Migräne-Apps: Nutzen des digitalen Tagebuchs

Migräne-Apps: Nutzen des digitalen Tagebuchs

Eine Migräne-App kann Attacken, eingenommene Mittel und mögliche Auslöser festhalten und der Sprechstunde ein datiertes Protokoll liefern. Sie heilt die Erkrankung nicht und senkt in kontrollierten Studien die Zahl der Migränetage oft nicht stärker als ein schlichtes digitales Tagebuch.

Die Mayo Clinic beschreibt Migräne als genetische neurologische Krankheit mit pochendem Schmerz, Übelkeit und Empfindlichkeit für Licht und Geräusch. Unbehandelt dauert eine Attacke häufig vier bis 72 Stunden. Etwa jede fünfte Frau, jeder 16. Mann und jedes 11. Kind sind betroffen. Ein Elternteil mit Migräne bedeutet für ein Kind grob eine Chance von 50 Prozent, selbst erkrankt zu sein. Apps gehören in das SEEDS-Paket aus Schlaf, Bewegung, regelmäßigen Mahlzeiten, Tagebuch und Stressmanagement, nicht an die Stelle von Diagnostik oder Vorbeugung.

Store-Listen mit zehn angeblichen Siegern von 2018 helfen wenig. Programme verschwinden, Werbeversprechen zu Hypnose oder Blaulicht fehlen in aktuellen Leitlinien, und seit 2018 haben sich die medikamentösen Optionen durch Mittel gegen das Calcitonin-Gen-verwandte Peptid (CGRP) verschoben. Wer heute ein Programm wählt, braucht Kriterien für Dokumentation, Medikamententage und Warnsignale, nicht Sterne im Store.

Was eine Migräne-App wirklich leisten kann

Eine seriöse Migräne-App dokumentiert Attacken so, dass Häufigkeit, Dauer und Akutmittel später nachzählbar sind. Sie stellt keine Diagnose und entscheidet nicht, ob ein plötzlicher Schmerz in die Notaufnahme gehört. Die Mayo Clinic rät ausdrücklich, Attacken und Behandlungen aufzuschreiben und damit einen Termin zu vereinbaren, statt das Muster allein am Bildschirm zu deuten.

Der praktische Gewinn liegt in der Gleichzeitigkeit. Wer nach sechs Wochen aus dem Gedächtnis schätzt, vergisst kurze Attacken, Wochenendtage und rezeptfreie Tabletten. Ein Eintrag am selben Tag mindert diese Verzerrung. Das National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS) listet genau deshalb Uhrzeit, Stärke, Dauer, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit, Tätigkeit vor dem Schmerz, alle Mittel inklusive frei verkäuflicher Präparate, Schlaf, Stress, Wetter, Essen und bei menstruierenden Personen den Zyklus.

Ein Kalender auf Papier erfüllt dieselbe Aufgabe. Die App lohnt sich, wenn sie den Eintrag in unter einer Minute erlaubt, einen Monatsbericht exportiert und Medikamententage sichtbar macht. Coaching-Videos, Community-Feeds oder Klangteppiche sind Zusatz, kein Ersatz für diese Kernzählung. In der EMMA-Studie von Pach und Kollegen nutzten beide Gruppen eine Dokumentation; nur eine erhielt die volle verordnungsfähige Version.

Falsche Sicherheit entsteht, wenn das System „Auslöser erkannt“ anzeigt und niemand prüft, ob der Zusammenhang statistisch trägt. Viele Faktoren fallen mit Attacken zusammen, ohne sie zu verursachen. Hormonschwankungen, ausgelassene Mahlzeiten, Schlafmangel und Stress nennt die Mayo Clinic als häufige Auslöser, Lebensmittelzusätze nur als mögliche. Ein farbiger Balken in der App bleibt eine Hypothese für das Gespräch, kein Laborbefund.

Frau mit den Kopfschmerzen, die auf Bett legen und Telefon betrachten

Warum Leitlinien ein Kopfschmerztagebuch verlangen

Leitlinien verlangen ein Tagebuch, weil ohne gezählte Tage weder die Diagnose noch die Entscheidung für eine Vorbeugung belastbar ist. NICE empfiehlt, ein Protokoll mindestens acht Wochen zu führen, bevor Muster festgeschrieben werden. Die Mayo Clinic nennt dasselbe Instrument im SEEDS-Schema und bittet, den Kalender zur Kontrolle mitzubringen.

