Heißer Tee und Krebsrisiko der Speiseröhre

Heißer Tee und Krebsrisiko der Speiseröhre

Sehr heiße Getränke über 65 °C stuft die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen ein, bezogen auf das Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre. Der Tee selbst ist dabei nicht der Schuldige. Maßgeblich ist die Temperatur, die die Schleimhaut immer wieder verbrüht.

Wer raucht oder regelmäßig größere Mengen Alkohol trinkt, trägt in Beobachtungsstudien das deutlich höhere Risiko, wenn der Tee dazu noch brennend heiß ist. Neuere Kohorten mit gemessener Temperatur und eine britische Langzeitauswertung von 2025 zeigen jedoch, dass auch ohne diese Kombination ein Signal bleibt, sobald Menschen Getränke sehr heiß und in größerer Menge zu sich nehmen. Das Adenokarzinom der unteren Speiseröhre, das in Nordamerika und Westeuropa inzwischen häufiger vorkommt, hängt dagegen vor allem an Reflux, Barrett-Schleimhaut und Übergewicht.

Praktisch heißt das: die Tasse stehen lassen, bis sie nicht mehr brüht, und bei neu auftretender Schluckstörung nicht auf Hausmittel warten. Tee bleibt ein Alltagsgetränk mit möglichen anderen Vorteilen. Als Schutz vor Speiseröhrenkrebs taugt er nicht, wenn er die Schleimhaut verbrennt.

Wie heiß darf Tee sein?

Die IARC setzt die Schwelle bei über 65 °C. Darunter stuft die Monografie sehr heiße Getränke nicht als wahrscheinlich krebserregend ein; Kaffee und Mate bei mäßiger Temperatur gelten als nicht klassifizierbar.

23 Fachleute der IARC werteten 2016 Studien aus China, dem Iran, der Türkei und Südamerika aus, wo Tee oder Mate oft bei etwa 70 °C getrunken wird. Das Risiko für Speiseröhrenkrebs stieg mit der angegebenen Trinktemperatur. Versuche an Ratten und Mäusen lieferten begrenzte Hinweise, dass sehr heißes Wasser Tumoren fördern kann. Die Arbeitsgruppe betonte, Tabak und Alkohol blieben in einkommensstarken Ländern die wichtigsten Ursachen. Der Anteil der Fälle, der auf brühend heiße Getränke entfällt, ist unbekannt.

Die American Cancer Society nennt dieselbe Marke in Fahrenheit: 149 °F, also 65 °C, und stellt fest, das liege klar über einer typischen Kaffeetasse in den USA. Ein festes Trinkritual mit so heißen Flüssigkeiten könne das Plattenepithelkarzinom begünstigen, vermutlich durch langfristige Zellschäden an der Innenwand. Mayo Clinic führt eine stetige Gewohnheit, sehr heiße Flüssigkeiten zu trinken, ebenfalls als Risikofaktor.

In der iranischen Golestan-Kohorte lag die praktisch gemessene Grenze schon bei 60 °C. Wer seinen Tee so heiß oder heißer trank, hatte gegenüber kühleren Trinkenden ein um 41 Prozent höheres Risiko für ein Plattenepithelkarzinom. Die IARC-Schwelle von 65 °C bleibt die offizielle Einstufung der Gefährdung. Die iranischen Messungen legen nahe, dass auch knapp darunter wiederholte Hitze nicht gleichgültig ist. Eine einzelne Tasse entscheidet das nicht. Wiederholung über Jahre zählt.

Teebeutel, der über Tasse Tee schwebt

Warum trifft Hitze das Plattenepithel?

Wiederholte Verbrühungen können die Schleimhaut verletzen und Reparaturteilungen anstoßen. Das betrifft vor allem das Plattenepithel in der mittleren und oberen Speiseröhre, nicht das Drüsengewebe am Mageneingang.

