
Dakryozystitis ist eine Entzündung oder Infektion des Tränensacks. Fast immer staut ein verengter oder verschlossener Tränen-Nasen-Gang die Flüssigkeit, sodass Keime im Sack wachsen können.
Der innere Augenwinkel schwillt dann, schmerzt und kann Eiter abgeben. Eine warme Kompresse lindert oft den Druck, ersetzt aber keine ärztliche Entscheidung über Antibiotika oder eine Operation. Bei Erwachsenen bleibt die Blockade nach dem Infekt häufig bestehen. Bei Säuglingen öffnet sich der angeborene Verschluss in den meisten Fällen im ersten Lebensjahr von selbst. Unbehandelt kann die Infektion auf Lid, Augenhöhle oder selten tiefer ins Gewebe übergreifen.
Was ist eine Dakryozystitis?
Eine Dakryozystitis betrifft den Tränensack, nicht die Tränendrüse oben außen in der Augenhöhle. Der Sack sitzt unten innen am Nasenrücken, unter der Sehne des inneren Lidwinkels. Dorthin fließen Tränen durch die feinen Pünktchen (Puncta) und die Canaliculi. Von dort sollen sie durch den Tränen-Nasen-Gang und die Hasner-Klappe in die Nase gelangen.
Steht dieser Weg, sammeln sich Tränen und Eiweißreste. StatPearls (Stand August 2025) beschreibt das als das häufigste Leiden der ableitenden Tränenwege. Die Stauung schafft ein feuchtes Milieu, in dem Bakterien wachsen. Die Schwellung erscheint typischerweise unten innen am Unterlid, nicht am äußeren Lidwinkel. Wer die Drüse mit dem Sack verwechselt, verpasst die richtige Stelle zum Tasten und zur Massage.
Der Lidmuskel Orbicularis oculi pumpt mit jedem Lidschlag Flüssigkeit in die Puncta. Versagt diese Pumpe, tränt das Auge, ohne dass ein knöcherner Stopp vorliegt. Das ist keine Dakryozystitis. Die echte Entzündung braucht den gestauten Sack. Die Cleveland Clinic (November 2022) grenzt außerdem die Dakryoadenitis ab: dort sitzt die Entzündung in der Drüse, nicht im Ableitungssystem.
Zwei Altersgipfel prägen das Bild. Das EyeWiki der American Academy of Ophthalmology (Stand Juli 2026) nennt Neugeborene mit angeborener Gangstenose und Erwachsene jenseits von 40 Jahren. Die Cleveland Clinic beziffert die angeborene Gangstenose auf etwa 6 Prozent der Säuglinge und die eigentliche Dakryozystitis auf rund 1 von 3884 Lebendgeburten. StatPearls zur Nasolacrimalstenose nennt für Symptome bei Neugeborenen eine Spanne von 6 bis 20 Prozent. Die Zahlen beschreiben verschiedene Schweregrade derselben Anatomie, nicht denselben Endpunkt.

Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es?
Ursache ist fast immer eine Abflussstörung des Tränen-Nasen-Gangs. Tränen bleiben im Sack, Bakterien finden Nahrung, die Schleimhaut schwillt, der Kreis schließt sich. Beim Säugling steckt meist eine Membran an der Hasner-Klappe, die sich nach der Geburt nicht geöffnet hat. Fruchtwasser, das in den ersten Lebenstagen nicht abfließt, kann sich eitrig umwandeln; das heißt neonatale Dakryozystitis.
Bei älteren Kindern und Erwachsenen kommt der Verschluss später. Alterungsprozesse verengen Puncta und knöchernen Kanal. Frauen sind laut StatPearls bei der primären erworbenen Stenose (PANDO) mit rund 75 Prozent häufiger betroffen, vermutlich wegen eines engeren knöchernen Gangs und hormonell bedingter Schleimhautatrophie nach den Wechseljahren. Mittelgesichtstrauma, nasoorbitoethmoidale Frakturen, Nasen- oder Nebenhöhlenoperationen und Tumoren in Nase oder Tränensack erzeugen eine sekundäre Stenose (SANDO). Chronische Nasennebenhöhlenentzündung, Septumdeviation, Muschelhyperplasie und Tränensteine (Dakryolithen) gehören ebenfalls auf die Liste.