Ohne Zählung bleibt unklar, ob weniger als 15 Kopfschmerztage im Monat vorliegen oder bereits eine chronische Form. NICE definiert chronische Migräne als Schmerz an mindestens 15 Tagen, davon mindestens acht mit Migränemerkmalen, über mehr als drei Monate. NINDS verwendet dieselbe 15-Tage-Schwelle. Eine App, die nur „schlechte Tage“ als Smileys speichert, ohne Dauer und Begleitzeichen, liefert diese Schwelle nicht.

Vorbeugung hängt an der Last, nicht am Bauchgefühl. Der NHS rät zur Hausarztpraxis, wenn Attacken öfter als einmal pro Woche kommen, schwerer werden oder sich schlecht steuern lassen. NINDS schreibt, dass Menschen mit wöchentlichen Episoden oder selteneren, aber schweren Verläufen häufig ein vorbeugendes Mittel erhalten. Das Protokoll zeigt, ob diese Schwelle erreicht ist und ob ein neues Mittel nach Wochen überhaupt weniger Tage bringt.

Seit 2018 hat sich die Arzneimittelwelt verschoben, das Tagebuch aber nicht. Die American Headache Society erklärte 2024 CGRP-Antikörper und vorbeugende Gepante zur möglichen ersten Wahl, ohne vorherige Fehlversuche älterer Klassen. NICE hält 2025 an einer anderen Logik fest. CGRP-Hemmer kommen dort erst infrage, wenn mindestens drei vorbeugende Mittel nicht getragen haben oder nicht geeignet sind, und nur ab vier Migränetagen im Monat. Ein ehrliches Protokoll entscheidet später, ob nach zwölf Wochen die von NICE geforderte Verringerung um 50 Prozent bei episodischer oder 30 Prozent bei chronischer Migräne erreicht wurde.

Welche Angaben acht Wochen ins Protokoll gehören

Acht Wochen sind die Mindestspanne, die NICE für ein diagnostisches Kopfschmerzprotokoll nennt, nicht die Obergrenze. Länger dokumentieren lohnt, sobald ein neues Akutmittel, ein vorbeugendes Präparat oder ein Entzug bei Verdacht auf Übergebrauch läuft. Kürzer als zwei Zyklen bleibt der Kalender oft Zufall.

NICE will Häufigkeit, Dauer und Stärke, Begleitzeichen, jedes verschriebene und jedes frei verkäufliche Mittel gegen den Schmerz, mögliche Auslöser und die Beziehung zur Menstruation. NINDS ergänzt Schlafqualität, Emotionen, Wetter oder Routinebruch sowie Essen und Trinken der vorangegangenen 24 Stunden. Wer menstruierende Zyklen hat, markiert die Blutungsage, weil menstruelle Attacken laut NHS oft länger und heftiger ausfallen.

Diese Liste ist absichtlich schlank. Siebzig tägliche Lebensstilfragen über drei Monate klingen gründlich, brechen aber die Mitarbeit. In der EMMA-Studie blieb das schlichte Tagebuch der Vollversion ebenbürtig. Wer jeden Kaffee, jeden Schritt und jede Wetter-App-Zahl einträgt, füllt Felder, ohne die Medikamententage zu kennen. Die Pflichtfelder gehören oben, die optionalen Auslöser darunter.

Ein exportierbarer Monatsbericht nützt mehr als eine Animation. Die Praxis braucht Kopfschmerztage, Migränetage, Tage mit Akutmittel und, getrennt, Tage mit Triptan, Gepant oder Kombinationsanalgetikum. Fehlt diese Trennung, lässt sich ein Übergebrauch nicht von einer legitimen, aber häufigen Bedarfstherapie unterscheiden. Fotos von Speisen oder eine Heatmap der Schläfe sind Beiwerk.

