
Dunkles Blattgemüse, bestimmte Pflanzenöle und das fermentierte Sojagericht Natto liefern die höchsten Mengen Vitamin K; eine halbe Tasse gekochter Blattkohl kann den europäischen Richtwert für Erwachsene mehrfach decken. Die meisten gesunden Menschen erreichen den Bedarf mit einer gemischten Kost, ein klinisch relevanter Mangel bleibt selten und betrifft vor allem Säuglinge ohne Prophylaxe sowie Personen mit Fettmalabsorption oder Vitamin-K-Antagonisten.
Vitamin K ist fettlöslich, wird rasch verstoffwechselt und nur in geringen Mengen gespeichert. Deshalb zählt die regelmäßige Portion Blattgrün mehr als ein einzelner „Rekordteller“. Getrocknete Kräuter wirken in Tabellen pro 100 Gramm extrem reich, landen in der Küche aber nur als Prise. Unter Phenprocoumon oder Warfarin entscheidet nicht das Meiden von Grünkohl, sondern eine gleichbleibende Tagesmenge, damit die INR nicht springt.
Was Vitamin K1 und K2 im Körper tun
Vitamin K aktiviert Gerinnungsfaktoren in der Leber und extrahepatische Proteine in Knochen und Gefäßwand. Ohne diese γ-Carboxylierung bleiben Prothrombin sowie die Faktoren VII, IX und X funktionsarm, das Blut braucht länger zum Gerinnen. Derselbe Cofaktor macht Osteocalcin und das Matrix-Gla-Protein (MGP) kalziumbindend; das erklärt das Interesse an Knochen und Gefäßverkalkung, ohne dass daraus schon eine Therapieableitung folgt.
Zwei Naturformen teilen sich den Namen. Phylloquinon (Vitamin K1) stammt aus photosynthetischen Pflanzen, vor allem aus dunkelgrünem Blatt. Menachinone (Vitamin K2, MK-4 bis MK-13) entstehen bakteriell in fermentierten Lebensmitteln oder, bei MK-4, im Stoffwechsel aus Phylloquinon. Das NIH Office of Dietary Supplements (Stand März 2021) nennt MK-4, MK-7 und MK-9 als die am besten untersuchten Vertreter. Darmbakterien bilden lange Menachinone, wie viel davon der Körper wirklich nutzt, bleibt unsicher.
Der Buchstabe K kommt vom Wort Koagulation. Harvard T.H. Chan School of Public Health (letzte Durchsicht März 2023) betont, dass vier der dreizehn Gerinnungsproteine vitamin-K-abhängig sind. Nach oraler Gabe behält der Körper nur etwa 30 bis 40 Prozent einer physiologischen Phylloquinon-Dosis; der Rest geht über Urin und Galle. Deshalb steigen Blutspiegel nach einer Mahlzeit rasch an und fallen wieder, anders als bei Vitamin A oder D.
Klinisch misst man den Status selten über den Plasmaspiegel. Die Prothrombinzeit und die INR zeigen erst einen schweren Mangel. Untercarboxyliertes Osteocalcin oder PIVKA-II sind empfindlicher, gehören aber nicht zur Routine. Für den Alltag reicht die Frage, ob jemand täglich Blattgemüse isst, Fett verdauen kann und keine Vitamin-K-Antagonisten nimmt.

Wie viel Vitamin K am Tag nötig ist
Für Erwachsene in Europa gilt eine angemessene Zufuhr von 70 Mikrogramm Phylloquinon pro Tag, abgeleitet aus 1 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht. Die EFSA hat diesen Wert 2017 gesetzt, weil Biomarker und Krankheitsdaten für einen mittleren Bedarf oder eine Populationsreferenz nicht ausreichten; die Nordic Nutrition Recommendations 2023 haben dieselbe Größenordnung bestätigt. Ältere Verbrauchstexte nannten oft nur die US-Zahlen 90 Mikrogramm für Frauen und 120 Mikrogramm für Männer. Das sind Adequate Intakes der US-Food-and-Nutrition-Board, keine Recommended Dietary Allowance, und sie liegen bewusst über dem europäischen Ansatz.