Manche Tropfen und Systemtherapien können den Gang narbig verengen. Cleveland Clinic und EyeWiki nennen Timolol, Dorzolamid, Pilocarpin, Trifluridin, Fluorouracil, Docetaxel und Radiojod. Verbliebene Punctum-Plugs können denselben Effekt haben. Systemkrankheiten wie Granulomatose mit Polyangiitis, Sarkoidose und systemischer Lupus erythematodes erklären eher langwierige, beidseitige Verläufe.
Ansteckend im Alltagssinn ist die Dakryozystitis nach Einschätzung der Cleveland Clinic in der Regel nicht. Hände vom Auge fernhalten und Lidhygiene bleiben trotzdem sinnvoll, weil stehende Tränen andere Oberflächeninfekte begünstigen, so die Mayo Clinic (August 2025).
Worin unterscheiden sich akuter und chronischer Verlauf?
Akut bedeutet plötzlicher Beginn über Stunden bis Tage und eine Krankheitsdauer unter drei Monaten, so EyeWiki und Cleveland Clinic. Der innere Lidwinkel wird rot, heiß, druckschmerzhaft; oft tritt eitriges Material aus den Puncta, sobald jemand auf den Sack drückt. Fieber und ein toxisches Krankheitsgefühl können dazukommen, müssen aber nicht. Merck (Januar 2026) nennt Staphylokokken und Streptokokken als übliche Erreger. EyeWiki ergänzt für Kinder Haemophilus influenzae und für Erwachsene zusätzlich Staphylococcus epidermidis, Streptococcus pneumoniae und Pseudomonas aeruginosa. Resistenzen, besonders gegen Methicillin-resistente Staphylokokken, nehmen zu.
Chronisch heißt länger als drei Monate, oft nach unvollständiger Ausheilung oder wiederholten Schüben. Der Beginn schleicht. Ständiges Tränen (Epiphora), schleimiger Rückfluss und eine weiche Vorwölbung unter der inneren Lidsehne stehen im Vordergrund. Rötung und Fieber fehlen häufig. Merck beschreibt eine Masse unter der medialen Kanthussehne plus chronische Bindehautentzündung. Im Sack können sich ein Schleimzystenbild (Mukozelle) oder eitriger Inhalt (Pyozele) bilden.
Die Chronik heilt selten dauerhaft, solange der Gang zu bleibt. Antibiotika dämpfen Schübe, beseitigen die Enge aber nicht. Deshalb gilt die Dakryozystorhinostomie (DCR) in den aktuellen Übersichten als Standard, sobald Tränen und Sekret den Alltag belasten. Ältere Ratgeber stellten tropfenweise Kortison in den Mittelpunkt; das ist in den hier geprüften Quellen von 2022 bis 2026 keine Erstlinienstrategie mehr.
Welche Symptome sind typisch?
Schmerz, Rötung und Schwellung sitzen unten innen am Auge, oft mit Ausstrahlung zur Nase. Druck auf diese Stelle kann gelbliches oder schleimiges Sekret aus den Puncta pressen. Das Auge tränt ständig, die Wimpern verkleben, der Lidrand mazeriert. Manche Menschen berichten über verschwommenes Sehen, weil der Tränenfilm zu dick und unruhig wird, nicht weil die Netzhaut erkrankt wäre.