Zwei histologische Typen teilen sich dasselbe Organ und fast nichts am Risikoprofil. Das Plattenepithelkarzinom entsteht aus den flachen Deckzellen und ist weltweit die häufigste Form. Das Adenokarzinom wächst aus schleimbildenden Drüsenzellen, meist im unteren Drittel, und ist in den USA die vorherrschende Variante. Mayo Clinic und das US-National Cancer Institute trennen die Ursachen entsprechend: Tabak und viel Alkohol treiben den Plattenepitheltyp; Reflux, Barrett-Ösophagus und Übergewicht den Drüsentyp.

Hitze passt biologisch zum ersten Bild. Heißes Wasser oberhalb von 65 °C wirkte in älteren Tierexperimenten als Tumorpromotor, nachdem eine chemische Initiation vorausgegangen war. Die IARC-Monografie von 2018 nennt die menschliche Evidenz begrenzt, die tierexperimentelle ebenfalls begrenzt, die Gesamtbewertung aber Gruppe 2A, weil Zellverletzung und nachfolgende Entzündung plausibel zur Krebsentstehung beitragen. Eine Stammtischregel, heißer Tee mache „jeden Krebs“, folgt daraus nicht.

Für das Adenokarzinom fehlt dieser thermische Pfad in den großen Auswertungen. Wer Sodbrennen über Jahre hat, braucht eine andere Strategie als das Abkühlen der Tasse: Gewicht, abendliche Mahlzeiten, bei Bedarf medikamentöse Säurehemmung und bei Barrett-Schleimhaut das Gespräch über Spiegelkontrollen. Die Temperatur des Tees ersetzt keines dieser Themen.

Was zeigte die chinesische Kohorte 2018?

Brennend heißer Tee hing dort vor allem dann mit Speiseröhrenkrebs zusammen, wenn die Betroffenen zugleich viel Alkohol tranken oder rauchten. Ohne diese beiden Faktoren blieb täglicher Tee in dieser Kohorte ohne klares Extra-Risiko.

Yu, Lv und Kollegen werteten 456 155 Personen der China Kadoorie Biobank aus, 30 bis 79 Jahre alt, in zehn Regionen. Wer bereits Krebs hatte oder Tee, Alkohol oder Tabak vor der Aufnahme bereits reduziert hatte, blieb außen vor. Die übliche Teetemperatur, die Trinkmenge und die Lebensgewohnheiten wurden einmal zu Beginn erfragt. Nach im Mittel 9,2 Jahren lagen 1731 neue Diagnosen vor.

Gegenüber Menschen, die Tee seltener als wöchentlich tranken und weniger als 15 Gramm Alkohol am Tag zu sich nahmen, hatten tägliche Trinkende mit Vorliebe für brennend heißen Tee und mindestens 15 Gramm Alkohol den höchsten Schätzer: Hazard Ratio 5,00 (3,64 bis 6,88). Aktuelle Raucherinnen und Raucher mit täglich brennend heißem Tee lagen bei 2,03 (1,55 bis 2,67). Alle drei Gewohnheiten zusammen erreichten in einer Zusatzrechnung etwa das Fünffache. Die Autorinnen folgerten, Abstinenz von sehr heißem Tee könne bei starkem Alkoholkonsum oder Rauchen zur Vorbeugung beitragen.

Die Temperatur war subjektiv, nicht gemessen. Eine einzige Angabe am Anfang kann Gewohnheiten späterer Jahre nicht abbilden. Genau deshalb bleibt die Studie ein starkes Signal für Wechselwirkungen, aber kein Freibrief für brühend heiße Tassen bei Menschen, die weder rauchen noch trinken. Jüngere Arbeiten mit Thermometer und westlichen Kohorten schließen genau diese Lücke.

Was ändert die gemessene Temperatur aus Golestan?

Sie macht aus dem Gefühl „sehr heiß“ eine Zahl und zeigt ein Risiko schon ab 60 °C, unabhängig von der Selbstauskunft. Wer den Tee fast sofort trank oder große Mengen sehr heiß zu sich nahm, lag höher.