| Gruppe | Angemessene Zufuhr | Quelle |
|---|---|---|
| Erwachsene einschließlich Schwangere (EU/Nordics) | 70 µg Phylloquinon | EFSA 2017, NNR 2023 |
| Frauen ab 19 Jahren (USA) | 90 µg | NIH ODS, 2021 |
| Männer ab 19 Jahren (USA) | 120 µg | NIH ODS, 2021 |
| Jugendliche 14–18 Jahre (USA) | 75 µg | NIH ODS, 2021 |
| Kinder 1–3 Jahre (USA / EFSA) | 30 µg / 12 µg | NIH ODS / EFSA |
| FDA-Tageswert auf US-Etiketten | 120 µg | NIH ODS, 2021 |
NHANES 2011–2012 zeigte bei Erwachsenen ab 20 Jahren im Mittel 122 Mikrogramm aus Lebensmitteln bei Frauen und 138 Mikrogramm bei Männern. Die EFSA notierte für Deutschland in der Nationalen Verzehrsstudie II einen Median von 76 Mikrogramm Phylloquinon, also nahe am eigenen Richtwert. Ein Drittel der US-Bevölkerung lag in älteren Auswertungen unter dem amerikanischen AI; klinische Blutungen folgten daraus kaum, weil der AI eine Schätzung ist und Menachinone in Tabellen oft fehlen.
Schwangere und Stillende haben in den USA denselben AI wie nicht schwangere Frauen derselben Altersgruppe, in Europa ebenfalls 70 Mikrogramm. Säuglinge brauchen prophylaktisch Vitamin K bei der Geburt; die kleinen Adequate Intakes von 2,0 und 2,5 Mikrogramm gelten zusätzlich zur Spritze und spiegeln die Muttermilch, nicht einen Verzicht auf Prophylaxe. Ein oberer Grenzwert (UL) fehlt, weil natürliches K1 und K2 oral kaum toxisch sind.
Welche Lebensmittel am meisten Vitamin K1 liefern
Die höchsten Phylloquinon-Werte stecken in gekochtem Blattkohl, Rübenblättern, Spinat, Grünkohl und Brokkoli, gemessen in Alltagsportionen statt in 100-Gramm-Blöcken getrockneter Gewürze. Das NIH Office of Dietary Supplements listet für eine halbe Tasse tiefgekühlten, gekochten Blattkohl 530 Mikrogramm, für dieselbe Menge Rübenblätter 426 Mikrogramm, für eine Tasse rohen Spinat 145 Mikrogramm und für eine halbe Tasse gekochten Brokkoli 110 Mikrogramm. Schon eine dieser Portionen überschreitet den europäischen Tagesrichtwert.
| Lebensmittel (NIH-Portion) | Vitamin K | Form |
|---|---|---|
| Natto, 85 g | 850 µg | MK-7 (K2) |
| Blattkohl, gekocht, ½ Tasse | 530 µg | Phylloquinon |
| Rübenblätter, gekocht, ½ Tasse | 426 µg | Phylloquinon |
| Spinat roh, 1 Tasse | 145 µg | Phylloquinon |
| Grünkohl roh, 1 Tasse | 113 µg | Phylloquinon |
| Brokkoli gekocht, ½ Tasse | 110 µg | Phylloquinon |
| Sojaöl, 1 Esslöffel | 25 µg | Phylloquinon |
| Rapsöl, 1 Esslöffel | 10 µg | Phylloquinon |
Weitere K1-Träger aus derselben NIH-Tabelle und aus den Lebensmittelübersichten von MedlinePlus und Harvard sind Rosenkohl, Weißkohl, Wirsing, Mangold, Senfblätter, Rucola, Endivie, Romana, grüner Blattsalat, Eisbergsalat, Petersilie, Schnittlauch, Kresse, Blumenkohl, Okra, Edamame, geröstete Sojabohnen, Karotte und Karottensaft, Kürbis aus der Dose, Heidelbeeren, Weintrauben, getrocknete Feigen, Granatapfelsaft, Pinienkerne, Cashewkerne, Olivenöl und salatübliche Dressings auf Soja- oder Rapsölbasis. Das ergibt gut vierzig benannte Quellen, ohne dass jede Prise Majoran eine eigene Milligramm-Legende braucht.