  • Jede Attacke erhält Datum, ungefähre Uhrzeit, Dauer in Stunden und eine Stärke auf einer Skala, die Sie immer gleich verwenden.
  • Begleitzeichen wie Übelkeit, Lichtscheu, Geräuschempfindlichkeit oder Aura werden als ja oder nein festgehalten, nicht als Freitextroman.
  • Jede Tablette, jedes Nasenspray und jede Spritze gegen den Schmerz wird mit Wirkstoff und Uhrzeit notiert, auch Ibuprofen aus der Hausapotheke.
  • Menstruation, Nachtschlaf und ausgelassene Mahlzeiten bekommen eigene Markierungen, weil Leitlinien sie als häufige Begleiter nennen.
  • Der Monatsbericht wandert als Datei oder Ausdruck in die Sprechstunde, nicht als Screenshot ohne Legende.

Senken Extra-Funktionen die Zahl der Migränetage?

Zusatzmodule einer verordnungsfähigen Migräne-App haben in der bisher größten randomisierten Prüfung die Migränetage nicht stärker gesenkt als die bloße Dokumentation. Pach und Kollegen verglichen 2025 in Deutschland die volle App M-sense Migräne mit einer Kontrollversion, die nur das Tagebuch bot. Nach zwölf Wochen lagen die adjustierten Mittel bei 5,79 gegen 5,41 Tagen pro 28-Tage-Monat, Unterschied 0,38 Tage, p = 0,29.

Beide Gruppen starteten bei rund 7,7 Migränetagen und wurden besser. Das spricht dafür, dass das Führen eines Protokolls selbst mit weniger Tagen einhergehen kann, nicht dafür, dass Coaching, Auslöserkarten oder Verhaltensbausteine den Ausschlag geben. 476 Personen gingen in die Intention-to-treat-Auswertung, 90,1 Prozent waren weiblich, das mittlere Alter lag bei 35,2 Jahren, die Erkrankungsdauer bei 17,4 Jahren. Schwere unerwünschte Reaktionen auf die App wurden nicht berichtet.

Ein systematisches Review von Tana und Kollegen in Cephalalgia (Suche bis September 2025, zwölf randomisierte Arbeiten) fand für verhaltens- und app-basierte Angebote hohe Machbarkeit, aber nur bescheidene Effekte auf die Attackenfrequenz. Bessere Kurzzeitsignale zeigten ferne elektrische Neuromodulation und virtuelle Realität bei Schmerzstärke und Verbrauch von Akutmitteln. Neun der zwölf Studien galten als hohes Verzerrungsrisiko, oft wegen offener Designs und fehlender Endpunkte.

Stubberud, Linde und Tronvik werteten 2025 elf randomisierte Internet-Verhaltenstherapien aus, darunter zwei große Arbeiten, und sahen keine klare Überlegenheit gegenüber anderen Therapien oder Wartelisten. App-Studien zu Verhalten und Entspannung waren überwiegend Pilotprojekte. Software, die eine Krankheit behandeln will, gilt in vielen Rechtsräumen als Medizinprodukt. Ein Store-Siegel „Gesundheit“ ersetzt diese Prüfung nicht.

Funktion Was kontrollierte Studien bisher zeigen Was weiter fehlt
Elektronisches Kopfschmerztagebuch In der EMMA-Studie 2025 sanken die Tage in beiden Armen, ohne Extra-Nutzen der Voll-App Keine Diagnose, keine Entscheidung über Bildgebung
Verhaltens- und Entspannungsmodule Hohe Machbarkeit, meist geringe Frequenzwirkung, viele Pilotstudien Große verblindete Prüfungen mit einheitlichen Endpunkten
Neuromodulation oder virtuelle Realität Kurze Signale für weniger Schmerz und weniger Akutmittel in einzelnen RCTs Langzeitdaten und alltagsnahe Verblindung
Wellness (Hypnose, Blaulicht, Binauraltöne) Keine Leitlinienempfehlung als Migränetherapie Unabhängige Wirksamkeitsnachweise statt Herstellertexte

Helfen Entspannung, Verhaltenstraining oder Biofeedback in der App?

Entspannung und Verhaltenstechniken können Stress als Auslöser abschwächen, ersetzen aber weder Akutmittel noch eine vorbeugende Pharmakotherapie. Die Mayo Clinic nennt Achtsamkeit, Biofeedback und andere Ruheverfahren im SEEDS-Baustein Stress. Der NHS listet Entspannung und kognitive Verhaltenstherapie neben vorbeugenden Tabletten und Akupunktur. NINDS nennt Meditation, Yoga, Akupunktur und psychologische Schmerzbewältigung als mögliche Ergänzung.