Islami, Malekzadeh und Kollegen verfolgten 50 045 Erwachsene im Nordosten des Iran im Mittel 10,1 Jahre. Interviewende gossen zwei Tassen, versteckten ein digitales Thermometer und ließen die Teilnehmenden in 5-Grad-Schritten nippen, bis die gewohnte Temperatur feststand. Zwischen 2004 und 2017 traten 317 neue Plattenepithelkarzinome auf. Gemessen mindestens 60 °C gegenüber darunter: Hazard Ratio 1,41 (1,10 bis 1,81). Die Angabe „sehr heiß“ gegenüber kalt oder lauwarm: 2,41 (1,27 bis 4,56). Weniger als zwei Minuten zwischen Einschenken und Trinken gegenüber mindestens sechs Minuten: 1,51 (1,01 bis 2,26).

Die Kombination aus Menge und Hitze war greifbarer als jedes Einzelmerkmal. Wer mindestens 700 Milliliter am Tag bei 60 °C oder mehr trank, hatte gegenüber Menschen mit kleinerer, kühlerer Menge ein um etwa 90 Prozent höheres Risiko. In einer späteren Auswertung derselben Kohorte blieb heißer Tee neben Armut, Opium und geringer obst- und gemüsereicher Kost ein eigenständiger Faktor; mehrere Risiken übereinander steigerten die Last schrittweise.

Für Leser in Mitteleuropa ist das keine Kopie der iranischen Teekultur. Es ist der bisher sauberste Beleg, dass Wartezeit und gemessene Temperatur zählen. Sechs Minuten auf der Untertasse sind keine Therapie. Sie sind die Spanne, in der in dieser Studie der Unterschied sichtbar wurde.

Gilt das Risiko auch in Europa?

Ja, zumindest für das Plattenepithelkarzinom in einer sehr großen britischen Kohorte. Das Adenokarzinom zeigte dort kein klares Temperaturmuster.

Inoue-Choi, Loftfield und Kollegen werteten 454 796 Erwachsene der UK Biobank aus, im Mittel 11,6 Jahre, mit 242 Plattenepithelkarzinomen und 710 Adenokarzinomen. Fast alle tranken Tee oder Kaffee. 66,5 Prozent bevorzugten „heiß“, 17,1 Prozent „sehr heiß“, 15,3 Prozent „warm“. Die Frage enthielt keine Gradangabe. Frühere britische Messungen hatten typische Trinktemperaturen zwischen 54 und 62 °C ergeben, oft unter der IARC-Marke, häufig mit Milch.

Trotzdem stieg das Plattenepithelrisiko mit Menge und bevorzugter Hitze, auch nach Anpassung an Alter, Geschlecht, Rauchen, Alkohol, Body-Mass-Index, Ernährung und Getränkeart. Wer Getränke heiß und mehr als vier bis sechs Tassen täglich trank, lag bei 1,97 (1,14 bis 3,38) gegenüber Nicht- oder Warmtrinkenden. Bei „sehr heiß“ begann die Kurve schon unter vier Tassen bei 2,52 (1,27 bis 5,03) und reichte über acht Tassen bis 5,64 (2,88 bis 11,00). Für das Adenokarzinom blieb das Bild unruhig und ohne klaren Trend.

Die Studie schließt eine Lücke, die Metaanalysen älterer westlicher Fall-Kontroll-Arbeiten noch offenließen. Sie ersetzt keine Gradmessung in der Küche. Sie entkräftet die Ausrede, das Thema gelte nur für Mate in Südamerika oder für grünen Tee in Hochinzidenzregionen Asiens.

Was Metaanalysen seit 2018 zum heißen Tee sagen

Zusammengeführt erhöhen heiße Teesorten das Risiko für Speiseröhrenkrebs, vor allem den Plattenepitheltyp. Für das Adenokarzinom fehlt ein entsprechendes Signal.