In der US-Kost tragen Spinat, Brokkoli, Eisbergsalat sowie Soja- und Rapsöl den größten Teil der Zufuhr, nicht exotische Superfoods. Hellere Blätter enthalten weniger Phylloquinon als dunkelgrüne, weil der Gehalt an das Chlorophyll der Photosynthese gebunden ist. Eine Tasse Eisbergsalat liefert laut NIH nur 14 Mikrogramm, eine Tasse roher Grünkohl 113 Mikrogramm. Wer selten Blatt isst, holt mit einem Esslöffel Sojaöl (25 Mikrogramm) oder Rapsöl (10 Mikrogramm) nur einen Bruchteil, der sich in der Pfanne aber summiert.
Wo Vitamin K2 vorkommt
Natto bleibt die mit Abstand stärkste natürliche K2-Quelle: 85 Gramm liefern etwa 850 Mikrogramm MK-7, mehr als das Siebenfache des US-Tageswerts. Käse, Milch, Ei, Hähnchen, Schinken, Rinderhack und Hühnerleber enthalten bescheidene Mengen MK-4, oft im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Mikrogrammbereich pro Portionsgröße. Die NIH-Zahlen gelten nur, wenn das Futtermittel Menadion enthielt, aus dem Nutztiere MK-4 bilden; ohne diese Zulage schwankt der Gehalt.
Fermentierte Milchprodukte und manche Käsesorten tragen längerkettige Menachinone, deren Menge von Starterkultur und Reifung abhängt. Deshalb widersprechen sich Tabellen zu Weichkäse oder Blauschimmelkäse oft um das Mehrfache. Die Cleveland Clinic (Dezember 2022, Lebensmittelliste April 2023) nennt zusätzlich Sauerkraut als fermentiertes Gemüse, ohne belastbare Mikrogrammzahlen für jede Charge. Wer K2 bewusst erhöhen will, kommt mit einer kleinen Natto-Portion weiter als mit extra Salami.
Darmbakterien produzieren Menachinone im Dickdarm. Merck (Aktualisierung Juni 2026) hält fest, dass diese Menge den Bedarf nicht allein deckt. Vegane Kost kann den K1-Bedarf über Blatt und Öl leicht erfüllen; K2 aus Natto oder angereicherten Produkten ist optional, kein Muss, solange Phylloquinon reicht und der Darm Fett aufnimmt. Ein separates K2-Soll fehlt in EFSA- und US-Referenzwerten, weil die Datenlage für Menachinone zu dünn ist.
Hähnchenbrust (rund 13 Mikrogramm MK-4 je 85 Gramm), Cheddar und Mozzarella (2 bis 4 Mikrogramm MK-4 je 40 Gramm), ein hartgekochtes Ei (4 Mikrogramm) und ein Glas fettarme Milch (1 Mikrogramm) sind Zusatz, nicht Grundpfeiler. Lachs und Garnelen liegen nahe null. Wer Fleisch meidet, verliert damit keine unverzichtbare K2-Ration, sofern Blattgemüse auf dem Teller bleibt.
Warum Portionsgröße und getrocknete Kräuter täuschen
Tabellen pro 100 Gramm getrocknetem Basilikum, Salbei oder Thymian blähen den Gehalt auf, weil das Wasser fehlt und niemand 100 Gramm getrocknete Kräuter isst. Eine Prise im Topf bleibt im Mikrogrammbereich, während eine normale Gemüsebeilage den Tagesbedarf trägt. Frische Petersilie ist dichter als getrockneter Oregano in der realen Küche, sobald man die tatsächlich gegessene Menge vergleicht.