Die Evidenz für die App-Variante dieser Verfahren bleibt dünn. Stubberud und Kollegen fanden für internetgestützte Verhaltenstherapie keine klare Überlegenheit. Ältere Studien zu Entspannungstraining im Netz wirkten hoffnungsvoller, gelten den Autoren aber als methodisch schwächer. Tana und Kollegen sahen bei digitalen Verhaltensangeboten vor allem Machbarkeit. Wer eine Übung nutzt, weil sie nach fünf Minuten den Nacken lockert, darf das tun. Wer sie als belegte Vorbeugung verkauft bekommt, sollte nach einer randomisierten Prüfung mit Migränetagen als Endpunkt fragen.

Biofeedback misst Körpersignale wie Muskelspannung und macht sie sichtbar, damit sich Kontrolle üben lässt. Das National Center for Complementary and Integrative Health berichtet, dass manche Arbeiten die Attackenfrequenz senkten, der Vorteil gegenüber einem Scheinverfahren aber unklar bleibt. Digitale Varianten mit Oberflächenelektromyografie zeigten in einzelnen Studien der Übersicht von Tana Verbesserungen bei Beeinträchtigung und Lebensqualität. Das ist ein Signal, kein Standard der Erstbehandlung.

Klangdateien, die Hirnwellen „auf Heilfrequenz“ synchronisieren wollen, und Blaulichtfilter, die den Trigeminus beruhigen sollen, stehen in keiner der genannten Leitlinien. Relaxationsgeräusche können den Schlaf erleichtern, den die Mayo Clinic als Auslöserfeld kennt. Daraus folgt keine spezifische Migräneheilung. Butterbur, oft in Wellness-Texten neben Apps genannt, empfiehlt die American Academy of Neurology seit 2015 nicht mehr, weil Leberschäden möglich sind.

Was unterscheiden verordnete Neuromodulationsgeräte von Store-Wellness?

Ein von der Aufsicht geprüfter Neurostimulator mit Begleit-App ist ein Medizinprodukt, keine Wohlfühl-Anwendung aus dem Store. Tana und Kollegen fanden für ferne elektrische Neuromodulation reproduzierbare kurze Vorteile bei Schmerz und Verbrauch von Akutmitteln. Solche Geräte werden ärztlich indiziert, haben eine Zweckbestimmung und eine Studienlage, die über Sternebewertungen hinausgeht. Die App steuert Sitzungen und sammelt oft ein Tagebuch, sie ist nicht der Wirkmechanismus.

Store-Programme ohne Geräteanteil versprechen häufig dasselbe Vokabular (Lindern, Blockieren, Umschalten) ohne vergleichbare Prüfung. Stubberud und Kollegen betonen, dass Software, die behandeln will, regulatorisch oft wie ein Medizinprodukt zu behandeln ist. Der Weg dahin ist lang. Genau deshalb bleiben die meisten frei herunterladbaren Coaching-Apps rechtlich und klinisch in einer anderen Liga als ein zugelassenes Stimulationssystem.

Seit 2018 hat die FDA mehrere neue verschreibungspflichtige Migränemittel zugelassen, darunter Optionen, die für Menschen mit bestimmten Herzleiden besser geeignet sein können als ältere Klassen. Das verschiebt die Rolle der App. Sie soll zeigen, ob ein neues Akutmittel in zwei Stunden wirkt, ob ein CGRP-Antikörper nach zwölf Wochen die Tage halbiert und ob Akutmittel-Tage in den gefährlichen Bereich rutschen. Sie soll nicht vortäuschen, den Fortschritt der Pharmakologie zu ersetzen.

Wer ein Gerät plus App erwägt, klärt Indikation, Kontraindikationen und Kosten in der Fachpraxis. Wer nur dokumentieren will, braucht das Gerät nicht. Die EMMA-Daten gelten für eine digitale Gesundheitsanwendung mit Tagebuch und Zusatzfunktionen, nicht für Neuromodulation. Beide Welten nicht in einen Store-Ordner werfen.