Luo und Ge schlossen 23 Berichte mit 5050 Fällen und 10 609 Kontrollen ein, Suche bis Oktober 2021. Das gepoolte Odds Ratio für heißen Tee lag bei 1,79 (1,48 bis 2,15). In der Untergruppe Plattenepithelkarzinom waren es 2,33 (1,51 bis 3,61), für gemischte Speiseröhrenkrebse 1,93 (1,61 bis 2,32). Fünf Arbeiten zum Adenokarzinom ergaben 0,76 (0,58 bis 1,01), also keinen Anstieg. Asiatische Studien trugen den größten Teil des Signals; ältere europäische und australische Fall-Kontroll-Arbeiten waren kleiner und uneinheitlich.

Die Heterogenität war hoch. Fast alle Temperaturen stammten aus Fragebögen, nicht vom Thermometer. Krankenhauskontrollen lieferten stärkere Schätzer als Bevölkerungskontrollen. Kohorten allein lagen näher an 1,25 und überschnitten die 1. Das passt zur Vorsicht der IARC, die bei begrenzter menschlicher Evidenz blieb und nicht auf Gruppe 1 heraufstufte.

Was die Metaanalyse trotzdem leistet: Sie trennt die beiden Krebsarten sauber und macht sichtbar, warum eine Tasse „Tee gegen Krebs“ in Laborexperimenten und eine Tasse brühend heißer Tee in der Epidemiologie verschiedene Geschichten erzählen. Polyphenole können in Zellmodellen Wachstum hemmen. An der Speiseröhre zählt zuerst, wie heiß die Flüssigkeit ankommt.

Schadet der Tee selbst oder nur die Hitze?

Nach heutigem Stand die Hitze. Kaffee und Mate ohne brühende Temperatur stufte die IARC 2016 als nicht klassifizierbar ein; Kaffee verlor sogar die ältere Einstufung als möglicherweise krebserregend.

Christopher Wild, damals Direktor der IARC, formulierte es so: wahrscheinlich sei die Temperatur verantwortlich, nicht das Getränk. Kalte Mate zeigte in Tierversuchen und epidemiologischen Arbeiten keine krebserzeugende Wirkung. Für Kaffee fanden die Gutachter nach mehr als tausend Studien keine ausreichenden Belege für ein Krebsrisiko insgesamt; bei Leber und Gebärmutterkörper wiesen manche Arbeiten sogar niedrigere Raten aus. Das ist keine Werbebotschaft für unbegrenzten Kaffee. Es ist die Trennung zwischen Stoffgemisch und Verbrühung.

Grüntee enthält Epigallocatechingallat, das in Laborarbeiten Tumorwege blockieren kann. Mehrere Beobachtungsstudien und ältere Metaanalysen sahen bei kühl oder mäßig heiß getrunkenem Tee eher Schutzsignale. Sobald die Temperatur in den brühenden Bereich rutscht, dreht sich das Bild. Wer also Grüntee als vermeintliche Krebsprophylaxe kochend schlürft, handelt gegen die Datenlage zur Speiseröhre.

Milch senkt die Temperatur rascher als ein unverdünnter Aufguss. In der UK Biobank gaben etwa 90 Prozent der Schwarzteetrinkenden Milch zu; trotzdem blieb ein Hitze-Signal. Milch ersetzt das Warten nicht, wenn der erste Schluck immer noch die Zunge verbrennt.

Wer trägt das höchste Risiko?

Menschen mit mehreren Reizen an derselben Schleimhaut. Tabak und Alkohol bleiben die stärksten beeinflussbaren Faktoren für das Plattenepithelkarzinom; sehr heißer Tee kann dazukommen.

Das National Cancer Institute hält fest, dass Rauchen und hoher Alkoholkonsum das Plattenepithelrisiko erhöhen und dass der Verzicht darauf mit niedrigeren Raten einhergeht. In Ländern wie den USA können beide Faktoren einen großen Teil dieser Fälle erklären. Die American Cancer Society ergänzt: je mehr und je länger Tabak, desto höher die Last; Alkohol wirkt dosisabhängig; beides zusammen stärker als jedes allein. Männer erkranken häufiger. Etwa neun von zehn Speiseröhrenkrebsen werden ab 55 Jahren entdeckt.

