiert wurde, braucht die Bestrahlung in der Regel trotzdem.
Wann Hormontherapie, wann Chemotherapie?
Bei östrogenrezeptorpositivem invasivem Karzinom bietet NICE seit 2025 jedem Betroffenen eine adjuvante endokrine Therapie an. Nach der Menopause soll bei mittlerem oder hohem Rückfallrisiko zuerst ein Aromatasehemmer stehen, bei niedrigem Risiko oder Unverträglichkeit Tamoxifen. Vor der Menopause entscheidet man gemeinsam zwischen Tamoxifen allein, Unterdrückung der Eierstockfunktion plus Tamoxifen oder Unterdrückung plus Aromatasehemmer. Die Kombination mit Eierstockruhe kann bei höherem Risiko nützen, belastet aber Knochen, Schlaf, Stimmung und Sexualität stärker.
Tamoxifen blockiert die Östrogenbindung an den Rezeptor. NICE nennt als Risiken Thrombosen und Gebärmutterschleimhautkrebs, daneben Hitzewallungen. Aromatasehemmer senken nach der Menopause die körpereigene Östrogenbildung; Gelenkschmerzen, Scheidentrockenheit und Knochendichteverlust stehen im Vordergrund. Männer mit ER-positivem Karzinom sollen laut NICE Tamoxifen erhalten, keinen Aromatasehemmer allein. Dosierungen gehören auf das jeweilige Präparat und die Fachinformation, nicht in eine allgemeine Patientenübersicht.
Chemotherapie tötet rasch teilende Zellen. Reine kribriforme Karzinome teilen sich langsam, der Nutzen der Chemotherapie ist deshalb oft gering. Dieci zitierten den St.-Gallen-Konsens von 2013. Hormonempfindliche Sonderformen wie kribriform, tubulär und muzinös sollen primär endokrin, hormonunempfindliche Sonderformen zytotoxisch behandelt werden. Liu und Kollegen 2021 fanden Chemotherapie nicht als unabhängigen Prognosefaktor; sie wurde seltener gegeben als beim duktalen Typ. Liu XY und Kollegen zeigten 2015, dass der Überlebensvorteil nach Angleich von Alter, Stadium, Grad und Rezeptoren schrumpft. Ein Teil des besseren Verlaufs steckt also im niedrigen Grad, nicht in einem Zauber der Histologie.
Chemo bleibt im Gespräch, wenn Lymphknoten befallen sind, die Form gemischt oder hochgradig ist, HER2 vermehrt vorkommt oder die Marker nicht zum günstigen Bild passen. HER2-positive Fälle können zielgerichtete Antikörper nach NICE erhalten, sobald Größe und Knotenstatus die Schwelle erreichen. CDK4/6-Hemmer wie Abemaciclib oder Ribociclib nennt NICE für hormonrezeptorpositive, HER2-negative Karzinome mit hohem Rückfallrisiko, nicht als Standard für jeden kleinen reinen Tumor. Die Entscheidung fällt in der Tumorkonferenz, nicht nach einer festen kribriformen Sonderliste.
Häufige Fragen
Ist kribriformer Brustkrebs gefährlich?
Es handelt sich um invasiven Krebs, der Gewebe durchbrechen und im Prinzip streuen kann. In großen Registern liegt das Fünfjahresgesamtüberleben um 90 Prozent und damit höher als beim häufigen duktalen Typ. Die reine, niedriggradige, hormonrezeptorpositive Form hat den günstigsten Verlauf. Fernmetastasen sind selten, lokale Rückfälle nach brusterhaltender Operation kommen vor, wie Cong und Kollegen in einer kleinen Serie zeigten.
Wie selten ist kribriformer Brustkrebs?
Aktuelle Register und Übersichten nennen etwa 0,1 bis 0,6 Prozent aller Brustkrebse, in der SEER-Auswertung 2021 genau 0,25 Prozent. Höhere ältere Prozentangaben zählen oft gemischte Tumoren mit. Die Diagnose bleibt eine Ausschlussdiagnose der Pathologie, kein Tastbefund.
Brauche ich Chemotherapie?