Bei der chronischen Form bleibt oft nur das Tränen. MedlinePlus (Juli 2024) nennt den Überlauf auf die Wange als Leitsymptom eines verstopften Gangs, bei Säuglingen meist in der zweiten oder dritten Lebenswoche sichtbar. Krusten und klebriges Sekret entstehen, weil normale Lidkeime nicht mehr in die Nase gespült werden. Eine bläuliche pralle Beule beim Neugeborenen kann eine Dakryozystozele sein; sie braucht rasch fachärztliche Beurteilung, weil innen in der Nase Zysten die Atmung stören können.
Fieber, starke Berührungsempfindlichkeit und gelbliche Hautverfärbung über dem Sack deuten auf einen Abszess. Rötung, die das ganze Lid oder die Wange erfasst, Schmerz bei Augenbewegung, Doppelbilder, Hervortreten des Auges oder ein plötzlicher Sehverlust gehören nicht zum einfachen Bild. StatPearls wertet sie als Warnzeichen für Ausbreitung in die Augenhöhle. Blutig tingierter Rückfluss, ein harter, am Knochen fixierter Knoten oder fehlendes Ansprechen auf Antibiotika wecken den Verdacht auf einen seltenen Tränensacktumor.
Wann zum Arzt, wann in die Notaufnahme?
Jede schmerzhafte Schwellung am inneren Augenwinkel braucht eine ärztliche Einschätzung, am besten durch Augenheilkunde oder eine Notaufnahme mit ophthalmologischem Dienst. Cleveland Clinic rät, bei den genannten Zeichen nicht abzuwarten. MedlinePlus fordert denselben Schritt schon bei anhaltendem Tränenüberlauf auf die Wange, weil frühe Behandlung erfolgreicher ist und ein Tumor hinter der Blockade selten, aber zeitkritisch sein kann.
Kinder mit Rötung, Fieber, Trinkschwäche oder einer prallen Beule gehören noch am selben Tag in klinische Obhut. StatPearls betont, dass sich die Infektion im Kindesalter leichter zu präseptaler oder orbitaler Entzündung, Sinus-cavernosus-Thrombose, Sepsis und Schock ausweiten kann. Erwachsene mit Fieber, starker Schwellung, Immunsuppression oder Diabetes brauchen ebenfalls eine rasche Entscheidung über intravenöse Antibiotika.
| Warnzeichen | Wohin | Warum es eilt |
|---|---|---|
| Schmerzhafte Rötung und Schwellung am inneren Augenwinkel | zeitnah Augenarzt oder Bereitschaft | Kann eine akute Tränensackinfektion sein. |
| Fieber, starker Krankheitsgefühl oder praller Abszess | Notaufnahme | Kann intravenöse Antibiotika oder eine Entlastung brauchen. |
| Jedes Kleinkind mit gerötetem inneren Lidwinkel | noch am selben Tag Klinik | Die Infektion kann rascher auf Orbita und Kreislauf übergreifen. |
| Schmerz bei Blickwendung, Doppelbilder, Vorwölbung des Auges | Notaufnahme | Spricht für eine Entzündung hinter dem Septum. |
| Plötzlicher Sehverlust oder steifer Pupillenbefund | Notaufnahme | Droht die Sehnervenfunktion. |
| Blutiger Tränenrückfluss oder harter fixer Knoten | zeitnah Facharzt mit Bildgebung | Kann auf einen Tumor im Tränensack hinweisen. |
Wer bereits eine chronische Dakryozystitis hat und vor einer Katarakt- oder Netzhautoperation steht, sollte den Tränenweg vorher sanieren lassen. StatPearls warnt vor einem erhöhten Risiko für Endophthalmitis, wenn der infizierte Sack offen in den Bindehautsack drainiert.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Diagnose ist klinisch. Anamnese zu Tränen, Schüben, Nasenleiden, Verletzungen, Tropfen und Systemkrankheiten plus Blick auf den inneren Lidwinkel reichen oft. Merck nennt den Druckversuch: kommt mukoides Material aus den Puncta, stützt das die Verdachtsdiagnose. StatPearls bezeichnet denselben Handgriff als Regurgitationstest (ROPLAS).