Für das Adenokarzinom gelten andere Hebel. Chronischer Reflux kann die untere Speiseröhre umbauen, Barrett-Schleimhaut und später Dysplasie. Übergewicht erhöht die Chance auf diesen Typ, teils über häufigeren Reflux. Regelmäßige Bewegung hängt invers mit dem Adenokarzinom zusammen. Achalasie, Laugenverätzungen mit späterer Engstelle und seltene erbliche Syndrome sind selten, aber relevant für die Betroffenen.

Die Tabelle bündelt nur Zahlen, die in den genannten Studien stehen. Sie ist keine individuelle Prognose.

Situation Beobachtetes Signal Quelle und Jahr
Täglich brennend heißer Tee plus mindestens 15 g Alkohol etwa fünffaches Risiko gegenüber seltenem Tee und wenig Alkohol China Kadoorie Biobank, 2018
Täglicher brennend heißer Tee plus aktuelles Rauchen etwa doppeltes Risiko China Kadoorie Biobank, 2018
Gemessene Teetemperatur mindestens 60 °C Risikoquotient 1,41 gegenüber kühlerem Tee Golestan-Kohorte, 2020
Mindestens 700 ml täglich bei 60 °C oder heißer etwa 90 Prozent höheres Plattenepithelrisiko Golestan-Kohorte, 2020
Bevorzugt sehr heiß, bis vier Tassen täglich Risikoquotient 2,52 für das Plattenepithelkarzinom UK Biobank, 2025
Bevorzugt sehr heiß, mehr als acht Tassen täglich Risikoquotient 5,64 für das Plattenepithelkarzinom UK Biobank, 2025

Wer bereits mit dem Rauchen aufgehört hat, senkt damit den größten Einzelposten. Die Tasse darf trotzdem abkühlen. Beides schließt sich nicht aus.

Wann gehören Beschwerden zum Arzt?

Bei neu auftretender oder zunehmender Schluckstörung, unbeabsichtigtem Gewichtsverlust oder anhaltenden Brustschmerzen, die sich nicht wie gewohntes Sodbrennen verhalten. Frühe Stadien bleiben oft still; sichtbare Zeichen kommen meist spät.

Die American Cancer Society listet Schluckstörung als häufigstes Symptom. Zuerst bleibt weiches Brot oder Fleisch hängen, später weichen viele unbemerkt auf Breikost aus, zuletzt können auch Flüssigkeiten schwer fallen. Schmerzen Sekunden nach dem Schlucken entstehen, wenn der Bissen am Tumor stockt. Druck oder Brennen hinter dem Brustbein sind häufiger Reflux als Krebs, gehören aber abgeklärt, wenn sie neu, stärker oder von Gewichtsverlust begleitet sind.

Weitere Warnzeichen sind Heiserkeit, hartnäckiger Husten, Erbrechen nach dem Essen, ungewöhnliche Müdigkeit, blutig gefärbtes Erbrochenes oder teerschwarzer Stuhl. Knochenschmerz kann auf Metastasen hinweisen. Ein einzelnes Zeichen beweist nichts. Viele dieser Beschwerden haben harmlosere Ursachen. Gerade deshalb lohnt der Termin, bevor Wochen ins Land gehen.

Mayo Clinic rät, bei beunruhigenden Symptomen einen Termin zu vereinbaren, und nennt Screening vor allem für Menschen mit Barrett-Ösophagus, nicht für die Allgemeinbevölkerung. In den USA schätzt SEER für 2026 rund 22 530 neue Fälle und 16 290 Todesfälle; das relative Fünfjahresüberleben 2016 bis 2022 lag bei 22,2 Prozent, bei auf das Organ begrenzter Erkrankung bei 48,6 Prozent. Frühe Abklärung ändert an diesen Gruppenstatistiken für die Einzelperson mehr als jede Tassentemperatur.