Garen senkt den Phylloquinongehalt nicht so stark, wie viele annehmen. Gekochter Blattkohl und gekochter Brokkoli stehen in der NIH-Liste vorn, weil die Portion zusammenschmilzt und man mehr Blatt isst als roh. Rohkostsalat aus Eisbergsalat und Gurke wirkt „grün“, liefert aber wenig K1. Wer Werte aus Apps vergleicht, sollte Portion und Zubereitung prüfen, nicht nur den Namen des Gemüses.
Mayonnaise und Margarine erscheinen in älteren Listen, weil sie Soja- oder Rapsöl enthalten. Ein Esslöffel Caesar-Dressing bringt laut NIH 15 Mikrogramm, nützlich als Trägerfett, nicht als Gemüseersatz. Fertigshakes und Riegel sind selten mit Vitamin K angereichert; Frühstücksflocken typischerweise nicht. Die belastbare Strategie bleibt sichtbares Blatt, nicht eine angereicherte Riegelmarke.
Wie Fett die Aufnahme von Vitamin K verbessert
Phylloquinon aus Tabletten wird zu etwa 80 Prozent aufgenommen, aus Spinat nur zu 4 bis 17 Prozent derselben Menge, weil es in Chloroplasten feststeckt. Ein Schuss Öl, Nüsse, Avocado oder fetthaltiges Dressing auf dem Salat verbessert die Mizellenbildung mit Galle und Pankreasenzymen. Harvard empfiehlt ausdrücklich, Blattgemüse nicht fettfrei zu essen, wenn man den Gehalt nutzen will.
Lange Menachinone aus fermentierten Lebensmitteln scheinen besser verfügbar zu sein als K1 aus Rohkost, die Datenbasis ist jedoch schmal. MK-7 aus Präparaten bleibt länger im Blut als Phylloquinon, das sagt nichts über einen höheren Nutzen für Knochen oder Arterien. Orlistat, Gallensäurebinder wie Colestyramin und Fettmalabsorption nach Gallestau oder Darmresektion können die Aufnahme aller fettlöslichen Vitamine drosseln; dann zählen Lebensmittel allein oft nicht.
Wer Galle, Bauchspeicheldrüse oder Dünndarm erkrankt hat, sollte den Vitamin-K-Status mit der behandelnden Praxis klären, statt nur mehr Grünkohl aufzuhäufen. Nach bariatrischen Operationen kann der Spiegel sinken, ohne dass sofort Blutungen auftreten. In solchen Situationen entscheidet die Indikation für ein Präparat der Arzt, nicht die Lebensmittelliste.

Was Studien zu Knochen, Gefäßen und Zucker zeigen
Höhere K-Zufuhr aus der Kost hängt in Beobachtungsstudien mit weniger Hüftbrüchen zusammen; randomisierte Studien zu Präparaten bleiben widersprüchlich. Das NIH beschreibt, dass MK-4 in japanischen Arbeiten in pharmakologischen Dosen von 15 oder 45 Milligramm Frakturen senkte, spätere nordamerikanische Studien mit Phylloquinon oder MK-4 plus Calcium und Vitamin D die Knochendichte aber nicht verbesserten. Die NNR 2023 ergänzt, dass frühe japanische Schutzbefunde teils zurückgezogen wurden und Vitamin K die Dichte bei Osteoporose kaum verändert.
EFSA erkannte 2009 einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Vitamin-K-Zufuhr und der Erhaltung normaler Knochen, die US-FDA hat keinen Health Claim zugelassen. Osteocalcin braucht Vitamin K, Calcium und Vitamin D bleiben die tragenden Säulen der Knochengesundheit. Ein Grünkohlgericht ersetzt weder Krafttraining noch die Abklärung einer Osteoporose.