Migräne-Buddy-Logo

Wann die App den Arztbesuch nicht ersetzt

Eine App ersetzt den Arztbesuch nicht, sobald sich das Muster ändert, die Last wöchentlich wird oder Warnzeichen für eine sekundäre Ursache auftauchen. Die Mayo Clinic bittet um einen Termin, wenn Attacken regelmäßig auftreten, und um sofortige Hilfe bei Donnerschlagschmerz, Fieber mit Nackensteife, Verwirrtheit, Krampfanfall, Doppelbildern, Taubheit oder Schwäche, Schmerz nach Kopfverletzung, belastungsabhängigem Dauerschmerz oder einem neuen Kopfschmerz nach dem 50. Lebensjahr.

Der NHS stuft ab, statt alles in eine Notaufnahme zu schieben. Nicht dringlich, aber praxiswürdig sind häufigere, schwerere oder schlecht steuerbare Attacken sowie regelmäßig menstruelle Verläufe. Dringlicher Rat gilt, wenn eine Attacke länger als 72 Stunden dauert, eine Aura länger als eine Stunde anhält oder eine Schwangerschaft bzw. die Zeit direkt nach der Geburt vorliegt. Den Notruf verlangt der Dienst bei plötzlich extremem Schmerz, Sprach- oder Erinnerungsstörung, Sehverlust, starker Schläfrigkeit, Krampfanfall, hohem Fieber mit Meningitisverdacht, einseitiger Schwäche oder frischer Kopfverletzung.

NICE listet zusätzliche Hinweise, die eine Abklärung nahelegen. Dazu zählen ein Schmerz, der in fünf Minuten sein Maximum erreicht, neues neurologisches Defizit, Persönlichkeitsänderung, Trauma in den vorangegangenen drei Monaten, Husten- oder Belastungsauslösung, lageabhängiger Schmerz sowie Hinweise auf Riesenzellarteriitis oder ein akutes Engwinkelglaukom. Kein Algorithmus im Handy ersetzt diese Prüfung.

Bildgebung gehört nicht in die App. NINDS stellt klar, dass MRT oder CT Migräne nicht beweisen und nur dann sinnvoll sind, wenn eine andere Ursache im Raum steht. Wer bei jedem Pochen den Scanner „zur Sicherheit“ erwartet, folgt weder NICE noch NINDS. Das Protokoll hilft der Ärztin oder dem Arzt zu entscheiden, ob die Geschichte zur primären Migräne passt.

Wie erkennt das Tagebuch einen Medikamentenübergebrauch?

Medikamentenübergebrauchskopfschmerz entsteht, wenn Akutmittel so oft genommen werden, dass sie selbst den Schmerz unterhalten. NICE warnt, sobald Triptane, Opioide, Mutterkornalkaloide oder Kombinationsanalgetika an mindestens zehn Tagen im Monat über drei Monate laufen, oder Paracetamol, Acetylsalicylsäure oder ein NSAR an mindestens 15 Tagen. Die Mayo Clinic nennt für Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure mehr als 14 Tage, für Triptane mehr als neun. Die FDA spricht bei mehreren Akutklassen von zehn oder mehr Tagen.

Die Zahlen liegen nah beieinander, sind aber nicht identisch. Für den Alltag zählt die Richtung. Der NHS rät, Schmerzmittel möglichst nicht an mehr als zwei Tagen pro Woche zu nehmen, und das Gespräch zu suchen, sobald der Bedarf darüber rutscht. Ein App-Zähler, der nur „Tabletten ja“ speichert, ohne die Klasse, kann diese Schwellen nicht abbilden.

NICE behandelt den Übergebrauch durch Absetzen der übernutzten Mittel, in der Regel abrupt und für mindestens einen Monat, mit der Ansage, dass der Schmerz zuerst zunehmen kann. Die Kontrolle folgt nach vier bis acht Wochen. Opioide und Mutterkornalkaloide sollen bei akuter Migräne ohnehin nicht angeboten werden. Wer im Tagebuch zehn Triptantage sieht, ändert das Schema nicht allein in der App, sondern mit der behandelnden Praxis.