Wie den Tee im Alltag abkühlen?

Mehrere Minuten warten, nippen statt stürzen, Milch oder eine kühle Kanne nutzen. Ziel ist eine Temperatur, die die Zunge nicht verbrüht, eher unter 60 °C als knapp unter dem Siedepunkt.

In Golestan war die Wartezeit selbst ein Risikomarker. Unter zwei Minuten nach dem Einschenken lag höher als mindestens sechs Minuten. Das ist keine Stoppuhr-Pflicht für jedes Frühstück. Es ist ein Hinweis, dass der erste, noch dampfende Schluck der teuerste ist. Ein Probeschluck an der Lippe sagt mehr als das Gefühl, „Tee müsse heiß sein, sonst schmeckt er nicht“.

Praktische Schritte, die ohne Labor auskommen:

  • Die Tasse nach dem Aufguss stehen lassen, bis der Dampf nachlässt und die Lippe den Rand ohne Schmerz berührt.
  • Einen kleinen Schluck prüfen, bevor die halbe Tasse in einem Zug folgt.
  • Milch, kühles Wasser oder eine zweite, unbeheizte Kanne senken die Temperatur schneller als Warten allein.
  • Wer unterwegs aus dem To-go-Becher trinkt, den Deckel lüften und nicht am ersten, noch kochend heißen Zentimeter ziehen.
  • Brühen darf heiß bleiben; trinken sollte es nicht. Aufguss bei 80 bis 90 °C und Konsum nach dem Abkühlen sind verschiedene Schritte.

Mayo Clinic nennt für gesunde Erwachsene, die Alkohol trinken, höchstens ein Getränk am Tag für Frauen und zwei für Männer. Das ist eine allgemeine Mäßigungsformel, kein sicherer Korridor für die Speiseröhre. Wer ohnehin raucht oder trinkt, hat an diesen beiden Stellen den größeren Hebel als an der Teetasse. Die Tasse bleibt der einfachste Hebel, den niemand erst beantragen muss.

Häufige Fragen

Ist lauwarmer oder kalter Tee unbedenklich für die Speiseröhre?

Nach der IARC-Logik zählt die brühende Temperatur, nicht der Aufguss an sich. Kalte oder warme Mate blieb nicht klassifizierbar, Kaffee ebenfalls. Kühl getrunkener Tee trägt in den vorliegenden Kohorten kein Hitze-Signal. Unverträglichkeiten, Gerbstoffe oder Koffein sind ein anderes Thema.

Wie lange soll ich nach dem Einschenken warten?

In der Golestan-Studie lag das Risiko niedriger, wenn mindestens sechs Minuten vergingen, und höher unter zwei Minuten. Sechs Minuten sind ein Forschungsmaß, keine gesetzliche Pause. Warten, bis die Lippe den Rand ohne Schmerz akzeptiert, kommt dem Ziel näher als jede App.

Erhöht Kaffee dasselbe Risiko, wenn er sehr heiß ist?

Die IARC-Bewertung gilt für sehr heiße Getränke unabhängig von der Sorte. In der UK Biobank blieb das Plattenepithelsignal sichtbar, nachdem die Getränkeart (nur Tee, nur Kaffee, beides) herausgerechnet war. Kaffee bei üblicher Trinktemperatur ist nach IARC nicht als krebserregend klassifiziert.

Reicht es, mit dem Rauchen aufzuhören, wenn ich heißen Tee mag?

Aufhören senkt den größten beeinflussbaren Posten für das Plattenepithelkarzinom. Die China-Kadoorie-Daten und die britische Kohorte sprechen trotzdem dafür, die Tasse nicht mehr brennend heiß zu trinken. Beides gleichzeitig ist sinnvoller als die Suche nach dem einen erlaubten Laster.

Kann Grüntee Speiseröhrenkrebs verhindern, wenn ich ihn heiß trinke?