MGP kann Gefäßverkalkung hemmen, wenn es carboxyliert ist. Ältere niederländische Kohorten verknüpften höhere Menachinon-Zufuhr mit weniger koronarer Verkalkung und niedrigerer Herzsterblickeit; Phylloquinon zeigte diesen Zusammenhang nicht. Interventionsstudien sind klein und uneinheitlich. Das NIH nennt den Nutzen für die koronare Herzkrankheit unklar. Die NNR 2023 stuft die vorbeugende Wirkung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen als unsicher ein.
Beobachtungen zu Typ-2-Diabetes und Krebs bleiben schwach. Systematische Übersichten zu Blutzucker und Insulinresistenz kommen nicht einheitlich zum selben Ergebnis, Zellstudien ersetzen keine Krebsprävention. Alzheimer-Hoffnungen, die ältere Ratgebertexte aus Beobachtungen ableiteten, tragen keine Leitlinie. Wer Blattgemüse isst, tut das wegen Gerinnung, Nährstoffdichte und Ballaststoffen, nicht als Ersatz für Diabetes- oder Onkologiebehandlung.
Wann ein Mangel droht und wann zum Arzt
Ein ernährungsbedingter Mangel mit Blutungsneigung ist bei gesunden Erwachsenen mit gemischter Kost fast unmöglich. Merck und MedlinePlus (Review Januar 2025) nennen Blutergüsse, Nasen- und Zahnfleischbluten, Blut im Stuhl oder Urin, starke Regelblutung und Nachbluten nach Punktionen als typische Zeichen, sobald die Gerinnungsfaktoren fehlen. Solche Symptome gehören in die ärztliche Abklärung, nicht in den Selbstversuch mit einem hoch dosierten K2-Tropfen.
Risikogruppen sind klar umrissen. Neugeborene ohne intramuskuläre Prophylaxe, Menschen mit Zöliakie, Colitis ulcerosa, Mukoviszidose, Kurzdarmsyndrom, Gallestau oder nach bariatrischem Eingriff nehmen Fett und damit Vitamin K schlecht auf. Länger als wenige Wochen gegebene Breitbandantibiotika, besonders manche Cephalosporine, können die bakterielle K2-Bildung und teilweise die Vitamin-K-Wirkung selbst stören. Orlistat und Gallensäurebinder senken die Aufnahme. Schwere Leberkrankheit stört die Synthese der Faktoren unabhängig vom Vitamin.
StatPearls (Aktualisierung 2026) beschreibt subklinische Unterversorgung als häufig bei kritisch Kranken, bei Dialyse und bei sehr einseitiger Kost, offene Blutungen dagegen als selten. Ein verlängerter Quick-Wert oder eine hohe INR, die nach Phytomenadion sinkt, bestätigt den Mangel und grenzt ihn von einer Leberzellschädigung ab. Hausmittel oder „K2-Kuren“ ersetzen diese Diagnostik nicht.
Zum Arzt oder in die Notaufnahme gehört frische, nicht erklärbare Blutung, Teerstuhl, blutiges Erbrechen, plötzliche starke Kopfschmerzen mit Bewusstseinsänderung oder ein Säugling mit Blut am Nabel, blassen Hautstellen, schwarzem Stuhl oder Krampfanfällen. Vor einem Vitamin-K-Präparat muss, wer Phenprocoumon, Warfarin, Acenocoumarol oder ähnliche Mittel nimmt, die Dosis mit der gerinnungsführenden Stelle abstimmen.
Vitamin K unter Phenprocoumon und Warfarin
Vitamin-K-Antagonisten blockieren die Wiederverwertung von Vitamin K in der Leber; mehr K in der Nahrung kann die INR senken, weniger K kann sie in den Blutungsbereich treiben. Das NIH nennt ausdrücklich Warfarin sowie die in Europa üblichen Stoffe Phenprocoumon, Acenocoumarol und Tioclomarol. MedlinePlus hält fest, dass plötzliche Schwankungen gefährlicher sind als ein stabiler, auch höherer Verzehr von Blattgemüse.