Der Fluorescein-Verschwindetest prüft den Abfluss, ohne zu spülen. Ein Tropfen Farbstoff kommt in beide Augen. Nach fünf Minuten sollte der Film weitgehend leer sein. Bleibt Farbe, und zwar ungleich zwischen den Seiten, spricht das für eine Abflussstörung, so Mayo Clinic und EyeWiki. Der Test unterscheidet nicht, ob Punctum, Canaliculus oder Gang die Enge tragen.
Spülen und Sondieren lokalisieren den Stopp in Millimetern, sobald die akute Entzündung abgeklungen ist. Im Akutstadium gelten Spülung und Sonde als kontraindiziert, weil das Gewebe brüchig ist und Infektmaterial verschleppt werden kann. Das betonen EyeWiki und StatPearls gleichlautend. Eiter, der sich ausdrücken lässt, wandert ins Labor zu Gram-Präparat, Kultur und Resistenz. Fieber, Proptosis, Diplopie oder Sehänderung rechtfertigen Blutkulturen und eine Schnittbildgebung von Orbita und Nebenhöhlen.
Nasendoskopie sucht Polypen, Septumdeviation und eine zu enge untere Muschel, bevor jemand eine endonasale DCR plant. Dakryozystografie mit Kontrast und Dakryoszintigrafie bleiben Sonderfällen vorbehalten: unsichere Anatomie, Trauma, Verdacht auf Divertikel oder Tumor, gescheiterte Voroperation. Serologie (ANCA, ANA) kommt ins Spiel, wenn eine Systemvaskulitis oder ein Lupus die Chronik erklären könnte.

Welche Behandlung hilft bei der akuten Infektion?
Zuerst Infekt und Schmerz, dann die Enge. Merck empfiehlt warme Kompressen plus orale Antibiotika bei leichtem Verlauf und intravenöse Gabe bei schwerem. Üblich sind ein Cephalosporin der ersten Generation oder ein penicillinasefestes Penicillin. Bleibt die Antwort aus, muss Methicillin-Resistenz mitbedacht und das Mittel gewechselt werden. Die Cleveland Clinic listet Amoxicillin-Clavulanat, Cephalexin, Ciprofloxacin, Clindamycin und Trimethoprim-Sulfamethoxazol als mögliche Wirkstoffe; die konkrete Wahl richtet sich nach Alter, Allergie, Niere und lokalem Resistenzmuster, nicht nach einer Hausliste.
StatPearls nennt zusätzlich Cefuroxim und rät zu tropfenweisen Antibiotika als Ergänzung, nicht als alleinige Therapie. Der akute Schub klingt oft in drei bis sieben Tagen ab. Das Tränen bleibt, weil der Gang weiter steht. Ein fluktuierender, gespannter Knoten bedeutet Abszess. Dann braucht es Entlastung, Wundpflege und die Planung der späteren DCR. Wartet man nach der Drainage zu lange mit der definitiven Ableitung, kann sich eine erworbene Fistel oder eine derbe Narbe bilden.
Ältere Schemata verlangten mindestens vier Wochen Pause vor einer äußeren DCR, damit Haut und Weichteile ruhig werden. Neuere Arbeiten prüfen die frühe endonasale Operation schon in der Akutphase. Eine finnische randomisierte Studie (Lilja und Kollegen, Acta Ophthalmologica, Nachbeobachtung 18 Monate, Publikation 2024) verglich die endoskopische DCR innerhalb einer Woche mit dem Aufschub um vier Monate. Nach 18 Monaten hatten 21 von 23 Personen in der Frühgruppe und 12 von 13 in der Spätgruppe keine störenden Tränensymptome mehr. Die Frühgruppe brauchte im Median drei statt 10,5 Tage Schmerzmittel. Merck zitiert genau diese Arbeit als Beleg, dass eine frühe endoskopische DCR die Ausheilung beschleunigen kann. Orbitalphlegmone, Sinus-cavernosus-Thrombose, Schock oder ein schwer entkräfteter Zustand bleiben Ausschlussgründe für eine Sofort-DCR.