Labordaten zu Catechinen ersetzen keine Epidemiologie der Speiseröhre. Sobald die Temperatur in den brühenden Bereich kommt, überwiegt in Beobachtungsstudien das Hitze-Signal. Grüntee ist dann kein Schutzschild.

Ist Speiseröhrenkrebs bei uns häufig?

In den USA macht er nach SEER etwa 1,1 Prozent der neuen Krebsfälle aus; das mittlere Alter bei Diagnose liegt bei 69 Jahren. Weltweit bleibt das Plattenepithelkarzinom die häufigere Form, in Westeuropa und Nordamerika das Adenokarzinom. Häufigkeit entbindet nicht von der Abklärung einer fortschreitenden Schluckstörung.

Soll ich Tee ganz weglassen?

Nein, sofern er nicht mehr brüht. Die IARC hat den Aufguss nicht als krebserregend eingestuft, sondern die sehr hohe Temperatur. Wer Tee mag, kann ihn behalten und die Wartezeit zur Gewohnheit machen.

Fazit

Die Datenlage seit 2016 ist klarer als die alte Schlagzeile „Tee verursacht Krebs“. Sehr heiße Getränke über 65 °C sind ein wahrscheinlicher Faktor für das Plattenepithelkarzinom. Die China-Kadoorie-Kohorte von 2018 zeigte vor allem die gefährliche Dreierkombination mit Tabak und Alkohol. Gemessene 60 °C im Iran und die britische Auswertung von 2025 haben das Bild erweitert: Menge, Wartezeit und bevorzugte Hitze können auch dort ein Signal setzen, wo Mate keine Rolle spielt.

Für den Alltag genügt eine unspektakuläre Regel. Brühen heiß, trinken warm. Wer raucht oder regelmäßig Alkohol trinkt, hat an diesen Stellen den größeren Gewinn und sollte die Tasse trotzdem abkühlen. Neue oder zunehmende Schluckstörung, ungewollter Gewichtsverlust oder Blut im Erbrochenen gehören in die Sprechstunde, nicht in die Teedose.

Niemand muss Tee aufgeben, um die Speiseröhre zu schonen. Man muss nur aufhören, sie regelmäßig zu verbrühen.

Quellen

  1. IARC: IARC Monographs evaluate drinking coffee, maté, and very hot beverages. International Agency for Research on Cancer, 15. Juni 2016.
  2. IARC Working Group on the Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans: Drinking Coffee, Mate, and Very Hot Beverages: Evaluation. IARC Monographs on the Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans, No. 116, 2018.
  3. Yu C, Tang H et al.: Hot Tea Consumption and Its Interactions With Alcohol and Tobacco Use on the Risk for Esophageal Cancer: A Population-Based Cohort Study. Annals of Internal Medicine, 6. Februar 2018.
  4. Islami F, Poustchi H et al.: A prospective study of tea drinking temperature and risk of esophageal squamous cell carcinoma. International Journal of Cancer, 1. Januar 2020.
  5. Luo H, Ge H: Hot Tea Consumption and Esophageal Cancer Risk: A Meta-Analysis of Observational Studies. Frontiers in Nutrition, 11. April 2022.
  6. Inoue-Choi M, Ramirez Y et al.: Hot beverage intake and oesophageal cancer in the UK Biobank: prospective cohort study. British Journal of Cancer, 19. Februar 2025.
  7. Mayo Clinic Staff: Esophageal cancer – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 2. Mai 2024.
  8. American Cancer Society: Risk Factors for Esophageal Cancer. American Cancer Society, 14. August 2025.
  9. American Cancer Society: Signs and Symptoms of Esophageal Cancer. American Cancer Society, 14. August 2025.
  10. National Cancer Institute: Esophageal Cancer — Cancer Stat Facts. SEER Cancer Stat Facts, Stand: 2026.
  11. National Cancer Institute: Esophageal Cancer Causes, Risk Factors, and Prevention. National Cancer Institute, Stand: 2025.
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