Ein vorbeugendes Mittel kann parallel sinnvoll sein, damit die Attacken in der Entzugsphase nicht davonlaufen. NICE erlaubt das ausdrücklich. CGRP-Strategien und ältere orale Vorbeugungen brauchen dafür eine ehrliche Baseline. Wer während des Entzugs weiter jeden zweiten Tag ein Kombinationspräparat einträgt und das als „Bedarf“ verbucht, täuscht sich selbst.

Wonach eine App auswählen, ohne Store-Ranglisten zu folgen

Wählen Sie nach exportierbarem Monatsbericht, Medikamentenzählung und geringer täglicher Last, nicht nach Ranglisten von 2018. Eine brauchbare Oberfläche fragt in unter einer Minute die NICE-Pflichtfelder ab und erzeugt eine Datei, die eine Praxis lesen kann. Sterne, Community-Feeds und „wissenschaftlich entschlüsselte Auslöser“ ohne nachvollziehbare Statistik sind Verkaufstext.

Prüfen Sie, ob die App Attacken nach Kriterien der Internationalen Kopfschmerzklassifikation grob sortiert oder nur Smileys sammelt. Ein Algorithmus kann Migräne und Spannungskopfschmerz vorschlagen, die Diagnose bleibt klinisch. NICE unterscheidet beide Formen über Seite, Qualität, Intensität, Auswirkung auf Alltag und Begleitzeichen. Wenn das Programm diese Merkmale gar nicht abfragt, kann es sie auch nicht sinnvoll gruppieren.

Datenschutz ist Teil der Auswahl. Gesundheitsdaten in einer Cloud sind keine Notiz auf dem Nachttisch. Lesen Sie, ob Einträge verkauft, für Werbung genutzt oder ohne Ende gespeichert werden, und ob ein lokaler Export ohne Konto möglich ist. Stubberud und Kollegen erinnern daran, dass Software mit therapeutischem Anspruch regulatorisch eng geführt wird. Ein Programm, das Heilung verspricht und zugleich unklare Einwilligungen verlangt, fällt durch beide Raster.

Kostenlose Wellness-Apps mit einer Hypnosesitzung oder 40 Umgebungsgeräuschen können den Abend angenehmer machen. Sie sind kein Ersatz für die Zählung, die über Vorbeugung, CGRP-Stopp nach zwölf Wochen oder einen Übergebrauch entscheidet. Wenn die Praxis ein bestimmtes Protokoll kennt, nutzen Sie dieses, auch wenn der Store andere Titel höher rankt.

Häufige Fragen

Senkt eine Migräne-App die Zahl meiner Attacken?

Meist nicht stärker als das Führen eines schlichten Tagebuchs. In der EMMA-Studie 2025 lag die volle App nach zwölf Wochen nicht besser als die Kontrollversion mit bloßer Dokumentation. Beide Gruppen hatten weniger Migränetage als zu Beginn. Wer weniger Attacken will, braucht daneben ein ärztlich geplantes Akut- und oft ein vorbeugendes Schema.

Reicht ein Papierkalender statt einer App?

Ja, wenn Sie acht Wochen lang dieselben Felder führen, die NICE und NINDS nennen, und den Kalender mitbringen. Die App hilft vor allem beim täglichen Eintrag und beim Export. Papier vermeidet Cloud-Fragen. Unleserliche Strichlisten ohne Medikamententage nützen in beiden Formen wenig.

Wie viele Schmerzmitteltage sind zu viel?

NICE sieht Übergebrauch ab zehn Tagen im Monat mit Triptan, Opioid, Mutterkornalkaloid oder Kombinationsmittel, oder ab 15 Tagen mit Paracetamol, Acetylsalicylsäure oder NSAR, jeweils über drei Monate. Die Mayo Clinic setzt Ibuprofen bei mehr als 14 Tagen und Triptane bei mehr als neun an. Der NHS nennt als grobe Alltagsgrenze zwei Schmerzmitteltage pro Woche. Zählen Sie die Klasse, nicht nur „eine Tablette“.

Wann muss ich trotz App in die Notaufnahme?