Strikte Verbote von Spinat und Brokkoli sind überholt, sofern die Wocheneinkäufe ähnlich bleiben. Eine Extra-Packung Grünkohl-Smoothies in der Diätwoche oder der abrupte Verzicht in der Reisewoche verschiebt die Wirkung des Medikaments. Hoch dosierte K-Präparate, manchen Trinknahrungen und große Sprünge bei Natto gehören vorher auf den Tisch der Praxis. Direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) wirken nicht über diesen Vitamin-K-Zyklus; trotzdem bleibt jedes neue Präparat ärztliche Sache.
Ein Esslöffel Öl oder eine kleine Salatportion muss niemand streichen. Gefährlich wird die Kombination aus „jetzt ganz ohne Grün“ und einem unveränderten Phenprocoumon-Plan, oder das Gegenteil, eine plötzliche Saftkur aus Petersilie. INR-Kontrollen fangen solche Wechsel nur auf, wenn sie zeitnah nach der Umstellung stattfinden. Apotheke und Labor sollten von neuen Vitaminpräparaten wissen.
Warum Säuglinge eine Spritze brauchen
Neugeborene kommen mit winzigen Vitamin-K-Speichern zur Welt, weil die Plazenta kaum Phylloquinon durchlässt, die Darmflora fehlt und Muttermilch nur wenig Vitamin K enthält. Ohne Prophylaxe droht die Vitamin-K-Mangelblutung (VKDB), die unsichtbar im Schädel oder Darm verlaufen kann. Die CDC (Stand Januar 2025) unterscheidet eine frühe Form in den ersten 24 Stunden, die klassische Form in der ersten Woche und die späte Form zwischen der ersten Woche und dem sechsten Monat, häufig in Woche zwei bis acht.
Frühe und klassische VKDB treten ohne Prophylaxe etwa bei 1 von 60 bis 1 von 250 Neugeborenen auf, späte VKDB bei 1 von 14 000 bis 1 von 25 000. Säuglinge ohne Spritze haben laut CDC ein etwa 81-fach höheres Risiko für die späte Form. Eine intramuskuläre Dosis direkt nach der Geburt, verschiebbar bis sechs Stunden wegen des Bondings, verhindert die Erkrankung zuverlässig. Merck empfiehlt 1 Milligramm intramuskulär bei Kindern über 1500 Gramm und 0,3 bis 0,5 Milligramm je Kilogramm bei kleineren Frühgeborenen, jeweils innerhalb von sechs Stunden.
Warnzeichen sind selten, bevor es ernst wird. Blutergüsse am Kopf, Nabelbluten, blasse Haut oder blasse Schleimhäute, teeriger Stuhl, Blutbrechen, Gelbwerden der Augen nach der dritten Lebenswoche sowie Reizbarkeit, Krämpfe oder extremes Schlafen können auf eine Blutung hinweisen. Ausschließlich gestillte Kinder ohne Spritze tragen das höchste Risiko; Lebererkrankung, Durchfall, Zöliakie oder Mukoviszidose erhöhen es zusätzlich. Orale Schemata sind weniger zuverlässig als die intramuskuläre Gabe.
Häufige Fragen
Welche Lebensmittel haben am meisten Vitamin K?
Gekochter Blattkohl, Rübenblätter, Spinat, Grünkohl und Brokkoli führen bei Vitamin K1, Natto bei Vitamin K2. Eine normale Gemüsebeilage reicht für den Tagesbedarf der meisten Erwachsenen, getrocknete Kräuter tun das in Alltagsmengen nicht.
Kann man mit Essen zu viel Vitamin K aufnehmen?
Natürliches Phylloquinon und Menachinone aus Lebensmitteln gelten oral als untoxisch, ein UL wurde nicht gesetzt. Menadion (früher Vitamin K3) ist giftig und gehört nicht in Humanpräparate. Wer Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ nimmt, kann trotzdem durch große Schwankungen schaden, ohne dass eine klassische Überdosierung vorliegt.
Muss ich unter Marcumar auf Blattgemüse verzichten?