Schmerzmittel gegen Fieber und Druck sind zulässig, ersetzen aber weder Antibiotikum noch Facharzt. Eigenmächtig den Sack aufstechen oder in der Akutphase den Gang „frei zu drücken“ schadet eher.
Was gilt bei Säuglingen mit verstopftem Tränenweg?
Die angeborene Stenose ist häufig, die schwere Infektion selten. Mayo Clinic, MedlinePlus und EyeWiki beschreiben denselben natürlichen Verlauf: bei etwa 90 Prozent öffnet sich der Gang im ersten Lebensjahr. StatPearls zur Nasolacrimalstenose nennt rund 70 Prozent symptomfrei mit drei Monaten und mehr als 90 Prozent zum ersten Geburtstag. Deshalb steht am Anfang die geduldige Pflege, nicht die Sonde.
Eltern lernen die Crigler-Massage. Ein sauberer Finger drückt fest von innen oben nach unten Richtung Nase, zwei- bis dreimal täglich, damit der hydrostatische Druck die Membran sprengen kann. StatPearls beziffert den Erfolg von Massage, Lidreinigung und bei Bedarf tropfenweisen Antibiotika auf 76 bis 89 Prozent. MedlinePlus beschreibt dieselbe Richtung der Reibung und das Reinigen der Lider mit einem warmen Tuch. Tropfen behandeln das Sekret, öffnen den Gang aber nicht. Daueranwendung ohne Kontrolle ist unnötig.
Bleibt das Tränen nach dem ersten Geburtstag, folgt meist die Sondierung, bei älteren Kindern in Narkose. EyeWiki nennt eine Erfolgsquote um 70 Prozent, StatPearls 70 bis 90 Prozent; eine Wiederholung und eine Silikonschiene können die Quote weiter heben. Ballondilatation ist eine weitere Option. Die DCR bleibt Kindern vorbehalten, bei denen Sonden und Schienen scheitern, oft erst jenseits des Kindergartenalters, außer bei Abszess, Dakryozystozele oder immer neuen akuten Infekten. Dann gilt das Alter nicht als Bremse.
Eine akute Dakryozystitis im Säuglingsalter ist ein Notfall. Systemische Antibiotika, oft intravenös, stehen vor jeder Manipulation. Die Sonde kommt erst, wenn der Infekt unter Kontrolle ist, oder gezielt unter endoskopischer Sicht, wenn eine nasale Zyste die Atmung bedroht.
Wann ist eine Operation nötig?
Die DCR schafft eine neue Verbindung vom Tränensack in die mittlere Nasenmuschelgegend, am verengten Gang vorbei. Für chronische Dakryozystitis und für den sanierten akuten Schub mit Resttränen gilt sie in StatPearls, Merck und Cleveland Clinic als Standard. StatPearls nennt Erfolgsquoten von mehr als 93 bis 97 Prozent und ein Scheitern von 5 bis 10 Prozent.
Zwei Zugänge stehen nebeneinander. Die äußere DCR führt über einen Hautschnitt am inneren Lidwinkel, gibt den Sack frei und näht Schleimhautlappen aneinander. Vorteile sind direkte Sicht, große Knochenöffnung und die Möglichkeit, Steine oder Tumoren zu erkennen. Nachteil ist die Narbe. Die endonasale oder endoskopische DCR kommt durch die Nase, hinterlässt keine Hautnarbe, erlaubt die Mitbehandlung von Septum und Muscheln und heilt oft schneller. Mayo Clinic schreibt der äußeren Methode noch die höheren Erfolgszahlen zu. Eine Metaanalyse von Liu und Kollegen (Medicine, März 2024, zehn Studien, 969 Personen) fand hingegen vergleichbare chirurgische Erfolgsraten und für den endoskopischen Weg kürzere Operationszeit, weniger Blutverlust, kürzeren Klinikaufenthalt und weniger unerwünschte Ereignisse. Die Wahl hängt von Anatomie, Voroperation, Gerinnung und Erfahrung des Operateurs ab, nicht von einer einzigen Quote.