Sofort bei Donnerschlagschmerz, neuen Ausfällen wie Sprachstörung, einseitiger Schwäche, Krampfanfall, Nackensteife mit hohem Fieber, Sehverlust oder Schmerz nach einer Kopfverletzung, so Mayo Clinic und NHS. Eine Aura länger als eine Stunde oder eine Attacke über 72 Stunden gehört zumindest in dringende ärztliche Bewertung. Die App darf diese Schwellen nicht schönrechnen.

Helfen Blaulichtfilter oder Hypnose-Apps gegen Migräne?

Dafür fehlt eine Leitlinienbasis. Entspannung kann Stress als Auslöser mindern, und Schlafhygiene gehört zu SEEDS. Hypnosetexte, Binauraltöne und Blaufilter als spezifische Attackentherapie sind Werbeaussagen. NCCIH sieht für Biofeedback mögliche Frequenzsenkungen, aber keinen klaren Vorteil gegenüber einem Scheinverfahren.

Muss ich erst mehrere alte Vorbeugemittel scheitern, bevor CGRP infrage kommt?

Das hängt am System, nicht an der App. Die American Headache Society nennt CGRP-Antikörper und vorbeugende Gepante seit 2024 als mögliche erste Wahl ohne Pflicht zu Fehlversuchen. NICE verlangt 2025 weiter, dass mindestens drei vorbeugende Mittel nicht getragen haben, und prüft den Erfolg nach zwölf Wochen am Tagebuch. Ihr Protokoll liefert die Zahlen für dieses Gespräch, die Entscheidung trifft die verordnende Praxis.

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Fazit

Legen Sie morgen ein Protokoll an, analog oder digital, und führen Sie es mindestens acht Wochen mit den Feldern, die NICE und NINDS vorgeben. Zählen Sie Kopfschmerztage, Migränetage und getrennt die Tage mit jeder Akutmittelklasse. Bringen Sie den Bericht zur nächsten Sprechstunde mit, statt aus dem Gedächtnis zu schätzen.

Erwarten Sie von Zusatzmodulen keine zusätzliche Senkung der Migränetage. Die deutsche EMMA-Prüfung hat genau das nicht gezeigt. Entspannung darf den Abend stützen, CGRP-Strategien und ältere Vorbeugung brauchen eine ärztliche Indikation, und ein Donnerschlagschmerz gehört nicht in die App-Statistik.

Seit 2018 haben sich die Mittel geändert, nicht die Pflicht zu zählen. Wer wöchentliche Attacken, steigenden Tablettenverbrauch oder ein neues Muster bemerkt, vereinbart einen Termin. Die App ist Werkzeug. Die Krankheit bleibt eine neurologische Diagnose mit Behandlung, nicht mit Garantie auf Heilung.

Quellen

  1. Mayo Clinic: Migraine – Symptoms and causes. Mayo Clinic, 8. Juli 2025.
  2. National Health Service: Migraine – symptoms, treatment and when to get help. National Health Service, 10. März 2026.
  3. National Institute for Health and Care Excellence: Headaches in over 12s: diagnosis and management. National Institute for Health and Care Excellence, Stand: 3. Juni 2025.
  4. Pach D, Lysk S et al.: A Prescribed Digital Health App and Number of Migraine Days: A Randomized Clinical Trial. JAMA Network Open, 1. Juli 2025.
  5. Charles AC, Digre KB et al.: Calcitonin gene-related peptide-targeting therapies are a first-line option for the prevention of migraine: An American Headache Society position statement update. Headache, 11. März 2024.
  6. Tana C, Raffaelli B et al.: Digital and virtual interventions for migraine: A systematic review of randomized controlled trials. Cephalalgia, 3. März 2026.
  7. Stubberud A, Linde M, Tronvik E: A narrative review of app- and internet-delivered headache interventions: From ideation to implementation and the future. Cephalalgia, 11. Juni 2025.
  8. U.S. Food and Drug Administration: Treating Migraines: Ways to Fight the Pain with Medication. U.S. Food and Drug Administration, Stand: 2024.
  9. National Institute of Neurological Disorders and Stroke: Migraine | National Institute of Neurological Disorders and Stroke. National Institute of Neurological Disorders and Stroke, Stand: 2025.
  10. National Center for Complementary and Integrative Health: Headaches: What You Need To Know. National Center for Complementary and Integrative Health, Stand: 2025.
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