Nein. Phenprocoumon und Warfarin verlangen eine gleichmäßige Zufuhr, nicht den Verzicht auf Grünkohl. Große Sprünge, Saftkuren oder neue Hochdosispräparate gehören vorher mit der gerinnungsführenden Stelle besprochen, die INR wird danach enger kontrolliert.
Brauchen Veganer extra Vitamin K2?
Nicht automatisch. Phylloquinon aus Blatt und Öl deckt die Referenzwerte, Natto liefert zusätzlich MK-7, falls gewünscht. Ein eigenes K2-Soll existiert in den europäischen und US-Referenzwerten nicht, weil die Evidenz für Menachinone unzureichend ist.
Hilft mehr Vitamin K gegen Osteoporose?
Vitamin K gehört zur Carboxylierung von Osteocalcin, die Knochendichte steigt in neueren Studien durch Präparate aber oft nicht. Calcium, Vitamin D, Kraftbelastung und bei Bedarf eine osteologische Therapie bleiben vorrangig. Hohe MK-4-Dosen aus der japanischen Osteoporosebehandlung sind Arzneimittel, keine Küchenportion.
Wann sollte ich wegen Vitamin K zum Arzt?
Bei neuer Blutungsneigung, Teerstuhl, blutigem Erbrechen oder einem Säugling mit Nabelbluten, blasser Haut oder Krämpfen ist eine ärztliche Bewertung nötig. Dasselbe gilt vor jedem K-Präparat, wenn bereits ein Vitamin-K-Antagonist genommen wird, und bei bekannter Fettmalabsorption mit Gerinnungsverschiebung.

Fazit
Wer regelmäßig dunkles Blattgemüse mit etwas Öl isst, deckt den Vitamin-K-Bedarf, ohne Tabellen auswendig zu lernen. Europa rechnet mit 70 Mikrogramm Phylloquinon, die USA mit 90 bis 120; beide Spannen sind mit einer Portion Spinat, Grünkohl oder Brokkoli erreichbar. Natto ist die Ausnahmequelle für MK-7, Käse und Fleisch bleiben kleine Zulagen.
Die großen Gesundheitsversprechen zu Bruchrisiko, Arterienverkalkung, Diabetes und Krebs haben sich seit den späten 2010er-Jahren nicht zur Leitlinie verdichtet. Gerinnung und die Vermeidung eines echten Mangels bleiben der belastbare Kern. Unter Phenprocoumon zählt die ruhige Routine auf dem Teller, bei Neugeborenen die eine Spritze nach der Geburt.
Quellen
- National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements: Vitamin K – Health Professional Fact Sheet. National Institutes of Health, 29. März 2021.
- National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements: Vitamin K – Consumer. National Institutes of Health, 22. März 2021.
- Centers for Disease Control and Prevention: About Vitamin K Deficiency Bleeding. Centers for Disease Control and Prevention, 16. Januar 2025.
- MedlinePlus: Vitamin K: MedlinePlus Medical Encyclopedia. MedlinePlus Medical Encyclopedia, 21. Januar 2025.
- Johnson LE: Vitamin K Deficiency. Merck Manual Professional Edition, Stand: Juni 2026.
- Johnson LE: Vitamin K Toxicity. Merck Manual Professional Edition, Stand: Juni 2026.
- Harvard T.H. Chan School of Public Health: Vitamin K • The Nutrition Source. The Nutrition Source, Stand: März 2023.
- Cleveland Clinic: Vitamin K: What Does It Do?. Cleveland Clinic Health Essentials, 7. Dezember 2022.
- Daley SF, Sina RE: Vitamin K Deficiency in Neonates and Adults. StatPearls, 13. Mai 2026.
- Lyytinen A, Linneberg A: Vitamin K – a scoping review for Nordic Nutrition Recommendations 2023. Food & Nutrition Research, 23. Oktober 2023.
- EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies: Dietary reference values for vitamin K. EFSA Journal, 22. Mai 2017.