Viele Menschen mit reiner, knotenfreier, hormonempfindlicher Form erhalten vor allem Operation, Bestrahlung und Hormontherapie. Chemotherapie wird wahrscheinlicher, wenn Knoten befallen sind, der Tumor gemischt oder hochgradig ist oder HER2 vermehrt vorkommt. NICE verlangt die Marker vor dieser Entscheidung. Ob in Ihrem Fall eine Chemo nützt, beantwortet nur die Tumorkonferenz anhand des vollständigen Berichts.
Kann die Mammographie den Tumor übersehen?
Ja. Cong und Kollegen fanden zwei von acht Tumoren mammographisch unsichtbar, ältere Serien nannten noch höhere Anteile. Ultraschall und klinischer Befund können die Lücke schließen. Ein unauffälliges Röntgenbild ersetzt die Abklärung eines neuen Knotens nicht.
Was bedeutet reine und gemischte Form?
Rein heißt mehr als 90 Prozent Siebmuster am Operationspräparat. Gemischt heißt, ein anderer invasiver Typ nimmt einen relevanten Anteil ein. Nur die reine Form trägt den statistisch günstigen Sonderstatus. Gemischte Tumoren werden meist wie das häufige invasive Karzinom geplant.
Wann sollte ich zur Ärztin oder zum Arzt?
Bei jedem neuen Knoten, jeder Haut- oder Formänderung, jeder eingezogenen Brustwarze, jedem Ausfluss außerhalb der Stillzeit und bei neuen Achselknoten. Das gilt auch zwischen zwei Mammographieterminen. Die American Cancer Society betont, dass Reihenuntersuchungen nicht jeden Krebs finden und dass Veränderungen trotzdem abgeklärt gehören.

Fazit
Kribriformer Brustkrebs ist selten, meist langsam und hormonabhängig. Die reine Form mit mehr als 90 Prozent Siebmuster am Exzidat, niedrigem Grad und negativem HER2 hat in SEER-Daten ein Fünfjahresgesamtüberleben um 90 Prozent. Seit 2018 zählen zur Stadieneinteilung nicht mehr nur Größe und Knoten, sondern auch Rezeptoren und Grad. NICE fordert 2025 für jedes ER-positive invasive Karzinom eine endokrine Therapie und für jedes invasive Karzinom die Marker schon an der ersten Histologie.
Was morgen zählt, ist praktisch. Lassen Sie den Pathologiebericht auf Anteil des Musters, Grad, Ränder, ER, PR und HER2 prüfen. Klären Sie mit dem Team, ob eine brusterhaltende Operation plus Bestrahlung reicht und welche Hormontherapie zu Menopausenstatus und Risiko passt. Chemotherapie ist kein Automatismus. Jeder neue Knoten oder jede Hautveränderung gehört zeitnah untersucht, auch wenn die letzte Mammographie unauffällig war.
Quellen
- American Cancer Society: Types of Breast Cancer. American Cancer Society, 26. August 2026.
- American Cancer Society: Signs and Symptoms of Breast Cancer. American Cancer Society, 23. Juli 2026.
- American Cancer Society: Breast Cancer Stages. American Cancer Society, 23. Juli 2026.
- American Cancer Society: Breast Cancer Hormone Receptor Status. American Cancer Society, 23. Juli 2026.
- Liu J, Zheng X et al.: Clinical characteristics and overall survival prognostic nomogram for invasive cribriform carcinoma of breast: a SEER population-based analysis. BMC Cancer, 16. Februar 2021.
- Liu XY, Jiang YZ et al.: Clinicopathological Characteristics and Survival Outcomes of Invasive Cribriform Carcinoma of Breast: A SEER Population-Based Study. Medicine, August 2015.
- Dieci MV, Orvieto E et al.: Rare breast cancer subtypes: histological, molecular, and clinical peculiarities. The Oncologist, August 2014.
- Yoshino R, Nakatsubo M et al.: Characteristics of Invasive Cribriform Carcinoma. Cancer Investigation, September 2024.
- Cong Y, Qiao G et al.: Invasive cribriform carcinoma of the breast: A report of nine cases and a review of the literature. Oncology Letters, April 2015.
- National Institute for Health and Care Excellence: Early and locally advanced breast cancer: diagnosis and management. National Institute for Health and Care Excellence, 29. Juli 2026.
- Mayo Clinic: Breast cancer – Diagnosis and treatment. Mayo Clinic, Stand: 2026.