Silikonschienen halten den neuen Weg offen. Die Mayo Clinic nennt typisch sechs bis zwölf Wochen bis zur Entfernung, plus abschwellendes Nasenspray und Tropfen gegen Infekt und Entzündung. Mitomycin C als Antifibrotikum und Revisionseingriffe bei narbigem Ostiumverschluss bleiben Spezialsituationen. Eine Konjunktivo-DCR umgeht zerstörte Canaliculi. Eine Fistulektomie entfernt den epithelialisierten Gang einer erworbenen Fistel.
Cleveland Clinic nennt als Operationsrisiken Nachblutung, Infektion, Nasennebenhöhlenentzündung und Verletzungen an Auge oder Nase. Trockenheit nach zu weiter Ableitung und Versagen bei entzündlicher Nasenschleimhaut (etwa Granulomatose) gehören in das Aufklärungsgespräch. Wer älter ist, stark trockene Augen hat oder gerinnungshemmende Mittel nicht absetzen kann, braucht eine individuelle Nutzenabwägung.
Welche Komplikationen sind möglich?
Unbehandelt kann der Sack zum Abszess werden, spontan durch die Haut platzen und eine Fistel hinterlassen. Die Narbe sitzt dann oft etwas unterhalb des inneren Lidwinkels. Präseptale Entzündung bleibt vor dem Orbitaseptum; die orbitale Form greift Fett und Muskeln hinter dem Septum an und kann den Sehnerv bedrohen. EyeWiki listet Fistel, Abszess, Meningitis, Sinus-cavernosus-Thrombose, Sehverlust und in Extremfällen den Tod. Solche Verläufe sind selten, erklären aber, warum niemand eine heiße Schwellung am inneren Winkel „aussitzen“ sollte.
Kinder und immunsupprimierte Erwachsene, einschließlich Menschen mit Diabetes, tragen das höhere Risiko der Ausbreitung. Nach DCR bleiben bei 5 bis 10 Prozent Resttränen oder Rezidive, oft durch ein zu kleines Knochenfenster, Verwachsungen in der Nase oder eine übersehene Canaliculusstenose. Ein früher Misserfolg binnen eines Monats plus blutiger Rückfluss zwingt dazu, ein Malignom auszuschließen.
Die Prognose der unkomplizierten akuten Form ist gut, sobald Antibiotika greifen und die Enge später entlastet wird. Bei primärer erworbener Stenose im Erwachsenenalter erwartet StatPearls ebenfalls einen günstigen Verlauf nach DCR. Sekundäre Stenosen nach Trauma, Bestrahlung, Radiojod oder Systementzündung heilen unsicherer. Angeborene Stenosen ohne Infekt haben die beste Chance, ganz ohne Schnitt auszukommen.
Häufige Fragen
Ist eine Dakryozystitis ansteckend?
In der Regel nicht im Sinne einer Tröpfchenkrankheit. Die Cleveland Clinic hält eine Übertragung auf andere Menschen für unwahrscheinlich. Trotzdem gehören Hände waschen und kein Reiben am Auge dazu, weil stehende Tränen Bindehaut und Lidrand zusätzlich reizen können.
Darf ich warme Kompressen und Massage selbst machen?
Warme, saubere Kompressen können Druck und Schmerz mindern, bei Kindern ergänzt die Crigler-Massage die Therapie der angeborenen Stenose. Bei einer heißen, prallen, fiebrigen Schwellung ersetzt das keine Antibiotika und keine Untersuchung. Im Akutstadium soll niemand den Gang mit einer Sonde oder mit Gewalt „frei machen“.
Wie schnell wirken Antibiotika?
Viele akute Schübe klingen laut StatPearls in drei bis sieben Tagen ab, das Tränen bleibt oft. Fehlt binnen eines bis zweier Tage jede Besserung oder steigt das Fieber, muss das Mittel und der Weg (oral oder intravenös) neu bewertet werden. Merck nennt ausdrücklich die Möglichkeit resistenter Staphylokokken.
Braucht jede Dakryozystitis eine Operation?
Nein. Säuglinge mit reiner Stenose wachsen den Verschluss häufig aus. Leichte chronische Tränen ohne Sekret können beobachtet werden. Wiederholte Infekte, ein großer Sack, belastende Epiphora oder ein Abszess führen meist zur DCR. Die Entscheidung trifft die Augenheilkunde nach Spülbefund und Nasenanatomie.
Was bedeutet der Farbstofftest?
Ein gelber Fluoresceintropfen bleibt nach fünf Minuten im Tränensee, wenn der Abfluss stockt. Der Test ist schmerzarm und eignet sich besonders für Kinder. Er sagt nicht, auf welcher Höhe die Enge sitzt; dafür folgen später Spülung oder Bildgebung.
Kann ein Tumor hinter der Schwellung stecken?
Selten, aber ja. Blutige Tränen, ein harter fixer Knoten, fehlendes Ansprechen auf Antibiotika oder ein sehr früher Misserfolg nach DCR sind Alarmzeichen nach StatPearls. Dann gehören Bildgebung und oft eine Gewebeprobe dazu, bevor jemand denselben Eingriff wiederholt.

Fazit
Der Tränensack entzündet sich, wenn der Weg in die Nase steht. Schmerz und Rötung sitzen innen unten am Auge; Eiter aus den Puncta bestätigt den Verdacht. Warme Kompressen und, bei angeborener Stenose, die richtige Massage sind sinnvoll, ersetzen aber bei Rötung, Fieber oder Kindesschwellung nicht denselben Tag beim Arzt.
Antibiotika behandeln den akuten Infekt, die Enge bleibt. Seit den Studien der letzten Jahre kann eine frühe endonasale DCR den Schmerz verkürzen, statt zwingend Wochen bis zur äußeren Operation zu warten. Chronische Verläufe und wiederholte Schübe brauchen meist genau diese neue Verbindung in die Nase. Wer Blut im Sekret, Sehstörung oder Bewegungsschmerz bemerkt, geht nicht nach Hause warten, sondern in die Notaufnahme.
Quellen
- Shah SS, Ashurst JV: Dacryocystitis – StatPearls – NCBI Bookshelf. StatPearls, 19. August 2025.
- Allen RC: Dacryocystitis – Ophthalmology – Merck Manual Professional Edition. Merck Manual Professional Edition, Stand: Januar 2026.
- Cleveland Clinic: Dacryocystitis (Tear Duct Infection): Symptoms, Causes & Treatment. Cleveland Clinic, 2. November 2022.
- American Academy of Ophthalmology: Dacryocystitis – EyeWiki. EyeWiki, 21. Juli 2026.
- Mayo Clinic: Blocked tear duct – Diagnosis & treatment – Mayo Clinic. Mayo Clinic, 18. August 2025.
- MedlinePlus: Blocked tear duct: MedlinePlus Medical Encyclopedia. MedlinePlus, 16. Juli 2024.
- Perez Y, Patel BC et al.: Nasolacrimal Duct Obstruction – StatPearls – NCBI Bookshelf. StatPearls, 8. August 2023.
- Lilja M, Leivo T et al.: Acute versus late endoscopic dacryocystorhinostomy in treatment of acute dacryocystitis: A prospective randomised trial with an 18-month follow-up. Acta Ophthalmologica, 14. September 2023.
- Liu S, Zhang H et al.: The efficacy of endoscopic dacryocystorhinostomy in the treatment of dacryocystitis: A systematic review and meta-analysis. Medicine, 15. März 2024.
